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Full text of "Neues Archiv für sächsische Geschichte und Alterthumskunde"

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Neues  Archiv 


für 


Sächsische  Geschichte 


und 


Altertumskunde 


Herausgegeben 


Hubert  Ermiseh 


Neunundzwanzigster  Band 


^/3£? 


Dresden  1908 
Wilhelm  Baensch,  Verlagshandlung. 


'"HE  GETTY  CENTER 
LißRARY 


Inhalt. 


Seite 

I.  Kurt    von    Raab.     Gestorben    am    i.  Januar    1908. 
■  Vom  Herausofeber i 


^fc>" 


II.  Der  Pleiisensprengel.  Ein  Beitrag  zur  kirchlichen 
Geographie  Sachsens.  Von  Lic.  Dr.  Leo  Bönhoff  in 
Annaberg.     (Nebst  einer  Karte) 10 

III.  Lutherana.  Von  G3'mnasialoberlehrer  Dr.  PaulVetter 
in  Leipzig. 

1.  Luthers    Streit     mit     Herzog    Heinrich    von 
Sachsen 82 

2.  Ein  neues  Ordinationsformular  aus  dem  Jahre 
1583 94 

IV.  Sächsische  Musikantenartikel  (1653).     Von  Dr.   Ru- 
dolf Wustmann  in  Bühlau 104 

V.  Studien  zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges 
tür  Sachsen.  Von  Dr.  Carl  Göhler  in  Dresden  .     .118 

VI.    Kleinere  Mitteilungen 150 

I.  Vlämisches  Recht  in  der  Umgebung  von  Leip- 
zig. Von  Pfarrer  Lic.  Dr.  B  O.  Markgraf  in  Leipzig 
S.  150.  —  2.  Zur  Biographie  des  Stammvaters  des 
sächsischen  Königshauses,  Herzog  Albrechts  des 
Beherzten,  und  seines  Bruders,  Kurfürsten  Ernst 
von  Sachsen.  Von  Dr.  Maximilian  Buchner  in 
München.  S.  155.  —  3.  Noch  einmal  das  Jahr  der 
Erfindung  des  Meifsner  Porzellans?  Von  Direkto- 
rial-Assistent  Dr.  E.  Zimmermann  in  Dresden  S.  162 

Literatur 165 

Nachrichten        209 


IV  Inhalt. 

Seite 

VII.  Der  Pleilsensprengel.     Von  Lic.  Dr.  Leo  Bönhoff  in 
Annaberg  (Schlufs) 217 

VIII.  Der   Tod    des    Bischofs    Arn   von  Würzburg.     Von 
Pfarrer  em.  C.  Klotzsch  in  Kötzschenbroda    .     .     .273 

IX.  Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  Von  Richard 

Freiherrn  von  Mansberg  in  Dresden 282 

X.  Der  Typus  des  Leipziger  Stvidenten  im  18.  Jahr- 
hundert. Von  Redakteur  Dr.  W.  Bruchmüller  in 
Leipzig 312 

XI.  Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze.  Eine  Studie  und 
Entgegnung.  Von  Archivrat  Dr.  Berthold  Schmidt 
in  Schleiz 342 

Literatur 352 

Nachrichten -391 

Register 400 


Besprochene  Schriften. 


Arbeiten,  Die  histor.-geogr.,  im  Königreich  Sachsen  (Ermisch)  168 

Barth,  Zur  Baugeschichte  der  Dresdner  Kreuzkirche  (Enrüsch)  364 

Beiträge  zur  sächsischen  Kirchengeschichte  Heft  21  (G.Müller)  178 

Bildnisse  hervorragender  Dresdner,     i.  Reihe  (Ermisch)    .     .     .  362 

Giemen,  Alexius  Ghrosner  (Vetter) 352 

Doehler,  Geschichte  des  Dorfes   Leuba  (Ermisch) 184 

Doenges,  Meifsner  Porzellan  (H.  A.  Lier) 375 

Erfurth,     Bilder    aus     der     Kulturgeschichte    unserer    Heimat 

(Heydenreich) 165 

Ernst,  Briefwechsel  Herzog  Christophs  von  Württemberg  III.  IV. 

(Wolf) .  169 

Flugschriften  aus  den  ersten  Jahren   der  Reformation.     Bd.  i 

Heft  2  und  10  (Gefs) 365 

Führer  durch  die  Stadt  Annaberg  (Ermisch) 369 

Gurlitt,  Dresden  (Ermich) 363 

Gutbier,  Beiträge  i-ur  Häuserchronik  von  Langensalza  (Ermisch)  372 
HallendorfF,  Handlinger  ang.  kon.  August  den  starkes  utrikes 

politik  (Haake) ' 357 

Heldmann,  Mittelalter!.  Volksspiele  (Mogk) 374 

Kietz,  Richard  Wagner  (Emiisch  j      .  365 

Korn,  Kriegsbaumeister  Graf  Rochus  zu  Linar  (Lippert)  .     .     .  173 
Kroker,    250  Jahre    einer  Leipziger  Buchdruckerei  und   Buch- 
handlung (Ermisch)       368 

Mathesius,  Joh.,  Ausgewählte  Werke  III.   IV  (G.  Müller)       .     .  172 

Meiche,  Die  Anfänge  der  Kunstblumenindustrie  (Ermisch)    .     .  370 

Moltke,  Leipzigs  Handelskorporationen  (Tille)        183 


Inhalt.  V 

Seite 
Moeschier,    Gutsherrlich-bäuerliche  Verhältnisse    in   der   Ober- 
lausitz (Meiche) 361 

Neujahrsblätter    der    Bibliothek    und    des    Archivs    der    Stadt 

Leipzig  III.  IV  (Ermisch) 366 

Pallas,  Die Re^straturen der  Kirchenvisitationenim  ehemals  Sachs. 

Kurkreis  I  (Gefs) 354 

Philipp,    August    der   Starke    und   die   Pragmatische    Sanktion 

(Haake)         35^ 

V.  Raab,  Schlofs  und  Amt  Vogtsberg  (Oppermann)       ....  179 
Ratschronik,   Zerbster,  herausg.  u.  übersetzt  von  H.  Wäschke 

(Ermisch) 37^ 

Rauda,  Die  mittelalterliche  Baukunst  Bautzens  (Mackowsky)  182 

Sauze}',  Les  Saxons  dans  nos  rangs  (Hottenroth)       .     .     .     .     .  360 

Schlauch,  Die  kirchlichen  Verhältnisse  zu  Dohna  (Ermisch)  .     .  370 

Schluttig,  Chronik  der  Gemeinde  Thalheim  (Ermisch)       ...  371 

Schmidt"^  Friedr.,  Geschichte  der  Stadt  Sangerhausen  (Ermisch)  371 

Schmidt,  Osw.,  Die  St.  Annenkirche  zu  Annaberg  (Ermisch)  368 

Schmidt,  Otto  Eduard,  Kursächs.  Streifzüge  Bd.  IIL  (Beschomer)  166 

Schmidt,  Otto  Eduard,  Fouque,  Apel,  Miltitz  (H.  A.  Lier) .     .     .  175 
Schmidt,  Wilhelm,  Die  Kirchen-  und  Schul  Visitationen  im  sächs. 

Kurkreise  (Gefs) 354 

Seeliger,  Geschichte  der  Heimat  (Ermisch)         370 

Sigismund,  Ferdinand  von  Raj'ski  (Haenel) .     .  177 

Weinhold,  Chemnitz  und  Umgebung  (EiTnisch) 370 

Weyhe,  Landeskunde  des  Herzogtums  Anhalt  (Beschomer)      .  373 


I. 

Kurt  von  Raab. 

Gestorben  am  i.  Januar  1908. 

Von 
Hubert  Ermisch. 


Am  Neujahrstage  starb  zu  Dresden  der  General  der  In- 
fanterie ä  la  suite  des  i.  Königl.  Sächsischen  (Leib-)  Grenadier- 
regiments Nr.  100  Dr.  phil.  h.  c.  Kurt  von  Raab.  Sein  Tod 
hat  in  die  Reihe  der  sächsischen  Historiker  eine  schmerzHche, 
kaum  auszufüllende  Lücke  gerissen.  Wie  der  vor  fünf  Jahren  uns 
entrissene  Hermann  Knothe  auf  dem  Gebiete  der  oberlausitzer 
Geschichte,  so  war  Kurt  von  Raab  auf  dem  Gebiete  der  Ge- 
schichte des  sächsischen  Vogtlandes  unstreitig  der  beste  Kenner 
und  der  gewissenhafteste  Forscher;  seine  Arbeiten  werden  eine 
grundlegende,  dauernde  Bedeutung  behalten.  Es  erscheint 
uns  somit  nicht  allein  als  eine  Pflicht  der  Dankbarkeit  dem 
langjährigen  Vorsitzenden  des  Königl.  Sächsischen  Altertums- 
vereins gegenüber,  wenn  wir  dem  hochverdienten  Manne  an 
dieser  Stelle  ein  Wort  der  Erinnerung  widmen,  sondern  wir 
haben  dabei  in  erster  Linie  die  Absicht,  die  Stellung  des 
Entschlafenen  in  der  Geschichte  der  sächsischen  Historio- 
graphie zu  kennzeichnen.  Daneben  sind  diese  Zeilen  ihrem 
Verfasser,  den  der  Entschlafene  mehr  als  drei  Jahrzehnte 
hindurch  mit  seiner  Freundschaft  ehrte,  ein  Herzensbedürfnis. 

Kurt  von  Raab  stammte  aus  einem  der  ältesten  Ge- 
schlechter des  vogtländischen  Uradels,  das  sich  bis  ins 
13.  Jahrhundert  zurück  verfolgen  läfst;  schon  1298  erscheint 
ein  Johannes  Rabe  auf  Mechelgrün.  Die  Geschichte  der 
Familie  und  ihren  Zusammenhang  mit  anderen  vogtländischen 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXIX.  i.  2.  I 


2  Hubert  Ermisch: 

Geschlechtern  hat  der  Verstorbene  eingehend  studiert  und 
umfängUche  Materialsammhmgen  darüber  hinterlassen;  aber 
wenn  diese  Arbeiten  auch  vielleicht  der  Ausgangspunkt  seiner 
geschichtlichen  Forschungen  gewesen  sind,  so  hat  er  doch 
niemals  etwas  Zusammenhängendes  darüber  veröffentlicht, 
und  dies  ist  bezeichnend  für  ihn;  im  Gegensatz  zu  manchem 
anderen  Genealogen  war  die  Familiengeschichte  ihm  stets  nur 
ein  Mittel  zum  Zweck,  niemals  Selbstzweck,  Einstmals  eines 
der  begütertsten  Geschlechter  des  Vogtlandes,  gehörten  die 
Raben  später  zum  bescheidenen  Landadel.  In  der  Geschichte 
der  sächsischen  Armee  nahmen  sie  stets  eine  ehrenvolle 
Stellung  ein;  zahlreiche  tüchtige  Offiziere  sind  aus  ihr  her- 
vorgegangen. 

Auch  der  Vater  des  Verstorbenen,  Heinrich  Friedrich 
von  Raab,  gehörte  ihr  an.  Er  war  vermählt  mit  Christiane 
Friederike  geb.  Hüttner  und  stand  als  Oberstleutnant 
in  Bautzen,  als  Kurt  am  15.  Juli  1834  geboren  wurde;  der 
dritte  von  vier  Söhnen,  die  sich  sämtlich  der  militärischen 
Laufbahn  widmeten.  Der  älteste,  Arno,  geboren  1827,  blieb 
im  Jahre  1870  bei  Sedan;  der  zweite,  Bruno,  geboren  1831, 
ist  als  Oberst  z.  D.  im  Jahre  1895,  der  jüngste,  Heinrich, 
geboren  1835,  als  Major  z.  D.  im  Jahre  1907  gestorben.  Der 
Vater  war  1845  in  den  Ruhestand  getreten  und  hatte  das 
Gut  Dreihöf  bei  Oelsnitz  erworben,  wo  er  bis  1852  lebte;  in 
hohem  Alter  ist  er  am  i.  Dezember  1870  zu  Dresden  gestorben. 

Im  elterlichen  Hause  empfing  Kurt  von  Raab  den  ersten 
Unterricht  von  Hauslehrern,  bis  er  am  i.  April  1850  in  das 
Kadettenkorps  eintrat.  Vier  Jahre  später  wurde  er  als  Portepee- 
junker in  die  4.  Kompagnie  des  Königl.  Sächsischen  2.  Jäger- 
bataillons in  Leipzig  eingestellt,  wurde  am  19.  Oktober  1854 
Leutnant  und  im  Jahre  1860  Oberleutnant.  Als  solcher  kämpfte 
er  mit  Auszeichnung  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz,  wurde 
bald  darauf  zum  Hauptmann  und  Kompagniechef  der  i.  Kom- 
pagnie des  I.  (des  heutigen  12.)  Jägerbataillons  befördert  und 
im  Januar  1867  zu  dem  Lehrbataillon  kommandiert,  das  unter 
Führung  des  Oberstleutnants  von  Montbe  zur  Einführung  der 
Armee  in  die  neuen  Verhältnisse  gebildet  worden  war.  Als 
Chef  der  3.  Kompagnie  des  i.  Jägerbataillons  ,, Kronprinz" 
Nr.  12  machte  er  den  Feldzug  1870/71  mit  und  erwarb  sich  in 
zahlreichen  Schlachten  und  Gefechten  manche  Auszeichnung. 
Aus  seiner  weiteren  militärischen  Laufbahn  mag  nur  kurz  er- 
wähnt werden,  dals  v.  Raab  1874  zum  Major  im  Schützenregiment 
befördert  wurde,  1875  als  solcher  die  Führung  des  2.  Jäger- 
bataillons Nr.  13  in  Meifsen übernahm,  1879  Oberstleutnant,  1883 


Kurt  von  Raab.  2 

Oberst,  1884  Kommandeur  des  Infanterieregiments  Nr.  107,  1885 
Kommandeur  des  i.  (Leib-) Grenadierregiments  Nr,  100,  1889 
Generalmajor  und  Kommandeur  der  5.  Infanteriebrigade  Nr.  63, 
dann  1890  der  6.  Infanteriebrigade  Nr.  64,  1894  General- 
leutnant und  Kommandeur  der  i.  Division  Nr.  23  wurde.  In 
amtlicher  Eigenschaft  nahm  er  1888  in  Berlin  an  der  Bei- 
setzung Kaiser  Wilhelms  I.,  1894  als  Vertreter  Sr.  Majestät 
des  Königs  in  Petersburg  an  der  Beisetzung  Kaiser 
Alexanders  III.  von  Rufsland  teil.  Als  man  im  Jahre  1890 
eine  Immediatkommission  für  die  Neubearbeitung  der  Militär- 
strafprozefsordnung  in  BerHn  bildete,  wurde  er  als  Mitglied  in 
diesejbe  berufen.  Im  Jahre  1898  erbat  er  seinen  Abschied 
und  wurde  unter  Verleihung  des  Charakters  als  General  der 
Infanterie  zur  Disposition  gestellt.  Eine  besondere  Freude 
war  es  ihm,  dafs  König  Friedrich  August,  der  einst  im  Leib- 
regiment  als  Kompagniechef  unter  seiner  Führung  gestanden 
hatte,  am  25.  Mai  1905  ihn  als  ,, seinen  langjährigen  mili- 
tärischen Lehrer"  ä  la  suite  dieses  Regimentes  stellte. 

So  war  die  militärische  Laufbahn  des  Verewigten  eine 
lange  und  glänzende;  es  erklärt  sich  dies  daraus,  dafs  er  sich 
im  Kriege  wie  im  Frieden  als  aufsergewöhnlich  befähigter 
Truppenführer  und  Organisator,  als  strenger  aber  stets  ge- 
rechter Vorgesetzter,  dem  es  jederzeit  nur  auf  die  Sache, 
nicht  auf  die  Person  ankam,  bewährt  hatte.  Doch  ist  es 
nicht  unsere  Aufgabe,  seine  Verdienste  auf  diesem  Gebiete 
zu  würdigen;  für  uns  kommt  eine  andere  Seite  seiner  Tätig- 
keit in  Betracht. 

Obwohl  Soldat  vom  Scheitel  bis  zur  Sohle,  hat  von  Raab 
doch  von  jeher  seine  Erholung  im  Studium  der  Geschichte 
seines  geUebten  Vogtlandes  gesucht.  Der  handschriftliche 
Nachlafs,  der  einem  Wunsche  des  Verstorbenen  gemäfs  dem 
Hauptstaatsarchive  überwiesen  worden  ist,  zeugt  von  dem 
riesigen  Fleifs  und  der  grofsen  Umsicht,  mit  der  er  jahr- 
zehntelang gesammelt  und  gesichtet  hat.  Schon  in  jungen 
Jahren  beschäftigte  er  sich  viel  mit  den  Archiven  der  Ritter- 
güter und  der  Pfarrkirchen  seiner  Heimat.  Später  waren  es 
dann  hauptsächlich  das  Hauptstaatsarchiv  in  Dresden,  das 
Sachsen-Ernestinische  Gesamtarchiv  in  Weimar  und  das  Haus- 
archiv der  Fürsten  Reufs  j.  L.  zu  Schleiz,  die  er  aufs  gründ- 
hchste  durchforschte;  aber  auch  die  Archive  in  Bamberg,  in 
Eger  und  wo  sich  sonst  irgendwie  Material  zur  Geschichte 
des  Vogtlandes  erwarten  hefs,  hat  er  besucht.  Da  er  seine 
Tätigkeit  von  vorn  herein  auf  die  Geschichte  des  Vogtlandes 
von  den  ältesten  geschichtlich  erkennbaren  Zeiten  bis  zur  Er- 


4  Hubert  Ermisch: 

Werbung  durch  Kurfürst  August  konzentrierte,  so  konnte  er 
wohl  in  der  Beschränkung  den  Meister  zeigen;  es  dürfte  nicht 
viele  Dokumente  zur  älteren  vogtländischen  Geschichte  geben, 
die  er  nicht  in  den  Händen  gehabt  hat. 

Im  Jahre  1873  wurde,  zunächst  als  Zweigverein  des  Vogt- 
ländischen  Altertumsforschenden  Vereins  in  Hohenleuben,  der 
Altertumsverein  zu  Plauen  gegründet.  Nachdem  dieser  Ver- 
ein im  Juli  1878  selbständig  geworden  war,  trat  ihm  bald  darauf 
von  Raab  bei  und  wurde  sein  fleifsigster  und  tüchtigster  Mit- 
arbeiter; wenn  der  Verein  ihn  im  Januar  1886  zum  Ehrenmitglied 
machte,  so  hatte  er  guten  Grund  dazu :  denn  den  in  seinen  Mit- 
teilungen oder  als  Beilagen  zu  ihnen  veröffentlichten  Aufsätzen 
und  Schriften  von  Raabs  verdankt  er  in  erster  Linie  die  geachtete 
Stellung,  die  er  unter  den  provinzialgeschichtlichen  Vereinen 
Deutschlands  einnimmt.  Im  Jahre  1883  erschien  in  seiner 
Zeitschrift  die  erste  gröfsere  geschichtliche  Arbeit,  die  von  Raab 
publizierte.  Er  war  damals  schon  nahezu  50  Jahre  alt;  dafs 
aber  seine  Veröffentlichungen  in  jahrzehntelangen  Vorarbeiten 
Gründlich  ausgereift  waren,  merkt  man  schon  den  ersten  an. 
Wohl  bildeten  familiengeschichtliche  Untersuchungen  den  Aus- 
gangspunkt, aber  sie  unterschieden  sich  doch  wesentlich  von 
den  oft  so  einseitigen  Arbeiten  anderer  Genealogen;  die 
Familie  war  ihm  stets  lediglich  ein  Glied  des  Ganzen, 
sein  Blick  war  immer  zugleich  nicht  blofs  auf  die  Orts- 
geschichte, die  mit  der  Familiengeschichte  ja  untrennbar  ver- 
bunden ist,  sondern  auch  auf  die  politische  und  wirtschaft- 
liche Geschichte  des  Landes   gerichtet. 

V^ir  geben  im  Anhang  eine  Zusammenstellung  aller  Ar- 
beiten des  Verstorbenen,  soweit  sie  uns  bekannt  geworden 
sind;  wir  können  uns  deshalb  darauf  beschränken,  hier  nur 
die  wichtigsten  Werke  hervorzuheben. 

Von  grundlegender  Bedeutung  wurden  zunächst  seine 
Regesten  zur  Orts-  und  Familiengeschichte  des  Vogtlandes 
(1350-  1563),  die  in  zwei  Bänden  1893  und  1898  erschienen. 
Sie  schliefsen  sich  als  Ergänzung  und  Fortsetzung  an  die 
von  Joh.  Müller  in  den  ersten  Heften  der  Mitteilungen  des 
Altertumsvereins  zu  Plauen  veröffentlichten  Urkunden  und 
Urkundenauszüge  zur  Geschichte  Plauens  und  des  Vogtlandes 
und  an  Berthold  Schmidts  Urkundenbuch  der  Vögte  vonWeida, 
Gera  und  Plauen  an  und  enthalten  in  2245  Nummern,  zu 
denen  dann  noch  einige  Nachträge  im  14.  Hefte  der  Mit- 
teilungen kamen,  das  Ergebnis  einer  langjährigen,  tieifsigen 
und  kritischen  Sammelarbeit.  Eine  sehr  orenaue  Kenntnis  des 
Landes,    seiner   geschichtlichen    wie    natürlichen  Verhältnisse, 


Kurt  von  Raab.  e 

unterstützt  durch  ein  vorzügiiches  Gedächtnis,  gab  dem  Ver- 
fasser namentUch  auf  dem  Gebiete  der  topographischen 
Forschung,  die  dem  Herausgeber  von  Urkunden  bekanntUch 
soviel  Mühe  macht,  eine  fast  nie  fehlgreifende  Sicherheit; 
die  gewissenhaften  Register,  die  er  diesem  wie  all  seinen 
gröfseren  Werken  beigefügt  hat,  legen  davon  das  rühmhchste 
Zeugnis  ab. 

Fast  noch  mehr  tritt  diese  eingehende  Vertrautheit  mit 
dem  Stoffe  in  der  kleinen  Schrift  über  die  Geschichte  der 
Staatsforsten  im  Vogtlande  (1896)  hervor;  sie  bedeutet  den 
ersten  Schritt  auf  einem  bisher  arg  vernachlässigten  Gebiete 
der  sächsischen  Wirtschaftsgeschichte  und  ist  bisher  vielleicht 
noch  nicht  genügend  gewürdigt  worden. 

_  Das  Streben,  volle  Klarheit  über  die  Besitz-,  Rechts-  und 
Verwaltungszustände  des  Vogtlandes  in  älterer  Zeit  zu  ge- 
winnen, führte  von  Raab  dann  zu  eingehendem  Studium  einer 
Quellengruppe  von  besonderer  Wichtigkeit,  der  Amtserbbücher 
des  Vogtlandes.  Das  Bedürfnis  einer  Feststellung  der  landes- 
herrlichen Gerechtsame  hatte  sich  in  den  Landen  der 
ernestinischen  Linie  des  Hauses  Sachsen  früh  geltend  gemacht; 
schon  1494  hatten  Kurfürst  Friedrich  und  Herzog  Johann 
ihrem  Landrentmeister  Heinrich  Mönch  befohlen,  ihre  Ämter 
in  Thüringen.  Franken  und  Vogtland  zu  bereisen,  die  landes- 
herrlichen Besitzungen  daselbst  zu  vermessen  und  zu  ver- 
zeichnen, den  Inventarbestand  zu  kontrollieren.  Es  mag 
dies  den  ersten  Anlafs  zur  Anlegung  sogenannter  Erbbücher 
über  die  einzelnen  Ämter  gegeben  haben,  in  denen  die  ge- 
wünschten Nachrichten  in  möglichster  Vollständigkeif  enthalten 
sein  sollten.  Zu  den  ältesten  dieser  Amtserbbücher  gehörten 
die  der  Ämter  Plauen  und  Pausa,  die  im  Jahre  1506  voll- 
endet wurden;  erst  Jahrzehnte  später  schlofs  sich  ihnen  das 
des  Amtes  Vogtsberg  an,  dessen  Bearbeitung  auf  besondere 
Schwierigkeiten  stiefs.  Mit  diesen  Erbbüchern  hat  sich 
von  Raab  in  den  letzten  zehn  Jahren  seines  Lebens  be- 
sonders eingehend  beschäftigt;  seine  Schriften  über  die  Ämter 
Plauen  (1902),  Pausa  (1903)  und  Vogtsberg  (1907J,  denen 
sorgfältige  Textabdrücke  der  Amtsbücher  beigegeben  sind, 
bieten  unter  Heranziehung  aller  irgendwie  erreichbaren  Ur- 
kunden und  Akten  eine  so  anschauHche  und  zuverlässige  Dar- 
stellung der  wirtschaftlichen  und  rechtlichen  Verhältnisse  des 
Vogtlandes  im  16.  Jahrhundert,  wie  sie  für  keinen  anderen 
Teil  des  Königreichs  Sachsen  bis  jetzt  vorliegt.  Namentlich 
das  umfänglichste  dieser  Werke,  ,, Schlofs  und  Amt  Vogtsberg 
bis   zur  Mitte   des   16.  Jahrhunderts",    das   auch   in  die  bisher 


6  Hubert  Ermisch: 

vielfach  dunkle  ältere  Geschichte  des  Amtes  Licht  bringt, 
darf  als  ein  Vorbild  für  ähnliche  Arbeiten  bezeichnet  werden. 

Es  ist  seine  letzte  Arbeit  gewesen.  Eine  auf  zwei  Bände 
berechnete  Geschichte  des  Vogtlandes  unter  Kurfürst  August, 
für  die  er  ein  umfängliches  Material  gesammelt  hatte,  hoffte 
er  schon  im  nächsten  Jahre  veröffentlichen  zu  können;  es 
sollte  ihm  nicht  beschieden  sein.  Hoffentlich  ist  es  mög- 
lich, aus  seinem  Nachlasse  dieses  Werk  noch  in  Druck  zu 
geben. 

Wie  kaum  ein  anderer  wäre  der  Verstorbene  dazu  vor- 
bereitet gewesen,  eine  zusammenhängende  Geschichte  des 
Vogtlandes  bis  zur  dauernden  Vereinigung  mit  Sachsen  zu 
schreiben,  die  bei  den  bisherigen  recht  ungenügenden  Arbeiten 
über  diesen  Gegenstand  sehr  willkommen  wäre.  Aber  so  oft 
dies  angeregt  wurde,  stets  wandte  er  ein,  dafs  ein  solches 
Werk  über  seine  Kräfte  gehe.  Diese  Bescheidenheit  eines 
Mannes,  dem  es  sonst  an  Selbstbewufstsein  gewifs  nicht  fehlte, 
war  es,  was  ihn  uns  jüngeren  Gleichstrebenden,  die  er  an 
Kenntnissen  auf  seinem  eigensten  Gebiete  weit  überragte,  so 
besonders  wert  machte;  er  war  jeder  von  der  seinen  ab- 
weichenden Meinung  zugänglich,  für  jede  Belehrung  dankbar, 
wurde  nie  müde  zu  lernen  —  und  darauf  nicht  zum  wenigsten 
ist  es  zurückzuführen,  wenn  seine  Arbeiten  sich  so  entschieden 
über  die  Durchschnittsleistungen  des  nicht  fachlich  vorge- 
bildeten Laien  erheben  und  durchweg  dauernden  Wert  be- 
anspruchen können. 

So  war  es  eine  wohlverdiente  Anerkennung  seiner  wissen- 
schaftlichen Tätigkeit,  als  ihm  im  Jahre  1904  die  philo- 
sophische Fakultät  der  Universität  Leipzig  die  Würde  eines 
Ehrendoktors  der  Philosophie  verlieh,  eine  Auszeichnung,  die 
ihn,  dem  es  an  Auszeichnungen  doch  nie  gefehlt  hatte,  mit 
stolzer  Freude  erfüllte. 

Dem  Königl.  Sächsischen  Altertumsverein  gehörte  von  Raab 
seit  1879  an.  Als  im  Jahre  1896  Präsident  von  Schönberg  aus 
Gesundheitsrücksichten  den  Vorsitz  niederlegte,  da  war  wohl 
niemand  darüber  im  Zweifel,  dafs  es  keinen  geeigneteren  Nach- 
folger für  ihn  geben  konnte,  als  Exzellenz  von  Raab.  Fast 
zwölf  Jahre  lang  hat  er  die  Arbeiten  des  Vereins  mit  Treue 
und  Gewissenhaftigkeit  geleitet.  Wenn  der  Verein  ihm  ge- 
meinsam mit  den  drei  vogtländischen  Vereinen  zu  Plauen, 
Schleiz  und  Hohenleuben  als  Festgabe  zu  seinem  70.  Geburts- 
tage eine  kleine  Schrift ,, Vogtländische  Forschungen"  widmete, 
so  war  dies  nur  ein  bescheidener  Zoll  der  Dankbarkeit.  Sein 
Andenken  wird  im  Verein  stets  fortleben. 


Kurt  von  Raab.  n 

Wie  als  Soldat  und  als  Geschichtsforscher,  so  genofs  der 
Entschlafene  auch  als  Mensch  die  höchste  Verehrung  aller, 
die  ihn  kannten.  Nicht  zu  grofs  war  ihre  Zahl.  Denn  bei 
aller  Liebenswürdigkeit,  die  namentlich  wir  durch  gleiche 
hiteressen  ihm  Verbundenen  in  reichem  Mafse  erfuhren,  ge- 
hörte er  doch  zu  den  nicht  leicht  zugänglichen  Naturen;  es 
konnte  zuweilen  scheinen,  als  vereinigten  sich  in  ihm  Wider- 
sprüche. So  wohl  man  sich  in  seinem  gastlichen  Heim 
fühlte,  vor  allem,  wenn  sich  in  seinem  vornehm -behaglichen, 
mit  künstlerischem  Geschmack  ausgestatteten  Landhause 
,, Elsenlinde"  bei  Leubnitz  im  Vogtlande,  wo  er  in  seinen 
letzten  Jahren  die  Sommermonate  zuzubringen  pflegte,  ein 
kleiner  Kreis  wissenschaftHch  gleichstrebender  Männer  zu 
froher  Tafelrunde  zusammenfand,  so  mied  er  doch  im  ganzen 
die  Geselligkeit  mehr  als  dafs  er  sie  suchte.  Zu  diesem  Hang 
zur  Einsamkeit,  der  in  seiner  wissenschaftlichen  Tätigkeit  ja 
reiche  Früchte  getragen  hat,  mögen  schwere  Lebensschicksale 
viel  beigetragen  haben.  Seine  geliebte  Gemahlin  Elisabeth, 
eine  geborene  Freiin  von  Tauchnitz,  wurde  ihm  im  Jahre  1866 
nach  noch  nicht  sechsjähriger  Ehe  durch  einen  frühen  Tod 
entrissen;  seine  älteste  Tochter,  die  mit  dem  späteren  Kultus- 
minister von  Schlieben  vermählt  war,  wurde  ebenfalls  in  jungen 
Jahren  (1894)  jäh  abberufen,  und  wenig  später  (1897)  folgte 
ihr  seine  Lieblingsenkelin.  Noch  in  seinen  letzten  Jahren 
erschütterte  ihn  tief  der  Tod  seiner  ältesten  Schwester  Linda 
von  Kospoth,  an  der  er  mit  zärtlicher  Liebe  hing,  und  dann 
die  schwere  Erkrankung  seines  Schwiegersohnes,  der  eben 
erst  auf  einen  hohen  Posten  berufen  worden  war,  auf  dem 
er  Bedeutendes  zu  wirken  bestimmt  schien.  Und  das  alles 
war  nicht  einmal  das  schwerste  häusliche  Leid,  das  ihn  be- 
troffen. Dazu  kam,  dafs  in  den  letzten  Jahren  ein  schleichendes 
Leiden  seinen  Körper,  der  bis  in  sein  Alter  hinein  das  Urbild 
männhcher  Kraft  und  Schönheit  war,  untergrub.  Am  22,  No- 
vember V.  J.  traf  ihn  ein  Schlaganfall,  dessen  Folgen  er  nach 
Wochen  schweren  Leidens  am  Neujahrstage  dieses  Jahres 
erlag. 

Die  Erinnerung  nicht  blofs  an  seine  Leistungen,  sondern 
auch  an  seine  vornehme  Gesinnung,  seine  unbestechliche 
Wahrheitsliebe,  seine  innere  Herzensgüte  wird  stets  in  uns 
fortleben. 


8  Hubert  Ermisch: 

Aufsätze   und   Schriften   K.  von   Raabs\). 

Zur  Geschichte  der  Rittergüter  des  Voigtlandes.  I.  Das  Rittergut 
Türbel  und  Pirk  und  seine  früheren  Besitzer.  Saxonia  V  (1879), 
if.,  9— II.  .  ^  ,  . 

Beiträge  zur  Geschichte  des  vogtländischen  Adels,  i.  Die  von  Reins- 
dorf,  von  Thofs  und  von  Weischlitz.  2.  Die  von  Machwitz, 
von  Göl'snitz,  Thufsel  von  Taltitz  vmd  von  Quingenberg.  Mitt.  III, 
28—46.     IV,  1—22.     VI,  1—42  (1883—1887). 

Das  Rittergut  Mechelgrün  und  seine  früheren  Besitzer.  Mitt.  III, 
47-63  U883). 

Ein  Duell  im  1 6.  Jahrhundert.     Mitt.  IV,  22—25  (1884). 

Nachrichten  über  Falkenstein  i.  V.  bis  zu  Anfang  des  17.  Jahr- 
hunderts.    Mitt.  V,  1—42  (1885). 

Die  von  der  Oelsnitz  im  sächsischen  Erzgebirge  und  im  Vogtlande. 
Deutscher  Herold  XVI,  25—26  (1885).'^ 

Auszüge  aus  den  Kirchenbüchern  der  im  sächsischen  Vogtlande  ge- 
legenen Pfarren  zu  Altensalz  (1586 — 1800),  Bergen  (1589 — 1635 
u.  1723 — 1772),  Theuma  mit  Filial  Tirpersdorf  (1632  — 1800)  und 
Werda  (1599  — 1765).  Vierteljahrsschrift  für  Heraldik,  heraus- 
^geben  vom  Verein  Herold,  XIV,  251  —  285  (1886). 

Das  Rittergut  Pohl  und  seine  früheren  Besitzer.    Mitt. VI,  43 — 64  (1887). 

Vogtländische  Heiratsausstattimgen  im  16.  Jahrhundert.  Mitt.  VI,  95 
bis  107  (1887). 

Zur  Geschichte  der  Familie  von  Römer  in  Sachsen.  Vierteljahrs- 
schrift für  Heraldik,  herausgegeben  vom  Verein  Herold,  XVI, 
369—390  (1888). 

Das  Amt  Pausa  Ende  des  1 6.  Jahrhunderts.     Mitt.  VII,  1  —  9  (1889). 

Auszüge  aus  den  Kirchenfiüchern  der  Pfarre  zu  Plauen  im  sächsischen 
Vogtlande  und  deren  Tochterkirchen  zu  Jöfsnitz,  Strafsberg  und 
Oberlosa  (1570  — 1800).  Vierteljahrsschrift  für  Heraldik,  heraus- 
gegeben vom  Verein  Herold,  XVIII,  465 — 483  (1890). 

Ein  vogtländischesWidenbuch  vom  Jahre  1545.  Mitt.  VIII,  i — 56  (1891). 

Die  Herrschaft  Plauen,  ihre  Lehnsmannschaft  und  deren  Besitzungen 
im  Anfang  des  15.  Jahrhunderts.     Mitt.  VIII,  79 — 115  (1891). 

Die  Zeughäuser  auf  dem  Schlosse  Vogtsberg  1563.  Mitt.  VIII,  116 
bis  120  (1891). 

Eine  Kriegsverpflegung  im  15.  Jahrhundert.    Mitt. VIII,  121  — 127  (1891). 

Zwei  vogfländische  Chroniken.     Mitt.  IX,  58  —  74  (1893). 

Regesten  zur  Orts-  und  Familiengeschichte  des  Vogt- 
landes. Bd.  L,  1350— 1485.  Bd.  II,  1485 — 1563.  Plauen  i.V.  1893. 
1898.  X  u.  310,  VII  u.  424  SS.  80.  (Bd.  I  =  Mitt.  X.  Bd.  II  Bei- 
gabe zu  Mitt.  XIII.) 

Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Staatsforsten  im  Vogt- 
lande bis  Ende  des  16.  Jahrhunderts.  Plauen  i.  V.  1896. 
147  SS.  8«  (=  Mitt.  XII.) 

Zur  Fehdezeit  im  Vogtlande  Ausgang  des  14.  Jahrhunderts.  Mitt.  XIII, 
I  — 13  (19001. 

Nochmals  die  Mordthat  bei  Plauen  1544.    Mitt.  XIII,  14—19  (1900). 

Kleinere  Mitteilungen.     Mitt.  XIII,  20—29  (1900). 

Chrieschwitz  in  früheren  Jahrhunderten.     Mitt.  XIII,  30—44  (1900). 


1)  Zumeist  in  den  hier  mit  „Mitt."  angeführten  Mitteilungen  des 
Altertumsvereins  zu  Plauen  i.V.  3.— 18.  Jahresschrift  erschienen. 


Kurt  von  Raab.  g 

Aus  einem  Amtsrechnungsbuche  des   Landes  zvi  Plauen  vom  Jahre 

1438— 1439.     Mitt.  XIV,  I— XXXV  (1901). 
Ein  Testament  vom   Jahre  1631.     Mitt.  XIV,  XXXVI-LVII  (1901). 
Der  Besitz  der  Wetü'ner  im  Vogtlande  1378— 1402.    Mitt.  XIV,  LVIII 

bis  LXXVIII  (1901). 
Nachträge  zu  den  Regesten   zur  Orts-  und  Familiengeschichte  des 

Vogtlandes  I.  u.  IL  Bd.    Mitt.  XIV,  LXXIX  -LXXXIX  (1901). 
Die   von  Kauftungen.     Eine  historisch- genealogische  Studie.     70./71. 

Jahresbericht"  des   Vogtland.    Altertumsforschenden   Vereins    zu 

Hohenleuben  S.  i — 75  (1901). 
Das   Amt  Plauen   im  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  und   das 

Erbbuch  vom  [ahre  1506.    Plauen  i!V.  1902.    33288.8".    (Bei- 
lage zur  Mitt.  XV.) 
Die  Beköstigung  der  Fröner.     Mitt.  XV,  30 — 33  (1902). 
Eine  Urkunde  über  Falkenstein  i.V.     Mitt.  XV,  34 — 35  (1902). 
Ein  fürstliches  Hausgerät  im  16.  Jahrhundert.    Mitt.  XV,  36—40  (1902). 
Fürstliche  Nachtlager  in  Plauen  147 1  — 1506.     Mitt.  XV,  41 — 45  (1902). 
Noch  ein  Amtserbbuch  von  Plauen.     Mitt.  XV,  46—47  (1902). 
Bemerkungen  zur  Geschichte  von  Marieney.     Neues  Archiv  f.  Sachs. 

Gesch.  XXIV,  199—203  (1903). 
Das  AmtPausa  bis  zur  Erwerl^ung  durch  Kurfürst  August 

von  Sachsen  im  Jahre  1569  und  das  Erbbuch  vom  Jahre 

1506.     Plauen  i.V."  1903.    116  SS.  8".    (Beilage  zur  Mitt.  XVI.) 
Aufgebot,  Romzug  und  Türkensteuer  im  Vogtlande  Ende  des  15.  und 

Anfang  des  16.  Jahrhunderts.     Mitt.  XVI,  i  — 17  (1904). 
Der  Besitz  des  Klosters  zu  Plauen.     Mitt.  XVI,  18—40  (1904). 
Ein  Beitrag  zur  Geschichte  von  Rittergut,  Dorf,  Pfarre  und  Schule 

zu  Leubnitz  i.V.  und  das  Gerichtsbuch  vom  Jahre  1573.   Mitt.  XVI, 

41  —  105  (19041- 
Schlots  uüd  Amt  Vogtsberg  bis  Mitte  des  16.  Jahrhunderts 

und    das    Erbbuch    vom    Jahre    1542.      Plauen    i.V.    1907. 

527  SS.  8*>.  (=  Mitt.  XVIII.)     ' 


IL 

Der  Pleifsensprengel. 

Ein  Beitrag  zur  kirchlichen  Geographie  Sachsens. 
(Nebst  einer  Karte.) 

Von 
Leo  Bönhoff. 


Vor  einigen  Jahren  habe  ich  bereits  einen  der  vier  (bez. 
fünf)  Archidiakonate  der  Naumburger  Diözese,  den  Mulden- 
sprengel  (archidiaconatus  trans  Moldam)  in  dieser  Zeitschrift, 
(XXIV,  43  —  66)  behandelt.  Die  betreffende  Arbeit  möge  durch 
die  folgenden  Blätter  eine  Fortsetzung  und  einige  Ergänzungen 
und  Berichtigfuno-en  erfahren.  Es  soll  nämlich  die  zunächst 
gelegene,  sich  im  Westen  anschliefsende  Kirchenprovinz  jener 
Diözese,  der  Pleifsensprengel  (archidiaconatus  [terrae]  Plis- 
nensis),  beschrieben  werden.  Gehört  auch  die  eine  Hälfte 
seines  Gebietes,  wie  es  in  seiner  weitesten  Ausdehnung  sich 
vordem  darstellte,  dem  Ostkreise  des  heutigen  Herzogtums 
Sachsen -Altenburg  an,  so  ist  doch  das  Interesse  des  säch- 
sischen Historikers  ein  gleich  grofses  wie  das  der  dortigen 
Freunde  vaterländischer  Geschichte.  Von  hier  stammen 
übrigens  dankenswerte  Ermittelungen  und  Forschungen^),  die 
wir  für  unsere  Aufgabe  verwerten  können.  Diese  ist  meines 
Wissens  noch  nicht  in  Angriff  genommen  worden:  bis  jetzt 
fehlt   es  an  dem  Versuche  einer  geographischen  Abgrenzung 


^)  Mitteilungen  der  Geschichts-  und  Altertumsforschenden  Ge- 
sellschaft des  Österlandes  VII,  508 — 522.  X,  462 — 472.  Lobe,  Ge- 
schichte der  Kirchen  und  Schulen  des  Herzogtums  Sachsen-Altenburg 
I,  II  (hier  und  da  verstreut). 


Der  Pleifsensprengel.  1 1 

und  Darstellung  des  fraglichen  Verwaltungsbezirkes.  Leider 
müssen  wir  ja  dabei  einer  Jurisdiktionsmatrikel  des  Naum- 
burger Bistums  entraten;  wir  verfügen  nicht  einmal  wie  bei 
der  Schilderung  des  Muldensprengels  über  das  einschlägige 
Fragment  derselben,  das  wir  zur  Prüfung  oder  vielmehr  Be- 
gründung unserer  Ergebnisse  verwenden  könnten.  Nur  ein 
Abschätzungsbericht  der  Diözese  vom  Jahre  1320,  behufs  Ab- 
führung von  Geldern  aus  erledigten  Pfarrpfründen  an  die 
päpstliche  Kasse  \),  vermag  uns  über  ein  knappes  Achtel  der 
Kirchspiele  des  Pleifsensprengels  Aufschlufs  zu  geben.  Des- 
halb sind  naturgemäfs  die  anzustellenden  Erhebungen  müh- 
samer, umfänglicher  und  leider  auch  unsicherer.  Da  wir,  wie 
eben  bemerkt,  den  Bestand  des  Archidiakonates  nicht  urkund- 
lich vorfinden,  so  müssen  wir  einen  anderen  Ausgangspunkt 
für  unsere  Darlegunoren  wählen. 

I.    Die  Grenzen. 

Wir  beginnen  ihre  Beschreibung  mit  der  Aufzählung  der 
Diözesen  und  Kirchenprovinzen,  die  den  Pleifsensprengel  um- 
geben. Es  begrenzen  ihn:  im  Norden  und  Osten  das  Bistum 
Merseburg,  im  Osten  das  Bistum  Meifsen,  innerhalb  der 
eigenen  Diözese  im  Osten  und  Süden  der  Muldensprengel 
und  im  Süden  und  Westen  der  Archidiakonat  des  Zeitzer 
Stiftspropstes  (praepositura  Cicensis).  Stellen  ^vir  nun  den 
Anteil,  der  auf  jedes  dieser  anstofsenden  Gebiete  entfällt,  im 
einzelnen  fest!  Das  entsprechende  Stück  des  Pleifsensprengels 
schildern  wir  allemal  sofort  nach  der  Feststellung  jedes  An- 
teiles. Auf  diese  Weise  gelangen  wir  zu  einer  Grenzumschrei- 
bung, bei  der  Negatives  und  Positives  einander  gegenüber- 
gestellt wird. 

W'eil  es  sich  bequem  an  den  Muldensprengel  anknüpfen 
läfst,  so  mache  er  den  Anfang!  Seine  Westgrenze  erstreckt 
sich  in  ihrer  gesamten  Ausdehnung  längs  des  südlichen 
Teiles  der  Ostgrenze  unserer  Pleifsner  Kirchenprovinz.  Wir 
könnten  uns  nun  einfach  damit  begnügen,  hier  die  Grenz- 
parochien  nach  dem  Bruchstücke  der  Matrikel  namhaft  zu 
machen,  das  ich  seinerzeit  (s.  o.)  eingehender  gewürdigt  habe. 
Da  indes  die  Gelegenheit  zu  Ergänzungen  nicht  unbenutzt 
vorübergehen  soll,  so  sei  hiermit  auf  Angaben  eines  alten 
Terminierbuches    der    Zwickauer    Franziskaner    hingewiesen. 


M  von  Ledebur,  Allgemeines  Archiv  für  die  Geschichtskunde 
des  preufsischen  Staates  XV,  348  —  352. 


1 2  Leo  Bönhoff: 

Es  zählt  uns  nicht  nur  die  meisten  der  fraghchen  Grenz - 
pfarreien  auf,  sondern  bringt  auch  ihren  damahgen  Umfang 
zu  unserer  Kenntnis'),  Wir  stellen  diese  Angaben  in  einer 
kurzen  Übersicht  zusammen: 

1.  Parochia  Reinsdorff:  villa  Bolen  (Pöhlau), 

2.  Parochia  Vila  (Vielau).  Ober-  und  Niederhafslau  (die 
„Hasel")  ward  damals  vielleicht  noch  in  die  Flur  von  Vielau 
einbezogen  oder  lag  auch  wüst. 

3.  Parochia  Schöna  (Schönau):  villa  Grün  (Grünau  bei 
Wildenfels);  villa  Wiese  (Wiesen);  villa  zu  dem  Harde  (Haara). 
Das  Dorf  Wiesenburg  bestand  damals  entweder  noch  nicht 
oder  war  unbedeutend 

4.  Parochia  Weifsbach.  Hermersdorf  bildete  schon  zu 
jener  Zeit  eine  Gemeinde  mit  dem  Pfarrorte,  während  Neu- 
dörfel  erst  kurz  vor  der  Reformation  angelegt  wurde. 

5.  Parochia  Neustadt  (Neustädtel):  villa  Lindenau; 
Schneeberg;  villiale  Schorel  (Zschorlau);  villa  Burkhardsgrün; 
villiale  Grasbach  (Griesbach).  Albernau  mufs  damals  noch 
wüst  gelegen  haben.  Vor  der  Entstehung  Neustädteis,  die 
etwa   100  Jahre  vor  diejenige  Schneebergs  zu  setzen  ist,  galt 


^)  Weller,  Altes  aus  allen  Theilen  der  Geschichte  II,  745—752. 
Wir  teilen  auch  die  Namen  der  übrigen,  nicht  an  der  Ostgrenze  des 
Pleifsensprengels  sich  hindehnenden  Pfarrbezirke  des  Archidiakonats 
jenseits  der  Mulde  zum  Vergleiche  mit  dessen  festgestelltem  Be- 
stände mit: 

I.  Parochie  Harlmannsdorf  (Ortmannsdorf j.  2.  Par.  Wildenfds 
(eigentlich  Härtensdorf).  3.  Par.  Schocke  (Zschocken).  4.  Par.  Thicr- 
feld:  villiale  Hartenstein.  5.  Par.  Feuthe  (ßeutha).  6.  Par.  Wilbach 
(Wildbach):  villa  Langenbach.  (Wildbach  —  man  berichtige  darnach 
Bd.  XXIV,  50  —  ward  aus  der  Parochie  Thierfeld  zwischen  1470 
und  1479,  s.  o.,  ausbezirkt,  da  der  Kirchweg  über  die  Mulde  höchst 
beschwerlich  war.  Langenbach  besafs  aber  trotz  einer  etwa  vor- 
handenen Kapelle  noch  nicht  das  Recht  eines  Filials.)  7.  Par.  Clöstcr- 
lein:  villa  (nicht  villiale)  Slem  (Oberschlema) ;  villa  Niederslem.  8.  Par. 
civitatis  Lößnitz:  villa  Dittersdorf;  villa  Alberoda;  villa  Lenkers- 
dorf; villa  Oberaffalder;  villa  Niederaffalder;  villa  Niederlöfsnitz. 
9.  Par.  Zwihutz  in  foro:  villa  Kühnhe^'de.  10.  Par.  Atvc:  aftiliak- 
Lauter;  affiliale  Bockau.  11.  Par.  Peyerfeld:  villa  Sachsenfeld;  villa 
(nicht  villiale)  Pernsbach  (Bärnsbach);  villa  Wildenau.  12.  Par.  Griin- 
hayn.  i^.  Par.  Elterlein.  14.  Par.  Schtoarzcnhurgk:  villiale  Bi'eiten- 
brunn,  villiale  Städtel  (Grünstädtel),  villa  Grün  (Bennsgrün),  villa  Bei 
(Pöhla).  15.  Par.  Mitwcyde :  villiale  JRasche  (Raschau),  villa  Scheibe 
(Ober-  und  Unterscheibe).  Es  fehlen  Markersbach  und  Schwarzbach. 
16.  Par.  Krotcndorf.  (Kratzdorf,  so  noch  1540,  später  Neudorf  war 
damals  nach  seiner  Zerstcirung  durch  die  Husiten  noch  nicht  wieder 
aufgebaut  worden.)  —  Wir  sehen  also,  dafs  hier  mit  Ausnahme  von 
Mülsen  St.  Niklas  und  Ölsnitz  i.  E.  sonst  sämtliche  Pfarreien  der 
Landkapitel  Hartenstein  und  Löfsnitz  aufgezählt  werden. 


Der  Pleil'sensprengel.  Iß 

Griesbach  als  Pfarrort;  das  Widum  seiner  Kirche  ist  aber 
wohl  mit  dem  ,, Kirchleen  uf  dem  Berge"  nicht  gemeint, 
das  der  Vertrag  Markgraf  Friedrichs  I.  des  Freidigen  mit 
Vogt  Heinrich  Reufs  II.  von  Plauen  über  das  Bergwerk  auf 
dem  Fürstenberge  oder  dem  Hohenforste  (12.  Mai  13 17)  er- 
wähnt'). 

Diese  fünf  eben  aufgeführten  Kirchfahrten  ziehen  sich 
von  Norden  nach  Süden  hin  an  der  Ostgrenze  des  Pleifsen- 
sprengels  entlang,  die  folgende  (sechste)  befindet  sich  bereits 
im  Süden  dieses  Archidiakonates  und  stöfst  gegen  Westen 
mit  dem  Zeitzer  Stiftspropsteisprengel  zusammen. 

6.  Parochia  Eybenstock:  viUa  (nicht  villiale)  Zoze  (Sosa), 
wohingegen  Hundshübel  fehlt,  weil  es  eben  noch  nicht  an- 
gelegt worden  war. 

Die  Angaben  des  besagten  Terminierbuches  sind  etwas 
jünger  als  das  Fragment  der  Naumburger  Bistumsmatrikel. 
Beide  entstammen  aber  der  Zeit  zwischen  den  Jahren  1470 
und  1479  wegen  der  Erwähnung  Schneebergs,  das  hier  eben- 
falls noch  als  Bestandteil  der  Parochie  Neustädtel  ohne  weitere 
Bezeichnung  auftritt.  Das  Terminierbuch  geht  jedoch  insofern 
über  das  Matrikelfragment  hinaus,  als  es  uns  darüber  be- 
lehrt, wie  inzwischen,  d.  h.  vor  1479,  als  selbständige  Kirch- 
spiele unter  anderen  Weifsbach  und  Eibenstock  ins  Leben 
getreten  waren.  Das  erstere  hatte  sich  dabei  von  Schönau, 
das  letztere  von  Schwarzenberg-)  losgelöst.  Für  die  Ab- 
tretung   von   Weifsbach,    das    herrschaftlich    wildenfelsischer 


')  Da  der  „Hohe  Forst",  wo  auf  Kupfer  und  Silber  gebaut  ward, 
mit  dem  Borberge  bei  Kirchberg,  der  Fürstenberg  mit  dem  dortigen 
Geyers  berge  zu  identifizieren  ist  (vgl.  Mitteilungen  des  Alter- 
tumsvereins Kirchberg  No.  n  — 13,  Seite  41  — 51),  so  is  unter  jenem 
„Kirchleen"  die  Pfarrstelle  von  Kirchberg  selber  zu  verstehen.  „Auf 
dem  Berge"  befindet  sich  ja  eine  Niedeilassung  (erwähnt  werden: 
Schrotamt,  Fleisch-,  Brot-  und  Schuhbänke,  Badestuben,  Erzmühlen, 
Ackerbau,  Gericht  ,  das  ist  der  Markt  Kirchberg.  (Damach  ist  zu 
berichtigen:  diese  Zeitschrift  XXIV,  61  f.) 

'-)  Von  hier  aus  war  für  Eibenstock  ein  besonderer  Priester  an- 
gestellt. Die  älteste  Kunde  von  einem  solchen  bieten  die  libri  con- 
hrmationum  der  Prager  Erzdiözese  (ed.  Emier  V,  166):  Anno,  quo 
supra  [1393]  III.  Julii  data  est  crida  Conrado  de  Eybenstock  (statt 
Gybenstock)  presbytero  Nuvemburgensis  {statt  Nuremb.)  diocesis 
ad  ecclesiam  parochialem  in  Slatyna  (Schiettau  bei  Annaberg).  Der- 
selbe tritt  noch  urkundlich  am  1.  Mai  1405  und  am  23.  Januar  1413 
in  Schlettauer  Urkunden  des  Edlen  Fritzko  von  Schönburg,  Herrn 
zu  Hassenstein,  und  dessen  Gemahlin  Ilse  als  Zeuge  auf,  und  zwar 
einfach  als  „her  Conrad"  in  seiner  Eigenschaft  als  Stadtpfarrer  (Hörn, 
Sachs.  Handbibl.  VI,  632ff.  Schöttgen-Kreißig,  Diplomataria  etc. 
II,  547  f.) 


II  Leo  Bönhoflf: 

Besitz  war,  ist  seine  frühere  Pfarrkirche  zu  Schönau  auf  dem 
rechten  Muldenufer  anderweitig  entschädigt  worden,  nämlich 
durch  das  Schlofs  Wiesenburg  (nebst  den  an  seinem  Fufse 
gelegenen  Häusern)  und  den  dazu  gehörigen  Orten  Haara, 
Wiesen  und  Arme  Ruh  (heute  Silberstrafse).  Diese  Nieder- 
lassungen waren  früher  Bestandteile  des  Pfarrsprengels  zu 
Kirchberg,  dessen  Patronat  der  jeweilige  Besitzer  Wiesen- 
burgs  auszuüben  hatte.  Sie  wurden  von  den  Herren  von  der 
Planitz,  die  um  1470  die  Wiesenburg  und  Schönau  zusammen 
besafsen,  der  Kirche  des  letzteren  Ortes  allem  Anscheine 
nach  überwiesen.  Zur  Zeit  aber,  da  noch  die  Reufsen  von 
Plauen,  der  jüngere  Zweig  der  dortigen  vögtischen  Linie,  die 
Wiesenburg  innehatten,  lagen  die  bewufsten  Dörfer  samt  der 
Burg  im  Norden  der  Parochie  Kirchberg,  d.  h.  nicht  im 
Mulden-,  sondern  im  Pleifsensprengel  (s.  u.). 

So  bleiben  denn  gemäfs  der  Matrikel  von  Reinsdorf  ab 
nordwärts  noch  folgende  Grenzparochien  des  Muldensprengels 
anzuführen  übrig:  i.  Auerbach.  —  2.  Thurm  mit  Jüden- 
hain,  Schneppendorf  (bis  1533),  Berthelsdorf  und  Nieder- 
mülsen.  —  3.  Wernsdorf  mit  Hölzel,  dem  oberen  Teile  einer 
wegen  der  häufigen  Überschwemmungen  verlassenen  Ort- 
schaft (villa  deserta)  an  der  Mulde  namens  Naundorf  (s.  u.),  — 
4.  Glauchau,  soweit  sein  Kirchspiel^)  (nicht  die  Flur  der 
Stadt)  rechts  der  Mulde  lag,  mit  Rothenbach  (früher  Rothen- 
berg-).  —  5.  Lobsdorf,  welches  an  die  Grenze  der  Meifsner 
Diözese  stöfst,  mit  seinem  Filiale  St.  Peter  zur  Lungwitz 
(Niederlungwitz). 

Was  entspricht  nun  dieser  langen  Reihe  der  Parochien 
des  Muldensprengels  von  Lobsdorf  und  Glauchau  bis  herab 
nach  Neustädtel-Griesbach  auf  Seiten  des  Pleifsensprengels? 
Wir  setzen  ein  mit  der  Parochie  Kirchberg,  deren  ursprüng- 
licher Umfang,  ist  er  erst  bestimmt,  uns  auch  für  die  Er- 
mittelung des  Grenzzuges  der  Pleifsner  Kirchenprovinz  seine 


*)  Bis  zum  31.  Mai  1884  gehörte  die  Andreaskirche  zu  Gesau 
mit  den  Orten  Schönbörnchen  und  Höckendorf  als  Filial  zu  Glauchau, 
dessen  Subdiakonus  das  Pfarramt  an  ihr  seit  dem  Jahre  1877  ver- 
waltete, nachdem  sich  bis  dahin  Archidiakonus  und  Diakonus  in  diese 
Funktion  miteinander  geteilt  hatten.  Wir  kommen  auf  das  Filial 
bald  weiter  unten  zurück. 

-)  Zur  Parochie  Glauchau  kamen  erst  im  18.  Jahrhundert  hinzu: 
J725  Voigtlaide  und  1766  Albertsthal.  Jenes  ward  von  Otto  Ernst, 
dieses  von  Albert  Christian  Ernst,  beide  Grafen  von  Schönburg- 
Hinterglauchau,  angelegt.  Das  erstere  kam  aber  schon  1728  zur 
Parochie  Wernsdorl.  (Eckardt,  Chronik  von  Glauchau  S.  119, 
292,  576.) 


Der  Pleifsensprengel.  I5| 

Dienste  leisten  mufs.  Sie  umfafste  nicht  nur  wie  heute  noch 
die  hier  als  Grenzorte  in  Frage  kommenden  Dörfer  Burkers- 
dorf  (mit  einem  Filiale  [1302])  und  Saupersdorf,  sondern  auch 
I.  im  Süden:  Hartmannsdorf,  dessen  Kirche  bis  1853  Filial 
war,  und  ferner  Bären walde  mit  Lichtenau^),  sowie  2.  im 
Norden:  Wiesenburg,  zu  dessen  Schlosse  Kirchberg-  mit  seinen 
sämtlichen  Filial-  und  Beidörfern  als  Zubehör  gerechnet  wurde, 
Wiesen,  Arme  Ruh  (Silberstrafse),  Haara  (s.  o.)  und  Wilkau. 
Letzteres  ward  1878  aus  der  Parochie  Culitzsch  mit  Nieder- 
crinitz,  die  ja  selbst  einmal  in  kirchlicher  Beziehung  zu  Kirch - 
berg  als  eins  von  dessen  Filialen  gestanden  hat-),  ausgepfarrt. 
Von  diesem  grofsen  und  weitausgedehnten  Kirchspiele  aber 
gilt  im  Jahre  1320  folgendes:  Item  in  archydiaconatu  Plys- 
nensi:  ....  ecclesia  in  K3rchberg  vacavit  in  secundo  anno, 
que  est  taxata  ad  .  .  .  marcas,  solvit  XXV  grosses  nee  plus 
solvere  potuit,  quia  destructi  fuerunt  agri  et  redditus  per 
exercitum  marchionis  Mysnensis,  qui  iacuit  in  Hon- 
vorste.     Sic  iuratus  deposuit  rector  ecclesie'^). 


M  Bärenwalde  ist  zweifelsohne  der  Herrschaft  Wiesenburg  bei- 
zuzählen und  ist  mit  derselben  an  die  Herren  von  der  Planitz  über- 
gegangen, deren  einer,  namens  Dietrich,  seine  Gattin  daselbst  140 1 
beleibdingte.  Es  muß  dahingestellt  bleiben,  ob  sie  oder  bereits  die 
Reußen  von  Plauen  das  Dorf  kirchlich  selbständig  gemacht  haben. 
Auch  wissen  wir  nicht,  ob  Bärenwalde  vorher  bereits  ein  Filial  war 
oder  doch  eine  Kapelle  besafs,  die  der  Kaplan  von  Hartmannsdorf 
mit  versorgte. 

-)  Diese  Zeitschrift  XXIV,  56,  Anm.  48.  Culitzsch  ward  im 
Laufe  des  14.  Jahrhundert  durch  die  Reußen  zu  einer  besonderen 
Parochie  erhoben. 

ä)  von  Ledebur  a.  a.  O.  348.  351.  Hier  wird  Anm.  88  Kiixh- 
berg  ganz  richtig  mit  der  Stadt,  5  Stunden  im  Südosten  von  Werdau, 
identihziert.  Böttger,  Diözesan- und  Gaugrenzen  Norddeutschlands 
IV,  285,  Anm.  522,  wendet  sich  dagegen  mit  Unrecht.  Erstens  wird, 
wie  wir  später  sehen  werden,  Kirchberg  durchaus  nicht  völlig  vom 
Pleifsensprengel  abgeschnitten.  Sodann  aber  spricht  für  unser  Kirch- 
berg die  Erwähnung  des  nahen  „Hohenforst",  welche  von  durch- 
schlagender Bedeutung  ist.  Dafs  Kirchberg  noch  nicht  als  „oppidum" 
bezeichnet  wird,  mag  vielleicht  daher  rühren,  dafs  es  dies  1320  noch 
nicht  war.    Seine  erste  Anführung  als  Stadt  liegt  im  Lehnbuche  Mark- 

§raf  Friedrichs  des  Ernsthaften  (herausgeg.  von  Lippert  u.  Beschorner, 
.  2)  vor :  Dominus  Heinricus  Ruthenus  de  Plawen  habet  in  feodum  a 

domino    (dem    Markgrafen) Wisenberg    castnmi,    opidum 

Kirn  er g  cum  suis  pertinenciis.  Dafs  der  dortige  Pfarrer  (rector)  nur 
25  Groschen  zahlte,  darf  uns  nicht  verwundern,  weil  seine  Parochie 
die  erste  volle  Wucht  des  Krieges  traf,  den  Markgraf  Friedrich  der 
Freidige  vor  dem  Jahre  131 7  mit  den  Vögten,  vor  allem  mit  denen 
von  Gera  und  Vogt  Heinrich  III.  dem  Langen  von  Plauen,  um  des 
Bergwerks  zu  Fürstenberg  oder  Hohenforst  willen  längere  Zeit  ge- 
führt hatte.     Denn  in  dem  Vertrage. von  Altcnl)urg  am  12.  Mai  1317 


i6  Leo  Bönhoff: 

Gerade  gegenüber  dem  westlichsten  Punkte  der  Nord- 
grenze des  ehemaligen  Kirchberger  Pfarrsprengels  bei  Wilkau 
auf  dem  linken  Uter  der  Mulde  hebt  auf  dem  gegenüber- 
liegenden Ufer  die  Ostgrenze  der  gleichfalls  sehr  umfang- 
reichen Parochie  Osterweih  an,  deren  Gotteshaus,  dem  heiligen 
Moritz  gewidmet,  vor  den  Mauern  Zwickaus  lag.  Diese  er- 
streckte sich  über  elf  Ortschaften,  von  denen  die  meisten^) 
auf  dem  rechten  Muldenufer  liegen;  ihre  Namen  lernen  wir 
aus  einer  Urkunde  Markgraf  Dietrichs  des  Bedrängten  für 
das  von  Zwickau  nach  Eisenberg  verlegte  Nonnenkloster  vom 
Jahre  12 19  kennen,  worin  es  unter  anderem  heifst:  ,,  .  .  .  Parochia 
in  Osterwegen  sive  in  Zwiccowe-)  cum  dote  sua,  decima 
frumenti  de  XI  vilhs,  quarum  Osterwegen  est  prima,  alie 
hiis  nominibus  nuncupantur:  Hoendorf  (Oberhohndorf  j, 
Bucwen  (Bockwa),  Sehet wiz  (Schedewitz),  Beiwitz  (Pölbitz'^), 
Crozne  (Crossen)  et  eiusdem  ville  capeila  dotata  XX  modus 
frumenti,  Vulmin  duo  (Wulm  und  Kleinwulm),  Slunz 
(Schlunzig),  Nuwendorf  (Naundorf  bei  Glauchau),  Gra- 
be we"  (s.  u.)*).  Den  Patronat  über  die  Pfarrkirche  zu  Oster- 
weih hatte  12 12  Markgraf  Dietrich  jenem  Nonnenkloster  nach 
seiner  Übersiedelung  von  Triptis  geschenkt,  nachdem  dieses 
Recht  am  11.  Mai  gedachten  Jahres  von  dem  Kloster  Bosau, 
das  es  lange  besessen  hatte,  auf  ihn  durch  Kauf  übergegangen 
war'').  Die  Orte  Bockwa,  Oberhohndorf  (Eckersbach),  Pölbitz 
(rechts  der  Mulde),  Crossen,  Wulm  und  Kleinwulm  füllen  dem- 


heifst  es:  „Das  wir  beider  S3-t  zu  einander  zu  sachene  haben  an  um 
das  bercwerk  und  um  das  erlege,  das  nu  geweset  ist  und 
gantz  bericht  is."  (Schmidt,  Urkundenbvich  der  Vögte  von  Weida 
i,  229.  Nr.  477.)  Übrigens  stand  vordem  auf  dem  Hohenforst  eine 
markgräfliche  Burg.  Denn  Markgraf  Friedrich  der  Ernsthafte  be- 
schwert sich  bei  Kaiser  Ludwig  1331  über  seinen  früheren  Vormund, 
Vogt  Heinrich  Reufs  IL  von  Plauen,  unter  anderen  darüber,  „daz  wir 
eyn  bercwerc  hatten  und  eyn  hus,  dazhyez  zu  dem  Honforste, 
du  brach  her  daz  uns  und  schyckete,  daz  wir  um  das  ber(c)werc 
halp  legen."     (HStA.  Dresden,  Or.  2762.) 

*)  Wir  machen  sie  durch  Sperrdruck  in  dem  Urkundentexte 
kenntlich.    Vgl,  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3.  no.  266. 

-)  Diese  Bezeichnung  mag  daher  rühren,  dafs  anfangs  das  Dorf 
Osterweih  nebenbei  noch  den  Namen  der  Stadt,  neben  der  es  an- 
gelegt worden  war,  führte,  den  es  zuerst  angenommen  hatte. 

^)  Damals  war  von  dem  nachher  auch  nach  St.  Moritz  ein- 
gepfarrten  Dorfe  Eckersbach  noch  nicht  die  Rede. 

*)  Schultes,  Directorium  diplom.  II,  £56!.  Es  verdient  vor- 
züglich des  letzten  Ortsnamens  wegen  Beachtung,  dafs  wir  leider 
das  Original  der  betreffenden  Urkunde  nicht  mehr  besitzen. 

■■')  Herzog,  Chronik  von  Zwickau  I,  134!.,  II,  24!.  Vgl.  Cod. 
dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  no.  166. 


Der  Pleilsensprengel.  17 

nach  den  Raum  zwischen  der  Mulde  und  dem  Stücke  der 
Westgrenze  des  Muldensprengels  aus,  das  wie  eine  Sehne  zu 
dem  von  diesem  Fkisse  beschriebenen  Bogen  gehört. 

Es  handelt  sich  nun  darum,  dafs  wir  über  die  beiden 
letzten  Beidörfer  der  Moritzkirche  völlige  Klarheit  gewinnen: 
über  Nuwendorf  und  Grabowe.  Die  Anordnung  aller  Bei- 
dörfer  beweist  uns,  dals  nach  dem  Kirchorte  erst  ihrer  drei 
im  Süden,  dann  die  übrigen  im  Norden  genannt  werden.  Jene 
beiden  Orte  müssen  wir  also,  da  wir  uns  im  Tale  der  Mulde 
rtufsabwärts  bewegen,  im  Nordosten  von  Schlunzig  suchen.  Nun 
werden  1482  ,,prata  sub  villa  deserta  Nawendorff"  erwähnt; 
es  ist  die  Rede  1490  von  einem  ,, Acker  vnder  nawendurff", 
und  wir  gelangen  bei  der  Identifikation  der  verschwundenen 
Ortschaft  in  die  Gegend  längs  der  Mulde  im  Südwesten  der  Stadt 
Glavichau,  zwischen  Niederschindmaas  und  Hölzel,  das,  wie 
gesagt,  der  obere  Teil  Naundorfs  (s.  o.)  gewesen  sein  mag^). 
Da  somit  seine  Lage  als  gesichert  gelten  darf,  führt  uns  die 
Stelle,  welche  Grabowe  bei  der  Aufzählung  erhalten  hat,  nach 
der  Gegend  von  Glauchau.  Ich  habe  seinerzeit  angenommen-), 
der  Name  möchte  aus  Gluchowe  verlesen  sein;  die  Nach- 
prüfung einer  solchen  Möglichkeit  raubt  uns  der  Verlust  der 
Orio-inalurkunde.  Allein  wir  wollen  einen  Umstand  in  Er- 
wägung  ziehen:  die  erste  Ansiedlung  in  Glauchau  fand  wohl 
in  der  Nähe  der  ,,Niklasstufen"  statt,  und  der  älteste  Teil  der 
heutigen  Stadt  soll  die  Fischergasse  sein,  ein  Ort,  wo  die 
nahe  Mulde  zum  Fischfange  lockte  und  der  auch  am  meisten, 
nämlich  durch  Abgründe  nach  Osten  vmd  Westen  hin,  ge- 
schützt war.  Hier  erhob  sich  auch  eine  Kapelle  zu  Ehren 
des  Heiligen,  der  als  Schutzpatron  der  Fischer  und  Schiffer 
bekannt  ist  und  bei  Überschwemmungen,  die  hier  so  häufig 
sind,  angerufen  zu  werden  pflegte,  des  St.  Niklas,  und  blieb 
auch  späterhin  das  Gotteshaus  der  Vorstadt").  Es  ist  möglich, 
dafs  diese  Fischerniederlassung  den  Namen  Grabowe  oder, 
falls  die  Verlesung  eingetreten  sein  sollte,  was  mich  aller- 
dings wahrscheinlicher  dünkt,  Gluchowe  führte,  den  erst  das 
Schlofs  und  dann  die  Stadt  annahm,  die  sich  zwischen  ihr 
und  jenem  erhob.  Das  Schlofs  wird  zu  Beginn  des  13.  Jahr- 
hunderts, die  Stadt  etwa  zwei  Jahrzehnte  später  erbaut  worden 


')  Eckardt  a.  a.  O.  S.  277  u.  Anm.,  311. 

-)  Diese  Zeitschrift  XXIV,  55.  Anm.  45. 

ä)  Eckardt  a.  a.  O.  S.  163 f.,  310.  Um  dasselbe  breitete  sich 
ein  alter  Gottesacker  aus,  der  am  „Niklasberge'-  lag  und  , schon  in 
vorchristlicher  Zeit  bestanden  haben  mufs,  da  man  auf  ihm  Überreste 
von  Urnen  vorgefunden  hat.     (Ebenda  S.  315.) 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXIX.    i.  2.  2 


i8  Leo  Bönhoff: 

sein.  Denn  zum  ersten  Male  erscheinen  in  dieser  Gegend 
im  Jahre  12 12  die  Edlen  von  Schönburg  mit  Hermann  II., 
dem  Sohne  des  gleichnamigen  Stifters  von  Kloster  Gerings- 
walde, in  dessen  Kirche  der  letztere  begraben  ward,  und  dem 
er  um  1182  den  Grund  und  Boden  des  zerstörten  Schlosses 
und  der  wüst  liegenden  Stadt  Geringswalde  übereignet  hatte. 
Hermann  II.  aber  tritt  als  Bürge  für  seinen  Lehnsherrn,  Kaiser 
Otto  IV.,  mit  seinen  Nachbarn  Henricus  de  Drakinvelz  (bei 
Penig)  und  Henricus  de  Crematzowe  (Crimmitschau)  auf,  hat 
also  seinen  Sitz  an  der  Mulde  aufgeschlagen'). 

Dafs  aber  zwischen  der  Moritzkirche  einerseits  und  jenen 
beiden  Orten,  dem  später  eingegangenen  Naundorf  und  dem 
Fischerdorfe  zu  Glauchau,  eine  kirchliche  Verbindung  einst 
bestanden  hat,  beweist  folgende  Tatsache.  Der  geistliche 
Kasten  zu  Zwickau'-)  vereinnahmte  im  Jahre  1529  neben  einem 
Geldäquivalent  für  den  Zehnten  aus  Oberhohndorf  (31  Gr. 
10  Pf.),  aus  Bockwa  (4  Gld.  6  Gr.)  und  aus  Schedewitz  (3  Gld.) 
sowie  einem  Garbenzinse  aus  Crossen^),  Wulm,  Kleinwulm 
und  Pölbitz  (zusammen  18  Schock)  sowie  aus  Schlunzig 
[Schluntz]  (3  Schk.  4  Stk.),  avich  noch  einen  solchen  aus 
Jerisau  [Gersa]  (8  Stk.),  Reinholdshain  (17  Stk.),  Glauchau 
(2  Schk.  6  Garben),  Wernsdorf  (i  Schk.  29  Stk.)  und 
Niederschindmaas  (i  Scheffel)"*).  Natürlich  war  die  Lie- 
ferung dieser  Getreideabgaben  infolge  der  weiteren  Entfernung 
immer  eine  unregelmäfsige  gewesen,  und  das  Gelieferte  war 
meist  auf  die  Fuhrkosten  draufgegangen.  So  kam  es  denn 
dazu,  dafs  am  30.  Juli  1591  das  Glauchauer  Hospital  für 
160  Gulden  dem  geistlichen  Kasten  von  Zwickau  den  Garben- 
zins abkaufte,  der  noch  6  Schock  und  i  Mandel  jährlich  ein- 
brachte und  auf  18  Glauchauer  Bürger  und  12  Bauern  zu 
Wernsdorf,   2  zu  Jerisau,  3  zu  Reinholdshain  und  21  zu 


^)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  16,  Nr.  39.  Möglich  ist  auch,  dafs  er  zu 
Lichtenstein  safs  und  dafs  Stadt  und  Schlots  Glauchau  dann 
gleichzeitig  entstanden.  Sein  Sohn,  Hermann  III.,  stand  1233 
noch  unter  Vormundschaft,  und  Glauchau  kommt  zuerst  mit  seinem 
Schlosse  (castrum  urbanum)  1256  (s.  u.)  vor.  Die  Entstehungszeit 
fiele  dann  zwischen  1233  und  1256,  da  alsdann  als  Gründer  Friedrich  I., 
Hermanns  III.  jüngerer  Bruder,  der  Stifter  der  altglauchischen 
Linie  des  Hauses  Schönburg,  anzusprechen  wäre. 

2)  Herzog  a.  a.  O.  I,  273. 

^)  Hier  wurden  noch  25  Scheffel  besonders  entrichtet.  Wir  er- 
kennen darin  die  Dotation  der  einstigen  Kapelle  des  Ortes  (s.  o.) 
wieder. 

*)  In  diesem  Dorfe  ist  also  der  Garbenzehnt  in  einen  Körner- 
zehnten verwandelt  worden. 


Der  Pleifsenspreniiel.  Iq 

Schlunzig  entfiel^),  ps  läfst  sich  noch  erklären,  wie  die 
eben  genannten  Orte  solche  Zehntpflichtige  aufweisen  konnten. 
Es  handelt  sich  erstens  um  Anteile  an  den  Naundorfer  Fluren, 
die  in  die  Hände  von  Einwohnern  der  umlieg;enden  Gemeinden 
als  Glauchau,  Wernsdorf  und  Niederschindmaas  gelangt  waren. 
Ferner  ist  die  Zehntung  an  die  Zwickauer  Moritzkirche  in 
Schlunzig  und  der  Glauchauer  Vorstadt  durch  mehr  als  drei 
Jahrhunderte  in  Kraft  geblieben,  nur  dafs  Felder,  die  zu  der 
letzteren  gehörten,  in  schweren  Zeiten  von  Nachbarn  in  Jerisau 
und  Reinholdshain  natürlich  mit  der  Oblast  jenes  alten  Dezems 
erworben  worden  sind-). 

Blieb  nun  auch  der  Dezem  bestehen,  so  nicht  die  kirch- 
liche Verbindung.  Das  alte  Fischerdorf  in  Glauchau,  wie 
immer  es  geheifsen  haben  mag,  samt  dem  ,, neuen  Dorfe" 
südwestlich  davon  sind  von  der  Parochie  Osterweih  ab- 
gekommen, seitdem  in  der  neuen  Stadt  Glauchau  zugleich 
auch  die  neue  Pfarrkirche  zu  St.  Georg  begründet  worden 
war.  Wohl  ist  es  richtig,  dafs  zuerst  im  Jahre  1256  ur- 
kundhch''^)  ein  Glauchauer  Pfarrherr  (de  Gluchowe  parro- 
chianus  venerabilis)  namens  Friedrich  auftritt,  allein  das  Kirch- 
spiel existierte  bereits  vielleicht  etwa  ein  Menschenalter.  Es 
war  vorhanden  oder  trat  ins  Leben,  als  der  Muldensprengel 
eingerichtet  ward.  Der  erste  Archidiakonus  der  neuen  Kirchen- 
provinz, der  uns  bekannt  ist,  heifst  Gerhard,  ein  Zeitzer 
Kanonikus  (cellerarius),  und  erscheint  urkundlich  im  Jahre  1230. 
Aus  demselben  stammt  auch  jenes  bedeutsame  Dokument  über 
die  Gerechtsame  des  dortigen  Stiftskapitels,  worin  ihm  zwei 
Archidiakonate  zugesichert  werden,  während  alle  anderen, 
d.  h.  die  bestehenden  und  die  künftig  etwa  neu  einzurichtenden, 
mit  Naumburger  Domherren  besetzt  werden  sollen*).  Jeden- 
falls gewinnt  man  aus  diesen  Worten  indirekt  den  Eindruck, 
als  sei  erst  vor  kurzem  die  Einrichtung  eines  neuen  Archi- 
diakonats,  d.  i.  des  Muldensprengels,  getroffen  worden.  Diese 
Mafsregel  käme  mithin  zwischen  die  Jahre  12 19  und  1230  zu 
liegen,  da  ja  in  dem  ersteren  der  Umfang  des  Kirchspiels 
Osterweih  noch  unvermindert  bestand.  Weil  nun  aber  Glau- 
chau zum  Muldensprengel  gehört,    dessen   nördlichste  Pfarrei 


i|  Herzog  a.  a.  O.  II,  348.     Eckardt  a.  a.  O.  S.  403. 

-I  So  bezahlten  schon  1578  die  Bauern  der  Glauchau  umgebenden 
Dörfer  jährlich  über  45  Schock  Erbzinsen  für  erkaufte  Stadtgrund- 
stücke.   (Eckardt  a.  a.  O.  S.  211.) 

")  Mi  tzschke,Urkundenbuch  von  Stadt  und  Kloster  Bürge]  S.115. 

^)  Lepsius,  Gescliichte  des  Hochstiftes  Naumburg  1,  283  fl., 
Urk.  57. 


20  Leo  Bönhoff: 

es  bildet,  so  mufs  die  Gründung  der  letzteren  ebenso  wie  die 
Auspfarrung  von  Naundorf  und  Grabowe  in  den  gleichen 
Zeitraum  fallen.  Der  Beachtung  wert  dürfte  noch  die  Be- 
merkung sein,  dafs  sich  sowohl  das  Hochstift  Naumburg  als 
das  KoUegiatstift  Zeitz  im  Jahre  1228  von  Papst  Gregor  IX, 
ihre  Besitzungen  bestätigen  lassen.  Vor  diesem  Jahre  dürften 
auch  die  beiden  obigen  Begebenheiten  angesetzt  werden. 

Nachdem  aber  die  Auspfarrung  jener  zwei  nördlichsten 
Dörfer  des  Pfarrsprengels  von  Osterweih  vollzogen  war,  stellte 
er  bis  nach  Schlunzig  hinauf  eine  Grenzbarre  des  Pleifseii- 
sprengels  nach  dem  Archidiakonate  jenseits  der  Mulde  zu  dar, 
die  späterhin  in  die  vier  Kirchfahrten  Schlunzig,  Crossen, 
St.  Moritz  (mit  der  unteren  Hälfte  der  niederen  Vorstadt 
Zwickaus  und  nur  noch  mit  den  beiden  Dörfern  Pölbitz  und 
Eckersbach)  sowie  Bockwa  zerfiel.  So  bleibt  also  nur  noch 
die  Muldenaue  gegenüber  von  Glauchau  übrig.  Zunächst 
handelt  es  sich  um  Jerisavi;  es  ist  eine  alte  Parochie.  Denn 
in  einer  Urkunde  des  Benediktinerinnenklosters  zu  Remse,  die 
der  Zeit  zwischen  1166 — iiyi  entstammt'),  wird  eines  Streites 
mit  einem  ,, dominus  Hugo,  sacerdos  de  Gerese"  gedacht, 
der  die  Seelsorge  in  dem  benachbarten  Weidensdorf  (Weide- 
mannesdorff)  beanspruchte,  welches  die  Nonnen  von  Bischof 
Udo  II.  von  Naumburg  durch  Tausch  (concambium)  erworben 
hatten"-).  Nachdem  die  Sache  schiedsgerichthch  ausgetragen 
worden  war,  erlangte  er,  dafs  ihm  das  Tauf-  und  Begräbnis- 
recht in  jener  Ortschaft  überlassen  ward'').  Das  beweist 
deutlich,  dafs  seine  Kirche  eine  ecclesia  baptismalis,  d.  i. 
eine  Pfarrkirche*)  war.  Dafs  dieselbe  dem  Pleifsensprengel 
zuzuweisen  ist,  geht  aus  einem  Kaufbriefe  des  Jahres  1268 
(1258?)  hervor'^),    worin    als    Käufer   verschiedener   Güter   in 


')  Mitzschke  a.  a.  O.  Urk.  Nr.  30. 

'^)  Ebenda  Urk.  Nr.  24. 

^)  Prudenti  consilio  usus  pro  placito  nostri  arbitrii  suani  queri- 
moniam  deposuit  hac  videlicet  condicione,  ut  simplicem  curam  eius- 
dem  concambii  in  baptismate  et  sepultura  absque  uUa  alia  uti- 
litate  de  nostra  gratia  consequeretur. 

■*)  Hiernach  ist  diese  Zeitschrift  XXIV,  54  zu  berichtigen. 
Jerisau  war  also  niemals  Filial  von  Glauchau.  Wenn  es  1320  von 
letzterem  heilst  (von  Ledebur  a.  a.  O.  S.  353):  „Sunt  ad  minus  duo 
sacerdotes  pro  officiacione  tenendi",  so  mufs  man  bedenken,  dafs  es 
daselbst  aufser  mehreren  Nebenaltären  noch  eine  Kapelle  in  der  Vor- 
stadt (St.  Nicolai,  später  Unserer  Lieben  Frauen)  und  in  der  Ober- 
stadt (zum  heiligen  Kreuz)  sowie  die  Schlofskapelle  (St.  Marien)  gab. 
(Eckardt  a.  a.  O.  S.  293—298,  310—313.) 

^)  Herzogliche  BilMiothek  zu  Altenburg.  Wagner,  Collectanea 
X,  409. 


Der  Pleifsensprengel.  21 

Zschaschelwitz  bei  Altenljurg  neben  dem  Pfarrer  Günther  zu 
Gnandstein  auch  ehi  „Beringerus  plebanus  in  Geres'),  tunc 
pro  tempore  Plisnensis  terre  decanus  (d.  i.  Erzpriester)  auf- 
geführt wird.  Das  Kirchspiel  Jerisau  aber  lag  nicht  nur  auf 
dem  linken  Ufer  der  Mulde,  woselbst  aufser  Weidensdorf-j 
Lipprandis  ihm  angehörte,  sondern  erstreckte  sich  auch  auf 
das  rechte  und  umfafste  auch  die  Gemeinde  des  Filials  Rein- 
holdshain  (mit  Kleinbernsdorf ^)  bei  Remse),  das  seinerseits 
östhch  an  die  Meifsner  Diözese  stiefs.  Wie  es  kam,  dafs  der 
Pleifsensprengel  hier  die  Mulde  überschritt,  müssen  wir  später 
weiter  erörtern. 

Westlich  reiht  sich  an  Jerisau  die  grofse  Kirchfahrt 
Meerane  an,  die  ja  nicht  nur  auf  ihren  heutigen  Umfangt) 
beschränkt  war,  sondern  auch  bis  1861  als  Filial  Dennheritz 
(mit  Oberschindmaas)  besafs.  Über  ihre  Zugehörigkeit  zum 
Pleifsensprengel  besitzen  wir  in  dem  Abschätzungsberichte 
vom  Jahre  1320')  ein  klares  Zeugnis:  ,,Item  (sc.  in  archy- 
diaconatu  Plysnensi)  Mare  vacavit  in  primo  anno,  quod  est 
taxatum  ad  . .  .  marcas  et  solvit  IV  sexagenas  grossorum  Pra- 
gensium  nee  plus  dare  potuit  insi:»ectc)  valore,  oneribus  in- 
cumbentibus  et  super  hiis  iuramento  rectoris  et  testimonio 
vicinorum."  Im  Südosten  dieser  Parochie  liegt  Nieder- 
schindmaas, trotz  des  ihm  näheren  Schlunzig  als  Filial  der 
Kirche  zu  Mosel  zugeordnet.  Etwa  halbwegs  zwischen  beiden 
fliefst  der  Scheidebach,  der  unterhalb  von  Schlunzig  in  die 
Mulde  mündet;  an  ihm  lag  einst  das  um  1350  im  Schön- 
burgischen Bruderkriege  (zwischen  Hermann  VI.  von  Crim- 
mitschau und   Friedrich  VII.  von   Glauchau)   niedergebrannte 


■■i  Es  ist  also  nicht  mit  Görnitz  (?)  he\  Borna  zu  identifizieren. 
(Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumslorsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  X,  470.)  Denn 
classellie  lag  innerhalb  der  Merseburger  Diözese  (s.  u.)  an  deren  Süd- 
grenze. 

')  Späterhin  mufs  es  doch  an  Remse  gekommen  sein,  obschon 
die  obige  A1)machung  sich  auf  die  Nachfolger  jenes  Hugo  ausdehnte. 
(Ut  ergo  iste  tenor  mutuae  conventionis  inter  nos  et  dominum  H. 
et  eins  successores  possit  perpetuo  iure  .stabiliri,  dominus  epis- 
copus  Udo  sigillo  suo  fecit  insigniri.) 

^)  Diese  Zeitschrift  XXIV,  54.  Ich  hatte  hier  dieses  Örtchen 
richtig  dem  Pleifsensprengel,  jedoch  irrtümlich  der  Parochie  Remse 
zugeteilt. 

*i  Er  ward  in  der  Reformationszeit  (um  1528)  durch  den 
Anteil  von  Kauritz  (Parochie  GiU'snitz)  erweitert,  den  Ernst  II.  von 
Schönburg  besafs  und  von  seinem  ursprünglichen  Kirchverbande 
losrifs. 

■''1  von  Ledebur  a.  a.  O.  .S.  349. 


2  2  Leo  Bönhoff: 

Dorf  gleichen  Namens,  jetzt  Wüstung  „Sche(i)bicht"  geheifsen'). 
Es  bildete  vielleicht  mit  dieser  eingegangenen  Ortschaft  Nieder- 
schindmaas vor  jenem  Unglücke  ein  Kirchspiel  für  sich  und 
sah  sich  dann  aus  Mangel  an  genügendem  Unterhalt  für  seinen 
Geistlichen  zum  Anschlufs  an  die  südliche  Nachbarpfarrei-) 
ofenötioft.  Nunmehr  ist  hier  der  Ort,  auf  Gesau,  bekannt- 
lieh  bis  1884  Filial  von  Glauchau,  zurückzukommen  (s.  o.j. 
Wir  erheben  sofort  die  Frage,  ob  denn  diese  Verbindung 
auch  immer  von  jeher  in  Geltung  war  oder  ob  sie  nicht  etwa 
erst  im  Laufe  der  Zeiten  angeknüpft  worden  ist,  am  Ende 
oar  bei  der  Einführuno-  der  Reformation,  die  in  den  Schön- 
burgischen  Rezefsherrschaften  am  18.  Oktober  1542  erfolgte''). 
Mit  anderen  Worten:  da  Gesau  ein  Pfarramt  besafs,  das 
Glauchauer  Geistliche  verwalteten,  so  scheint  dasselbe  einmal 
selbständig  gewesen  zu  sein.  Diese  Meinung  gewinnt  noch 
einen  besonderen  Anhalt  an  dem  Umstände,  dafs  sowohl 
Gesau  (Jesaw)  als  das  eingepfarrte  Höckendorf  (Hoendorf )  — 
Schönbörnchen  existierte  wohl  noch  nicht  —  politisch  als 
Bestandteile  der  Herrschaft  Meerane  angesehen  wurden*). 
So  nehmen  wir  denn  keinen  Anstand,  eine  frühere  Filial- 
verbindung mit  der  Pfarrkirche  des  gleichnamigen  Marktes, 
in  dessen  Gericht  auch  Gesau  einst  gehörte,  für  annehmbar 
zu  finden,  die  gelöst  wurde,  als  es  selbst  die  Rechte  einer 
Pfarrgemeinde  gewann.  Jedenfalls  hat  Gesau  dem  Pleilsen- 
sprengel  angehört,  zumal  es  auch  im  Gau  Plisni  (s.  u.i  zu 
suchen  ist. 

Wie  wir  bereits  oben  bemerkten,  stiefsen  sowohl  der 
Mulden-  als  auch  der  Pleifsensprengel,  jener  mit  Lobsdorf- 
Niederlungwitz,  dieser  mit  Jerisau-Reinholdshain  östlich  an 
die   Meifsner   Diözese.     Die   kleine  Strecke,   die  sie  mit  dem 


^)  Schönbiirg.  Geschichtsblätter  III,  3,  166.  Eckardt  a.  a.  O. 
S.  66.     Diese  Haustehde  währte  acht  Jahre  lang  (1348  — 1355). 

-)  Zu  ihrem  Sprengel  gehören  noch  heute  Ol^errothenbach  und 
Helmsdorf,  gehörte  bis  1528  Niederhohndorf  (Parochie  St.  Johannis- 
Zwickau,  vonnals  Weifsenborn). 

^1  Damals  büfste  z.  B.  auch  die  Pfarrei  Niederwinkel  ihre  Selbst- 
ständigkeit ein  und  trat  als  Filial  derjenigen  zu  Altstadt -Waiden- 
burg bei. 

^)  Dies  geht  aus  dem  Lehnbriefe  hervor,  den  Kaiser  Karl  I\".  im 
Jahre  1361  ausstellen  liefs.  Er  rührt  aber  aus  einer  Zeit  her,  wo  die 
Herrschaft  Meerane  sich  nicht  im  Besitz  der  Glauchauer  Linie  des 
Schönburgschen  Hauses  befand,  sondern  in  dem  der  Crimmitschauer, 
die  141 3  mit  Sigismund  ausstarl?.  Der  letztere  verkaufte  übrigens 
Zinsen  in  Gesau  (Gisa)  1386  an  einen  Glauchauer  Bürger  und  be- 
leibdingte  seine  Gemahlin  unter  anderem  mit  Hcickendorf  (Heuken- 
dorf l  und  den  beiden  (s.  o.)  Schindmaas.    (^Eckardt  a.  a.  O.  S.  67.) 


Der  Pleilsensprengel.  23 

Waldenburger  Landdekanate  ihrer  Chemnitzer  Kirchenprovinz 
die  Ost^renze  des  Pleifsner  Archidiakonates  und  damit  zu- 
gleich des  Naumburger  Bistums  begleitet,  läfst  sich  leicht 
mit  Hilfe  der  Meifsner  Matrikel  bestimmen').  Diese  Strecke 
setzt  sich  aus  den  westlichen  Grenzen  folgender  Kirch- 
spiele zusammen:  i.  Oberwinkel  (mit  Ebersbach,  Grum- 
bach  [Filial]  und  Tirschheim).  —  2.  Altstadt -Waidenburg. 
—  3.  Niederwinkel,  bis  1542  selbständig  (mit  [Wasser-] 
Uhlsdorf  bis  1533).  —  4.  Kaufungen,  welches  der  Frohn- 
bach  vom  Gebiete  der  Merseburger  Diözese  (Zinnberg,  Parochie 
Penig)  trennte  (mit  Herrnsdorf,  das  erst  gegen  Ausgang  des 
19.  Jahrhunderts  der  Kirche  des  gegenüberliegenden  Wolken- 
burg zugeteilt  wurde).  Hiermit  ist  zugleich  negativ  gegeben, 
was  an  Parochien  auf  Navimburger  Seite,  d.  i.  im  Pleifsen- 
sprengel,  an  das  Bistum  Meifsen  grenzt:  i.  Remse,  dessen 
Pfarrkirche  zu  St.  Georgen  wohl  von  seiner  Klosterkirche  zu 
unterscheiden  ist  (mit  Weidensdorf  [Filial,  wie  oben  gesagt, 
vordem  bei  Jerisauj  und  Kertzsch  [seit  1533J  sowie  auf  dem 
rechten  Muldenufer  mit  Örtelshain  und  Gersdorf,  jetzt  einer 
Wüstung'-)  zwischen  Remse  und  Oberwinkel,  die  bereits  1390 
vorhanden  war  und  an  welche  noch  heute  der  ,,Gersdorfer 
Wald"  erinnert).  —  2.  Waidenburg  (mit  Kertzsch  [bis  1533], 
Altwaldenburg  und  dem  viel  später  angebauten  Dörflein 
Eichlaide^).   —    3.  Schlagwitz*).    —   4.   Wolkenburg    (mit 


^)  Beiträge  zur  Sächsischen  Kirchengeschichte  XVII,  148 ff. 

-)  von  Weber,  Archiv  für  die  Sächsische  Geschichte  II,  74. 

^)  Ursprünglich  gehörte  auch  Kertzsch  zu  Remse.  Dann  aber 
erhob  sich  in  den  Jahren  1165 — 1172  das  Schlofs  Waidenburg  mit 
der  Kapelle  Mariae  Magdalenae  und  bald  darauf  das  Dorf  Waiden- 
burg (Altwaldenburg),  dessen  Einwohner  sich  samt  denen  von  Kertzsch 
zu  diesem  Gotteshause  hielten.  Der  Kaplan  aber  war  abhängig  vom 
Kloster  Remse,  dem  die  dortige  Pfarrei  inkorporiert  war.  Als  nun 
die  Stadt  Waidenburg  gegenüber  dem  Markte  Waidenburg,  dessen 
Pleban  Petrus  ihn  bereits  1317  als  „antiqua  civitas"  bezeichnet 
(HStA.  Dresden,  Or.  Nr.  2104),  auf  dem  linken  Ufer  der  Mulde  an- 
gelegt wurde,  erhielt  ihr  Pfarrer  Altwaldenburg  und  Kertzsch  zu- 
gewiesen und  verlor  letzteres  infolge  der  Reformation.  Im  übrigen 
trennte  hier  die  Mulde  die  Bistümer  Meifsen  und  Naumburg;  denn  der 
Pimaische  Mönch  bemerkt:  „Waldenbergk,  eine  Stat  an  der  Mulda, 

im  bischtvmi  czu  Nawmburg,  aber  ober  dem  wasser,  do 

man  gute  thenene  gevese  macht  (d.  i.  die  Altstadt),  ist  dem  l:)ischUun 
czu  Meisen  czustendig."     (Mencke,  Scriptores  rer.  Germ.  II,  1605.) 

*)  Es  war  bereits  eine  Pfarrkirche,  als  die  Reformation  1528  ein- 
geführt ward,  kam  aber  als  Filial  zu  Wolkenburg,  weil  beide  ihre 
Filiale  Schwaben  bez.  Franken  durch  das  Eingreiten  Ernsts  IL  von 
Schönburg  eingebüfst  hatten,  und  blieb  es  bis  zum  Jahre  1614,  wo 
es  wieder  selbständiir  ward. 


2A  ^       .       Leo  Bönhoff: 

Biensdorf,  welches  im  Hussitenkriege  zerstört^)  ward,  und 
dessen  Namen  die  herrschaftliche  Schäferei  fortpflanzt,  und 
Dürrengerbisdorf).  Doch  damit  sind  wir  an  die  Grenze  der 
Merseburger  Diözese  angelangt,  die  auch  hier  auf  dem  linken 
Muldenufer  mit  dem  Gebiete  der  Parochie  Penig-)  anhebt. 
Für  die  Feststellung  der  Grenze  dieses  Bistums  fehlt 
ims  nun  freilich  selbst  das  winzigste  Bruchstück  einer  Matrikel. 
Allein  einen  gewissen  Ersatz  für  den  Teil  seiner  West  grenze, 
die  hier  mit  dem  Reste  der  östlichen  des  Pleifsensprengels 
zusammenfällt,  besitzen  wir  in  einer  etwas  lückenhaften  Auf- 
zeichnung des  Merseburger  Domarchivs ■^),  worin  es  heifst: 
,,Hee  sunt  distinctiones  limitum  inter  Nuenb(urgensem) 
episcopatum  et  Mers(eburgensem):  A  villa,  que  dicitur 
Pennendorp,  per  ascensum  fluvii,  qui  dicitur  Wira,  usque 
in  rivum  Luben  et  per  ascensum  Luben  usque  ad  rivulum 
Steinbach  [in  dextera  parte  pertinet  dyocesi  Merse- 
burgensis]  ecclesie,  abinde  per  ascensum  Luben  in  utraque 
parte  pertinet  dyocesi  Merseburgensis  ecclesie.  In  Steinbach 
pertinent  hee  ville:  Steinbac  et  Steinbac,  Wernherestorp, 
Wetentorp,  Marcwardestorp;  Tirbach  autem  et  Penec  per 
descensum  Mulde  pertinent  Merseburgensi  diocesi  et  ville 
cetere."  Wir  müssen  diese  Angaben  näher  erläutern  und  vor 
allem  die  Ergänzung  der  gröfseren  Lücke  rechtfertigen.  Von 
Benndorf  ab,  nicht  früher  scheidet  die  Wyhra,  wenn  man  sie 
stromauf  bis  zur  Mündung  des  Leubabaches  verfolgt,  der  am 
Westende  des  altenburgischen  Dorfes  Langenleuba-Niederhain 
mit  ihr  sich  vermischt,  die  beiden  Bistümer  Merseburg  und 
Naumburg,  so  dafs  jenes  mit  seinem  Gebiete  rechts  (östlich). 


")  von  Weber,  Arch.  f.  d.  Sachs.  Gesch.  II,  63. 

2)  Die  ursprüngliche  Pfarrkirche  loefand  sich  auf  dem  linken 
Muldenufer  im  Dorfe  Penig  (Altpenig),  und  das  Gotteshaus  in  der 
gegenüberliegenden  Stadt  Penig  Avar  anfangs  ihr  Filial,  erlangte 
jedoch  auf  Betreiben  Burggraf  Albrechts  IV.  von  Akenbv;rg  und  seiner 
GemahHn  .Spinica  vor  1313  die  Parochialrechte  und  zog  endlich  die 
ehemalige  Mutterkirche  als  FiHal  an  .sich.  Rechts  der  Mulde  dehnte 
sich  die  Parochie  Penig  zwischen  dem  Frohnbach  im  Süden  und  dem 
Mühlbach  im  Norden  aus  vmd  umfafste  die  Dörfer  Zinnberg  (mit  der 
gleichnamigen  Burg),  Tauscha  und  Chursdorf  sowie  l^is  1555  die 
„Mühlauer"  Seite  von  „Frone"  (acht  Bauern  zu  Nieder-  und  zwei  zu 
Mittelfrohna).  Letztere  zahlten  noch  1555  Brückensteuer,  d.  h.  zur 
Unterhaltung  des  Kirchsteges,  der  einst  ül>er  den  Flufs  nacli  dem 
Gotteshause  zu  Altpenig  führte.  (Beiträge  zur  Sächsischen  Kirchen- 
geschichte XVII,  146  liebst  Anm.  3  und  5.) 

^)  Kehr,  Urkundenbuch  des  Hochstiits  Merseburg  I,  1077.  Vgl. 
Beitr.  z.  Sachs.  Kirchengesch.  XVII,  145  ff.  (teilweise  nach  den  obigen 
Darlegungen  zu  berichtigen). 


Der  Pleifsensprengel,  25 

dieses  links  (westlich)  von  ihr  zu  liegen  kommt.  Ein  Gleiches 
gilt  aber  auch  voni  Unterlaufe  des  Leubabaches  bis  zur 
Mündung  des  von  Süden  her  kommenden  Steinbaches:  auch 
er  trennt  die  beiden  Bistümer  auf  der  angegebenen  Strecke 
so,  dafs  Merseburg  nördlich  und  Naumburg  südlich  derselben 
in  Frage  kommt.  Was  aber  dann  nördlich  und  südlich  (in 
utraque  parte)  seines  Mittel-  und  Oberlaufes  zu  finden  ist, 
fällt  allein  dem  Merseburger  Sprengel  zu.  Dieser  ist  auch 
mit  seinem  Bereiche  an  dem  Gebiete  zwischen  der  Mulde 
und  dem  Steinbach,  östlich  des  letzteren,  beteiligt,  während  das 
Gebiet  auf  seinem  linken  (westlichen)  Ufer  unter  dem  Naum- 
burger Banne  steht.  Ja,  unsere  urkundlichen  Angaben  be- 
schreiben sogar  den  Umfang  der  Merseburger  Grenzpfarrei 
Steinbach  (heute:  Niedersteinbach):  Ober-  und  Niederstein - 
bach  sächsischen  Anteiles  (links  des  Baches  liegt  nämlich 
Steinbach  altenburgischen  Anteiles),  Wernsdorf  und  Markers - 
dorf,  d.  h.  die  nördliche  Dorfseite,  während  die  südliche  oder 
,, Kapellenseite"  nach  Penig  pfarrte;  die  eine  mit  aufgeführte 
Ortschaft  ,,Wiedendorf"  ist  wüst  geworden  und  mufs  ober- 
halb von  Langenleuba- Oberhain  gesucht  werden^).  Ferner 
werden  in  jenen  Angaben  aus  der  Kirchfahrt  Penig  das  Pfarr- 
dorf  selbst  (Penec),  da  von  ,,ville  cetere"  die  Rede  ist-), 
mithin  Altpenig,  sowie  das  eingepfarrte  Thierbach  (Tirbachi, 
das  an  die  Xaumburger  Parochie  Wolkenburg  grenzt,  nament- 
lich hervorgehoben.  Daraus  ergibt  sich  zugleich,  dafs  die 
ganze  Grenzbeschreibung  vor  das  Jahr  13 13  (s.  o.)  fällt,  wo 
die  Stadtpfarrei  Penig  ins  Leben  trat. 

Penig,  von  dem  wir  zum  Überflufs  mitteilen,  dafs  sein 
Diözesanbischof  Heinrich  III.  von  Merseburg  im  Juli  des  eben 
gedachten  Jahres  die  Umwandlung  seiner  Pfarrei  zu  einer 
Propstei  des  Chemnitzer  Bergklosters  genehmigte^),  und 
Niedersteinbach  wären  somit  erledigt.  Einer  eingehenderen 
Betrachtung  der  früheren  kirchlichen  Verhältnisse  bedarf  es 
noch  bei  Langenleuba-Niederhain.  Langenleuba  bestand 
von  jeher  aus  zwei  Dörfern,  dem  jetzigen  Ober-  und  Nieder- 
hain. Letzteres  wird  eingeteilt  in  die  Altgemeinde  mit  dem 
Edelhof,  in  die  Unter-  und  in  die  Obergemeinde,  welche 
ihrerseits  durch  die  Leuba  in  eine  ,,Grofse"  und  ,, Kleine" 
Seite,  die  erstere  mit  der  Kirche,  zerlegt  wird.     Der  Ritter- 


' I  Mitteil. d. Gesch. u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  VII, 417. 

-)  Unter  ihnen  sind  doch  wohl  am  besten  die  ungenannten  Bei- 
d<)rfer  der  Kirche  zu  Altpenig;  zu  verstehen. 

^)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  6.  Nr.  329—335.  ^'gl.  Mitteilungen  des 
König].  Sachs.  Altertumsvereins  XXVI,   iggff. 


26  Leo  Bönhoff: 

sitz  und  die  Häuser  der  Alt-  und  der  Untergemeinde  liegen 
zwischen  der  Wyhra  und  der  Leuba,  also  südlich  des 
letzteren  Gewässers;  das  gilt  ebenfalls  von  der  „Kleinen" 
Seite  der  Obergemeinde.  Bis  zum  Jahre  1614,  ,,seindt  die 
auff  der  Kleinen  Seiten",  wie  der  damalige  Pfarrer  Michael 
Müllner  mitteilt,  ,,in  die  Capella  aller  Heiligen  auffn  Edel- 
hoffe",  die  ein  Filial  der  Pfarrkirche  zu  Lohma  a.  d.  Leina 
war,  ,,gepfarret  gewesen,  haben  aber  die  Sacramente  zu 
Lohma  suchen  müssen,  seindt  aber  nunmehr  zu  St.  Niclafs 
vndt  zu  der  Grofsen  Seiten  geschlagen"').  Im  Jahre  1296 
bestätigte  nun  Bischof  Bruno  von  Naumburg  dem  ßerger- 
kloster  zu  Altenburg  das  Patronatsrecht  über  die  Pfarrkirche 
zu  Lohma  und  deren  Filial  (jus  patronatus  parrochialis  ecclesie 
ibidem  [in  Lom|  cum  cappella  omnium  sanctorum  in  Luoben, 
predicte  parrochie  lilia),  welches  dasselbe  am  16.  Oktober  1295 
einem  Vasallen  der  Vögte  von  Plauen,  Hermann  von  Mutschau 
auf  Lohma,  und  seinen  Erben  abgekauft  hatte.  Zugleich  ge- 
nehmigte er  die  Verwendung  einiger  Einkünfte  der  Pfarrei 
für  das  Kloster  und  eventuell  ihre  Besetzung  durch  einen 
seiner  Konventualen,  nur  dafs  dieser  gehalten  sein  solle,  in 
geistlichen  Dingen  dem  Naumburger  Archidiakonus  zu  ge- 
horchen-). Als  solchen  bezeichnet  er  den  Grafen  Hermann 
von  Neuenburg,  den  er  ,,Plisnensis  terre  archidiaconus"  nennt 
—  ein  deutliches  Zeugnis  dafür,  welcher  Diözese  und  Kirchen- 
provinz dieser  Teil  von  Langenleuba- Niederhain  angehörte, 
wie  auch  dafür,  dafs  wir  die  Angaben  der  Merseburger  Grenz- 
beschreibung richtig  deuteten:  die  gedachte  Parochie  liegt 
westlich  der  Wyhra  und  südlich  der  Leuba. 

Wir  können  aber  die  Richtigkeit  der  Interpretation  weiter 
prüfen:  Bischof  Heinrich  IV.  von  Merseburg  bestätigt  seiner- 
seits ebendemselben  Bergerkloster  1349  das  Patronatsrecht 
über  die  Pfarrkirche  in  Langenleuba-Oberhain,  welches  Burg- 
graf Otto  I.  von  Leisnig  1337  ihm  geschenkt  hatte:  es  ge- 
hörte zum  Leibgedinge  seiner  Gemahlin  Elisabeth,  wie  sie 
selbst  1338  erklärt.  Er  spricht  nun  von  der  superior  ecclesia 
in  Luben,  der  Bischof  von  der  ecclesia  parochialis  in  superiore 
Luben'^).  Beide  Ausdrücke  setzen  eine  inferior  ecclesia  in 
Luben  oder  eine  eccl.  par.  in  inferiore  Luben  voraus,  und 
der  erstere  vorzüglich  legt  es  nahe,  sie  in  der  gleichen  Diözese 


1)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellscb.  d.  Osterl.  VII, 
405,  413! 

■■^)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  143,  Nr.  299   und  152,  Nr.  312. 
'■^)  Mencke,  Script,  rer.  Germ.  III,  1085  —  1088. 


Der  Pleilsensprengel.  2y 

zu  suchen:  es  ist  die  St.  Nicolaikirclie  in  Langenleuba-Nieder- 
hain,  bestimmt  für  die  „Grofse"  Seite  der  dortigen  Ober- 
gemeinde oder  für  „Mittelleuba",  wie  es  seit  dem  i6.  Jahr- 
hundert heifst,  darum  auch  ,,in  alten  schieden  die  Mittelkirche" 
genannt,  mit  ihrem  Filial  Neuenmörbitz,  wohin  auch  Schöm- 
bach  kircht.  Sie  befand  sich  unter  den  Pfarreien,  deren 
Patronatsrecht  141 3  dem  Georgenstifte  zu  Altenburg  über- 
lassen ward^).  Leider  gestattet  die  Ordnung  der  Namen 
dieser  Parochien  keinen  Schlufs  darauf,  ob  sie  ins  Bistum 
Naumburg  oder  Merseburg  gehöre.  Auch  hat  man  dagegen 
eingewendet,  die  Pfarrstelle  zu  Langen! euba-Niederhain  sei  ja 
1528  derer  von  Zschadrafs  Lehen-).  Allein  war  nicht 
ebenso  Elsterberg,  das  doch  141 3  genau  so  gut  wie  Langen- 
leuba-Niederhain  mit  seinem  Pfarrlehn  an  das  Stift  pelanfft 
war,  1529  derer  von  Bünau  Lehen?'')  Es  wird  hier  genau 
wie  in  Bocka  bei  Frohburg  zugegangen  sein,  wo  der  Laien- 
patron (einer  von  Einsiedel)  die  Nomination  des  Pfarrers, 
das  Georgenstift  aber  ,,die  Beth",  d.  h.  die  Präsentation,  aus- 
übte ■*).  Vor  allem  aber  wird  es  sich  um  die  Erhebung  einer 
Jahresrente  (pensio)  von  dem  betreffenden  Pfarreinkommen 
gehandelt  haben:  sie  betrug  für  Langenleuba-Niederhain  an- 
fängUch  6  Schock  Groschen,  ward  aber  bereits  1432  auf  die 
Hälfte  herabgesetzt'^).  Dafs  übrigens  die  von  Zschadrafs 
bereits  früher  Kirchenpatrone  von  Langenleuba-Niederhain 
waren,  ersieht  man  daraus,  dafs  einer  von  ihnen,  namens 
Dietrich,  mit  zwei  anderen  Adligen,  Nicklas  von  Born 
und  Albrecht  von  Kaufungen,  wegen  der  dortigen  Pfarrei 
einen  Streit  hatte,  weshall)  sie  sich  an  Papst  Bonifaz  VlIL 
(1295  — 1303)  wandten,  der  eine  Resolution  an  den  Bischof 
von  Merseburg  in   dieser   Angelegenheit    erliefs*^).     So    lag 


')  Jedenfalls  aber  verbietet  sich  damit  der  Versuch,  dieses  Lubin 
mit  Lübben  in  der  Niederlausitz  zu  identifizieren,  da  es  im  ßistimi 
Meifsen  lag  und  überdies  seine  Pfarrei  mit  der  Pfründe  des  Archi- 
diakonus  der  Lausitz  verbunden  war.  (Gegen  Mitteil.  d.  Gesell,  u. 
Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  VII,  420 f.) 

'-)  Lobe  a.  a.  O.  I,  269. 

*)  Mitteilungen  des  Altertumsvereins  zu  Plauen  i.V.  6,  XXIII:  Der 
pfarrer  zu  Elsterburg,  her  Heinrich  von  Buuaw  doselbst,  von  den 
von  Bunaw  doselbst  belehent. 

^)  Lobe  a.  a.  O.  I,  61 3 f.  Ein  Analogen  bietet  die  Parochie  Pohl 
bei  Plauen  i.V.,  deren  Kirchlehen  dem  Deutschen  Orden  zustand, 
während  die  von  Pohl  auf  die  Wahl  des  Pfarrers  ihren  gesetzlichen 
Einflufs  hatten.     (Schmidt  I,  349,  Nr.  722.) 

•^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertiunsforsch. Gesellsch.  d.Osterl.  III,  341  ff. 

^)  Wagner,  Collectanea  XIII,  S.  8.  (Gegen  Mitteil.  d.  Gesch.  u. 
Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  X,  523.) 


28  Leo  Bönhott': 

denn  auch  Langenleuba-Niederhain  (Mittelleuben),  jedoch  ohne 
die  Alt-  und  Untergemeinde  und  die  „Kleine"  Seite  der  Ober- 
gemeinde, wie  Langenleuba- Oberhain  (Oberleuben)  in  der 
Merseburger  Diözese. 

Zu  ihr  müssen  auch  gemäfs  den  Angaben  der  obigen 
Grenzbeschreibung,  weil  sie  östlich  der  Wyhra  sich  aus- 
dehnen, folgende  Kirchspiele  aufser  den  vier  bereits  genannten 
gerechnet  werden:  i.  Altmörbitz,  woselbst  1353  eine  Kirche 
(St.  Martin  und  St.  Catharinen)  und  ein  Pfarrer  (Nicolaus)  nam- 
haft gemacht  werden^).  —  2.  Rüdigsdorf;  die  Orte  Neu- 
hof und  Pflug,  nach  dem  bekannten  adligen  Geschlechte  be- 
zeichnet, sind,  wie  ihre  Namen  beweisen,  Anlagen  einer 
jüngeren  Zeit.  —  3.  Kohren;  das  Patronatsrecht  hatte  hier, 
wie  eine  Urkunde  aus  dem  Jahre  1292  zeigt,  Markgraf  Heinrich 
der  Erlauchte  mit  seinen  Söhnen  Albrecht  und  Dietrich  (f  1285), 
also  vor  diesem  eben  genannten  Jahre,  dem  Deutschen  Ordens- 
hause zu  Altenburg  verehrt,  und  als  es  1303  den  Brüdern 
desselben  durch  die  weltlichen  Besitzer  Kohrens  strittig  ge- 
macht ward,  entschied  der  Merseburger  Bischof  Heinrich  III. 
durch  seinen  Kommissar,  den  Archidiakonus  Ulrich,  zu  ihren 
Gunsten-).  —  4.  S3'hra  mit  Theusdorf  und  Eckersberg  sowie 
noch  im  Jahre  1540  mit  dem  Filiale  Roda,  wie  die  alber ti- 
nischen  Visitationsprotokolle  besagen'^);  aus  ihnen  erhellt  zu- 
gleich, dafs  der  Pfarrer  von  Ossa  noch  Kirchenpatron  zu 
Syhra  war,  dafs  also  seine  Vorgänger  früher  einmal  die 
dortige  Parochie,  wie  sie  sich  1540  vorfand,  als  einen  Teil 
ihres  Pfarrbezirks  mit  verwaltet  haben.  Natürlich  wissen  wir 
nicht,  wann  Syhra  seine  kirchliche  Beziehung  zu  Ossa  gelöst 
hat,  von  der  ja  jener  Patronat  genügend  Zeugnis  ablegt.  Diese 
rückwärtige  Verbindung  aber  sichert  ohne  weiteres  die  Zu- 
gehörigkeit Syhras  mit  Roda  (selbständig  erst  seit  1580)*)  zum 
Sprengel  des  Bischofs  von  Merseburg.  —  5.  Greifenhain; 
dahin  pfarrte '(auch  noch  heute)  links  (westlich)  der  Wyhra, 
wo  eigentlich  Naumburger  Diözesangebiet  (s.  o.)  anhob,  der 
Ort  Wolftitz,  freilich  ausschliefslich  des  dortigen  Rittergutes 
(Parochie  Eschefeld).  Allein  diese  kleine  Unebenheit  glich 
sich    dadurch   aus,    dafs  Wüstenhain    (Parochie    Gnandstein), 


*)  Seh  Ott  gen,  Diplom,  et  Script.  II,  337. 

2)  Kehr  a.  a.  O.  S.  448,  502. 

ä)  HStA.  Dresden,  Loc.  10599.  Visit,  sampt  ders.  Instrukt.  u. 
Vertheil.  d.  Superattend.  im  Fürstent.  Meilsen  etc.  1540  fol.42ib. 

*)  Allerdings  wechselte  es  bis  dahin  seit  1540  noch  zweimal 
seine  Mutterkirche:  zuerst  ward  es  zu  Niedergräfenliain,  dann  zu 
Greifenhain  geschlagen. 


Der  Pleil'sensprengel.  29 

wenn  schon  rechts  (östhch)  der  Wyhra  gelegen,  gleichwohl 
dem  Bistum  Naumburg  zustand.  —  6.  Benndorf,  dessen 
Patronatsrecht  durch  Übertragung  seitens  Dietrich  Lists  da- 
selbst im  Jahre  1352  an  das  Chemnitzer  Bergkloster  mit  mark- 
gräflicher Bewilligung  gedieh').  Von  einer  Bestätigung  des 
Älerseburger  Bischofs,  der  hierbei  auch'-)  in  Frage  kommt,  ist 
urkundlich  nichts  bekannt. 

Nachdem  wir  den  Anteil  Merseburgs  östlich  des  Pleifsen- 
sprengels  festgestellt  haben,  wollen  wir,  ehe  wir  denselben 
nördlich  dieses  Bezirkes  bestimmen,  erst  die  Parochien  des 
letzteren  namhaft  machen,  die  dem  ersteren  Anteile  gegen- 
überliegen. Es  sind:  i.  Froh  bürg.  Hier  genügt  es,  auf 
die  Angaben  des  oft  berührten  Abschätzungsberichtes  aufmerk- 
sam zu  machen'^):  ,,Item  in  archydiaconatu  Pl3'snensi:  ecclesia 
in  Vroburg  vacavit  in  primo  anno,  que  est  taxata  ad  X 
marcas,  solvit  VII  sexagenas  grossorum  Pragensium  nee  plus 
solvere  potuit,  quia  totus  valor  vix  se  ad  taxum  extendit  in- 
spectis  oneribus  incumbentibus  pro  officiacione  et  iuramento 
rectoris,  quod  terminum  solvere  non  potuisset."  —  2.  Esche- 
feld mit  dem  Rittergute  zu  Wolftitz  (s.  o.),  wobei  allerdings 
die  Frage  zu  erwägen  sein  dürfte,  ob  nicht  ursprünglich  dieser 
ganze  Ort,  zumal  er  diesseits  der  V^yhra  sich  erstreckt,  eben- 
falls nach  Eschefeld  kirchte.  —  3.  Gnandstein  mit  Dolsen- 
hain  (Dolsenaw)  und  Wüstenhain  (s.  o.).  Ein  kirchlicher  Er- 
lafs  vom  22.  April  1362  zählt  seinen  Pfarrer  genau  wie  die- 
jenigen zu  Zeitz,  zu  Altenburg  und  zu  Frohburg  (Nr.  i)  zur 
Naumburger  Diözese*).  —  4.  Lohma  a.  d.  Leina  mit  seinem 
Anteile  an  Langenleuba-Niederhain,  den  wir  bereits  ermittelt 
haben.  —  5.  Flemmingen  mit  Steinbach  altenburgischen  An- 


1)  Cod.  dipl.  Sax.  reg-.  II,  6.  Nr.  358.  Vgl.  Lippert-Beschorner, 
Lehnbuch  Friedr.  d.  Ernsth.  XVII,  16.:  Theodericus  de  Drenowe  . . . 
in  Bennendorf  . . .  V2  allodium  cum  iure  patronatus.  (HStA.  Dresden, 
Cop.  25.  fol.  42.  Die  Frau  des  eben  Genannten,  Kuneganide,  empfängt 
zum  Leibgedinge:  5  mc.  redd.  in  Bennendorf  cum  Va  allodio  ....  cum 
universis  suis  iuribus,  attinenciis  et  utilitatibus.) 

•2)  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Borna.     Art.  „Benndorf". 

8)  von  Ledebur  a.a.O.  S.  348f.  Im  Jahre  1413  erhielt  das 
Georgenstift  zu  Altenburg  den  Patronat  über  die  Pfarrstelle,  deren 
Inhaber  8,  dann  seit  1432  nur  4  Schock  an  seinen  Prokurator  zahlten. 
(Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  III,  342 f.) 

*)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  6.  S.  323,  6  bis  10:  discretis  viris  .... 
in  Citz,  in  Aldemborg,  in  Froborg  et  in  Gn  an  st  ein  .  .  .  .  Nuem- 
burgensis  ....  dioces.  ecclesianmi  rectoribus.  Im  Jahre  1268  (1258) 
tritt  neben  dem  Dechanten  des  Pleifsnerlandes,  Pfarrer  Berino;er  von 
Jerisau  (s.  o.),  also  seinem  nächsten  Vorgesetzten,  der  Pleban  Günther 
von  Gnandstein  auf. 


^o  Leo  Bönhoff: 

teils  (s.  o.)  und  Jückelberg.  —  6.  Wolperndorf  (bis  1545  ohne 
seine  beiden  heutigen  Filiale,  also  überhaupt  ohne  jegliches  Bei- 
dorf'). —  7.  Wolkenburg  (s.  o.),  bei  dem  noch  zu  bemerken 
ist,  dafs  im  Jahre  1308  die  Gebrüder  Unarch  und  Heinrich, 
Herren  von  Waidenburg,  mit  seiner  Pfarrkirche  zu  St.  Georgen 
und  St.  Moritz  einen  Tauschkontrakt  unter  Vermittelung  der 
Kollatoren,  Volrads  und  Ottos,  Herren  von  Colditz,  und  unter 
Beistimmung  Bischof  Ulrichs  I.  von  Naumburg,  nebenbei  be- 
merkt, des  Neffen  derselben  (s.  u.),  abschliefsen-). 

Wir  kehren  an  die  Wyhra  bei  Benndorf  zurück,  von  wo 
ab  sie  zuerst,  und  zwar  nach  Süden  zu,  d.  i.  stromauf,  die 
Grenzscheide  der  zwei  Diözesen  Merseburg  und  Naumburg 
darstellte.  Nunmehr  handelt  es  sich  darum,  das  Stück  des 
südlichen  Grenzzuges,  den  die  erstere  von  Westen  her  auf 
Benndorf  und  die  Wyhra  zu  einschlägt,  näher  zu  kennzeichnen, 


1)  Lobe  a.  a.  O.  I,  578.  Ebenda  heilst  es  (S.  580),  die  Kirche  zu 
Wolperndorf,  der  Walpurgis  geweiht,  sei  anfänglich  eine  blofse 
Kapelle  gewesen,  da  mitten  durch  die  Felder  zweier  Bauern  sich  ein 
sogenannter  „Pfaffensteig"  hinziehe,  der  nach  Meerane  (,?  ?)  und  Göfs- 
nitz  (?)  führe,  und  ein  Bauer  auf  seinem  Gute  einen  „Pfaffenstall" 
für  die  Pferde  der  von  dort  (?)  ankommenden  Geistlichen  habe  unter- 
halten müssen.  Diese  Angaben  treffen  gewifs  bis  auf  einen  Punkt 
zu:  unmöglich  kann  nämlich  eine  von  den  beiden  weit  entfernten 
Kirchen  die  ecclesia  matrix  Wolperndorfs  sein,  zumal  auch  noch 
andere  Parochien  dazwischen  liegen.  Sehen  wir  uns  nach  der  rechten 
Mutterkirche  um,  so  wird,  wenn  wir  der  angedeuteten  Richtvmg  des 
Pfaffensteiges  folgen,  hier  keine  andere  als  die  Kirche  zu  Ziegelheim 
als  solche  in  Ansprach  zu  nelmien  sein.  Ihr  Sprengel  war  einst  viel 
ausgedehnter  als  heute,  wo  er  nur  die  l)eiden  Orte  Uhlmannsdorf 
und  Niederarnsdorf  nebst  einem  Handgute  in  Hoversdorf  umfafst. 
Denn  1533  verlor  sie  infolge  der  refonnatorischen  Bewegung  nicht 
weniger  als  fünf  Dörfer,  darunter  zwei  Filiale,  an  die  benachbarten 
Pfarreien,  nämlich  Göpfersdorf,  Garbisdorf  und  Hinteruhlmannsdorf 
an  Flemmingen,  Hoyersdorf  (ohne  jenes  Handgut)  an  Nieder- 
wiera  und  Nirkendorf  an  Ehrenhain  (damals  Fuchshain).  Es  wäre 
also  wohl  denkbar,  dafs  Wolperndorf,  und  auch  durchaus  nicht  un- 
möglich, dafs  Flemmingen  mit  Beiern,  Steinbach,  Jückelberg  und 
dem  Filiale  Frohnsdorf  der  Seelsorge  der  Pfarrer  von  Ziegelheim, 
deren  urkundlich  zuerst  1254  gedacht  wird  (Mitzschke  a.  a.  O. 
S.  109:  Hugo,  plebanus  de  Cygilheim),  vordem  unterstellt  gewesen 
sind.  Vgl.  dazu  von  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  351:  ,Jtem  in  archv- 
diaconatu  Plysnensi  . .  . .  ecclesia  in  C3'gelheym,  que  est  taxata 
ad  X  marcas,  vacavit'  in  secundo  anno  per  constitutionem  ,Licet 
canonicum':  collacio  spectat  ad  laycos;  solvere  debuit  V  sexagenas 
grossorum  Pragensium  et  unam  sexagenam  solummodo  solvit  pro 
residuo  ille,  qui  possedit  ecclesiam  (der  Pfarrer),   quia  adhuc  stat  in 

lite Tres    sacerdotes    ad    minus  (für  die  Filiale)  in  ipsa 

requiruntur;  totus  valor  illius  anni  fuenmt  XIV  marce." 

^)  Alte  Sachs.  Kirch.-Gal.  X,  90  a. 


Der  Pleifsensprengel.  21 

obschon  hier  unsere  Hilfsmittel  ganz  kärglich  bemessen  sind. 
Natürlich  stellen  wir  damit  zu  gleicher  Zeit  auch  das  ent- 
sprechende Stück  des  nördlichen  Grenzzuges  der  Naumburger 
Diözese  und,  worauf  es  uns  doch  vor  allem  hier  ankommen  mufs, 
die  Nordgrenze  des  Pleifsensprengels  in  ihrer  ganzen  Länge 
dar.  Die  Linie  des  bewufsten  Grenzzuges  läuft  nun,  soweit  sie 
unserem  Zwecke  dient,  von  der  Wyhra  (OSO.)  bis  an  die 
Schnauder  (WNW.),  wobei  sie  zwischen  den  beiden  Städtchen 
Lobstädt  (1214:  Lopschitz)  und  Regis  (1228:  Riguz)  die  Pleifse 
überschreitet.  Sie  ist  nicht  minder  insofern  von  Bedeutung, 
als  sie  längs  der  angegebenen  Strecke  auch  die  Grenzmark 
der  beiden  sorbischen  Gaue  Chutizi  (Diözese  Merseburg) 
und  Plisni  (Diözese  Zeitz-Naumburg)  bezeichnet.  Schauen 
wir  uns  nach  Richtpunkten  für  den  Verlauf  dieser  Linie  um, 
so  ergeben  sich  als  solche  an  der  W3'hra,  wie  wir  bereits 
oben  bemerkten,  Benndorf  und  Frohburg,  an  der  Schnauder 
(unfern  derselben)  Groitzsch  und  Lucka.  Bischof  Hein- 
rich III.  von  Merseburg  rechnet  die  Pfarrei  Groitzsch,  bei 
ihrer  Übertragung  an  das  Cisterzienserinnenkloster  zu  Langen- 
dorf (bei  Weifsenfeis)  im  Jahre  13 17,  zu  seinem  Sprenget). 
Sie  besafs  aber  einen  beträchtlicheren  Bezirk  als  heute;  denn 
mit  ihr  war  aufser  ihren  jetzigen  Beidörfern  noch  1540  als 
Fihal  die  Parochie  Pödelwitz,  jedoch  ohne  Piegel,  sowie 
bis  1533  mit  Oellschütz  (Parochie  Hohendorf)  und  Drofsdorf 
(Parochie  Kieritzsch)  verbunden.  An  die  Pfarrei  Groitzsch 
stiefs  ferner  früher  im  Süden  das  Kirchspiel  von  Lucka,  das 
mit  Ausnahme  seines  früheren  Fihals  (bis  nach  1545)  und 
heutigen  Beidorfs  Nehmitz  am  linken  Ufer  der  Schnauder  liegt. 
Denn  mit  Obertitz  (Parochie  Groitzsch)  grenzte  ja  Langen- 
hain  (Parochie  Michelwitz)  zusammen,  das  anfänghch  wie  auch 
Wildenhain  (Parochie  Ramsdorf)  nach  Lucka  kirchte.  Über- 
haupt scheint  letzteres  noch  zu  Beginn  des  14.  Jahrhunderts 
neben  seinen  vier  heutigen  Beidörfern  (Nehmitz,  Berndorf, 
Teuritz  und  Hagenest)  und  den  beiden  soeben  genannten  die 
Parochien  Pröfsdorf-)  und  Breitenhain  (s.  u.)  mit  Hemmen- 
dorf (sächs.)    im    Altenburgischen  sowie    Ruppersdorf    mit 


*)  Kehr  a.  a.  O  S.  579:  ec(c)Iesiam  in  Groyzch  nostre  dyocesis. 
Vgl.  ebenda  S.  272. 

2)  Das  älteste  Gotteshaus  des  Ortes  ward  in  den  Jahren  1352 
bis  1360  durch  Bischof  Rudolf  von  Naumburg  wohl  als  Pfarrkirche 
geweiht  und  1 505  als  Filial  mit  derjenigen  zu  ßreitenhain  verbunden. 
Das  Beidorf  Bünauroda  ist  erst  1700,  wie  sein  Name  besagt,  durch 
einen  von  Bünau  auf  Rodeland  angelegt  worden.  (Lobe  a.  a  O 
I.  179  ff.) 


2  2  Leo  Bönhoff: 

Bosengröba  im  Sächsischen^),  also  im  ganzen  elf  Ortschaften 
im  Bereiche  seiner  Pfarrgrenzen  aufgewiesen  zu  haben. 
Solches  würden  auch  die  auf  Lucka  bezüglichen  Angaben 
vom  Jahre  1320  nahelegen,  welche  lauten'-):  ,,In  preposi- 
tura  Cycensi  ....  ecclesia  in  Lukowe  vacavit  in  secundo 
anno  per  constitutionem  ,Execrabilem',  cuius  collacio  spectat 
ad  marchionem  Misnensem,  que  taxata  est  ad  XVI  (!)  marcas 
et  solvit  IV  marcas  et  plus  dare  non  potuit,  quia  opidum 
destructum  fuit  per  bellum,  quod  habuerunt  homines  regis 
Alberti  cum  marchione  Misnensi  ibidem,  et  desolatum  pro 
majori  parte  et  per  expugnationem  castri  in  Breytinhain, 
quod  expugnavit  marchio  Misnensis,  propter  quas  causas 
parochiales'^)  effugerunt;  offertorium  periit  ad  census:  iste 
cause  sunt  notorie,  et  nihilominus  rector  iuratus  deposuit  .  .  ., 
quod  plus  solvere  non  posset  supportatis  oneribus  incum- 
bentibus,  quantum  ad  divina  officia,  quia  ipsum  oportet 
teuere  duos  sacerdotes."  Jedenfalls  geht  aber  klar  her- 
vor, dafs  innerhalb  des  Naumburger  Bannes  alles  Gelände 
links  der  Schnauder  nur  für  den  Archidiakonat,  den  der 
Zeitzer  Stiftspropst  verwaltete,  die  ,,praepositura  Cicensis",  in 
Anspruch  genommen  werden  darf. 

Wir  begeben  uns  an  das  rechte  Ufer  der  Schnauder: 
hier  entfallen  die  Orte  Oellschütz  und  Drofsdorf  (Parochie 
Groitzsch-Pödelwitz  noch  im  Jahre  1533)  auf  die  Merse- 
burger  Diözese,  während  Hohendorf  mit  Schleenhain, 
dessen  Kirche  noch  heute  das  Wappen  eines  Naumburger 
Bischofs  schmückt,  dadurch  als  Grenzparochie  dieses  Sprengeis 
deutlich  erwiesen  ist.  Folgen  wir  der  Richtung,  die  hiermit  der 
Grenzlinie  gegeben  wird  (Ostsüdost),  bis  zur  Pleifse  und  weiter 
bis  zur  Wyhra,  so  wären  folgende  Kirchspiele  zur  Diözese 
Merseburg  zu  schlagen:   i.   Breunsdorf  mit  seinem  Filiale 


')  Bezeichnenderweise  ruht  ihr  Patronat  aut  dem  Rittergute  des 
bis  zum  Jahre  1533  nach  Lucka  eingepfarrten  Wildenhain. 

-)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  339. 

^)  Zu  den  Pfarrkindern  zählten  damals  also  auch  die  Bewohner 
von  Schlofs  (und  Dort)  Breitenhain.  Hier  bestand  wohl  von  jeher 
eine  Kapelle;  der  Chor  der  jetzigen  Kirche  in  romanischem  Stile  mit 
Rundbogen,  schmalen  kleinen  Fenstern  und  rohem  Gesims  sowie  die 
halbkreisförmige,  gewölbte  Apsis  mit  noch  schmäleren,  kleineren 
Fenstern  stammen  wahrscheinlich  von  ihr.  Eine  Pfarrei  entstand 
vermutlich  durch  das  Zutun  der  Burggrafen  von  Starkenbero;, 
die  auf  Breitenhain  in  derZeit  von  1 347 — 1 425  safsen.  Wiederhergestellt 
ward  sie  1505,  nachdem  sie  längere  Zeit  (aliquamdiu)  von  Lucka 
aus,  ihrer  alten  Mutterkirche,  mitverwaltet  worden  war,  durch  Günther 
von  Bünau.     (Lobe  a.  a.  O.  I,  177,  179.) 


Der  Pleifsenspvengel.  33 

Heuersdorf;  am  22.  Januar  1297  schenkte  Friedrich  III.  der 
]üno-ere  von  Schönburg  samt  seinen  drei  älteren  Brüdern  der 
Stiftung  seiner  Ahnen,  dem  Kloster  der  Benediktinerinnen  zu 
Geringswalde,  beide  Ortschaften  und  fügte  am  14.  Oktober 
1299  noch  das  dortige  Rittergut  nebst  dem  Kirchlehn  hinzu, 
in  dessen  Genufs  die  Nonnen  bis  zum  Jahre  1542  ungestört 
verbheben-").  —  2.  Grofshermsdorf.  —  3.  Deutzen  mit 
Röthigen.  (1105:  Monichoroth  ....  in  burcwardo  Groiska  .... 
inter  fluvios  Wira  et  Snndra,  vgl.  Cod.  dipl.  I,  2.  Nr.  7)  — 
4.  Görnitz  mit  Hartmannsdorf.  —  5.  Zedtlitz  mit  Raupen- 
hain und  Plateka.  Da  nun  aber  die  Wyhra  erst  bei  Benn- 
dorf  als  Diözesangrenze  eintritt,  so  mufs  man  auch  (6.)  die 
Pfarrei  zu  Wyhra,  die  ebenfalls  bis  zum  Jahre  1542  dem 
Kloster  Geringswalde  zustand,  dem  Bistum  Merseburg  zu- 
schreiben, zumal  noch  dazu  kommt,  dafs  die  Hochebene 
zwischen  Wyhra  und  dem  westlich  davon  gelegenen  Thräna 
(Parochie  Treben),  die  sogenannte  Droganer  Mark,  die  Grenze 
zwischen  den  Gauen  Chutizi  und  Plisni  bezeichnet'-),  W^yhra 
mithin  dem  ersteren  (Diözese  Merseburg)  zuweist.  Demnach 
schliefsen  sich  der  Naumburger  Grenzpfarrei  Hohendorf 
folgende  weitere  nach  Osten  zu  an:  i.  Ramsdorf,  dessen 
Pfarrer  noch  heute  Ansprüche  an  die  Vergünstigungen  der 
Zeitzer  Prokuraturkasse  hat  und  dessen  Kollaturrecht  vor- 
dem in  den  Händen  des  Zeitzer  Kollegiatstiftes  lag,  was  ja 
zur  Feststellung  Naumburg  als  seiner  Diözese  gr-enügen  dürfte. 
—  2.  Breitingen  mit  Haselbach,  das  von  ihm,  dieweil  es 
,,Zceitzer  stiffts"  war,  1533  getrennt  und  ,,mit  dem  pfar- 
recht gegen  Treben  (s.  u.)  geweyset"  wurde,  aber  bereits 
im  Jahre  1545  wieder  zu  seiner  alten  Mutterkirche  zurück- 
gekehrt war'^).  —  3.  Regis  mit  seinem  Filial  Blumroda; 
bereits  im  Jahre  1228  erscheinen  ,,castrum  et  oppidum  in 
Riguz  cum  suis  appendiciis"  unter  den  Liegenschaften  des 
Bistums  Naumburg*).  Unter  diesen  Zubehörungen  hat  man 
imter  anderem  auch  den  Patronat  über  die  Kirche  zu  Regis 
und  Breitingen  zv;  verstehen,  welche  letztere  vordem  ein  Fihal 
der  ersteren,  wie  es  heute  noch  Blumroda  ist,  gewesen  sein 


')  Tobias,  Reoesten  des  Hauses  Schönburg  I  vmter  den  Jahren 
1297  und  1299.  In  dem  ersten  Dokumente  ist  nur  von  Brunigisdorf 
und  der  villula  adiacens  die  Rede.  Indes  ein  altes  Zinsregister 
von  Geringswalde  besagt:  „Der  richter  czw  brewnssdorflf  fordirt 
eyn  den  czehennd  czw  heyerssdorff  do  bey  gelegenn." 

-)  Lobe  a.  a.  O.  I,  523. 

^)  Ebenda  I,  612. 

*)  Lepsius  a.  a.  O.  Urk.  Nr.  56. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    i.  2.  3 


■JA  Leo  Bönhoflf: 

wird.  Dieses  kirchliche  Besetzungsrecht,  das  auf  dem  Schlosse 
zu  Regis  ruhte,  ging  auf  Breitingen  über,  nachdem  der  Herren- 
sitz dahin  verlegt  worden  war;  so  ist  denn  noch  jetzt  der 
Besitzer  des  Rittergutes  Breitingen  Kollator  daselbst  und  zu 
Regis.  —  4.  Treben  mit  Thräna,  Serbitz  und  Palma;  seine 
Kirche  eignete  König  Philipp  am  27.  September  1200  dem 
Altenburger  Bergerkloster  zu  und  Bischof  Berthold  von 
Naumburg  genehmigte  es  1204,  wobei  er  die  Einsetzung 
eines  Pfarrers  dem  Konvente  mit  der  Bedingung  überliefs, 
dafs  ein  solcher  in  geistlichen  Angelegenheiten  dem  Pleifsner 
Archidiakonus  unterworfen  sein  solle^). 

Wir  sehen  also,  wie  die  Grenze  der  Bistümer  Merseburg 
und  Naumburg  nordöstlich  von  Blumroda  die  Richtung  nach 
Ostsüdost  verläfst  und  dann  eine  Strecke  lang  diejenige  nach 
Südsüdost  einschlägt,  um  bei  der  Nordostecke  der  Waldung 
Pahna  wieder  in  die  alte  Richtung  zu  verfallen  und  so  die 
Wyhra  bei  Benndorf  zu  erreichen,  dessen  Südgrenze  die 
Naumburger  (5.)  Pfarrei  Frohburg  (s.  o.)  mit  Kleineschefeld 
berührt.  Wohl  haben  wir  als  Kirchspiele  im  Naumburger 
Banne  bisher  längs  der  Nordgrenze  zwischen  Schnauder  und 
Wyhra  Hohendorf,  Ramsdorf,  Breitingen,  Regis,  Treben  und 
Frohburg  ermittelt  und  konnten  die  beiden  letzteren  bereits 
auf  Grund  klarer  Zeugnisse  dem  Pleifsensprengel  zuteilen. 
Allein  wie  verhält  es  sich  in  dieser  Hinsicht  mit  den  vier 
ersteren?  Da  die  Parochie  Treben  mit  dem  sooenannten 
Kammerforste  an  ihrer  Westgrenze  an  die  Schnauder  stöfst, 
die  wir  als  Grenzscheide  zwischen  dem  Pleifsen-  und  Zeitzer 
Propsteisprengel  erkannt  hatten,  und  Haselbach  nach  Brei- 
tingen pfarrt,  so  sind  auf  jeden  Fall  für  die  erstere  Kirchen- 
provinz Regis  und  Breitingen  durchaus  gesichert,  und  mit 
der  beiderseitigen  Nordgrenze  ist  zugleich  auch  die  ihrige 
gegeben.  Hohendorf  und  Ramsdorf  jedoch,  die  beide  am 
rechten  Ufer  der  Schnauder  gelegen  sind  und  im  Norden  an 
die  Merseburger  Diözesangrenze  sich  lehnen,  werden  im 
Westen  und  Süden  vom  Gebiete  des  Zeitzer  Propstei- 
sprengels  umfafst,  nämlich  von  der  Parochie  Lucka,  die 
sogar  mit  ihrem  Beidorfe  Nehmitz  auf  das  rechte  Ufer  der 
Schnauder  hinübergreift.  Sie  geben  also  eine  passende  Ab- 
rundung  für  diese  Kirchenprovinz  einerseits  nach  dem  Bis- 
tume  Merseburg,  andererseits  nach  dem  Pleifsensprengel 
hin  ab,  während  letzterer,  schrieben  wir  ihm  beide  Paro- 
chien     zu,     auf     einmal    jählings    nach    Westen     vorprellen 


'j  Lobe  a.  a.  O.  I,  513. 


Der  Pleifsensprengel.  35 


würde.  Zudem  stand  Ramsdorf  in  Beziehungen  zu  dem  Stifte 
Zeitz,  womit  seine  Zuteilung  zu  dem  Archidiakonate,  den 
dessen  Propst  zu  beaufsichtigen  hatte,  noch  erklärUcher  wird. 
Liegt  aber  Ramsdorf  in  diesem  Verwaltungsbezirke,  gilt  von 
Hohendorf  wegen  seiner  nordwestlichen  Lage  selbstverständ- 
lich ein  Gleiches.  Ramsdorf  ist  demnach  die  nördlichste 
Grenzpfarrei  an  der  Ostgrenze  des  Zeitzer  Propstei- 
sprengels,  an  der  entlang  die  West  grenze  des  Pleifsen- 
sprengels  läuft,  und  zwar  hoch  vom  Norden  her  bis  tief  in 
den  Süden  hinunter,  das  Tal  der  Schnauder  hinauf  und  in 
mancherlei  Windungen  bis  in  die  Gegend  nordöstlich  der 
vootländischen  Stadt  Auerbach, 

Es  ist  eine  grofse,  langausgedehnte  Strecke,  die  wir  da 
zu  begehen  haben!  Der  Übersicht  wegen  zerlegen  wir  sie 
in  drei  Abteilungen,  wobei  wir  uns  den  modernen  politischen 
Verhältnissen  anschliefsen:  das  erste  (nördhche)  Stück  betrifft 
Preufsen  (Kreis  Zeitz)  und  Reufs-Gera,  das  zweite  (mittlere) 
Sachsen- Altenburg  (Ronneburger  Pflege)  und  Sachsen-Weimar 
(Amtsbezirk  Weida),  das  dritte  (südliche)  Reufs- Greiz  und 
das  Königreich  Sachsen  (Amtshauptmannschaft  Zwickau). 
Jede  dieser  drei  Teilstrecken  behandeln  wir  dergestalt,  dafs 
wir  die  beiden  Kirchenprovinzen,  um  die  es  sich  hier  handelt, 
mit  ihren  Grenzkirchspielen  einander  gegenüberstellen.  Was 
die  erste  Teilstrecke  anbelangt,  so  kennen  wir  bereits  drei 
Parochien  an  der  Ostgrenze  des  Zeitzer  Propsteisprengels: 
Ramsdorf,  Lucka  (durch  Wildenhain)  und  Ruppersdorf,  woraus 
wir  uns  für  die  weitere  Verfolgung  des  fraglichen  Grenz- 
zuges die  Direktive  entnehmen,  nur  rechts  der  Schnauder  das 
Gebiet  des  Pleifsensprengels  zu  suchen.  Nun  mag  hier  ein- 
geflochten werden,  dafs  gemäfs  dem  kanonischen  Grund- 
satze, dafs  kirchliche  Verwaltungsbezirke  weltlichen  sich  an- 
schliefsen sollen,  wie  ihn  das  Konzil  zu  Chalcedon  aufgestellt 
hat,  der  Zeitzer  Propsteisprengel  unter  anderem  auch  die 
sorbischen  Gaue  Puonzowa  und  Ger  aha  in  sich  beschlofs. 
Die  Ostgrenze  des  ersteren,  die  demnach  einen  Bruchteil  der- 
jenigen dieses  Archidiakonates  repräsentieren  würde,  deckt 
sich  aber  zu  einem  Teile,  und  zwar  dem  südlichen,  d.  h.  gerade 
auf  der  Strecke,  auf  die  es  uns  hier  ankommt,  mit  der  Ost- 
grenze des  Gerichtes  zum  ,, Roten  Graben"  bei  Zeitz.  Die 
Beschreibung  dieses  Teiles,  die  wir  der  Urkunde  Markgraf 
Dietrichs  von  Landsberg  aus  dem  Jahre  1286  entnehmen, 
möge  folgen'):  ,,Ne  autem  super  terminis  eiusdem  sedis  iudi- 


*)  Lepsius  a.  a.  O.  Urk.  Nr.  76. 

3* 


36 


Leo  Bönhoff: 


cialibus    unquam    dubietas    oriatur, villas   infra   scriptas. 

videlicet Ziplawendorf     (Zipsendorf),     Mutzelbuce 

(Meuselwitz),  partem  illam,  in  qua  sita  est  ecclesia, 
Nizmen  (Nifsma),  Lubitz  (Lobas),  Zcocklitz  (Wüstung!), 
Zcetebel  (Zettweil),   Choyne  (Kayna),  Brockowe  (Bröckau) 

ad    predictam   sedem   iudicialem   recognoscimus 

libere  pertinere."  Auf  diese  Angaben  gestützt,  vermögen  wir 
nachstehende  Kirchfahrten  dem  Zeitzer  Propsteisprengel  zu- 
zuweisen: I.  Zipsendorf  mit  Schnauderhainichen  und  Mums- 
dorf.'  Diese  ,,zwo  dorffschaften,  so  bifsher  gen  Zipsendorf 
gepfarrt",  wurden  im  Jahre  1529  ,,hinfürder  in  die  Pfarrkirchen 
zu  Meuselwitz  gewiesen",  wie  es  das  Jahr  zuvor  ihr  Ge- 
richtsherr Günther  von  Bünau  bei  den  kurfürstlich  sächsischen 
Visitatoren  beantragt  hatte ^).  —  2.  Meuselwitz  mit  dem 
Filiale  Nifsma,  welches  das  Zeitzer  Kapitel,  sobald  die  evan- 
gelische Bewegung  in  der  Kirchfahrt  sich  bemerklich  ge- 
macht hatte,  von  seiner  Mutterkirche  abzog.  Trotzdem  1533 
die  Wiederherstellung  dieser  alten  kirchlichen  Verbindung 
angeordnet  ward,  kam  es  doch  nicht  dazu;  vielmehr  hatte 
der  Bischof  von  Naumburg  jenes  Filial  zu  dem  freilich  auch 
viel  näheren  Spora  geschlagen-).  Früher  mufs  übrigens 
Meuselwitz,  vor  allem  der  Teil,  wo  das  Gotteshaus  stand, 
die  Schnauder  höher  hinauf,  etwa  gegenüber  von  Zipsen- 
dorf^), gelegen  haben  und  weniger  weit  entfernt  von  Nifsma 
gewesen  sein^).  —  3.  Lobas.  Hier  genügt  als  Beleg  der 
Vermerk  des  Abschätzungsberichtes ^j:  ,,In  prepositura 
Cycensi  .  .  .  .  item  ecclesia  in  Lobs  vacavit  in  secundo  anno, 
que  est  taxata  ad  VIII  marcas*  solvit  II  marcas  et  plus  solvere 
non  potuit,  quia  ipsa  villa  et  alle  villule  adiacentes  (darunter 
wohl  Zcocklitz,  s.  o.)  destructe  sunt  pro  majori  parte  et 
desolate  propter  vicinitatem  castri  in  Koyne  (Kayna),  cuius 
castri  dominis  et  habitatoribus  tot  passe  sunt  pressuras  et 
molestias,  quod  agros  jacere  permiserunt  desolatos  et  eflfuge- 
runt,  nee  ibidem  propter  insultus  raptorum  nutriri  possunt 
animalia   ad   colendos   agros   et  reservari,  prout  rector  ipsius 


M  Lobe  a.  a.  O.  I,  340. 

-)  Lobe  ebenda. 

*)  Dafs  beide  Orte  im  Zeitz-Naumburger  Stiftslande  lagen,  geht 
auch  aus  der  Tatsache  hervor,  dafs  1168  unter  den  bischöflichen 
Ministerialen  zwei  Brüder  auftreten,  von  denen  der  eine  Herbo 
von  Zipsendorf  (Cybezlaundorf ),  der  andere  Hartwig  von  Meuselwitz 
(Muzell)uze)  hiefs.     (Lobe  a.  a.  O.  I,  342.) 

*)  Lobe  a.  a.  O.  I,  341. 

^)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  339.  Gehörte  damals  vielleicht 
Kayna  zum  Kirchspiel  und  war  Filial? 


Der  Pleifsensprengel.  ^y 

deposuit  juratus."   —    4.    Kay  na    mit    Zettweil    und 

Mahlen.  Mit  der  letzteren  Ortschaft  ist  die  Grenze  wieder 
aufs  linke  Ufer  der  Schnauder  zurückgegangen.  Hier  liegt 
auch  (5.)  Bröckau,  bis  zum  Jahre  1730  ein  Filial  der  Kirche 
zu  Pölzig,  wohin  auch  noch,  wiewohl  rechts  des  Flüfschens 
befindhch,  das  Dörflein  Görnitz  jrfarrt.  Pölzig  selbst  stand 
in  frühester  Zeit  (Ende  des  12.  Jahrhunderts)  im  Lehnsver- 
hältnis zu  den  Zeitz-Naumburger  Bischöfen,  in  deren  Urkunden 
Ministerialen  aufgeführt  werden,  die  sich  nach  dem  Orte 
nennen^);  so  erklärt  sich  die  kirchliche  Verbindung  mit  Bröckau, 
die  sich  erhielt,  nachdem  Burg  und  Städtlein  an  die  Wettiner 
allgekommen  waren. 

Wir  treten  nunmehr  in  reufsisches  Gebiet  über  und  be- 
tinden  uns  zugleich  im  einstigen  Gau  Geraha.  Es  sind  nur 
vier  Kirchspiele,  die  hier  berührt  werden  müssen,  und  zwei 
von  ihnen  sind  nur  Filiale,  deren  Mutterkirchen  bereits  im 
Altenburgischen  zu  suchen  sind.  Soweit  die  Ortschaften 
reufsisch  sind,  gehören  sie  zu  der  alten  Langenberger  Pflege, 
welche  im  nördhchen  Teile  jenes  Gaues  entstanden  war. 
Durch  beide  wird  die  Zuständigkeit  des  Zeitzer  Propstes  als 
Archidiakonus  des  Naumburger  Bischofs  trefflich  gewähr- 
leistet. Wir  bieten  übrigens  sowohl  für  den  Gau  als  auch 
für  die  Pflege  je  zwei  urkundliche  Belege  dar.  Die  Bischöfe 
Dietrich  I.  und  Udo  I.  von  Naumburg  bezeugen,  jener  unterm 
9.  November  1121,  dieser  unterm  15.  April  1146,  dafs  im 
Gau  Geraha  dem  Kloster  Bosau  ein  Getreidezehnt  von  über 
100  Schobern  (scobronum)  unter  anderen  in  folgenden  Dörfern: 
Gnannendorf  (1146:  Grannendorf;  Wüstung  zwischen  Dorna 
und  Zschippach),  Nuendorf  (1146:  Nuendorff;  Nauendorf  bei 
Grofsenstein),  Selmiz  (1146:  Selmice;  Söllmnitz),  Gresewiz 
(1146:  Crescuwice;  Kretschwitz),  Girsan  (Gasan  =  Caasen? 
1146:  Growithan;  Groitschen)  und  Nigaune  (Negis)  zustehe"-). 
Als  ferner  am  13,  April  1333  die  Vögte  Heinrich  Reufs  II. 
von  Plauen  und  Heinrich  IV.  der  Ältere  von  Gera  miteinander 
die  obere  Langenberger  Pflege  teilten"^),  entfiel  deren  östhche 
Hälfte  auf  den  ersteren,  die  folgende  Dörfer  umfafste:  Hers- 
veit (Hirschfeld),  Betenhusen  ( Bethenhausen)  daz  halbe  dorf, 
Greuschz  (Groitschen"),  Neunendorf  (Nauendorf )  das  halbe  dorf, 
Wasenewicz  (Waaswitz),  Kulmen  (Culm),  Zchippuch  (Zschip- 
pach), Selmnicz  (Söllmnitz),  Krezkewicz  (Kretschwitz),  Nygas 


1)  Lobe  a.  a.  O.  II,  328. 

*)  Schöttgen,  Dipl.  et  script.  II,  419,  421. 

'^)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  350  Nr.  723. 


3 8  Leo  Bönhoff: 

(Negis),  Turnuwan  (Dorna),  czu  Rodessicsz  (Roschütz  S.-A.) 
fünf  huve,  Beczelingesdorf  (Wüstung  Betzdorf)  und  Lewen- 
hain  (Lauenhain).  Die  beiden  jüngeren  Söhne  Heinrichs 
Reufs  IL,  Heinrich  Reufs  IIL  der  Mittlere  und  Heinrich  Reufs  IV. 
der  Jüngere,  Herren  zu  Ronneburg,  verpfändeten  am  23.  Mai 
1364  nebst  der  niederen  Langenberger  Pflege  auch  die  ge- 
dachte Hälfte  der  oberen  an  ihre  Vettern  zu  Gera'),  wobei 
unter  anderen  nachstehende  Ortschaften  aufgezählt  werden: 
Selgenstad  (Seligenstädt),  Wolfticz  (Wüstung  Wolfstieg  bei 
Kretschwitz),  .  .  .  Wernhersdorf  (Wernsdorf),  Lewenhayn,  Sel- 
menicz,  Petzelinstorf,  Kreskewicz,  Negaz,  Hersvelde  (s.  o.), 
Kazin  (Caasen),  Betenhusen  halp,  Nuwendorf  halb,  Groycz"), 
Wazenewicz,  Kolme,  Czippuch,  Gnannendorf  (s.  o.)  und  Torne- 
wan  (Dorna). 

An  letzteren  Ort  knüpfen  wir  sofort  an;  seine  Pfarrei 
war  dem  Zeitzer  Propsteisprengel  einbezirkt.  Denn  der  be- 
wufste  Abschätzungsbericht  bemerkt  dazu'^):  ,,In  prepositura 
Cycensi  ....  ecclesia  in  Tornewa n  vacavit  secundo  anno, 
taxata  est  ad  VIII  marcas  et  solvit  II  sexagenas  grossorum 
Pragensium  nee  plus  solvere  potuit,  quia  agri  et  census  ipsius 
pro  majori  parte  sunt  desolati  et  destructi  propter  gwerras 
continuas  advocatorum  de  Plawe  et  de  Gera,  in  quorum 
districtu  sunt  siti,  et  propter  frequentes  insultus  raptorum  et 
aliorum,  qui  animalia,  cum  cjuibus  agri  stercorandi  sunt  et 
excolendi,  in  predam  furtive  aufferunt,  cultores  agrorum 
captivos  deducunt  et  deportant,  interficiunt  et  vulneribus  affli- 
gunt,  quod  rector  iuratus  deposuit."  Das  Kirchspiel  war 
gröfser  als  heute:  aufser  dem  Filiale  Zschippach  und  den 
Beidörfern  Culm,  Kretschwitz,  Negis  und  Seligenstädt,  auch 
Groitschen  und  Caasen^),  wie  heutzutage,  sowie  den 
Wüstungen  Betzdorf  und  Wolfstieg  sind  dazu  noch  Söllm- 
nitz  mit  Lauenhain  und  Wernsdorf  zu  ziehen.  Das  erstere  (S.) 
besafs  etwa  seit  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  einen  Pfarrer  für 
sich,  ward  aber  1540,  nachdem  der  kleine  Sprengel  zeitweilig 
etwas    vergröfsert    worden    war,    als    Filial    zu    dem    nahen 


')  Ebenda  II,  106 f.  Nr.  134. 

-)  Schmidt  interpungiert  irrig:  Bet.,  halp  Nuw.,  halb  Gr. 

*)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  341. 

^)  Beide  bildeten  nach  ihrer  Abzweigtnig  von  Dorna  eine  kleine 
Parochie  für  sich;  allein  zu  Beginn  des  16.  Jahrhunderts  ging  sie 
ein  und  beide  Gemeinden  pfarrten  erst  nach  Söllmnitz,  tielen  aber, 
als  dessen  Pfarrei  ebenfalls  aufgehoben  ward,  an  Dorna  wieder 
zurück.  (Brückner,  Landes-  und  Volkskunde  des  Fürstentums 
Reufs  j.  L.  S.  535,  542ff.) 


Der  Pleifsensprengel.  jg 

Hirschfeld  geschlagen,  das  bereits  im  15.  Jahrhundert 
Wernsdorf  vom  Dornaer  Pfarrbezirk  an  sich  gezogen  hatte, 
und  dessen  ursprüngliche  Kirchfahrt  nur  aus  Hirschfeld  selber 
und  Bethenhausen  bestand').  Ob  auch  sie  einmal  von  Borna, 
jener  alten  Missionsstation,  wo  das  Mainzer  Missale  s])äter 
noch  gebräuchlich  war,  wenigstens  anfangs,  kirchlich  abhing, 
kann  sehr  gut  möglich  sein.  Der  Burgward  Langenberg, 
den  Kaiser  Heinrich  IV,  am  18.  November  1060  dem  Bischof 
Eppo  von  Naumburg  überlassen  hatte-),  würde  darnach  in 
drei  Hauptpfarreien,  die  zu  Langenberg  selbst^),  die  zu 
Köstritz  (für  den  Westen  und  die  zu  Dorna  (für  den  Osten) 
zerlegt  worden  sein. 

Was  nun  die  beiden  reufsischen  Orte  Waaswitz  und 
Nauendorf  anbetrifft,  so  sind  sie  jetzt  Filiale  der  altenburgi- 
schen  Pfarrkirchen  zu  Corbufsen  bez.  Grofsenstein.  Bei 
der  Einführung  der  Reformation  (1529)  stellten  die  beiden 
letzteren  überhaupt  ein  einziges  Pfarrs3^stem  dar*).  Grofsen- 
stein oder,  wie  es  damals  noch  hiefs,  ,, Stegen"  als  der  Pfarr- 
ort besafs  drei  Filiale  zu  ,,Korbeysen,  Mückern,  Baldenhayn" 
und  drei  Beidörfer,  nämlich  ,, Popel,  Neuendorff,  Boswitz". 
Im  Jahre  1579  ward  Corbufsen  zu  einer  Pfarrkirche  erhoben, 
in  welche  die  Dörfer  Pöppeln  und  Waaswitz  nebst  Mückern 
als  Filial  gewiesen  wurden.  Nach  Corbufsen  kirchte  auch 
Wetlen  (vulgo:  Bethlehem),  jetzt  eine  Wüstung  nordwest- 
lich von  Ronneburg.  Im  übrigen  bestätigte  Burggraf 
Erkenbert  von  Starkenberg  am  S.Juni  1322  der  Kirche  zu 
,, Korweisen",  die  damals  noch  zur  Pfarrei  ,, Stein" 
gehörte,  den  Kauf  eines  Holzes  beim  Dorfe  Hartroda, 
zwölf  Acker  grofs,  dessen  Benutzung  dem  Geistlichen  der 
Mutterkirche  gegen  verschiedentliche  neue  gottesdiensthche 
Verrichtungen  im  Fihal  überlassen  ward'').  Diesem  ganzen 
ungeteilten  Kirchspiele  gilt  also  die  Mitteilung  des  Ab- 
schätzungsberichtes vom  Jahre  1320*'):  ,,In  prepositura 
Cycensi  .  .  .  .  ecclesia  in  Stegin  (so  lies  statt  Seegin)  vacavit 
in  secundo  anno  et  taxata  est  ad  VI  marcas  et  solvit  II  marcas 
nee  plus  solvere  potuit  inspectis  valore,  situ  loci,  quia  est  in 


1)  Brückner  a.  a.  O.  S.  531,  S34f.,  537,  539f-,  S49f- 

-)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  i.     Nr.  116. 

^)  Sie  und  ihr  später  selbständig  gewordenes  Filial  Grofs-Aga 
waren  exemt,  d.  h.  standen  direkt  unter  dem  Naumburger  Bischöfe. 
(Brückner  a.  a.  O.  S.  512,  522.) 

*)  Lobe  a.  a.  O.  I,  41;  II,  254. 

■'')  Schmidt  a.  a.  O.  I,  251  Nr.  521.     Lobe  a.  a.  O.  II,  242f. 

*^)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  342. 


40 


Leo  Bönhoif: 


medio  raptorum,  et  juramento  rector(is)."  Die  Kirche  des 
Ortes  ward  im  Jahre  1294  aufs  neue  geweiht  und  dabei  ihren 
Besuchern  an  bestimmten  Tagen  ein  besonderer  Ablafs  ge- 
währt.  In  dem  betreffenden  Briefe,  den  Weihbischof  Inre- 
lerius  in  Vertretung  Bischofs  Bruno  von  Naumburg  am  23.  Juli 
gedachten  Jahres  ausstellte,  stofsen  wir  auf  die  Worte:  ,,cum 
decanus  predicte  ecciesie  pronunciaverit  verbum  Dei",  d.  h. 
der  damalige  Grofsensteiner  Pfarrer  war  Inhaber  eines  Erz- 
priesterstuhles,  wohl  des  zu  Gera').  Er  hiefs  Heinrich  und 
amtierte  noch  im  Jahre  1307,  wo  er  als  Zeuge  in  zwei  Ur- 
kunden Vogt  Heinrichs  Reufs  II.  von  Plauen  auftritt,  das  eine 
Mal  als  dominus  Heinricus,  plebanus  in  Stegen  (anstatt  des 
verlesenen  oder  verschriebenen  Hergen),  das  andere  Mal  als 
dom.  Henr.  decanus,  pleb.  in  Stegin-).  Was  die  erstere  Ur- 
kunde angeht,  so  ist  hier  —  wir  werden  noch  darauf  zurück- 
greifen —  einzuschalten,  dafs  das  Zeugnis  des  Dechanten 
umso  wünschenswerter  war,  als  es  sich  um  den  eventuellen 
Todesfall  zweier  Pfarrer  seines  Landkapitels  handelte'^j.  Denn 
es  heifst  darin,  das  Kloster  Cronschwitz  solle  jährlich  er- 
halten ,,talentum  denariorum  in  villa  Brunswalde  (Braunichs- 
walde) .  .  .  .,  postquam  creator  omnium  plebanum  de  Lin- 
dowe  (Linda)  sumpserit  ab  hac  vita,  et  in  villa  Hoyken- 
walde  (Heukewalde)  talentum  denariorum,  ])Ostquam  ple- 
banus in  Batanstorph  (Paitzdorf  —  alle  vier  Orte  liegen 
im  Süden  und  Westen  von  Ronneburg)  viam  universe  carnis 
ingressus  fuerit." 

Wir  haben  bisher  die  Ostgrenze  des  Zeitzer  Propstei- 
sprengels  auf  ihrer  nördlichen  Teilstrecke  verfolgt.  Nun- 
mehr erledigen  wir,  derselben  nochmals  nachgehend,  auch 
das  betreffende  Stück  der  Westgrenze  des  Pleifsensprengels. 
Wir  bemerkten  bereits,  dafs  die  Parochie  Treben  mit  dem 
noch  heute  dicht  bewaldeten  Westrande  ihres  Bezirkes,  wo 
der  ,, Kammerforst"  sich  ausdehnt,  das  rechte  Ufer  der 
Schnauder  erreicht.  Unsere  weitere  Aufgabe  aber  erleichtern 
wir  uns  sichtlich,    wenn   wir   drei  Kirchen  beachten,    um  die 


1)  „Die  praepositura  zu  Zeitz  hatte  sechs  decanatus:  1.  zu 
St.  Nicolai  in  Zeitz,  2.  Profen,  3.  Gera,  4.  Schlawitz  (Schleiz), 
S.Weide,  6.  Graiz.  (Pollmächer,  Beschreibung  des  hohen  Stifts 
Naumburg -Zeitz,  S.  6r.)  Zader  (Stifts-Chronik  L  Kap.  5)  stimmt 
mit  ihm  überein,  nur  dai's  er  zu  2.  I^emerkt:    Profin  oder  Aulick. 

^)  Schmidt  a.a.O.  I,  191  f.  Nr.394,  396.  (Eine  Wüstung  „Hergen" 
gab  es  nie  im  Altenburgischen.) 

^)  Bekanntlich  bezogen  an  manchen  Orten  die  Dechanten  die 
sogenannte  exuviales,  d.  h.  eine  Gebühr  für  che  Testierfreiheit,  seitens 
der  Geistlichen.     (Lobe  a.  a.  O.  I,  30.) 


Der  Pleifsensprcngcl.  41 

sich  grofse  Komplexe  gruppieren,  die  im  Laufe  der  Zeit  sich 
mehr  oder  weniger  auflösten:  Monstab,  Mehna  und  Alten- 
kirchen. Mit  ihren  Pfarrsprengeln  müssen  wir  uns,  nament- 
lich nach  Westen  zu,  eingehender  beschäftigen.  Monstal) 
(Masceltop)  und  das  westlich  davon  gelegene  Grofsröda'j 
(Rodiwe)  zählen  zu  den  neun  Orten  des  Pleifsengaues,  die 
Kaiser  Otto  II.  dem  Bistum  Naumburg  im  Jahres  977  ver- 
ehrte'-). Den  Zehnten  dieser  neun  ,, alten"  Dörfer  (villarum 
antiquarum)  schenkte  Bischof  Udo  1.  im  Jahre  1146  dem 
Kloster  Bosau,  während  sein  Vorgänger  es  mit  vier  Hufen 
in  Grofsröda  (Rodowe)  bedacht  hatte"').  Es  ist  begreiflich, 
dafs  in  jenen  beiden  Orten  Gotteshäuser  sich  erhoben,  deren 
Patronat  natürlich  dem  Bischöfe  als  ihrem  Grundherrn  zukam. 
Von  der  Pfarrei  zu  Monstab  heilst  es  nun  im  Abschätzungs- 
l^erichte*):  ,,In  archydiaconatu  Plysnensi  .  . ,  ecclesia  inMazel- 
tof  (anstatt  Mazeshof)  vacavit  in  primo  anno,  taxata  est  ad 
,  .  .  marcas  (leider  ist  die  Zahl  ausgefallen)  nee  plus  solvere 
potuit  quam  VII  marcas  (ihre  Einkünfte  müssen  also  bedeutend 
gewesen  sein),  quia  agri,  census  et  decime  spectantes  ad 
propriam  ecclesiam  illo  anno  fuerunt  desolati  et  ville,  et  pa- 
rochiales  mortui  propter  fameni  precedentem,  et  per  Swevos 
totum.  confinium  destructum°)  fuit;  sie  juratus  rector  depo- 
suit."  Bereits  einige  Jahre  später  (1328)  trat  Bischof  Witego  I. 
von  Naumburg  dem  Zeitzer  Stiftskapitel  die  Pfarrei  Monstab 
ab,  die  es  der  Pfründe  seines  Scholasters")  schon  im  nächsten 
Jahre  einverleibte,  doch  so,  dafs  sie  auch  fernerhin  ,,ein  für- 
nehmes  Pertinenzstück  des  Archidiakonus  im  Pleifsenlande" 
l^lieb'^).  Ansehnlich  genug  waren  die  Pfarreinkünfte,  zumal 
ja  die  ,, decime  spectantes  ad  propiam  ecclesiam"  auch  solche, 
die  von  anderen  Kirchen  entrichtet  wurden,  voraussetzen. 
Dem    ist    auch    also:    Kriebitsch    und  Rositz   zehnteten   nach 


')  Lobe  a.  a.  O.  I,  377.  Von  Grofsröda  kann  erst  von  1703  ab 
die  Rede  sein,  wo  Kleinroda  nordwestlich  davon  angelegt  ward. 

-)  Lepsius  a.  a.  O.  I,  173,  176!  u.  Anm.  41. 

^)  Schöttgen  a.  a.  O.  H,  419,  421.     Vgl.  422ft".,  426,  433. 

•»)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348 f. 

■'')  Daher  rührt  es,  dafs  wir  in  dieser  Gegend  allein  vier 
Wüstungen  antreffen:  i.  Lentich  und  2.  Zetkau  (Parochie  Kriebitsch), 
3.  Seiwitz  (Parochie  Monstab)  und  4.  Zschechwitz  (Parochie  Rositz). 
Vgl.  Lobe  a.  a.  O.  I,  259!,  379,  459.  Mitteil  d.  Gesch.  u.  Altertums- 
forsch. Gesellsch.  d.  Osterl.  111,  218—221:  X,  99 — 103. 

'•■)  Er  liel's  natürlich  die  Stelle  gegen  ein  Sustentationsquantum 
durch  Vikare  besorgen. 

■')  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
VIL  513  f. 


42 


Leo  Bönhoff: 


Monstab.  Beide  Kirchen  sind  Filiale  gewesen;  wufsten  doch 
noch  im  Jahre  1567  die  Kriebitscher  die  Richtung  ihres  alten 
Taufsteiges  genau  zu  weisen,  den  einst  ihre  Vorfahren  mit 
den  Kindern  gegangen  waren,  und  bezeichneten  ihn  dem 
Kirchner  von  Monstab  als  den  kürzesten  Weg,  den  er  nehmen 
könne,  wenn  er  zu  ihnen  des  Zehnten  wegen  käme').  Der 
Umfang  jener  drei  Kirchspiele  war  übrigens  1528,  ehe  Ver- 
änderungen eintraten,  folgende-): 

1.  Monstab:  Leesen  (Filial)  und  zehn  Beidörfer:  (Unter- 
lödla  (1697  nach  Oberlödla  umgepfarrt^),  Wiesenmühle,  Schlau- 
ditz,  Krebitschen,  Dölzig,  *Kraasa  (die  beiden  letzteren  kamen 
erst  am  2.  Oktober  1836  an  die  Parochie  Mehna^),  das  eine 
an  die  dortige  Pfarrkirche,  das  andere  an  ihr  Filial  Dobra- 
schitz),  Petsa,  Kröbern,  Zechau  und  *(Alt-)  Poderschau'"'). 

2.  Rositz:  Gorma,  Fichtenhainichen,  Schelditz,  Braunis 
(1532  bereits  wüst**). 

3.  *KriebitSch'):  *Wintersdorf  (Fihal)  mit  Pflichtendorf, 
Heukendorf,  *Gröba  und  Waltersdorf.  (Das  Filial  samt  den 
vier  Beidörfern  konstituierte  sich  1663  als  eigenes  Kirch- 
spiel^) Hierbei  ist  besonders  darauf  aufmerksam  zu  machen, 
wie  bis  zum  Jahre  1836  die  beiden  Dörfer  Kraase  und  Dölzig 
eine   Exklave   der  Pfarrei  Monstab   gebildet   haben,    die    von 


^)  Lobe  a.  a.  O.  I,  371.I 

-J  Ebenda  I,  41.  Die  Dörfer  an  der  Westgrenze  des  Pleifsen- 
sprengels  sind  durch  ein  Sternchen  (*)  gekennzeichnet. 

^)  Ebenda  I,  432. 

*)  Ebenda  I,  325. 

°)  Ebenda  I,  375.  Erst  seit  1718  besteht  Neu -Poderschau,  auf 
dem  früheren  Eselsberge  (so  genannt  um  1600)  angebaut. 

")  Ebenda  I,,  458.  Erst  im  Jahre  1673  ward  das  kurz  vorher  auf 
dieser  Wüstung  erstandene  „neue  Dorf"  (jetzt  Neubraunshain)  ein- 
gepfarrt. 

')  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  350:  „In  archydiaconatu  Plysnensi . . . 
ecclesia  in  Criwicz,  que  vacavit  in  primo  anno,  fuit  divulsa  in  totum 
sub  coUectoribus  et  locata  per  eos  pro  III  marcis  nee  plus  solvere 
potuit,  quia  agri  decimales  pro  majori  parte  sunt  inculti,  census 
desolatus  et  vix  tercia  pars  agrorum  spectancium  ad  ecclesiam  fuit 
seminata  et  culta  propter  caristiam  illius  anni  et  quod  prius  Swe\  i 
ecclesiam  incenderunt  et  villam   totaliter  destruxerunt ;  juratus 

deposuit  rector predicta    vera   fore ;    taxus    ecclesie    sunt  VIII 

marce."  Übrigens  war  Kriebitsch  bereits  vor  121 6  Parochie,  da  am 
10.  November  dieses  Jahres  Kaiser  Friedrich  II.  dem  Kloster  Bosau 
das  Patronatsrecht  schenkt  und  dabei  von  der  parochialis  ecclesia 
inCriwiz  spricht;  im  Jahre  1324  ward  sie  inkorporiert.  (Lobe  a.  a.  O. 
1,  260.) 

*)  Ebenda  I.  573  f. 


Der  Pleifsensprengel.  a7 

deren  Hauptmasse  von  den  Parochien  (Grofs-)  Röda  und 
Tegkwitz  abgeschnitten  wurden.  Dieselben  umfafsten  1528 
nachstehende  Orte  (s.  o.): 

Röda:  *Pöhla,  *Pösa,  *Kostitz.  (Im  Jahre  1554  ward 
Röda  wieder  [s.  u.]  FiUal  von  Monstab^). 

Tegkwitz "):   Starkenberg,   Kreutzen,   Breesen. 

Daraus  läfst  sich  für  Röda,  das  somit  im  Süden,  Norden 
und  Nordosten  von  Monstaber  Pfarrgebiete  umgeben  ist  —  im 
Westen  grenzt  das  Zeitzer  Stiftsland  mit  Kayna  und  Zettweil  — , 
nur  schliefsen,  dafs  es  einst  ebenfalls  ein  Tochterverhältnis 
zur  Monstaber  Kirche  unterhalten  habe;  hatte  es  doch  auch 
mit  ihr  bis  zum  Jahre  1256,  wo  es  bereits  als  Parochie  seit 
längerer  Zeit  bestand,  einen  und  denselben  Patron,  nämlich 
den  Naumburger  Bischof.  Da  nun  das  Kloster  Bosau  in 
Röda  seit  1121  vier  und  12 16  sechzehn  Hufen  besafs,  so 
überliefs  ihm  der  Bischof  auch  das  Kollaturrecht,  und  die 
Pfarrei  ward  ebenfalls  mit  dem  Klostervermögen  verschmolzen, 
während  die  Stelle  durch  Vikare  für  einen  geringen  Entgelt 
verwaltet  wurde^).  Dann  wird  aber  auch  Tegkwitz,  das  sich 
zwischen  Dölzig  und  Monstab  eindrängt,  obendrein  wegen 
seiner  grofsen  Nähe  als  ein  vormaliges  Monstaber  Filial 
betrachtet  werden  müssen,  und  ein  Gleiches  soll  ja  auch 
von  den  Parochien  Oberlödla  (bis  1697  [s.  o.]  nur  mit 
Rödigen)  und  Gödern  (bis  1539  mit  Göhren,  Lossen,  Lut- 
schitz  und  einem  Gute  in  Göldschen)'')  gelten'^).  Ja  sogar 
noch  auf  Romschütz,  das  jetzt  freilich  Filial  von  Gödern 
(seit  1539),  aber  vorher  ein  Kirchspiel  für  sich  war,  möchte 
sich  eine  derartige  Beziehung  ausdehnen  lassen**).  Es  ist 
höchst  wahrscheinlich,  dafs  die  Edlen  von  Tegkwitz,  vielleicht 


')  Lobe  I,  381  f. 

'-)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  352:  „In  archydiaconatu  Plysneusi 
....  ecclesia  in  Teckewicz  vacavit  per  constitucionem  ,Licet  cano- 
nicum' in  tercio  anno;  collatio  spectat  ad  laycum  (den  Burggrafen 
von  Starkenberg  vgl.  Lobe  I,  505!)  et  taxatä  est  ad  X  marcas  et 
solvit  V  sexagenas  grossorum  Pragensium  nee  plus  potuit  dare  propter 
insultus  raptorum  de  terra  advocatorum  de  Plawe,  videlicet  illorum 
de  Lubeswicz  (Lüschwitz)  et  aliorum,  exactiones  marchionis,  advo- 
catonun  et  budellorum  suoiaim  et  desolationem  eiusdem  ecclesie 
terminorum  et  quod  plus  dare  non  posset  ex  premissis  causis,  rector 
inspecto  valore  et  hominibus  ....  deposuit  juratus." 

•'')  Lobe  I,  377,  381  f. 

•*)  Ebenda  I,  4«,  43» ;  IL  88. 

'*)  Ebenda  I,  371. 

®)  Ebenda  I,  242.  Das  eine  Gut  von  Goldschen  (s.  Anm.  2)  lag 
südlich  von  Roinschütz. 


41  Leo  Bönholf : 

auch  ihre  Vasallen,  die  von  Gödern'),  sowie  die  von  Rom- 
schitz  und  von  L3'delow  die  anfänglichen  Kapellen  bei  ihren 
Sitzen  durch  die  jeweiligen  Bischöfe,  die  ja  bis  1328  Patrone 
blieben,  zu  Pfarrkirchen  erheben  und  dem  Verbände  mit 
Monstab  entnehmen  liefsen.  Alles  in  allem  dürften  wir  dessen 
ursprüngHchen  Pfarrsprengel,  der  den  Raum  zwischen  den 
grofsen  Parochien  zu  Altenburg,  Treben  und  Mehna  einerseits 
und  dem  Zeitzer  Propsteisprengel  anderseits  ausfüllte,  etwa 
40  Dörfer,  von  denen  allerdings  manche  sehr  klein  sind,  zu- 
rechnen —  eine  Zahl,  die  uns  nicht  erstaunen  läfst,  wenn 
wir  uns  an  diejenige  (33)  der  Pfarrei  Altenkirchen  (s.  u.)  im 
Jahre  11 40  erinnern! 

Ehe  wir  uns  zu  ihr  wenden,  betrachten  wir  das  zwischen 
ihr  und  Monstab  gelegene  Kirchspiel  Mehna.  Ursprünghch 
ein  Reichslehen,  ging  diese  Pfarrkirche,  die  bereits  um  1200 
existierte,  in  den  Besitz  des  Bergerklosters  zu  Altenburg  über, 
wie  es  scheint,  auf  unlautere  Weise,  d.  h.  durch  Fälschung 
der  Dotationsurkunde  König  Phihpps  vom  27,  September  dieses 
Jahres  über  die  Kirche  zu  Treben  (s.  o.).  Eine  kecke  Hand 
flickte  nämlich  in  ihren  Text  den  Zusatz  ,,et  in  Menowe" 
ein.  Derselbe  fehlt  in  den  Bestätio^ungen  Kaiser  Friedrichs  II. 
und  Papst  Gregors  IX.  aus  den  Jahren  12 14  bez.  1227,  allein 
bereits  1204  leistete  jene  Interpolation  gute  Dienste,  da  auf 
Grund  derselben  der  damalige  Propst  Gerhard  gegen  die 
Weihe  einer  Kapelle  zu  Dobitschen  als  Beeinträchtigung  der 
Patronatskirche  seines  Klosters  zu  Mehna  Einspruch  erhob. 
Er  erzielte  damit,  dafs  der  Erbauer  jenes  Gotteshauses,  Heinrich 
von  Dobitschen,  6  Mark  Silber  für  die  Auspfarrung  (exemptio) 
desselben  erlegen  mufste.  Die  Pfarrei  Mehna  selbst  war 
1301  dem  Bergerkloster  einverleibt  worden,  das  1355  auch 
die  freie  Pfarrbesetzung  ohne  Einmischung  des  Bischofs  er- 
langte, und  in  dem  letzteren  Jahre  auch  ,,exemt"  geworden, 
d.  h.  der  Diözesan  entnahm  sie  der  Jurisdiktion  des  Pleifsner 
Archidiakonus,  der  seinerseits  als  Entschädigung  für  den  Weg- 
fall von  Gebühren  eine  Jahresrente  von  acht  breiten  Groschen 
vom  Konvente  erhielt").  Fragen  wir  nach  dem  Bestände  des 
Pfarrsprengels,  so  bildeten,  nachdem  Dobitschen  ausgeschieden 


')  Bereits  ums  Jahr  11 60  erscheint  ein  Petrus  de  Guderin  als 
Va.sall  des  Erchenbertus  de  Techewitz.  Er  trägt  von  ihm  erst 
Weidensdorf  bei  Remse,  dann  G'/j  Hufen  in  Nassehvitz  (Wüstung 
in  Parochie  Dobitschen)  und  i  Hufe  in  Lossen  (Parochie  Gödern) 
zu  Lehn.     (Mitzschke  a.  a.  O.  Urk.  Nr.  24.) 

■-)  Lobe  I,  198,  3 30 f.,  333.  Doch  beachte  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3, 
no.  206.    Anm. 


Der  Pleilsensprengel.  45 

war,  bis  zum  Jahre  1696  nebst  dem  Filiale  Dobraschitz  die 
Dörfer')  *Cossa  (j.  Obercossa),  *Naundorf  (auch  Unternaun- 
dorf),  beide  zum  Bezirke  der  Tochterkirche  gehörig,  Missel- 
witz, Rodameuschel,  Zweitschen,  Rolika  und  Pontewitz,  end- 
lich auch  Nasselwitz,  ehe  es  zum  ersten  Male  eine  Wüstung 
geworden  war  —  dies  war  1528  längst  der  Fall,  während  es 
,,vorczeiten  ein  Dorff  vnd  Forberg  gewest  war"-).  Nach  diesen 
Erörterungen  können  wir  zur  Pfarrei  von  Altenkirchen 
übergehen.  Hier  liegt  uns  ein  ausführliches  Dokument  über 
ihre  Ausdehnung  vor,  wie  sie  dieselbe  seit  den  Tagen  Bischof 
Günthers  von  Naumburg  (1079 — 1089)  erhalten  und  bis  zum 
Jahre  1140,  aus  dem  unser  Belegstück  stammt,  beibehalten 
hatte.  Bischof  Udo  I.  nennt  hier  33  Ortsnamen,  von  denen 
zwei  am  Anfang  der  Reihe  unlesbar  geworden  sind^).  Uns 
interessieren  vor  allem  diejenigen,  die  im  westlichen  Teile 
des  Kirchsprengeis  identifiziert  w^erden  müssen;  sie  lauten 
wie  folgt:  Lonizka  (Lumpzig),  Tossowe  (Tauscha,  auch  Klein- 
tauscha),  Zossane  (Flur  ,,der  Zossen"  im  Nordwesten  von 
Graicha),  Nortin  (nicht  die  leiseste  Spur  erinnert  mehr  an 
diesen  Ort,  der  bei  Hartroda  gesucht  werden  mufs),  Crimaz- 
howe  (lag  unfern  von  Reichstädt,  zu  dessen  Pfarrlehn  auch 
,,ein  Garten  auff  der  Crimpschow"  im  Jahre  1400  gehörte), 
Drosin  (Drosen)  und  Coacowe  (Kakau"*).  Die  genannten  sieben 
Orte  lagen  sämtlich  im  Pleifsengau  und  unterstanden  dem 
Pleifsner  Archidiakonus,  wie  aus  der  angezogenen  Urkunde 
ersichtlich  ist.  Nur  ein  einziger  von  ihnen,  Zossen,  dessen 
Markung  mit  der  Graichas  verschmolz,  verblieb  im  Gebiete 
des  Altenkirchner  Pfarrsprengels,  die  übrigen  schieden  aus. 
Denn  Kakau  schlofs  sich  der  Pfarrei  Hartroda  an,  in  deren 
anfänglichem  Bezirke  auch  die  Wüstungen  Nörten  und  Crim- 
mitschau liegen,  Drosen  derjenigen  von  Grofsstechau, 
während  LumjDzig  mit  Tauscha  zu  einem  eigenen  Kirch- 
spiele sich  zusammentat,  zu  dem,  abgesehen  von  Grofs-  und 


')  Die  Sternchen  verweisen  an  die  Westgrenze  des  Plcifsen- 
sprengels ! 

*)  Lobe  I,  198.  Nachdem  es  dann  wieder  aufgebaut  worden 
war,  pfarrte  es  nach  Altenkirchen  und  ward  1696  von  da  nebst 
Meucha  vuid  Prehna  der  Pfarrei  Dobitschen  ül^erwiesen.  Ende  des 
1 8.  Jahrhunderts  lag  es  zum  zweiten  Male  wüst. 

")  Lepsius  a.  a.  O.  I,  246!'.  Die  beiden  fehlenden  Namen  lassen 
sich  leicht  ennitteln:  die  Reihenfolge  ist  unterbrochen  zwischen 
Nebedim  (Nöbden),  Hilsice  (Illsitz)  und  Rosenezdort"(Röthenitz),  Plati- 
cizci  (Platschützl     Mithin  vennissen  wir  Gnadschütz  und  Köthenitz. 

*)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
IIL  227  f. 


4.6  Leo  Bönhoft: 

Kleinbraunshain  (s.u.),  etwa  zu  Beginn  des  17.  Jahrhunderts 
das  Örtchen  Hartha  hinzukam.  In  seiner  Nähe  befindet  sich 
der  sogenannte  ,, Höhkübel",  d.  i.  eine  Erhöhung  mit  einem 
Merkzeichen  besteckt,  zum  Zeichen,  dafs  hier  (im  Westen)  die 
Grenze  des  Gaues  Plisni  ,, markiert"  werden  sollte^).  Das  ist 
für  das  Verständnis  des  Folgenden  nicht  unwesentlich. 

In  dieser  Grenzgegend  sind  nämlich  einige  Pfarreien  zu 
besprechen,  deren  Dörfer  bis  auf  zwei  deutsche  Namen  tragen 
und  auf  dem  waldigen  Gelände  entstanden  sind,  das  die  Gaue 
Geraha,  Puonzowa  und  Plisni  voneinander  trennte.  Wir 
geben  ihren  Umfang  nach  den  Visitationsprotokollen  vom 
Jahre  1528  wieder'-): 

1.  Braunshain  (jetzt  Grofsbraunshain  im  Gegensatz  zu 
dem  1670  erst  entstandenen  Kleinbraunshain):  Wernsdorf 
(Filial)  mit  Tanna.  Nach  dem  Jahre  1540  ward  das  Kirch- 
spiel zerschlagen:  das  Filial  und  sein  Beidörfchen  fielen  an 
die  benachbarte  Parochie  zu  Hohenkirchen.  Braunshain  selbst 
trat  in  ein  Tochterverhältnis  zur  Kirche  von  Lumpzig,  welches 
zu  Beginn  des  Jahres  1829  ein  Ende  fand,  da  sein  Gottes- 
haus abgebrochen  ward  und  es  nunmehr  nach  dem  Pfarrorte 
kirchte'^). 

2.  Hohenkirchen:  Sachsenroda,Weifsenborn,  Roda.  Die 
Kirchfahrt  erstreckte  sich  also  den  Oberlauf  der  Schnauder 
hart  an  deren  rechtem  Ufer  herab.  Erst  nach  1540  (s.  o.) 
ward  sie  vergröfsert  Einen  ihrer  Pfarrer  —  denn  dafs  sie 
gemeint  ist,  verrät  der  Zusatz  ,,in  der  Naumburger  Diözese"  — 
providierte  Papst  Innocenz  VI.  am  8.  März  1358  für  eine 
Cronschwitzer  Patronatsstelle:  er  hiefs  Jakob  von  Grünhain*). 

3.  Reichstädt  mit  der  Schwesterkirche  zu  Frankenau. 
Letztere  hatte  noch  1418  ihren  besonderen  Pfarrer  gehabt, 
war  aber  dann  im  Laufe  des  15  Jahrhunderts  mit  Reichstädt, 
das  seinerseits  bis  zum  Jahre  1400  Filial  von  Hartroda  ge- 
wesen war,  vereinigt  worden:  der  genauere  Zeitpunkt  läfst 
sich  nicht  mehr  angeben^). 

4.  Hartroda:  Kakau,  Dobra  und  noch  um  die  Mitte  des 
15.  Jahrhunderts  das  nachher  wüst  gewordene  Luthwinshain 
oder  Lutoldishayn;  dazu  kam  noch  bis  1400  Reichstädt  (s.o.), 
woselbst  eine  Kapelle  am  ,, heiligen  Brunnen"  sich  erhoben 
hatte,    während    das    heutige    Filial    Wildenbörten    erst    im 


1)  Lobe  I,  318. 

2)  Ebenda  I,  41. 

*)  Ebenda  1,  318,  323! 

*)  Ebenda  I,  324;  II,  383.     Schmidt  a.  a.  O.  II,  16  Nr.  16. 

ö)  Lobe  II,  136,  339. 


Der  Pleifsensprengel.  ^n 

Jahre  1779  den  Pfarrsprengel,  der  1400  nach  Nordwesten 
verkleinert  worden  war,  nach  Südosten  vergröfserte'). 

Während  nun  die  Parochie  Hartroda  in  ihrer  frühesten 
Ausdehnung,  die  wir  eben  beschrieben,  im  westlichsten  Ende 
der  alten  Pfarrei  Altenkirchen  sich  ausbreitet,  wofür  doch  das 
Beidorf  Kakau  und  die  Wüstungen  Nörten  und  Crimmitschau 
(s.  o.)  sattsam  sprechen,  demnach  zweifelsohne  auch  dem 
Pleifsensprengel  zufallen  mufs,  steht  dies  bei  den  Pfarrkirchen 
zu  Frankenau,  Braunshain  (mit  Wernsdorf)  und  Hohenkirchen 
noch  dahin.  Die  dritte  von  ihnen  möchte  ich  wegen  ihrer 
Lage  und  ihren  Beziehungen  zu  stifts-zeitzischen  Dörfern  eher 
für  den  Zeitzer  Propsteisprengel  reklamieren,  während  ich 
kein  Bedenken  tragen  würde,  die  erste  und  die  zweite  im 
gedachten  Sinne  zu  überweisen.  Die  drei  Kirchspiele  lagen 
eben  auf  neutralem  Gebiete,  d.  h.  in  keinem  bestimmten  Gaue, 
so  dafs  sich  die  beiden  Archidiakonen  in  dasselbe  teilten, 
dafs  auf  jeden  von  ihnen  vier  Dörfer  entfielen,  nämlich  auf 
der  Zeitzer  Seite:  Roda,Weifsenborn,  Hohenkirchen,  Sachsen- 
roda;  auf  der  Pleifsner  hingegen:  Frankenau,  Braunshain,  Tanna 
und  Wernsdorf. 

W^ir  nehmen  nun  die  mittlere  Strecke  des  Grenzzuges 
zwischen  den  beiden  Archidiakonaten  in  Angriff.  Einen  festen 
Stützpunkt  derselben  erblicken  wir  in  der  Stelle,  wo  sich  die 
Parochien  von  Nöbdenitz  und  Ronneburg  berühren.  Die 
Kirchenprovinzen,  denen  sie  zuzurechnen  sind,  stehen  fest. 
Denn  in  dem  Abschätzungsberichte  (1320)  treffen  wir  auf  die 

Bemerkung-):     „In    prepositura   Cycensi ecclesia   in 

Ronberg  vacavit  in  secundo  anno  per  constitutionem  , Licet 
canonicum';  collacio  spectat  ad  abbatissam  sanctimonialium 
in  Cron(s)wicz ;  taxata  est  ad  XVIII  marcas  et  solvit  III  marcas 
preter  XVII  grossos  nee  plus  solvere  potuit,  quia  major  pars 
valoris  fuit  in  offertorio,  et  parochiales  sunt  destructi,  et  opi- 
dum  desolatum  est  per  expugnationem,  quia  miles  (Heinrich) 
dictus  de  Kirchtorf  (in  der  Fehde'^)  Markgraf  Friedrichs  des 
Freidigen  mit  Vogt  Heinrich  IV.  dem  Älteren  von  Gera)  illud 
expugnavit  et  incendio  (statt  incendit)  penitus  devastavit,  nee 
totus  valor  inspectis  veris  redditibus  est  ad  X  marcas  et  duo 
sacerdotes  pro  officiacione  requiruntur,  et  sie  juratus  depo- 
suit  rector."  Für  Nöbdenitz  (Nubdicz)  steht  uns  folgender 
Beleg  zur  Verfügung*):  als  Bischof  Witego  I.  von  Naumburg 


^)  Ebenda  II,  136,  138,  337. 
"-)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  3441. 
*)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  223!  Nr.  472. 
*)  Ebenda  I,  211  f.  Nr.  444. 


aS  Leo  Bönholif: 

am  9.  Oktober  1352  dem  Kloster  Cronschwitz  die  dortig-e 
Pfarrkirche  inkorporierte,  die  ihm  Vogt  Heinrich  Reufs  II. 
von  Plauen  im  Jahre  13 13  verliehen  hatte^),  tut  er  es  „de 
consensu  seu  collaudacione  nostri  capituli  necnon  archi- 
d3'aconi  terre  Plisnensis,  cui  eadem  ecclesia  iure 
archidyaconali  est  subiecta".  So  müssen  wir  also  noch 
die  Sprengel  beider  Kirchen  nach  Osten  (Ronneburg)  bez. 
nach  Westen  (Nöbdenitz)  zu  festlegen.  Als  die  Reformation 
in  den  Ämtern  Altenburg  und  Ronneburg  eingeführt  ward, 
lag  dem  Pfarrer  von  Nöbdenitz  die  Seelsorge  in  den  vier 
Filialen  zu  Vollmershain,  Wetteiswalde,  Jonaswalde  und  Menns- 
dorf  sowie  im  Beidorfe  Stein  ob,  während  die  Kapelle  im 
Schlosse  zu  Stein  (jetzt  Posterstein,  nach  der  Familie  Puster 
genannt,  die  es  Mitte  bis  Ende  des  15.  Jahrhunderts  besafs) 
ein  Cronschwitzer  Vikar  versah-).  Ferner  aber  war  er  Patron 
für  Nischwitz'^),  dessen  Kirchfahrt  bis  1533  auf  das  Pfarrdorf 
und  das  Filial  Heukewalde  beschränkt  blieb*);  diese  Kollatur 
darf  genau  so,  wie  es  oben  bei  Ossa  und  Syhra  (Ephorie 
Röchlitz)  der  Fall  war,  betrachtet  werden:  sie  ist  der  letzte 
Rest  eines  früheren  Abhängigkeitsverhältnisses  kirchlicher 
Natur,  dem  Nischwitz  seitens  der  Parochie  Nöbdenitz  unter- 
legen hatte.  Die  alte  Verbindung,  von  der  wir  nicht  wissen, 
wann  sie  gelöst  wurde,  zieht  übrigens  die  Zugehörigkeit  von 
Nischwitz  zum  Pleifsensprengel  nach  sich.  An  den  Nord- 
westen der  Pfarrei  grenzte  nun  Ronneburg  mit  dem  östlichen 
seiner  beiden  Filiale,  Raitzhain  (Ratzen),  wohin  auch  das 
Dörflein  Stolzenberg  kirchte'').  Daran  schlofs  sich  im  Süden 
(bis  1533  [s.  o.]  für  sich  allein)  Paitzdorf,  in  dessen  Pfarrer 
wir  zufolge  einer  Cronschwitzer  Klosterurkunde  vom  10.  No- 
vember 1307  ein  Mitglied  des  Landkapitels  zu  Gera  (Propst ei 
Zeitz)  zu  erkennen  vermochten  (s.  o.).  Ebenfalls  festen  Grund 
haben  wir  unter  uns,  wenn  wir  sprungweise  etwas  südlicher 
uns  begeben.    Auf  der  einen  Seite  kommt  hier  in  Frage  die 


1)  Ebenda  I,  426.  Nr.  846. 

■-)  Lobe  II,  307,  314.  Bereits  im  Jahre  1533  sah  sich  der  Pfarrer 
von  Nöbdenitz  in  seiner  Arbeit  erleichtert.  Denn  es  kamen  drei 
Filiale  ab:  WetteLswalde  an  T honhausen,  lonaswalde  an  Nisch- 
witz  und  Mennsdorf  an  Paitzdorf.  (Ebenda  II,  179,  300,  322.) 
Ja  im  Jahre  1574  ward  auch  das  vierte  Filial,  Vollmershain,  mit 
\Veifsbach  verbunden,  so  dafs  1578  die  Postersteiner  Kapelle  in  ein 
Filial  für  Schlofs  und  Dorf  verwandelt  werden  konnte.  (Ebenda 
IL 

Er  l)ehielt  dies  Recht  bis  zum  Jahre  1627. 


85,  ?iS) 

3)  El^enda  II, 

303)  317 

■*j  Ebenda  II, 

300  f. 

•^)  Ebenda  II, 

239 

Der  Pleifsensprengel.  45 

grofse  Parochie  Culmitzsch,  welche  laut  der  Bulle  Papst 
Gregors  IX.  vom  25.  [uni  1230  in  den  Besitz  des  Prämon- 
stratenserklosters  zu  Mildenfurth  gelangt  war').  Hierbei  hatte 
derselbe  ausdrücklich  bestimmt:  „Prohibemus  insuper,  ut  infra 
fines  parrochie  vestre  (also  auch  zu  Culmitzsch)  nullus  sine 
assensu  d3'Ocesani  episcopi  et  vestro  capellam  seu  Ora- 
torium de  novo  construere  audeat  salvis  privilegiis  Roma- 
norum pontificum."  Ebenso  schützt  er  die  Regler  vor  un- 
rechten Forderungen  der  Bischöfe,  Archidiakonen  und  Erz- 
priester. Der  zuständige  Erzpriester  der  vier  Patronatkirchen 
des  Konventes,  St.  Marien  zu  Weida,  St.  Veit  (zu  Veitsberg), 
St.  Peter  zu  Dohlen  und  Culmitzsch,  hatte  seinen  Sitz  in  der 
eben  genannten  Stadt,  ihr  Archidiakonus  war  der  Zeitzer 
Stiftspropst.  Gestützt  auf  diesen  päpstlichen  Erlafs  erklärt 
Propst  Johannes  von  Mildenfurth  in  einer  Urkunde  vom 
25.  März  13 13,  dafs  sein  Konvent  der  Auspfarrung  der  Kirche 
zu  Trünzig  (Drunz)  aus  dem  Verbände  der  Klosterpfarrei 
zu  Culmitzsch  zustimme,  die  Luppold  von  Wolframsdorf  vor- 
genommen habe,  unter  der  Bedingung,  dafs  der  Geistliche 
der  Mutterkirche  zur  Entschädigung  eine  Jahresrente  von 
i',  .'Mark  Silber  empfange'-).  Die  nördlich  von  Trünzig  (mit 
Wolframsdorf •^)  gelegenen  Ortschaften  Seelingstädt  und 
Chursdorf  bildeten  nach  Ausweis  der  ernestinischen  Visi- 
tationsprotokolle*) von  1529  und  1533  eine  Culmitzscher 
Kaplanei.  Denn  das  eine  besagt:  ,, Darnach  ist  mit  dem 
pfarrer  zu  Culmitzsch  gehandelt,  das  er  seinem  Caplan 
zu  Cursdorff  das  einkommen  zu  Curfsdorff  vnnd  Selg- 
stadt  soll  folgen  lassen,  Domit  dieselben  zwo  dorffschafften 
auch  versorgeth,  welchs  der  pfarrer  also  bewiUigt."  Im 
anderen  heifst  es:  „Der  pfarrer  zu  Culmitsch  gehört  gin 
Zwickau    von   wegen  Seligenstadt    und    Cursdorf."     Der 


*)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  24  Nr.  54:  parrochiam  in  Kolmitzsch 
cum  Omnibus  pertinenciis  suis 

'^)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  2071'.  Nr.  436:  Luppoldus  dictus  de 
Wolvramsdorf  exemit  a  parrochia  nostra  in  Colmaz  ecclesiam  in 
villa,  que  dicitur  Drunz,  quam  ....  dotavit  ....  cum  marca  (statt  in 
Maria)  et  dimidia  perpetui  census  nostro  ad  hoc  consensu  bene- 
vole  accedente. 

^)  Walddorf  und  Stöcken  sind  erst  später,  letzteres  nach  18 10, 
auf  Rodland  entstanden.  Bei  Stöcken  ist  auch  seine  parochiale 
Zweiteilung  (Trünzig  und  Langenbemsdorf)  bemerkenswert. 

■•)  Buchwald,  Allerlei  aus  drei  Jahrhunderten  S  4!".  Mitteil, 
dt-s  Altertumsvereins  für  Zwickau  und  Umgegend  VII,  47.  Im  Jahre 
1546  wird  Seelingstädt  bereits  als  Pfarrei  im  Widumsbuche  der 
Superintendentur  Zwickau  (Annaberger  Ephoralarchiv.  Rep.  I.  Gene- 
ralia  No.  la  [Extrakt]  fol.  4b)  aufgeführt. 

Neues  Archiv  f.  S.G.  u.  A.     XXIX.    1.2.  4 


5° 


Leo  Bönhofif: 


ganze  Ostrand  der  ehemaligen  Pfarrgrenze  von  Culmitzsch 
repräsentiert  also  auch  ein  kleines  Stück  Ostgrenze  des  Zeitzer 
Propsteisprengels.  Gegenüber  im  Pleifsensprengel,  vonTrünzig 
durch  einigen  Wald  getrennt,  lag  die  Parochie  Langen - 
bernsdorf  (Bernsdorf^).  Was  wir  hier  von  ihr  berichten, 
gilt  genau  so  von  der  weiter  nördlich  gelegenen  zu  Langen- 
reinsdorf  (Rein[h]ersdorf).  In  ziemlich  gleichlautenden  Ver- 
ordnungen vom  IG.  Februar  1302  und  vom  31.  August  1305 
erklären  nämlich  die  Bischöfe  Bruno  vmd  Ulrich  l.  von  Naum- 
burg, sie  gestatteten  mit  Zustimmung  des  Domkapitels,  dafs 
diese  beiden  Pfarrkirchen  samt  der  zu  Ronneburg,  die  unter 
Cronschwitzer  Klosterpatronate  stünden,  von  dem  Kloster 
mit  Weltgeistlichen  gegen  entsprechende  Provision  besetzt 
werden  dürften  und  dafs  nach  Abzug  der  letzteren  die  Pfarr- 
einkünfte  Verwendung  in  seinem  Interesse  finden  könnten"-j. 
Die  Bestätigung  erfolgt  aber  natürlich  nur  ,,archidyaco- 
norum  predictorum  locorum  et  cuiuslibet  alterius  in  Omnibus 
iure  salvo".  Die  beiden  Archidiakonen  sind  der  Propst  von 
Zeitz  und  der  Pleifsner,  jener  für  Ronneburg,  dieser  für 
Langenbernsdorf  und  Langenreinsdorf.  Was  letzteres  noch 
anbelangt,  so  besitzen  wir  das  einzige  aus  dem  14.  Jahr- 
hundert uns  erhaltene  Präsentationsschreiben  für  einen  seiner 
Pfarrer  an  den  zuständigen  Archidiakonus.  Weil  es  das  einzige 
dieser  Art  ist,  wollen  wir  es  hier  seinem  Wortlaute  nach  mit- 
teilen"): 

„Honorabili  viro  domino  Henrico  de  Halle,  archidiacono- 
terre  Plisnensis,  Elizabeth  priorissa  totusque  conventvis  sancti- 
monialium  in  Cronschwicz  promptiim  in  omnibus  cum  devocione 
famulatum.  Quia  ecclesiam  parrochialeni  in  Reinerstorf  vacantem 
per  mortem  domini  Nicolai,  ultimi  rectoris  ibidem,  cuius  collacio 
de  iure  ad  nos  et  monasterium  nostrum  pertinere  dinoscitur,  discreto 
viro  domino  Meinero,  capellano  nostro  in  monte  Smoln,  presencium 
exhibitori,  contulimus,  pro  hac  vice  ideoque  ipsum  ad  eandem  ecclesiam 
litteris  presentibus  presentamus  petentes  studiose,  quatenus  ad  ipsam 
eum  instituere  et  investire  dignemini  atq^ue  in  possessionem 
omnium  iurium  et  pertinencium  induci  faciatis  corporalem  et  in 
eo  nobis  et  monasterio  nostro  sing;ulariter  complacentem.  Datum 
dominica  in  die  decollationis  Jo.  baptiste  (29  August),  prioratus  nostri 
sigilli  sub  appensione,  anno  etc.  LXXXIX."     (1389.) 

So  sind  denn  auf  der  mittleren  Teilstrecke  noch  folgende 
Kirchspiele   unverteilt   geblieben,    von  Süden  her  aufgezählt: 


*)  Dafs  Langen-,  nicht  Mün che nbernsdorf  gemeint  ist,  zri^t 
Schmidt  a.  a.  O    I,  492!'.  Nr.  946. 

';  Schmidt  I,  168,  182  Nr.  344,  375. 
"j  Ebenda  II,  284  Nr  332. 


Der  Pleilsensprentiel.  ^I 

1.  Oberalbertsdorf  (Albrechtsdorf),  bereits  1354  unter 
den  Cronschwitzer  Patronatskirchen  angeführt^),  jedoch  ohne 
sein  Filial  Kleinbernsdorf  (Beringersdorf),  das  1222  als  ein 
solches  der  Kirche  St.  Martini  zwischen  Schlofs  und  Stadt 
Crimmitschau  genannt  wird'-)  und  erst  1838  zu  seiner  jetzigen 
Parochie  gezogen  ward. 

2.  Rufsdorf  (Rulestorff),  bis  zum  Jahre  1534  selbständig, 
dann  mit  Blankenhain  vereinigt'^). 

3.  Mannichswalde,  das  vielleicht  noch  im  15.  Jahr- 
hundert als  Filial  von  Blankenhain  galt,  aber  durch  die 
Familie  vom  Ende,  welche  zu  Blankenhain  und  Mannichswalde 
begütert  war^),  kirchliche  Selbständigkeit  erlangte.  Diese 
Vermutung  legt   die   Lage   Dittersdorfs   (s.  u.)  überaus   nahe. 

4.  Blankenhain,  bis  1534  ohne  seine  heutige  Tochter- 
kirche zu  Rufsdorf  (s.  o.),  aber  bis  1533  mit  (Grofs-  und 
Klein-)  Pillingsdorf,  welches  man  damals  nach  Nischwitz  um- 
pfarrte.  Es  fragt  sich  endlich,  ob  eine  Ortschaft  namens 
Dittersdorf,  worüber  geschichtliche  Nachrichten  fehlen,  nach 
Blankenhain  kirchte.  Sein  Pfarrer  bezog  Zinsgetreide  von 
Bauern  in  Jonaswalde,  welche  die  Grundstücke  der  Wüstung, 
die  sich  von  Nischwitz  bis  Thonhausen  in  der  sogenannten 
,,  Moder"  hinzog,  durch  Kauf  an  sich  gebracht  hatten''*). 

5.  Haselbach,  im  Jahre   1354  als  Pfarrei  genannt*^). 

6.  Grofs stechau  mit  Filial  Beerwalde  (Beyerwalde)  und 
fünf  Beidörfern  Kleinstechau,  Löbichau,  Falkenau,  Ingrams- 
dorf  und  Drosen. 

Diese  letzte  Kirchfahrt  stöfst  im  Westen  an  Grofsen- 
stein  und  Ronneburg,  unzweifelhafte  Bestandteile  des  Zeitzer 
Propsteisprengels,  und  im  Süden  an  Nöbdenitz,  mit  dem,  um 
dies  hier  noch  nachzuholen,  etwa  bis  zum  Ende  des  14.  Jahr- 
hunderts   das    wenige    Minuten    entfernte    Lohma')    kirchlich 


1)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  492  Nr.  946.  Vgl.  Buchwald  a.  a.  O. 
S.  3:  Pfarrer  zu  Ober  Albersdorff  .  .  .,  von  den  zu  Cronschwitz 
belehent. 

-)  Schönb.  Geschichtsbl.  III,  3,  jsi. 

*)  Mitteil.  d.  Altertumsver.  f.  Zwickau  u.  Umg.  VII,  430". 

*)  Lobe  II,  295. 

^)  Ebenda  II,  175,  301  f. 

»)  Schmidt  I,  493  Nr.  946. 

")  Über  Lolmia  bei  SchmöUn  macht  dessen  Pfarrer  1528  folgende 
interessante  Angaben:  „Ist  exempt,  besucht  nicht  Sinodum  des 
Bischofs  zu  der  Neuenburg,  noch  zum  gemeynen  Subsidio  verbunden, 
haben  vor  langer  Zceit  die  alten  Götzen  vom  Ende  gestifft  vnd 
begäbet,   hat   allein   das   Dorf  Lohme,  darinnen   12  Hausgesesene 

4* 


C2  Leo  Bönhoff: 

verbunden  gewesen  war  und  als  dessen  Archidiakonat  der 
Pleifsner  gleichfalls  sichergestellt  ist.  Dazu  kommt  noch,  dafs 
der  östliche  Rand  des  Sprottentales  von  Reichstädt  bis  Schmölln 
ohne  weiteres  der  letzteren  Kirchenprovinz  anheimfällt  und 
dafs  der  nördlichste  Ort  im  Pfarrsprengel,  Drosen,  noch  1140 
nach  Altenkirchen  gepfarrt  (s.  o.),  zugunsten  derselben 
spricht;  er  liegt  aber  wie  Grofs-  und  Kleinstechau  sowie 
Ingramsdorf  auf  der  westlichen  Talseite  der  Sprotte.  So  wird 
demnach  diese  Parochie,  deren  Filial  Beerwalde  auf  neutralem 
Rodlande  entstand,  durch  ihre  übrigen  Orte  in  den  Pleifsen- 
sprengel  gewiesen.  Ein  Gleiches  ist  durch  ihre  Lage  für 
Blankenhain  und  Mannichswalde  gegeben.  Damit  ist  aber 
auch  zugleich  über  Rufsdorf  und  Oberalbertsdorf  in  diesem 
Sinne  entschieden.  Nur  ein  einziges  Kirchspiel  bleibt  dem- 
nach noch  zweifelhaft:  Haselbach.  Da  nördhch  von  dem 
Dorfe  in  dem  Tale  zwischen  Rückersdorf  und  Mennsdorf  sich 
einst  ein  Örtchen  namens  Kleinrückersdorf  erstreckte,  das 
nach  Rückersdorf  zehntete,  letztere  Pfarrei  aber  mit  ihren 
Filialen  Vogelgesang  und  Braunichswalde  direkt  im  Norden 
die  Culmitzscher  abgrenzt,  so  möchte  ich  hier  den  Bach 
zwischen  Nischwitz  und  Haselbach  in  seinem  Oberlaufe  als 
die  Scheide  zwischen  dem  Pleifsen-  und  Zeitzer  Propstei- 
sprengel  betrachten,  diesem  aber  Rückersdorf  und  (sein  ehe- 
mahges  Filial?)  Haselbach  zuteilen. 

Es  bleibt  noch  die  südliche  Teilstrecke  des  östlichen 
bez.  westlichen  Grenzzuges  beider  Archidiakonate  übrig,  mit 
deren  Besprechung  wir  zugleich  diejenige  der  Südgrenze 
der  Pleifsner  Kirchenprovinz  verbinden.  Der  Bestand  der 
praepositura  Cycensis  vermag  leicht  und  schnell  ermittelt  zu 
werden.  Wir  knüpfen  unsere  Betrachtungen  an  die  parochialen 
Beziehungen  der  Kirchen  zu  Greiz,  Beiersdorf,  Neu- 
mark,  Reichenbach  und  Auerbach  an.  Zum  Teil  durch 
dichte  Waldungen  umsäumt,  berührte  sich  der  Sprengel  der 
zuletzt   genannten   Pfarrkirche   ostwärts   mit   den  Fluren   von 


menner."  Ferner  ist  die  Rede  „von  etlichem  Gelde,  das  er  Cunradt 
vom  Ende  (er  erscheint  in  den  Jahren  1434 — 1445  und  war  mit  „dem 
gute  zu  lome  und  Nobedicz"  beliehen) ....  zu  der  Pfarr  als  ein 
testament  gegeben."  Vennutlich  sind  unter  den  alten  Götzen  vom 
Ende  die  Eltern  jenes  Konrads  gemeint  Die  Familie  scheint  Anfang 
des  15.  Jahrhunderts  in  Nöbdemtz  und  Lohma  (beide  bis  1398  unter 
reufsischer  Lehnshoheit,  vgl.  Schmidt  II,  44  Nr.  54)  sefshaft  ge- 
worden zu  sein.  Fragen  ^vir  nach  der  früheren  Pfarrkirche  Lohmas, 
so  kann  eben  der  Nähe  wie  auch  der  feudalen  Beziehungen  wegen 
keine  andere  als  Nobdenitz  in  Frage  kommen.     (Lobe  II,  147,  151!) 


Der  Pleifsensprengel.  ^3 

Eibenstock  und  Hundshübel,  d.  h.  hier  stiefsen  die  Bezirke 
der  Propstei  Zeitz  und  des  Archidiakonates  jenseits 
der  Mulde  aufeinander.  Im  Widumsbuche  der  Superinten- 
dentur  Zwickau  vom  Jahre  1546  ist  nun  die  Parochie  der 
Stadt  Auerbach  mit  zwei  Filialen  und  neun  Beidörfern  ver- 
merkt*). Jene  waren  Rodewisch  und  Rothenkirchen,  das  eine 
vom  Auerbacher  Prediger,  das  andere  von  einem  Kaplan 
versorgt").  Was  die  eingepfarrten  Ortschaften  angeht,  so 
wage  ich  nicht  mit  Bestimmtheit  zu  entscheiden,  aus  welchen 
von  ihnen  die  damalige  Xeunzahl  sich  zusammengesetzt  haben 
möchte.  Ganz  und  gar  ausgeschlossen  ist  natürlich  die  Gegend 
südlich  der  Mulde  und  das  Tal  der  Wilzsch,  die  erst  mit  der 
zweiten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  besiedelt  worden  sind. 
Auch  das  ausgedehnte  Dorf  Schönheide,  dessen  erstes  Haas 
1537  erbaut  ward  und  das  1563  noch  klein  war  —  es  um- 
fafste  ungefähr  20  Hofstätten  — ,  mufs  aufser  Betracht  bleiben. 
Aber  aufmerksam  möchte  ich  auf  zwei  Urkunden  machen, 
einen  Leibgedingebrief  vom  9.  November  141 1'^)  und  einen 
Lehnbrief  vom  i.  Januar  1450^).  Beide  nennen  die  Dörfer 
Niederauerbach  (Urbach),  Rebesgrün  (Redewischgrune), 
Rützengrün  (Ruczengrune),  Wernes  grün  (Bernersgrune), 
Brunn  (Brunne)  und  Vogels  grün  (Voistelsgrune).  Zu  den 
übrigen  drei  rechne  ich  dann  unbedingt  Stützengrün  und 
Rempesgrün  (1450:  Rempelsgrune),  während  man  weiterhin 
zwischen  Hohen  grün  (1411:  Hoengrune)  und  Mühlgrün 
(1450:  Molgrune)  schwanken  kann.  Jedenfalls  entfallen  von 
den  genannten  Orten  auf  die  Nordgrenze  des  Kirchspiels: 
Stützengrün,  Rothenkirchen,  Wernesgrün  und  Rodewisch,  also 
auch  die  beiden  Filiale.  Unberücksichtigt  blieben  dabei  noch 
.die  nördlicheren  Niederlassungen,  nämlich  Wildenau  und 
Herlagrün,  dieses  nach  Auerbach  ein-  und  in  der  Re- 
formationszeit nach  Obercrinitz  umgepfarrt'^),  jenes  hin- 
gegen nur  mit  seiner  südlichen  Seite,  der  sogenannten  ,,Frohn- 
seite",  am  Rodewischer  Filialbezirke  beteiligt^).    Damit  wäre 


1)  Annaberger  Ephoralarchiv.  Rep.  I,  Generalia  No.  i  a  (Extrakt.), 
fol.  1 1  a. 

-)  Mitteil.  d.  Altertumsver.  f.  Zwickau  u.  Umg.  VII.  90  und 
Anm.  281  f. 

3)  Dresden  HStA.  Cop.  33  fol.  38  b. 

•*)  Ebenda  Cop.  43  fol.  203. 

")  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Zwickau  .S    683  f. 

^  Dieser  Anteil  von  Wildenau  verblieb  bei  der  Kirche  von 
Rode\visch  bis  zum  i.  April  1897.  Ein  Haus  davon  kircht  aber  noch 
heute  nach  Röthenbach. 


ZA  Leo  Bönhoff: 

die  Abgrenzung  des  Pleifsensprengels  nach  Süden  zu  nega- 
tiv erledigt. 

Nordwestlich  an  die  Parochie  Auerbach  in  ihrem  ältesten 
Umfange  lehnt  sich  der  Kirchsprengel  der  Landschaft  (pro- 
vincia)  Milin.  Sein  Mittelpunkt  ist  Reichenbach  (Riehen - 
bach),  seine  östlichsten  Grenzorte  aber,  worauf  es  ja  hier 
hauptsächlich  ankommt:  Röthenbach  (Rotenbach),  Plohn 
(Plona),  Pechtelsgrün(Bertolsgrun),  Irfersgrün  (Ernphornz- 
grun)  und  Hauptmanns  grün  (Hertmasgrun).  Wir  ersehen 
solches  aus  der  Urkunde  Bischof  Udos  L  von  Naumburgf  vom 
Jahre  1140,  Bekanntlich  ist  sie  leider  nur  als  Transsumt, 
weswegen  sie  auch  für  verdächtig  gilt,  in  einer  Bestätigung 
seines  späteren  Nachfolgers  Dietrichs  IL  vom  Jahre  1271  vor- 
handen; allein  aus  dieser  wie  aus  drei  anderen  Aktenstücken, 
die  der  Zeit  von  1265— 1274  entstammen,  geht  es  zur  Ge- 
nüge klar  hervor'),  dafs  um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts 
als  Tochterkirchen  Reichenbachs  Mylau,  Waldkirchen,  Plohn, 
Röthenbach  und  Irfersgrün  (Myla,  Waltkirchin,  Plona,  Roten- 
bach et  Ernphornzgrune)  bestanden  haben.  Wie  sich  die- 
selben von  ihrem  alten  Pfarrverbande  losgelöst  haben,  kann 
hier  dahingestellt  bleiben;  es  handelt  sich  für  uns  um  den 
noch  Ende  des  13.  Jahrhunderts-)  geschlossenen  Pfarreikomplex, 
von  dem  es  1140  in  dem  angegebenen  Dokumente  u,  a.  auch 
heifst:  „  Infra  hos  terminos  nuUus  absque  assensu  plebani 
sacerdotis  ecclesias  sive  cappellas  construat  sive  dedicari 
faciat  et,  si  qua  constructa  fuerit,  matrici  ecclesie  .  .  .  . 
obediat,  cuius  quilibet  sacerdos  ....  ecclesie  prefici- 
endus  curam  de  manu  prepositi  ecclesie  Czicensis 
(als  des  zuständigen  Archidiakonus)  recipiat."  Da  dieser 
Passus  auch  im  Jahre  1271  uneingeschränkt  in  Kraft  blieb, 
nachdem  die  Reichenbacher  Pfarrei  samt  ihren  fünf  Filialen 
an  den  Deutschen  Orden  1265  durch  Schenkung  seitens  des 
Vogtes  Heinrich  L  von  Plauen  gediehen  war,  so  wurden  mit- 
hin die  archidiakonalen  Gerechtsame  des  Zeitzer  Propstes 
davon  nicht  berührt,  wenn  auch  die  Bischöfe  Dietrich  IL  und 
Meinher  von  Naumburg  der  neuen  Kommende  das  Recht 
freier  Priester  wähl  in  den  Jahren  1271  und  1274  zugestanden. 
Beidemal,  das  zweite  für  sich  ganz  allein,  bezeugt  dieses 
Privileg  der  Propst  Albert  von  Zeitz,  natürlich  in  seiner  Eigen- 
schaft als  Archidiakonus.  Unter  der  Jurisdiktion  eines  solchen 
unterstanden    also    seinem   jeweiligen   Nachfolger    die   neuen 


')  Dresden  HStA.  Or.  Nr  765.     Vd.  Nr.  647,  822,  837a. 
^)  Ebenda  Or.  Nr.  1394. 


Der  Pleilseusprengcl.  ce 

Parochien  zu  Mylau,  Irfersgrün  und  Plohn  (mit  Röthenbachj, 
die  nach  und  nach  ins  Leben  traten^). 

Nördlich  vom  Reichenbacher  dehnte  sich  der  Pfarrbezirk 
von  ^eumark  aus,  in  alten  Zeiten  noch  ansehnlicher  als 
heute.  Von  der  Pfarrkirche  selber  bemerkt  der  Abschätzungs- 
bericht-): ,,In  prepositura  Cycensi  ....  ecclesia  in  novo 
foro  vacavit  in  secundo  anno  per  constitutionem  , Licet  cano- 
nicum'; collacio  spectat  ad  collacionem  abbatisse  in  Cronz- 
wicz;  taxata  est  ad  XV  marcas,  solvit  VIII  marcas  preter 
V  grosses  nee  plus  dare  potest,  quia  agri  et  census  sunt 
desolati  propter  continuas  gwerras  advocati  de  Plawa,  in 
cuius  sita  est  dominio,  et  propter  frequentes  raptorum  ibidem 
insultus,  videlicet  de  Hartensteyn  et  de  Lapide  (Stein  an  der 
Mulde),  et  depredationes  Conradi  de  Muse[lj^),  quod  commune 
est  exercitum  eorundem  nee*)  peccatum  (statt  pecuniam)  repu- 
tatur;  sie  juratus  deposuit  rector."  Dafs  in  Anbetracht  der 
grofsen  Taxation  (15  Mark  Silber)  1320  die  Pfarrei  Neumark 
umfänglicher  gewesen  sein  mufs,  darauf  deuten  verschiedene 
Umstände  hin.  Ihr  Inhaber  besafs  noch  im  Jahre  1529  die 
Kollatur  über  Ebersbrunn  (mit  Voigtsgrün)  und  Schön- 
fels'^).  Erstere  besafs  er  schon  1546  nicht  mehr*^),  letztere 
teilt  er  heute  mit  den  Besitzern  der  Rittergüter  Alt-  und 
Neuschönfels.  Dagegen  steht  ihm  allein  noch  jetzt  diejenige 
über  Stenn  zu,  nachdem  dies  zwischen  1529  und  1533  die 
Parochialrechte  erlangt  hatte,  während  vorher  nur  ein  Vikar 
tätig  gewesen  war").  So  fehlt  nur  Lichtentanne  (1529  ohne, 
1546  mit  Thanhof):  in  der  ersten  Visitation  ward  der  Pfarrer 
von  Schönfels  mit  seiner  geistlichen  Versorgung  betraut;  in 
der  zweiten  ward  betreffs  des  Dezems  verfügt,  dafs  die  Ein- 


')  Waldlvirchen  war  1529  noch  Kaplanei,  1533  schon  Pfarrei. 
(Mitteil.  d.  Altertumsver  Zwickau  u.  Umg.  VII,  95  u.  Anm.  303.) 

-)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  336,  342. 

^)  Vogt  Heinrich  IV.  der  Ältere  von  Gera  erklärt  im  Alten- 
burger  Vergleiche,  den  er  am  28.  September  13 16  mit  Markgraf 
Friedrich  dem  Freidigen  abschlofs:  „Ich  neme  auch  darin  (sc.  in  dise 
sune)  minen  vettern^  den  jungen  von  Wyda ,  Cunrad  von  der 
Musein,  die  von  Lubschwitz  (sie  wurden  unter  Tegkwitz  [Ledebur 
a.  a.  O.  S.  352]    bereits    erwähnt)   und    bey    namen    alle,    die    durch 

meinen  willen mit  disme  urlougebegriifen  sein  gewest."  (Schmidt 

a.  a.  O.  I,  225  Nr.  473.) 

*)  So  sind  diese  Worte  umzustellen  statt  des  jetzigen  konfusen 
Textes,  den  Ledebur  bietet. 

^)  ßuchwald  a.  a.  O.  S.  sf. 

")  Annaberg.  Ephoralarch.  Rep.,  I.  Gen.  la,  fol.  10  b. 

')  Ebenda  fol.  61).  Vgl.  Buchwald  S.  5.  Mitteil.  d.  Alter- 
tumsver. f.  Zwickau  u.  Umü;.  VIII,  iii. 


c6  Leo  Bönhoff: 

wohner  zu  Lichtentanne  ,,under  dem  Stege"  ihn  wie  bisher 
dem  Pfarrer  zu  Neumark,  dagegen  die  ,,uber  dem  Stege" 
ihn  nach  Schönfels  entrichten  sollten,  wofür  sie  dort  alle 
Pfarrgerechtigkeit  erhielten,  ,,so  der  pfarrer  zum  Neuenmark 
von  alders  dohin  zuthun  schuldig  gewest";  im  Jahre  1546 
war  Lichtentanne  ebenfalls  eigene  Parochie').  Die  früheste 
Erwähnung  eines  Pfarrers  zu  Neumark,  der  also  damals  die 
eben  genannten  Orte  pastorierte,  bietet  eine  Urkunde  Bischof 
Engelhards  von  Naumburg  vom  25.  April  1225  dar"-).  Es 
handelt  sich  hierbei  um  einen  zu  Zeitz  getroffenen  Schied 
zwischen  den  Patronen  der  Kirchen  St.  Lorenz  zu  Elsterberg 
und  St.  Marien  zu  Greiz,  die  kurz  vorher  erbaut  worden  war, 
den  Herren  von  Lobdaburg  und  den  Vögten  von  Weida, 
Daran  beteiligten  sich  Geistliche  des  Landkapitels,  dem  beide 
Kirchspiele  angehörten,  nämlich  die  Pfarrer  (plebani)  von 
Beiersdorf,  Neumark,  Reichenbach,  Plauen  (vertreten  durch 
die  Priester  von  Taltitz  und  Kürbitz)  und  Ölsnitz;  als  Erz- 
priester fungiert  der  zweite  von  ihnen,  weshalb  auch  sein 
Amtstitel  lautet:   Gerwicus  decanus  de  novo  foro. 

Es  verdient  hervorgehoben  zu  werden,  dafs  damals  schon 
die  Parochie  Beiersdorf  bestand.  Sie  gehörte  zum  Bezirke 
der  Burg  Schönfels "^j,  deren  drei  castellani  (Ulrich  von  Mosen, 
Walther  und  Reinhold)  als  Zeugen  gedachter  Urkunde  neben 
ihren  Genossen  auf  den  Schlössern  Elster berg,  Weida  und 
Greiz  mit  aufgeführt  werden.  Sie  stiefs  damals  westlich  an 
die  grofsen  Waldungen,  die  sich  bis  an  die  Elster  hin  aus- 
dehnten. Denn  noch  als  die  Reformation  ihren  Eingang  fand, 
hatte  ihr  Pfarrer  einen  Prediger  oder  Kaplan  neben  sich, 
weil  sein  Sprengel  die  reufsischen  Dörfer  Fraureut h  (heute 
Parochie)  und  Gottesgrün  (Filial  von  Hermannsgrün)  sowie 
Thanhof  (Parochie    Lichtentanne)    umspannte^).      Seine    Zu- 


*)  Buchwald  S.  16.  Mitteil.  d.  Altertiimsver.  f.  Zwickau  u.  Umg. 
VII,  io8.  Annaberg.  Ephoralarch.  a.  a.  O.  fol.  6b.  (Schmidt  II,  337 
Nr.  404  irrt  also,  wenn  er  in  seinem  Regest  die  Kirche  zu  Lichten- 
tanne, deren  Barbara- Altar  am  26.  Oktober  1400  von  Markgraf 
Wilhelm  I.  von  Meifsen  mit  Zinsen  aus  Lichtentanne,  Gospersgrün 
und  Schönfels  bewidmet  ward,  als  Pfarrkirche  angibt.) 

-)  Schmidt  I,  22  Nr.  51. 

")  Vgl.  Schmidt  II,  357  Nr.  427:  villa  Beierstorff  in  districtu 
Schonfels  (1402). 

'')  Burkhardt,  Geschichte  der  sächsischen  Kirchen-  und  Schul- 
visitation 1524 — 1545  S.  65.  (Frankenreut,  Gossengrün.)  Vgl.  Mitteil, 
d.  Altertumsver.  f.  Zwickau  VII,  84:  „Ist  auch  dem  Herrn  Reul'sen 
etc.  geschriben,  sein  leut,  so  in  die  pfarren  Beyerstorf  gehörig, 
auch  dohin  zu  halten"  (16.  November  1533). 


Der  Pleilsensprengel.  en 

gehörigkeit  zur  Propstei  Zeitz  erhärtet  die  obige  Urkunde: 
es  ist  das  spätere  Dekanat  Greiz,  von  dem  natürHch  um  1220 
keine  Rede  sein  konnte  und  dessen  Sitz  damals  ein  anderer 
Ort,  vielleicht  Neumark,  war,  wohin  wir  die  Pfarrei  Beiers- 
dorf  zu  weisen  haben.  So  klafft  nur  eine  kleine  Lücke  im 
Grenzzuge  des  eben  genannten  Archidiakonates  zwischen 
Beiersdorf  im  Süden  und  Culmitzsch-Trünzig  (s.  o.)  im  Norden. 
Sie  wird  ausgefüllt  vom  ,,Werdauer  Walde".  Forstungen  sind 
nun  an  sich  interparochial,  allein  politisch  ist  dieser  Wald 
zur  Herrschaft  Greiz  zu  ziehen.  Als  nämlich  die  Söhne  Vogt 
Heinrichs  Reufs  II.  von  Plauen,  die  Reufsen  Heinrich  III.  der 
Ältere,  Heinrich  IV.  der  Mittlere  und  Heinrich  V.  der  Jüngere, 
ihr  väterUches  Erbe  am  12.  Juni  1359  unter  Vermittelung  der 
markgräflichen  Gebrüder  Friedrich  III.  und  Balthasar  von 
Meifsen  teilten,  bestimmte  man  unter  anderem'):  ,,Dem  eidern 
Ruzsen  (sal)  volgen   und   bliben  zcu  sinem  teil  Greucz,  hus 

und  stat  und  waz  darczu  gehöret der  walt   gnant 

daz  Gehürne,  aber  andere  weide,  die  zcu  Greucze  ge- 
hören, sal  man  glich  in  dri  teilen,  der  teil  sal  einer  dem 
eidern  zcu  Greucz  bliben,  die  andern  zcwen  teile  sullen  den 
lungern  Ruzsen  volgen."  Jene  zwei  Drittel  der  Greizer 
Forstungen  repräsentiert  der  ,,Werdauer  Wald".  Nachdem 
aber  Heinrich  IV.  am  25.  Juli  1372  und  Heinrich  V.  im  Früh- 
ling des  Jahres  1398-j  erblos  starben,  fielen  ihre  Besitzungen 
an  die  Wettiner  als  erledigte  Lehen  heim.  Somit  zog  sich 
die  Grenze  des  Pleifsensprengels  in  dieser  Gegend  im  Osten 
des  gedachten  Waldes  hin. 

Wir  führen  ihre  Betrachtung  zu  Ende,  indem  wir  zunächst 
die  südliche  Teilstrecke  der  westlichen  Grenzlinie  festlegen. 
Sie  beginnt  mit  der  Parochie  Werdau,  für  die  auch  sofort 
ein  durchschlagender  Beleg  zur  Hand  ist,  den  wir  aus  dem 
Abschätzungsberichte  (1320)  schöpfen^^).  Ihm  entnehmen  wir 
folgendes:  ,,In  archidyaconatu  Plysnensi  ....  ecciesia  in 
Werda  vacavit  in  secundo  anno  per  constitutionem  , Licet 
canonicum';  collacio  spectat  ad  prepositum  canonicorum  re- 
gularium  in  Aldenburg;  taxata  est  ad  IX  marcas  et  IV  solvit 
nee   plus   solvere   potuit,    quia   agri  sunt  desolati  et  oppidum 


•)  Schmidt  II,  44  Nr.  54. 

-)  Vu;l.  ebenda  II,  Nr.  388  und  391.  Am  13.  Januar  h.  a.  stellt  er 
als  „Herr  zu  Ronnelxu-g"  noch  eine  Urkunde  für  den  Pfarrer  zu 
Rufsdorf  bei  Crimmitschau  aus;  am  lo.  Mai  a.  ej.  gedenkt  Markgraf 
Wilhelm  seiner  als  des  „Herrn  zu  Schmölln"  und  spricht  von  seinem 
Tode. 

^)  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  351. 


c8  Leo  Bonhoff: 

propter  gwerras  domini  de  Plawe,  quas  habuit  cum  marchione 
Mvsnensi,  et  propter  rapinas  vicinorum  in  Lapide  (Posterstein) 
et  in  Elsterberg  et  propter  sterilitatem  precedentium  annorum 
et  predicta  vera  fore  nee  se  posse  plus  dare  rector  ....  de- 
posuit  juratus."  Damals  lag  übrigens  wie  nachmals  noch  im 
Jahre  1381  die  ecclesia  parochialis  sancti  Egidii  extra 
muros  opidi  (Werde),  während  die  heutige  Stadt-  und  Pfarr- 
kirche als  capella  beate  Marie  virginis  intra  muros  opidi, 
und  erstere  als  matrix  für  sie  ausdrücklich  bezeichnet  wird^). 
Zu  jener  Zeit  stand  Steinpleis  mit  derselben  ebenfalls  als 
seiner  Mutterkirche  in  Verbindung.  Denn  am  18.  Januar  1529 
willigte  der  Rat  zu  Werdau  ein'-),  ,, nachdem  sie  den  zu  Steyn- 
pleyssen  allweg  ein  priester  haben  halten  müssen",  binnen 
Jahr  und  Tag  der  dortigen  Gemeinde  20  gute  Schock  in  zwei 
Raten  als  Beitrag  zu  übermitteln,  ,,das  pfarrgut  zu  Stein- 
pleissen  widerumb  zu  erkauffen,  domit  hinfurder  die  pfarr 
zu  Werda  zu  ewigen  zceiten  unbeladen  sein  soll,  die  zu  Steyn- 
pleyssen  ferrer  mit  eynem  priester  zu  versorgen".  In  der 
nächsten  Visitation,  am  19.  November  1533,  ward  die  Möglich- 
keit der  Rücknahme  dieser  Mafsregel  eröffnet,  falls  es  ,, be- 
quem, gut  oder  von  noten  sein  wolt,  dafür  es  etlich  achten". 
Dann  sollte  aber  auch,  wenn  die  Bewohner  von  Steinpleis 
,,wie  für  alders"  nach  Werdau  pfarren  würden,  ihre  geist- 
liche Versorgung  ,,wie  in  vorzeiten"  geregelt  werden'').  Es 
kam  aber  nicht  dazu,  sondern  es  blieb,  wie  es  noch  heute  ist. 
Der  Leser  wird  sich  vom  Anfang  dieser  Grenzbeschrei- 
bung erinnern,  dafs  die  weite  Kirchfahrt  Kirchberg  im  Süden 
Zwickaus,  welche  die  Dörfer  der  Herrschaft  Wiesenburg  in 
sich  schlofs,  auch  die  heutigen  Parochien  Wilkau,  Culitzsch 
(mit  Niedercrinitz),  Hartmannsdorf  und  Bärenwalde  zu  ihren 
Bestandteilen  rechnen  durfte^).  Sicher  liegen  also  im  Pleifsen- 
sprengel:  nach  Westen  zu  Wilkau,  Culitzsch,  Niedercrinitz, 
Kirchberg  selbst,  Leutersbach  und  Giegengrün,  nach  Süden 
zu  Bärenwalde  und  Lichtenau.  Somit  verbleiben  für  die 
Westgrenze  die  Parochien  Marienthal  (heute  Zwickau- 
St.  Pauli),  Planitz  (wovon  sich  1869  Cainsdorf  auspfarrte), 
W^endisch  -  Rottmannsdorf,    Hirschfeld    und    Stangen- 


')  Schmidt  II,  229!".  Nr.  268.  In  der  Reformationszeit  ward 
die  St.  Ilu:;enkirche  abgetragen.  (Mitteil.  d.  Altertumsver.  f.  Zwickau 
u.  Umg.  VII,  103.) 

-)  Buchwald  S.  8. 

")  Mitteil.  d.  Altertumsver.  f.  Zwickau  VII,  105. 

*)  Vgl.  dazu  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Zwickau  S.  Si7^-i  577^ 
591,  595>  611. 


Der  Pleifsensprengel.  en 

grün,  für  die  Südgrenze  die  letzte  zugleich  nebst  Ober- 
crinitz.  Einige  Bemerkungen  müssen  über  sie  fallen.  Die 
villa  sanctae  Mariae  (12 12)  trägt  ihren  Namen  von  der  Titel- 
heiligen der  Zwickauer  Pfarrkirche  und  verdankt  ihre  Ent- 
stehung dem  Kloster  Bosau,  kam  aber  in  dem  angedeuteten 
Jahre  an  Markgraf  Dietrich  den  Bedrängten.  Die  Benennung 
deutet  auf  eine  ursprüngliche  Einpfarrung  der  neuen  Nieder- 
lassung nach  Zwickau,  dessen  Kirche  Grundstücke  in  ihrer 
Flur  besafs,  bis  im  Laufe  der  Zeiten  ein  eigenes  kirchliches 
Wesen  im  Orte  begründet  ward.  Da  der  Rat  zu  Zwickau 
den  ,,Merginthaler"  Kirchenpatronat  am  28.  Mai  1440  von 
den  Wettinern  (Kurfürst  Friedrich  und  Herzog  Wilhelm) 
erwarb,  so  scheint  von  den  letzteren,  sei  es  in  der  Zeit  von 
1212  — 1290  oder  nach  dem  Jahre  1348,  wo  sie  Zwickau 
wiedererwarben,  solche  Gründung  ins  Werk  gesetzt  worden 
zu  sein^).  Die  Kirchen  von  Planitz  und  Rottmannsdorf  (1421 
Ruczmerstorff,  1529  Rutzendorff,  1546  Radtmannsdorff"-)  gingen 
von  denen  von  Planitz  zu  Lehen;  auf  dem  Stammschlosse 
derselben  nahe  bei  Zwickau  ruhte  beider  Kollatur  und  zeigt 
an,  dafs  dieses  edle  Geschlecht  die  zwei  Pfarrstellen,  sonder- 
lich in  dem  Orte,  wo  es  seinen  Sitz  hatte,  schuf.  Dabei 
wäre  es  nicht  unmöglich,  dafs  Rottmannsdorf  anfangs  als 
Filial  mit  Planitz  zusammenhing.  Die  älteste  Nachricht  von 
einem  Pfarrer  der  letzteren  Gemeinde  empfangen  wir  aus 
dem  Jahre  1275,  wo  von  einem  magister  Lodewicus,  olim  (-j-) 
plebanus  in  Plewenitz,  die  Rede  ist^).  Eine  solche  Nachricht 
betreffs  Hirschfeld  (mit  Wolfersgrün)  rührt  vom  Jahre  1282 
her;  die  Urkunde,  die  unterm  21.  Dezember  desselben  Jahres 
gegeben  ist,  verfafste  Hermannus  plebanus  de  Hirsfeld  selber, 
da  er  als  notarius  Vogt  Heinrichs  IL  von  Gera  auftritt*). 
Bei  Hirschfeld  ist  vor  allem  sein  Ausschlufs  von  der  Urparo- 
chie  Reichenbach  für  uns  ausschlaggebend,  seinen  Pfarrbezirk 
zur  Pleifsner  Kirchenprovinz  zu  ziehen.  Derselbe  soll  übrigens 
vordem  insofern  nach  Süden  zu  gröfser  gewesen  sein,  als 
sich  die  Einwohner  von  Stangengrün  zur  Pfarrkirche  von 
Hirschfeld  als  auch  der  ihrigen  sich  zu  halten  hatten,  während 
jede  Woche    ein    Kaplan  (cursor)  zu    ihnen  herüberkam,    um 


^)  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Zwickau  S.  413,  415.  Herzooj  a. 
a.  O.II,  116. 

^)  Herzog  II,  106.  Buchwald  S.  7.  Annaberg.  Ephoralarch. 
a.  a.  O.  fol.  loa. 

'')  Buchwald  S.  6 f.  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  a.  a.  O.  S.  165, 
201.     Schmidt  I,  92  Nr.  179. 

*)  Schmidt  I,  108  Nr.  214. 


6o 


Leo  Bönhoff : 


in  ihrer  eigenen  Kapelle  die  Messe  zu  lesen.  Allerdings  mufs 
dieser  Zustand  spätestens  in  dem  ersten  Jahrzehnt  des  13.  Jahr- 
hunderts sein  Ende  gefunden  haben,  weil  uns  in  den  Jahren 
13 17  (19.  August)  bis  1323  (13.  Mai)  ein  er  Johannes  pharrer 
zcu  Stangengrun  (honorabilis  vir  dominus  Johannes  plebanus 
in  Stangengrun)  urkundlich  bezeugt  ist^).  Seine  Parochie 
reichte  bis  Wildenau,  dessen  „Freiseite"  —  wohl  seitdem 
dieser  Ort  inmitten  der  dicht  bewaldeten  Gegend  sich  bildete 
—  in  Stangengrün  ihre  Pfarrgerechtigkeit  suchte,  so  dafs  der 
dortige  Dorfbach  als  der  westlichste  Strich  der  Südgrenze 
des  Pleifsensprengels  anzusehen  ist.  Dieselbe  findet  ihren 
Abschlufs  durch  das  Kirchspiel  Obercrinitz  (jedoch  [s.  o.] 
ohne  Herlagrün),  das  sich  zwischen  Stangengrün  und  Bären- 
walde einschiebt.  Da  hier  die  von  der  Planitz  auf  Wiesen- 
burg als  die  am  frühesten  nachweisbaren  Patrone  auftauchen, 
so  mag  dieses  Recht  mit  jenem  Schlosse  irgendwie  im  Zu- 
sammenhang stehen. 

So  wäre  denn  das  mühsame  und  zeitraubende  Geschäft 
des  Grenzumgangs  abgetan.  Allein  die  Ergebnisse  unserer 
einzelnen  Nachforschungen  möchten  wir  am  Abschlüsse  dieses 
umfänglichen  Abschnittes  übersichtlich  zusammenstellen.  Wir 
überschreiben  also  den  folgenden  Überblick,  der  zugleich  als 
eine  Berichtigung  von  Böttger,  Diözesan-  und  Gaugrenzen 
Norddeutschlands  IV,   189,    zöyf.,    zygf.,    286ff.   dienen  soll: 


Breitingen 


Grenzen  des  Pleifsensprengels 
a)  im  Norden: 

} 


2.  Regis 

b)  im  Osten: 

(2.  Regis) 

3.  Treben 

4.  Frohburg 

5.  Eschefeld 

6.  Gnandstein 

7.  Lohma   mit  Kapelle  Aller- 

heiligen zu  Langenleuba-N. 


I.  gegen  das  Bistvim 
Merseburg: 


I  Grofshermsdorf 
r  Deutzen 
l  Görnitz 


Zedtlitz 

Wyhra 

Benndorf 

Greifenhain 

Syhra  mit  Roda 

Kohren 

Rüdigsdorf 

Langenleuba-Niederhain 

(Mittelleuben)    mit    Neuen- 

mörbitz 


')  N.   Sachs.  Kirch.-Gal.  a.  a.   O.  S.   640.     Schmidt  I,  231,  257 
Nr.  483,  534. 


Der  Pleifseiisprengel. 


6i 


8.  Flemming;en 

9.  Wolperndort    1 
10.  Wolkenburg    j 


(10.  Wolkenburg) 

1 1 .  Schlagwitz 

12.  Waidenburg 

13.  Remse  ) 


14.  Jerisau 


(14.  Jerisau) 

15.  Gesau 

16.  Schlunzig 

17.  Crossen 

18.  Osterweih 

19.  Bockwa 

20.  Culitzsch 

21.  Kirchberg  mit 

Hartmannsdorf  1 

22.  Bärenwalde  J 

c)  im  Süden: 
(22.  Bärenwalde) 


23.  Obercrinitz     1 

24.  Stangengrün  J 

d)  im  Osten: 
(24.  Stangengrün) 

25.  Hirschfeld  bei  Zwickau 

26.  W.-Rottmannsdorf 

27.  Planitz  1 

28.  Marienthal  J 

29.  Steinpleis 

30.  Werdau 

31.  Langenbernsdorf  1 

32.  Oberalbertsdorf     j 

33.  Blankenhain 

34.  Nischwitz 
Nöbdenitz 


35- 

36. 

37- 
38. 


Grofsstechau 

Reichstädt 

Frankenau 


Niedersteinbach 
Penig 

II.   gegen  das  Bistum  M  e  i  fs  en 

Kaufungen 

Niederwinkel 

Altstadt-W. 

Oberwinkel 


III.  gegen  den  archidiaco- 

natus  trans  Moldam: 

Lobsdorf 

Glauchau 

Wernsdorf 

Thurm 

Auerbach  (Dorf) 

R  einsdorf 

Vielau 

Schönau 

Weifsbach 

Griesbach  (darnach  Neustädtel) 


Eibenstoc  k 


IV.  gegen  die  praepositura 
C  i  c  e  n  s  i  s : 
Auerbach  (Stadt) 


f  Plohn  mit  Röthenbach 

\  Reichenbach  mit  Waldkirchen 

{Irfersgrün 
Ebersbrunn 
Ebersbnmn 

Neumark  (Stein,   Lichtentanne) 

Beiersdorf 
f  Beiersdorf 
1  Werdauer  Wald  (Greiz) 

Trünzig 

{Culmitzsch  mit  Seelingstädt 
Rückersdorf 
Haselbach 
/  Paitzdorf 
l  Ronneburg 

Grofsenstein 

Hirschfeld  bei  Gera 


62 


Leo  Bönhoff: 


39.  Lumpzig       1 

40.  Braunshain  J 

41.  Grofsröda 

42.  Monstab       1 

43.  Kriebitsch   J 

44.  Wintersdorf 

(3.  Treben) 
(i.  Breitingen) 


Hohenkirchen 

Kay  na 

Meuselwitz  mit  Nifsma 

Zipsendorf  (vor  1528) 
Ruppersdorf 
Lucka  (vor  1533) 
Ramsdorf 


2.    Der   Bestand. 

Da  das  Bruchstück  der  Naumburger  Bistumsmatrikel, 
welches  die  Kirchen  des  Muldensprengels  aufzählt,  sich  dabei 
der  alphabetischen  Reihenfolge  bedient,  so  behalten  wir  diesen 
Gebrauch  ebenso  bei  unserem  Parochialregister  des  Pleilsen- 
sprengels  bei.  Zur  Markierung  solcher  Reihenfolge  sei  jeder 
Buchstabe  des  Alphabets  durch  Fettdruck  beim  ersten  Male 
hervorgehoben.  Die  im  Königreiche  Sachsen  gelegenen 
Kirchspiele  sind  durch  Sperrdruck  kenntlich  und  führen  in 
runden  Klammern  ( )  hinter  sich  noch  ihre  besondere  Nummer 
für  sich  neben  der  laufenden.  Eckige  Klammern  [  ]  zeigen 
an,  dafs  die  betreffende  Pfarrei  erst  nach  dem  Jahre  1400 
gegründet  ward,  ein  Sternchen  (*)  ferner,  dafs  sie  unter  dem 
Patronate  eines  Klosters,  eines  Ordens  steht  oder  mit  einem 
Kanonikate  verknüpft  ist,  und  endlich  ein  Kreuz  (-j-),  dafs  sie 
als  exemt  gilt,  also  sich  aufserhalb  der  archidiakonalen  Juris- 
diktion befindet.  Nach  diesen  Vorbemerkungen  folge  das  Ver- 
zeichnis selber'): 


1.  Altenburg 

S.  Bartholomaei* 

2.  Altenburg 
S.  Nicolai* 

3.  AIt(en)kirchen* 
[4.  Bärenwalde  (i)] 

5.  Blankenhain  (2) 
[6.  Bocka(3)] 
[7.  Bockwa(4)] 
[8.  Bornshain*] 

9.  Braunshain 

10.  Breitingen  (5) 

11.  Cosma* 

12.  Crimmit- 
schau* (ö) 


[13.  Crossen  (7)] 

14.  Culitzsch  (8) 

15.  Dobitschen 

16.  Ehrenhain 

17.  Eschefeld  (9) 

18.  Flemmingen 

19.  Frankenau 

20.  Franken- 
hausen* (10) 

21.  Frohburg*(ii) 

22.  Gablenz  (12) 

23.  Gesau  ds) 

24.  Gieba 

25.  Gnandstein  (M) 

26.  Gödern 


Grünberg*  v'5) 


27.  Gödissa* 

28.  Göllnitz 

29.  Göfsnitz* 

30.  Grofsmecka 

31.  Grofsstechau 
32. 

33.  Hartroda 

34.  Hirschfeld  (lüj 

35.  Jerisau  (i7) 

36.  Kirchberg  (18) 

37.  Kriebitsch* 

38.  Langenberns- 
dorf'dö) 

39.  Langen- 
hessen*  (20) 


')  Weil  es  fraglich  ist,  haben  wir  Niederschindmaas  (s.o.) 
in  denselben  nicht  als  Pfarrei  —  sie  würde  das  Hundert  vollmachen 
—  mit  aufgeführt. 


Der  Pleiisensprcngel. 


63 


40. 

41. 
42. 
43- 


Langenreins- 
dorf*(2ij 
Lauenhain  (22) 
Lauterbach  (23) 
Lohma  a.  L.*  mit 
Lano;en]euba-N. 

[44.  f  Lohma  b.  Schm.] 

45.  Lumpzig 

[46.  Maltis] 

47.  Mannichswalde 

48.  Marienthal  (24) 

49.  Meerane  (25) 

50.  fMehna* 

51.  Monstab* 

52.  Mosel  (26) 

53.  Neukirchen 
Niedei^viera* 
Nischwitz 
Nobitz* 
Nübdenitz* 
Oberalberts- 
dorf*(2S) 

Oberarnsdorf 


-)* 


(27) 


54. 
55- 
56. 

57- 
58. 


59. 


60.  Obercrinitz  (20) 

61.  OI)erlödla 

62.  Olierwiera  (30) 

63.  Osterweih*(3i) 

64.  P]anitz(32) 

65.  Ponitz* 

66.  Rasephas 

67.  Regis(33) 

68.  Reichstädt 

69.  Remse*  (34) 

70.  Röda  (GrolS' 

71.  Romschütz 

72.  Rositz 

73.  Rufsdorfb.Cr.(35) 

74.  Saara* 

75.  Schlagwitz  (36) 

76.  Schlunzig  (37) 

77.  Schmölln* 

78.  Schönberg (38) 

79.  Stangengrün(39) 

80.  Stünzhain 

81.  Tegkwitz 

82.  Tettau*  (40) 


83.  Thonhausen 

84.  Treben* 

85.  Waldenljurg  Ui) 

86.  Weilsbach 

87.  Weissen- 
brunn(42i 

88.  Wend.-Rott- 
mannsdorf  (43) 

89.  Werdau''(44) 

90.  Wildenbörten     • 

91.  Windischleuba 

92.  Wolkenburg  (45) 

93.  Wolperndorf 

94.  Ziegelheim*  (46) 

95.  Zschernitzsch * 

96.  Zürchau 

97.  Zwickau 

S.  Marien*  (47) 

98.  Zwickau 
S.Margarethen, 
Hospital  (4^) 

[99.  Zwickau 

zum  h. Geist  (49)] 


Wir  ersehen  aus  der  vorstehenden  Liste,  dafs  der  Pleifsen- 
sprengel  ab  und  zu  99  Kirchspiele,  darunter  fast  genau  die 
Hälfte  (49)  in  Sachsen,  umfafste.  Über  ein  Drittel  derselben 
(35)  ^^^^  nach  und  nach  unter  geistliche  Kollatur  gekommen, 
nicht  gerade  zu  ihrem  Vorteile;  denn  sie  wurden  entweder 
sofort  oder  nach  einiger  Zeit  zufolge  bischöflicher  Vergünsti- 
gung mit  ihremVermögen  demjenigen  des  betreffenden  Klosters, 
Ordens  oder  Kanonikates  einverleibt  und  erhielten  zu  ihren 
Seelsorgern  oft  kärglich  genug  besoldete  Priester,  die  als 
Pfarrvikare  (viceplebani)  in  ihnen  amtierten.  Wir  zählen  hier 
die  verschiedenen  geistlichen  Kollaturherrschaften^)  auf  und 
geben,  wo  es  uns  möglich  ist,  an,  wann  und  von  wem  sie 
den  Patronat  schenk-  oder  kaufweise  erworben  haben : 

1.  Stiftsscholasterei  zu  Zeitz:  Monstab  (1329  dieser 
Pfründe  vom  dortigen  Kapitel  überwiesen,  nachdem  1328 
Bischof  Witego  von  Naumburg  ihm  die  Pfarrei  abgetreten 
hatte  [s.  o.]). 

2.  St.  Georgenstift  zu  Altenburg  (gegründet  1413): 
Frohburg  und  Göfsnitz  (im  Jahre  der  Gründung  durch  die 
Mark-  und  Landgrafen  Friedrich  IV.,  Wilhelm  II.  und  Friedrich 
den  Friedfertigen  übergeben);  Bornshain  (durch  Kauf  ums 
Jahr  1477   von  Hans  von  Weissenbach  erworben^). 


333- 


')  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
-343- 


III. 


Sa  Leo  Bönhoff: 

3.  Deutschordenshaus  zu  Altenburg  (gegründet 
1213):  Altenkirchen  (mit  dem  1181  durch  Kaiser  Friedrich  f. 
angelegten  Marienhospitale,  welches  die  Kollatur  im  Jahre  1192 
durch  Kaiser  Heinrich  VI.  empfing,  zugleich  übernommen); 
Gödissa  (am  11.  Dezember  1323  von  den  Brüdern  Friedrich V., 
Hermann  V.  und  Fritzko  VI.  von  Schönburg,  Herren  zu  Glauchau, 
und  am  13.  August  1324  von  deren  Vetter,  Friedrich  IV,  von 
Schönburg,  Herrn  zu  Crimmitschau,  gemäfs  ihren  Anteilen 
am  Kirchlehn  an  das  Deutschordenshaus  zu  Reichenbach  ver- 
äufsert,  dann  von  diesem  an  das  zu  Altenburg,  jedenfalls  vor 
1345,  überlassen),  Ponitz  (im  Jahre  1349  an  den  Besitzer 
des  dortigen  Rittergutes,  Friedrich  von  Ponitz,  abgetreten, 
im  Jahre  1320  (s.  u.)  noch  nicht  der  Kommende  zuständig^). 

4.  Bergerkloster  zu  Altenburg,  Augustiner  Chor- 
herren (gegründet  1172):  Treben  (am  27.  September  1200 
durch  König  Philipp  zugeeignet  [s.  o.];  Altenburg  St.  Bar- 
tholomäi  und  St.  Nikolai,  letztere  namentlich  1223  zuerst  auf- 
geführt (von  Kaiser  Friedrich  II.  im  Jahre  12 14  übergeben); 
Mehna  (urkundlich  sicher  vom  Jahre  1279  ab,  aber  als 
Schenkung  König  Philipps,  wiewohl  12 14  von  seinem  Neffen 
Friedrich  II.  nicht  bestätigt,  bereits  vorher  durch  Fälschung 
ins  Jahr  1200  zurückdatiert  [s.  o.]);  Lohma  a,  L.  mit  der 
Allerheiligenkapelle  zu  Langenleuba-Niederhain  oder  Unter- 
leuba  (von  Hermann  von  Mutschau,  seiner  Gattin  Adelheid 
geb.  von  Lohma  und  ihren  acht  Söhnen  am  16.  Oktober  1295 
als  Zubehör  des  Leibgutes  [allodium]  zu  Lohma  verkauft 
[s.  o.]);  Werdau  (im  Jahre  13 18  von  Vogt  Heinrich  Reufs  II. 
von  Plauen  verliehen);  Nobitz  (durch  Burggraf  Otto  I.  von 
Leisnig  im  Jahre  1361  in  Lehn  gegeben  und  im  Jahre  1502 
durch  Georg  von  der  Gabelentz  ertauscht-). 

5.  Martinskloster  zu  Crimmitschau,  Augustiner- 
Chorherren  (gegründet  1222):  Crimmitschau  und  Neu- 
kirchen, letztere  St,  Martin  zwischen  Stadt  und  Schlofs  (im 
Gründungsjahre  vom  Stifter,  dem  kaiserlichen  Landrichter  im 
Pleifsnerlande,  Heinrich  von  Crimmitschau,  überwiesen  |s.  o]); 
Langenhessen  (am  15.  Juni  1270  cum  sua  filia  Kuneges- 
walde  durch  Vogt  Heinrich  VIII.  von  Weida  geschenkt "^j. 

6.  Benediktinerkloster  zu  Bosau  (gegründet  1114): 
Zwickau  (am  i.  Mai  1118  als  Propstei  durch  Gräfin  Bertha 
von    Morungen,    der  Tochter  Wiprechts   von   Groitzsch,    an- 


')  Lobe  II,  87,  100,  i57f. 

^)  Lobe  I,  30,  89,  94,  409!     Schmidt  I,  237!  Nr.  494. 

8)  Schmidt  I,  82f.  Nr.  1581'. 


Der  Pleifsensprengel.  65 

gegliedert,  am  11.  Mai  1212  von  Markgrai  Dietrich  dem  Be- 
drängten erworben  und  von  ihm  dem  Triptiser  nach  Zwickau 
verlegten  Nonnenkloster,  das  12 19  nach  Eisen berg  kam, 
noch  im  gleichen  Jahre  geschenkt);  Osterweih  (von  dem 
die  beiden  letzten  Angaben  ebenfalls  gelten,  durch  das  Kloster 
Bosau  von  der  Pfarrei  Zwickau  lange  vor  121 2,  vielleicht 
nach  1192  abgezweigt);  Kriebitsch  (am  10.  November  12 16 
von  Kaiser  Friedrich  II.  erhalten);  Grofs-Röda  (im  Jahre  1256 
vom  Diözesanbischof  abgetreten  [s.  o.]^). 

7.  Cisterzienserkloster  zu  Grünhain  (gegründet  um 
1233):  Niederwiera  (wann  das  Kirchlehn  und  durch  wen  es 
an  das  in  Dörfern  der  Altenburger  Pflege  hin  und  wieder 
begüterte  Kloster  gedieh,  ist  leider  unbekannt''). 

8.  Benediktinerklosterzu  Remse  (gegründet 1 143/61): 
Remse.  St.  Georg,  von  der  Klosterkirche  St.  Nikolai  wohl 
(s.  0.)  zu  unterscheiden  (durch  das  Kloster  als  Grundherr- 
schaft begründet  und  von  ihm  völlig  abhängig,  so  dafs  sein 
Propst  die  Pfarrechte  ausübte);  Cosma,  Tettau  und  Ziegel- 
heim (die  letzte  Pfarrei  beruhte  sicher  auf  einer  Schenkung 
des  Schönburgschen  Hauses,  nur  dafs  die  Zeit  unbestimmt 
bleiben  mufs;  die  erste  befand  sich  bereits  1279  in  dem 
Besitze  des  Klosters,  für  welches  der  Abt  von  Bürgel  als 
sein  geistlicher  Inspektor  die  Kollatur  ausübte;  über  die 
mittlere  läfst  sich  nur  vermuten,  dafs  die  von  Tettau  den 
Patronat  an  Remse  abtraten,  und  zwar  noch  im  13.  Jahr- 
hundert, ehe  Tettau  der  Krone  Böhmen  zu  Lehn  aufgetragen 
wurde'^). 

9.  Nonnenkloster  zu  Frankenhausen  (gegründet  um 
1270):  Grünberg  und  Frankenhausen  (höchster  Wahr- 
scheinlichkeit nach  vom  Stifter,  Burggraf  Erkenbert  II.  von 
Starkenberg,  dem  Konvente,  der  bis  gegen  Ende  des  13.  Jahr- 
hunderts in  Grünberg  seinen  Sitz  hatte  und  dann  nach  Franken- 
hausen übersiedelte,  sofort  bei  der  Gründung  verehrt);  Zscher- 
nitzsch  bei  Altenburg  (am  30.  November  1305  von  Friedrich  IV. 
von  Schönburg,  Herrn  zu  Crimmitschau  übertragen^). 

10.  Frauenkloster  zum  heiligen  Kreuz  in  Alten- 
burg, Reuerinnen  (gegründet  unter  Bischof  Meinher  1273 
bis  1280):  Saara  (laut  des  Bestätigungsbriefes  der  Mark-  und 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  2,  45  Nr.  53.     Herzog  I,  90,  i34f.;  II, 
17,  24!    Lobe  I,  260. 
-)  Lobe  I,  403. 

^)  Schönb.  Geschichtsbl.il,  24  Anm.  5.  Lobe  I,  190;  II,  197. 
*)  Lobe  I,  593. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXIX.    1.2.  5 


66  Leo  Bönhoff: 

Landgrafen  Friedrich  IIL  und  Balthasar  vom  Jahre  1358  be- 
reits dem  Konvente  zuständig^). 

11.  Nonnenkloster  zu  Cronschwitz,  Dominikaner- 
ordens (gegründet  1238):  Schmölln  (am  31.  März  1269 
seitens  Markgraf  Dietrich  von  Landsberg  zugewendet,  nach- 
mals durch  dessen  Sohn  Friedrich  Tuta  bestätigt  und  von 
neuem  am  7.  Mai  1296  durch  König  Adolf  geschenkt),  Langen- 
bernsdorf  und  Langenreinsdorf,  ,,quarum  ecclesiarum  ius 
patronatus  ad  dictas  sorores  de  iure  pertinere  dinoscitur" 
(am  IG.  Februar  1302,  also  schon  unter  dem  Patronate  der 
Nonnen,  vermutlich  Schenkungen  der  vogt-weidaschen  Fa- 
milie); Nöbdenitz  (am  12.  August  13 13  durch  Vogt  Heinrich 
Reufs  IL  von  Plauen  gewidmet);  Oberalbertsdorf  (neben 
Schmölln,  Ronneburg,  Nöbdenitz,  Paitzdorf,  Langenbernsdori 
und  Langenreinsdorf  sowie  Posterstein  durch  den  Erlafs  Bischof 
Rudolfs  von  Naumburg  vom  5,  Januar  1354  als  Cronschwitzer 
Patronatsstelle  erwiesen'-). 

12.  Nonnenkloster  zu  Eisenberg  (gegründet  vor  1212): 
Zwickau  und  Osterweih  (vom  Stifter,  Markgraf  Dietrich,  bei 
der  Niederlassung  in  Zwickau  1212  zur  Hebung  seiner  ,,nimia 
paupertas"  zugewendet  [vgl.  Nr.  6];  was  aber  den  Patronat 
der  erste ren  Kirche  anbetrifft,  so  fiel  er  im  Jahre  1505 
dem  Stadtrate  zu  Zwickau  durch  Kauf  (100  Fl.  Kapital, 
24  Fl.  Erbzins)  anheim"^). 

Sehen  wir  ab  von  den  Grenzparochien  (Nr.  4,  5,  9,  10, 
15,  17—19,  21,  23,  25,  31,  34—38,  43,  45,  48,  50-52,  55, 
57,  58,  60,  63,  64,  67,  68,  70,  75,  79,  85,  88,  89,  92—94) 
und  einigen  mit  ihnen  zusammenhängenden  (Nr.  14,  33,  40, 
44,  47,  49,  73,  83),  die  wir  bereits  im  Vorangehenden  be- 
rührt haben,  übergehen  wir  ferner  solche,  von  denen  bei 
Aufzählung  der  geistlichen  Patronate  genugsam  die  Rede 
war  (Nr.  20,  32,  39,  54,  62,  82),  oder  die  sonst  weiter  keiner 
besonderen  Notiz  bedürfen  (Nr.  22,  42,  78,  86),  so  läfst  sich 
von  den  übrigen  noch  folgendes,  was  von  Interesse  für  den 
Gegenstand  unserer  Behandlung  sein  dürfte,  in  der  Gestalt 
kurzer  Bemerkungen  zusammentragen: 


^)  Ebenda  I,  475. 

*)  Schmidt  I,  80,  147,  168,  211,  492  Nr.  150,  304,  344,  444,  946. 

")  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  129  Nr.  166;  Herzog  II,  i66f.  Die 
Moritzkirche  zu  Osterweih  brannte  1430  nieder.  Nach  ihrem 
Wiederaufbau  bestand  sie  erst  für  sich;  dann  ward  sie  mit 
der  im  Jahre  1461  gestifteten  Johanniskirche,  die  unter  Kollatur 
der  Rates  stand,  gemeinsam  verwaltet.  (Herzog  I,  147.  Buch- 
wald S.  4.) 


Der  Pleifsenspreni:;el.  67 

Nr.  if.  Altenburg:  Zwei  Stadtkirchen,  die  ältere  von 
ihnen,  St.  Bartholomaei,  zu  der  auch  die  Dörfer  Drescha 
und  Steinwitz  ^)  gehören,  während  davon  im  Südosten  Münsa 
und  Cotteritz  an  die  Kirche  zu  Nobitz,  Paditz  und  Zschech- 
witz  an  die  zu  Stünzhain  sich  anschlössen;  die  jüngere, 
St.  Xikolai,   1528  geschlossen'-). 

Nr.  3,  27,  28,  72.  Altenkirchen,  Gödissa,  Göllnitz, 
Romschütz:  Oben  hatten  wir  gesehen,  wie  aus  dem  alten 
Pfarnsprengel  von  Aldinkirkin,  wie  es  in  der  deutschen  oder 
Bauernsprache  (lingua  rustica),  oder  Ztarekoztol,  wie  es  in 
der  sorbischen  oder  Landessprache  (lingua  patria)  hiefs,  im 
westlichen  Striche  desselben  teils  durch  Auspfarrung,  teils 
durch  Verödung  sieben  Dörfer  ausschieden.  Ähnlich  verhält 
es  sich  im  Nordosten  mit  sechs  weiteren,  nämlich  111  sitz 
(1140:  Hilsice),  Göllnitz  (Golniz),  Schwanditz  (Zvenz), 
woselbst  schon  damals  eine  Eigenkirche  (ecclesia  propria) 
mit  Tauf-  und  Begräbnisrecht  bestand,  Gödissa  (Godescowe), 
Göldschen  (Gotelcian)  und  der  westlichen  Hälfte  von  Jauern 
( Huelin),  wobei  folgende  Veränderungen  festzustellen  sind.  Als 
Gödern  sich  als  Parochie  konstituierte,  kam  das  nördliche  von 
den  beiden  Gütern,  die  einst  das  Dorf  Göldschen  bildeten,  zu 
derselben.  Das  südliche  Gut  daselbst  pfarrte  hingegen  nach 
Gödissa,  wo  eine  Kirche  und  dann  eine  Pfarrei^)  aufkam,  mit 
denen  auch  Illsitz  als  Filial  zusammenhing^.  Die  Gottes- 
häuser  (oder  Kapellen)  in  den  beiden  Orten  wurden  im  Laufe 
des  13.  Jahrhunderts  errichtet;  der  erste  von  ihnen  erhob  sich 
zwischen  1272 — 1286  zum  Pfarrdorfe  und  blieb  es  bis  zum 
Jahre  1536.  Eine  Folge  davon  war  es  dann  wohl  auch,  dafs 
die  eine  Hälfte  von  Jauern  mit  der  anderen  in  der  Parochie 
Saara  kirchlich  sich  zusammentat  und  so  das  ganze  Dorf  zu 
einem  Filiale  der  letzteren  werden  konnte.  Nicht  minder 
löste  sich  von  der  alten  und  grofsen  Kirchfahrt  Altenkirchen 
die  neue  und  kleine  zu  Göllnitz.  Von  dieser  ,,pfarr"  heifst 
es  noch  1522:  ,,dazu  nich  meher  den  das  eynige  Dorf 
Golnitz,  hat  12  besessene  eynwoner".  Wenn  auch  ein  Pfarrer 
urkundhch  zuerst  im  Jahre  1344  auftaucht,  so  scheint  das 
Bestehen  der  Stelle  bereits  im  13.  Jahrhundert   angenommen 


')  Hier  bestand  schon  im  Jahre  1244  eine  Kapelle,  die  das  im 
Dorl'e  beo"üterte  Berg;erkloster  zu  Alteubur^"  durch  einen  Priester  be- 
sortien  liels.  Sie  wird  noch  im  Jahre  1332  mit  ihrem  Kaplan  (Albrecht 
genannt  Ziboto)  erwähnt.  Von  da  ab  fehlt  jede  Nachricht.  (Lob  e  I,  89.) 

-)  Lobe  I,  88,  94,  408.  494. 

^)  Sie  beruhte  wohl  auf  der  Initiative  der  im  Orte  reich  be- 
güterten Herren  von  Schönburg  (s.  o.) 

5* 


68  Leo  Bönhoff: 

werden  zu  können.  Die  Kapelle  zu  Schwanditz  endlich,  die 
von  einem  besonderen  Priester  bedient  ward'),  dessen  ,, Heus- 
lein" noch  im  Jahre  1528  Erwähnung  findet,  war  bereits 
längere  Zeit  vorher  ohne  einen  solchen  gewesen  und  zur 
Pfarrei  Romschütz  abgekommen,  von  wo  aus  der  Gottes- 
dienst in  ihr  besorgt  zu  werden  pflegte.  So  verblieben  denn 
etwa  am  Ausgange  des  15.  Jahrhunderts  bei  der  Kirche 
zu  Altenkirchen  noch  16  Dörfer  des  Jahres  1140,  nämlich 
Nöbden,  Gnadschütz,  Köthenitz,  Röthenitz,  Platschütz  (s.  o.), 
Trebula  (Ztribeglowe),  Drogen  (Drogane),  Gimmel  (Gimelen), 
Mohlis  (Malus),  Graicha  (Grichawa),  Prehna  (Prene),  Meucha 
(Michowe),  Kertschitz  (Kirsiz),  Zschöpperitz  (Zioporice),  (Grofs-) 
Tauschwitz  (Tussuwiz)  und  Kratschitz  (Graz).  Dabei  ist  frei- 
lich zu  berücksichtigen,  dafs  innerhalb  dieses  Bezirkes  aller- 
dings noch  vier  eingegangene  Orte  aufser  Rechnung  stehen: 
Lucinsdorf  (im  Nordwesten  von  Graicha),  Groluwic  (im  Norden 
von  eben  diesem  Dorfe),  Grobosdorf  (zwischen  Kertschitz  und 
Zschöpperitz)  und  Nenawiz  (zwischen  letzterem  Dorfe  und 
Grofstauschwitz"). 

Nr.  6.  Bocka:  In  frühester  Zeit  soll  ein  Kaplan  von 
Frohburg  herübergekommen  sein,  ein  Zustand,  der  vor  der 
Mitte  des  14.  Jahrhunderts  durch  die  Auspfarrung  des  Filials 
sich  erledigte,  da  1344  ein  Pleban  Ludwig  vorkommt.  Jedoch 
hatte  zum  Zeichen  der  ehemaligen  Abhängigkeit  die  Pfarrei 
Frohburg  das  Patronatsrecht  sich  vorbehalten,  welches  im 
Jahre  1413  auf  das  Georgenstift  in  Altenburg  überging. 
Daher  konnte  der  Bockaer  Pfarrer  1528  über  die  Kollatur 
seiner  Stelle  den  Visitatoren  angeben:  ,,Dy  Thumherren  zcu 
Aldenburg  haben  dy  Beth",  d.i.  die  Präsentation^). 

Nr.  7,  13,  16.  Bockwa,  Crossen,  Schlunzig:  Wie 
dem  Leser  noch  erinnerlich  sein  wird,  gehörten  diese  drei 
Orte  im  Jahre  12 19  zu  der  Parochie  Osterweih  (Zwickau- 
St.  Moritz).  Bereits  im  Jahre  1378  beteiligt  sich  ein  ,,Er 
Niclaus,  pharrer  zcu  dem  Slunz"  an  einer  Altarstiftung  für 
die    Katharinenkirche  zu  Zwickau;  also    hat   sich   vor  diesem 


^)  Unter  dem  „Her  Heinrich,  pharrer  zu  Swencz"  (1388), 
dem  Propste  des  Nomienklosters  zu  Frankenhausen,  ist  nicht  ein 
Geistlicher  von  Schwanditz  (gegen  Lobe  I,  247),  sondern  ein  solcher 
von  Zwönitz,  einem  Grünhainer  Klosterflecken,  zu  verstehen. 

')  Lobe  I,  247f.,  2SI,  253;  II,  Syf.,  90,  94,  98; 

^)  Ebenda  I,  613!'.  Der  Laienpatron  konkurrierte  hier  mit  dem 
Stifte  dergestalt,  dafs  ihm  dasselbe  einige  passende  Bewerber  zur 
Auswahl  vorschlug:  er  besafs  also  die  Nomination.  Dieses  Anrecht 
leitete  sich  wohl  von  einer  Mitwirkung  bei  der  Dotierung  der 
Stelle  ab. 


Der  Pleifsensprenp;el.  69 

Jahre  das  Dorf  von  seinem  alten  kirchlichen  Verbände  wie 
früher  schon  Naundorf  und  die  Vorstadt  von  Glauchau  (s.  o.) 
losgelöst  und  eine  Parochie  für  sich  allein  ohne  die  beiden 
Wulm  wie  heute  (sie  kamen  erst  1524  durch  Ernst  II.  von 
Schönburg  hinzu)  gebildet,  was  die  Grundherren,  die  Edlen 
von  Schönburg  betrieben  haben,  da  sie  ja  den  Patronat  inne- 
hatten. Von  den  beiden  anderen  Kirchspielen  heifst  es  in  den 
Visitationsakten  vom  Jahre  1529:  ,, Crossen  ....  Ist  hievor  ein 
Cappel  gewest,  der  pfarr  zu  Zwickaw  eingeleibt,  darnach 
weil  es  dem  pfarrer  entlegen  gewest,  mit  verwilligung  vnsers 
Gnedigsten  herrn  ein  pfarr  worden.  —  Bockaw  ....  Ist 
auch  ein  Filial  gewest  hie,  der  pfarr  Zwickaw  zugehörig, 
folgend  ein  eigen  Pfarr  worden  mit  auch  bewilligung  vnnsers 
Gnedigstenn  herrn."  FiHale  der  Marienkirche  waren  sie  ge- 
worden, als  ihre  Mutterkirche  zu  St.  Moritz  mit  samt  ihrem 
Pfarrdorfe  Osterweih  im  Januar  1430  von  den  Hussiten  ein- 
geäschert worden  war.  So  erklärt  es  sich,  dafs  der  Pfarrer 
an  St.  Marien  am  19.  August  1476  von  den  Opfereinkünften 
der  Kapelle  unserer  lieben  Frauen  „zur  Weiden"  in  Crossen 
ein  Drittel  bezog,  davon  aber  wieder  ein  Drittel  dem  dortigen 
Kaplan  abzugeben  hatte,  während  die  anderen  zwei  Drittel 
teils  dem  Naumburger  Bischöfe  zukamen,  teils  der  Kapelle 
selbst  verblieben.  Die  Selbständigkeit  der  beiden  Filiale 
Crossen  (bis  1524  mit  den  beiden  Wulm  und  vor  1529  ohne 
Schneppendorf  [Parochie  Thurm])  und  Bockwa  (mit  Ober- 
hohndorf und  Schedewitz)  datiert  aus  den  letzten  Jahrzehnten 
der  katholischen  Ära,  Denn  die  Visitationsakten  führen  sie 
ja  auf  die  Bewilligung  des  Kurfürsten  zurück,  nämlich  Johanns 
des  Beständigen,  der  vom  Jahre  i486  ab  die  Regierung  mit 
seinem  Bruder  Friedrich  dem  Weisen  gemeinschaftlich  führte. 
Johanns  ist  nur  hier  gedacht,  da  Friedrich  1525  das  Zeitliche 
gesegnet  hatte,  während  er  bei  dem  Akte  unfraglich  auch 
seinerseits  beteiligt  war.  Der  Rat  zu  Zwickau  aber  sah  sich 
erst  vom  Jahre  1505  ab,  wo  er  das  Patronatsrecht  über  die 
Marienkirche  an  sich  gebracht  hatte  (s.  o.),  in  der  Lage,  die 
Auspfarrung  vornehmen  und  die  landesfürstliche  Genehmigung 
dazu  einholen  zu  können.  Für  Bockwa  fällt  das  wichtige 
Ereignis  vermutlich  mit  dem  Neubau  seines  Gotteshauses  zu- 
sanmaen,  der  im  Jahre  15 11  erfolgte;  für  Crossen  ist  es  wohl 
einige  Jahre  früher  anzusetzen,  liegt  demnach  zwischen 
1505— 1511^). 


')  Buchwald  S.  2f.    N.  Sachs.  Kirch.- Gal.  Eph.  Zwickau  S.  107. 
Herzog  I,  137;  H,  H»,  173,  892!". 


»70  Leo  Bönhoff: 

Nr.  8,  77,90.  Bornshain,  Schmölln,  Wildenbörten: 
Die  älteste  Nachricht  über  die  ecclesia  Zmulnensis  empfangen 
wir  aus  dem  Jahre  11 59,  in  welchem  Bischof  Berthold  I. 
von  Naumburg  als  Lehnsherr  der  im  Gau  Dalaminzi  gelegenen 
Besitzungen  seines  Hochstiftes  (unter  anderen  der  Burg- 
wardeien  Oschatz,  Strehla,  Gröba  und  Boritz)  die  Streitig- 
keiten schlichtete,  die  zwischen  ihr  und  dem  Meifsner  Kapitel 
über  zwei  Hufen  im  Dorfe  Zwitich  (in  der  Nähe  der  vier 
Orte  gelegen  und  später  wüste  geworden)  ausgebrochen 
waren^).  Eine  noch  frühere  Nachricht  vom  Jahre  1066  meldet 
uns,  dafs  die  Kaiserin  Agnes,  König  Heinrichs  IV.  Mutter, 
damals  den  Versuch  machte,  aus  eigenen  Mitteln  im  Pleifsen- 
gau  (in  pago  Blisina)  die  Abtei  (abbatiam)  Schmölln  ins  Leben 
zu  rufen-).  Diesen  Plan  nahm  dann  ein  Graf  Bruno  ums 
Jahre  1127  wieder  auf,  indem  er  in  Schmölln  ein  Kloster 
erst  für  Nonnen,  dann  für  Mönche  errichtete  und  es  mit  fast 
dem  dritten  Teile  des  eben  genannten  Gaues  bedachte.  Allein 
da  sich  das  Kloster  dort  nicht  zu  halten  vermochte,  tauschte 
ihm  Bischof  Udo  L  von  Naumburg  bei  seiner  Verlegung  nach 
Pforta  Schmölln  und  jenes  Drittel  ab'^).  Daher  rührt  es  auch, 
dafs  die  Bischöfe  Lehnsherren  der  Herrschaft  Schmölln  waren 
und  als  solche  den  Patronat  über  die  Kirche  daselbst  an  die 
Wettiner  verleihen  konnten.  Als  somit  Bischof  Bruno  dem 
Kloster  Cronschwitz  dieses  Recht  (s.  o.)  am  18.  Februar  1302 
bestätigte,    erklärt  er*):    ,,Cum  ius  patronatus  ecclesie  parro- 

chialis  in  Zmolne  collatum  esset priorisse  et  conventui 

sororum  ....  in  Cronswicz  ....  per  eos,  qui  ius  habebant 
presentandi  (d.  i.  durch  Markgraf  Dietrich  von  Landsberg 
und  dessen  Sohn  Friedrich  Tuta),  nos  ....  idem  ius  patro- 
natus, quod  dicti  a  nobis  et  nostra  ecclesia  tenuerunt 

in    feudo,    in   ipsas   sorores transtuhmus".     Aus  dieser 

Eigenschaft  der  Bischöfe  von  Naumburg  als  der  Lehnsherren 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  i  Nr.  51  (vgl.  niit  der  unechten  Nr.  41): 
controver.siam  de  duobus  mansis,  cjui  Misnensis  ecclesiae  canonicis 
a  quodam  Hugone  (von  Wartha,  Mmisterialen  des  Reichs  und  des 
Bistums  Naumburg),  .strenuo  viro  in  pago  Dalminza  in  villa,  quae 
Zwitich  dicitur,  cum  aliis  Septem  mansis  in  oblatione  coUati  sunt  et 
Zmulnensis  ecclesiae  esse  dicebantur,  terminavimus. 

*)  Lepsius  a.  a.  O.  I,  222. 

*)  Böttger  a.  a.  O.  IV,  28?:  Bnmo  in  loco,  qui  dicitur  Smolne. 
coenobium  fundans  ....  dotavit,  ut  tertiam  fere  partem  pagi,  qui 
Plisne  nuncupatur,  eidem  donatione  ....  delegaret.  —  Uto  ....  per 
viam  cambii  recipimus  Smolnam  tertiamque  fere  p.  p.,  qvii  Plisne 
nuncupatur. 

^)  Schmidt  a.  a.  O.  I,  169  Nr.  345. 


Der  Pleifsensprengel.  yi 

geht  aber  aucli  für  Bomshain  (Bornsaw)  hervor,  da  die  von 
Weifsenbach  ihren  mit  dem  Patronate  über  Kirche  und  Pfarrei 
begabten  Edelhof  von  denselben  zu  Lehn  trugen,  dafs  diese 
Ortschaft,  ehe  die  Parochie  und  damit  die  adlige  Kollatur 
entstanden,  sei  es  als  Beidorf,  sei  es  als  Filial  dem  Schmöllner 
Kirchsprengel  sich  angegliedert  hat.  Er  umfafste  bis  1538, 
wo  das  an  erster  Stelle  zu  nennende  Filial  mit  Lohma  bei 
Schmölln  vereinigt  wurde,  je  zwei  Tochterkirchen  im  Süd- 
westen: Selka  und  Sommeritz,  wie  im  Nordosten:  (Grofs-  mit 
Klein-) Zschernitzsch  und  (Grofs-  mit  Klein-)  Stöbnitz  (nebst 
Mückern)  sowie  elf  Beidörfer,  vier  auf  dem  Südufer  der 
Sprotte:  Taupadel,  Nitzschka,  Nörditz  und  Kummer,  sieben 
auf  dem  Nordufer:  Bohra,  Nödenitsch,  Schlossig,  Steinsdorf, 
Burkersdorf,  Untschen  und  Zagkwitz.  Nördlich  von  dem 
letzten  Dorfe  befindet  sich  eine  Wüstung  namens  Gülden- 
pörten  unweit  des  Dorfes  Wildenbörten.  Nach  einem  Be- 
richte des  Lohmaer  Pfarrers  vom  Jahre  1729  standen  hier 
einst  drei  Güter,  deren  Besitzer  verpflichtet  waren,  den 
Schmöllner  Pfarrer  nach  seinem  Filiale  Selka  (bis  1538)  und, 
wohin  er  sonst  amtshalber  gewollt,  zu  fahren.  Weil  aber 
diese  Höfe  bereits  zu  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  eingegangen 
waren,  so  führte  der  Umstand,  dafs  nunmehr  die  auf  ihnen 
ruhende  Leistung  wegfiel,  unter  anderem  zur  Trennung  von 
Selka.  Sie  weist  uns  übrigens  über  das  Jahr  1445  hinaus,  wo 
man  in  den  Dörfern  Berthen  magnum  (Wildenbörten)  acht 
Höfe  und  B.  parvum  (Güldenpörten)  nur  einen  einzigen  zählte. 
Das  erstere  von  ihnen,  welches  eine  Parochie  bis  zum  Jahre 
1779  für  sich  dargestellt  hat  und  1380  als  solche  auftritt,  da 
ein  ,,Pfarher  zu  Porten"  als  Zeuge  benannt  ist,  wird  wie  das 
letztere  vormals  von  der  Parochie  Schmölln  abgehangen 
haben  und  von  ihr  durch  adlige  Vermittlung  losgelöst  worden 
sein.  Ja  eine  Umpfarrung  Dobras  von  Schmölln  nach  Hart- 
roda  (wie  die  Kakaus  von  Altenkirchen  nach  ebendahin,  s.  o.) 
mit  allergröfster  Wahrscheinlichkeit  anzunehmen,  liegt  darum 
nahe,  weil  Dobra  eine  alte  sorbische  Niederlassung  ist,  jedoch 
nicht  wie  seine  sorbischen  Nachbarorte  jemals  nach  Alten- 
kirchen pfarrte,  hinwiederum  aber  sein  Pfarrdorf  Hartroda 
erst  später  durch  die  Deutschen  zum  Teil  nahe  bei  sor- 
bischen Wüstungen  angelegt  worden  ist^). 

Nr.  II.     Cosma  (mit  Kürbitz,  woselbst  noch  1501   eine 
bereits  1528  geschlossene  Kapelle  stand ■^),  und  Altendorf):  ,,In 

')  Lobe  II,  4!".,  12,  108,  13611'.,  i5of.    Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Alter- 
tumsforsch. Gesellsch.  d.  Osterl.  III,  229:  IX,  109. 
-)  Lobe  I,  188. 


y2  Leo  Bönhoff: 

archidyaconatu  Plysnensi",  bemerkt  zu  diesem  Kirchspiele  der 
Abschätzungsbericht  (1320^),  ,,ecclesia  in  Cozmin,  que  est 
taxata  ad  VIII  marcas,  vacavit  in  tertio  annno  et  solvit  IV 
marcas  nee  plus  solvere  potuit,  quia  agri  ecclesie  et  alii  deci- 
males  et  census  pro  majori  parte,  prout  rector  juratus  deposuit, 
iacuerunt  desolati  propter  raptorum  insultus,  qui  in  vicinis 
locis  et  ibidem  illo  anno  plus  quam  tres  sexagenas  abstulerunt 
equorum  preter  boves  et  animalia  minora^)  et  nihilominus  per 
enormes  et  illimites  exactiones  bonorum  et  censualium  ecclesie, 
quas  faciunt  advocati  et  budelli  marchionis  (statt  et  marchio) 
Mysnensis." 

Nr.  12,  53.  Crimmitschau,  Neukirchen:  Im  Jahre 
1222  besafsen  die  beiden  Kirchen  je  ein  Filial,  St.  Lorenz  in 
der  Stadt:  die  Kapelle  auf  dem  Schlosse  (die  heutige  Schlofs- 
kapelle  zu  Schweinsburg,  die  jetzt  von  Neukirchen  aus  be- 
dient wird)  und  St.  Martin  zwischen  Stadt  und  Schlofs:  die 
Ortskirche  für  Kleinbernsdorf  (seit  1838  mit  Oberalbertsdorf 
verbunden'^). 

Nr.  16,  59.  Ehrenhain,  Oberarnsdorf:  Das  erstere 
Dorf,  vordem  schlechtweg  Hain  (Indago),  dann  Fuchshain, 
endlich  seit  1709  Ehrenhain  genannt,  weist  schon  im  Jahre 
1295  einen  Pleban  (Berthold)  auf.  Das  Kirchspiel  umschlofs 
anfangs  acht  Dörfer:  im  Westen  Heiersdorf,  Mockzig,  Prissel- 
berg,  Zschaiga  und  Dippelsdorf  bis  auf  das  eine  der  drei 
dortigen  Güter,  im  Norden  Garbus,  Hauersdorf,  Oberleupten 
(ganz  bis  zum  Jahre  17 14),  und  erfuhr  nur  eine  Verminde- 
rung durch  die  Abgabe  des  Freigutes  in  der  letztgedachten 
Ortschaft,  dagegen  vier  Erweiterungen:  1533  Nirkendorf 
(Parochie  Ziegelheim  s.  o.),  nach  1609  Clausa  (neuerbaut), 
17 14  das  dritte  Gut  in  Dippelsdorf  (Parochie  Nobitz)  und 
1879  definitiv  als  Filial  die  frühere  Parochie  Oberarnsdorf, 
die  schon  einmal  1554 — 17 10  in  dem  gleichen  Verhältnisse 
gestanden  hatte,  übrigens  ihrerseits  stets  auf  den  einen  Ort 
beschränkt  bheb^). 

Nr.  24,  30.  Gieba,  Grofsmecka:  Bekannt  vmd  auch 
für  Sachsen  wichtig  ist  das  pleifsnische  Adelsgeschlecht  derer 
von  Meckau,  welches  seinen  Stammsitz  in  Grofsmecka  hatte, 
von  dem  freilich  jede  Spur  verschwunden  ist.  Bei  dem 
früheren    Edelhofe    erhob    sich    auch  ein  Kirchlein;  ja  sogar 


')  Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  352. 
-)  So  lies  statt:  minuta! 

^)  Schönb.  Geschichtsbl.  III,  i,  151.    Die  Martinskirche  ward  zum 
Gotteshause  (oratorium)  der  Reglerherren  vimgebavit. 

*)  Lobe  I,  204,  2o6ff.,  214.     Schmidt  I,  141  Nr.  295. 


Der  Pleilsensprengel.  ^  yo 

ein  Pfarrer  mufs  an  ihm  amtiert  haben.  Denn  noch  1528 
werden  der  Zehnt  und  das  Pfarrwidum  (erst  157 1  veräufsert) 
im  Visitationsprotokolle  erwähnt.  Letzteres  war  für  vier  alte 
Schock  verpachtet,  „damit  sie  einen  pfarrer  vberkommen 
mögen".  Noch  heute  besitzt  aber  die  Kirche  das  volle  jus 
sacrorum  und  führt  eigene  Rechnung  für  sich.  Leider  ent- 
behren wir  eine  Nachricht  über  ihre  Verbindung  mit  Gieba; 
vielleicht  erfolgte  sie  bereits  zu  Beginn  des  14.  Jahrhunderts, 
als  die  von  Meckau  ihren  alten  Sitz  völlig  aufgegeben  hatten. 
Jedenfalls  gibt  sie  jenes  Aktenstück  vom  Jahre  1528  neben 
Zumroda  (früher  vom  St.  Georgenstift  zu  Altenburg  durch 
Vikare  versehen)  als  Filial  von  Gieba  an,  während  es  als 
Beidörfer  nur  Kleinmecka  und  Tautenhain  vermerkt.  Nach 
einer  alten  Nachricht  pfarrten  eben  Goldscha  und  Podelwitz 
(bis  1528)  nach  Saara;  Runsdorf  hatte  Ernst  H.  von  Schön- 
burg eigenmächtig  vor  1528  von  Gieba  abgerissen  und  nach 
Schönberg  bei  Tettau  gewiesen,  bis  es  1533  zu  seiner  alten 
Pfarrei  zurückkam.  Gösdorf  und  Pfarrsdorf,  letzteres  auf 
einer  Tettauer  Pfarrlehde  angelegt,  bestanden  noch  nicht ^). 
Nr.  26,  61,  71,  72,  81.  Gödern,  Oberlödla,  Rom- 
schütz, Rositz,  Tegkwitz:  Alle  vier  Kirchfahrten  rekog- 
noszierten wir  oben  als  Sprengstücke  der  viel  gröfseren  von 
Monstab.  Hier  handelt  es  sich  darum,  den  urkundlich  fest- 
stellbaren terminus  ad  quem  der  •  Auspfarrung  anzugeben. 
Ein  solcher  liegt  vor:  a)  für  Gödern  (bis  1539  mit  Göhren, 
Lossen  und  Lutschütz,  wozu  das  eine  Gut  von  Göldschen 
[Parochie  Altenkirchen]  sich  gesellte)  das  Jahr  1367:  Nicolau 
plebanus  in  Goderin  (25.  Juli),  ja  sogar  schon  das  Jahr  1354, 
wo  an  dem  Rand  der  fraglichen  Urkunde  vom  5.  Januar  mit 
schwärzerer  Tinte  unter  anderem  die  Kirchspiele  Kr3witz  und 
Goderyn  nachgetragen  stehen;  b)  für  Oberlödla  (mit  Rödigen 
allein  bis  1697)  das  Jahr  1328:  dominus  Wernherus  in  Lidelo 
plebanus  (25.  Oktober);  c)  für  Rositz  (1502  mit  Schelditz, 
(Fichten)hainichen  und  Gorma)  das  Jahr  13 19:  Wemher, 
Kaplan  des  Abtes  zu  Bosau,  und  vor  ihm  ein  Vizepleban 
Günther;  d)  für  Tegkwitz  das  Jahr  1254:  Herbardus  plebanus 
de  Thekwicz,  Zeuge  in  einer  Urkunde  des  Burggrafen 
Erkenbert  II.  von  Starkenberg,  seines  Patrons,  für  das  Kloster 
zu  Grünhain.  Für  Romschütz,  dessen  Verbindung  mit  der 
Kapelle    zu    Schwanditz  (bis    1539,    s.  o.)    wohl    erst    eintrat, 


s 


')  Lobe  L  227ff.,  231t.  Im  Bereiche  der  Parochie  lat^  auch 
einst  das  Dorf  Schmetz  (Smezt),  vor  1449  wüste  geworden.  Ebenda 
I,  229.) 


nA  Leo  Böiihoff: 

seitdem  die  von  Zschadras  beide  Rittergüter  besafsen  (um 
1460),  möchte  ich  das  Jahr  143 1  als  äufserstes  vorschlagen, 
in  dem  der  letzte  von  Romschitz  auftaucht,  d.  i.  des  Ge- 
schlechtes, das  in  seinem  Stammsitze  eine  kleine  Pfarrei 
(1445  gab  es  sechs  Höfe)  wie  die  von  Meckau  (s.  0.1  in 
Grofsmecka  (1445   ebensoviel  Höfe)  begründete^). 

Nr.  29.  Göfsnitz:  ,,In  archid3'aconatu  Plysnensi",  heifst 
es  von  dieser  Parochie  im  Jahre  1320-),  ,,ecclesia  in  Goznicz 
vacavit  in  secundo  anno,  taxata  est  ad  X  marcas  et  solvit 
VII  nee  plus  solvere  potuit,  quia  agri  et  census  sunt  desolati 
et  maxime  fuerunt  illo  tempore  propter  famem  et  caristiam, 
que  precesserunt,  et  propter  insultus  raptorum,  qui  se  reci- 
piunt  in  castris  Ponicz  et  Lapide  (Posterstein),  qui  de  nullo 
vivunt  quam  rapinis  pro  majori  parte  et,  quod  plus  dare  non 
posset,  rector  deposuit  juratus."  Eine  Veränderung  erlitt  das 
Kirchspiel  erst  in  der  Reformation,  indem  es  den  Schön- 
burgischen Anteil  von  Kauritz  an  Meerane  (s.  o.)  einbüfste 
und  zeitweilig  von  Saara  Löhmichen  (jetzt  Parochie  Zürchau) 
übernahm"^). 

Nr.  41.  Lauenhain  (Lewenhagin):  Den  ältesten  Pfarrer 
des  Ortes  nennt  uns  eine  Eisenberger  Klosterurkunde  vom 
21.  Dezember  13 16  und  bezeichnet  ihn  zugleich  als  einen 
Altaristen  des  Zwickauer  Georgenhospitals.  Im  benachbarten 
Gersdorf  stand  ein  Gotteshaus,  das  bei  der  Zwickauer  Visi- 
tation (21.  Januar  1529)  als  „beykirche",  bei  der  Plauenschen 
(15.  Februar  a.  ej.)  als  ,,capell"  bezeichnet  wird.  An  letzterem 
Tage  erhalten  die  dortigen  Bauern  die  Erlaubnis  zum  Ver- 
kaufe derselben*). 

Nr.  46,  96.  Maltis,  Zürchau:  Bis  zum  Jahre  1533  be- 
stand jedes  der  beiden  Nachbardörfer  als  Kirchspiel  für  sich 
(heute  zählt  Zürchau  Löhmichen,  von  Göfsnitz  übernommen, 
als  Beidorf  zu  seinem  Kirchsprengel);  dann  wurden  beide 
Parochien,  die  einen  und  denselben  Patron  (Hieronymus 
von  Maltis)  hatten,  miteinander  vereinigt,  wie  das  schon  früher 
der  Fall   gewesen   war.     Denn   im  Jahre   1355    verpflichteten 


')  Lobe  I,  236,  239,  248,  371,  428,  509;  II,  88.  Schmidt  I, 
493  Nr.  946 ;  II,  131  Nr.  160.     Herzog  II,  58,  877. 

■-)  Ledebur  a.  a.  O.  S,  3481 

^)  Lobe  I,  41  f.,  600.  Nach  einem  Verzeichnis  vom  Jahre  1546 
bezog  der  Göfsnitzer  Pfarrer  Dezem  von  Coblenzer  Einwohnern, 
welche    die    Äcker    der   Wüstung    Rossendorf    bebauten.     (Ebenda 

II,  i96f) 

*)  Herzog  II,  56.  ßuchwald  S.  12.  Mitteil.  d.  Altertumsver. 
zu  Plauen  i.V.  VI  (i886f.),  pag.  IL 


IJDer  Pleifsensprengel.  ,ne 

sich  die  Gebrüder  von  Maltis,  den  Garbenzehnt  von  aller 
Wintersaat  der  beiden  Rittergüter  Zürchau  und  Maltis  dem 
Pfarrer  von  Zürchau  zu  entrichten.  Jedenfalls  geht  die  Be- 
gründung der  Maltiser  Pfarrstelle  auf  diejenige  Linie  derer 
von  Maltis  zurück,  die  das  Stammgut  innehatte;  sie  konnte 
sich  ja  leicht  mit  derjenigen,  welche  Zürchau  im  14.  Jahr- 
hundert erworben  hatte,  wegen  der  Auspfarrung  verständigen. 
Das  Kirchlehn  in  Zürchau  selbst  mufs,  wenn  die  Etymologie 
nicht  trügt,  so  alt  wie  der  Ort  sein,  dem  es  den  Namen  gab: 
Circhowe  hängt  mit  dem  sorbischen  cyrkew,  d.  i.  Kirche,  zu- 
sammen und  würde  demnach  ,, Kirchdorf"  bedeuten^). 

Xr.  56.  Nobitz:  Dieser  Pfarrbezirk  umschlofs  bis  17 14 
das  Filial  Wilchwitz  und  die  zwei  Beidörfer  Niederleupten 
und  Priefel  nebst  einem  der  drei  Güter  in  Dippelsdorf.  Im 
Kirchorte  safs  das  Geschlecht  derer  von  Nabditz,  im  12.  Jahr- 
hundert edelfrei,  späterhin  den  Burggrafen  von  Altenburg 
(vor  1290J  und  von  Leisnig  (seit  1329)  vermannt.  Ein  An- 
gehöriger desselben  namens  Gerhard  besafs  im  Jahre  1166 
die  Villa  Nibodiz  als  libera  et  propria  und  bedachte  imter 
Zustimmung  des  Abtes  Azzo  von  Bosau,  dessen  Kloster-  am 
15.  April  1146  durch  Bischof  Udo  I.  von  Naumburg  den 
ganzen  Neubruchzehnten  im  Pleifsengaue  überwiesen  erhalten 
hatte,  die  neuerbaute  Ortskirche  mit  je  40  Schobern  Weizen 
und  Hafer,  was  auch  Bischof  Udo  II.  unterm  5.  Oktober  1166 
bestätigte.  So  fällt  also  die  Entstehung  der  Parochie  etwa 
ums  Jahr  1165 -), 

Nr.  65.  Ponitz:  Erst  mit  dem  Beginn  der  reforma- 
torischen Bewegung  verlor  es  sein  Filial  Waldsachsen.  Denn 
es  steht  im  Visitationsprotokoll  vom  21.  Januar  1529  zu  lesen: 
„An  den  pfarrer  zu  Gabelentz  ist  die  Dorffschaft  Walt- 
sachsenn, hievor  in  die  pfarr  ponitz  gehörig,  geweiseth 
worden  In  ansehung,  das  der  pfarrer  zu  ponitz  solchs  ins 
Ambt  angesagt  hatt,  vnnd  das  die  arme  leut  darumb  ge- 
betenn."  Im  Jahre  1545  berichtet  der  Ponitzer  Pfarrer: 
„Die  pfarr  ponicz  hat  von  alters  her  vnd  alzeit  von  an- 

begin  ein  tilial  gehabt,  Das  heist  waldsachsen ,  darauf 

die    alten    pfarrer   zu   ponicz   im    bapsthumb   ein  caplan  ge- 


')  Lobe  I,  27,  601,  603.  607. 

-)  Ebenda  I,  206,408,410.  Schöttgen-Krejfsig,  Diplom,  etc. 
II,  421,  427:  Uto  (I.)  ....  decimam  omniuni  novahum,  quae  in  pago 
Plisna  in  perpetuum  excoli  poterunt,  Buzaviensi  coenobio  delegavit 
....  ex  eadem  decima  XL  scobrones  [i  Schober  =  60  Garben]  utrius- 
que  fnimenti,  tritici  et  avenae  ....  cuidam  ecclesiae  in  eodem 
pago  in  villa  Nibodiz  aedificatae  ....  contradidi.  (Udo  II.) 


76  Leo  Bönhoff: 

halten,  ders  besurgett  hatt,  wie  noch  aufsweissen  die  alten 
regist  er  der  pfarr  ponicz  und  noch  leutte  in  kirchspiel  ponicz, 
auch  zur  waltsachsen  gedenken."  Ein  Pleban  daselbst  namens 
Heinrich  bezeugt  bereits  im  Jahre  1296  eine  Verhandlung 
mit  dem  Kloster  Frankenhausen.  Der  Abschätzungsbericht 
(1320)  aber  besagt:  ,,In  archidyaconatu  Plysnensi  ....  ecclesia 
in  Ponicz,  que  est  vicina  (d.  h.  der  von  Göfsnitz,  die  zuvor 
aufgeführt  ist),  vacavit  etiam  in  secundo  anno  per  constitu- 
tionem  , Licet  canonicum';  collacio  spectat  ad  laycum  (gebührte 
also  noch  nicht  [s.  o.]  dem  Deutschordenshause  zu  Altenburg, 
sondern,  wie  seit  1349  wiederum,  der  Familie  von  Ponitzj, 
taxata  est  ad  VI  marcas  et  solvit  IV  sexagenas  grossorum  Pra- 
gensium  nee  plus  dare  potuit  ex  precedentibus  causis  (Hunger 
und  Teuerung,  vgl.  ,, Göfsnitz"),  quia  ambo  ecclesie  (G.  und  P,) 
opprimuntur  per  eosdem  raptores  (auf  den  Schlössern  Ponitz 
und  Posterstein),    quod   scilicet  rector  deposuit  juratus^)." 

Nr.  66.  Rasephas:  Der  älteste  uns  bekannte  Pfarrer 
des  Ortes,  mit  dem  Kauerndorf  (noch  im  16.  Jahrhundert 
ganz)  verbunden  war,  heifst  Heinrich  der  Erzpriester  und 
wohnte  einer  Verhandlung  zugunsten  des  Bergerklosters  in 
Altenburg  am   i.  Januar  1295   bei-). 

Nr.  69.  Remse:  Während  dies  Kirchspiel  im  Nordosten 
einen  Zuwachs  durch  Kertzsch  (Parochie  Waidenburg)  erhielt 
(s.  o.),  verlor  es  sein  Filial  Neukirchen  —  es  war  für  die  elf 
Klosterbauern  auf  der  Ostseite  des  Dorfes  (jetzt  sächsisch) 
bestimmt,  während  die  neun  Amtsbauern  auf  der  Westseite 
(noch  heute  altenburgisch)  nach  Oberwiera  pfarrten  —  und 
zwar  an  Niederwiera,  dessen  Pfarrbezirk  durch  das  ganze 
Neukirchen  vergröfsert  wurde  ^). 


')  Buch  wald  S.  12.  Lobe  II,  155,  158,167.  Ledebur  a.  a.  O. 
S.  348,  350.  Die  Kommende  zvi  Altenburg  trat  übrigens  an  Friedrich 
von  Ponitz  nicht  nur  die  Kirche,  sondern  auch  „das  Vorwerg"  ab. 
Beides  mochte  sie  von  seinem  Vater  oder  seinem  Bruder  Lutolcl 
erworben  haben. 

2)  Schmidt  I,  141  Nr.  295:  Heinricus  decanus,  plebanus  de 
Rozewacz. 

*)  Lobe  I,  402.  Überhaupt  wurden  die  Parochien  Nie  der- 
und Oberwiera  (Nr.  54,  62)  durch  die  Reformation  in  ihrem  Be- 
stände sehr  beeinflufst.  Derselbe  stellt  sich  ursprünglich  folgender- 
mafsen  dar:  a)  für  Niederwiera:  i.  der  Ort  selbst,  2.  Röhrsdorf, 
3.  Harthau  und  4.  Gähsnitz;  b)  für  Oberwiera:  i.  der  Ort  selbst, 
2.  Wickersdorf  und  3.  Neukirchen -Amtsanteil.  Niederwiera  erhielt 
aufser  Neukirchen  (s.  o.)  1533  definitiv  fast  ganz  Heyersdorf  von 
Zieo;elheim  (s.  o.)  vnid  halb  W'ickersdijrf  von  Oberwiera,  zeitweilig 
auch  acht  Untertanen  des  Klosters  Remse  in  letzterem  Orte,  Ober- 
wiera   seinerseits  fast  ganz  Gähsnitz  von  Niederwiera.     Haben  wir 


Der  Pleifsensprengel.  nn 

Nr.  74.  Saara:  Sein  grofser  Pfarrbezirk  hob  nördlich 
von  Göfsnitz  an  und  dehnte  sich  zu  beiden  Seiten  der  Pleifse, 
auf  deren  Hnkem  Ufer  er  an  diejenigen  von  SchmöUn  und 
Altenkirchen  stiefs,  bis  an  die  Südgrenze  des  Altenburger 
Bartholomäikirchspiels  (Zschechwitz).  Er  umfafste  vier  Fihale: 
Mockern,  Jauern  (seine  westliche  Hälfte  stand  1140  Alten- 
kirchen zu,  s.  o.),  Zehma  und  seit  1434  Heiligenleichnam  (das 
Jahr  darauf  vom  St.  Georgenstift  in  Altenburg  übernommen) 
und  16  Dörfer,  nämlich,  wie  heute  noch,  die  neun  folgenden: 
Selleris,  Gardschütz,  Kaimnitz,  ßurkersdorf,  Schlöpitz,  LöpitZj 
Gleina,  Lehndorf  und  Greipzig  sowie  ferner:  10.  Ehrenberg, 
II.  Lehnitsch,  12.  Modelwitz,  13.  Podelwitz,  14.  Goldschau, 
15.  Löhmigen  und  16.  Klein -Tauschwitz  (1528  abgetreten 
Nr.  10—12  an  Stünzhain,  Nr.  13  und  14  an  Gieba,  Nr.  15  an 
Göfsnitz  und  Nr.  16  wie  später  (1533)  auch  das  Filial  Jauern 
an  Altenkirchen).  Das  Nonnenkloster  zu  Altenburg  besafs 
aufser  dem  Kirchlehn,  mancherlei  Liegenschaften  und  Zinsen 
in  Saara  auch  die  Hofstatt  ,,Borcstadel".  Es  war  der  Sitz 
des  alten  pleifsnischen  Geschlechtes  derer  von  Zarowe,  die 
höchstwahrscheinlich  ihren  Besitz  hierselbst  den  Reuerinnen 
überlassen  haben,  da  sie  zu  Beginn  des  14.  Jahrhunderts  in 
dieser  Gegend  verschwinden'). 

Nr.  80.  Stünzhain:  Noch  im  Jahre  1528  hatte  ,,die 
pfarr  ein  einig  Dorif  bey  sieben  wirten"  —  war  also  eins 
von  jenen  Zwergkirchspielen,  die  wir  schon  kennen  lernten 
und  die  das  im  Orte  sefshafte,  nach  ihm  sich  nennende  Adels- 
geschlecht, hier  das  von  Studenschen,  stiftete.  Den  letzten 
dieser  Familie,  der  geistesschwach  war,  belehnte  der  Landes- 
herr in  Person  seines  Vormundes  mit  dem  Vorwerk  daselbst 
und  dem  Kirch  lehn,  wie  es  seine  Eltern  besessen  hatten, 
im  Jahre  1413-  Betrachten  wir  aber  die  Lage  des  Dorfes, 
so  schied  es  zusammen  mit  Oberleupten  und  Hauersdorf 
(Parochie  Fuchshain,  s.  o.)  die  Parochie  Nobitz  in  zwei  Teile, 
einen  gröfseren:  Nobitz,  Wilchwitz,  Niederleupten  und  einen 
kleineren:  Priefel,  ein  Gut  in  Dippelsdorf;  das  zeigt  unwider- 
leglich, dafs  Stünzhain  einmal  mit  Nobitz  irgendwie  kirchlich 
zusammengehangen  hat'). 


damit  zugleich  dessen  Einbufse  festgestellt,  so  erstreckte  sich  die 
von  Oberwiera,  wie  gesagt,  auf  halb  Wickersdorf,  Neukirchen- Amts- 
seite und  (vorübergehend)  Oberwiera-Klosteranteil. 

')  Lobe  1.  41  f.,  474ff.,  479;  11^  98. 

-)  Ebenda  I,  489!'.  Eigentümlich  ist  auch  die  Begrenzung  von 
Nobitz  im  Südosten  und  von  Ehrenhain  im  Nordwesten.  Zwischen 
Niederleupten    und   Priefel  schieben  sich  Oberleupten  und  Hauers- 


78 


Leo  Bönhoff: 


Nr.  84.  Treben:  Nur  eine  kleine  Veränderung  ist  hier 
zu  verzeichnen.  Neben  seinem  Filiale  zu  Gerstenberg  (mit 
Unterzetzscha),  das  übrigens  bis  1546  ein  freies  geistliches 
Lehn,  eine  Vikarei,  war,  die  von  der  Familie  von  Knau  ge- 
stiftet und  der  Pfarrei  Treben  mit  ihren  Feldern  zum  Zehnt 
verpflichtet  war,  gab  es  noch  eine  Kapelle  zu  Palma,  die 
1528  einging  1). 

Nr.  87.  Weifsenborn  (jetzt  Zwickau-St.  Johannis):  Bis 
zum  Jahre  1529  besafs  diese  Pfarrkirche  kein  Beidorf,  da 
Niederhohndorf  nach  Mosel  pfarrte  und  noch  1533  wieder 
einmal  in  Zukunft  dahin  zurückkommen  sollte,  was  aber  nicht 
geschehen  ist.  Im  Jahre  1324  machte  das  Kloster  Grünhain 
in  ihm  seine  erste  Erwerbung  (30.  April),  dem  eine  weitere 
bereits  1342  (24.  Juni)  folgte.  Die  Verkäufer  gehörten  beide- 
mal dem  Geschlechte  derer  von  Mosel  an,  welche  Vasallen 
der  Herren  von  Schönburg  waren,  die  deshalb  zu  den  Ver- 
äufserungen  ihre  EinwilHgung  gaben.  In  dem  ersten  Jahre 
(1324)  wird  auch  einer  Kapelle  gedacht.  Es  wäre  nicht  un- 
möghch,  dafs  dieselbe  dem  grofsen  Kirchspiel  Mosel  angehörte, 
welches,  wie  wir  weiter  unten  sehen  werden,  sich  einmal  von 
dem  Sprengel  der  Zwickauer  Marienkirche  losgelöst  hat.  Doch 
sei  dem,  wie  ihm  wolle,  direkt  oder  indirekt  lag  Weifsenborn 
einstens  in  ihrem  Bezirke.  Seine  Selbständigkeit  in  kirch- 
licher Beziehung  ersieht  man  aus  einer  Urkunde  vom  14.  No- 
vember 1405,  welche  unter  anderen  von  Johannes  Zschakan, 
dem  Pfarrer  des  Ortes,  ausgestellt  ist.  Am  15.  Mai  1434 
erwarb  hier  den  Patronat  der  Zwickauer  Ratsherr  Erasmus 
Basitz,  von  dem  er  ers\  auf  Kunz  von  der  Mosel,  dann  am 
28.  Mai   1440  auf  den  Rat  zu  Zwickau  überging -j. 

Nr.  91.  Windischleuba:  In  diesem  Kirchspiele  ent- 
standen in  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  zwei 
Kapellen:  die  eine,  St.  Dorotheen,  im  Pfarrorte  selber,  die 
andere,  die  der  heiligen  Jungfrau,  zu  Craschwitz;  beide  Gottes- 
häuser waren  von  den  Brüdern  Konrad  und  Dietrich  Pruzze"'), 


dorf  hinein,  und  warum  sind  die  drei  Güter  von  Dippelsdorf  parochial 
verschieden  verteilt?  Gehörten  etw^a  die  drei  Orte  nebst  Garbus 
auch  kirchlich  vordem  zu  Nobitz,  während  Zschaiga,  Mockzig  und 
Prisselberg  nach  Saara  (s.  o.)  kirchten,  so  dafs  die  sieben  Dörfer  erst 
später  zu  der  Kirche  des  (samt  Heiersdorf)  neuangelegten  Indago  kamen  ? 

')  Lobe  I,  4of.,  512,  519,  529,  536  (612). 

^)  Buchwald  S.  3.  Mitteil.  d.  Altertumsver.  zu  Zwickau  VII,  39, 
115.  Herzog  II,  57,  67,  94,  114,  116.  Vgl.  N.  Sachs.  Kirch.-Gal. 
Eph.  Zwickau  S.  141!.,  145. 

^)  Konrad  war  Domherr  zu  Magdeburg,  Meifsen  (1364:  Archi- 
diakonus   der  Niederlausitz,    1380:   Propst  von  Bautzen)  und  Merse- 


Der  Pleil'sensprengel.  nn 

jenes  im  Jahre  1364,  dieses  im  Jahre  1380  erbaut,  und  jedes 
von  ihnen  mit  einer  Kaplanei  verbunden  worden.  Beidemal 
hatten  dazu  die  Plebane  von  Windischleuba,  Gerhard 
von  Lübschwitz  und  Dietrich  von  Hagenest,  ihre  Einwilh- 
gung  gegeben.  Die  zwei  Kapellen  wurden,  nachdem  die 
Nachkommen  ihrer  Gründer  das  Patronatsrecht  an  das 
St.  Georgenstift  zu  Altenburg  im  Jahre  1467  übertragen 
hatten,  diesem  1480  inkorporiert.  Später  ward  die  eine  auf- 
gehoben (1533),  die  andere  aber  Filial  von  Windischleuba 
(1540).  Letzteres  beschlofs  jedoch  in  seinem  Bezirke  aufser 
seinen  heutigen  sechs  Beidörfern  und  Craschwitz,  das  natür- 
hch  trotz  der  Kapelle  auch  weiterhin  zu  demselben  gehörte, 
noch  drei  Orte,  die  östlich  vom  Pfarrdorfe  lagen:  Neuendorf, 
Crazdorf  und  Sebitz  (das  erslere  im  15.  Jahrhundert,  die  beiden 
anderen  bereits  um  1360  wüst).  Da  nun  der  im  Jahre  1263 
als  Zeuge  angeführte  Johannes  plebanus  in  Luben  auf  Langeu- 
leuba- Oberhain  sich  bezieht,  so  stammt  die  älteste  Nachricht 
aus  dem  Abschätzungsberichte  (1320)  und  lautet:  ,,In  archi- 
dyaconatu  Plysnensi  ....  ecclesia  in  parvo  Luben  (13 18: 
.,zur  wenigen  Luben"  ^  1396:  ,,in  der  windischen  Lewben"j 
vacavit  in  secundo  anno,  que  taxata  est  ad  ....  marcas  et 
sohat  IV  marcas  nee  plus  dare  potuit  inspectis  veris  redditi- 
bus,  valore,  oneribus  incumbentibus  et  juramento  rectoris"'), 

Nr.  95.  Zschernitzsch:  Bis  zum  Jahre  1831  stand  in 
dem  jetzigen  Beidorfe  Untermolbitz,  für  dieses  und  Ober- 
molbitz  bestimmt,  eine  kleine  Kapelle,  die  ,,gen  Zschirnitz 
in  die  pfarr"  gehörte  und   15 18  neu  erbaut  worden  war-). 

Nr.  97 — 99.  Zwickau,  St.  Marien,  St.  Margarethen 
und  zum  heiligen  Geist:  Die  erste  Parochie  betrachten 
wir  hier  nur,  wie  sie  sich  als  städtische  darstellt  —  auf 
die  Marienkirche  als  parochialen  Mittelpunkt  des  ganzen 
Zwickauer  Gaues  kommen  wir  bald  zu  sprechen.  Auch  als 
solche  hat  sie  Abzweigungen,  wie  wir  sofort  sehen  werden, 
erfahren.  Als  ihre  neue  Patronatsherrschaft,  der  Triptiser 
Nonnenkonvent,  sich  in  der  Stadt  niederliefs,  baute  sie  sich 
natürlich  eine  besondere  Kirche,  die  zu  St  Katharinen.  Die- 
selbe trat,  als  die  Übersiedelung  des  Klosters  12 19  nach 
Eisenberg  erfolgt  war,  als  eine  städtische  Erbauungsstätte  zu 


bürg;  Dietrich,  der  Ritter  war,  safs  auf  Neuendorf  östlich  von  Win- 
dischleuba, wonach  sich  auch  ihr  Vater  Dietrich  und  dessen  Bruder 
Konrad  1306  benannten.     (Lobe  I,  554.) 

')  Lobe  I,  554,  557,  5591".  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch. 
Gesellsch.  d.  Osterl.  VI,  418.     Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  350. 

■2)  Lobe  I,  591  flf. 


8o  Leo  Bönhofif: 

der  Stadt-  und  Pfarrkirche  St.  Marien  in  ein  Filialverhältnis. 
Denn  in  einer  Urkunde  vom  2.  März  1353  erscheint  diese 
als  parochialis,  sie  "selbst  aber  als  filialis  ecclesia^).  Im 
Jahre  1305  aber  erbaute  Kunegundis,  die  Witwe  des  Rats- 
herrn Wernher  Zschackan,  für  das  Hospital  vorm  Frauentore 
eine  Kirche,  deren  Patronat  sie  mit  ihren  Kindern  übernahm, 
und  liefs  dazu  einen  eigenen  Pleban  bestellen.  Als  Ent- 
schädigung überwies  sie  der  Stadtkirche  den  Jahreszins  von 
zwei  Gärten  vorm  Osterweynertore,  Bischof  Ulrich  I.  von 
Naumburg  bestätigte  diese  Stiftung  und  Exemption  am  2.  Ok- 
tober 1309'-).  Sein  Nachfolger  Heinrich  I.  erneuert  den 
Söhnen  der  Stifterin  das  Kollaturrecht  über  die  capella 
omnium  sanctorum  hospitalis  extra  muros  Zcwickavienses 
ante  valvam  scte  Marie  am  13.  April  1330'^).  Am  25.  Juli  1381 
trat  es  die  Familie  Zschackan  an  den  Rat  der  Stadt  ab,  wobei 
von  der  parochia  altaris  sancti  Georgii  .  .  .  .  in  hospitali  extra 
muros  Zcwickaw  zum  ersten  Male  urkundlich  die  Rede  ist*). 
In  der  Bulle  Sixtus  IV.  vom  Jahre  1479  handelt  es  sich  um 
den  Neubau  der  ecclesia  in  hospitali  sancti  Georgii  extra  muros 
imd  Verwandlung  derselben  in  ein  Kollegiatstiff^).  Seitdem 
scheint  sie  den  Titel  St.  Margarethen  geführt  zu  haben.  Dafs 
die  Kirche  zum  heiligen  Geist  einen  Pfarrer  hatte,  lehrt  uns 
das  Visitationsprotokoll  vom  Jahre  1529,  welches  uns  als 
solchen  den  Lic.  theol.  Liborius  Maydburgk  benennt").  Das 
Gotteshaus  kommt  urkundlich  zweimal  im  Jahre  1399  vor: 
am  26.  Juli  bestätigt  nämlich  der  Rat  die  Stiftung  einer  ewigen 
Messe  ,,vor  dem  trencktor  yn  defs  heylligen  ge3'stes 
capellen  czu  den  sychen  vff  sent  Jacobi  ....  altar"  durch 
den  Bürger  Franz  Kürtzscher;  derselbe  vermehrte  am 
24.  August,  wie  nochmals  der  Rat  bezeugt,  das  Stiftungs- 
kapital dieser  Messe  um  48  rheinische  Gulden,  deren  Zinsen 


J)  Herzog  I,  119;  II,  27,  74. 

^)  Herzog  II,  872:    Kunegundis    in    restaurum,    ne  parochialis 

ecclesia    dicti    oppidi  Zcwickauwe de   duobus  ortis  ....  censum 

annualem  . . .  Hospitale  ab  omni  iure  ....  parochialis  ecclesiae  eximendo 
....  procuravit.  —  873:  Indulsimus,  ut  in  curia  hospitalis  prope 
Zcwickowe  ecclesia  nova  erigatur  et  ibidem  parochia  quoad  in- 
firmos  et  familiäres  ipsius  curie  ....  sine  parochialis  ecclesia  lesione. 

'■^)  Ebenda  II,  877!  Die  drei  ersten  Pfarrer,  heifst  es  dabei, 
„virtute  presentationis  ....  per  archidiaconum  loci  de  accessu 
altaris  fuerunt  canonice  investiti." 

*)  Ebenda  II,  894!".  Eine  Urkunde  Burggraf  Meinhers  von 
Meifsen  erwähnt  1382  „pharrer  vnd  Capplan"  (896)., 

''■')  Ebenda  II,  912:  Illam  in  collegiatam  et  in  ea  . .  . .  decanatum 
et  .succentorias  et  praebendas  ....  instituimus. 

«)  Buchwald  S.  5. 


Der  Pleifsensprengel.  8l 

man  ,,eynem  itzlichen  Capellan"  reichen  soll.  Ebenso  wurde 
aber  auch  ,,eyn  itzlicher  Capellan,  ....  dem  pfarrer  hy  czu 
Czwickaw  yn  dy  pfarre  czu  wydderstatung "  (restaurum) 
30  Meilsner  Groschen  zu  geben  verpflichtet').  Daraus  geht 
hervor,  dafs  damals  eine  Auspfarrung  noch  nicht  stattgefunden 
hatte.  Zunächst  war  ja  das  Gotteshaus  die  Hauskapelle  des 
Heiligengeistspitals  vorm  Tränktore;  später  aber  versorgte 
ihr  Geistlicher  auch  die  Unglücklichen  im  xenodochium  lepro- 
sorum  (Franzosenhaus  oder  Franziskushospital),  das  schon  1446 
vorhanden  war'-).  So  mag  es  in  der  zweiten  Hälfte  des 
15.  Jahrhunderts  auch  zur  Ausbezirkung  dieser  Spitalkirche 
gekommen  sein  wie  anderthalb  Jahrhundert  zuvor  bei  der  des 
sogenannten  ,, reichen"  Spitals  zu  St.  Georgen.  Die  Refor- 
mation hob  die  beiden  Spitalparochien  auf. 

Mit  diesen  Bemerkungen  können  wir  den  Abschnitt  nun- 
mehr beenden.  Er  bildet  mit  seinen  Ermittelungen  eine  Grund- 
lage des  folgenden. 


')  Herzog  II,  905 f. 

-)  Ebenda  I,  149,  167;  II,  84. 


(Schlufs  folgt.) 


Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXIX.    i.  i. 


Lutherana. 

Von 
Paul  Vetter. 


1.    Luthers  Streit  mit  Herzog  Heinrich  von  Sachsen. 

Das  Jahr  1536  war  für  das  albertinische  Sachsen  von 
besonderer  Bedeutung  gewesen.  Nach  vielen  Jahren  eines 
vorsichtigen  Zauderns  hatte  sich  Herzogin  Katharina  endhch 
offen  zur  Sache  der  Reformation  zu  bekennen  gewagt.  In 
der  Schlofskirche  zu  Freiberg  predigte  seit  Anfang  Juh^)  ein 
Sendbote  Luthers,  Jakob  Schenck,  der  durch  sein  bescheidenes 
Auftreten  und  seine  mafs volle,  von  jeder  Kanzelpaukerei  sich 
geflissentlich  fernhaltende  Predigt  bald  auch  die  Zuneigung 
des  Herzogs  gewann.  Immer  enger  und  enger  knüpften  sich 
die  Bande,  welche  die  jüngere  Linie  des  albertinischen  Hauses 
an  den  ernestinischen  Vetter  fesselten,  der  mit  unermüdlichem 
Eifer  für  die  Ausbreitung  der  Reformation  sich  tätig  zeigte. 
Schon  schien  Ende  des  Jahres  der  greise  Herzog  Heinrich 
für  die  Sache  Luthers  gewonnen,  da  drohte  ein  plötzlich  aus- 
brechender Streit  alle  Erfolge  wieder  zu  vernichten.  Ende 
des  Jahres  1536  entstand  zwischen  dem  Herzoge  und  Luther 
ein  Konflikt,  der  zu  heftigem  Schriftenwechsel  führte,  so  dafs 
Luther  an  die  Zurückberufung  Schencks,  an  die  Preisgabe 
der  evangelischen  Sache  in  Freiberg  dachte. 

Die  Ursache  des  Streites  war  geringfügig  genug.  Das 
Schicksal  eines  Freiberger  Kartenmalers,  der  sich  um  Fürbitte 
beim  Herzoge  an  Luther    gewandt    hatte,    drohte  den  über- 


')  Vgl.  Seidemann,  Jakob  Schenk  S.  8. 


Lutherana. 


83 


eifrigen  Reformator  in  eine  ebenso  unerquickliche  Angelegen- 
heit zu  verwickeln,  wie  es  die  Schönitzsche  Sache  war,  die 
er  damals  mit  mehr  Eifer  als  Klugheit  verfocht. 

Anfang  1536  hatten  sich  drei  Freiberger  Bürger,  Lorenz 
Kastner,  Clemens  Glaser  und  Gregor  Heynemann  mit  Namen, 
an  Luther  gewandt  mit  der  Anzeige,  dafs  einer  ihrer  Mit- 
bürger, der  Kartenmaler  Matthes  Lotther^),  sich  ,, mit  Worten" 
sowohl  wider  evangelische  wie  katholische  Glaubenslehre 
,, vergriffen"  habe-).  Genauere  Angaben  über  das  Vorgehen 
Lotthers  finden  sich  in  einer  Art  Ehrenerklärung,  welche  die 
drei  Kläger  dem  Kartenmaler  am  7.  Juli  ausstellten  und  die 
eine  kurze  Darstellung  der  ganzen  Sache  enthält^).  Diese  Er- 
klärung ist  freihch  von  der  Absicht  durchdrungen,  dem  Be- 
klagten zu  helfen,  und  scheint  mehr  die  zu  seinen  Gunsten 
sprechenden  Umstände  hervorzuheben*).  Darnach  hätte  Lotther 
gegen  die  genannten  drei  geäufsert,  man  tue  unrecht  und 
es  sei  ohne  Not,  nach  Leisnig"^)  Überland  nach  dem  Sakramente 
zu  ziehen,  falls  man  es  daheim  nicht  bekommen  könnte.  Weiter 
gezieme  es  Christen  nicht,  Gottes  Wort  im  Götzenhause  unter 
dem  Greuel  der  päpstlichen  Messe  anzuhören.  Endlich  hatte 
er  die  drei  gefragt ,  ob  er  als  Hausvater  auch  die  Befugnis 
habe,  Weib  und  Kinder  in  Gottes  Wort  zu  unterrichten.  Als 
die  Gefragten  das  bejaht  und  hinzugefügt  hatten,  das  sei  er 
sogar  schuldig  zu  tun,  hatte  Lotther  weiter  gefragt,  warum 
er  nicht  auch  Macht  hätte,  Weib  und  Kindern  das  Sakrament 
zu  reichen,  da  doch  das  Sakrament  durchs  Wort  gemacht  wäre. 

Da  die  drei  auf  die  ihnen  vorgebrachten  Artikel  nicht 
viel  zu  erwidern  wufsten  und  ihr  Gewissen  sie  doch  vor  den 
vorgetragenen  Lehren  warnte,  wandten  sie  sich  an  Luther 
und  baten  um  Rat.  Alsbald  erfolgte  am  11.  Februar  Luthers 
Antwort^).  Obwohl  kränkUch  und  mit  Geschäften  überschüttet, 
hatte    er    sich   doch    bewogen   gefühlt,   sofort   zu  antworten. 


^)  Hiernach  ist  zu  berichtigen,  was  Seidemann,  Schenk  S.  10, 
und  Enders,  Luthers  Briefwechsel  X,  302  sagen.  Die  falschen  An- 
gaben linden  sich  schon  bei  Möller,  Theatr.  Freiberg.  Chron.  II,  200  t. 

2)  de  Wette,  Luthers  Briefe  V,  i. 

")  Anhang  Nr.  1. 

•*)  Aus  Luthers  Antwort  (de  Wette  IV,  673Ö'.)  vom  ii.  Februar 
geht  deutlich  hervor,  dafs  er  eine  weit  ausführhchere  Darstelhmg  der 
Unterredung  erhalten  hatte,  als  sie  die  Erklärung  der  Kläger  enthält. 

^)  Dahin  pflegten  viele  Freiberger  Bürger  zu  gehen,  um  vom 
Pfarrer  Wolfgang  Fues  und  seinem  Diaconus  Anton  Lauterbach  das 
Abendmahl  unter  beider  Gestalt  zu  empl^igen. 

6)  de  Wette  IV,  6730".  Burkhardt,  LTTthers  Briefwechsel  S.  245  f. 
Enders  X,  301. 

6* 


84  Paul  Vetter: 

Denn  es  war  das  Wehen  des  wiedertäuferischen  Geistes,  das 
er  zu  spüren  glaubte.  Rückhaltlos  verwarf  er  alle  drei  von 
Lotther  aufgestellten  Behauptungen  und  warnte  Kastner  und 
seine  Gefährten  eifrig  vor  dem  Kartenmaler.  Sie  sollen  sich 
hüten  vor  dem  Geiste,  der  aus  ihm  spricht;  oft  ist  er  dem 
Reformator  vorgekommen  und  allewegs  zu  schänden  geworden 
mit  seinem  Rühmen.  Die  Aufforderung,  sie  sollten  zusehen 
und  helfen,  dafs  es  Lotther  verboten  werde,  deren  Luther  in 
seinem  ersten  Briefe  an  den  Herzog  gedenkt^),  findet  sich  in 
dem  Schreiben  an  Kastner  nicht.  Die  Belehrten  scheinen 
indes  die  Worte  Luthers:  ,,Es  wäre  gut,  dafs  die  Obrigkeit 
hierzu  thät  und  hiefse  den  Geist  schweigen"  als  eine  Mah- 
nung aufgefafst  zu  haben,  die  Obrigkeit  von  der  Sache  in 
Kenntnis  zu  setzen.  Sie  luden  Lotther  wegen  seiner  Äusse- 
rungen, die  ihnen  nun  als  Ketzereien  erschienen,  vor  den 
Stadtrichter.  Vor  altem  und  neuem  Rate  erschienen  die  Par- 
teien, um  ,,Parth  gegen  Parth  nach  Notdurft  verhört  zu 
werden".  Der  Kartenmaler  entschuldigte  sich  damit,  er  habe 
diese  Fragen  nur  disputationsweise  gestellt,  und  verwahrte  sich 
hoch  und  teuer  gegen  den  Verdacht,  dafs  er  dieser  Meinung 
wäre.  Der  Freiberger  Rat  war  vernünftig  genug,  in  den 
Äufserungen  Lotthers  keinen  Grund  zu  einem  strafenden  Ein- 
schreiten gegen  den  Kartenmaler  zu  finden.  Man  nahm  den 
Parteien  das  Handgelöbnis  ab,  bis  auf  weiteres  Erfordern 
seitens  des  Rates  die  Sache  auf  sich  beruhen  zu  lassen. 

Da  wurden  die  guten  Absichten  des  Rates  durch  das 
Eingreifen  des  Herzogs  vereitelt.  Wer  die  Sache  bei  ihm 
anhängig  gemacht  hatte"-),  wird  von  Lotthers  Gegnern  nicht 
angegeben.  Sie  schieben  die  Schuld  dem  Satan  zu,  der  durch 
seine  GHedmafsen  mit  seinem  bösen,  giftigen  Geschmeifs 
unter  Verdrehung  der  Wahrheit  die  Sache  dem  Herzoge  an- 
gezeigt hätte •^).  Diesem  wurde  gemeldet,  Matthes  Lotther 
sei  ein  Wiedertäufer,  habe  seinem  Hause  das  Abendmahl  ge- 
reicht und  dergleichen  mehr.  Sofort  wurde  mit  Ernst  gegen 
den  Kartenmaler  eingeschritten  und  er  nur  gegen  das  eidliche 
Gelöbnis,  bis  zur  Erledigung  seiner  Sache  Freiberg  nicht  zu 
verlassen,  in  Freiheit  gelassen.     Wie  es  gekommen  ist,  dafs 


1)  de  Wette  V,  I. 

-)  Luther  scheint  die  Kläger  selbst  in  Verdacht  zu  haben,  de 
Wette  V,  31. 

*)  Bei  dem  Anteile,  den  der  Dechant  Balthasar  von  Rao^witz 
später  an  der  Sache  nimmt,  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dafs  durch 
ihn,  den  obersten  Geistlichen  der  Stadt,  die  Sache  an  den  Herzog, 
))ei  dem  er  persona  gratissima  war,  gebracht  worden  ist. 


Lutherana,  85 

Lotther  den  geschworenen  Urfrieden  brach  und  aus  Freiberg 
entwich,  deutet  Luther  im  letzten  seiner  Schreiben^)  an  den 
Herzog  an:   dafs  man  dem  Beklagten  treulich  insgeheim  an- 
gezeigt hätte,  wie  der  Henker  von  Dresden  gefordert  hinter 
ihm   her   wäre.     Es   wird   das   die   Entschuldigung  sein,    die 
Lotther  dem  Reformator  für  seinen  Eidbruch  ansab.  Wieviel 
davon  auf  Wahrheit  beruht,  läfst  sich  nicht  feststellen.     Dafs 
der  Herzog  ein  derartiges  Vorgehen  gegen  Lotther  wirklich 
beabsichtigt  hätte,    scheint   Luther   selbst   nicht   zu   glauben. 
Der   flüchtige   Mann,    dem  Weib    und   Kinder  ins  Elend 
nachfolgten,    begab   sich   nach  Wittenberg.     Hier  gelang   es 
ihm,   Gönner   zu   linden,  die  für  ihn  Luthers  Fürsprache  an- 
riefen.    Der  gutherzige  Reformator,  den  das  weinende  Weib 
und  die  sieben  Kinder  des  leichtsinnigen  Mannes  jammerten,  er- 
füllte den  Wunsch   und  wandte   sich   am  7.  Juni")   fürbittend 
an  den  Herzog.     Er  lobt  den  Ernst,  mit  dem  sich  Heinrich 
der  Sache  angenommen  hat.    Für  die  Bitte  des  Kartenmalers, 
der  gern  sein  Eigentum  in  Freiberg  verkaufen  und  dann  das 
Land   meiden   möchte,    tritt   er  nicht  ein.     Besser  scheint  es 
ihm,  wenn   ihn   der   Herzog   eine  Zeitlang   mit  Kerker  straft 
und  ihn  dann  im  Lande  bleiben  läfst,  nachdem  ihm  auferlepft 
ist,  solche  Dinge  fernerhin  zu  meiden;  sonst  solle  er  stracks 
den  Kopf  verwirkt  haben.    Denn  solche  Knaben,  meint  Luther, 
machen,  wenn  sie  zu  ihresgleichen  kommen,  das  Feuer  gröfser. 
Deswegen  müssen  sie  im  Lande  bleiben  und  bepflichtet  sein, 
wie   es   der   Kurfürst   mit   Karlstadt   und   andern   auch    gretan 
hat.     Es  ist  eine  seltsame  Fürbitte,  die  da  eingelegt  wurde. 
Der  Fürbittende  ersucht   nicht   nur  um  Ablehnung  der  Bitte 
semes    Schützlings,    er   tritt    geradezu    für    eine   strenge   Be- 
strafung ein.     Deutlich   geht   aus    Luthers   Schreiben   hervor, 
dafs   er   dem   Kartenmaler   nicht   viel  Gutes   zutraut  und  fast 
widerwillig  seine  Fürbitte  einlegt.     Luther  ist  ohne  Antwort 
auf  sein  Schreiben  geblieben.    Er  hatte  bei  seinem  Eintreten 
für   den   Kartenmaler   die   Eigenheit    der  Freibero^er  Verhält- 
nisse  aufser  acht  gelassen.    Noch  kämpften  in  Freiberg  Pro- 
testantismus und  katholische  Kirche  um  die  Seele  des  Herzogs 
mit  einander.     Es   scheint  der  katholischen  Partei  unter  der 
Führung   des   Kanzlers   Naumann   gelungen   zu   sein,    in  dem 
leicht  lenkbaren  und  doch  wieder  zeitweise  unglaublich  starr- 
sinnigen  Manne  die  Ansicht  hervorzurufen ,  als  habe  man  es 
mit  einer  gänzlich  ungerechtfertigten  Einmischung  Luthers  in 


1)  de  Wette  V,  31.     Burkhardt  S.  270. 
•-)  de  Wette  V,  i.     Burkhardt  S.  253. 


86  Paul  Vetter: 

Freiberger  Verhältnisse  zu  tun.  In  einem  solchen  Falle  schwand 
beim  Herzoge  jede  Rücksicht;  selbst  die  Furcht  vor  dem  mäch- 
tigen Bruder  in  Dresden,  die  sonst  so  oft  seine  Handlungen 
beeinflufst,  tritt  dann  zurück. 

Luther  erhielt  Anfang  Juli  von  dem  Kartenmaler  die 
Nachricht,  dafs  sein  Eingreifen  mehr  geschadet  als  genützt 
habe ').  Nach  Ablehnung  seiner  Bitte,  sein  Eigentum  in  Frei- 
berg verkaufen  und  auswandern  zu  dürfen,  erbot  sich  Lotther 
nun  zu  Verhör  und  Recht  und  gelobte,  jede  Strafe  leiden  zu 
wollen,  wenn  man  ihn  überweisen  könnte,  dafs  er  wider  Taufe 
oder  Abendmahl  etwas  gesagt  oder  getan  oder  jemanden  an 
sich  gezogen  hätte.  Merkwürdigerweise  liefs  sich  Luther  aber- 
mals bewegen,  das  Gesuch  des  Kartenmalers  zu  unterstützen. 
Sein  Brief  vom  4.  Juli^)  an  den  Herzog  zeigt  nun  einen  voll- 
ständigen Stellungswechsel  gegenüber  der  Sache  Lotthers. 
Während  ihn  das  erste  Schreiben  als  einen  zum  mindesten 
unzuverlässigen  Menschen  hinstellt,  der  Strafe  wohl  verdient 
hat  und  dem  man  mehr,  um  ihn  unschädlich  zu  machen,  eine 
gewisse  Nachsicht  zuteil  werden  lassen  mufs,  erscheint  in 
Luthers  zweitem  Briefe  der  Kartenmaler  als  ein  unschuldig 
Verfolgter,  der  sich  zu  Recht  und  Verhör  erbietet  und  zu 
strenger  Strafe,  falls  er  schuldig  befunden  wird.  Viele  in 
des  Herzogs  Lande  halten  ihn  für  unschuldig.  Luther  bittet 
schliefslich  den  Herzog,  die  Sache  erkunden  zu  lassen,  und, 
wenn  sich  Lotthers  Unschuld  herausstellt,  ihm  die  Rückkehr 
nach  Freiberg  zu  gestatten,  damit  nicht  ein  Geschrei  entstehe, 
als  wollte  man  niemand  hören  noch  sehen.  Von  der  Haupt- 
schuld des  Kartenmalers,  seinem  Eid-  vmd  Urfriedensbruche, 
ist  in  dem  Schriftstücke  nicht  die  Rede.  Was  den  Reformator 
zu  einer  solchen  Verkennung  der  ganzen  Rechtsfrage  ver- 
anlafst  hat,  ist  nicht  klar  ersichthch.  Neben  dem  begreif- 
lichen Ärger,  dafs  man  seine  Fürbitte  so  schnöde  ignoriert 
hatte,  scheinen  sich  Einflüsse  aus  Freiberg,  wo  Luther  unter 
den  Patriziern  der  Stadt  zahlreiche  Anhänger''')  hatte,  zu 
Gunsten  des  Kartenmalers  geltend  gemacht  zu  haben.  Auch 
dieses  zweite  Schreiben  Luthers  fand  keine  Antwort.  Freiberg 
beharrte  auf  einer  Bestrafung  des  Eidbrüchigen.  Lotther 
hatte    sich   wohl    schon   vor   Luthers    zweitem   Schreiben    an 


^)  Die  Worte  Luthers,  die  man  weit  deuten  konnte  und  die  so 
gefährlich  geworden  waren,  sind  wohl  in  der  zweiten  Hälfte  des 
Briefes  zu  suchen,  in  der  Lotther  nicht  gerade  ein  Vertrauen  er- 
weckendes Zeugnis  ausgestellt  wird. 

-)  de  Wette  V,  6,  Zeile  9  ist  für  „dennoch"  „demnach"  zu  lesen. 

")  Die  Weller,  Liefskirchen,  Alnpecke,  Lose  u.  a. 


Lutherana.  87 

seine  Ankläger  gewandt  und  von  ihnen  einen  genauen  Bericht 
über  die  Sachlage  erbeten.  Am  7.  Juli  ')  erfüllten  diese  seinen 
Wunsch  und  übersandten  ein  Schriftstück,  das  Lotther  von 
der  wider  ihn  erhobenen  Beschuldigung,  ein  Wiedertäufer  zu 
sein,  zu  reinigen  suchte.  Luther  wandte  sich  nun  an  den 
Kurfürsten  und  rief  seine  Vermittlung  für  den  Kartenmaler 
an.  Wie  gewöhnlich  in  solchen  Fällen  erfüllte  Johann  Friedrich 
den  Wunsch  seines  Doktor  Martinus.  Aber  auch  diesem  Ver- 
mittler gegenüber  blieb  man  in  Freiberg  auf  dem  Standpunkte, 
dals  Lotther  für  den  Bruch  des  geschworenen  Urfriedens  Strafe 
verdiene,  die  ihm  unmöglich  erlassen  werden  könnte.  Diese 
Auffassung  der  Sache,  die  der  Kurfürst  und  sein  Kanzler  Brück 
als  berechtigt  anerkennen  mufsten,  genügte  nicht,  um  Luther 
zu  überzeugen,  dafs  seinem  Schützhng  kein  Unrecht  geschehe. 
In  der  vollen  Überzeugung,  dafs  man  in  Freiberg  starrsinnig 
einem  Unschuldigen  sein  Recht  vorenthalte,  und  auch  wohl 
sonst  in  gereizter  Stimmung  gegen  die  Freiberger  Regierung, 
die  das  Fortschreiten  des  Evangeliums  eher  zu  hindern  als 
zu  fördern  schien,  verfafste  er  sein  drittes  Schreiben-)  an 
Herzog  Heinrich.  In  ziemlich  anmafsendem  Tone  tritt  er  in 
ihm  als  Schiedsrichter  auf.  Matthes  Lotther  ist  unschuldig, 
und  der  Herzog  soll  sorgen,  dafs  solch  ein  Unrecht  nicht  auf 
seinem  Gewissen  bleibe.  Durch  ihn  sind  sieben  Kinder  mit 
Vater  und  Mutter  verstofsen  und  müssen  anrüchig  und  un- 
tüchtig vor  jedermann  in  der  Fremde  zu  Bettlern  werden. 
Den  Bruch  des  geschworenen  Urfriedens  nimmt  Luther  aufser- 
ordentlich  leicht.  Die  metus  in  constantem  virum  cadens 
erscheint  ihm  als  genügende  Entschuldigung.  Und  aufser 
dem  Stock  ist  besser  handeln.  Zur  Rechtfertigung  Lotthers 
legt  er  die  Erklärung  der  drei  Kläger  vom  7.  Juli  bei  und 
mahnt  mit  strengen  Worten  den  Herzog,  der  jetzt  durch 
Gottes  Gnade  das  Evangelium  hört,  solches  Geschrei  wider 
sich  dämpfen  zu  helfen.  Denn  solches  Geschrei  ist  ihm  nicht 
rühmhch.  Dem  Matthes  Kartenmaler  aber  geschieht  unrecht, 
und  der  Herzog  wird  aufgefordert,  ihm  das  nachgesuchte  Ver- 
hör zu  gewähren.  Am  Schlüsse  des  Briefes  droht  Luther, 
dafs  dies  seine  letzte  Bitte  sei.  Erlange  er  sie  nicht,  dann  ver- 
lange sein  Gewissen,  dafs  er  dem  Kartenmaler  ein  öffentliches 
Unschuldszeugnis   ausstelle    und  ihm  seine  Ehre  retten  helfe. 


')  Weiiii.  Archiv.     Anliana;  Nr.  i. 

•-)  de  Wette  V,  3of.  Burkhardt  S.  270.  Enders  XI,  117.  In 
der  Kopie  im  \V.  A.  kann  ich  beim  besten  Willen  Zeile  12  statt  „das 
acht  ist  indes  o-estorben"  nur  lesen:  „das  recht  ist  indes  gestorben". 


88  Paul  Vetter: 

Auf  dieses  dritte  Schreiben  Luthers  blieb  man  in  Frei- 
berg die  Antwort  nicht  schuldig.  Der  Kanzler  Naumann  und 
der  Dechant  von  Ragwitz  erhielten  vom  Herzog  den  Befehl, 
eine  Antwort  zu  verfassen^)  und  Luther  zuzustellen.  Sie  ist 
uns  leider  nicht  erhalten,  scheint  aber  der  Deutlichkeit  nicht 
entbehrt  zu  haben,  denn  Luther  nennt  sie  eine  grobe  Ant- 
wort. So  stand  man  jetzt  unmittelbar  vor  einem  Bruche. 
Denn  es  war  zu  erwarten,  dafs  Luther  auf  die  grobe  Ant- 
wort eine  gröbere  folgen  lassen  und  einen  unheilbaren  Rifs 
zwischen  Freiberg  und  Wittenberg  verursachen  werde.  Da 
intervenierte  die  Herzogin.  Am  6.  November  wandte  sie  sich 
in  einem  eigenhändigen  Schreiben-)  an  den  Kurfürsten,  teilte 
ihm  mit,  wie  gar  ,, schwinde"  Doktor  Martinus  dem  Herzoge 
geschrieben  habe  und  wie  das  Heinrich  ,,grofs  zu  Gemüte 
gehe  und  er  fast  hart  bewegt  worden  sei",  so  dafs  er  Luther 
eine  ungnädige  Antwort  habe  zukommen  lassen.  Werde  nun 
Luther  weiter  schreiben  und  den  Herzog  in  der  Sache  an- 
greifen, so  sei  zu  besorgen,  dafs  nichts  Gutes  daraus  kommen 
und  Herzog  Georg  eine  grofse  Freude  haben  werde,  wenn 
Luther  und  der  Herzog  einander  feind  würden.  Die  Herzogin 
bat,  vor  allem  zu  verhüten,  dafs  Luther  weiter  in  der  Sache 
an  den  Herzog  schreibe.  Aufserdem  erhielt  ihr  Prediger 
Jakob  Schenck  den  Auftrag,  dem  Kurfürsten  die  Sache  ein- 
gehend darzulegen  und  darauf  hinzuweisen,  was  für  Nachteil 
und  Schaden  dem  Evangelium  daraus  erwachsen  möchten. 

Von  den  Antworten  des  Kurfürsten  auf  diese  Briefe  ist 
nur  die  an  Schenck  (vom  lo.  November)  erhalten.  Der  Kur- 
fürst bedauert  in  ihr,  dafs  Herzog  Heinrich  sich  Luthers 
Schreiben  ,, dergestalt  soll  angenommen  haben,  dafs  daraus 
dem  göttlichen  Wort  Verhinderung  und  Unterdrückung  er- 
folgen möchte".  Er  verspricht  sein  Einschreiten  bei  Luther, 
dafs  er  in  weitere  Schriften  sich  nicht  einlassen,  sondern  (so 
fügt  er,  der  Kurfürst,  eigenhändig  dem  Konzepte  hinzu)  an 
Herzog  Heinrich  dermafsen  schreiben  soll,  dafs  dieser  zufrieden 
sein  wird.  Um  dieselbe  Zeit  oder  einen  Tao;  früher  teilte 
der  Kurfürst^)  seinem  Kanzler  die  Schreiben  Schencks  und 
Katharinas  mit.  In  der  Sache  selbst  mufs  er  dem  Freiberger 
Vetter  durchaus  Recht  geben.  Er  kann  es  nicht  für  unbillig 
erachten,  dafs  Lotther  seines  gebrochenen  Urfriedens  halber 
nicht  ungestraft  lileiben  soll.     Brück  erhält  daher  den  Befehl, 

1)  Sie  ist  wohl  zwischen  dem  6.  und  dem  9.  November  ent- 
standen. 

■-)  Weim.  Archiv.     Anhang  2. 
")  Sein  Schreiben  ist  undatiert. 


Lutherana.  89 

es  bei  Luther  dahin  zu  bringen,  dafs  er  des  Kartenmalers 
wegen  nicht  mehr  an  den  Herzog  schreibe.  Brück  kennt 
den  Herzog  und  weifs,  wie  er  sich  einer  Sache  anzunehmen 
pflegt.  Der  Kurfürst  erachtet  es  daher  für  gut,  dafs  Luther 
ein  Schreiben  an  den  Herzog  richte  ,,und  sich  darin  etUcher 
mafs  demütigen  thete",  indem  er  anzeigte,  dafs  er  bisher  in 
der  Sache  nicht  genügend  berichtet  worden  sei  und  bäte,  der 
Herzog  möge  ihm  ,,die  gethane  Schrift  gnädighch  zu  gut 
halten".  Eine  Abbitte  in  aller  Form  ist  es  also,  die  der  Kur- 
fürst seinem   Reformator  zumutet. 

Aus  dem  Schreiben  des  Kurfürsten  ist  das  Urteil,  das  er 
über  den  Herzog  fällt,  von  besonderem  Interesse.  Seit  Ranke 
auf  Freydigers  Bericht  fufsend  das  Bild  des  Menschen  Heinrich 
in  feinster  Kleinmalerei  entwarf,  hat  man  sich  gewöhnt,  mehr 
den  Herzog  zu  charakterisieren  und  damit  die  weniger  gün- 
stigen Eigenschaften  Heinrichs  stärker  zu  betonen.  Das  so 
entstandene  Charakterbild  sieht  ungünstiger  aus  als  das 
Rankesche.  Gewifs  ist  Heinrich  in  dieser  Zeit  —  man  ist 
eben  nicht  ungestraft  dreifsig  Jahre  lang  Beherrscher  von 
Freiberg  und  Wolkenstein  —  ein  in  kleinlichen  Händeln,  in 
ewigen  Sorgen  um  ein  kärghches  Auskommen  früh  verbrauchter 
Mann,  unlustig  zu  politischer  Arbeit;  nur  selten  findet  sich 
unter  seiner  Korrespondenz  sein  Namenszug.  Aber  man  würde 
fehlgehen,  wollte  man  den  Herzog  lediglich  als  ein  Werkzeug 
seiner  Umgebung,  vor  allem  der  energischen  Gemahlin,  an- 
sehen. Im  allgemeinen  läfst  sie  der  Herzog  wohl  schalten 
und  walten  und  gibt  nur  kurze  Anweisungen,  deren  Ausführung 
er  seinen  Vertrauten  überläfst.  Wo  er  aber  sich  einer  Sache 
annimmt  —  und  das  ist  in  dieser  Zeit  der  Fall,  wenn  er  wähnt, 
dafs  man  eines  seiner  wenigen  souveränen  Fürstenrechte  an- 
tastet — ,  dann  geschieht  es  mit  dem  ganzen  starrsinnigen  Eifer, 
der  seinem  Hause  damals  eigen  ist,  so  dafs  auch  Katharina 
an  ihrem  Einflüsse  verzweifelt. 

Schon  am  Abende  des  11.  Novembers  erhielt  Brück  in 
Wittenberg  das  Schreiben  des  Kurfürsten,  Da  er  gerade 
krank  lag,  fand  erst  am  Abende  des  darauffolgenden  Sonn- 
tags die  denkwürdige  Zusammenkunft  mit  Luther  statt,  der 
übrigens  schon  vor  dem  Eintreffen  des  kurfürstlichen  Briefes 
zu  Brück  gekommen  war  und  sich  über  die  Herzogin  Katha- 
rina und  ihr  Verhalten  bitter  beklagt  hatte.  Auf  Brücks  An- 
träge antwortete  Luther^),  er  sähe  wohl,  dafs  es  der  Kurfürst 
gnädig  und  wohl  mit  ihm  meine,    aber   „es   hätte   eine  ganz 


')  Anhang  Nr.  3. 


90 


Paul  Vetter: 


andere  Meinung-,  als  wie  es  die  Herzogin  zu  Freiberg  dem 
Kurfürsten  vorgebe".  Der  Prediger  habe  nach  ihrem  Ge- 
fallen schreiben  müssen.  Und  nvui  macht  sich  die  Stimmung 
des  schwer  gereizten  Mannes  gegen  Schenck  Luft,  den  er 
als  sein  Geschöpf  ansieht,  das  sich  gegen  ihn  zu  wenden  ge- 
wagt hat.  Er  erklärt,  ihn  von  Freiberg  wieder  abfordern  zu 
w^ollen,  denn  er  wüfste  die  Welt  nicht  zu  nehmen  und  des 
Ortes  Prediger  zu  sein,  da  ihm  solche  ,,Bifs"  ins  Maul  ge- 
legt werden  sollten.  Er  möchte  wohl  predigen,  —  und  man 
hörte  es  gerne,  —  dafs  Christus  unsere  Erlösung  wäre  ohne 
unsere  Werke  und  unser  Verdienst,  aber  die  Irrtümer,  die 
Sünde,  die  Laster  und  anderes  anzugreifen,  auch  kranke  Leute, 
die  des  Trostes  bedürften,  zu  besuchen  wäre  ihm  verboten. 
Nach  vielen  Anzeigungen  dieser  Art  schlofs  Luther  damit, 
er  wolle  den  Prediger  abfordern,  weil  er  ja  durch  sein  Zu- 
tun dahin  verordnet  wäre.  Wollte  Schenck  trotzdem  in  Frei- 
berg bleiben,  dann  möge  er  es  auf  sein  eigenes  Gewissen  hin 
tun.  Er  wolle  seines  Gewissens  halben  entschuldigt  sein. 
Denn  das  Evangelium  werde  zu  Freiberg  nicht  gemeint,  es 
liege  ein  anderes  dahinter.  Dafs  er  den  Kartenmaler  ,, ver- 
schrieben" habe,  dazu  hätte  er  ,,aus  der  Liebe"  Ursache  ge- 
habt, denn  der  Mann  erbiete  sich  zu  Verhör.  Brück  wurde 
darauf  gefragt,  ob  einem,  der  sich  zum  Verhör  erbiete,  dies 
verweigert  werden  könnte.  Der  Kanzler  erwiderte  vorsichtig: 
er  habe  ein  grofses  Bedenken.  Der  Herzog  sage,  der  Karten- 
maler habe  wider  seinen  Urfrieden  gehandelt.  Wollte  er  nun 
durchaus  Verhör  haben,  so  möchte  es  ihm  vielleicht  nicht  ge- 
weigert werden,  doch  unter  der  Bedingung,  dafs,  falls  er  sträflich 
befunden  werde,  er  der  Strafe  gewärtig  sein  müfste.  So  hielte 
es  der  Kurfürst  gegen  solche  Leute  auch.  Brück  unterliefs 
auch  nicht,  seine  Befürchtung  auszusprechen,  der  Kartenmaler 
betrüge  Luther  mit  glatten  und  guten  Worten,  und  forderte 
diesen  auf,  seinen  Schützling  zu  ihm  zu  schicken.  Dann  wolle 
er  bald  erfahren,  wie  es  um  den  Urfrieden  stehe  und  ob  ihm 
sein  Erbieten,  sich  verhören  zu  lassen,  nützlich  sei  oder  nicht. 
„Aber  derselbe  Kartenmaler,"  schreibt  Brück  dem  Kurfürsten, 
,,ist  bis  auf  heut  dato  um  8  Uhr  nicht  zu  mir  gekommen." 
Weiter  beklagte  sich  Luther  bitter,  dafs  ihm  der  Dechant 
und  der  Kanzler  zu  Freiberg  einen  solchen  groben  Brief  im 
Namen  des  Herzogs  geschrieben  hätten.  Er  wollte  sie  datür 
recht  bezahlt  haben;  doch  dem  Kurfürsten  zu  Gefallen  wolle 
er  Geduld  haben.  Dafs  er  sich  aber  zu  ihrer  Unbilligkeilt 
auch  noch  ,, demütigen"  sollte,  wüfste  er  nicht  zu  tun;  denn 
er  besorgte,  es  wäre  ein  ,, Geschäft"  aus  Dresden.     Er  hoffte. 


Lutherana. 


91 


der  Kurfürst  werde  es  ihm  nicht  in  Ungnade  verdenken,  denn 
sein  Herz  stünde  je  dahin,  dafs  er  auch  nicht  gern  unrecht 
tun  wollte.  Die  Zumutung,  auf  die  grobe  Antwort  des  Herzogs 
hin  noch  Abbitte  tun  zu  sollen,  scheint  den  stärksten  Unwillen 
des  Reformators  hervorgerufen  zu  haben,  und  es  mag  wohl 
von  seiner  Seite  aus  ziemlich  heftig  in  der  Unterredung  her- 
gegangen zu  sein;  denn  der  treue  Brück  meint  am  Schlüsse  seines 
Berichtes  an  den  Kurfürsten  entschuldigend:  ,,Er  het  ain  kleins 
Reuschlein,  wiewol  er  gleichwohl  nichts  vnschicklichs  redete." 

Schon  am  15.  November  erhielt  Brück  von  Eilenburg  aus 
die  Antwort  seines  Kurfürsten.  Der  Kanzler  erhielt  den  Auf- 
trag, bei  Luther  dahin  zu  wirken,  dafs  er  Schenck  nicht  von 
Freiberg  wieder  abfordere,  da  dem  Evangelium  nur  Hohn, 
Schimpf  und  Nachrede  daraus  erfolgen  würden.  Wenn  sich 
Schenck  in  seiner  Predigt  zurückhaltend  zeige,  so  sei  es  mehr 
sein  eigner  Wille,  als  dafs  er  das  Laster  nicht  strafen  dürfe. 
Falls  Luther  aber  meint,  dafs  das  göttliche  Wort  in  Freiberg 
nicht  allenthalben  seinen  Gang  und  Lauf  haben  möchte,  als 
es  doch  billig  geschehen  möchte,  so  wolle  er  Schenck  ver- 
warnen und  ermahnen,  sich  allenthalben  dem  göttlichen  Wort 
gemäfs  zu  halten  und  sich  durch  nichts  verhindern  noch  irren 
zu  lassen.  Der  Kurfürst  hofft,  Schenck  werde  sich  alsdann 
seinem  Amte  gemäfs  zu  halten  wissen.  Vor  allem  aber  soll 
seine  Abberufung  verhindert  werden.  Durch  sie  werde  man 
nur  Herzog  Georg  einen  grofsen  Gefallen  erweisen.  Auf 
eine  Abbitte  Luthers  verzichtete  der  Kurfürst  notgedrungen, 
er  begnügte  sich  mit  dem  Versprechen,  nichts  weiter  gegen 
Herzog  Heinrich  schreiben  zu  wollen. 

Damit  war  der  leidige  Streit  zu  gutem  Ende  gebracht. 
In  Freiberg  begnügte  man  sich  damit,  das  Eingreifen  Luthers 
mit  der  gebührenden  Grobheit  zurückgewiesen  zu  haben,  und 
Luther  fügte  sich,  grollend,  dafs  er  den  Gegnern  das  letzte 
Wort  hatte  lassen  müssen,  dem  Wunsche  seines  Kurfürsten. 
Die  Kosten  des  Streites  sollte  allein  der  ganz  unschuldige 
Schenck  zu  tragen  haben.  Wir  wissen  nicht,  ob  und  was 
Luther  ihm  in  dieser  Sache  geschrieben  hat.  Aber  es  be- 
steht seitdem  eine  Entfremdung  zwischen  den  beiden,  und 
der  Groll,  den  Schencks  vermeintliche  Parteinahme  gegen 
seinen  Lehrer  und  Meister  in  Luther  hervorgerufen  hatte, 
wucherte  im  stillen  weiter  und  sollte  sich  bald  in  der  Stellung 
Luthers  zu  dem  Streite  Schencks  mit  Melanchthon  und  Jonas 
zeigen.  Schenck  hatte  mehr  sein  wollen  als  Wittenbergs 
Sendbote  und  Werkzeug.  Die  Antwort  Wittenbergs  sollte 
darauf  nicht  ausbleiben. 


92 


Paul  Vetter: 


Anhang. 

I.    Copey  der  Kundtschafft.      1536,  Juli   7. 
(Kopie  im  Gemeinschaft!.  Ei  nestin.  Archiv  zu  Weimar.) 

Wier  Lorenz  Kastner,  Clement  Glaser,  Gregor  Heynemann, 
bürgere  zue  freyberg,  bekennen  vnd  thuen  kundt  hiemit  vor 
mennigklichen,  semptlichen  vnd  sonderlichen:  Nachdem  vnd  wier  von 
vnserm  gueten  freunden,  Matthes  Lotthern,  etzliche  artickel  be- 
langende in  schluesrehde  vnterricht  vnd  vns  (als  recht  sey)  von  ime 
angetzeigt,  darautf  ehr  dan  höchlich  begert  vnser  liekentnis  nach- 
mals ilim  zubehendigen,  welches  wier  dan  auch  (nach  gottes  befehl) 
zuthuen  schuldigk,  vnd  thuen  kundt  durch  kratft  dieser  schrieft,  das 
kein  ander  handekmg  geschehen,  dan  wie  vnd  wier  von  Matthes 
Lotthern  vornohmmen. 

Zum  ersten  das  man  vnrecht  thuet  vnd  ahne  notli  kegen 
Le3d"snigk  aber  vberlandt  nach  dem  sacrament  zutziehen,  so  mans 
dohevme  nicht  möchte  bekommen. 

Zum  andern,  das  Christen  nicht  getzieme  gottes  worth  zu  hören 
im  g<)tzenhaulse  vnter  dem  greuU  bebstlicher  mels. 

Zum  dritten  disputationweyfse  vns  gefraget,  ab  ehr  auch  macht 
habe,  sein  weyb  vnd  kindt  gottes  worth  zu  lehren.  Darauf  wir  ge- 
anthworth:  Ja,  auch  schuldig  zu  thuen.  Daruf  ehr  schlufs:  warumb 
er  avich  nicht  macht,  seinem  weyl^e  vnd  Idndt  das  sacrament  zu 
reichen,  so  doch  das  sacrament  durchs  worth  gemacht. 

Auf  solliche  handelunge  drev  obgemelte  artickel  mochten  wier 
ihme  zum  widerstandt  nicht  viel  spiiich  zuerhalten  fuerbringen. 
Daraufs  wier  einfeltige  leuth  jemmerlich  beschwerth  vnd  aufs  noth 
bewegt,  an  den  erwirdigen  hern,  vnsern  lieben  vather,  doctor  Martin 
Luther,  hirin  christlichen  vnterricht  frageweyfse  geschrieben.  Darauf 
vns  alsbaldt  (gott  lob)  von  doctor  Martin  Luther  christenlichen  vnter- 
richt zugeschrieben,  daruor  wier  gott  vnd  ime  dangkbar  sein.  Wie 
aber  nachmals  durch  gottes  schickunge  Matthes  Lotther  vor  vnsern 
Stadtrichter  vnfs  dreyen  wie  obgemelt  citirt  vnd  geladen  vnd  nach- 
mals ein  erbar  rath  semptlich  vnd  sonderlich  paith  kegen  parth  nach 
notdurft  verhöret,  datzumahl  alt  vnd  neu  rath  nichts  peinlichs  als 
strafwirdigs  zum  ernst  der  Sachen  befunden,  sondern  datzumahl  von 
beyden  theilen  handtgelübnys  aufgenommen,  bifs  man  vns  wider 
fordert,  vnd  hingelegt.  Indes  hat  sich  der  sathan,  der  ein  vorsprungk 
vnd  quell  ja  vather  aller  lügen,  durch  seine  glidmafs  ferner  (dan 
diese  handlunge  geschehen)  mit  seinem  böfsen  giftigen  geschmeyfs 
den  verfelschten  warhait  solchs  an  vnsern  g.  h.  hertzogk  Hainrichen 
zu  Sachssen  so  fu ergetragen :  Erstlichen  als  solte  genanther  Matthes 
Lotther  ein  widerteuffer  sein.  Zum  andern,  der  sein  gantzes  haufs 
das  sacrament  selbst  gereicht  solt  haben  vnd  ander  verbitterunge 
mehr,  das  es  zu  erbarmen.  Daruon  vns  dan  allen  (gott  weys  es) 
nichts  wislich  vnd  auch  ihnen  in  diesen  Sachen  nicht  vorn  erbarn 
rath  ja  mennigklich  geschuldiget,  daran  ime  vnrecht  geschiedt,  vnd 
wier  semptlich  gentzlich  gleuben,  solchs  von  ihme  nicht  ge- 
schehen, ja  auch  nymmer  mehr  von  yemandt  vberweyset  werde.  Ob 
sollicher  handelunge  der  dreyer  artickel,  besonder  vom  sacrament 
seim  weyb  vnd  kindt  zu  reichen  hat  sich  gemelter  Matthes  Lotther 
fuer  eym  erbarn  rathe  vernehmen  lasfsen,   also  das  ehrs  allein  dis- 


Lutherana.  ^3 

putationwe3'l"se  vns  fuerii;chal(len,  auch  eni.süich  al)er  grundthch  im 
hertzen  nicht  fuergenomnien,  wcille  es  auch  in  ewigkeit  nicht  fuer- 
nehraen.  Dil's  getzeuu;knis  vnd  kvmdtschaft  gelten  wier  diesem  man 
als  seyne  widerpart,  die  wir  ime  dan  auch  den  re^'nen  warheit  zu- 
geben schuldigk  vor  gott  sein,  das  es  dermafsen  gehandelt  vnd  wir 
auch  nicht  weyther  dan  wie  oben  bemelt  von  ime  bericht,  wie  vnd 
wirs  am  thode  wider  hell  vnd  teuffei  bekennen  wollen.  Difs  zum 
wahren  bekentnis  vor  mennigklich  haben  wir  solchs  mit  vnsenn  eygen 
pitzschier  wissentlich  vnterdrücken  thuen.  Geschehen  freitags  nach 
Marie  heimsuchung  als  man  schreybet  tausent  fünfhundert  vnd  im 
sechs  vnd  dreyssigsten  jare. 


2.   Herzogin  Katharina  von  Sachsen  an  den  Kurfürsten. 
Freiberg,   1536,  Nov.  6. 

(Eigenhänd.  Original  im  Gemeinschaft!.  Ernestin.  Arcliiv  zu  Weimar.) 

Hochgebarner  fuost,  frunleyger,  geleyder  her  vetter.  E.  1. 
wessen  anczweyffel,  we  gar  swende  d.  marteynus  meynem  leiben 
heren  vnde  gemall  des  kartenmalers ')  halben  geschreyben  habe,  das 
s.  1.  den  gros  zw  gemott  geyt  vnde  hart  darober  beweget  worden. 
Aus  dem  Ist  s.  1.  "vorsorsachget  Seych  weyderwm  meyt  wngney- 
dyger  antwart  zw  vorneymen  zw  lassen.  So  ober  weyderwm  schreyftt 
worde  von  d.  marteynes  wallen  vnde  mer  s.  1.  in  der  sachge 
anffuchten,  were  zw  besorgen,  das  nej-t  gvites  dar  aus  keyme  vnd 
h.  Jörgen  des  eyne  gros  flfroude  were,  So  der  duffel  das  zw  weyge 
brochte,  das  S.  1.  d.  martenes  vnde  den  Seynen  ffeygent  worde. 
Dem  vor  zw  kamen  habe  Ich  dochter  Jachop  vormach  e.  1.  das 
schreyfftleych  anczwczeygen.  Daraus  e.  1.  vorsteyn  wirf,  was  schaden 
vnde  nachdels  gothleyger  erre  vnde  Seynes  helleygen  wordes  daraus 
fleycz  moch.  Derhelben  Ist  meyn  fnmleyge  bette,  e.  1.  de  wellen 
de  Sachge  darben  reychten,  das  keyne  weyder  schreyftt  der  sachge 
halben  von  d.  martenus  kumt.  Das  habe  Ich  e.  1.,  alsze  zw  dem 
Ich  meych  aller  trwe  vorsey,  neyt  weyssen  zw  vorhalden  vnde  welle 
e.  1.  vnde  wns  allen  In  de  o;nade  gotes  beflalen  haben. 

Dat.  frevbarg,  an  mandag  nach  allerhelge  dag  In  36  iar. 

K.  h.  z.  s. 


3.    Aus  Brücks  Bericht  an  den  Kurfürsten. 
Wittenberg.     1536,  Nov.  13. 

(Kopie  im  Gemeinschaft!.  Ernestin.  Archiv  zu  Weimar.) 

Ich  habe  vfts  fugüchst  die  sachen,  douon  der  Freibergische 
Prediger  eur  churf.  g.  gesclirieben,  mit  ime  geredt,  ^\'ie  mir  e.  c.  f.  g. 
bepholen.  Als  hat  er  mir  diese  antwurt  gegeben,  das  er  e.  c.  f.  g. 
l^euell,  wde  ich  in  den  angezeigt,  nit  anders,  dan  das  es  e.  churf.  gn. 
genediglich  vnd  wo!  meinten,  vorstanden. 


')    Das  Wort    ist   nur    zur    Hälfte    überliefert.     Es    kann    auch 
Ivartenmachers  dagestanden  haben. 


QA  Paul  Vetter: 

Aber  es  het  viel  ain  andere  meynung,  dan  wie  es  die  herzogin 
zu  Freiberg  meinem  gnedigen  forsten  furgebe.  Der  prediger  hat 
nach  irer  gn.  gefallen  müssen  schreiben.  Er  were  bedacht,  gemelten 
prediger  wider  wegk  zu  fordern,  dan  er  wüst  nit  die  weit  zu  nemen 
vnd  des  orts  prediger  zu  sein,  do  ime  solche  bifs  infs  maul  sollen 
gelegt  werden.  Er  mocht  wol  predigen,  vnd  man  horte  es  gerne, 
das  Christus  vnser  erlosung  were  ane  vnser  werck  ader  vordinst, 
aber  ainche  irthumb,  sunde,  laster  ader  anderes  anzugreiffen,  auch 
krancke  leute,  die  ires  gewissen  trostes  bedurfften,  zubesuchen,  were 
ime  verpotten.  In  summa,  nach  vielen  anzaigungen  schlofs  er  dohin, 
er  wolte  den  prediger  abfordern,  dieweil  er  durch  sein  zuthun  vnd 
bereden  dohin  verordent.  Wolt  er  aber  darüber  do  pleiben,  das 
mocht  er  vf  sein  selbst  gewissen  thun.  Er  wolt  seiner  gewissen 
halben  entschuldiget  sein.  Dan  das  euangelium  wurde  zu  Freiberg 
nit  gemaint,  es  lege  ain  andres  dorhinter.  Das  er  den  kartenmacher 
vorschrieben,  do  het  er  aus  der  liebe  vrsache  zu  gehabt,  dan  der 
man  erböte  sich  zuuerhore.  Er  wolt  von  mir  gerne  vorstehen,  do 
ainer  verhöre  leiden  konte,  ob  ime  die  geweigert  solt  werden. 

Ich  habe  gesagt,  es  het  ain  grofs  bedenken :  der  herzog  spreche, 
gemelter  kartenmacher  het  wider  sein  vrfrieden  gehandelt.  Wolt  er 
nu  je  verhöre  haben,  so  mocht  sie  ime  villeicht  nit  gewegert  werden, 
dergestalt,  so  er  strefflich  befunden,  derselben  gewertigk  zu  sein, 
wie  e.  c.  f.  g.  es  gegen  solchen  auch  liielten.  Ich  het  sorge,  der 
man  betrüge  ine  mit  glarten  vnd  guten  Worten;  er  solt  in  zu  mir 
komen  lassen,  so  wolt  ich  baldt  vorstehen,  wie  es  vmb  den  vrfriden 
gelegen,  vnd  ob  ime  sein  erbieten  zu  verhöre  wurde  dinstlich  sein 
ader  nit.  Aber  derselbe  karthenmacher  ist  bifs  vf  heut  dato  vmb 
acht  hör  auch  nit  zu  mir  komen. 

Doctor  Marthinus  hat  sich  darüber  beclagt,  wie  ime  der  dechannt 
zu  Freibergk  vnd  der  canzler  solchen  groben  brief  wider  geschrieben. 
Ich  vorstunde  aber,  in  des  herzogen  nhamen.  Er  wolt  sie  recht  be- 
zalt  haben,  aber  e.  c.  f.  g.  zugefallen  wolt  er  gedult  haben.  Das  er 
sich  aber  darüber  zu  irer  vnpilhgkait  nach  demutigen  solt,  woist  er 
nit  zuthun,  dan  er  besorgte,  es  were  ain  gescliiffte  von  Dresden, 
verhoffte  auch,  e.  c.  f.  g.  wairden  inen  in  vngnaden  darumb  nit  vor- 
denken; dan  sein  herz  stunde  je  dohin,  dos  er  auch  nit  gern  vnrecht 
thun  wolt.  Er  het  ain  kleins  reuschlein,  wiewol  er  gleichwol  nichs 
vnschicklichs  redet,  dan  vor  e.  c.  f.  g.  schreiben  was  er  auch  bei 
mir;  do  clagte  er  sehr  der  herzogin  furnhemens  halben.  —  — 
Datum  Wittenberg,  Montags  nach  Martini  1536. 


2.   Ein  neues  Ordinationsformular  aus  dem  Jahre  1538. 

In  seinem  Buche  ,, Luther  und  die  Ordination"  (2.  Aufl. 
1889)')  bezeichnete  G.  Rietschel  als  ältestes  Ordinations- 
formular der  lutherischen  Kirche  die  Ordinatio  ministrorum 
verbi,  die  er  1882  im  Archiv  der  Pfarrkirche  zu  Wittenberg 
gefunden   hatte.     Der    Einband    des    handschriftlichen    Doku- 


')  Vgl.    auch    Sehling,    Die    evangelischen    Kirchenordnungen 
des  16.  Jahrhunderts  I,  i,  24 ff.,  wo  die  weitere  Literatur  verzeichnet  ist. 


Liitherana. 


95 


ments  trägt  die  eingeprefste  Jahreszahl  1539').  Das  Schrift- 
stück selbst  weist  zahlreiche  Korrekturen  auf,  als  deren  Ur- 
heber sich  Bugenhagen  herausstellte.  Rietschel  nahm  an, 
dafs  das  Forjnular  von  Luther  selbst  herrühre  und  etwa  im 
Juli  1537  ^^^  ^'6  i"  diesem  Monate  eingeführte  Ordination 
verfafst  sei'-').  1894  veröffentlichte  Th,  Kolde  in  den  Theo- 
logischen Studien  und  Kritiken'^)  einen  Aufsatz  „Zur  Geschichte 
der  Ordination  und  der  Kirchenzucht",  in  dem  er  ein  Ordi- 
nationsformular  aus  dem  Jahre  1538  mitteilte,  das  er  in  den 
Ansbacher  Religionsakten  des  Nürnberger  Kreisarchivs  ge- 
funden hatte  und  das  Luther  und  Melanchthon'')  im  Sommer 
1538  den  beiden  Culmbachischen  Predigern  Johannes  Schnabel 
und  Leonhard  Eberhard  in  Wittenberg  als  das  dort  gebrauchte 
Ordinationsformular  mitgegreben  hatten.  Dieses  von  Kolde 
als  C  bezeichnete  Formular  unterscheidet  sich  nun  von  dem 
Rietschelschen  (R)  in  wichtigen  Punkten,  deren  Bedeutung 
an  dieser  Stelle  nicht  weiter  nachgegangen  werden  kann. 
Auf  Grund  der  Berichte  der  beiden  Prediger  läfst  sich  fest- 
stellen, dafs  C  im  Sommer  1538  in  Wittenberg  in  Geltung 
gewesen  sein  mufs.  Kolde  bezeichnete  es  als  die  älteste  bis- 
her  bekannt  gewordene  Form  des  Wittenberger  Ordinations- 
rituals'').  Dieser  Rang  wurde  C  indes  schon  im  nächsten 
Jahre  von  einem  Formular  streitig  gemacht,  das  Rietschel  in 
derselben  Zeitschrift^)  veröffentlichte  und  das  er  in  das  Jahr 
1537  zu  verlegen  suchte.  Entnommen  wurde  dies  neue  For- 
mular (I)  einem  Jenaer  Manuskriptenbande  (B2  7f.)'^)',  und 
Rietschel  glaubte  es  als  ,,die  älteste  Rezension  unter  den  bis- 
her bekannten  Fassungen  nachweisen  zu  können".  Aufser 
inneren  Gründen  glaubte  Rietschel  auch  den  Umstand  bei 
der  Datierung  von  I  verwerten  zu  dürfen,  dafs  das  Formular 
.sich  in  einem  Bande  befindet,  der  Nachschriften  von  Luthers 


')  Rietschel,  Luther  und  die  Ordination  S.  loft". 

2)  Rietschel  a.  a.  O.,  S.  6. 

3j  S.  21 7  ff. 

■*)  Nicht  nur  Melanchthon,  wie  Kolde  S.  218  annimmt.  Vgl. 
S.  222.  Dafs  die  lateinischen  Sätze  in  C,  welche  die  einzelnen  Or- 
dinationsakte  einleiten  bez.  beschreiben,  stilistisch  und  sonst  den 
Eindrvick  des  Hingeworfenen  machen  .sollen,  wie  Kolde  S.  236  an- 
nimmt, kann  ich  nicht  linden.  Mir  machen  C  und  noch  mehr  F  den 
Eindruck  wohl  erwogener  und  sorgfältig  ausgeführter  Schriftstücke. 

^)  Über  ihre  Entstehung  vgl.  S.  241. 

ß)  Theolog.  Studien  und  Kritiken  1895  S.  168 ff.:  Luthers  Ordi- 
nationsformular in  seiner  ursprünglichen  Gestalt. 

'1  .S.  179  wird  der  Band  als  B  24 f.  bezeichnet.  Vgl.  dazu  Theo- 
logische Studien  vmd  Kritiken  1894  S.  389. 


^6  Paul  Vetter: 

Predigten  avis  dem  Jahre  1536  enthält.  Auf  leergebliebenen 
Seiten  in  der  Mitte  und  am  Schlüsse  ist  I  von  Rörers  Hand 
niedergeschrieben.  Rietschel  meinte^),  dafs  die  Fassung  jeden- 
falls vor  dem  Juli  1537  entstanden  sein  müsse*  Für  R  nahm 
er  nunmehr  mit  Kolde  Bugenhagen  als  Verfasser  an  (vgl. 
S.  168  f.),  der  das  Formular  für  das  Wittenberger  Agenden- 
büchlein fertiggestellt  habe"').  Seinem  Urteile  hat  sich,  wenn 
auch  nicht  ohne  Bedenken,  Sehling  angeschlossen  und  in  seinem 
obengenannten  Werke  I  als  ältestes  Ordinationsformular  der 
lutherischen  Kirche  abgedruckt. 

Zu  den  drei  Formularen  R,  C  und  I  ist  im  Jahre  1905 
ein  viertes  (H)  hinzugekommen.  In  diesem  Jahre  veröffent- 
lichte in  der  Deutschen  Zeitschrift  für  Kirchenrecht  von  Fried- 
berg und  Sehling'^)  F.  Drews  einen  Aufsatz:  ,,Die  Ordination, 
Prüfung  und  Lehrverpfiichtung  der  Ordinanden  in  Wittenberg 
1535",  der  die  Umarbeitung  eines  Giefsener  Universitätspro- 
gramms vom  Jahre  1904  darstellt.  Im  Anhange*)  teilt  er  ein 
ihm  von  G.  Buchwald  überlassenes  Schriftstück  mit,  das  er 
als  ,,die  Nachschrift  einer  Ordinationsrede  Luthers  mit  fol- 
gendem Ordinationsformular"  bezeichnet.  Als  Verfasser  des 
in  einer  Handschrift  der  Hamburger  Stadtbibliothek  erhaltenen 
Aktenstücks  (H)  nimmt  er  Luther  an'"*),  als  Entstehungszeit 
das  Ende  des  Jahres  1535.  Nach  seiner  Meinung  ist  von  den 
bisher  bekannt  gewordenen  Ordinationsformular en  H  das 
älteste.  Seiner  Ansicht  über  die  Bewertung  von  H  ist  Hen- 
necker in  seiner  Schrift:  ,, Zur  Gestaltung  der  Ordination  mit 
besonderer  Rücksicht  auf  die  Entwickelung  innerhalb  der 
lutherischen  Kirche  Hannovers"  1906  (Forschungen  zur  Ge- 
schichte Niedersachsens  I,  i)  gefolgt*^'). 

Nun  befindet  sich  im  Freiberger  Stadtarchiv  in  den  Akten 
der  Spalatinschen  Visitation^)  aus  dem  Jahre  1538  ein  Ordi- 
nationsformular, das  in  die  erste  Hälfte  des  Jahres  1538  ver- 
legt werden  mufs  und  wohl  von  Spalatin  nach  Freiberg  mit- 
gebracht worden  ist,  wenn  man  nicht  annehmen  will,  dafs  es 
von  ihm  bereits  vorgefunden  wurde.    Dann  müfste  es  Schenck 


'-)  Die  Korrekturen  Bugenhagens  zu  R,  auf  die  sich  allein  diese 
Annahme  stützen  kann,  sprechen  eher  gegen  als  für  seine  Ver- 
fasserschaft. 

3)  S.  66 ff.  und  273  ff. 

*)  S.  291  ff. 

•^)  S.  298. 

^)  Vgl.  dazu  die  Rezension  von  Drews  in  der  Zeitschrift  des 
Historischen  Vereins  für  Niedersachsen  1907  S.  278ff. 

')  Vgl.  über  sie  Seidemann,  Jakob  Schenk  S.  36. 


Lutherana. 


97 


aus  Wittenberg  zugegangen  sein,  was  bei  seiner  damaligen 
Stellung  zu  den  dortigen  Reformatoren  wenig  wahrscheinlich 
ist,  wenn  sich  für  Schenck  freilich  auch  noch  andere  Bezugs- 
quellen denken  lassen. 

Überschrieben  ist  das  Schriftstück,  das  wir  F  nennen 
wollen,  mit  den  Worten:  Forma,  quomodo  ordinentur  Wittem- 
bergae  vocati  ad  ministerium  verbi  et  ecclesiae.  Gefolgt  ist 
es  von  einem  Formulare  für  den  Ordinationsschein  des  neu 
ordinierten  Geistlichen. 

Auf  den  ersten  Blick  zeigt  es  sich  nun,  dafs  die  Fassungen 
F  und  C  aufs  engste  mit  einander  verwandt  sind.  Die  Än- 
derungen, die  C  aufweist,  sind  kaum  solche  redaktioneller 
Art  zu  nennen;  sie  sind  Flüchtigkeitsfehler  oder  willkürliche 
Abweichungen  des  Abschreibers.  Von  Wichtigkeit  ist,  dafs 
hinter  dem  Worte  Amen  in  F  noch  4  Sätze  folgen,  die  den 
in  C  fehlenden  Schlufs  des  Formulars  enthalten.  Darnach 
würde  F  die  einzige  vollständige  Fassung  des  aus  dem  Jahre 
1538  bekannten  Ordinationsformulars  sein. 

Fraofen  wir  nun  nach  dem  Verhältnisse  der  fünf  ältesten 
Formulare  zu  einander,  so  ergibt  sich  zunächst,  dafs  FC  und 
R  eng  mit  einander  verbunden  sind,  dafs  sie  H  und  I  gegen- 
über eine  in  sich  geschlossene  Gruppe  bilden.  R  erscheint 
als  die  Fortbilduno-  der  Ordinationsformel  FC.  Neben  An- 
derungen  redaktioneller  Art  fällt  in  R  vor  allem  die  ver- 
änderte Fassung  des  dritten  und  vierten  Abschnittes  auf. 
Während  in  FC  der  dritte  Abschnitt  nur  kurz  in  lateinischer 
Sprache  die  vorzulesenden  Bibelstellen  angibt,  bringt  R  ihren 
vollen  deutschen  Text.  Im  vierten  Abschnitte  weisen  FC 
eine  weit  ausführlichere  Ordinationsrede  avif,  während  R  eine 
kürzere  Fassung  enthält,  die  fast  nur  den  zweiten  Teil  des 
Textes  in  FC  inhaltlich  wiedergibt.  Der  siebente  Abschnitt  in  R 
enthält  aufser  redaktionellen  Änderungen  die  Segnung  mit  dem 
Zeichen   des   Kreuzes   durch   den  Ordinator,    die  in  FC  fehlt. 

Während  so  FC  und  R  eine  in  sich  geschlossene  Gruppe 
bilden,  während  Entstehungszeit  und  Zweck  der  Formulare 
deuthch  ersichtlich  sind,  fehlen  dergleichen  Anhaltepunkte 
für  H  und  I.  Zunächst  ergibt  sich  aus  einer  Vergleichung 
der  beiden  Formulare,  dafs  sie,  wie  schon  Drews  richtig  be- 
tont hat,  eng  mit  einander  verwandt  sind.  Ihr  Hauptunter- 
schied besteht  darin,  dafs  in  H  vor  dem  Ordinationsformulare 
sich  ein  längerer  Abschnitt  befindet,  den  Drews  als  eine 
Ordinationsrede   Luthers    ansieht.     Drews   ist   der   Meinung^), 


^)  Deutsche  Zeitschrift  für  Kirchenrecht  1905  S.  296. 
Neues  Archiv  f.  S  G.  u  A.    XXIX.    i.  2.  7 


9 8  Paul  Vetter: 

in  H  die  Fixierung  einer  Ordinationshandlung  vor  sich  zu 
haben,  der  der  Nachschreiber  selbst  beigewohnt  habe.  Die 
später  auftretenden  Konjunktive  des  Formulars  sollen  durch 
einen  Abschreiber  hineingekommen  sein.  Jedenfalls  sei  aber 
H  ,, ursprünglich  die  Fixierung  einer  bestimmten  einzelnen 
Ordinationshandlung"  gewesen.  Dagegen  spricht  vor  allem 
das  Fehlen  einer  Bezugnahme  auf  die  Personen  der  (oder  des) 
Ordinanden.  Hätten  wir  in  H  die  Wiedergabe  einer  Ordi- 
nationshandlung Luthers  vor  uns,  so  müfsten  wir  über  die 
Personen  der  zu  Ordinierenden,  über  ihre  Vokation  und  der- 
gleichen mehr  nähere  Auskunft  erhalten,  wie  das  auch  in  der 
von  Drews  wiederholt  zitierten  Ordinationsrede  Luthers  vom 
20.  Oktober  1535  geschieht^).  Das  Fehlen  dieser  Bezug- 
nahme ist  allein  ein  vollgültiger  Beweis,  dafs  wir  es  mit  der 
Fixierung  einer  bestimmten  Ordinationshandlung  nicht  zu  tun 
haben.  Dazu  kommt,  dafs  der  Inhalt  der  vermeintlichen  Or- 
dinationsrede sich  weniger  an  die  Gemeinde,  als  vielmehr  an 
Geistliche  zu  richten  scheint,  denen  das  nachfolgende  Formular 
mitgeteilt  wird.  An  diese  vermeintliche  Rede,  aus  der  übrigens 
Luthers  Eigenart  schwerhch  zu  uns  sprechen  dürfte,  schliefst 
sich  nun  in  H  ein  genaues  Formular  der  Ordination  an,  in 
dem  offenbar  infolge  der  Flüchtigkeit  des  Abschreibers,  die 
sich  auch  an  anderen  Stellen  zeigt,  bald  Indikative,  bald  Kon- 
junktive gesetzt  sind.  Dafs  die  Schilderung  einer  bestimmten 
Ordinationshandlung  eine  wortgetreue  Wiedergabe  des 
Formulars  ergeben  sollte,  ist  nicht  glaublich.  Aus  dem  Ge- 
sagten ergibt  sich,  dafs  wir  in  H  wohl  eher  die  Weitergabe 
des  Wittenbergischen  Ordinationsformulars  an  Geistliche  einer 
evangelischen  Schwesterkirche  zu  sehen  haben,  als  die  Wieder- 
gabe einer  bestimmten  Ordinationshandlung  Luthers. 

Vergleichen  wir  nun  H  und  I  weiter  mit  einander,  so 
vermissen  wir  in  H  die  Nachricht  von  der  stattgfefundenen 
Prüfung  des  Ordinanden -j;  nur  von  der  Anordnung  dieser 
Prüfung  durch  den  Kurfürsten  ist  die  Rede.  Dafs  sich  die 
Ordination  an  den  Gottesdienst  der  Gemeinde  anschliefst, 
geht  weder  aus  H  noch  aus  I  hervor.  Mit  Recht  hat  Drews 
darauf  hingewiesen,  dafs  das  commendatur  am  Anfang  von 
H  durch  die  folgenden  Worte  in  jeder  Weise  gedeckt  ist, 
während  das  commendetur  in  I,  wenn  es  auch  nicht  gerade 
sinnlos  ist,  doch  für  den  Anfang  nicht  recht  passend  erscheint. 


*)  V^l.  über  sie  auch:   Theoloedsche  Studien  und  Kritiken  1896 
S.  151  ff. 

'•')  Auch  dieser  Umstand  spricht  gegen  Drews'  Ansicht. 


Lutherana. 


99 


In  den  folgenden  ersten  drei  Teilen  stimmen  H  und  I  in  der 
Hauptsache  mit  einander  überein;  die  vorhandenen  Differenzen 
dürfen  der  Nachlässigkeit  der  Abschreiber  zur  Last  gelegt 
werden.  Der  Weg^fall  des  ersten  Satzes  von  vier  in  H  da- 
gegen,  .sowie  das  Fehlen  der  Ansprache  an  die  Ordinanden^ 
die  sich  am  Schlüsse  von  vier  in  I  findet,  dürfte  eher  auf 
eine  bewufste  Änderung  als  auf  eine  Nachlässigkeit  des 
Abschreibers  von  H  zurückzuführen  sein.  In  fünf  stimmen 
beide  Formulare  bis  zum  Schlüsse  ziemlich  genau  überein. 
H  ist  hier  etwas  kürzer  als  I  und  nimmt  mehr  auf  den  Fall 
Rücksicht,  dafs  die  Ordinierten  in  fremde  Gemeinden  be- 
rufen sind. 

Überblicken  wir  das  Gesagte,  so  stellt  es  sich  als  höch.st 
wahrscheinlich   heraus,    dafs   H   und    I  Abschriften   einer   ge- 
meinsamen Vorlage  sind,    und   dafs   bald   der   eine,   bald   der 
andere   Abschreiber   sich   Flüchtigkeiten   oder   Abweichungen 
zu  Schulden  kommen  liefs.     Die  Weglassung  des  einleitenden 
Abschnittes   der   vermeintlichen  Ordinationsrede  Luthers  in  I 
erklärt  sich  einfach  daraus,  dafs  es  dem  Abschreiber  nur  auf 
das    Ordinationsformular   ankam.     Dafs   beiden   Abschreibern, 
wie   das  Drews  wenigstens   für   den  von  H  vermutet'),   noch 
ein   anderes  Ordinationsformular   vorgelegen   haben   kann,    ist 
durchaus  nicht  unwahrscheinlich.     Die  Frage,  in  welcher  Zeit 
die    gemeinsame  Vorlage   für   H   und   I    entstanden    ist,    läfst 
sich   nicht   leicht    entscheiden.      Drews    setzt    H   gegen   Ende 
des  Jahres  1535   an  und  bezieht  sich  dabei  auf  Rörers  Nach- 
schrift   der    bereits   erwähnten   Ordinationsrede   Luthers   vom 
20.   Oktober  1535.     Er  übersieht  aber   dabei,   dafs   in  dieser 
Zeit    von    einer    eigentlichen    Ordinationshandlung    noch    gar 
nicht  die  Rede  ist.     Luther  ruft  in  seiner  Rede,  nachdem  er 
unter    Berufung    auf   die    kurfürstliche   Verordnung    eine    Er- 
klärung  für   sein  Vorhaben   gegeben  hat,    die   Gemeinde   nur 
zum  Zeugen  an,  dafs  der  Geistliche  ordiniert  ist,  d.  h.  dafs  er 
nach  vorausgegangener  Prüfung  von  Luther   als   tauglich   für 
sein  Amt   befunden   ist.     Von   einer   besonderen   Ordinations- 
handlung ist  noch   nicht   die   Rede.     In   H   sowohl  wie   in   I 
finden  wir  aber  ein  vollständiges,  bis  ins  kleinste  ausgearbeitetes 
Zeremoniell    der    Ordinationshandlung.      Darnach    mufs    ihre 
Vorlage  viel  später  als   1535  angesetzt  werden.     Es  wird  im 
weiteren  Verlaufe  der  Untersuchung  die  Frage  zu  entscheiden 
sein,   ob   die  Vorlage   für  H  und  I  vor   oder   nach  FC  ange- 
setzt  werden    mufs.      Über    ihren   Verfasser    läfst  sich   nichts 


')  Deutsche  Zeitschrift  für  Kirchenrecht  1905  S.  296. 

7* 


loo  Paul  Vetter: 

Sicheres  ermitteln.  Von  Luther^),  an  den  zunächst  zu  denken 
wäre,  wird  man  wohl  absehen  müssen.  Die  Einleitungsrede 
zu  H  enthält  wohl  gut  lutherische  Doktrin,  zeigt  aber  nichts 
von  Luthers  eigenartiger  Diktion.  Der  Zweck  der  Vorlage 
wird  wohl  der  gewesen  sein,  Geistlichen  einer  anderen 
Landeskirche  das  in  Wittenberg  entstandene  Ordinations- 
formular  mitzuteilen'^). 

Es  handelt  sich  nun  um  die  Beantwortung  der  Frage 
nach  dem  zeitlichen  Verhältnisse  der  Fassung  F  und  der 
Vorlage  von  H  und  L  C  kann  bei  dieser  Untersuchung  ausge- 
schaltet werden,  da  es  nur  ein  unvollständiges  Exemplar  der 
Fassung  F  ist.  Während  sich  bei  F  sicher  nachweisen  läfst, 
dafs  es  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  1538  in  Wittenberg 
vorhanden  war,  fehlt  für  H,  I  und  ihre  Vorlage  eine  solche 
genaue  Zeitangabe.  Während  wir  in  F  ein  offizielles,  von 
Wittenberg  an  einen  andern  Ort  weitergegebenes  Formular 
vor  uns  haben,  können  H  vmd  I  eine  solche  Autorität  nicht 
beanspruchen;  sie  sind  mehr  oder  minder  fehlerhafte  Ab- 
schriften eines  verloren  gegangenen  Formulars,  dessen  Zweck 
nicht  genau  feststeht,  das  aber  wohl  ebenfalls  von  Wittenberg 
aus  an  eine  andere  protestantische  Landeskirche  gerichtet 
gewesen  sein  wird.  Vergleichen  wir  die  Formulare  mitein- 
ander, so  fällt  bei  H  und  I  im  Einleitungsgebet  gegenüber 
der  markigen  Kürze  in  F  eine  geschwätzige  Breite  auf,  die 
nicht  gerade  wie  echt  lutherisches  Gut  anmutet.  Am  stärksten 
weichen  die  Formulare  im  dritten  und  vierten  Abschnitt  von 
einander  ab.  In  drei  und  im  Anfange  von  vier  bringt  I  einen 
gröfseren  Abschnitt,  der  im  Anschlüsse  an  eine  Stelle  des 
vierten  Kapitels  des  ersten  Timotheusbriefes  eine  Ansprache 
an  die  Ordinanden  enthält,  und  nach  dem  die  beiden  dann 
angeführten,  vorzulesenden  Bibelstellen  herzlich  überflüssig 
erscheinen.  Am  Schlüsse  von  4  wird  das  Fragment  einer 
zweiten  Ordinationsrede  gebracht,  das  nach  dem  Voraus- 
gegangenen als  vollständig  überflüssig  bezeichnet  werden 
mufs.  Der  Abschreiber  von  H  hat  es  deshalb  ganz  fortge- 
lassen, wie  er  auch  den  ersten  Satz  von  4  beseitigt  hat. 
Diese  Streichungen  weisen  darauf  hin,  dafs  I  an  dieser  Stelle 
die  gemeinsame  Vorlage  genauer  wiedergibt  als  H.  Eine 
Priorität  von  H  aus  dem  Fehlen  dieser  beiden  Stellen  abzu- 


')  Eher  könnte  man  an  Rörer  denken,  der  1538  und  1539  Luther 
einige  Male  bei  der  Ordination  vertreten  durfte. 

■■^)  Haben  wir  in  ihr  etwa  das  Formular  zu  sehen,  dessen  sich 
Rörer  bei  seinen  Ordinationen  1539  bediente? 


Lutherana.  i  o  i 

leiten,  ist  jedenfalls  nicht  angängig.  Durch  diese  Änderungen 
in  H  ist  der  Ordinationsrede  zwar  manche  Weitschweifigkeit 
genommen,  bestehen  aber  bleibt  auch  jetzt  noch  die  Über- 
flüssigkeit der  dann  zitierten  Bibelstellen.  Wichtig  ist  nun, 
dafs  die  zweite  Ordinationsrede  am  Schlüsse  von  4  in  I  in- 
haltlich den  zweiten  Teil  der  Ordinationsrede  in  F  wiedergibt. 
Es  mufs  also  dem  Schreiber  von  I  diese  Fassung  des 
Formulars  F  vorgelegen  haben.  Streichen  wir  die  vor  der 
Timotheusstelle  1,3  in  I  eingeschobene  Partie,  so  haben  wir 
die  Fassung  des  vierten  Abschnittes  von  F,  ausgenommen 
den  ersten  Teil  der  hier  gegebenen  Ordinationsrede,  die  in 
Form  und  Inhalt  zweifellos  echt  lutherisch  ist.  Wenn  wir 
nun  erwägen,  dafs  dieser  erste  Teil  der  Ordinationsrede  von 
F  auch  in  R  weggelassen  ist,  dafs  man  in  Wittenberg  sich 
also  mit  einer  Änderung  und  Kürzung  dieser  Rede  befafst 
hat,  so  gewinnt  die  Ansicht  einige  WahrscheinUchkeit,  dafs 
die  Vorlage  von  H  und  I  wohl  in  die  Zeit  der  Abänderung 
dieser  Partie  des  offiziellen  Ordinationsformulars  zu  verlegen 
ist,  d.  h.  zwischen  F  und  R.  Dadurch  würde  sich  auch  der 
Umstand,  dafs  in  I  die  ganze  vor  der  Timotheusstelle  1,3 
eingeschobene  Ordinationsrede  wieder  gestrichen  ist,  viel  un- 
gezwungener erklären.  Damit  gab  der  Abschreiber  von  I 
seinem  Formular  später  die  Fassung,  auf  die  man  sich  in  R 
schUefslich  geeinigt  hatte.  Nach  dem  Gesagten  dürften  wir 
also  in  der  Vorlage  von  H  und  I  es  mit  einem  Formulare, 
vielleicht  auch  nur  mit  dem  Entwürfe  eines  solchen  zu  tun 
haben,  das  etwa  ans  Ende  des  Jahres  1538  oder  in  den  An- 
fang des  Jahres   1539  zu  setzen  wäre. 

Wie  dem  auch  sein  mag,  für  das  Formular  F  bleibt 
jedenfalls  die  Tatsache  bestehen,  dafs  es  das  älteste 
bisher  bekannte,  vollständige  und  genau  datierbare  Ordi- 
nationsformular  der  lutherischen  Kirche  ist.  Als  seinen  Ver- 
fasser dürfen  wir  Luther  ansehen.  Sein  Zweck  aber  war,  das 
geht  auch  aus  der  Fassung  des  mit  ihm  verbundenen  Ordi- 
nationsscheins  deutlich  hervor,  dem  Freiberger  Superinten- 
denten als  Ordinationsformular  bei  der  Ordination  der  für 
das  Land  Herzog  Heinrichs  nötig  werdenden  Geistlichkeit 
zu  dienen. 

Forma,  quomodo  ordinentur  Wittembergae  vocati  ad 
ministerium  verbi  et  Ecclesiae.     1538. 

Exarainatione  facta,  vel  hoc  vel  precedenti  die,  si  idonei  fuerint, 
oretur  in  contione  pro  eis  et  pro  vniverso  ministerio  ab  Ecclesia, 
etenim  ut  Deus  in  messem  suam  operarios  mittere  dignetur,  et  eos 
pures   et  constantes  servet  in  doctrina  sana  contra  portas  inferorum. 


I02  Paul  Vetter: 

Post  flexis  genibus  coram  altari  cum  ordinatore  et  ministris  seu 
presbvteris  Ecciesiae,  ordinandis  in  medio  ipsorum  locatis  iuxta 
ordinatorem,  cantet  chorus:  Veni  Sancte  Spiritus,  vers.  Cor  mundum 
crea  in  me  Dens.  R.  Et  spiritum  rectum  innova  in  visceribus  meis 
CoUecta  de  spiritu  sancto  solita. 

His  finitis  ordinator  ascendat  gradum  et  verso  ad  ordinandos 
vultu  stans  recitet  cap  3.  Timo.  i  iidelis  sermo,  cpii  episcopatum  etc. 
vsque  in  finem  paragraphi  i  sei.  in  laqueum  diaboli  vel  totum  caput, 
quot  paragraphos  habuerit.  His  addatur  illud  Acte.  20  ex  paragrapho  6: 
Attendite  vobis  etc.  vsque  ad  finem  pai'agraphi  cum  lachrymis.  Tunc 
ad  ordinandos  loquatur  in  lianc  vel  similem  sententiam  (vel  si  libet, 
totum  hoc  potest  omitti,  quia  satis  ex  predictis  sunt  admoniti,  ne  fiat 
traditio  in  infinitum  postea  augenda):  Erstlich  so  höret  ir  hie,  das 
euch  der  heihge  geist  berutft  vnd  setzet  zu  Bischolfen  in  seine  herd 
oder  kirchen;  darumb  sollt  ir  glauben  vnd  gewifs  sein,  das  ir  von 
Gott  selber  beruften  werdet,  weil  euch  die  kirche,  so  euch  herge- 
sandt, vnd  weltliche  Obrickeit  beruffen  vnd  begert  hat.  Dann  was 
die  Kirche  vnd  Obrickeit  liirin  thut,  das  thut  Gott  durch  sie,  dormit 
ir  nicht  eingedrungene  geachtet  werdet. 

Zum  andern  höret  ir  hie  beide,  wie  ir  für  eur  person  leben 
sollet  vnd  was  euch  in  der  kirchen  zuthun  ist:  Nemlich  das  ir  sie 
sollt  weiden  vnd  bedencken,  das  euch  nicht  gense  oder  schwein  zu 
hüten  beuolen  werden,  sondern  die  herde  Gottes,  die  er  mit  seinem 
blut  erworben  hat,  zu  weiden  mit  dem  reinen  wort  Gottes  vnd  zu 
wachen,  das  nicht  rotten  oder  weifte  vnder  dem  armen  heuftlein  ein- 
reissen.  Darumb  nennet  er  solch  Bischoffampt  ein  kostlich  werck  vnd 
lobet  die,  so  des  begeren. 

Seit  ir  nu  wilhg  vnd  bereit  solch  ampt  anzunemen  vnd  treulich 
zu  vben,  so  wollen  wir  aus  beuelh  der  1-drchen  durch  vnser  ampt 
euch  ordiniren  vnd  bestetigen,  wie  S.  Paul  zum  Tito  vnd  Timotheo 
gebeut,  das  wir  sollen  in  den  steten  priester  setzen  vnd  das  wort 
beuelhen  denen,  so  tüchtig  sind  au.ch  andere  zu  leren. 

Respondeant:  volumus. 

Tunc  impositis  manibus  presb^^terorum  super  capita  eorum  dicat 
ordinator  voce  clara  Orationem  dominicam  super  eos,  et  si  Ubuerit 
vel  per  tempus  licuerit,  addatur  haec  oratio,  quae  tres  tantum  partes 
orationis  dominicae  longius  explicat:  Barmhertziger  Gott,  himlischer 
vater!  Du  hast  durch  den  mund  deines  lieben  sons,  vnsers  hern 
Jesu  Christi,  zu  vns  gesagt:  Die  erndte  ist  gros  vnd  wenig  sind  der 
arbeiter.  Bittet  den  hern  der  emdten,  das  er  arbeiter  in  seine  erndte 
sende.  Auf  solchen  deinen  gütlichen  beuelh  bitten  wir  von  hertzen, 
wollest  dise  deine  beruft'ene  diener  sampt  vns  vnd  allen  kirchen- 
dienern  deinen  heiligen  geist  reichlich  geben,  vns  alle  segenen  vnd 
stercken,  das  wir  mit  grossen  scharen  deine  Euangelisten  sein,  trew 
vnd  fest  bleiben  wider  den  teuftel,  weldt  vnd  fleisch,  damit  dein 
name  geheiliget,   dein   reich  gemehret,   dein  wille  volbracht  werde. 

Wollest  auch  dem  leidigen  krewel  des  Babsts  vnd  Mahomet 
vnd  andern  secten  ,  so  deinen  namen  lestern,  dein  reich  zusteren, 
deinen  willen  verdammen  vnd  verfluchen  endlich  steuren  vnd  einmal 
ein  end  machen.  Solch  vnser  arm  gebet  wollest  gnediglich  erhören 
vnd  thvni,  we  wir  trauen  vnd  glauben  durch  deinen  lieben  söhn, 
vnsern  hern  Jesu  Christ,  der  mit  dir  vnd  dem  heiligen  geist  lebet 
vnd  regirt  ewiglich.     Amen. 

Legatur  locus  i  petri  5 :  So  gehet  nu  liin  vnd  weidet  die  herde 
Christi  etc.  end,  krön  der  ehren  entphahen. 


Lutherana. 


103 


Tunc  abeant  vnusquisqe  in  locum  suum.  Ordinati  autem  primi 
cum  ecclesia  nostra  communicent. 

Si  placet,  canitur:  Nu  bitten  wir  den  heiligen  geist.  Tunc 
procedat  mox  officium  niissae. 

Damach  gibt  der  Superattendent  dem,  so  ordinirt,  ein  besigelt 
bekentnus  solcher  ergangen  Ordination  vnder  seinem  petschafft  mit 
verzeichung  seines  vnd  der  andern  prediger  vnd  priester,  so  darbey 
gewest,   namen. 

Bekentnusschrifft  der  christlichen  weyhe. 

Allen  vnd  jeden,  so  disen  offen  brief  sehen,  hören  vnd  lesen, 
vnd  sonderlich  euch  N.  N.  N.  thu  ich  N.  N.,  zu  N.  Superattendent, 
neben  erwunschung  Gottes  gnad  vnd  fridsfreuntlicher  meinung  zu 
wissen,  das,  nachdem  ir  den  wirdigen  N.  N.,  mit  gnedigem  vorwissen, 
willen  vnd  zuthun  fürstlicher  Obrickeit  durch  euch  ordentlich  be- 
ruffen,  mir  zugeschickt  mit  vleissiger  bitt,  ihn  vermöge  meines  ent- 
pfangen  beuelhs  ihn  zu  ordiniren  vnd  zu  Verkündigung  Gottes  worts, 
auch  zu  reichung  der  gotlichen  sacrament  zu  bestetigen,  das  ich 
ilarauf  gedachten  N.  N.  der  christlichen  lere  halben  notturftiglich 
verhört,  examinirt  vnd  zu  solchem  ampt  geschickt  vnd  genugsam 
befunden.  Ist  auch  folgendt  durch  mich  als  Superattendenten  sampt 
andern  priestern  dartzu  gehörig  christlicher  vnd  gewonlicher  weise 
auf  dem  Sontag  N.  dises  iars  ordinirt  vnd  bestetigt,  welchs  ich  euch 
crafft  diser  meiner  schrifft  liiemit  will  angezeigt  haben,  freuntlich 
bittend,  solchs  eurm  Amptman  auch  antzuzeigen  vnd  denselbeo 
ordinirten  vnd  bestetigten  zu  der  pfar,  predigampt,  diaconat  etc. 
kommen  lassen,  ihn  auch  den  leuten  angeben  mit  beuelh,  das  sie  ihn 
für  iren  pfarrer  annemen,  erkennen  vnd  halden,  im  auch  dasjenige, 
so  sie  zu  geben  verpliicht,  willig  vnd  vnuermindert  zu  reichen,  wie 
ir  sampt  dem  Amptman  zu  thun  wol  werdet  wissen.  Daran  geschidt 
sonder  zweiffel  des  durchlauchtigen  hochgebornen  Fürsten  und  hern, 
Hern  Hern  (sie!)  Heinrichen,  herzogen  zu  Sachssen  etc.,  zu  gefallen. 
So  bin  ichs  vber  gotlich  belonung  freuntlich  zuuerdinen  willig.    Dat. 


IV. 

Sächsische  Musikantenartikel  (1653). 


Von 
Rudolf  Wustmann. 


Kine  grofse  Musikwelle  war  etwa  zwischen  1590  und 
1630  über  Mitteldeutschland  hingegangen;  ihr  folgten  einige 
Jahrzehnte  der  Ernüchterung,  teils  wegen  der  anhaltenden 
Kriegszeit,  teils  als  unwillkürliche  Reaktion  gegen  den  vor- 
herigen Überschwang.  Um  1650  bereitete  sich  ein  neues 
Emporgehen  vor:  Collegia  musica  wurden  eingerichtet,  und 
zwischen  1645  und  1658  erneuerten  allein  22  kursächsische 
Kantoreien,  die  zum  Teil  brach  gelegen  hatten,  ihre  Tätig- 
keit und  ihre  Statuten'). 

Damals  gründeten  auch  etwas  mehr  als  100  (Rats-)Musi- 
kanten  in  40  Städten  des  ober-  und  des  niedersächsischen 
Kreises  —  von  Dresden  bis  Ouedlinburg  und  von  Berlin  bis 
Annaberg  —  einen  interlokalen  Verband,  „das  instrumental- 
musikalische CoUegium  in  dem  Ober-  und  Niedersächsischen 
Kreis",  und  einigten  sich  dabei  auf  25  Artikel;  Kaiser  Fer- 
dinand III.  bestätigte  ihnen  diese  am  15.  Dezember  1653. 
Artikel  und  Confirmation  werden  mit  Auslassung  einiger 
Curialien  [..,]  im  folgenden  wiedergegeben  nach  einem  Drucke 
(16  Quartseiten)  der  Leipziger  Stadtbibliothek.  In  einer  ge- 
nauen Abschritt  haben  sich  die  Artikel  dann  auch  im  Kgl.  Sachs. 
Hauptstaatsarchiv  in  dem  dritten  Buch  Oberlausitzer  Landes- 
und Polizeisachen  (1663  ff.)  gefunden  am  Schlüsse  einer  Gruppe 
von  Aktenstücken,    die    von   einem   Streit    des  Bautzner  und 


^)  Vgl.  Rauten  Strauch,  Luther  und  die  Pflege  der  kirchlichen 
Musik  in  Sachsen  S.  241!". 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  105 

des  Zittauer  Stadtpfeifers  zu  Ende  des  Jahres  1667  handeln 
und  über  Entstehung  und  Wirkung  der  Artikel  manches  will- 
kommene Licht  geben').  Unserm  Abdruck-)  schicken  wir  fol- 
gendes voraus  über  die  Stellung  der  sächsischen  Artikel  inner- 
halb verwandter  Erzeugnisse,  über  ihre  Entstehung  und  Wir- 
kung (nach  den  angeführten  Akten)  und  über  ihre  Dispo- 
sition und  ihren  Inhalt. 

Wir  haben  in  der  deutschen  Geschichte  in  den  Jahr- 
hunderten etwa  von  1350  bis  1750  drei  oder  vier  Arten  von 
Musikerstatuten  zu  unterscheiden.  Die  einen  beziehen  sich 
nur  auf  Ortsverbände  (in  katholischer  Zeit  meist  Bruder- 
schaften) wie  die  ältesten  überhaupt  bezeugten,  die  der  Wiener 
Nicolaibruderschaft  oder  die  der  Strafsburger  Stadtpfeifer- 
zunft, der  sogenannten  Bruderschaft  der  Cronen  zu  unserer  lieben 
Frau.  Die  anderen  sind  die  kaiserlichen  Privilegien  für  die 
,,Hof-  und  Feldtrompeter,  auch  Hof-  und  Heerpauker  des 
deutschen  Reichs",  deren  Patron  als  Reichserzmarschall  der 
Kurfürst  von  Sachsen  war  und  denen  im  17.  Jahrhundert  1623 
Ferdinand  II.  und  später  auch  Ferdinand  III,  ihre  Ordnungen 
erneuerten.  Drittens  gab  es  Zusammenfassungen  von  Musikern 
mittlerer  Gebiete,  so  am  Ende  des  14.  Jahrhunderts  für  das 
Mainzer  Erzbistum  oder  vom  15.  bis  18.  Jahrhundert  für  die 
elsässische  Pfeiferschaft.  Als  vierte  Gruppe  kann  man  dazu 
alle  die  örtlichen  Genossenschaften  zählen,  deren  Mitglieder 
in  der  Hauptsache  nicht  Berufsmusiker  waren,  sich  aber  in 
erster  Linie  zu  musikalischen  Zwecken  zusammengeschlossen 
hatten,  die  Bruderschaften  des  späteren  Mittelalters  zur  Pflege 
des  Kirchengesanges,  die  Cantoreigesellschaften  der  Refor- 
mationszeit und  die  neuen  Collegia  musica  des  17.  Jahrhunderts; 
dahin  gehören  auch  die  Artikel  der  musikalischen  Gilde  in 
Friedland  in  Mecklenburg").  Die  hier  vorzulegenden  sächsischen 
Artikel  würden  der  dritten  Gruppe  zuzuzählen  sein.  Über 
Anlafs  und  Art  ihrer  Entstehung  teilt  der  Bautzner  Stadt- 
musikant Nicolaus  Leuterding,  der  im  Dreifsigjährigen  Krieg 
viel  ausgestanden  hatte,  als  alter,  kranker  Mann  am  16.  No- 
vember 1667   dem  Bautzner  Rat  mit: 

„Es  hat  vor  ezlichen  iahren  den  Stadtpfeiffer  zu  Kall:)a,  nahmens 
Samuel  Salbach,  ein  Schneider  auf  einem  Convivio  mit  sj;roben  ehren- 


')  Für  die  Erlaubnis  zur  Veröffentlichuno;  des  Materiales  sei  auch 
hier  beiden  Verwaltungen  geziemend  gedankt. 

'-)  Derjenige  bei  Spitta,  Bach  I,  142  nach  einem  Mühlhäuser 
Exemplar  enthält  eine  Anzahl  retuschierender  Modernisierungen  und 
ist  nicht  ganz  vollständig. 

^)  Vgl.  Sammelbände  der  Internationalen  Musikgesellschaft  L 
142  und  Rautenstrauch  a.  a.  O.  S.  127. 


I  o6  Rudolf  Wustmann : 

rührigen  Worten  angegriffen,  und  durch  solche  auisgegolsene  injurien 
per  obliquura  fast  alle  unsere  der  Musicalischen  Kunst  zugethane 
ziemlich  beschimpffet.  Gleichwie  nun  selbiger  Injuriant  von  des 
Orthes  Stadt  Obrigkeit  zur  gnüge  abgestratfet  worden,  also  hat 
Injuriat  solchen  Handel  an  die  Stadtpfeiffer  andrer  Städte,  insonder- 
heit nach  Defsau,  Martin  Frenfsdorffen,  berichtet,  der  dann  hierüber 
den  Land  Syndicum  im  Anhaltischen  Fürstenthum  consuliret.  Welcher 
ihme  und  andern  Musicis  diesen  Rath  gegeben:  Sie  solten  collegia- 
liter  ezliche  Articul  und  Puncte,  so  dem  Musicalischen  Collegio  ver- 
träglich seyn  würden,  veriafsen  und  projectiren  lafsen,  und  Ijey 
Rom.  Keyserl.  Majestät  umb  deroselben  allergnädigste  Continnation 
allerunterthänigst  suchen.  Weil  nun  selbiger  Land-Syndicus  in  Landes 
Sachen  damahls  nacher  Regenspurgk  auf  den  Reichstag  verschicket 
worden,  hat  er  die  allergnädigste  Keyserl.  Conlirmation  zu  wege 
gebracht.  Alfs  hierauffer  solche  Conlirmation  hat  am  Keys.  Hofe 
ausgelöset  werden  sollen,  haben  Imploranten  und  Impetranten  ein 
Schreiben  in  die  umbliegende  Länder  an  die  Stadtpfeiffer  und  also 
auch  hieher  in  das  Marggraftum  Ober  Lausitz,  nebst  einem  berichte, 
aufs  was  motiven  das  Keyserl.  Privilegium  extrahiret  worden,  ab- 
geschicket,  und,  wie  billich,  begehret,  dafs  dieienigen  Stadt  Musici, 
so  sich  zu  sothanigen  allergnädigsten  Privilegio  bekennen  und 
defselben  geniefsen  wolten,  ihren  gebührenden  Beitrag"  und  ratam  zu 
denen  hohen  Unkosten  abgeben  und  einschicken  solten." 

Es  trugen  damals  von  nicht  unterzeichneten  Musikern  bei 
Nicolaus  Leuterding  für  sich  und  seine  Gesellschaft  9  Thlr. 
und  im  Namen  Johann  Krausens  in  Camentz  2  Thlr  ,  worüber 
23.  Juni  1654  Gregorius  Knabe,  Bürger  und  Musikus  in  Zittau, 
quittierte.  Wir  machen  gleich  hier  darauf  aufmerksam,  dafs 
die  Namen  Salbach  und  Frenfsdorff  unter  den  Artikeln  selbst 
stehen  und  dafs  der  Dresdener  Stadtmusikant  Johann  Leuter- 
ding, der  sie  mit  unterzeichnet  hat,  vielleicht  schon  der  Sohn 
des  Bautzners  war,  den  dieser  in  den  Akten  als  Inhaber  eines 
Druckexemplars  der  Artikel  erwähnt. 

Mit  Erfolg  berief  sich  auf  die  Artikel  zwischen  1661  und 
1667  der  Stadtpfeifer  Hans  Otter  in  Grimma  (angeführte  Akten) 
vor  dem  Leipziger  Schöppenstuhl  in  einer  Beschwerde  gegen 
seinen  bisherigen  Gesellen  Andreas  Jacob  Burgk,  der  ihm  in 
und  um  Grimma  Konkurrenz  machen  wollte;  der  Schöppen- 
stuhl erteilte  die  Belehrung:  ,,So  mag  auch  euerm  gewesenen 
Gesellen  Andreas  Jacob  Burgk  das  auffwarten  in  der  Stadt 
Grimma  ohne  eure  Vergünstigung  nicht  nachgelassen  werden, 
von  Rechts  wegen," 

Weniger  Glück  hatte  der  alte  Leuterding.  Mitte  No- 
vember 1667  sollte  eine  adelige  Hochzeit  in  Bautzen  gefeiert 
werden,  wozu  der  Zittauer  Stadtpfeifer  Florian  Ritter,  der 
Nachfolger  Knabes,  unter  Verächtlichmachung  seines  alten 
Bautzner  Kollegen  sich  angeboten  hatte  und  angenommen 
worden  war.    Die  Stadt  suchte  zuerst  für  ihren  tief  gekränkten 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  107 

und  beschwerdeführenden  Beamten  einzutreten,  der  adelige 
Hochzeitsveranstalter  aber,  der  kursächsische  Rat  und  ober- 
lausitzische  Landesälteste  von  Schönberg,  trug  die  Sache  dem 
Kurfürsten  vor,  indem  er  an  die  Stelle  der  ortsrechtlichen 
Frage  die  standesrechtliche  setzte,  und  der  Kurfürst  gab  dem 
adligen  Herrn  recht  gegen  den  Wortlaut  der  Artikel,  über 
deren  Zustandekommen  ohne  landesherrliche  Genehmigung 
er  sich  ungnädig  äufserte.  Die  Akten  darüber  laufen  vom 
24,  Oktober  bis   29.  Dezember   1667. 

Im  allgemeinen  möchte  über  die  Entstehung  der  Artikel 
noch  nachzutragen  sein,  dafs  es  wohl  als  natürlich  bezeichnet 
werden  darf,  dafs  sich  in  Kursachsen  und  den  angrenzenden 
Gebieten,  wo  damals  unter  dem  Walten  von  Heinrich  Schütz 
das  Herz  des  musikalischen  Lebens  von  Deutschland  war, 
die  von  Ratswegen  bestallten  Musiker  in  allerlei  Städten  zu 
einem  landschaftlichen  Verbände  zusammenschlössen.  Wir 
haben  ihre  Artikel  wohl  im  wesentlichen  als  eine  Neuschöpfung 
anzusehen,  sie  beruhen  schwerlich  auf  einer  älteren  Zusammen- 
fassung gleichen  Gebietsumfanges,  sonst  würden  sie  diese 
gewifs  der  Sitte  gemäfs  erwähnen.  Das  gleichzeitige  Wieder- 
aufleben der  sächsischen  Kantoreiverfassungen,  die  neuerlichen 
Bestätigungen  der  Trompeter-  und  Paukerzunft  mögen  dabei 
auch  anregend  mitgewirkt  haben;  jedenfalls  wufste  man  auch 
von  der  elsässischen  Genossenschaft,  deren  Artikel  in  der 
Gestalt  vom  16  März  1606  manche  Verwandtschaft  mit  den 
unsrigen  aufweisen.^)  Auch  im  Elsafs  handelt  es  sich  in  erster 
Linie  um  Sicherung  der  Berufsausübung  und  Ausschlufs  der 
Konkurrenz,  auch  dort  findet  sich  ein  Paragraph  wie:  ,, Keiner 
soll  an  die  Stelle  eines  früher  bestellten  Mitbruders  eintreten, 
ehe  demselben  der  bedungene  Lohn  durch  denjenigen,  der 
ihn  berufen,  ausgezahlet  worden,"  auch  dort  wird  die  Lehr- 
zeit festgesetzt  —  freilich  viel  kürzer  als  in  Sachsen:  auf 
ein  Jahr  für  Land-  und  zwei  für  Stadtmusiker,  man  sieht, 
wieviel  mehr  50  Jahre  später  im  Sächsischen  verlangt  wurde  — , 
wird  die  Gerichtsverfassung  mit  dem  Hauptzweck  der  Schlich- 
tung von  Streitigkeiten  eingeführt  und  werden  drei  Teilorgani- 
sationen geschaffen  mit  je  einer  Lade-).  Anderes  weicht  ab, 
namentlich  weil  der  elsässische  Verband  alte  Rechtsformen  mit- 
schleppte, deren  Neueinführung  in  Sachsen  um  1650  überflüssig 
war;  wie  denn  auch  der  Name  Instrumentalmusikalisches  Colle- 
gium  sich  an  die  damals  modernste  Bezeichnung  für  genossen- 


')  Vo-1.  Alsatia  1856/1857. 

-;  Die  Lade  von  Bischweiler  erwähnt  Ambros  II,  272. 


io8  Rudolf  Wustmann: 

schaftliches  Musiktreiben  anlehnte,  an  das  Collegium  musicum. 
—  Übrigens  scheinen  unsere  25  Artikel  aus  zwei  verschie- 
denen Quellen  zu  stammen.  Aus  der  ersten  die  Artikel  i  — 14 
(i  — 10  Fernhalten  ungehöriger  Konkurrenz  und  eigne  gesell- 
schaftliche Intakterhaltung,  11  und  12  Lehre,  13  und  14  Ge- 
sellenstand); aus  der  zweiten  der  Rest:  Artikel  15  bringt  eine 
neue  Einleitung  und  spricht  die  Fernhaltung  der  Pfuscher  noch 
einmal  allgemein  aus,  17 — 20  Gesellen-  und  Substitutenwesen, 
21 — 22  Lehre,  während  die  Artikel  16  und  23  —  25  Verfassungs- 
dinge ordnen.  Der  oder  die  Verfasser  (oder  Inspiratoren)  des 
ersten  Teiles  —  bejahrte  Stadtpfeifer  —  sind  beschränkter, 
kleinstädtischer  als  der  Verfasser  des  zweiten  Teiles,  in  dem 
man  vielleicht  den  auch  schon  alternden  Direktor  musices 
einer  gröfseren  Stadt  sehen  darf,  jedenfalls  hat  ein  solcher  (21) 
Einflufs   genommen. 

Die  Artikel  über  die  Regelung  standesmäfsiger  und  den 
Ausschlufs  unanständiger  Konkurrenz  (i — 3)  und  über  das 
Verhalten  bei  Aufwartungen  (5 — 10)  bedürfen  ebensowenig 
einer  Erläuterung  wie  die  über  das  Lehrknaben-  und  Gesellen - 
wesen;  wer  den  Musicus  vexatus  oder  lustigen  Cotala  gelesen 
hat,  kennt  die  lebendigste  Illustration  zu  Artikel  22.  Die  Ver- 
fassung des  instrumental-musikalischen Collegiums  ist  so  gedacht: 

Mitglieder  sind  die  unterzeichneten  —  und  die  sich  ihnen 
etwa  noch  anschliefsenden  —  bestallten  städtischen  Musiker. 
Sie  nennen  sich  Meister  und  verlangen,  dafs  zu  einer  Probe 
zum  Zwecke  einer  Anstellung  zwei  nächstgesessene  Meister 
und  ein  tüchtiger  Geselle  zugezogen  werden  (4),  wie  jeder 
neu  eintretende  sich  einer  derartigen  Probe  zu  unterziehen 
hat  (24).  An  drei  zu  bestimmenden  Orten  (23),  wo  je  eine 
Kreislade  mit  den  Artikeln  zu  stehen  hat,  finden  gelegentlich 
Zusammenkünfte  der  Meister  statt  zu  sonstigen  Regelungen 
in  Sachen  des  Kollegiums  namentlich  durch  die  Ältesten  (25) 
wie  im  besonderen  zu  Schlichtung  etwaiger  Streitigkeiten  (16). 

Kayserliche 

CONFIRMATION 

der  Artickel 

defs  Instrumental-Musicalischen  Collegii^)  in 

dem  Ober-  und  Nieder-Sächsischen  Creifs,  und 

anderer  interessirten  Oerter. 

Wir  Ferdinand  der  Dritte,  von  Gottes  Gnaden,  Erwehlter  Rom. 
Kayser,  . . .  bekennen  öffentlich  mit   diesem  Briefe,    und    thun  kund 

^)  Das  hier  und  im  folgenden  Text  gesperrte  ist  im  Original 
mit  lateinischen  Lettern  gedruckt. 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  109 

allemiänniglich,  wie  dafs  Vns  unsere  und  des  Reichs  liebe  Getreue, 
Gesamte  in  denen  Ober-  und  Nieder-Sächsischen  Creissen  gesessene 
Musicanten,  im  glaubwürdigen  Schein  unterthänigst  fürbringen  lassen, 
gewisse  unter  Ihnen  insgesampt  verglichene  Artickel,  wie  man  sich 
in  einem  und  dem  andern,  sowohl  ni  denen  Kirchen  beym  Gottes- 
dienst, als  andern  ehrlichen  Zusammenkunfften  zu  verhalten,  aller- 
mafsen  solche  von  "Wort  zu  Wort  hernach  geschrieben  stehen  |  und 
also  lauten: 

IM  Namen  der  Heiligen  und  Hochgelobten  Dreyfaltigkeit,  Gottes 
des  Vaters,  Sohnes  und  heiligen  Geistes,  Amen.  Kund  vmd  zu  wissen 
sey  hiermit  iedermänniglichen,  dafs  dem  Allerhöchsten  GOTT  zu 
Ehren,  dem  gemeinen  Wesen  zum  besten,  und  allen  der  Musicalischen 
Kunst  Zugethanen  selbst  eigenen  Auffnehmen  und  Gedeyen,  zwischen 
untenbenannten  Musicis  ein  Collegium  oder  Societät,  bifs  auft 
Allergnädigste  Approbation  des  Allerdurchlauchtigsten  und  Vnüber- 
windiichsten  Fürsten  und  Herrn,  Herrn  FERDINANDI  des  Dritten, 
erwehlten  Römischen  Kaysers,  ....  bewilliget,  beschlossen  und  zu 
desto  besserer  Handhabung  desselben  nachfolgende  Artickel  von 
allen  Interessenten  beliel5et  vmd  verfasset  worden: 

Es  soll  Erstlichen  keiner  von  dem  Musicalischen  Collegio 
sich  aus  frej'en  Stücken  seiner  Kunst  zu  gebrauchen  in  einer  Stadt, 
Ambt  oder  Closter,  woselbst  allbereit  unserer  Societät  einer  gesessen 
und  in  Bestallung  genommen,  niederlassen,  noch  demselben  darinn  von 
Vffwartvuigen  ichtwasi)  entwenden,  es  wäre  denn  Sache,  dafs  er  sich 
einer  andern  Handthierung  gebrauchen,  oder  dafs  er  von  der  Ober- 
keit  des  Orts  dahin  vociret,  der  allbereit  bestallte  Musicus  auch 
versichert  w^ürde,  dafs  ihm  an  seinen  Accidentien  kein  Eintrag 
geschehen,  oder  er  zum  wenigsten  des  Abgangs  halben  schadlofs 
gehalten  werden  möchte. 

Es  soll  sich  ein  iedweder  Sodalis  zum  Andern  dahin  be- 
fleissigen,  wann  er  in  würckliche  Bestallung  irgendwo  genommen 
ward,  dafs  das  seinem  Vorfahren  hiebevorn  ex  publico  gereichte 
Jährliche  Lohn  unverkürtzet  und  ungeschmälert  verbleibe,  Vnd  weil 
bils  daher  die  löbliche  Kunst,  und  derselben  Zugethane,  dadurch  nicht 
in  geringe  Verachtung  gerathen,  auch  mancher  ehrlicher  Mann  von 
seinem  Dienste  darüber  gar  verdrungen  worden,  wann  iemands  umb 
die  blossen  Accidentia  auffzuwarten  sich  offeriret,  so  soll  sich 
ein  iedweder  Musicant  für  dergleichen  ihm  und  der  Kunst  ver- 
kleinerlichen  Contracten  eusserst  hüten. 

Indem  auch  zum  Dritten  der  Allerhöchste  GOTT  seine  Gnade  und 
Gaben  wunderlich  pfleget  auszutheilen,  und  einem  bald  viel,  bald 
wenig  giebet  und  verleyhet.  So  soll  umb  des  willen  niemand  den 
andern,  ob  er  gleich  eine  bessere  Art  der  musicalischen  Instru- 
menten sich  zu  gebrauchen  hätte,  verachten,  vielweniger  aber  defs- 
halben  ruhmrethig  seyn,  sondern  sich  der  Christlichen  Liebe  und 
SanlTtmut  befleissigen,  und  m.it  seiner  Kunst  also  umbgehen,  dafs 
dadurch  förderst  Gottes  des  Allerhöchsten  Ehre  gesucht,  seni  Nechster 
erbauet,  vmd  er  selbst  von  iedermänniglichen  seines  Erbaren  Wandels 
halber  ein  gvites  Gervicht  iederzeit  haben  und  behalten  möge. 

Damit  auch  zvim  Vierdten  ieder  Ort  mit  einem  tüchtigen  genug- 
sam qualificirten  Mvisico  versehen,  benebens  dem  auch  andere, 
insonderheit  die  Gesellen  und  Lehrknaben,  zu  mehrern  Fleifs  und 
stetigem    Exercitio   angetrieben  werden  mögen,  So  soll  iedesmals 

1)  etwas. 


iio  .  Rudolf  Wustmann: 

der  jenige,  so  zu  einem  Dienst  ordentlicher  Weise  berufifen,  und 
dannenhero  seine  probe  abzulegen  erfordert  wird,  Zweene  der 
nechstgesessenen  Lehrmeister,  nebenst  einem  tüchtigen  Gesellen, 
darzu  beschreiben,  welche  ihn  absonderlich  seiner  Kunst  halber 
examiniren,  und  seine  Probe  oder  Meister-Recht  in  den  Stücken, 
so  hierzu  angelbget,  und  in  den  Innungs-Laden  befindlich,  anhören 
und  vernehmen. 

Es  soll  zum  Fünfften  keiner,  er  sey  gleich  Lehrmeister,  Geselle 
oder  Lehrknabe,  sich  gelüsten  lassen,  grobe  Zothen  oder  schandbare, 
unzüchtige  Lieder  und  Gesänge  zu  singen  oder  zu  musiciren, 
Sintemal  der  Allerhöchste  Gott  dadurch  nur  hochlich  erzürnet,  erbare 
Gemüther,  insonderheit  die  unschuldige  Jugend  geärgert,  auch  die 
jenigen,  so  der  löblichen  Kunst  der  Music  zugethan,  bey  ansehn- 
lichen Gesellschaften  und  Zusammenkunfften  in  die  gröste  Verachtung 
darüber  gesetzet  werden. 

Hingegen  aber  soll  zum  Sechsten  ein  iedweder,  der  zur  Auff- 
wartung  beruffen  wird,  nicht  alleine  für  sich  selbst,  nebenst  den  bey 
sich  habenden  Gehülfifen,  züchtig,  erbar  und  bescheiden  sich  ver- 
halten, sondern  auch  unverdrossen  se3^n,  die  anwesenden  Gesell- 
schaften, vermittelst  der  Musicae  Instrumentalis  &  Vocalis 
seinem  besten  Vermögen  nach  zu  erlustigen  und  zu  erfreuen. 

Ein  iedweder  soll  sich,  zum  Siebenden,  so  viel  ilmie  möghch, 
mit  besondemi  Fleifs  darnach  umbsehen,  dafs  er  fromme  und  getreue 
Gesellen,  wie  auch  unbertichtigte  Lehrknaben,  umb  und  neben  sich 
habe,  damit  auff  öffentHchen  Zusammenkunfften  und  Auffwartungen 
den  eingeladenen  Gästen  nichts  entfernet,  oder  dem  gesampten  Musi- 
calischen Collegio  übel  nachgeredet,  noch  auch  unschuldige  Leute 
in  Verdacht  und  Gefalir  gerathen. 

Zum  Achten  soll  keiner  sich  unterfangen,  unehrliche  Instru- 
menta, als  da  seyn  Sackspfeiffen,  SchaalfsböckeM,  Leyern'-) 
und  Triangeln,  welcher  sich  oflfermals  die  Bettler  zum  samlen 
der  Almosen  für  den  Thüren  gebrauchen,  zu  führen,  dadurch  dann 
die  Kunst  ebenfalls  in  Verachtimg  gebracht  und  verkleinert  ge- 
halten ^vird. 

In  specie  soll  sich,  zum  Neundten,  ein  iedweder  aller  Gottes- 
lästerlichen Reden,  vermaledeyeten  Fluchens  und  Schwerens  eusserst 
enthalten:  Würde  aber  iemand  darwider  handeln,  so  soll  er  darumb 
von  seinem  Meister  und  Mitgesellen,  nach  ihrem  Ermessen,  auch 
atrocität  seines  Verbrechens,  willkürlichen  gestraffet:  auch  wol  gar 
aus  dem  Musicalischen  Collegio  Verstössen  werden. 

Zum  Zehenden  soU  kefner  bey  Gaucklern,  Diebhenckern, 
Butlern^',  Heschern,  Taschenspielern,  Spitzbuben,  oder  andern  der- 
gleichen leichten  Gesindlein,  sich  einiger  Auff'wartung  unterfangen, 
sondern  es  soll  vielmehr  ein  iedweder  ihrer  Gesellschaff't,  umb  Er- 
haltung guten  Gerüchts  und  Leymuts*)  willen,  sich  gantz  und  gar 
enthalten,  und  dieselbe  fliehen  vind  meiden. 

Zum  Eilff'ten,  Gleicher  gestalt  soll  auch  kein  Lehrmeister  einen 
Lehrknaben    von    obgemeldten  oder  andern  unrichtigen'')  Personen, 

')  Auch  eine  kleinere  Dudelsackart. 
^)  Drehleiern. 

^)  Fehlt  in  dieser  Fonn  in  den  Wörterbüchern;  wohl  =  Büttel. 
■*)  Leumunds. 

^)  Wohl  höfliche  Volksetymologie  zu  anrüchig,  vgl.  Art.  22 
anrichtig. 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  11  i 

annehmen,  sondern  die  jenigen,  so  zu  Begrcilfung  der  Musicalischen 
Kunst  auttgedingct  werden,  sollen  nicht  allein  von  ehrlicher  Geburt 
seyn,  sondern  auch  für  sich  selbstcn  nichts  verbrochen  haben,  wo- 
durch sie  Infam iam  Iuris  contrahirt,  und  auff  sich  gezogen, 
Gestalt  dann  bey  der  Aulfdingung  ein  ieder  Lehrknabe  seuien  Ge- 
burtsl:)riet¥,  so  nach  Verordnung  der  Rechte  und  A)'dlicher  Aufs- 
sage zweyer  unbeleumbder  Gezeugen  verfasset,  vorzeigen,  und  der- 
selbe so  lange  in  des  Musicalischen  Collegii  nechster  Lade  verwahr- 
lich  beygeleget  werden  soll,  bifs  er  senie  Lehr  Jahre  ehrlich  und 
redlich  ausgestanden,  und  defswegen  mit  einem  guten  Gezeugnis 
und  Lehrbrieff  versehen  werden  kann. 

Zum  Zwölfften,  Vnd  nachdem  ein  perfecter  Musicant  auft 
vielen  Instrvimenten,  theils  pneumaticis,  theils  pulsatilibus, 
unterwiesen  werden,  und  darauff  auch  geübet  sein  mufs,  so  soll  kein 
Lehrknabe  unter  Fünff  Jahren  frc}-  gesprochen,  und  dafs  er  seiner 
Kunst  erfahren,  für  tüchtig  erkennet  werden.  Hierumb  so  sollen 
bey  der  Auffdingmig  iederzeit  zweene  der  nechst-angesessenen  Kunst- 
und  Lehnneister,  ingleichen  ein  tüchtiger  Gesell  gegenwärtig  seyn, 
und  in  der  Anwesenheit  zwe}-  Exemplar  defs  Auffdingbriefifs  (davon 
das  eine  dem,  wessen  Disciplin  und  Inform  ation  der  Lehrknabe 
untergeben  wird,  verbleiben,  das  andere  aber  des  Lehrknaljens  Eltern, 
Vormündern  oder  Verwandten  auszuantworten)  gefertiget.  Insonder- 
heit aljer  hierbey  der  Lehrknabe  zu  fleissigem"  Gebet,  getreulicher 
Auffdingvmg,  fleissiger  Vbung,  und  dafs  er  seinem  Magistro  und 
Lehrmeister  allen  gebührenden  Respect  und  Gehorsam  erweise, 
ernstlich  und  mit  allem  Fleifs  erinnert  und  anennahnet  werde'). 

Zum  Dreyzehenden,  Damit  auch  der  jenige,  so  seine  Lehr-Jahre 
ausgestanden,  und  defswegen  nunmehr  frey  gesprochen,  desto  voll- 
kommener werde,  so  soll  er  die  nechsten  drey  Jahre,  ehe  er  sich 
besetzet-),  bey  andern  berühmten  Meistern,  als  "eiii  Gesell,  sich  ge- 
brauchen lassen.  Dieweil  aber  bey  dem  Mechanicis  Artificiis, 
oder  schlechtem  Handwerckern,  die  Meisters-Söhne  und  Töchter 
hierunter  durch  langwierige  Gewonheit  diesen  Vorthel  und  Fürzug 
erlanget,  dafs  sie  etwa  nicht  so  lange  als  andere  der  Wanderschafft 
in  ihrem  Gesellenstande  obliegen  dürffen.  So  sollen  auch  dieser  löb- 
lichen Kunst  Zugethaner  und  Verwandter  Lehrmeisters  ihre  Söhne, 
item,  die  jenige,  so  sich  an  der  Meister  ihre  Töchter  verhe3-rathen, 
wann  .sie  ein  Jahr  als  Gesellen  auffgewartet,  in  dem  Vbrigen  ver- 
schonet, auch  mit  einigem  Meister-Recht  nicht  beleget  werden. 

Zum  Vierzehenden,  Sobald  dann  iemands  seine  Lehr-Jahre  über- 
standen, und  ietzo  nunmehr  für  einen  Gesellen  auffwarten  kan.  So 
sollen  ihme  so  dann  etliche  Artickel  fürgelegt  und  bekand  gemacht 
werden,  derer  er  sich,  wann  er  an  frembde  Oerter  kömpt,  laey  Ab- 
legung seines  Grusses  gebrauchen,  und  hieraus  auch  cfer  frembde 
Meister  erkennen  könne  und  möge,  ob  .sich  unsers  Musicalischen 
Collegii  Verwandte  und  Zugethane  den  fürgeschriebenen  Artickeln 
gemäfs  verhalten,  und  danunb  genügsame  Wissenschaft  tragen. 

Zum  Funffzehenden,  Vnd  nach  dem  dieses  der  Musicanten 
Collegium  zu  dem  Ende  aufifgerichtet,  und  mit  besondern  Artickeln 


1)  Man    lese    hinter  gefertiget   ein    Komma  und  am  Schlüsse 
werd  en. 

'-)  sich  niederläfst,  eine  Stelle  annimmt. 


112 


Rudolf  Wustmann: 


und  Regeln  befestiget  worden,  damit  den  Stöhrern  und  Pfuschern, 
so  bev  allen  andern  viel  schlechtem  Corporibus,  Gablen^),  Gülten^) 
und  2unfften  durchaus  nicht  gelitten  werden,  gewehret,  und  wer  Lust 
vmd  Liebe  zu  dieser  Musicalischen  hochwerthen  Kunst  traget,  die- 
selbe aus  dem  Grund  zu  lernen,  desto  mehr  angetrieben  und  an- 
ermahnet werde.  So  sollen  alle  und  iede  unsers  Collegii  Verwandte, 
sich  der  Pfuscher  vmd  Stöhrer  gäntzlichen  entschlagen,  und  bey  er- 
forderter Auffwartung  mit  ihnen  überall  keine  Gemeinschafft  haben, 
dargegen  aber  in  ihren  Lehr-Jahren  der  Zeit  wohl  warnehmen,  damit 
sie  "in  der  Music  recht  tüchtig  und  geschickt  gemacht,  vmd  darvimb 
solchen  Stümplern  vmd  Hümplern  mit  Recht  praeferiret  vmd  vor- 
gezogen werden  können. 

Zum  Sechzehenden,  Daferne  sich  zwischen  denen  Collegen 
oder  deren  Verwandten  eintziger  Zwischt  vmd  Streit  zvitragen  solte, 
worüber  iemands  an  seinem  ehrlichen  Namen  vmd  gviten  Le\  mvit  ver- 
kleinerlich  angegriffen  oder  sonsten  vmverschvildeter  Weise  in  Schaden 
gesetzet,  oder  avich  ihme  seine  Vffkunfften^)  entzogen  werden  wolten, 
So  soll  der  Beleidigte  Macht  haben,  solches  Sechs  in  der  Nähe  ge- 
sessenen Lehrmeistern  zvi  verkündigen,  die  dann  zur  gelegenen  Zeit 
vor  die  Creifs-Laden  beyde  Theile  erfordern,  ihre  Mifshelligkeiten 
daselbsten  anhören  und  vernehmen,  vmd  mit  Zviziehving  dreyer  Ge- 
sellen den  befundenen  schuldigen  Theil,  es  sey  Kläger  ocler  Beklagter, 
zu  gebührender  Straffe  ziehen,  auch  ihnen  zvi  Ersetzvmg  aller  verur- 
sachten Vnkosten  anhalten  mögen. 

Zvim  Siebenzehenden,  Was  den  Lohn  der  Gesellen  anbelanget, 
so  soll  einem  ieden  frey  stehen,  mit  denenselben  iedes  Orts  vmd  Ge- 
legenheit nach  ZVI  handeln,  wie  er  vermeynet,  dafs  es  verantwortlich. 
Jedoch  nach  abgehandeltem  Wercke  stracks  die  Handhmg  zu  Papier 
bringen,  vmd  wie  sie  accordiret,  ein  ieder  ein  Theil  in  seine  Ver- 
wahrvmg  nehmen,  damit  einer  dem  andern  zu  bezahlen,  vmd  dieser 
wiedervimb  willig  vmd  getrevilich  zvi  dienen  angeleitet  werde:  und 
fein  friedlich  mit  einander  zvi  leben  Vrsach  haben  mögen. 

Zum  Achtzehenden,  Da  auch  einer  sich  wolte  vmterfangen,  einem 
alten  Meister  unserer  Kunst  von  seinem  Dienste,  aviff  was  Masse  und 
Weise,  durch  was  gebravichten  Schein  und  praetext  es  avich  immer 
geschehen  möchte,  zvi  bringen,  sich  aber  in  dessen  Stelle  einzuflechten, 
so  soll  so  wohl  der  jenige,  so  dvirch  oberzählte  vmanständige  Wege 
seine  Befördervmg  suchet,  und  einen  andern  avissticht,  nebenst  seinen 
Gesellen,  so  bey  ihme  dienen  würden,  dieses  vmsers  Collegii  sich 
darmit  verlustig  macht*),  und  darinne  weiter  nicht  gedultet  werden, 
sintemal  das  liebe  Alter,  wenn  die  Vnvermögenheit  mit  einfällt,  un- 
geacht  der  vorigen  gehabten  langwierigen  grossen  Mühe,  Dienst  und 
Arbeit,  leicht  in  Verachtving  zu  gerathen,  vmd  demselben  die  Jugend 


1)  S.  V.  w.  Zunft,  eigentlich  Abgabe;  niederrheinisch  Gaffel,  vgl. 
auch  Deutsches  Wörterbuch  Gab  eile. 

^)  (eigentlich  Zins-)  Genossenschaft,  üblicher:  Gilde.  Das  mehr 
niederdeutsche  Gilde  dürfte  in  der  kaiserl.  Kanzlei  mit  dem  ober- 
deutschen Gülte  vermengt  worden  sein.  Vgl.  oben  die  musikalische 
Gilde  in  Friedland. 

2)  Einkünfte;  wovon  er  sein  Aufkommen  hat. 

*)  Lies:  gemacht  haben  („macht"  ist  irrtümliche  Angleichung 
an  „suchet"  und  „aussticht"). 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  ii^ 

vorgezogen  zu  werden  pfleget,  Solte  aber  die  Vnvermögenheit  bey 
einem  verlebten  bestalten  Musico  so  grofs  seyn,  dafs  er  entweder 
seine  Dienst  gar  nicht  oder  mit  grosser  Beschwehr  verrichten  könte, 
und  des  Orts  Gottesdienst  und  andre  Auffwartimgen  gleichwol  noth- 
wendig  versehen  werden  müssen,  alsdann  soll  einer  Macht  halben, 
als  ein  Substitut  des  Verlebten  Stelle  zu  bedienen,  iedoch  dafs  der 
Alte  die  Helffte  der  Besoldung  und  seine  Part  von  dem  Verdienst 
bekomme,  und  die  übrige  Tage  seines  Lebens  von  dem  Substitute 
oder  Adjuncto  gebührend  respectiret  in  allen  Sachen,  wie  nicht 
iinbillich,  ihm  der  Fürzug  gelassen,  der  Segen  Gottes  erwartet  und 
von  einem  iedwedern  wol  erwogen  und  betrachtet  werde,  dafs,  was 
er  dem  Alter  für  Gut-  und  Wolthaten  erweise,  GOTT  der  Allerhöchste 
ihm  solches  dermaleinsten  wieder  vergelten  und  belohnen  lassen 
werde. 

Zum  Neunzehenden,  Vnd  weil  ein  ieglicher  Arbeiter  seines 
Lohns  werth,  niemands  auch  damit  auffzuhalten.  So  soll  ein  iedweder, 
so  sich  in  den  Städten  und  sonsten  mit  einer  bestellten  Music  ge- 
fast  halten  mufs,  von  sich  selbst  beflissen  seyn,  seine  Gesellen  und 
Gehülft'en  richtig  zu  belohnen,  niemanden  auch  vorher  zu  licentiren*), 
er  habe  dann  seinen  hintersteiligen  Verdienst  völlig  empfangen,  widrigen 
Falls  soll  keinem  anderen  Gesellen  in  die  verledigte  Stelle  und  Dienst 
zu  treten  verstattet  seyn. 

Zum  Zwantzigsten,  Hingegen  sollen  auch  die  Gesellen  desselben 
Dienstes,  worzu  sie  sich  einmal  bestellen  lassen,  fleissig  abwarten, 
den  jungen  Lehrknaben  mit  guten  Exempeln  und  der  ihme  anständigen 
Erbarkeit  furgehen,  insonderheit  aber  ihren  Principalen,  bey  welchen 
sie  Dienst  angenommen,  allen  gebührenden  Respect  erweisen,  und 
defswegen  ihnen  keine  praesumption  machen,  ob  sie  gleich  be- 
dünckte,  in  der  Kunst  besser  und  gründlicher  erfahren  zu  seyn,  als 
der  Principal  selbsten. 

Zum  Ein  und  zwantzigsten.  Nach  deme  auch  die  Erfahnmg  be- 
zeuget, dafs  mancher  seinen  angenommenen  Dienst  mit  lauter  Lehr- 
jungen versehen  wollen,  dargegen  aber  einem  ieglichen  die  gesunde 
Vennmfft  selbst  dictiret,  dafs  die  Tyrones  und  Lehrknaben,  wie 
in  allen  andern  Sachen,  also  auch  in  dieser  Musicalischen  Kunst  kein 
vollkommenes  Stück  zu  wegen  bringen  können  und  da  dann  entweder 
bey  dem  öffentlichen  Gottesdienst,  oder  einiger  anderer  Versamlung 
dergleichen  Fehler  und  Mängel  fürgehen,  hierunter  den  Directorn 
solcher  Music  nicht  nur  alle  Schuld  beygemessen,  sondern  auch  der 
meiste  Schimpflf  auft  ihn  geweltzet,  und  die  löbliche  Kunst  selbst 
nur  verächtlich  dadurch  gemacht  wird,  so  soll  keinem  Lehnneister 
gestattet  und  nachgelassen  seyn,  mehr  dann  drey  Knaben  auft"  einmal 
in  seine  Information  und  Lehre  auftzunehmen,  und  darinnen  zu 
behalten. 

Zum  Zwey  und  zwantzigsten,  Ein  ieglicher  Lehrknabe  soll  bey 
seiner  Auffdingung  sich  verschreiben,  oder  da  er  selbst  nicht  schreiben 
könte,  soll  solche  Verschreibung  an  statt  seiner  durch  seine  Eltern, 
Vormunde  oder  Verwandten  schrift'tlich  geschehen,  dafs  der  auff- 
gedingte  Lehrknabe  die  oben  beym  zwölftfen  Artickel  benimte'-) 
Lehr-Jahre  treulich,  vollständig  und  redlich  aushalten,  und  in  währen- 


')  Urlaub,  Abschied  geben,  entlassen. 
2)  benannte  (mhd.  benüemte). 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXIX.    l.  2. 


11^  Rudolf  Wustmann : 

den  Lehr-Jahren  von  seinem  Lehrmeister  nicht  entlauffen  wolle,  Solte 
aber  einer  so  vergessen  seyn,  vnid  von  einem  Lehrmeister  in  währen- 
den Lehr-Jahren  ausspringen,  der  soll  von  keinem  andern  Lehrmeister, 
bey  Strafte  Zehen  Thaler,  wieder  auftgenommen,  noch  in  diesem 
unsern  Musicalischen  Collegio  iemals  wieder  gedultet,  sondern  als 
anrichtig  gehalten  werden.  Würde  sich  aber  befinden,  dals  der  Lehr- 
knabe ob  nimiam  sevitiam  seines  Lehrmeisters  ausgewichen,  und 
also  dieser  in  culpa  wäre,  auft"  dem  Fall  soll  der  Lehrmeister  wegen 
der  Versäumnis  und  andern  zugestandenen  Schadens,  seinem  Lehr- 
knaben oder  dessen  Eltern  und  Befreunden  nach  sechs  der  nechst 
angesessenen  Musicalischen  Seniorn  billigem  Ermessen  dafür  ö;e- 
recht,  auch  darumb  schuldig  erkant  werden. 

Zum  Drey  und  zwantzigsten,  Damit  auch  ob  specificirten 
bifs  auff  der  Römischen  Kayserlichen  auch  zu  Hungarn  und  Böheimb 
Königl.  Majestät,  unsers  allergnädigsten  Herrn,  allergnädigste  Con- 
firmation  und  Bestättigung  unter  uns  verglichenen  Arti ekeln  desto 
steiffer  nachgesetzt,  und  die  diesem  Musicalischen  Collegio  an- 
gehörige  Sociales  sondern  weniger  Kosten  und  Beschwer  zusammen 
kommen,  und  bey  solchem  Convent  nothwendige  Sachen  austragen 
können.  So  sollen  drey  Laden  gefertiget,  eine  in  Meissen,  die  andere 
im  Braunschweigischen,  und  die  dritte  in  Pommern  oder  der  Marck 
Brandenburg,  und  zwart  welcher  Ort  den  Zugethanen  unsers  Col- 
legii  am  beqvemsten  fallen  wird,  nieder  gesetzet,  diese  verglichene 
Artickel  und  die  darob  hoft'entlich  erlangende  Kayserl.  allergnädigste 
Confirmation,  wo  nicht  an  allen  Orten  originaliter,  dennoch 
deren  auscultirte  vidimirte  Copeyen  davon  darein  gelegt,  und 
treulich  verwahret  werden,  damit  auft"  erheischenden  Fall  bey  unserer 
Collegen  Versammlung  alle  actvis  und  Sachen,  so  etwa  zwischen 
den  Musicanten  sich  zutragen  möchten,  darnach  regulirt  und  ge- 
richtet werden  können. 

Zvmi  Vier  und  zwantzigsten,  Vnd  ob  zwar  der  jenigen,  so  sich 
allbereit  zu  diesem  Musicalischen  Collegio  bekandt,  nicht  eine  ge- 
ringe Anzahl,  Jedennoch  aber  .soll  keinem  andern  der  Zutritt  denegirt 
und  verweigert  werden,  wann  er  nur  nach  abgelegter  Probe  für  ein 
tüchtiges  und  geschicktes  Glied  dieser  unserer  Societät  und  Gesell- 
schaft wird  können  erkennet  und  gehalten  werden. 

Zum  Fünft  und  zwantzigsten.  Wie  mm  schliefslich  böse  Sitten 
und  Gebräuche  zu  heilsamen  Satzvmgen  Vrsach  und  Anlafs  gegeben, 
aber  nicht  möglichen  gewesen  gegenwertige  Artickel  also  zu  ex- 
te ndiren,  dafs  dardurch  alle  Zvifälle  specialiter  und  ausdriicklich 
wären  berühret  worden,  als  soll  das  übrige  der  ältesten  so  die  nechsten 
bey  iedes  Orts  Laden  seyn,  und  welche  denselben  Kraft't  dieses 
ArtikuLs-Brieffs  adjungiret  und  zu  geordnet,  ihren  arbitrio  dero- 
gestalt  heimgestellet  seyn  und  bleiben,  dafs  sie  in  sich  zutragenden 
Vorfallenheiten  auff  das,  was  erbar  und  zulässig  ist,  auch  zu  Er- 
haltung dieses  Musicalischen  Collegii  gereichet,  ihr  Absehen  richten, 
niemanden  über  die  Gebühr  und  Billigkeit  beschweren,  iedoch  auch 
grobe  unverantwortliche  Excefs  nicht  ungeantet  hin  passieren  lassen 
sollen,  damit  diesem  unsern  Collegio,  bevorab  aber  der  allerhöchst 
gedachter  Römischen  Kayserl.  Majestät,  unsers  allergnädigsten  Herrn, 
darob  ertheilten  Confirmation  gebührender  allerunterthänigster 
Respect  erhalten,  und  der  gute  rühmhche  Zweck  erreichet  werde, 
so  von  den  Vrhebern  dieses  nützlichen  Wercks  von  Anfang  gesetzet 
und  gestecket  worden. 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653). 


"5 


Verzeichnüls 

.    der  jenigen,  theils  im  Ober-  theils  im  Nieder-Sächsi- 
schen  Kreise  o;elegenen  Städte  und   Oerter,   deren  bestellte  Musici 
sich  zu  den  vorher  gehenden  Artikuln  bekennet,  auch  sich  denselben 
in  kunfl'tigen  Zeiten  gemäfs  zu  bezeigen,  ge- 
lobet und  versprochen. 


Altenburg: 


Anneberü : 


Brandenburg 
a.  d.  Hagel 

[so]: 

Berlin: 


Colin  a.  d. 
Spre: 


Drelsden : 
Doblitz: 


Dölitzsch : 

Dessau: 

Eylenburg: 


Eifsleben: 
Freyberg: 


Güterbogk : 
Gera: 


Glaucha : 


Samuel  Virich 
Daniel  Hienschel 
Hermann  Wendt 
Moritz  Dolch 
Cornelius  Virich 
Heinrich  Müller 
George  Hermann 
Christoph  Richter 
Paul  Conrad 
Heinrich  Haller 

Thomas  Schmidt 


Paul  Nierse 
Gottfried  Lehe- 

mann 
David  Arsendt 

Johann  Stein- 
brecher 

Joachim  Kertzen- 
dorft" 

Christian  Donat 

Johann  Schatz 

Johann  Läuterding 

Peter  Fischer 
Michael  Kellner 
Abraham  Martin 

Peter  Karyfs 

Martin  Frenfsdorff 

Johann  Jenicke 
Johann  Kallenbach 
Hans  Wilhelm 

Stephan 
Joachim  Otto 

Daniel  Milich 
Christian  Vhlich 
Heinrich  Rode 
Christoph  Vhlich 
Andreas  Grempler 
Hans  Caspar 

Schmidt 
Christoph  Kreysick 
Peter  Koch,  Senior 
Peter  Koch,  Junior 
Johann  Truppe 


Hall  in 
Sachsen : 


Kämnitz : 

Kalbe: 
Leipzig : 


Leichten- 

stein : 

Merseburg : 


Mitweida: 

S.  Marien- 
bers:: 


Naumburg : 


Oschatz: 
Quedlinburg 

Schneeberg: 


Schwartzen- 
berg: 


Herman  Bartholus 
George  Langefeldt 
Gottfried  Maume 
Wilhelm  Keythe 
Johannes  Jenicke 

George  Kempe 
Valtin  Weifshun 
Christoph  Heller 

Samuel  Salbach 

Thomas  Müller 
Zacharias  Eidtner 
Paul  Steinbrecher 
Werner  Lawe 

Christian  Büttner 
Abraham  Crusius 
Johann  Peip 

Caspar  Hiepe 
Nicol  Stahr 
Samuel  Kleine 
Paul  Hiepe,  Filius 

Daniel  Jäger 

Johann  Stahlmann 
Christoph  Hartwdch 
Sebastian  Wurtz- 

bacher 
Heinrich  Morgen- 
stern 

Daniel  Geyer 
Johann  Metzner, 

Junior 
George  Bahn 
George  Hulfs 
Johannes  Zwetz 

Georg  Knabe 

Balthasar  Stein- 
mann 

Hans  Stecknagel 
Christian  Ernst 
Peter  Roche 
Gottfried  Martin 
George  Schertz 
Hans  Wilhelm 

Vierthel 
Hans  Christoph 

Vierthel 

8* 


ii6 


Rudolf  Wustmann : 


Stolberg: 

Scheuben- 
berg: 

Torgau : 
Tzschopa : 
Wittenberg: 
Wurtzen : 


Weissenf  eis: 


Johannes  Meintzner 

Gabriel  Müller 
Caspar  Gräfsler 
Paulus  Hueffmann 
Johann  Glück 
Christian  Richter 
Heinrich  Lange 

Martinus  Ritter 
Johannes  Wentzel 
Andreas  Tipmer 

Paul  Becker 
Martinus  Geyer, 

Junior 
Peter  Gleitzmann 
Georg  Förster 


Wettin: 

Wolcken- 
stein : 

Zwickau : 


Zeitz: 


Zerbst: 


Johann  Köllner 

George  Seyffarth 
Nicol  Metzner 

Caspar  Columneser 
Christoph  Korber 
Georg  Kühne 

Johann  Bauer 
Johann  Heinrich 

Steinhauser 
Andreas  Bamberg 
Johannes  Seidel 

George  Endtner 
Caspar  Hoyer 


Vnd  Vns  darauff  obbemeldte  sämptliche  Musicanten  in  denen 
Ober-  und  Nieder-Sächsischen  Kreissen,  und  hiebevor  specificirten 
Orten  in  Vnterthänigkeit  angeiaiffen  und  gebeten,  dals  Wir,  als 
regierender  Römischer  Kayser,  obberührte  Puncten  und  Artickel 
alles  ihres  Innhalts  zu  confirmiren,  approbiren,  ratificiren 
und  bestätigen,  gnädiglich  geruheten.  Das  haben  Wir  angesehen 
solche  gedachter  sämptli eher  Musicanten  in  denen  Ober- und  Nieder- 
Sächsischen  Creissen  demüthig  zimliche  Bitte,  auch  Ihr,  bey  Auff- 
richtung  ietztgedachter  Artickel  zu  der  Ehre  Gottes,  gemeinen  Nutzen 
und  gT.iter  Nachfolge  aller  Liebhaber  der  Musica  intendirten 
Zwecks,  und  darumb  mit  wohlbedachtem  Muth,  gutem  Rath,  und 
rechtem  Wissen  solche  ob-inserirte  Puncten  und  Artickel,  als 
Römischer  Kayser,  gnädiglich  confirmiret,  approbiret,  rati- 
ficiret  und  bestätiget.  Confirmiren,  approbiren,  ratificiren 
und  bestätigen  Ihnen  dieselbe  auch  hiermit  von  Römischer  Kayser- 
licher  Macht  Vollkommenheit,  wissentlich,  in  Krafft  dieses  Brietfs, 
was  Wir  Ihnen  von  Rechts  und  Billigkeit  wegen  daran  zu  con- 
firmiren, approbiren,  ratificiren  und  zu  bestätigen  haben, 
sollen,  können  und  mögen,  und  meynen,  setzen  und  wollen,  dafs 
vorgeschriebene  Puncten  und  Ai'tickel  in  allen  und  ieden  ihren 
Worten,  Clausuln,  Inhaltung,  Meynung  und  Begreiffungen  kräfftig 
und  mächtig  seyn,  stet,  vest  und  unverbrüchlich  gehalten  werden. 

Vnd  gebieten  darauff  allen  und  ieden  Chur-Fürsten,  Geistlichen 
und  Weltlichen,  .  .  .  Bürgern,  Gemeinden,  und  sonst  allen  andern 
unsern  und  des  Reiches  Vnterthanen  und  Getreuen  .  .  und  wollen, 
dafs  sie  vielgemeldte  sämptliche  Musicanten  in  den  Ober-  und  Nieder- 
Sächsischen  Creissen  an  obbestimmten  unter  Ihnen  auffgerichteten 
Puncten  und  Artickeln  auch  dieser  unserer  Kayserlichen  Conhrmation 
nicht  hindern  noch  irren,  sondern  Sie  dabey  .  .  schirmen,  und  deren 
geruhiglich  gebrauchen,  geniessen  und  gäntzlichen  darbey  bleiben 
lassen,  hinwieder  nicht  thun  .  .,  noch  das  iemandes  andern  zu  thun 
gestatten  .  . .,  als  lieb  einem  ieden  sey  Vnsere  und  des  Reichs  schwehre 
Vngnade  und  Straffe,  und  darzu  eine  Pöen,  nemlich,  Dreissig  Marcks 
Lötliiges  Goldes,  zu  vermeyden,  die  ein  ieder,  so  offt  er  freventlich 
hierwieder  thäte,  Vns  halb  in  Vnsern  und  des  Reichs  Cammer,  und 
den  andern  halben  Theil  mehr-besagten  Musicanten,  unnachlässig  zu 
bezahlen  verfallen  seyn  solle  . .  . 


Sächsische  Musikantenartikel  (1653).  liy 

Mit  Vrkund  dieses  brieffs  besiegelt  mit  Vnserm  Kayserlichen 
anhangenden  Innsiegel,  der  gegeben  ist  in  Vnser  und  des  Heiligen 
Reichs  Stadt  Regeuspurg,  den  fünflf  zehenden  Monatstag  D  ecembris 
nach  Christi  unsers  lieben  HERRN  vmd  Seligmachers  gnadenreichen 
Geburt  im  sechzehenhundert  drey  vmd  fünffzigsten  . . .  Jahre. 

Ferdinandus. 

Justus  von  Gebhard. 

Ad  Mandatum  Sac.  Caes.  Majestatis 
proprium 

Loc.  Sio;ill.  Wilhelm  Schröder. 


V. 


Studien  zur  Bedeutung  des  siebenjährigen 
Krieges  für  Sachsen. 


Von 
Carl  Görler. 


Die  hundertjährige  Wiederkehr  der  Tage  von  Jena  und 
Tilsit  hat  auch  in  Sachsens  national  empfindenden  Kreisen 
wehmütige  Erinnerungen  geweckt,  doppelt  wehmütig,  weil 
kein  Befreiungswerk,  kein  Siegeslorbeer  den  Schmerz  über 
Unglück  und  Schande  versöhnt.  Verblafst  doch  selbst  der 
Glanz  der  Königskrone  vor  den  unsäglichen  Opfern  an  Frei- 
heit, Ehre,  Menschen  und  Geld,  mit  denen  das  französische 
Bündnis  erkauft  ward.  Neben  dem  Bilde  Napoleons  steigt 
dann  wohl  der  Schatten  Karls  XII.  aus  dem  Grabe  empor, 
jenes  jugendkühnen  Welteroberers,  der  ein  Jahrhundert 
vor  dem  grofsen  Korsen  Sachsens  Regierung  in  gleicher 
Furcht  erzittern,  sein  Volk  mit  gleicher  Härte  brandschatzen 
liefs.  Und  mitten  zwischen  beiden  ragt  die  erhabene  Helden- 
gestalt König  Friedrichs  des  Grofsen  empor,  ihnen  .sittlich 
unendlich  überlegen,  aber  auch  sie  unauflöslich  verknüpft  mit 
der  Erinnerung  an  eine  schwere  demütigende  Heimsuchung, 
mit  dem  Gedenken  an  den  siebenjährigen  Krieg.  Während 
indes  weder  der  späte  Sieg  Kurfürst  Friedrich  Augusts  I. 
noch  die  endgültige  Niederlage  König  Friedrich  Augusts  I. 
einen  entschiedenen  Systemwechsel  brachte,  tagte  mit  dem 
Frieden  zu  Hubertusburg  das  Frührot  einer  neuen  Zeit,  be- 
gann mit  ihm  der  Versuch  einer  Abkehr  von  alten  als  unheil- 
voll erkannten  Bahnen.  Vielleicht  vermögen  die  auf  diesem 
Grundgedanken    beruhenden,     nachstehenden    Betrachtungen 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  hq 

über  die  Bedeutung  des  siebenjährigen  Kriegs  für  Sachsen 
für  die  freihch  nur  bedingte  Geltung  des  bekannten  Hum- 
boldtischen Ausspruchs  zu  zeugen,  dafs  der  Krieg  eine  der  heil- 
samsten Erscheinungen  zur  Bildung  des  Menschengeschlechts  sei. 
Zunächst  tritt  uns  allerdings  ebenso  wie  den  Zeitgenossen 
nur  die  furchtbare  Gröfse  des  damaligen  Elends  entgegen. 
Zu  den  unvermeidlichen  Ansprüchen  von  Freund  und  Feind,  zu 
deren  gleich  willkürlichen  Härten  gesellte  sich  die  endlose 
Reihe  der  von  eigener  Ohnmacht  untrennbaren  Übel,  um 
ein  schauerlich  düsteres  Gemälde,  reich  an  Zügen  verzweifelter 
Ratlosigkeit  und  wilden,  fruchtlosen  Aufbäumens  zu  schaffen. 
So  wufste  z.  B.  die  Dresdner  Landesregierung  auf  die  dringend- 
sten Anfragen  der  Magistrate  fast  nie  eine  andere  Antwort  zu 
geben,  als  dafs  man  sich  so  bezeigen  solle,  wie  man  es  vor 
Gott  und  Ihrer  Königlichen  Majestät  künftig  zu  verantworten 
hoffe.  So  sträubte  sich  mitten  im  Niedergange  1760/61  die 
erbländische  Ritterschaft  zu  der  Verpflegung  der  verbündeten 
Truppen  etwas  beizutragen,  so  liefs  endlich  die  Landes- 
deputation, obwohl  aus  wackeren  Edelleuten  bestehend, 
in  unverständlichem  Bureaukratismus  das  Hilfsgesuch  von 
etwa  dreifsig  Gemeinden  des  Kreisamts  Meifsen,  d.  d.  Schlotta, 
den  23.  Juli  1761,  einen  einzigen  gellenden  Aufschrei  unend- 
lichen Jammers,  ,,um  seiner  ungeziemenden,  miehrerbietigen 
Sprache  willen"  ad  acta  gehen  ^),  Fast  noch  mehr  aber  als 
die  eigenen  Behörden  versagten  in  solcher  Not  die  auswärtigen 
Verbindungen.  Der  Hof  von  Versailles  intrigierte  in  Polen 
gegen  den  Kurfürsten  und  duldete  es,  dafs  seine  Marschälle 
den  ihnen  als  Führer  der  Revertenten  unterstellten  Prinzen 
Xaver,  den  Bruder  der  Dauphine,  trotz  seiner  ritterlichen 
Tapferkeit  mit  fast  beleidigendem  Hochmut  behandelten-). 
Der  Todhafs  der  Zarin  Elisabeth  oregen  Friedrich  H.  reichte 
im  Bunde  mit  dem  fieberhaften  Werben  des  Grafen  Brühl 
und  des  Generalmajors  v.  Riedesel  nicht  aus,  um  den  ge- 
wünschten Vorstofs  der  Russen  nach  der  Lausitz  zu  bewirken. 
Umsonst  wurden  Geschenke  und  Schmeicheleien  bis  zur  Selbst- 
erniedrigung verschwendet"^).  Ja,  nicht  einmal  das  Wiener 
Kabinett    ward   durch   die  persönliche  Freundschaft  der  Sou- 


')  Der  Landes -Deputation  Acta  derer  Vortrags-  und  anderen 
Sachen,  so  aus  dem  Meifsnischen  Cre3'sze  eingekommen  und  daliin 
ergangen.     Anno  1759,  Vol.  5.   (K.  S.  Heiuptstaatsarchiv  Loc.  13  450.1 

^)  Thevenot,  Frangois  Xavier,  Prince  Administrateur  tle  Saxe, 
Comte  de  Lusace.    Paris  1879. 

")  V.  Eelking,  Correspondenz  des  Grafen  Brühl  mit  dem  General- 
major Freiherrn  v.  Riedesel  i759ff.    Berhn  1854. 


I20  Carl  Görler: 

veräne  davon  abgehalten,  seine  eigenen  Wege  zu  gehen  und 
um  seiner  Kronländer  willen  den  Bundesgenossen  zu  vernach- 
lässigen. Ohne  Rücksicht  auf  die  im  Hauptquartier  anwesenden 
Prinzen  Xaver  und  Carl  beschossen  die  Österreicher  schon 
im  ersten  Kriegsjahre  das  nur  schwach  besetzte  Zittau;  durch 
nachlässige  Kriegsführung  gaben  sie  das  Land  dem  Sieger 
preis  und  liefsen  seine  Residenz,  als  sie  sie  endlich  genommen, 
aus  Mangel  an  Initiative  fünf  Tage  lang  eine  entsetzHche  Be- 
schiefsung  aushalten  und  die  Verteidigung  mit  teilweiser 
Plünderung  bezahlen.  Zwei  Monate  darauf  nötigten  sie,  um 
Böhmen  eine  Last  zu  ersparen,  den  sächsischen  Bevoll- 
mächtigten, Freiherrn  v.  Fletscher,  die  in  der  Gewalt  der 
Verbündeten  befindlichen  Landesteile  zur  Lieferung  von 
300000  Zentnern  Heu  ä  i  Taler  zu  verpflichten.  Auf  diese 
bedrohliche  Nachricht  hin  entschlofs  sich  der  Kurfürst  durch 
Reskript  d.  d.  Warschau,  den  22.  Oktober  1760,  zur  Beför- 
derung des  allgemeinen  Landes -Besten  eine  Kommission') 
niederzusetzen;  Kanzler  von  Stammer  als  Vorsitzender,  die 
Geheimen  Kriegsräte  von  Zeutzsch  und  von  Haagen,  Geheimrat 
V.  Wurmb  und  Vizekanzler  Gutschmid  waren  ihre  hervor- 
ragendsten Mitglieder,  der  Verkehr  mit  den  befreundeten 
Truppen  und  der  Wiederaufbau  der  Residenz  ihre  Haupt- 
aufgaben. Diese  Kommission  unterstand  nur  dem  Geheimen 
Consil  als  höchster  Landesbehörde  und  befand  sich  behufs 
rascher  Information  mit  allen  anderen  Kollegien  in  statu 
communicationis.  Schon  in  den  ersten  Wochen  mufste  sie 
sich  eingestehen,  dafs  sie  in  beiden  Beziehungen  nur  vor- 
beuo^end  und  vorbereitend  arbeiten  könne.  Sah  sie  doch 
bereits  am  3.  November  1760  durch  die  Torgauer  Schlacht 
die  Verbündeten  auf  ein  enges  Gebiet  beschränkt,  ohne  dafs 
deren  Bedürfnisse  sich  darum  vermindert  hätten.  Nur  mit 
Mühe  verhinderte  sie,  dafs  die  Hauptstadt  das  Weihnachtsfest 
ohne  Licht  und  Holz  beging.  Für  letzteres  kam  böhmische 
Deckung,  ersteres  blieb  jedoch  sehr  knapp,  da  die  k.  k. 
Regimentsfleischer  das  Inselt  statt  an  die  Lichtzieher  Heber 
als  Nahrungssurrogat  ans  Publikum  verkauften.  Die  dies- 
bezüglichen Verhandlungen  gediehen  so  schleppend,  dafs 
nicht  .sie,   sondern   die  zunehmenden  Tage  die  leidige  Frage 


')  Vgl.  für  das  folgende  die  Acta  Commissionis  zur  Beförderung 
des  allgemeinen  Landes-Besten,  in  Ansehung  derer  darinnen  stehenden 
freundschaftlichen  Truppen  betr.  (HStA.,  Loc.  10073.  Vol.  I— IV) 
und  Acta  Commissionis,  die  Wiederherstellung  hiefsiger,  durch  letz- 
teres feindliches  Bombardement  ruinierter  Residenz-Stadt  Dresden 
betr.-  (HStA.,  Loc.  9839,  Vol.  I  und  II.j. 


Zur  Bedeutuntj  des  siebenjährigen  Krieges.  I2i 

lösten.  Zweifellos  strebten  die  kaiserlichen  Oberbehörden 
Wohlwollen  und  Mäfsigung  an;  dafür  sprechen  Feldmarschall 
Dauns  strenge  Straf  befehle  gegen  alle  Ausschreitungen,  das 
wiederholte  Entgegenkommen  des  Chefs  des  Feldkriegs- 
kommissariats, Grafen  von  Clary,  vor  allem  aber  die  Ver- 
fügung des  Proviantamtsdirektors,  Baron  von  Grechtler,  der- 
zufolge  die  Heulieferung  zu  gestunden  und  zu  dem  erhöhten 
Satz  von  i  Taler  4  Groschen  zu  vergüten  war.  Aber  eben 
aus  Dauns  Strafdrohungen  und  aus  den  Meldunofen  über  zahl- 
lose  einzelne  Gewalttaten  ging  hervor,  wie  übel  die  Manns- 
zucht der  k.  k.  Truppen  beschaffen  war.  Immerhin  gestattete 
die  Ruhe  der  Winterquartiere  der  Kommission,  durch  Auf- 
gebot aus  Dresdens  Umgebung  den  massenhaften  Brand- 
schutt wegzuräumen  und  wenigstens  teilweise  zur  Erhöhung 
der  um  Neujahr  überfluteten  Weifseritzdämme  zu  benutzen, 
wozu  binnen  drei  Monaten  insgesamt  6577  zweispännige  Fuhren 
geleistet  wurden.  Die  vom  Kurfürsten  vorschlagsgemäfs  ge- 
nehmigten Steuerherabsetzungen  sollten  die  Lust  zum  Aufbau 
zerstörter  und  zur  Annahme  wüster  Häuser  anregen,  eine 
allgemeine  Kollekte  die  Abgebrannten  wenigstens  teilweise 
entschädigen'),  Herrn  von  Hagedorns  Plan  einer  Feuersocietät 
nach  preufsischem  Muster  das  Kapital  zu  zukünftigen  Unter- 
nehmungen ermutioren. 

Kaum  waren  die  ersten  tastenden  Schritte  geschehen,  da 
lief  die  Anfrage  der  Militär-Oberbaukommission  ein,  ob  die 
halbzerstörten  Dresdner  Festungswerke  geschleift  oder  auf- 
gebaut werden  sollten.  In  panischem  Schrecken  beschlofs 
man,  um  Zeit  zu  gewinnen,  die  Beantwortung  durch  schrift- 
liche Einzelgutachten.  Das  erste")  stammt,  den  zj.jz.  1761 
datiert,  aus  der  Feder  des  Geheimrats  Friedrich  Ludwig  von 
Wurmb.  Die  Fragstellung  der  Militär -Ober -Baukommission 
scharf  bemängelnd,  führt  es  folgendes  aus:  In  seinem  jetzigen 
Zustand  sei  Dresden  gegen  einen  starken  Feind  völlig  ver- 
teidigungsunfähig, das  gebe  jeder  Kriegsverständige  zu.  Aufs 
entschiedenste  sei  der  Gedanke  zu  bekämpfen,  die  Festungs- 
werke im  jetzigen  Zustand  zu  belassen,  dessen  ganze  Zweck- 
widrigkeit sich  1745  ^^"d  175^  oftenbart  habe  und  sich  künftig 
noch  weit  schrecklicher  offenbaren  müsse.  Mit  gutem  Ge- 
wissen könne  er  dann  keinem  zum  Wiederaufbau  seines  Hauses 
raten,  da  alsdann  die  bürgerliche  Gesellschaft  für  die  Sicherheit 


\)  Die    Kommission    schätzte    den    durch    die    preufsische    Be- 
schiefsung  verursachten  Schaden  auf  ca.  4178000  Taler. 

-)  Loc.  9839  Acta  Comm.  die  Beförderung    .  .   1760  Vol  I,  fol.  262  f. 


12  2  Carl  Görler : 

des  Eigentums  nicht  auf  die  nächsten  zwei  bis  drei  Jahre  Bürg- 
schalt leisten  könne.  Erstelle  die  Frage  so:  Sind  die  Festungs- 
werke ganz  einzureifsen  oder  völlig  neu  auszubauen?  Zur 
Antwort  hierauf  sei  aber  keine  Kommission,  sondern  nur  ein 
königliches  Ministerium  zuständig,  weil  selbige  allein  von  dem 
Systema  abhänge,  so  Seine  Majestät  inskünftig  annehmen  werde. 
Hierüber  denke  er  also:  Bekomme  Sachsen  im  Friedenschlufs 
keine  erhebliche  Kostenentschädigung  oder  Gebietserweiterung, 
so  scheide  es  aus  der  Reihe  der  mittleren  Mächte  und  sei, 
weil  auf  die  nächsten  20  bis  30  Jahre  nur  mit  ökonomischen  An- 
gelegenheiten beschäftigt,  zu  militärischen  Ausgaben  aufser- 
stande.  Im  anderen  Falle  bedürfe  es,  wie  das  in  gleicher 
Lage  betindliche  Savoyen,  einer  stark  befestigten  Residenz; 
das  Geld  dazu  müsse  und  werde  geschafft  werden. 

Dieses  Memorandum  offenbart  Herrn  von  Wurmbs  geistigfe 
Überlegenheit,  denn  zum  erstenmal  erkennt  dieser  Diplomat,  dafs 
eine  europäische  Stellung  zwischen  Grofsmächten  bei  i^/„  Milli- 
onen Seelen  und  zerrütteten  Finanzen  unmöglich,  und  dafs  Wohl- 
fahrtspflege der  einzig  wesentliche  zum  Dasein  berechtigende 
Zweck   eines  politisch  handlungsunfähigen  Staates  sei. 

Minder  präzis,  doch  geistesverwandt  sprach  sich  Hofrat 
Gutschmid  am  i.  März  aus;  auch  er  verlangte  Niederreifsung 
oder  vollen  Ausbau  und  machte  die  Entscheidung  davon  ab- 
hängig, ob  Sachsen  sein  zukünftiges  System  auf  ein  eigenes  Heer 
gründen  werde  oder  nicht.  Diesen  Politikern  gegenüber  nahm, 
wie  bei  mancher  anderen  Gelegenheit  der  Militär  von  Zeutzsch 
einen  abweichenden  Standpunkt  ein,  denn  er  bekämpfte  am 
28.  Februar  den  Plan  einer  Hauptfestung,  weil  einerseits  der 
blofse  Kostenanschlag  das  Ärar  in  Schrecken  setzen,  anderer- 
seits zur  Verteidigung  einer  solchen  Hauptfestung  eine  all- 
zustarke Garnison  erforderlich  und  weder  die  wünschenswerte 
Sicherheit  des  Bürgers  noch  der  fürstliche  Anspruch  auf  eine 
schöne  Residenz  damit  zu  vereinigen  sein  werde.  Opti- 
mistischer als  die  Diplomaten  meint  der  General,  es  sei  ein 
einzigartiger  und  gewifs  nicht  wieder  vorkommender  Fall, 
dafs  ein  Nachbar  und  Erbverbrüderter  ohne  vorherige  Kriegs- 
ankündigung feindlich  ins  Land  falle,  und  dafs  an  einem  Tage 
Residenz,  Armee  und  Artillerie  verloren  gehe.  Begreiflicher- 
weise kam  die  Kommisson  zu  keinem  anderen  Entschlufs, 
als  die  Frage  der  Zukunft  anheim  zu  geben,  umsomehr  als 
die  ökonomischen  Angelegenheiten  nunmehr  in  den  Vorder- 
grund des  Interesses  traten. 

Aus  Geldmangel  hatte  Friedrich  der  Grofse  imter  säch- 
sischem   Stempel    nach    und    nach    Millionen    geringhaltiger 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  123 

Silbermünzen,  zuletzt  die  Mark  zu  45  Talern,  ausprägen  lassen, 
die  als  eine  wahre  Landplage  zerrüttend  und  Verwirrung 
stiftend  in  alle  Lebensbeziehungen  eindrangen.  Im  Gegen- 
satz dazu  wollte  Österreich  Sachsen  zur  Annahme  des  Wiener 
Konventionsfufses ')  zwingen.  Deshalb  gebot  Feldmarschall 
Daun  durch  die  Ordre  vom  21.  April  1761  den  Sold  an  die 
Truppen  in  Wiener  Konvention  oder  gleichwertiger  Münze  aus- 
zuzahlen und  bedrohte  die  Ausfuhr  solcher  Sorten  ins  Bereich 
des  Feindes  mit  standrechtlicher  Erschiefsuno-,  Aoriopfeschäfte 
mit  körperlicher  Züchtigung  und  Landesverweisung,  und  den 
Hehler  in  jedem  Falle  mit  der  Strafe  des  Täters.  Hierüber 
aufs  höchste  bestürzt,  riet  die  Kommission,  die  Arbeitslöhne 
und  Warenpreise  dem  Geldwert  entsprechend  zu  normieren. 
Dabei  aber  blieb  sie  stehen;  denn  obv/ohl  sie  begriff,  dais 
dem  Lande  der  Konventionsfufs  aufgezwungen  werden  sollte, 
wagte  sie  weder  sich  dem  zu  widersetzen,  noch  aus  Furcht 
vor  preufsischer  Vergeltung  den  Kurs  der  minderwertigen 
Sorten  gegenüber  dem  Normalgelde  zu  bestimmen  Sie  be- 
gnügte sich  mit  der  allgemeinen  Wahrheit,  dafs  Sachsen  als 
Handelstaat  das  beste  Geld  brauche  und  künftig  wenigstens 
die  Goldmünzen  nach  dem  Leipziger  Fufs  ausprägen  möge. 
Vorläufig  freilich  gebrach  es  derartig  an  Kapital,  dafs  sie  auf 
Vorschlag  ihres  Präsidenten  beantragte,  die  hypothekarische 
Beleihbarkeit  der  Grundstücke  ohne  obrigkeitliche  Spezial- 
genehmigung  von  einem  Drittel  wenigstens  auf  die  Hälfte  des 
Taxwertes  zu  erhöhen.  Allein  sie  stiefs  auf  den  Widerspruch 
des  Dresdner  Rates-):  die  Häuser  seien  gesunken  und  ver- 
lören selbst  im  Frieden  durch  Alter  an  Wert.  Um  Arbeits- 
kräfte heranzuziehen,  verfügte  sie  an  dieselbe  Behörde,  die 
innungsmäfsige  Beschränkung  der  Gesellenzahl  und  des  Zu- 
wanderns  von  Auswärtigen  für  alle  mit  dem  Bauwesen  in 
Verbindung  stehenden  Gewerbe  einstweilen  aufzuheben;  noch 
iV.^  Jahre  später,  am  14.  Juli  1762,  lehnte  sie  den  Antrag  des 
Geheimen    Consils,    die    unverschämten    Lohntreibereien    der 


')  Für  Sachsens  Ausmünzung  war  bisher  der  1735  reichsgesetzlich 
verordnete  Leipziger  Fufs,  die  feine  Mark  Silber  zu  laV^  Talern,  mafs- 
gebend.  Durch  Geldnot  veranlalst,  führte  Österreich  1753  zunächst 
für  sich  und  im  Wege  diplomatischer  Verhandlung  für  die  beitretenden 
Reichsstände  den  Wiener  Konventionsfufs  ein,  der  das  Silber  zu 
13  Taler  8  Groschen  auf  die  feine  Mark  münzte,  mithin  das  Geld 
ein  fünfzehntel  verschlechterte. 

-)  Dieselbe  konservative  Behörde  sprach  sich  am  11.  Septemlier 
1761  dahin  aus,  dafs  auch  ein  wesentHches  öffentliches  Interesse,  wie 
die  geplante  Verbreiterung  einc^-  Strafse,  zur  Zwangsenteignung  nur 
bei  voller  sofortiger  barer  Entschädigvmg  l)erechtige. 


12  4  Carl  Görler: 

Handlanger  gesetzlich  zu  begrenzen,  mit  der  Begründung  ab, 
dafs  Maximallöhne  vorerst  sanz  aussichtslos  seien  und  nur  die 
Arbeiter  in  die  ihnen  Schutz  orewährende  Armee  und  deren 
Magazine  treiben  würden. 

Gleichzeitig  überwanden  Handel  und  Verkehr,  von  der 
Regierung  ungestört,  den  längst  veralteten,  lästigen  Strafsen- 
zwang.  So  legten  Sturm  und  Drang  die  erste  Bresche  in  die 
durchmorschten  Ordnungen  der  Zünfte  und  des  Polizeistaates. 

Noch  weit  ernstere  Sorgen  erwuchsen  der  Kommission 
durch  die  Bedürfnisse  der  k.  k.  Armee,  zumal  deren  starke 
Kavallerie  ungeheure  Mengen  an  Hafer  und  Heu  verbrauchte. 
Seit  die  Ritterschaft  durch  den  kurfürstlichen  Befehl  vom 
20.  Februar  1761  mit  Ausnahme  der  Holzlieferung  von  allen 
anderen  Leistungen  für  die  Verbündeten  befreit  war,  machte 
sich  Eigennutz  und  Festhalten  am  Besitz  bei  der  ländlichen 
Bevölkerung  vielfach  bemerkbar.  Kammerkommissar  Zahn- 
Dippoldiswalde  schreibt  darüber  unterm  26.  Juni  1761:  ,,Alle 
Ausschreibungen  wirken  langsam  und  taugen  in  Kriegszeiten 
zu  gar  nichts.  Die  meisten  Beamten  sind  viel  zu  gemächlich 
und  rühren  sich  kaum  selbsten.  Sie  gähnen  erstlich  lange, 
ehe  sie  nur  einen  alten  Stroh -Zeddel  ex  officio  verfertigen, 
und  die  Bauern  halten  sich  dann  noch  berechtigt,  wider 
alle  solche  Verfügungen  erst  zu  leuterieren  und  zu  appellieren." 
Dergleichen  Wahrnehmungen  mögen  die  k.  k.  Heeresleitung 
bewogen  haben,  Mitte  1761  Herrn  von  Grechtler  zunächst 
in  der  Form  unbestimmten  Urlaubs  abzurufen  und  in  der 
Person  des  Edeln  von  Hauer  durch  einen  Mann  zu  ersetzen, 
dem  nicht  umsonst  der  Ruf  unbeugsamer  Härte  vorausging. 
Tatsächlich  mufste  die  Kommission,  sehr  bald  die  Nutzlosig- 
keit persönlicher  Vorstellungen  einsehend,  dem  Kurfürsten  nach- 
drückhche  gesandtschaftliche  Beschwerde  in  Wien  empfehlen, 
aber  vergebens.  Schon  am  5.  August  befand  sie  sich  in 
verzweifelter  Lage,  da  von  Hauer  binnen  sechs  Wochen  von 
den  Erblanden  30000  Scheffel  Hafer  und  120000  Zentner 
Heu,  von  den  Lausitzen  je  20000  Scheffel  bezw.  Zentner 
verlangte.  Dennoch  entschlofs  sie  sich,  dies  Quantum,  wie 
und  woher  auch  immer,  durch  Unternehmer  aufkaufen  zu 
lassen,  denen  der  Staat  Geld  vorschiefsen  sollte,  das  er  selbst 
freilich  erst  borgen  müsse.  Wochenlang  gehen  dann  uner- 
quickliche Korrespondenzen  von  wechselnder  Tendenz  hin  und 
her,  und  schon  aus  dem  Sinken  der  Beteiligung  an  den  Sitzungen 
erhellt  zur  Genüge  die  Stimmung  der  Kommission.  Da  fordert 
von  Hauer  in  seinem  Memorandum  vom  15.  September  zu 
willkürlich  herabgesetztem  Preise  von   den  Erblanden  30000 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  125 

Zentner  Mehl,  100 000  Scheffel  Hafer  und  das  doppelte  Quantum 
Heu,  von  den  anderen  Landesteilen  entsprechend  unerschwing- 
liche Posten  mit  der  naiven  Begründung,  ,,es  werde  dem 
Feind  zu  desto  gröfserem  Abbruch  gereichen,  wenn  der  Land- 
mann sich  allen  irgend  entbehrlichen  Vorrats  entäufsere  und 
somit  die  Möglichkeit  feindlicher  Ravage  gänzlich  abschnitte". 
Schleunigst  berufen,  ermannt  sich  hierauf  am  17.  September 
die  Kommission  zu  dem  Beschlufs,  die  gewünschte  Wegnahme 
der  Privatmagazine  als  ungesetzlich,  die  Lieferung  nach  Alten- 
berg wegen  der  Nähe  der  Grenze  als  untunlich  und  alle 
weiteren  Abmachungen  über  die  Höhe  künftiger  Leistungen 
rundweg  abzulehnen.  Und  in  eben  diesen  drangsalvollen 
Tagen  meldet  Oberproviantkommissar  Rothe  dem  Geheimen 
Kriegsratskolleg  wie  Generalfeldzeugmeister  Graf  Lassy  höchst 
nachsichtig  gegen  die  Ausschreitungen  seiner  Offiziere  und 
Truppen,  dagegen  unbarmherzig  und  voll  Unwillens  gegen 
die  sächsischen  Bauern  und  Beamten  verfahre  und  all  die 
erfolgten  Gewalttaten  mit  direkten  Befehlen  des  Grafen  Dann 
entschuldige;  in  ganz  gleichem  Sinne  berichtet  auch  der 
Meifsner  Kreiskommissar  von  Lüttichau.  Nachdem  er  in  seiner 
Note  vom  24.  September,  einem  Aktenstück,  das  Herr  von 
Wurmb  mit  Recht  direkt  feindlich  nennt,  die  sächsischen 
Behörden  in  beleidigenden  Ausdrücken  preufsischer  Gesinnung 
beschuldigt,  schreibt  endlich  Edler  von  Hauer  am  10.  Oktober 
insgesamt  55000  Zentner  Mehl,  155000  Scheffel  Hafer  und 
310000  Zentner  Heu,  lieferbar  binnen  sechs  Wochen  in  teils 
ganz  unannehmbare  Magazine,  aus.  Und  als  die  Kommission 
selbstredend  sich  hierauf  nicht  einläfst,  auch  der  um  die  Er- 
füllung aller  gerechten  Ansprüche  stets  eifrigst  besorgte  Herr 
von  Zeutzsch  höchstens  und  im  günstigsten  Fall  25000  Scheffel 
Hafer  und  50000  Zentner  Heu  auf  sich  nehmen  kann,  publiziert 
er  alsbald  seine  Fouragierungsordre  und  sofort  strömen  zur 
Kriegskanzlei  massenhafte  Meldungen  über  teilweise  haar- 
sträubende Exzesse,  denen  sich  im  folgenden  Frühjahre  ebenso 
bittere  Klagen  über  Raubsucht  und  Rohheit  der  Reichstruppen 
anreihen.  Die  Wahrnehmung,  wie  hoch  der  Kulturstand  der 
preulsischen  Truppen  über  demjenigen  des  Kaiserreichs  und 
der  deutschen  Kleinstaaten  stehe,  tritt  uns  von  Anfang  des 
Krieges  an  in  den  Briefwechseln  Gellerts,  Rabeners  und  anderer 
entgegen;  sie  wird  wiederholt  in  den  Akten  der  Unterbeamten 
bestätigt  und  ist  seit  den  Maitagen  1762  in  das  Gesamt- 
bewufslsein  des  Volkes  übergeffano-en. 

Äufsere  Bedrängnis  und  innere  Not  stiegen  so  hoch,  dafs 
die  Kommission  schliefshch   am    28.  April   1762    die    Zwangs- 


126  Carl  Gull  er: 

wegnähme  der  Kornvorräte  auch  auf  Rittergütern  vorschlug 
und  diese  verzweifelte  Ausnah memafsregel  durch  die  Lage 
hinlänglich  entschuldigt  glaubte.  Gebrach  es  doch  zuletzt 
sogar  an  Bergleuten,  die  als  die  genügsamsten  und  wiUigsten 
Arbeiter  galten.  Und  dabei  wurde  selbst  gegen  den  Landes- 
herrn seitens  der  Verbündeten  Spott  und  Unwille  laut,  der 
sich  bis  in  die  untersten  Chargen  hinab  verbreitet. 

In  dieser  höchsten  Not  dämmerte  der  erste  Friedens- 
hoffnungsstrahl; der  Tod  der  Zarin  Elisabeth  und  der  ihm 
folgende  Systemwechsel  hatte  ihn  wachgerufen.  Unter  diesem 
Eindruck  erliefs  Friedrich  August  das  Reskript,  d.  d.  Warschau, 
den  12.  April  1762,  präsentiert  im  Geheimen  Consil  am 
26.  April,  kraft  dessen  er  zur  Beratung  der  Mittel  ,,zur 
Wiederaufnahme  hiesiger  Lande"  die  sogenannte  ,, Restau- 
rationskommission" einsetzte^).  An  die  Spitze  berief  er  den 
als  Friedenskommissar  und  Minister  bekannten  Freiherrn  von 
Fritsch^),  einen  ebenso  gründlichen  wie  objektiven  Kenner 
aller  einschlägigen  Verhältnisse.  Diesem  am  nächsten,  ihn 
geistig  noch  überragend,  an  Charakter  aber  leider  längst  nicht 
erreichend,  stand  Geheimrat  von  Wurmb.  Das  Obersteuer- 
kolleg war  durch  seinen  Direktor  von  Heringen  und  durch 
dessen  Stellvertreter  von  Nitzschwitz,  die  Kammer  durch  die 
Räte  von  Poigk  und  Lindemann,  die  Landesregierung  durch 
den  Vizekanzler  Gutschmid  trefflich  vertreten.  ,,Um  nur 
einige  Proben  davon,  worauf  des  Landes  Wohlfahrt  haupt- 
sächlich beruht,  zu  berühren",  sagt  das  Reskript  wörtlich, 
,,so  sind  solches:  die  Wiederherstellung  der  so  sehr  ver- 
fallenen Landwirtschaft,  die  Wiederherbeiziehung  so  vieler 
unumgänglich  nöthiger  entwichener  oder  mit  Gewalt  ent- 
führter Fabrikanten,  Handwerks-  und  Bauersleute,  die  Ver- 
schaffung eines  hinlänglichen  Surrogat!  in  Stein-  und  Erd- 
kohlen, auch  Torf,  um  den  leider  nunmehr  aufs  höchste  ge- 
stiegenen Mangel  an  Holz  einigermafsen  zu  ersetzen,  ingleichen 
die  Anstalten,  wie  das  noch  vorhandene  Holz  fernerhin  allein 
zu  dem  allernothwendigsten  gemeinnützigen  Gebrauch  mit 
rathsamer  Ersparnifs  anzuwenden ;  die  Wiederbefestigung  so- 
wohl des  allgemeinen  Landes-Credits,  wozu  denn  die  strackte 
Handhabung  der  Justiz  und  Polizey  (inmafsen  wir  wegen  Ein- 


1)  Acta,  die  zur  Beförderung  der  Wiederaufnahme  hiesiger  Lande 
niedergesetzte  sogenannte  Restaurations-Commission  und  derer  er- 
statteter Berichte  betr.     (HStA.,  Loc.  2250.) 

^)  Fr eiherr  von  B  e  a  u  1  i  e  u  -  M  a  r c  o  n  n  e  y ,   Ein  sächsischer  Staats- 
mann des  18.  Jahrhunderts,  in  von  Webers  Archiv  f.  d.  sächs.  Gesch. 
IX,  251  ff. 


Zur  Bedeutving  des  siebenjährigen  Krieges.  127 

richtung  des  Münzwesens  auf  einen  beständig  guten  Fufs  nach 
erfolgtem  Frieden  eigene  Vorkehrung  zu  treffen  gemeint) 
vorzüghch  mit  gehört,  als  auch  insonderheit  des  von  dem 
Steuer-Aerario,  die  Wiederemporbringung  des  Commercii  und 
des  Wohlstandes  der  unter  der  erstaunlichen  Last  ihrer  Er- 
pressung der  Gefahr  des  gänzlichen  Verderbens  nahe  stehenden 
Stadt  Leipzig;  die  Conservation  der  andern  hart  mitgenom- 
menen besonders  der  abgebrannten  Städte  bei  ihrem  Hand- 
lungs-  und  Nahrungs- Erwerb;  alle  und  jede  irgendmögliche 
Erleichterung  und  Beförderung  der  Manufaktviren ,  des  Handels 
in,  aufser  und  durch  Sachsen,  besonders  des  Fuhrwesens, 
wozu  Posten,  gute  Strafsen,  Schiffsbrücken  statt  der  Fähren, 
gute  Wirthshäuser  mit  billigem  Essen  und  Futter  an  diesen 
Verkehrsstrafsen  gehören;  endlich  die  in  manchen  Städten  so 
nöthige  Verbesserung  des  Bergbaus."  Die  Kompetenz  der 
Kommission  sollte  sich  jedoch  auf  alle  und  jede  der  Ver- 
besserung fähige  Übelstände  beziehen. 

Trotz  dieses  scheinbar  so  umfassenden  Auftrags  war  ihr 
Arbeitsfeld  nur  auf  wesentlich  wirtschaftliche  Reform -Vor- 
schläge beschränkt;  die  auswärtige  und  die  hohe  innere  Politik 
blieben,  wie  die  Bemerkung  über  das  Münzwesen  bezeugt,  aus- 
drücklich dem  Kurfürsten  vorbehalten,  obwohl  nach  Herrn 
von  Wurmbs  bekannter  richtiger  Würdigung  die  Einzelmafs- 
regeln  in  unzertrennlichem  Zusammenhang  mit  dem  Regierungs- 
system standen.  So  fehlte  nicht  nur  naturgemäfs  ein  Vertreter 
des  Militärs,  sondern  sogar  derjenige  des  Oberkonsistoriums, 
ein  bedauerliches  Zeugnis,  wie  wenig-  Verständnis  dies  Kabinett 
für  die  Grundfragen  von  Volksbildung  und  Erziehung  besafs. 
Nun  hat  sich  die  Kommission  selbst  noch  weiter  beschränkt, 
indem  sie  zwar  allerdings  alle  die  angegebenen  Einzelgegen- 
stände, aber  auch  nur  diese  in  ihren  Vorträgen  behandelte. 
Und  dennoch  hat  sie  sich  bekanntlich  den  Dank  der  Mitwelt 
und  durch  den  charaktervollen  Freimut  ihres  Standpunktes, 
die  Tiefe  ihrer  Erkenntnis  und  den  Ernst  ihrer  Arbeit  auch 
die  Anerkennung  der  Nachwelt  verdient  \). 


1)  Um  des  Zusammenhanges  willen  nuüs  in  der  folgenden  Dar- 
stellung manches  angeführt  werden,  was  bereits  Oskar  Hüttig  in 
seinem  dankenswert  übersichtlichen  Aufsatz:  „Die  Segnungen  des 
siebenjährigen  Krieges  für  Kursachsen"  in  dieser  Zeitschrift  XXV,  82  if. 
mitgeteilt  hat.  Da  jedoch  die  Arbeit  leider  die  wichtigen  Kommissions- 
akten nur  in  sehr  spärlichen  Auszügen  benutzt  hat,  so  berücksichtigt 
sie  naturgemäfs  die  Genesis  und  den  inneren  Zusammenhang  des 
Reformwerkes  viel  zu  wenig  und  legt  insbesondere  dem  Landtage 
von  1763  Vei^dienste  bei,  die  wesentlich  der  Restaurationskommission 
gebühren. 


128  Carl  Görler: 

Als  Grundpfeiler  des  Staates  bezeichnete  diese  letztere 
die  Zahl,  die  bürgerliche  Tüchtigkeit  und  die  politische  Sicher- 
stellunof  seiner  Einwohner.  Die  früheren  Strafdrohuneen  scharf 
bemängelnd,  riet  sie,  der  Auswanderung  durch  gütliches  Zu- 
reden zu  steuern  mit  den  Worten:  „Es  ist  daher  die  Haupt- 
regel allemal  die  sicherste,  hierbey  so  wenig  Zwang  als  möglich 
anzuwenden  und  durch  geschwinde  Justiz,  gute  Polizey,  Er- 
mäfsigung  der  Abgaben,  Wiederherstellung  des  Credits,  richtige 
Münze,  mit  Einem  Worte,  durch  Abstellen  aller  derer  Ge- 
brechen, so,  wie  Eingangs  angeführt  ist,  schon  vor  dem  Kriege 
viele  Einwohner  aus  dem  Lande  verdrängt  hatten,  den  Leuten 
das  Land  so  angenehm  zu  machen,  dafs  es  denen,  die  bereits 
darinnen  sind,  nicht  einfallen  kann,  solches  zu  verlassen." 
Welche  Mitwirkung  sie  hierbei  dem  Beamtentum  zudachte, 
lehrt  die  Zurückhaltung,  die  sie  der  besonders  verhalsten 
Klasse  der  Generalakzisbeamten  aufzuerlegen  empfahl.  ,,Es 
dürfte"  —  sagte  sie  mit  Hinbhck  auf  die  Brausteuerhinter- 
ziehungen — •  ,,der  Einwand,  dafs  hierdurch  die  Denunzianten 
von  fleifsiger  Obsicht  abgehalten  würden,  von  keiner  Wichtig- 
keit scheinen,  indem  dergleichen  Bediente,  so  ihren  Dienst- 
Eyfer  nur  auf  den  Schaden  der  Landes-Einwohner  gründen  und 
die  Plackereyen  denen  Warnungen  bey  denjenigen,  die  aus 
Unwissenheit  sündigen,  vorziehen,  ihres  Dienstes  nicht  würdig 
sind."  Ja,  sie  verlangte  in  ihrem  Vortrag  über  die  Land- 
wirtschaft sich  ganz  von  der  üblichen  Bevormundungsmaxime 
des  Polizeistaates  loszusagen,  da  der  Feldbau  ein  Gegenstand 
der  freien  Übung  und  Erfahrung  sei  und  besser  durch  Bei- 
spiel und  Belehrung  gefördert  werde;  höchstens  würde  sie  für 
den  Weinbau  gewisse  Normen,  jedoch  auch  diese  ohne  regu- 
lativen Charakter  aufstellen.  Allein  wie  weit  fand  sie  das 
offizielle  Sachsen  von  solch'  erhabenem  Ziele  entfernt.  In 
bewunderungswürdiger  Kühnheit  und  Klarheit  der  Zeichnung 
führte  sie  dem  leitenden  Minister  das  bekannte  düstere  Bild 
seiner  Verwaltung  vor  Augen  und  betonte  dabei  wiederholt, 
dafs  alle  Leiden  und  Gebrechen  Sachsens  bereits  längst  vor 
dem  Kriege  bestanden,  allein  erst  durch  diesen  sich  offenbart 
und  noch  gesteigert  hätten.  Zwar  gab  sie  als  Ursache  für 
Auswanderung  und  Verfall  der  Städte  an  erster  Stelle  die 
Zollpolitik  der  Nachbarn  an,  gleichzeitig  und  gleichwertig 
aber  machte  sie  die  Höhe  der  Abgaben  und  der  öffentlichen 
Schulden,  die  Zerrüttung  allen  Kredits,  die  längst  vor  1756 
begonnene  Münzverschlechterung  und  die  Rechtsunsicherheit 
dafür  verantwortlich.  Die  Masse  veralteter,  oft  einander  wider- 
sprechender   Gesetze    habe    zahllose    Streithändel    hervorge- 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  129 

rufen  und  die  Prozefssucht  der  Landbevölkerung  wie  die 
Hetzereien  gewissenloser  Advokaten  geradezu  herausgefordert. 
Und  wie  hierdurch,  so  sei  die  Volksausbeutung  infolge  Träg- 
heit und  übelverstandener  Finanzpolitik  der  Oberbehörden 
auch  durch  deren  Pachtsystem  gefördert  worden.  Wenn  der 
Amtmann  zugleich  Pächter  der  Einkünfte  und  Richter  seines 
Bezirkes  sei,  so  liege  darin  eine  hochgefährliche  Verleitung 
zu  Ungerechtigkeiten.  Noch  weit  verderblicher  sei  jedoch 
die  Verpachtung  der  Generalakzise  gewesen,  indem  dieselbe 
klugen  aber  skrupellosen  Kaufleuten  durch  die  Kontrolle  über 
Erzeugung  und  Verbrauch  und  durch  Parteilichkeit  schlimmster 
Sorte  den  Weg  zu  Bereicherung  und  schädlichen  Handels- 
monopolen geebnet  habe.  Die  Fehler  der  Vorgesetzten  er- 
scheinen an  den  Subalternen  im  kleinen  und  kleinlichen  Mafs- 
stabe.  Wiederum  am  ärgsten  bei  Generalakzise  und  Post, 
wo  die  sprichwörtliche  Grobheit  und  Trinkgeldjägerei  dieser 
Leute  die  ganze  Verwaltung  mit  demselben  Geiste  wider- 
wärtiger Schikanen  durchseuchte.  Wenn  nun  die  städtischen 
Magistrate  leider  nur  zu  oft  derartigen  Vorbildern  folgten, 
so  sei,  wie  Leipzigs  Beispiel  beweise,  der  Ruin  fast  unaus- 
bleiblich. Das  einfache  Quatemberquantum  dieser  Stadt,  die 
man  —  um  den  Ausdruck  Professor  Hasses  zu  gebrauchen 
—  geradezu  als  melkende  Kuh  behandelte,  sei  mit  1200  Talern 
höher  bemessen,  als  das  des  ganzen  Neustädter  Kreises,  die 
Schocksteuer  einzelner  Häuser  so  hoch  wie  diejenige  grofser 
Dorfschaften  und  kleiner  Städte,  Nun  sei  im  Jahre  1702  als 
Ersatz  der  bestehenden  direkten  Steuern  die  Generalakzise 
eingeführt  worden,  weshalb  auch  im  ganzen  Lande  36^/.,  Pfennig 
vom  gangbaren  Schock  Groschen  und  23'/«  Quatember  aus 
der  Generalakziskasse  direkt  an  die  Obersteuereinahme  ab- 
geführt würden.  Allein  Leipzig  müsse  nicht  nur  die  Land- 
steuer mit  16  Pfennig  vom  gangbaren  Schock  und  18  so- 
genannte Akzisquatember  entrichten,  sondern  es  habe  auch 
dasjenige  Viertel  der  direkten  Steuern,  das  ihm  von  1698  bis 
17 15  wegen  Brandunglück  erlassen  war,  voll  nachzuzahlen 
gehabt,  ,,da  dies  Quart  tempore  introductiunis  in  moderation 
stand".  Diese  Benachteiligung  schätzt  Verfasser  mindestens 
auf  jährhch  40  bis  50000  Taler,  für  eine  Stadt  von  30000 
Einwohnern  eine  gewaltige  Last. 

Naturgfemäfs  hatte  sich  namentlich  in  den  grofsen  Städten 
einerseits  Schwelgerei  und  Müssiggang,  andererseits  Bettelei 
und  Bummelei  eingenistet.  Diesen  Mifsständen  gegenüber 
betonte  die  Kommission  folgerichtig,  wenn  schon  nicht  so 
tief  und  klar  wie  45  Jahre  später  der  grofse  Philosoph  Fichte, 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    I.  2.  9 


I30 


Carl  Görler 


'die  Notwendigkeit  einer  weitgreifenden  Erziehungsreform. 
Nur  kam  sie  mangels  eines  für  Schul-  und  Volksbildungs- 
fragen sachverständigen  Beraters  über  praktische  Einzelvor- 
schläge  nicht  hinaus.  So  wollte  sie  die  Kinder  vom  Eltern- 
haus frühzeitig  zu  speziellen  Geschäften,  z.  B.  zum  Stricken, 
angehalten  und  an  möglichste  Anspruchslosigkeit  gewöhnt 
wissen.  Der  Schulunterricht,  das  Stiefkind  dieser  Epoche, 
sollte  durch  Prüfung  und  Beaufsichtigung  der  Lehrer  ver- 
bessert werden,  wobei  den  Ortsobrigkeiten  ein  ihren  Gesichts- 
Icreis  wohl  übersteigender  Anteil  zugedacht  war,  der  sich 
durch  die  Abneigung  gegen  die  vielfachen  Eingriffe  des 
Oberkonsistoriums  erklärt.  Die  Oberflächlichkeit  in  der  Be- 
handlung einer  so  wichtigen  Frage  springt  allerdings  sofort 
in  die  Augen,  denn  wie  dies  verderbte  Geschlecht  sich  aus 
eigener  Kraft  zu  Fleifs  und  selbstloser  Pflichttreue  der  Jugend 
zum  Vorbild  erheben  könne,  wird  mit  keiner  Silbe  angedeutet. 
Dafs  ökonomische  Wohlfahrtspflege  das  Hauj)tziel  der 
Kommission  war,  ergibt  sich  aus  ihrer  Stellung  zu  einem  für 
uns  rein  sittlichen  Problem.  Weniger  aus  Menschlichkeit  als 
um  noch  nutzbare  Hände  zu  erhalten,  riet  sie  die  Todesstrafe 
auf  Diebstahl  und  ähnliche  minderschwere  Verbrechen  in 
Zuchthaus,  Landesverweisung  und  Staupenschlag  in  Gefängnis 
oder  Geldbufse  umzuwandeln.  Die  Wirkung  blieb  übrigens 
dieselbe.  Denn  vergleicht  man  die  Straf-  und  Begnadigungs- 
praxis seit  1763  mit  den  barbarischen  Gesetzen  der  40er  Jahre, 
so  wird  man,  paradox  genug,  für  Sachsen  von  der  humani- 
tären Mission  des  siebenjährigen  Krieges  sprechen  dürfen. 
Bereits  sechs  Jahre  nachher  verkündete  Kurfürst  Friedrich 
August  in.  den  Ständen:  ,,mit  der  fast  immer  der  Menschlich- 
keit zuwiderlaufenden  Tortur  eine  hauptsächliche  Veränderung 
vornehmen  zu  wollen"  \). 

Das  Hauptverdienst  in  der  Behandlung  der  speziell  ökono- 
mischen Angelegenheiten  erwarb  sich  die  Kommission  dadurch, 
dafs  sie  auf  das  engste  die  freie  Tätigkeit  des  Privatmanns 
mit  der  Mitwirkung  der  Behörden  verknüpfte.  So  rechnete 
sie  bei  der  Bestellung  der  Felder  auf  die  gegenseitige  Unter- 
stützung der  Gutsnachl^arn  und  wollte  nach  dem  trefflich 
bewährten  Beispiel  des  Amtes  Chemnitz  nur  für  die  schuld- 
los abM'Csenden  Besitzer  die  Obrigkeit  helfend  eingreifen 
lassen.  Ebenso  hoffte  sie  den  Dienststreitigkeiten  zwischen 
Herrn   und  Knecht,    den   damals  noch  einzigen   Vorboten  des 


')  Fortgesetzter  Codex   Augvisteus     Abteilung  I.  T.  II.  Buch  II. 
S.  3391^". 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  i  •j  i 

sozialen  Kampfes,  durch  Vorbild  der  Besten  und  den  davon 
ausgehenden  moralischen  Zwang  zu  steuern;  würde  doch  jeder 
billig  denkende  Edelmann,  wenn  die  Zahl  der  Feiertage  sich  vor- 
schlagsgemäfs  erheblich  verminderte,  auf  den  an  Werktagen  zu 
ungemessenen  Diensten  verpflichteten  Bauern  von  selbst  Rück- 
sicht nehmen.  In  solchen  Differenzen,  die  wegen  Wirtschafts - 
Verbesserungen  entstanden,  verlangte  sie  nach  Anhörung  be- 
nachbarter Sachverständiger  einen  schleunigen  gütlichen  Vor- 
bescheid der  Landesregierung;  werde  dieser  verworfen,  so  möge 
als  unparteiische  Instanz  das  Appellationsgericht  nach  dem 
Grundsatz  entscheiden,  dafs  gleichwertige  Dienste  unbedingt  zu 
leisten,  gesteigerte  entsprechend  zu  vergüten  seien.  Um  endlich 
den  Feldbau  von  der  drückenden  Last  des  Vorspanns  zu  befreien, 
schlug  sie  vor,  dafs  selbiger  von  den  Kreis-  und  Marschkommis- 
sarien künftig  nur  gegen  behördliche  Ordres  und  Quittungen  des 
Geheimen  Kriegsratskollegiums  beansprucht  werden  dürfe. 

Grofsen  Wert  legte  sie  mit  Recht  auf  die  Ausbeutung 
des  vorhandenen  natürlichen  Reichtums.  Um  dringender 
öffentlicher  Interessen  willen  verletzte  sie,  dabei  den  Einspruch 
des  Herrn  von  Poigk  übergehend,  die  Rechte  des  Privateigen- 
tümers, auf  dessen  Grund  und  Boden  auch  Fremde  das 
Mutungsrecht  nach  Braun-  und  Steinkohlen  ausüben  und  einen 
vom  Besitzer  begonnenen  aber  liegen  gelassenen  Bau  nach 
einer  viermonatlichen  Wartefrist  fortsetzen  sollten.  Und  hier- 
bei drängte  sie  die  Einmischung  des  offenbar  wenig  beliebten 
Bergamtes  soweit  zurück,  dafs  sogar  die  Arbeiter  nicht  der 
Berg-,  sondern  der  viel  strengeren  Gesindeordnung  unterstellt 
und  mit  dem  Bergamte  nur  durch  die  Person  des  Steigers 
verbunden  wurden.  Dagegen  übertrug  sie  die  eigentliche 
technische  Fürsorge  für  Berg-  und  Forstwesen  wiederum  aus- 
schliefslich  den  Behörden. 

Minder  klar  und  frei  war  wohl  infolge  ihrer  Zusammen- 
setzung der  Blick  der  Kommission  für  gewerbliche  und  in- 
dustrielle Dinge.  Zwar  wies  sie  auch  hier  mahnend  darauf 
hin,  dafs  in  erster  Linie  eigene  Schuld,  z.  B.  das  oft  unge- 
niefsbare  Bier,  die  unschönen,  unpraktischen  und  selbst  un- 
soliden Artikel  der  verschiedenen  Handwerke,  den  Niedergang 
verursachten,  und  riet  demgemäfs  die  auswärtigen  Muster  zu 
befolgen,  bewährte  Maschinen  und  Verfahren  einzuführen  oder 
nachzuahmen  und  einen  strebsamen,  höhergebildeten  Gewerb- 
stand zu  erziehen.  Daneben  aber  wollte  sie  die  Brauerei, 
die  Kramerei  und  sämtliche  Handwerke  vom  Lande  in  die 
Städte  verwiesen  sehen,  sofern  dieselben  nicht  kraft  der  schon 
allzu    nachgiebigen   Ordre  von    1722    infolge    unanfechtbaren 


9* 


132 


Carl  Görler : 


Urteils  oder  Herkommens  auf  den  Dörfern  zu  dulden  wären. 
Diese  mittelalterliche  Anschauuno-  mutet  umso  befremdlicher 
an,  als  die  Kommission  selbst  naiv  genug  zugestand,  dafs  die 
gleiche  Forderung  von  den  Städten  auf  den  Landesversamm- 
lungen seit  drei  Jahrhunderten  bei  aller  Leidenschaft  erfolglos 
erhoben  wurde.  Wenn  sie  überdies  die  tunlichste  Erleichte- 
rung der  Abgaben  und  unter  Überweisung  der  vor  1756 
entstandenen  Steuerreste  die  Tilgung  der  Kreis-  und  Ge- 
meindeschulden in  Aussicht  nahm,  so  war  dies  ein  wohlge- 
meinter, für  den  Augenblick  aber  unausführbarer  Vorschlag. 
Mit  gleichem  Vorbehalt  stehen  wir  ihren  Ausführung-en  über 
den  Handel  gegenüber.  Ganz  verständig  trat  sie  allerdings 
in  ihren  diesbezüglichen  Vorträgen  für  das  erreichbare  Maximum 
von  Handelsfreiheit  ein,  das  sich  bei  der  Zollpolitik  der  Nach- 
barn als  bescheiden  ofenuof  darstellt.  Ebenso  richtig  verwarf 
sie  in  auffällig  harten  Worten  den  etwa  auftauchenden  Ge- 
danken einer  Münzverschlechterung  und  sprach  sich  für  gute 
Strafsen,  einheitliche  Münzen,  Mafse,  Gewichte  und  Steuer- 
sätze aus.  Beiden  Zwecken  zu  dienen,  sollte  der  Staat  die 
Akzise  jetzt  von  Neujahr  1764  an  in  eigene  Verwaltung 
nehmen.  Endlich  stimmen  wir  auch  vollkommen  damit  über- 
ein, dafs  in  den  Magistraten  neben  den  Juristen  auch  Männer 
des  praktischen  Lebens  und  speziell  im  Leipziger  Rat  aufser 
Juristen  und  Kaufleuten  Kenner  der  Landesökonomie  sitzen 
sollten.  Dafs  man  hingegen  den  Leipziger  Stapel,  den  man 
im  Lande  selbst  und  gegenüber  den  ihn  ignorierenden  Grofs- 
mächten  beseitigen  wollte,  für  die  kleineren  Nachbargebiete 
aufrecht  erhielt,  erscheint  unklug  und  engherzig.  Geradezu 
Kopfschütteln  erregt  der  Gedanke,  die  Schiffahrt  zwar  auf 
Mulde,  Saale  und  Unstrut  möglichst  zu  fördern,  auf  der  Elbe 
aber  sich  selbst  zu  überlassen,  damit  nicht  bei  der  Kürze 
der  sächsischen  Flufsstrecke  der  Kostenaufwand  für  die  Strom- 
regulierung vornehmlich  Österreich  und  Preufsen  zugute 
käme.  Desto  fruchtbringender  war  der  Ausspruch  der 
Kommission,  dafs  die  drei  Produktionsglieder:  Landwirtschaft, 
Gewerbe  und  Handel  zusammenwirken,  mithin  die  Handels- 
bilanz oder  womöoflich  einen  Überschufs  an  Gutem  herstellen 
sollten.  Deshalb  riet  sie,  die  1735  niedergesetzte  Kommerzien- 
deputation  durch  die  Abteilungen  für  Manufaktur  und  Ökonomie 
zu  ergänzen  und  diese  Behörde  auf  grund  von  Mitteilungen 
aus  den  Gesandtschaftsakten  und  regelmäfsio-en  Berichten  der 
Ortsvorstände  mit  der  Sammlung  statistischen  Materials  und 
gutachtlichem  Beirat  in  allen  ihr  Ressort  umfassenden  Gegen- 
ständen zu  betrauen. 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  i^^ 

Als  Grundstein  ihres  Reformwerkes,  als  einzige  Bürg- 
schaft besserer  Tage  bezeichnete  die  Kommission  endlich  die 
Wiedergeburt  der  Justiz.  Sah  sie  doch  in  Masse,  Alter  und 
Unvereinbarkeit  der  bestehenden  Gesetze  den  Hauptquell  für 
die  alle  Stände  durchdringende  Prozefssucht.  Dem  abzuhelfen, 
sollte  ein  umfassendes,  einheitliches,  klares  Gesetzbuch  ent- 
worfen, von  den  Landständen  geprüft  und  nach  deren  Ab- 
änderungsvorschlägen von  Universitätslehrern  und  Verwaltungs- 
beamten ausgearbeitet  werden,  leider,  soviel  die  lückenhaften 
Mitteilungen  erkennen  lassen,  keine  eigentliche  Rechtsschöpfung, 
sondern  nur  eine  revidierte  Kodifikation.  Prüfung  der  Studenten 
und  Praktikanten,  strenge  Aufsicht  über  Leistungen  und  Be- 
tragen der  vielgescholtenen  Advokaten,  endlich  gute  Besoldung 
und  gesellschaftliche  Achtung  würden  einen  anständigen 
Richterstand  schaffen,  demgegenüber  sich  der  Staat  allerdings 
dazu  zwingen  müsse,  dem  gesetzlich  ermittelten  Rechte 
durchgängig  freien  Lauf  zu  lassen,  denn  hierdurch  allein 
sei  das  furchtbar  erschütterte  Vertrauen  dauernd  zurückzu- 
gewinnen. 

Mit  Hochachtung  scheidet  man  von  der  Lektüre  der  hier 
auszugsweise  wiedergegebenen  Akten,  zumal  wenn  man  sich 
vergegenwärtigt,  dafs  sie  in  die  Hände  des  Kurfürsten  und 
seines  Premierministers  Grafen  Brühl  gelangten.  Sittlicher 
Ernst,  redlicher  Wille  und  tiefe  Einsicht  durchdringen  das 
ganze  Werk,  und  die  Mängel,  die  wir  daran  wahrnehmen, 
sind  durch  die  allgemeinen  Zeitumstände  zu  entschuldigen. 
So  läfst  es  die  Rücksicht  auf  ihre  Verantwortlichkeit  nach 
oben  begreiflich  erscheinen,  wenn  die  Kammerräte  von  Poigk 
und  Lindemann  das  schlechterdings  nicht  zu  beseitigende 
liskalische  Interesse  ihrer  Behörde  geflissentlich  in  den  Hinter- 
grund drängten  und  die  Mitglieder  des  Obersteuerkollegs  in 
dem  Dilemma  zwischen  der  Finanznot  und  dem  Hilfsbedürfnis 
des  Volkes  manchmal  vom  Mittelweg  abirrten.  Gewifs  bleibt 
zu  bedauern,  dafs  man  allzu  ängstlich  das  Gebiet  der  höheren 
Politik  mied  und  nicht  einmal  darauf  Bedacht  nahm,  die  ver- 
wackelten Verfassungsformen  im  Sinne  der  Staatseinheit  zu 
vereinfachen.  Wie  hätte  indefs  eine  Kommission,  deren  Vor- 
sitzender überdies  seit  November  1762  noch  zu  den  Hubertus- 
burger Friedensverhandlungen  berufen  war,  in  solcher  Zeit 
an  die  Grundvesten  des  Bestehenden  rühren  können,  sie  konnte 
und  mufste  sich  damit  begnügen,  die  vorhandenen  Schäden 
zu  bessern.  Geschah  dies  nach  ihrem  Programm,  so  wurden 
mit  den  Wunden  des  Krieges  zugleich  die  tieferen  zweier 
verfehlter  Regierungen  geheilt. 


134 


Carl  Görler: 


Indefs  kann  ein  Staat  noch  weniger  als  ein  einzelner 
Mensch  durch  einen  einzigen  reuigen  Entschlufs  zur  Besserung 
mit  seiner  Vergangenheit  brechen;  denn  diese  prägt  mit  fast 
unwiderstehlichem  Zwang  einem  Volke  ihren  Stempel  auf. 
Sachsens  Fürst  und  sein  leitender  Staatsmann  standen  in  einem 
Alter,  in  dem  der  Charakter  als  Konsequenz  der  bisherigen 
Lebenstäticrkeit  nicht  mehr  veränderungsfähigr  ist.  Sein  Be- 
amtentum  entsprach  der  Mehrzahl  nach  dem  von  beiden  aus- 
gehenden Einiiufs.  Dem  Demokraten  von  Tendenz  bietet 
wohl  kein  Abschnitt  der  deutschen  Geschichte  soviel  Stoff 
zu  thron-  und  adelsfeindlichen  Angriffen,  als  die  ersten  beiden 
Drittel  des  i8.  Jahrhunderts.  Der  Geschichtsschreiber  aber, 
dem  keine  andere  Tendenz  als  das  Streben  nach  Wahrheit 
und  Gerechtigkeit  ziemt,  wird  hier  eine  statistische  Be- 
trachtung einschalten  müssen.  Ohne  dafs  eine  abschliefsende, 
etwa  tabellarische  Arbeit  darüber  vorläge,  weifs  doch  jeder 
Sachkundige  aus  den  vorhandenen  Geburts-  und  Sterblichkeits- 
listen ^j  unter  Heranziehung  der  Adelschroniken,  dafs  sich  in 
dem  Jahrhundert  von  1650  bis  1750  Deutschlands  Adel  pro- 
zentual viel  stärker  vermehrte,  als  die  bürgerhche  und  bäuer- 
liche Bevölkerung.  Die  Fruchtbarkeit  adeliger  Ehen,  die 
bessere  Lebenshaltung  und  höhere  Bildung  haben  hierzu  zu- 
sammengewirkt. Da  nun  die  Teilbarkeit  und  hypothekarische 
Beleihung  des  Grundbesitzes  sehr  bald  ihre  Grenzen  erreichte, 
das  Zeitalter  Ludwigs  XIV.  einerseits  die  Standesansprüche 
hob,  die  Nachwehen  des  dreifsigjährigen  Krieges  anderer- 
seits Handel  und  Gewerbe  fast  durchweg  zu  elender  Ärm- 
lichkeit herabdrückten,  so  drängten  sich  ungleich  stärker  als 
zuvor  die  jungen  Edelleute  zum  Hof-  und  Staatsdienst.  Allein 
in  den  Kleinstaaten,  zu  denen  Sachsen  mit  seinen  i'/,,  Millionen 
Einwohnern  und  dem  Mangel  an  Machtmitteln,  trotz  Kurhut, 
polnischer  Königskrone  und  vornehmer  Verwandtschaft,  zu 
zählen  war,  wuchsen  Menge  und  Bedeutung  der  Amtsgeschäfte 
nicht  entsprechend  dem  Andrang  der  Bewerber.  Die  künst- 
liche Vermehrung  der  Oberchargen  erzeugte  demgemäts 
Müssiggang,  nichtssagende  Geschäftigkeit  und  intrigantes 
Strebertum.     Aus  diesem  Lab}'rinthe  der  Sünde  fand  sich  die 


^)  Die  in  den  Dresdner  Gelehrten  Anzeigen  bekannt  gegebenen 
Tabellen  des  Oberkonsistoriums  zeigen  für  fast  alle  gröfseren  Städte 
beinahe  alljährlich  einen  Überschufs  der  Todesfälle  über  die  Ge- 
burten, so  dafs  nur  der  Zuzug;  die  Volkszahl  erhält.  Beispielsweise 
hat  Leipzig  im  ganzen  18.  Jahrhundert  nicht  um  io^/a  seiner  Be- 
völkerung zugenommen.  Eine  Erklärung  hierfür  bieten  die  noch  sehr 
häufigen  Epidemien. 


Zur  Bedeutunti'  des  siebenjährigen   Krieges.  135 

Aristokratie  um  so  weniger  heraus,  als  sie  bei  der  gegen 
früher  gesunkenen  gesellschaftlichen  Stellung  des  gesamten 
Lehrstandes  den  Erwerb  gediegener,  wissenschaftlicher  Kennt- 
nisse verabsäumte.  Wie  sehr  eine  solche  Entwicklung  die 
sittliche  Widerstandskraft  untergrub,  geht  daraus  hervor,  dafs 
nicht  blofs  in  Sachsen  edlere  Männer  gegen  das  Treiben  all- 
mächtiger Günstlinge  statt  charaktervoller  Opposition  die 
Flucht  ins  Privatleben  wählten.  Schwächere  Naturen  ver- 
fielen rettungslos  den  Folgen  ihres  Scheindaseins.  Wenn  nun, 
wie  bei  Brühl,  Grofsmannssucht  zum  Hauptantrieb  alles 
Handelns  ward,  so  entwickelten  sich  jene  Ministertypen,  die 
in  all  ihren  Lastern  von  der  Oberflächlichkeit  bis  zum  ge- 
meinen Diebstahl  mit  den  Auswüchsen  der  modernen  Hoch- 
finanz eine  frappante  Ähnlichkeit  bekunden.  Selbst  die  Feuers- 
brunst des  Krieges  läuterte  diese  Menschen  nicht,  allein  sie 
sonderte  ein-  für  allemal  das  Edelmetall  von  unreinen  Schlacken 
und  härtete  es  zu  zäher  Widerstandskraft.  Diese  offenbarte 
sich  sehr  bald  gegenüber  den  halben  Mafsregeln  des  Kabinetts. 
Als  sollte  ein  glänzender  Hoffnungsstern  über  dem  ge- 
prüften Lande  aufgehen,  erliefs  der  Kurfürst  bereits  am 
14.  März  1763  das  wichtige  Mandat  zur  Neuordnung  des 
Münzwesens  und  vervollständigte  es  zwei  Monate  später 
durch  eingehende  Ausführungsbestimmungen.  In  der  Er- 
kenntnis, dafs  der  Leipziger  Fufs  bei  dem  Rücktritt  der  meisten 
Reichsstände  nicht  mehr  zu  halten  sei,  führten  beide  Erlasse 
den  1753  von  Österreich  aufgestellten  Wiener  Konventions - 
fufs  ein,  demzufolge  die  feine  Mark  Silber  zu  13  Talern 
8  Groschen,  i  Taler  zu  24  Groschen  zu  12  Pfennigen  aus- 
geprägt wurde.  Da  indefs  das  Konventionsgeld  erst  ge- 
schaffen werden  mufste,  so  liefsen  beide  die  gangbarsten 
Sorten  des  minderwertigen  Geldes  zu  festen,  durch  Valva- 
tionstabellen bestimmten  Sätzen  bis  auf  weiteres  kursieren 
und  begnügten  sich,  nur  die  geringhaltigsten  Sorten  und  be- 
sonders die  ausländische  Scheidemünze  zu  verrufen,  während 
die  alte  sächsische  Scheidemünze  vollwertig,  die  nach  1756 
geschlagene  ihrem  Gehalte  entsprechend  zu  etwa  40  "Z^,  des  Nenn- 
wertes im  Kleinhandel  anzunehmen  war.  Eine  Reihe  von 
Strafbestimmungen  sorgte  dafür,  dafs  die  Gewinnsucht  sich 
nicht  des  Silbers  oder  der  besseren  Münzen  als  geeigneten 
Handelsobjekts  bemächtigte  oder  den  Krämern  und  Lohn- 
arbeitern durch  Agiotage  schadete.  Die  Silberlieferung  für 
das  Ausland  war  mit  1000  Talern  Geld-  und  dreijähriger, 
beliebiger  Freiheitsstrafe  bedroht.  Alle  Beamten,  Gerichte 
und  Postbediensteten  wurden  durch  verschiedene  Einzelbefehle 


136  Carl  Göiier: 

veranlafst,  über  die  Ausführung  dieser  Gesetze  zu  wachen. 
Mit  logischer  Konsequenz  bestimmte  sodann  das  Mandat  vom 
18.  Juni,  dafs  die  während  des  Krieges  kontrahierten  Schulden 
nach  der  beigefügten  amthchen  Reduktionstabelle  dem  Werte 
der  erhaltenen  Münze  nach  zu  bezahlen  seien.  Während  im 
allgemeinen  sächsisches  und  fremdes  konventionsmäfsig  ge- 
prägtes Geld  bis  zum  einfachen  Groschen  herab  für  jede 
Zahlung  in  beliebigen  Mengen  zugelassen  wai'd,  sollten  bei 
Wechseln  mangels  näherer  Bestimmungen  Eindritteltalerstücke 
die  niedrigste  gestattete  Münze  sein.  Nur  im  Mefshandel  mit 
Fremden  und  bei  Antritt  auswärtiger  Erbschaften  war  die 
Annahme  verbotener  Sorten  zugelassen,  doch  bedurfte  es  auch 
dann  noch  eines  schriftlichen  Versprechens,  dies  Geld  binnen 
6  Wochen  nach  Empfang  einschmelzen,  bei  den  Münzstätten 
umwechseln  oder  wiederum  exportieren  zu  wollen.  Der  un- 
geheuere Vermögensverlust,  der  mit  so  tief  einschneidenden 
Mafsnahmen  scheinbar  verbunden  sein  mufste,  war  bereits 
während  des  Krieges  eingetreten,  und  es  wurde  die  ganze 
Münzgesetzgebung  allgemein  als  grofse  Wohltat  empfunden. 
Nur  der  Versuch,  für  Goldmünzen  Normal-  und  Höchstsätze 
festzustellen,  erwies  sich  bei  der  steigenden  Unentbehrlichkeit 
gröfserer  Stücke  als  ganz  verfehlt.  Der  Dukaten  behaviptete 
in  den  Messen  durchweg  3,  der  Louisd'or  über  5  Taler. 
Immerhin  kam  man  durch  regelmäfsige  Silberprägung  binnen 
10  Monaten  soweit,  die  sogenannten  Ephraimiten,  die  zuletzt 
die  Mark  zu  45  Talern  ausgeprägt  worden  waren,  per 
15.  März  1764  gänzlich  verrufen  und  binnen  weiterer  zwei 
Monate  einziehen  und  umschmelzen  zu  können.  Bis  Mitte  1766 
hatte  man  mit  zirka  1 2 '/._,  Millionen  Talern  Konventionsgeld 
das  damahge  Landesbedürfnis  ungefähr  befriedigt.  Allerdings 
beweisen  zahllose  Wiederholungen,  wie  oft  noch  einzelne 
Vorschriften  der  Münzgesetze  namentlich  an  den  Landesgrenzen 
übertreten  wurden. 

Zwei  Tage  nachdem  man  das  Friedensfest  mit  Glocken- 
klang und  Kanonendonner  begangen,  verkündete  das  berühmte 
Edikt  zur  Wiederaufnahme  hiesiger  Lande  vom  23.  März  1763, 
es  werde  der  Fürst  alle  nur  irgend  dienlichen  Mittel  zu  dem 
geplanten,  heilsamen  Zweck  kräftigst  anwenden,  erhoffe  aber 
dabei,  dafs  seine  Untertanen  diese  Absicht  tunlichst  unter- 
stützen und  jeder  für  sich,  wie  für  den  nächsten  in  Feldbau, 
Gewerbe  und  Handel  dazu  mitwirken  werde.  Indem  Friedrich 
August  die  Einwohner  zum  Ausharren,  die  Ausgewanderten 
zur  Rückkehr  einlud,  versprach  er  leider  recht  leichtfertig: 
„Es  soll  auch  die  ihnen  (den  Entwichenen)  beygebrachte  un- 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges. 


137 


gegründete  Furcht,  als  ob  ihnen  neuerhch  unerschwingliche 
Abgaben  aufgelegt  und  mit  solchen  auch  diejenigen,  so  am 
härtesten  mitgenommen  worden,  nicht  verschont  werden 
sollten,  benommen  und  selbige  vielmehr,  dafs  wir  in  mit- 
leidiger Anerkennung  ihres  derzeitigen  Unvermögens  sie  mit 
Aboaben  auf  alle  nur  thunliche  Weise  zu  verschonen  die 
landesväterliche  Absicht  hegen,  auch  sonst  auf  deren  mög- 
lichste Erleichterung  bedacht  sein  ....  versichert  werden." 
Werfen  wir  angesichts  solcher  Zusagen  einen  Blick  auf 
Sachsens  Finanzen  an  der  Hand  der  Landtagsakten  von  1763'). 
Es  waren  29435000  Taler  Schulden  des  Obersteuerkollegiums 
vorhanden.  Davon  932  000  Taler  unverzinsliche  kleine  Stücke, 
und  28,5  Millionen  Taler  gröfsere  Scheine,  die  von  2 — 20  "n, 
durchschnittlich  mit  4^/5  "/„,  insgesamt  mit  i  288000  Talern 
zu  verzinsen  waren.  Doch  hatte  man  die  Zinsen  nur  zwangs- 
weise an  die  auswärtigen  Gläubiger,  im  Lande  selbst  seit  1749 
überhaupt  nicht  bezahlt.  Öffentliche  Wohlfahrtsanstalten 
waren  an  der  Staatsschuld  mit  i  367  543  Talern  Kapital  und 
434683  Talern  rückständigen  Zinsen  beteihgt-).  Die  General- 
kriegskasse war   1756  mit   1227000  Talern  belastet  gewesen 


1)  Vergl.  für  die  folgende  Darstellung  Acta,  Den  Allgemeinen 
Land -Tag  de  Anno  1763  und  in  specie  die  Praedeliberationes  darzu 
betreffend  (H.St.A.,  Loc.  1487,  Vol.  I— III). 

-)  Laut  Anzeige  des  Oberkonsistoriums  vom  19.  September  1763 
hatten  zu  fordern : 


An  ¥ 

[api 

tal 

An 

Zinsen 

Taler 

Gr. 

Pf. 

Taler 

Gr. 

Pf. 

Prokuraturamt  Meifsen   . 

S5;26l 

14 

4';.2 

20,280 

2 

2 

Universität  Leipzig     .     . 

250,714 

18 

i 

83,018 

15 

10V2 

)) 

Wittenberg  . 

92,641 

— 

2 

20,095 

17 

8'/i 

Stipendiat-Fiscus     .     .     . 

43,269 

I 

6 

13,241 

2 

4 

Landschul 

e  Grimma    . 

9,433 

8 

— 

2,189 

4 

— 

i) 

Meifsen     .     . 

38,834 

18 

— 

6,789 

23 

i''2 

11 

Schulpforta  . 

46,791 

6 

— 

16,171 

21 

Oberconsistorium    .     .     . 

279.593 

18 

— 

92,849 

18 

— 

Inspection 

Leipzig       .     . 

4,620 

— 

— 

1,982 

6 

— 

!5 

Colditz       .     . 

880 

— 

— 

389 

— 

— 

?? 

Waldheim       . 

1,196 

— 

— 

446 

— 

— 

1, 

Annaberg 

43,220 

'5 

— 

10,443 

7 

6 

11 

Meifsen      .     . 

19,875 

5 

— 

7.799 

21 

9 

11 

Oschatz      .     . 

23,998 

21 

1 1 

8,594 

12 

4 

11 

Bischofswerda 

6,013 

I 

2 

2,256 

21 

7 

11 

Freiberg     .     . 

■     153,612 

13 

6 

51,970 

8 

8 

11 

Haye      ... 

33,666 

10 

I 

12,946 

16 

I 

11 

Dresden     .     . 

193.657 

IS 

5'. 

55, 106 

13 

9 

11 

Pirna      .     .     . 

31,907 

19 

11,067 

19 

7 

H 

Chemnitz   .     . 

38,2^5 

13 

6 

17.043 

15 

7 

1,367,543 

6 

9 

434.683 

7 

-V4 

1^8  Carl  Görler: 

und  diese  Summe  hatte  sich  alljährlich  um  250  bis  300000  Taler 
bis  auf  3094000  gesteigert;  sie  war  so  jammervoll  bestellt, 
dafs  sie  zum  Ankauf  von  Munition  bei  der  Landlieferungs- 
kasse, deren  Gelder  doch  dem  Bürger  gehörten,  im  April  1763 
II  500  Taler  aufnahm  und  dies  Darlehen  nach  eigenem  Ge- 
ständnis unter  2  bis  3  Jahren  nicht  zurückzahlen  konnte.  Die 
Gesandtschaftskasse,  die  sich  einer  ständischen  Beihilfe  von 
jährHch  45  937  7«  Talern  erfreute,  hatte  ein  Defizit  von 
I  074000  Talern;  die  Rentkammer  endlich  litt  unter  so  trost- 
loser Zerrüttung,  dafs  die  Summe  ihrer  Schulden  mit 
13  Millionen  Talern  nur  schätzungsweise  bekannt  war.  Ihre 
Beamten  hatten  sich  fast  durchweg,  wie  die  Universitäten 
dem  Kurfürsten  klagen,  des  Leichtsinns  oder  der  Unter- 
schlagung schuldig  gemacht  und  z.  B.  den  Angestellten  der 
Universität  jahrelang  das  Gehalt,  den  Stipendiaten  ihre 
Benefizien  vorenthalten.  Auch  die  alten  Rats-  und  Justiz- 
kollegien, zu  deren  Gunsten  die  Fleischsteuer  eingeführt 
war,  sahen  diese  zudem  verhafste  Abgabe  in  fremde  Taschen 
fliefsen. 

Angesichts  solcher  Zustände  hatte  die  Regierung  den 
Mut,  durch  eine  dem  Generalfeldmarschall  Chevalier  de  Saxe 
unterstellte  Kommission  die  Verstärkung  des  Heeres  binneia 
6  Jahren  von  17600  auf  29500  Mann  und  von  1682  auf 
5742  Pferde  vorschlagen  und  dafür  insgesamt  11  670000  Taler 
verlangen  zu  lassen.  Die  Durchführung  dieses  Plans  hätte 
das  Vertrauen  in  Sachsens  Friedensliebe  schwerlich  gefördert, 
ohne  doch  gegen  das  sechsfache  Kontingent  I^reufsens  und 
Österreichs  erforderlichenfalls  auch  nur  annähernd  hinzureichen. 
Nun  hatte  die  Restaurationskommission  in  ihrem  Vortrage 
über  Wiederbefestigung  des  Steuerkredits,  der,  weil  aus- 
schliefslich  auf  Material  und  Arbeit  der  Steuerbeamten  be- 
ruhend, füglich  erst  hier  zur  Sprache  kommt,  bekanntlich  die 
Herabsetzung  aller  Steuerzinsen  auf  3  "  q,  die  Niederschlagung 
aller  Zinsansprüche  bis  mit  Ende  1763  beantragt.  Für  die 
Verzinsung  hatte  sie  870000  Taler,  für  Tilgungs-  und  Ver- 
waltungszwecke 230000  Taler  jährlich  ausgeworfen.  Und 
der  Hubertusburger  Friede  erhob  dies  Programm  im  Separat- 
artikel II  zu  einem  testen,  völkerrechtlichen  Vertrage  ').     Zu 


')  Dieser  seltene  Fall,  dal's  ein  V()lkerrechtlicher  Vertrag  das  ver- 
fassungsmäfsige  Be\\nllig;tmgsrecht  der  Landstände  in  einer  wichtigen 
fast  40  %  des  Etats  betragenden  Position  aufliebt,  findet  ein  Analogen 
in  den  allerdings  nur  vorläufigen  Bestimmungen  der  Verfassung  des 
deutschen  Reiches  über  die  Friedenspräsenz  vmd  die  Unterhaltungs^ 
kosten  des  Reichsheeres. 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  I3q 

diesen    i,i    Millionen    Talern    traten    für    die    laufenden   Ver- 
waltungsbedürfnisse  mindestens  300000  Taler  hinzu,   so   dafs 
durch   die   Ansprüche   des   Heeres   das   Budget   mit   reichlich 
3  Millionen  Talern  selbst  die  erzwungenen  übertriebenen  Be- 
willigungen voni749nochum  eine  volle  Viertelmillion  überstiegen 
hätte.     Schon  hatte  man  für  das  laufende  Jahr  35  Quatember 
und   42    Pfennige    für    die   vom   Feinde   befreiten   Landesteile 
ausgeschrieben   und   eine   entsprechend   herabgesetzte   Forde- 
rung, wenn  schon  unter  bitterem  Bedauern,  auch  auf  ehedem 
von    Preufsen    besetzte    Landesteile    ausgedehnt.      Vergebens 
hatte   die    Restaurationskommission   energisch   und   flehentUch 
dieses    Äufserste    abzuwehren    gestrebt ;    der   Vizeobersteuer- 
direktor von  Nitzschwitz  verweigerte  hierzu  seine  Unterschrift, 
eine    üble   Vorbedeutung.      Demgemäfs    erhob    das   Geheime 
Consil  am  16.  Juni  mit  aller  Entschiedenheit  Einspruch  gegen 
den  Heeres-Etat,  indem  es  als  höchst  erreichbaren  Steuersatz 
je  48  Pfennige  und  Quatember,  d.  h.  17.,  Pfennig  und  7^  .,  Qua- 
tember mehr  als  1746,  aber  ii^j.,  Pfennige  und  6  Quatember 
weniger  als  1749  bezeichnete.     Der  Kurfürst  aber  befahl  am 
23.  Juni  auf  die  tags  zuvor  ergangene  Vorstellung  des  Chevalier 
de  Saxe,  unwiderruflich  für  die  geforderten  Summen  zu  sorgen. 
Da    ermannte   sich    am    28.  Juni    diese    Behörde,    trotz    ihrer 
schon    1759   vom  Grafen  Brühl   belächelten  Schwäche,   recht 
eigentlich  das  Gewissen  des  Landes,  zu  energischer  Sprache. 
Nach  Darlegung  der  wiedergegebenen  Daten  verweigerte  sie 
auf  grund  „ihrer  theuern  obhabenden  Pflicht"  den  Beitritt  zu 
der  beabsichtigten  Mafsregel  und  appellierte  ritterlich  an  die 
landesherrliche    Ehre    mit     den    Worten:      ,,Ew.    Königliche 
Mayestät   haben   die   niedergeschlagenen  Gemüther  derselben 
(der    Untertanen)    durch    die    ihnen    in    dem    unter    Höchster 
Namensunterschrift    publizierten    Edikt    vom    23.    Martii    anni 
currentis  allergnädigst  erteilte  Versicherung  wieder  aufgerichtet, 
dafs  Höchst  Deroselben  in  mitleidiger  Anerkennung  ihres  Un- 
vermögens sie  mit  Abgaben  auf  alle  nur  thunliche  Weise  zu 
verschonen   die  Landesväterhche  Absicht   hegten,   auch  sonst 
auf  deren  mögUchste  Erleichterung  in  Gnaden   bedacht  sein 
würden.       Ew.    KönigHchen    Mayestät    geheiligtes     höchstes 
Wort   gewähret    demnach   sonach    an    Sich    selbst    einen    er- 
kleckhchen  Nachlafs   in   denen  vor  dem  Kriege  bestandenen, 
erhöheten    Bewilligungs-Praestandis,    als    solches    auch    der 
damit    abgezielte   heilsame    Endzweck   erheischt,    dafs   denen 
in    Nahrungs -Verfall    gerathenen    Unterthanen    wieder     auf- 
geholfen,    diejenigen,     so     der     verderbliche     Krieg     aufser 
Landes    getrieben,    wieder    herbeigezogen,    andere    aber    an 


140 


Carl  Görler: 


Suchung  auswärtiger  Etablissements  abgehalten  und  gegen 
die  ihnen  dazu  gemachten  Lockungen  verwahret  werden 
möchten". 

Blieb  diese  sittliche  Erhebung  über  das  Gehorsams- 
Prinzip  des  absoluten  Staates  zunächst  fast  folgenlos,  so  reiften 
auf  praktischem  Felde  bereits  die  ersten  Früchte  der  Reform- 
arbeit. Nach  Anweisung  des  Generale  vom  23.  Februar  1763 
wurden  besonders  in  einsamen  Gegenden  die  zahlreichen  Diebs- 
und Räuberbanden  unter  Zuziehung  der  bewaifneten  Jägerei  zer- 
streut und  durch  eine  Reihe  von  Hinrichtungen  hinlänglich 
eingeschüchtert.  Gleichfalls  unter  behördlicher  Aufsicht  und 
Mitwirkung  besserte  man  die  arg  zugerichteten  Haupt-  und 
Nebenwege  wenigstens  notdürftig  aus,  entwässerte  durch 
Gräben  überschwemmte  oder  sumpfig  gewordene  Stellen  und 
berichtigte,  bald  mit  viel  Gezänk,  oft  aber  auch  mit  ehr- 
hchem  Willen  und  Nachgiebigkeit  die  nachbarlichen  Guts- 
grenzen. Um  vor  allem  den  drückenden  Holzmangel  zu 
beseitigen,  war  bereits  am  11.  Februar  den  Forstbeamten 
geboten  worden,  fleifsig  und  zu  passender  Zeit  allerlei  Holz- 
samen, bez.  die  Zapfen  zu  sammeln,  an  einem  trockenen  Ort 
aufzubewahren  und  damit  die  Blöfsen  zu  besäen.  Dann  ver- 
bot man  am  4.  Juli  die  Ausfuhr  von  Bau-,  Nutz-  und  Brenn- 
holz; wer  solches  auf  grund  unauflösbarer  Verträge  an  Nicht- 
sachsen  zu  liefern  hatte,  bedurfte  von  Fall  zu  Fall  eines 
Erlaubnisscheines.  Endlich  führte  das  Holzmandat  vom 
2.  August  diese  Gesichtspunkte  weiter  aus.  Händler  sollten 
überhauj^t  kein  Holz  mehr,  die  Städte  nur  das  notwendigste 
bekommen  und  für  Feuerungszwecke  Abfälle  und  Reisig  an- 
nehmen. Die  Bauherren  erhielten  allerdings  Stamm-  und 
nicht  blos  Klafterholz,  wofern  sie  Keller  und  Erdgeschofs 
aus  Stein  aufführten,  das  Dach  statt  mit  Stroh  oder  Schindeln 
mit  Ziegeln  deckten  und  .sich  verpflichteten,  statt  der  Planken- 
zäune solche  aus  Latten  oder  lebende  Hecken  anzulegen. 
Auch  wurde  angeregt,  zur  Feuerung  tunlichst  nur  Kohlen 
und  Torf  zu  verwenden  und  in  den  Dörfern  Gemeinde- 
backöfen zu  errichten.  Den  Forstbeamten  machte  das 
Mandat  Hoffnung,  die  Naturalbezüge  an  Reisig  und  Ab- 
fall, die  selbstverständlich  oft  genug  zu  Unredlich- 
keiten verleiteten,  mit  barem  Gelde  abzulösen.  Gleich- 
zeitig unterwarf  ein  Befehl  das  Jagdrecht  der  Grundbesitzer 
zur  Hebung  des  Wildstandes  einer  ein-  bis  dreijährigen  Be- 
schränkung. 

Hoch  bedeutend  für  die  Landwirtschaft  wurde  namentlich 
durch   das  Zusammengehen   amtlicher  und   privater  Tätigkeit 


Zur  Bedeutung  des  siebeniälirigen  Krieges.  iai 

die  längst  geplante,  aber  erst  am  26.  Mai  1764  zu  Leipzig 
gegründete  ökonomische  Sozietät.  In  ihr  verbanden  sich 
etliche  30  hochgestellte  und  reichbegüterte  Rittergutsbesitzer, 
um  durch  feste  Beiträge,  gegenseitigen  Austausch  und  Ver- 
öffentlichung eigener  untrüglicher  Erfahrungen  alle  Zweige 
des  Ackerbaus  zu  verbessern  und  zu  heben.  Konnten  sie 
auch  vielfach  nur  statistisches,  nicht  eigentlich  produktives 
Material  liefern,  so  leisteten  sie  durch  persönliche  Bedeutung 
und  weithin  leuchtendes  Vorbild  dem  Gemeinwesen  doch  er- 
spriefsliche  Dienste.  In  Stadt  und  Land  pflanzten,  wo  es 
irgend  anging,  Beamte  und  Grundeigentümer  die  verschieden- 
artigsten Frucht-  und  Nutzbäume  an  und  gründeten  in  der 
freilich  bald  als  trügerisch  erkannten  Hoffnung,  den  Seiden- 
bau in  Sachsen  heimisch  zu  machen,  zahlreiche  Maulbeer- 
plantagen. In  den  Lausitzen  mühten  sich  insbesondere  Geist- 
liche und  Lehrer  mit  schönem  Erfolg  um  die  Bienenzucht 
im  grofsen.  Das  Beste  freilich  tat  des  Himmels  Güte,  die 
dem  Lande  eine  unerwartet  günstige  Ernte  bescheerte,  infolge 
deren  die  Getreidepreise  schon  im  August  1763  auf  den 
normalen  Stand  herabginofen.  Drückte  sich  die  Wiederkehr 
froher  Lebenshoffnung  schon  damals  in  dem  raschen  Steigen 
der  Eheschliefsungen  aus,  so  erwachte  mit  der  ungewöhnlich 
ergiebigen  Ernte  des  folgenden  Jahres  in  den  Städten  eine 
aufserordentliche  Lust  zur  FamiUengründung,  während  auf 
dem  Lande  allerdings  infolg-e  weiteren  Preissturzes  stellen- 
weise  Verkaufsnot  und  Entmutigung  herrschte.  Dem  abzu- 
helfen empfahlen  die  ,, Dresdner  Gelehrten  und  Politischen 
Anzeigen"  gegen  Vorschüsse  aus  öffentlichen  Kassen  Landes- 
magazine zu  errichten;  für  diese  seien  Getreide  und  Heu, 
welch  letzteres  bis  auf  4  Groschen  pro  Zentner  gefallen  war, 
um  I  bis  2  Groschen  erhöhten  Preis  anzukaufen,  um  in  Not- 
jahren mit  Vorteil  und  dennoch  für  den  Untertanen  billig 
abgegeben  zu  werden.  Dieselbe  Zeitung  suchte  durch  ihre 
Artikel  über  den  Bauernstand,  die  uns  heute  allerdings  un- 
endlich trivial  erscheinen,  die  rohen  sozialen  Anschauungen 
über  diesen  wichtigen  Kulturfaktor  zu  bekämpfen  und  das 
Verständnis  dafür  zu  beleben,  dafs  an  der  Rentabilität  der 
Landwirtschaft  auch  Handel  und  Gewerbe  hervorragend  inter- 
essiert wären.  Auch  riet  sie  sehr  vernünftig,  den  Überschufs 
an  Getreide  und  Kartoffeln  zu  Brennereizwecken  zu  verwerten 
und  das  für  Branntwein  exportierte  Geld  somit  dem  Lande 
zu  erhalten. 

Der  gleiche  frische   Geist    durchwehte    auch    auf  indus- 
triellem Gebiete   manch   halb   verfallenes  Unternehmen.     Vor 


142 


Carl  Görler : 


allem  ging  die  Meifsner  Porzellanmanufaktur')  einer  zehn- 
jährigen Blüteperiode  entgegen.  Die  Stiftung  einer  Maler- 
schule, als  deren  Direktor  Hofmaler  Dietrich  berufen  ward, 
und  die  Herstellung  billigen  Massengutes,  das  man  teils  in 
Meifsen,  teils  auf  der  Leipziger  Messe  verauktionierte,  besserten 
die  vordem  allerdings  kläglichen  finanziellen  Ergebnisse  er- 
heblich und  förderten  den  künstlerischen  Ruf  der  Anstalt. 
Kommerzienrat  Heibig,  der  die  an  den  Grafen  Schimmelmann 
verkauften  Porzellanvorräte  um  160000  Taler  vmd  von  den 
Preufsen  die  Betriebskonzession  um  60000  Taler  Pacht  er- 
worben hatte,  bekam  zur  Tilgung  seiner  Ansprüche  eine 
Jahresrente  von   1 2  000  Talern. 

Das  junge  Geschlecht  mühte  sich  ehrlich  um  Fortschritt 
und  Gewinn.  So  konnte  Herr  von  Wurmb  als  Mefskommissar-) 
berichten,  dafs  verschiedene  Peniger  Fabrikantensöhne  Eng- 
land und  Frankreich  zwecks  Studium  der  dortigen  Manufaktur 
besuchten  und  ihre  Mühe  bereits  nach  Jahresfrist  durch  bessere 
Qualität  und  höheren  Wert  ihrer  Erzeugnisse  belohnt  fanden. 
Wenn  manche  Versuche,  wie  z.  B.  derjenige,  die  Bleiche  auf 
chemischem  Wege  zu  bewerkstelligen,  mifslangen  oder  nur 
rein  statistische  Daten  ergaben,  so  zeugten  doch  auch  sie 
für  das  sittliche  Erstarken  der  Bevölkerung.  Eingehende 
Betrachtungen  widmete  die  Presse  dem  Handwerk,  um  dessen 
Lage  insbesondere  durch  Nachahmung  fremder  Muster  und 
durch  kaufmännische  Gestaltung  des  Geschäftsbetriebes  zu 
heben,  während  allerdings  die  Grundfrage,  nämlich  die  ganz 
veraltete  Zunftverfassung  kaum  berührt  ward.  Zum  Besten 
des  Kleinkredits  gründeten  Leipziger  Kaufleute  mit 
700000  Talern  Kapital  die  Leihkasse.  Wenngleich  dies  In- 
stitut durch  die  ihm  überwiesene  Miet-,  Tür-  und  Fenstersteuer 
gerade  im  Anfange  viel  böses  Blut  machte,  so  erlöste  es 
durch  seine  mit  5  "/„  zu  verzinsenden  Vorschüsse  von  50  Talern 
an  aufwärts  manchen  Geschäftsmann  aus  drückender  Not. 
All  diese  Bestrebungen  unterstützte  in  umfassendster  Weise 
die  gleichfalls  in  Sachsens  geistiger  Hauptstadt  verlegte  Leip- 
ziger Intelligenzzeitung,  die  in  oft  wirklich  gediegenen  Artikeln 
Erfahrungen,  Ratschläge  und  Mitteilungen  volkswirtschaftlichen 
Inhaltes  darbot.  Fügen  wir  hinzu,  dafs  schon  1762  der 
Lübbener  Bürgermeister  Erdmann  durch  letztwillige  Vermächt- 


1)  Victor  Böhmert,  Urkundliche  Geschichte  der  Meifsner 
Porzellanmanufaktur  von  1710 — 1880,  in  der  Zeitschrift  des  Sachs. 
Statistischen  Bureaus,  Band  28. 

')  Acta:  Die  Zeug-Manufaktur  zu  Penig  betr.  H.St.  A.,  Loc.  1 1  095. 
Anno  1764. 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  143 

nisse  für  Kirchen  und  Schulen  zu  sorgen  anregte,  so  erschöpft 
sich  damit  die  gewifs  ansehnhche  Fülle  praktischer  Be- 
strebungen. Sachsens  vorwiegend  agrarischem  Charakter  ist 
dies  verhältnismäfsig  rasche  Erholen  von  furchtbarer  Heim- 
suchung in  erster  Linie  zu  danken.  Der  Boden  litt  eben 
naturgemäfs  längst  nicht  so  empfindlich  wie  das  leichter  zer- 
störbare bewegliche  Kapital.  Und  in  der  Tat  würde  eine 
eingehende  Untersuchung  erweisen,  dafs  die  ländlichen  Dis- 
trikte den  Kriegsjammer  rascher  überwanden  als  die  vor- 
wiegend industriellen  gröfseren  Städte.  Um  nur  ein  Beispiel 
zu  nennen,  lag  der  Zittauer  Leinwandhandel  1767  noch  derart 
darnieder,  dafs  die  Kommerziendeputation')  trotz  der  unge- 
eigneten Bodenverhältnisse  doch  die  Rückkehr  zum  Feldbau 
als  das  einzige  aussichtsreiche  Heilmittel  empfahl. 

So  bereitwillig  die  Regierung  solch  kleine  Bausteine  zu- 
sammentrug, so  schwer  entschlofs  sie  sich  die  Axt  an  die 
Wurzel  des  Übels  zu  legen,  d.  h.  in  Gemeinschaft  mit  der 
verfassungsmäfsigen  Landesvertretung  ihre  Verwaltung  und 
Finanzen  zu  reformieren.  Schon  dem  Vorschlage  der  Restau- 
rationskommission, 28  Deputierte  von  Ritterschaft  und  Städten 
zur  Vorberatung  nach  Dresden  zu  berufen,  widerstrebten  am 
22.  März  die  Geheimen  Räte  mit  der  Begründung,  ,,dafs  die 
Prädeliberationes  den  Landtag  eher  verzögern  als  fördern 
und  damit  der  Steuerkasse  grofse  Lasten  aufbürden  werden, 
indem  die  Stände  sich  —  einer  mehr  als  der  andere  —  be- 
schwert und  mitgenommen  fühlen  und  gewifs  Particular- 
Gravamina  vereinbaren  würden".  Trafen  auch  diese  Be- 
fürchtungen nicht  zu,  so  war  doch  das  Ergebnis  der  drei- 
wöchigen Beratvmgen  —  vom  10.  bis  31.  Mai  1763  —  insofern 
negativ,  als  die  Deputierten  mangels  Auftrags  ihrer  Mitstände 
irgendwelche  Verbindlichkeiten  nicht  übernahmen.  Immerhin 
klärte  sich  die  Sachlage  so  weit,  dafs  das  Geheime  Konsil 
je  48  Pfennige  und  Quatember  bei  sehr  mäfsigem  Einzel - 
ansatze  als  die  Grenze  der  Steuerkraft  bezeichnete.  Aber 
die  Regierung  und  der  auf  den  7.  August  1763  anberaumte 
Landtag  waren  vom  Geiste  tiefen,  gegenseitigen  Mifstrauens 
erfüllt.  Ohne  dafs  ihnen  die  Aufsätze  der  Restaurations- 
kommission anders  als  auszugsweise  -),  besonders  unter  Weg- 
lassung all   ihrer   kritischen  Teile,   zugegangen  wären,   unter- 


')  Der  Landes-Oeconomie-,  Manufactur-  und  Commercien-Depu- 
tation  Mel's-Relatiunes.  (H.St.A.,  Loc.  2235.) 

'-)  Diese  Auszüge  haben  die  Mängel  in  Hüttigs  Darstellung  der 
sächsischen  Steuerreform  verschuldet.  Aus  dem  vollständigen  Text 
ergibt  sich,  dal's  Friedrich  IL  nur  die  Sicherstellung  der  preufsischen 


144 


Carl  Görler : 


zogen  doch  die  Stände  Brühls  Finanzwirtschaft  dem  schärfsten 
Tadel.  Insbesondere  rügten  sie  mit  Recht,  dafs  trotz  der- 
bündigsten  Gegenversicherungen  seit  1749  die  schon  damals 
imgeheuere  Staatsschuld,  noch  dazu  unter  Teilnahme  land- 
schaftlicher Obereinnehmer  um  fast  2  Millionen  gewachsen 
sei.  Sie  verlangten  deshalb  die  1749  niedergesetzte  aber  175 1 
aufgelöste  Kommission  zur  Abnahme  der  Steuerrechnunofen 
neu  zu  beleben;  hierauf  erwiderte  die  Regierung,  dafs  sie 
zuvor  für  diese  äufserst  kostspielige  Kommission  einen  ge- 
eigneten Fond  ausfindig  machen  sollten.  Ihre  gerechten 
Beschwerden  über  die  Mifswirtschaft  in  General-  und  Land- 
akzise speiste  man  mit  der  nichtssagenden  Zusicherung  ab, 
,,dafs  alle  Einzelcontraventionen  in  Land-  und  Generalaccis- 
sachen,  wie  solches  schon  1749  umfassend  zugesagt,  prom])t 
reguliert  werden  sollen".  Auf  die  dringenden  Vorstellungen 
gegen  das  höchst  gehässige  Mandat  vom  7.  Juni  1736  zur 
Vermeidung  prozessualer  Weitläufigkeiten  in  Kammersachen 
antwortete  man  ausweichend,  ,,dafs  dieses  an  sich  nützliche 
und  nötige  Mandat  nach  höchster  Willensmeinung  nie  und 
nimmer  zur  Verkürzung  der  getreuen  Stände  gemifsbraucht 
werden  dürfe  und  dafs,  wie  in  den  Antworten  auf  die  Prälimi- 
narschriften  von  1737,  1742,  1746  und  1749  bereits  hinläng- 
lich versichert,  ständischen  Beschwerden  über  etwaigen  Mifs- 
brauch  desselben  sofort  Gerechtigkeit  widerfahren  werde". 
Der  wundeste  Punkt  aber  war  und  blieb  der  Militär-Etat. 
Im  Vorgefühl  des  zu  erwartenden  Widerstands  vermied  das 
Kabinett  ziemlich  würdelos,  eine  bestimmte  Summe  zu  fordern 
und  legte  den  Ständen  nur  die  Tabellen  über  den  uns  be- 
reits bekannten  Gesamtbedarf  von  jährlich  1673000  Talern 
und  459000  Taler  Extraordinarium  für  einmalige  Anschaffungen 
vor.  Die  Stände  bedienten  sich  nun  einer  verwandten  Taktik, 
indem  sie  in  ihrer  Präliminarschrift  nur  die  Wichtigkeit  des 
Heeres  in  allgemeinen  hochtönenden  Phrasen  anerkannten, 
und  als  man  sich  über  den  Etat  auch  ferner  beharrlich  in 
Schweigen  hüllte,  erklärten  sie  in  ihrem  diesbezüglichen 
Memorial  vom  27.  September  1763  allen  nur  möglichen  Eifer 
anwenden  zu  wollen,  ,, sobald  wir  wohin  Ew,  Königl.  Majestät 
Allerhöchste  Intention  desfalls  eigentlich  gerichtet  sei,  mit 
mehrerer  Zuverlässigkeit  ersehen  werden".  Tags  darauf  ward 
ihnen    eine    Million    Taler    aufser    der    Kavallerieverpflegung, 


Steuergläubiger  forderte  und  die  IModalitäten  dem  sächsischen  Ober- 
steuerkolleg überliefs.  Letzteres  hat  in  Gemeinschaft  mit  der  Restau- 
rationskommission das  Projekt  ausgearbeitet. 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  14c 

deren  Surrogat  man  auf  600  000  Taler  berechnete,  angesonnen. 
Obwohl  selbst  die  Geheimen  Räte  das  ständische  Geo;enoe- 
bot  von  höchstens  821  500  Talern  anzunehmen  geneigt  waren, 
beharrte  das  noch  bei  Lebzeiten  Friedrich  Augusts  entworfene 
Dekret  vom  9.  Oktober  bei  der  vollen  Million. 

Unter  solchen  Umständen  darf  es  nicht  Wunder  nehmen, 
wenn  die  Ansprüche  der  Landschaft  betreffs  des  Staatsschulden - 
Wesens  bisw^eilen  über  das  Ziel  hinausschössen.  Ihr  anfängliches 
Begehren,  die  der  Steuerkreditkasse  zustehenden  Gelder  durch 
eigene  Deputierte  von  den  Untertanen  zu  erheben,  wurde  von 
dem  Obersteuerküllegium  unschwer  mit  dem  Hinweis  abge- 
lehnt, dafs  keine  kurfürstliche  Behörde  sich  jemals  auf  eine 
solche  Weise  ein  Staatshoheitsrecht  entwinden  lassen  dürfe. 
Der  weitere  Wunsch,  die  ganze  Steuererhebung  minder 
drückend  zu  gestalten,  war  mangels  Eingehens  auf  die  tech- 
nischen Einzelfragen  ebenfalls  kaum  beachtlich.  Endlich  übten 
noch  am  17.  November  die  Stände  zwar  an  dem  Vorschlage 
des  Obersteuerkollegiums,  für  die  Abgebrannten  weitere  4  Qua- 
tember  zu  bewilligen,  eine  geradezu  herausfordernd  scharfe 
Kritik ;  aber  in  kläglicher  Unfähigkeit  endeten  sie  doch  nur 
mit  der  Bitte,  ,,der  Churfürst  möge  nach  seiner  angestammten 
Milde  und  Clemence  den  Calamitosen  alle  nur  tunliche  Schonung 
angedeihen  lassen".  Von  der  Notwendigkeit  überzeugt,  in 
Erfüllung  des  Hubertusburger  Friedens  für  die  dreiprozentige 
Verzinsung  und  Tilgung  der  Landesschulden  zu  sorgen,  be- 
willigten sie  am  28.  September  die  hierfür  erforderlichen 
1,1  Million  Taler,  gaben  sich  auch  damit  zufrieden,  dafs  die 
dieser  Ausgabe  gewidmeten  ,, klarsten,  sichersten  und  be- 
reitesten Einnahmen"  ihnen  aus  der  Hauptkasse  monathch 
unter  Rechnungslegung  zugeführt  werden  sollten.  Aber  sie 
verbaten  sich  in  den  schärfsten  Ausdrücken  künftighin  jede 
Einmischung  in  dieser  Sache  und  forderten  vor  allem,  dafs 
aus  der  Instruktion  der  Ober-  und  Kreissteuereinnehmer 
die  Ermächtigung  zur  Aufnahme  von  Kapitalien  gestrichen 
würde. 

Die  Verhandlungen  machen  den  Eindruck  der  Stagnation. 
Nicht  nur  erwiesen  sich  die  Stände  zur  eigentlichen  Rechts- 
schöpfung gänzlich  unfähig,  nein,  sie  kamen  auch  nicht  in 
einem  Punkte  über  die  ihnen  vorliegenden  Anträge  der 
Restaurationskommission  hinaus.  Nur  ihre  eigenen  Interessen 
verfolgten  sie  mit  oft  geradezu  häfslicher  Selbstsucht.  Mochten 
sich  Ritterschaft  und  Städte  über  Woll-  und  Holzausfuhr, 
über  Biermeile  und  ähnliche  seit  Jahrhunderten  umstrittene 
Fragen   totfeindlich   befehden,   so   reichten   sie   sich  z.  B.  bei 

Neues  Archiv  f.  S.jG.  u.  A.     XXIX.    i.  2.  lO 


1^.6  Carl  Görler : 

der  Gesindeordnung  zur  Unterdrückung  der  unteren  Stände 
versöhnt  die  Hand.  In  all  diesen  Dingen  erhob  sich  der 
Landtag  von  1763  nicht  über  seine  Vorgänger. 

Da  änderte  am  5.  Oktober  der  Tod  Friedrich  Augusts  II. 
und  der  ihm  unmittelbar  folgende  Rücktritt  des  Grafen  Brühl 
mit  einem  Schlage  die  ganze  Sachlage.  Dem  neuen  Kurfürsten 
Friedrich  Christian  und  dessen  Gemahlin  Maria  Antonia,  die 
durch  mehrere  Jahre  Dresdens  Kriegsleiden  geteilt,  kam  das 
Volk  mit  Liebe  und  Vertrauen  entgegen.  Es  ist  aus  Flathes 
Darstellungen  längst  bekannt,  wie  der  Kurfürst  den  Landtag 
zu  unerwartet  befriedigendem  Abschlufs  brachte.  Seine  Er- 
klärungen, zu  den  Militärausgaben  mit  150000  Talern  per- 
sönlich beizutragen,  das  nur  erwähnte  Mandat  von  1736 
zeitgemäfs  abändern  und  wenigstens  künftig  jedem  Landtag 
über  die  abgelaufene  Budgetperiode  Rechnung  legen  lassen 
zu  wollen,  haben  hierzu  zusammengewirkt.  Ohne  die  viel- 
gerühmten Reformen  dieser  zelmwöchigen  Regierung  hier  zu 
wiederholen,  glaubt  Verfasser  doch  zum  Schlüsse  auf  wenige 
Hauptpunkte  hinweisen  zu  sollen.  Die  endgültige  Regelung 
des  Staatshaushaltes  wird  man  ja  leicht  überschätzen.  Die 
schliefslichen  Landtagsbewilligungen  trafen  mit  ihrer  Voraus- 
setzung, dafs  die  Einnahmen  sich  auf  2173000  Taler  belaufen 
und  etwa  37000  Taler  Überschufs  abwerfen  würden^),  nicht 
einmal  sachlich  zu.  Während  Trank-  und  Quatembersteuer 
hinter  dem  Voranschlage  zurückblieben,  überstiegen  ihn  1764 
die  Land-  und  Pfennigsteuer,  so  erheblich,  dafs  dieses  Jahr 
mit  105000  Talern  Überschufs  schlofs.  Von  dieser  Summe 
erhielten  die  beiden  Landesuniversitäten  wenigstens  zu  einiger 
Entschädigung  für  den  harten  Verlust,  den  sie  und  nament- 
lich ihre  armen  Stipendiaten  durch  die  Herabsetzung  der 
Staatsschuldenzinsen  auf  3  ";,;  erlitten,  jährlich  8000  Taler  zu- 


^)  Infolge    der   Bewilligung    vom    12.   November    stellt   sich    der 
Staatshaushaltsplan  pro  1764 — 66  wie  folgt: 

Eingänge:  Ausgänge: 

52V2  Pf-    ä  13125  =  682500  Steuerkredit     .     .     .  i  100 000 

43       Qw.  ä  21875  =  940625  Militär 850000 

Tranksteuer    .     .     .  270000  Zur  Steuerkasse       .      112649*4 

Imposten     ....     30000  Gesandtschaftskasse       45  937 ''2 

Kopfsteuer      .     .     .  250000  Landtagsspesen    .     .       26666% 

2i73i25Tlr.  2  135  253*/,  Tlr. 

Es  brachten  1764:   i  Pf.    15247  Tlr.     3  Gr. 

I  Qu.  21713     „     iii  ,,  „ 

1765:  1  Pt.    15199  „     .lo  .,     5  Pt. 

I  Qu.  21385  „3  „8    „ 


Zur  Bedeutung  des  siebeiijälirigen  Krieges.  iaj 

gewiesen.     Ein  weiterer  nicht   normierter  erheblicher  Betrag 
riofs  der  neu  errichteten  Prämienkasse  für  wertvolle  gewerb- 
liche  Leistungen   und  Erfindungen   zu.     Nach   wie    vor   blieb 
der    Einflufs    des    Staatsoberhauptes    auf   dem    ökonomischen 
Gebiet    der    weitaus    bedeutendste,    da    einerseits    das    der 
ständischen  Bewilligung  unterworfene  Budget  des  Obersteuer- 
kollegiums  nach  Ausweis   der  Akten  zur  sächsischen  Finanz- 
geschichte  nur    etwa   30  "/„    des  Gesamtstaatshaushaltes   dar- 
stellte   und    überdies    in    semem    gröfsten    Posten    durch    den 
Hubertusburger  Vertrag  festgelegt  war,  andererseits  aber  die 
Kreis-  und  Kommunalschuldverhältnisse  wesentlich  der  Regie- 
rung  unterstanden.     Da  wurden   denn  von   hohem  Segen  die 
täglichen  Kabinettskonferenzen'),  jener  Ministerrat,  der  unter 
Vorsitz  Friedrich  Christians  und  seiner  Gemahlin  alle  wichtigen 
Angelegenheiten    erörterte    und    entschied.     War    man    noch 
wenige  Wochen  vorher  in  Kreisschuldensachen  so  erbarmungs- 
los verfahren,   dafs   man   z.   B.   in  der  Leipziger  Gegend  den 
Säumigen  für  je   100  Taler  Rückstand  einen  Mann  Exekution 
einlegte,    ohne   darum   mehr   als   7  "/^j   zu   erpressen,    so   wies 
man  unter  dem   29.   Oktober  die  voigtländischen  Deputierten 
zur  äufsersten  Mäfsigung  an.    Zwar  dürften  sie  von  böswilligen 
Schuldnern  die  noch  unbeglichenen  preufsischen  Fourage-  und 
Kontributionsreste   zwangsweise   beitreiben,    hatten   aber   alle 
anderen  zu  verschonen,  genaue  Register  einzureichen  und  vor 
allem  jeder    Gemeinde   die  Hand   zu   einem   anständigen  Ab- 
kommen zu  bieten.     Erhöhte  Sorgfalt  wendete  man  den  von 
den  alten  sieben  Kreisen  getrennt  verwalteten  inkorporierten 
Landen    zu.       Den     Plan,     beiden    furchtbar    heimgesuchten 
Lausitzen  die  Kopfsteuer  zu  erlassen,  machten  die  Geheimen 
Räte    scheitern,    weil    sie   mit  Recht   die    Eifersucht   der   mit 
dieser    Abgabe    belasteten    altsächsischen    Stände    fürchteten. 
Dafür  bestimmte  der  Kurfürst  am   16.  November  deren  mut- 
mafslichen  Ertrag   für   die  Oberlausitz   auf   20000  Taler  und 
erliefs   ihr   die   entsprechende  Summe   an   dem  Beitrage   zum 
Militär-Etat :    die   kurfürstliche   Rentkammer  werde   das  Geld 
der   Generalkriegskasse   ersetzen.     In   der  Niederlausitz   solle 
man   künftig   analog   verfahren.     Auch   erklärte   er   für  billig, 
die    General-    und    Landakzisegelder    in    den    am    Verfalltag 
kursierenden  Münzen   zu  deren  Nennwert  anzunehmen.     Zum 
Ausgleich    dieser    Opfer    gedachte    er    unter    Kündigung   des 


1)  Konferenz -Protokolle,  in  höchster  Gegenwart  Ihrer  Künigl. 
Hoheit  des  Kurfürsten  Friedrich  Christian  gehalten.  Vol.  L  Vom 
6.  Oktober  bis  16.  Dezember  1763.     HStA.,  Loc.  4777. 


1^.8  Carl  Görler: 

Pachtvertrages  beide  Akzisen  wieder  staatlich  verwalten  zu 
lassen  und  die  aus  Gunst  und  Willkür  gerade  den  reichsten 
Leuten  zugestandenen  Accis-Fixa  ein  für  allemal  abzuschaffen. 
Als  sein  glänzendstes,  leider  unerfüllt  gebliebenes  Verdienst 
ist  wohl  die  Anbahnung  der  Staatseinheit  zu  betrachten.  Ihr 
galt  der  Befehl  an  das  Kammerkolleg  vom  4.  November,  an 
Stelle  der  kostspiehgen  Regierung  des  Herzogtums  Sachsen- 
Weifsenfels,  der  Grafschaft  Barby  und  des  Fürstentums  Quer- 
furt durch  drei  hohe  Beamte  eine  einfachere,  billigere  Or- 
ganisation vorzuschlagen.  Ihr  galt  wohl  vor  allem,  soweit 
dies  die  freilich  herzlich  dürftigen  Protokolle  erkennen  lassen, 
die  Verfügung  vom  25.  Oktober,  dafs  sämtliche  Kollegien 
in-  und  aufserhalb  Dresdens,  die  ersteren  binnen  14  Tagen, 
die  letzteren  binnen  4  Wochen,  ihre  zuletzt  ergangenen  In- 
struktionen abschriftlich  einzureichen  hätten.  Die  zahlreichen 
SpezialVerfügungen  atmen  Milde  und  Gerechtigkeitsgefühl, 
So  wird,  um  hiervon  nur  das  belangreichste  Beispiel  zu  geben, 
am  2.  November  die  heifs  erstritt ene  Gleichstellung  der 
französischen  Kaufleute  zu  Leipzig  mit  den  einheimischen 
auch  auf  die  italienischen  ausgedehnt. 

Aus  solcher  Saat  hätten  sich  im  Laufe  eines  Menschen- 
alters gewifs  die  trefflichsten  Früchte  entwickelt.  Wie  in 
der  Person  des  Fürsten  hätte  sich  im  Volksbewufstsein  das 
Gefühl  für  Ordnung  und  Rechtschaffenheit  zu  dem  höheren 
für  sittliche  und  politische  Notwendigkeiten  durchgerungen. 
Gerade  diesen  letzteren  weihte  ja  das  Herrscherpaar  durch 
seine  Beziehungen  zu  Friedrich  dem  Grofsen,  durch  das  Ver- 
zeihen des  Geschehenen  ein  würdiges  Opfer.  Trotz  seiner 
polnischen  Pläne  sistierte  der  Kurfürst  die  Heeresvermehrung. 
Allen  Lausitzer  Vasallen,  die  sich  nicht  geradezu  des  offenbaren 
Landesverrates  schuldig  gemacht  hätten,  bestätigte  er  trotz 
ihrer  zwangsweise  genommenen  preufsischen  Dienste  ihre 
Lehen  und  Mitbelehnschaften.  Und  als  das  sächsische  Holz- 
ausfuhrverbot in  Berlin  Unwille  erregte,  liefs  er  diese  Mafs- 
regel  als  durch  die  Verwüstung  der  sächsischen  Waldungen 
unbedingt  geboten  entschuldigen.  Da  er  gleiche  freundschaft- 
liche Beziehungen  auch  zu  Österreich  pflegte,  so  zog  er  mit 
dieser  sich  selbst  bescheidenden  friedlichen  Politik  aus  den 
blutigen  Lehren  des  siebenjährigen  Krieges  die  letzten  und 
höchsten  Folgerungen.  Es  wäre  müfsige  Arbeit,  sich  das 
glückliche  Bild  langjährigen  derartigen  Wirkens  auszumalen. 
Sachsens  Unstern  hat  diesen  hoffnungsvollen  Fürsten  bereits 
am  17.  Dezember  desselben  Jahres  dahingerafft.  Sein  Bruder, 
Prinz   Xaver,    der    als   Administrator   die    Regierung   für   den 


Zur  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges.  iaq 

minderjährigen  Kurfürsten  übernahm,  war  durch  Charakter 
und  Vergangenheit,  hauptsächhch  aber  durch  seine  gebundene 
Stellung  zum  Antritt  dieser  Erbschaft  nur  teilweise  befähigt. 
So  wandelte  sich  zweimal  im  Laufe  des  einen  Jahres  das 
System,  und  wenngleich  namentlich  von  den  ökonomischen 
Reformen  das  meiste  hinüber  gerettet  wurde,  ruhten  doch 
die  politischen  Lehren  des  siebenjährigen  Krieges  ein  volles 
Jahrhundert  im  Dunkel  der  Archive,  bis  die  Ära  Bismarck  sie 
nunmehr  hoffentlich  unvergefslich  ans  Tageslicht  brachte. 


VI. 

Kleinere  Mitteilungen. 


I.  Vlämisches  Recht  in  der  Umgebung  von  Leipzig. 

Von  B,  O.  Markgraf. 


'f?' 


Bisher  sind  in  Sachsen  zwei  Dörfer  als  vlämische  Siede- 
lun^en  bekannt:  Kühren  und  Flemmino-en.  Es  darf  als  sicher 
gelten,  dafs  die  Vlämen  über  Leipzig  ihren  Weg  nahmen. 
Die  fruchtbare  Niederung  bei  Leipzig  mufste  den  Einwanderern 
zur  Niederlassung  verlockend  sein.  Sie  mufsten  geneigt  sein, 
hier  Halt  zu  machen,  wenn  nicht  zwingende  Gründe  zur 
Fortsetzung  der  Reise  nötigten. 

Ich  bin  der  Überzeugung,  dafs  sich  hier  Vlämen  tat- 
sächlich angesiedelt  haben.  Eutritzsch,  Reudnitz,  Gohlis  und 
Mölkau  bestanden  offenbar  schon  als  slavische  Dörfer,  als  die 
deutschen  Bauern  seit  dem  Anfange  des  12.  Jahrhunderts  in 
Sachsen  einzogen. 

Ein  historisches  Zeugnis  für  vlämische  Niederlassung  in 
diesen  Marken  aus  dem  Mittelalter  steht  mir  allerdings  nicht 
zur  Verfügung;  wohl  aber  gestatten  spätere  Nachrichten 
einen  Rückschlufs. 

Das  spätere  Dorf  Reudnitz  be.stand  aus  zwei  Teilen: 
dem  ursprünglich  slavischen  Reudnitz  und  einer  deutschen 
Siedelung:  Tutzschendorf,  Duitschendorf  (=  Deutschendorf). 
Der  letztere  Name  schwand  allmählich  in  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts.  Eine  (handschriftliche)  Matrikel  vom  Jahre 
1574  spricht  schon  von  ,,Dütschendorff,  so  anjetzo  unter  den 
generalen  Nahmen  von  Reudnitz  mit  begriffen')."  Die  slavischen 
Bewohner  haben  also  augenscheinlich  nach  den  Einwanderern 


')  Titschendorf  wird  aber  noch  später  neben  Reudnitz  als  Orts- 
name weiter  genannt  in  Schulangelegenheiten  (1577  und  161 8). 


Kleinere  Mitteilungen.  151 

den  neuen  Ortsteil  benannt.  Später,  nach  vollendeter  Ger- 
manisierung, als  die  Bewohner  beider  Siedelungen  deutsch 
waren,  hatte  es  wenig  Sinn,  die  eine  Deutschendorf  zu  nennen. 
Man  übertrug  den  älteren  slavischen  Namen  auch  auf  die 
jüngere  Siedelung. 

Wann  die  Deutschen  eingewandert  sind,  sagen  die  Quellen 
nicht').  Dagegen  verrät  die  älteste  urkundliche  Erwähnung 
von  Reudnitz  vom  Jahre  1278,  dafs  zwei  Hufen  zerstreut  in 
der  Dorfflur  lagen  (quia  praedictorum  duorum  mansorum  jugera 
dispersa  erant  in  diversis  locis^). 

Zu  der  Annahme,  dafs  Vlämen  die  Besiedler  waren,  be- 
stimmt mich  der  Umstand,  dafs  in  Reudnitz  noch  im  Jahre 
1684  das  vlämische  Erbrecht  galt.  In  einer  Abschrift  vom 
jähre  1701  sagt  der  Anhang  zum  Reudnitzer  Erbregister  des 
Jahres  1684:  Wenn  ein  Mann  oder  Weib  verstürbet,  erbet 
der  überlebende  Ehegatte  die  Helffte,  und  gehet  weder  Ge- 
rade noch  Heergeräthe,  sondern  alles  ins  Erbe,  auch  hat  der 
jüngste  Sohn  die  Kühr. 

Hier  ist  mit  seltener  Deutlichkeit  die  Geltung  des  vlä- 
mischen  Erbrechtes  bezeugt,  für  welches  eheliche  Güter- 
gemeinschaft und  Halbteilung  bei  Erbgang  die  charakteristischen 
Merkmale  sind.  Und  für  den,  der  weifs,  mit  welch  zähem 
Konservatismus  die  Bauern  früherer  Jahrhunderte  an  der 
althergebrachten  Sitte  und  Rechtsgewohnheit  festhielten,  ist 
kaum  eine  andere  Erklärung  möglich,  als  die,  dafs  das  vlä- 
mische Erbrecht  bei  der  Ansiedlung  vlämischer  Bauern  im- 
portiert ward. 

Eine  gewisse  Bestätigung  findet  meine  Annahme  in  einigen 
Namen  von  Reudnitzer  Gutsbesitzern,  die  sich  im  Jahre  1525 
nachweisen  lassen'^).  Genannt  wird  einer  mit  sicher  nieder- 
ländischem Namen:  Peter  Breugel.  Bei  einem  andern,  Theys 
Gollis,  erscheint  mir  die  Abkürzung  von  Matthäus  auffällig. 
Im  Amte  Stollberg  (Erzgeb.)  habe  ich  nur  die  Abkürzung 
Matthes  gefunden  (am  Ende  des  16.  Jahrhunderts  und  später). 

Das  sind  die  Gründe,  die  mich  zu  der  Annahme  bestimmen, 
dafs  Reudnitz  bezw.  Tutzschendorf  von  Vlämen  besiedelt  ist. 

In  Eutritzsch*)  fand  sich  noch  im  Jahre  1705  im  Erb- 
register ein  Dorfartikel  folgenden  Inhaltes:  ,,Wann  ein  Mann 


1)  Vgl.  Moser,   Chronik  von  Reudnitz  (1890)  S.  16:   Der  Name 
Tutzschendorf  erscheint  spät,  im  Jahre  1525,   zum  ersten  Male. 

2)  Ebenda  S.  6. 
»)  Ebenda  S.  18. 

*)  Vgl.  für  das   Folgende:    Barth,   Ausführl.  Bericht   von    der 
Gerade  (Leipzig  1721)  S.  92;  auch  Hoffmann,  Statuta  localia  II,  182. 


Itj  Kleinere  Mitteilungen. 

oder  Weib  verstirbet,  fället  die  Helffte  der  Güter  auf  den 
überlebenden  Ehegatten,  die  andere  Helffte  aber  auf  die  Kinder 
und  nächsten  Anverwandten,  und  gehet,  sonder  Gerade-  oder 
Heer-Geräths-Stücken  auszuziehen,  alles  ins  Erbe."  Hier  ist 
die  vlämische  Halbteilung  klar  bezeugt.  Unklar  läfst  die 
Formulierung,  ob  eheliche  Gütergemeinschaft  galt.  Aber  ein 
Erbteilungsprozefs  stellt  diesen  Punkt  klar.  Ein  Witwer  fafste 
den  Dorfartikel  so  auf,  als  fiele  die  eine  Hälfte  der  Hinter- 
lassenschaft seiner  Frau  an  ihn,  die  andere  Hälfte  an  das 
erbende  Kind.  Wenigstens  nahm  er  in  diesem  Sinne  die 
Erbteilung  vor.  Gegen  diesen  Teilungsmodus  erhob  aber  der 
Vormund  des  Kindes  Einspruch.  Er  sagte,  ,,dafs  vermöge 
Statuti  oder  Dorff-Artickels  unter  denen  Eheleuten  daselbst 
communio  bonorum  obtinirete:  Und  dafs,  wenn  ein  Mann 
oder  Weib  verstirbe,  die  Helffte  der  Güter  auf  den  über- 
lebenden Ehegatten,  die  andere  Helffte  aber  auf  die  Kinder 
vmd  nächsten  Anverwandten  falle."  Der  Vormund  las  also 
aus  den  zweideutigen  Worten  die  (vlämische)  Gütergemeinschaft 
heraus.  Er  kannte  das  vlämische  Erbrecht;  vermutlich  deshalb, 
weil  er  als  Einheimischer  die  Eutritzscher  Erbteilungspraxis  aus 
Erfahrung  kannte.  Die  ihm  aus  der  Praxis  oder  durch  münd- 
liche Tradition  bekannte  Sitte  las  er  aus  der  unklar  formulierten 
schriftlichen  Überlieferung  heraus  bezw.  legte  er  in  sie  hinein. 

Also  auch  in  Eutritzsch  galt  das  vlämische  Erbrecht  nach 
altem  Dorfsbrauche,  der  freilich  zu  Anfang  des  i8.  Jahr- 
hunderts im  Orte  nicht  mehr  allgemein  bekannt  war. 

In  Gohlis  schweigt  die  —  in  beschädigtem  Zustande 
handschriftlich  erhaltene  —  Dorfordnung  vom  Jahre  1657  über 
das  Erbrecht  vollständig.  Dagegen  enthält  der  27.  Artikel 
der  Dorfordnung  vom  Jahre  1720^)  folgende  Stelle:  ,,0b  wohl 
bey  Erb-Fällen  unter  Ehe-Leuten  bishero  eine  Dorf-Gewohn- 
heit, dafs  eines  von  dem  andern  die  Helffte  erben  sollte,  an- 
gegeben und  öfters  beobachtet  worden,  so  ist  doch  sämtliche 
Gemeinde  zu  frieden,  und  hält  es  vor  billiger,  dafs  hierunter 
inskünfftige  den  Landes-Constitutionen,  Gesetzen,  Gewohn- 
heiten und  allg-emeinen  Rechten  nachofesangen  werde  .  ." 
In  Gohlis  wurde  also  erst  damals  von  Gemeinde  wegen  das 
sächsische  Erbrecht  eingeführt.  Bis  dahin  hatte  man  parti- 
kulares Dorfrecht  mit  Halbteilung.  Das  ist  offenbar  wie- 
derum das  von  den  Bauern  (wie  in  Eutritzsch)  undevitlich 
formulierte  vlämische  Erbrecht. 


')  Klingner,  Sammlungen  zum  Dorf-  und  Bauernrechte  (Leipzig 
1749)  I,  600. 


Kleinere  Mitteiluniien. 


153 


Über  Mölkau  berichtet  die  alte  sächsische  Kirchen- 
galerie'): Unter  den  früheren  erbrechtlichen  Bestimmungen 
wird  ausdrücklich  erwähnt,  dafs  der  Witwe,  wenn  sie  nach 
Mölkauer  Dorfgerichtsgewohnheit  erben  wolle,  collatio  bono- 
rum auferlegt,  auch  derselben  nach  dem  Reskript  vom  15.  De- 
zember 1606  illata  zu  repetieren  nicht  nachgelassen  sei;  der 
jüngste  Sohn  habe  die  Kühe  -). 

Hier  zeigt  schon  der  Schlufssatz  Übereinstimmung  mit 
dem  Erbteilungsmodus  der  Nachbargemeinde  Reudnitz.  Ferner 
ist  die  eheliche  Gütergemeinschaft  ausgesprochen  in  der 
Forderung  der  collatio  bonorum  bei  Erbteilung  und  in  der 
Bestimmung,  dafs  die  Witwe  ihr  Eingebrachtes  nicht  zurück- 
verlangen dürfe  aus  der  gesamten  Erbmasse,  welche  die  Güter 
beider  Gatten  bildeten. 

Die  Stelle  ist  noch  in  andrer  Hinsicht  sehr  lehrreich. 
Hier  ist  das  vlämische  Erbrecht  bereits  zu  Beginn  des 
17.  Jahrhunderts  bezeugt.  Ferner  erfahren  wir,  dafs  sich  be- 
reits damals  ein  Reskript  nötig  machte ;  die  Gütergemeinschaft 
mit  ihren  Konsequenzen  für  den  Fall  der  Erbteilung  war  be- 
reits nicht  mehr  unangefochten,  nicht  mehr  über  allen  Zweifel 
erhaben. 

Einen  sehr  anschaulichen  Bericht  zu  unserm  Thema  gibt 
der  Leipziger  Jurist  Gottfried  Barth-^).  Er  hat  (als  Depu- 
tierter des  Leipziger  Rates  für  dessen  Dörfer)  1684  und  1685 
,,bey  revidirung  E.  E.  Raths  allhier  Erb  -  Registern  auf  dero 
Dörffern  und  gehaltenen  Gerichts-Tagen  .  .  und  Untersuchung 
der  .  .  Dorff-Artickeln  und  Gewohnheiten  observiret,  dafs  auf 
zwey  Dorf  fern  dergleichen  Artickel  und  Gewohnheiten  an- 
getroffen worden,  da  es,  als  die  Bauern  gefraget  wurden, 
wie  es  bey  Erbschafften  gehalten  würde,  hiefse:  Wenn  eines 
von  Eheleuten  stirbet,  gehet  (item:  theilet)  das  andere  zur 
Helifte.  Welches  die  Bauern  auch  also  auslegeten,  als  ob 
das  überlebende  Theil  sein  eigen  Vermögen  mit  des  ver- 
storbenen Freunden  theilen  müfste,  wie  sie  es  denn  auch  vor 
40,  50  und  mehr  Jahren  immer  so  gehalten  hätten  ..."  In 
einem  Dorfe  ist  damals  das  —  von  den  Juristen  und  dem 
Stadtrate  nicht  als  solches  erkannte  —  vlämische  Erbrecht 
trotz  des  Widerstandes  der  konservativen  Bauern  zwangs- 
weise beseitigt  worden,  nachdem  der  kurfürstliche  Schöppen- 


»)  Abteil.  X,  135. 

-)  Das  letzte  Wort  raufs,  wie  in  Reudnitz,  hinten:  Kühr;  r  und  e 
sind  in  den  Handschritten  alter  Zeit  oft  sehr  ähnlich  beschrieben. 
»)  a.  a.  O.  S.  92. 


ICA  Kleinere  Mitteilungen. 

stuhl  in  Leipzig  dahin  erkannt  hatte,  ,,dafs  E.  E.  Rath  solche 
zu  ihrer  Unterthanen  Ruin  reichende  Übeln  Gewohnheiten  zu 
gestatten  nicht  schvildig." 

Barth  sagt  nicht,  in  welchen  zwei  Dörfern  er  das  vlä- 
mische  Recht  gefunden  hat.  Eines  ist  sicher  Reudnitz,  Dort 
hat  er  nachweislich  1684  dem  Gerichtstage  beigewohnt.  Dort 
sind  1684  Erhebungen  über  die  Dorfartikel  und  Dorfgewohn- 
heiten beim  Gerichtstage  angestellt  und  in  dem  oben  ge- 
streiften Anhange  zum  Erbregister  aufgezeichnet  worden.  Das 
andere  Dorf  ist  entweder  Eutritzsch  oder  Mölkau.  Gohlis 
war  nicht  Leipziger  Ratsdorf. 

Ich  habe  auch  bisher  noch  nicht  ermitteln  können,  in 
welchem  der  zwei  Dörfer  das  vlämische  Recht  1684  oder  1685 
abgeschafft  wurde.  Die  geringere  Wahrscheinlichkeit  spricht 
für  Eutritzsch.  Dort  war  es  noch  1705  in  Geltung.  Es  ist 
aber  zu  beachten,  dafs  in  früherer  Zeit  obrigkeitliche  Gebote 
rasch  unberücksichtigt  bleiben  konnten.  Zum  Beispiel  verbot 
die  Gerichtsordnung  für  den  Bezirk  der  Rittergutsherrschaft 
Niederpolenz  bei  Meifsen  1585  §  59  „bei  ernster  Straffe"  den 
Lobetanz;  1592  wurde  er  trotzdem  abgehalten  laut  Rügen- 
protokoll ^).  Trotzdem  spricht  die  gröfsere  Wahrscheinlich- 
keit für  Mölkau. 

Fest  steht  aber,  dafs  das  vlämische  Erbrecht  in  Gohlis 
1720  als  überlebt  abgeschafft  wurde  von  der  Gemeinde; 
ferner,  dafs  es  in  Mölkau  vor  1606  galt. 

Wir  haben  das  vlämische  Erbrecht  in  vier  aneinander 
grenzenden  Dörfern  im  Osten  und  Norden  Leipzigs  nach- 
gewiesen. Darf  man  vom  Vorhandensein  des  vlämischen 
Rechtes  auf  vlämische  Niederlassung  schliefsen?  Ich  bejahe 
die  Frage  so  lange,  bis  das  Gegenteil  bewiesen  ist.  Meines 
Erachtens  hat  auch  die  Annahme  wenig  Wahrscheinlichkeit 
für  sich,  dafs  das  vlämische  Recht  von  dem  einen  oder  andern 
Dorfe  rezipiert  sei.  Wer  da  weils,  wie  zäh  die  deutschen 
Bauern  an  ihrem  althergebrachten  Rechte,  am  partikularen 
Dorfrechte  hingen"-),  der  kann  sich  nicht  zu  der  Vermutung 
bekehren,  dafs  hier  Bauern  von  dem  sehr  abweichenden 
fränkischen  oder  sächsischen  Erbrechte  zu  dem  vlämischen 
jemals  übergegangen  seien. 


^)  Nach  Abschriften  aus  dem  17.  Jahrhundert. 

-)  Zum  Konservatismus  deutscher  Bauern  vgl.  auch  Mark- 
graf: Das  Moselländische  Volkstum  in  seinen  Weistümern  (Gotha 
1907)  S.  i29ff.,  532. 


KleiiiLTe  Mitteilungen.  1^5 

2.    Zur  Biographie  des   Stammvaters    des   sächsischen 

Königshauses,    Herzog  Albrechts   des   Beherzten,   und 

seines  Bruders,  Kurfürsten  Ernst  von  Sachsen. 

Von  Maximilian  Buchner. 

Es  ist  wie  ein  letztes  Aufflackern  des  absterbenden  Ritter- 
tums, wenn  an  der  Scheide  des  ausgehenden  Mittelahers  und 
der  beginnenden  Neuzeit  uns  so  manche  Gestalten  auf  deutschen 
Fürstenthronen  entgegentreten,  die  in  ihrer  ganzen  Persön- 
hchkeit  so  recht  den  Geist  ritterlichen  Wesens  und  Treibens 
verkörpern.  An  ihrer  Spitze  steht  bekanntHch  der  deutsche 
König  Maximilian  I.;  wie  er,  so  ist  der  ritterliche  Branden- 
burger Albrecht  Achill  \),  ferner  der  Regent  des  Würtemberg- 
Urachschen  Territoriums,  Graf  Eberhard  im  Bart-),  vor  allem 
auch  Herzog  Christoph  von  Bayern -München,  der  berühmte 
Sieger  in  dem  Turniere,  das  er  auf  der  glänzenden  Lands- 
huter  Hochzeit  von  1475  mit  einem  polnischen  Edlen  aus- 
focht^),  der  wackeren  Schar  derer  beizuzählen,  die  als  ,,die 
letzten  Ritter"  einem  neuen  Zeitraum  der  Geschichte  ent- 
gegengingen. Nicht  zuletzt  aber  ragt  unter  diesen  ritterlichen 
Fürsten  ein  Herzog  aus  dem  Geschlecht  der  Wettiner  hervor: 
Herzog  Albrecht   von   Sachsen,    ,,der    Beherzte"    zubenannt. 

Es  war  in  den  Februartagen  des  Jahres  1474,  da  in 
Amberg,  der  Hauptstadt  der  damaligen  zu  Kurpfalz  gehörigen 
Oberpfalz,  die  Hochzeit  des  pfälzischen  Thronfolgers  Philipp 
mit  der  Tochter  Herzog  Ludwigs  des  Reichen  von  Nieder- 
bayern, Margarethe,  festlich  begangen  werden  sollte.  Dank  vor 
allem  einem  Bericht ''),  den  der  kurpfälzische  Kanzler,  Bischof 
Mathias  Ramung  von  Speier '^j,  an  seinen  Herrn,  Kurfürst 
Friedrich  I.  den  Siegreichen,  der  von  der  Teilnahme  an  der 
Hochzeit   abgehalten   war,    geschrieben  hat,    können  wir  uns 


')  Vgl.  W.  Böhm  i.  d.  Allg.  deutschen  Biogr.  I,  243. 

®)  Vgl.  Stalin,  Wirtemb.  Gesch.  III,  549  und  meinen  demnächst  in 
den  Württemb.  Vierteljahrsheften  erscheinenden  Beitrag:  Zur  Bio- 
graphie des  ersten  Herzogs  von  Würtemberg. 

*)  Vgl.  Riezler,  Gesch.  Bayerns  III,  469. 

*)  Ich  werde  diesen  Bericht  wie  auch  andre  Quellen  für  die 
„Amberger  Hochzeit",  nämlich  mehrere  Hochzeitsordnungen  und  eine 
Aufzählung  der  auf  der  Hochzeit  Anwesenden  sowie  der  Teilnehmer 
an  dem  Gesellenstechen,  das  dort  stattfand,  im  nächsten  Band  (1908) 
des  Archivs  f.  Kulturgesch.  veröftentlichen. 

^)  Über  seine  geistliche  Bistumsverwaltrmg  vgl.  Remling, 
Gesch.  d.  Bischöfe  von  Speyer  II,  145  ff.,  über  seine  weltliche  innere 
Regienmg  s.  meine  Dissertation  (erschienen  in  den  Mitteilungen 
des  hist.  X'er.  d.  Pfalz  XXIX  und  XXX,  108  ff.). 


1^6  Kleinere  Mitteikingen. 

ein  anschauliches  Bild  machen  von  dem  Leben  und  Treiben, 
das  sich  damals  in  Ambergs  Mauern  abspielte.  Auf  all  die 
Pracht,  die  bei  dieser  Gelegenheit  dort  entfaltet  wurde,  auf 
die  Turniere  und  Tänze,  die  Aufzüge  und  die  festlichen  Ge- 
lage, die  anläfslich  jener  Hochzeit  stattfanden,  ist  natürlich 
an  dieser  Stelle  nicht  einzugehen^).  Nur  das,  was  für  die 
sächsischen  Fürsten  und  ihre  Geschichte  von  Interesse  zu  sein 
scheint,  mag  hier  kurz  zusammengestellt  werden. 

Am  20.  Februar,  dem  Tage,  da  die  Vermählung  statt- 
finden sollte,  kamen  die  sächsischen  Herzoge,  Kurfürst  Ernst 
und  sein  Bruder  Albrecht,  in  Amberg  an;  um  10  Uhr  vor- 
mittags hielten  sie  ihren  Einzug.  Der  fürstliche  Bräutigam, 
Pfalzgraf  Philipp,  war  ihnen  mit  anderen  Herren,  die  bereits 
in  der  Feststadt  angekommen  waren,  entgegengeritten.  Kur- 
fürst Ernst  und  sein  Bruder  Albrecht  waren  dem  nieder- 
bayrischen Hofe  sehr  nahe  verwandt,  da  ja  die  Landshuter 
Herzogin  Amalie,  die  Gemahlin  Herzog  Ludwigs,  ihre  Schwester 
war;   sie  waren  also  Oheime  der  Braut. 

Der  Pfleger  des  oberpfälzischen  Amtes  Vilseck,  Paulus 
von  Streitberg,  wurde  den  sächsischen  Fürsten  bei  ihrer  An- 
kunft in  Amberg  zum  persönlichen  Dienst  zugewiesen^).  Mit 
ihnen  kam  jedenfalls  auch  der  Merseburger  Bischof,  den  wir 
unter  den  Festgästen  in  Amberg  treff'en'^),  an,  Thilo  von  Trotha, 
der  verdienstvolle  Förderer  der  Leipziger  LIniversität*),  der 
Bruder  Hansens  vonTratt  (Trotha),  der  nachmals  am  pfälzischen 
Hofe  noch  eine  grofse  Rolle  spielen  sollte'').  Im  Gefolge  der 
Sachsenherzoge'''),  das  aus  etwa  400  Berittenen  bestand,  be- 


^)  Vgl.  darüljer  meine  Allhandlung:  Die  Amberger  Hochzeit,  im 
nächsten  Bande  (1908)  der  Forschungen  z.  Gesch.  Bayerns. 

-)  So  wird  in  der  oben  S.  155  Anm.  4  erwähnten  Hochzeits- 
ordnung Ijestimmt. 

^)  Nach  dem  ebenda   erwähnten   Verzeichnis  der  Anwesenden. 

*)  Vgl.  V.  Langenn,  Albrecht  der  Beherzte  S.  385;  über  Thilo 
vgl.  das  Chron.  episc.  Merseb.  in  den  Mon.  Germ,  liist.  SS.  X,  209  ft. 
und  die  Reg.  episc.  Merseb.,  herausgegeben  v.  Wilmans  i.  Archiv  d. 
Ges.  f.  ältere  deutsche  Gesch.-Kunde  XI,  208  ff. 

^)  Vgl.  über  ihn  J.  G.  Lehmann,  Urk.  Gesch.  d.  Burgen  d.  bayr. 
Pfalz  I,  58  und  meinen  im  nächsten  Heft  des  Pfälzischen  Museums 
erscheinenden  Beitrag:  Zur  Biographie  des  kurpfälzischen  Marschalls 
Hanns  v.  Tratt.  Desgl.  den  Aufsatz:  Hans  Trapp  —  das  Gespenst 
von  der  Wieslauter  in  Nr.  68  ff.  der  Palati  na  (Beiblatt  zur  Ptälzer 
Zeitung)  1907. 

«)  Die  Namen  der  Grafen  und  Herren,  Ritter  und  Edlen  aus 
Sachsen,  die  in  dem  oben  S.  155  Anm.  4  erwähnten  Verzeichnis  auf- 
gezählt werden,  seien  hier  angeführt.    Grafen  und  Herren:  Wil- 


Kleinere  Mitteilunj;eii.  icy 

fand  sich  manche  berühmte  PersönUchkeit:  Hugolt  von  Schlei- 
nitz,  der  sächsische  Obermarschall,  der  durch  seine  diplo- 
matischen Missionen  keine  unbedeutende  Rolle  im  politischen 
Leben  seiner  Zeit  gespielt  zu  haben  scheint');  daneben  sah 
man  eine  Reihe  von  Angehörigen  des  Geschlechtes  derer  von 
Schönberg,  darunter  Kasj^ar  von  Schönberg,  der  kurz  zuvor 
im  Dienste  seiner  Herren  in  Breslau  bei  Verhandlungen  mit 


heim  von  Hennel)erg;  Sigmund  von  Anhalt;  Schenk  Jörg,  Herr  zu 
Tautenberg;  [Heinrich |  R^eufs,  Herr  zu  Plauen;  [Jarusfav]  von  Stern- 
berg; Niklas  SchHck,  Herr  zu  Ellbogen.  Ritter:  Hugolt  von  Schlei- 
nitz,  Obermarschall;  Hans  Birk  (von  der  Duba  zu  Mühlbera;);  Kaspar 
und  Ernst  von  Schönberg;  Heinrich  von  Einsiedel;  Heinrich  Trvich- 
seis;  Fabian  von  Mühlheim.  Adlige:  Bernhard,  Heinrich  und  Hans 
von  Schönberg;  Georg  von  Milatz  (wohl  Mildtz  oder  Maltitz?);  Johann 
von  Haugwitz  (l'ext:  Lurgwitz);  Friedrich  von  Schleinitz;  Götz  von 
Ende  (Text:  Bund);  Klaus  von  Tratt  (Trotha);  Hans  Pflug;  Jörg  von 
Reinsberg  (Text:  Rengspurckh);  Sigmund  von  Miltitz  (oder  Maltitz? 
Text:  Matitz);  Dietz  von  Schleinitz  der  Jüngere;  Hans  von  Ende; 
Heinrich  von  Pflug;  Diether  von  Erdmannsdorl;  Heid  von  Erdmamis- 
dorf;  Götz  von  Wolfsbach ;  Kaspar  Metsch;  Ott  von  Pirkisch  (Birgigk); 
Heinrich  Löser;  Diethrich  Spiegel;  Heinrich  Starschädel;  Balthasar 
Kreysig  (Text:  Greusig);  HansGrüner;  Friedrich  von  Schönfeld;  Dieth- 
rich von  Knepelheim;  Günther  Walmann;  Jörg  von  Roberts  (Robert);  Ott 
Pflug;  Jörg  von  Waidenfels;  Sigmund  Zechau  (Tschechau);  Hans 
von  Natterwitz;  Heinrich  Weickhart.  —  Nähere  Angaben  über  die 
einzelnen  Persönlichkeiten  gebe  ich  bei  der  Herausgabe  des  Ver- 
zeichnisses a.  a.  O. 

')  Vgl.  V.  Langenn  a.  a.  O.  S.  82,  141,  146,  176,  462,  558;  A.  Bach- 
mann, Deutsche  Reichsgesch.  i.  Zeitalter  Friedrichs  IlL  u.  Max  L  I, 
152,  II,  694ff;  Fontes  rar.  Austr.  IL  Abt.  XLIV,  623!.,  643;  XLVL  36f., 
113,  130,  142,  145,  160,  273!'.,  299ff.,  3o6fl'.,  425!'.,  44ofl-";  vgl.  Mone, 
Quellensammlung  z.  bad.  Landesgesch.  I,  508.  —  Von  Interesse  für 
die  Persönlichkeit  Hugolts  ist  ein  Brief  Ramungs  an  Kurfürst  Fried- 
rich von  der  Pfalz,  den  er  vom  Nürnberger  Reichstag  von  1470  schrieb 
(Orig.  i.  k.  b.  Staats-Archiv  zu  München  K.  Bl.  103 '2b  fol.  95;  der  Name 
des  Autors  wie  auch  die  Abfassungszeit  des  Schreil^ens  ist  in  dem- 
selben zwar  nicht  angegeben,  aber  doch  zweifellos);  aus  ihm  gelit 
hervor,  dafs  Schleinitz  nn  Sinne  der  pfälzischen  Politik  tätig  war: 
Hugolt  wäre  nicht  nach  Nürnberg  gekommen,  so  berichtete  Ramung 
damals,  wenn  er  nicht  gewufst  hätte,  dafs  dies  dem  Pfälzer  erwünscht 
sei.  Hugolt  empfahl  auf  jenem  Nürnberger  Reichstag  (s.  Ba  chmann 
a.  a.  O.  II,  304 ff.)  dem  pfälzischen  Kanzler  für  einen  allenfalsigen 
Krieg  des  Kurfürsten  „zwei  wohigeschickte,  junge  Gesellen  vom 
Adel",  die  Meifsener  seien,'  Hans  von  Schönberg  is.  vorhergehende 
Anm.;  vgl.  Font.  rer.  Austr.  II.  Abt.,  XLIV,  623)  und  Jan  von  Haug- 
witz (s.  v.  Langenn  S.  87)  mit  Namen.  Ferner  versprach  damals 
Hugolt,  nötigenfalls  dem  Pfälzer  3 — 400  Reisige  und  1000  Fufsknechtc 
zu  verschaffen.  —  Wie  ich  in  dem  zitierten  Beitrage  zur  Biographie 
Hanns  v.  Tratts  (a.  a.  O.)  nachgewiesen,  traten  in  jenen  Jahren  auch 
wirklich  eine  Anzahl  von  Adligen  aus  dem  sächsischen  Dienst  in 
kurpfälzischen  über. 


1^8  Kleinere  Mitteilunijen. 

dem  Ungarnkönig  Mathias  Korvinus  tätig  gewesen  war^), 
Ernst  von  Schönberg,  den  Herrn  zu  Glauchau'-),  der  dann 
bei  der  Belagerung  des  ihm  von  Herzog  Albrecht  verliehenen 
Schlosses  Grünberg  seinen  Tod  finden  sollte^),  und  Bernhard 
von  Schönberg,  der  bei  Herzog  Albrecht  das  Amt  eines  Mar- 
schalls inne  hatte  und  1476  mit  seinem  Herrn  nach  dem  hl. 
Lande  zog^). 

Das  ganze  sächsische  Gefolge  war  in  Rot  gekleidet;  diese 
Farbe  hatten  auch  die  meisten  anderen  Festgäste  für  ihre 
Kleidung  ausgewählt:  denn  es  lag  in  dem  Geschmacke  der 
Zeit,  möglichst  grofse  Menschenmassen  in  eine  Farbe  ge- 
kleidet zu  sehen ''^). 

Als  nach  dem  Mittagsmahl  der  Einzug  der  Braut  erfolgen 
sollte,  da  ritten  Pfalzgraf  Philipp  und  mit  ihm  der  sächsische 
Kurfürst  der  Braut  entgegen.  Herzog  Albrecht  aber,  so  heifst 
es  in  dem  erwähnten  Bericht  Ramungs,  ritt  nicht  mit,  sondern 
wartete  auf  das  ,, Stechen  und  Bereiten"  —  ein  charakte- 
ristischer Zug  für  die  so  leidenschaftliche  Freude  des  Wet- 
tiners  an  den  ritterlichen  Übungen  seiner  Zeit. 

Auch  an  dem  feierlichen  Gottesdienst,  der  am  folgenden 
Tag  sich  an  die  Einsegnung  des  jungen  Paares  anschlofs, 
nahm  Herzog:  Albrecht  nicht  teil.  Mit  anderen  seiner  fürst- 
liehen  Standesgenossen  wartete  er  vielmehr  auch  damals  auf 
seine  ,, Handlung  zum  Stechen".  Ebenso  finden  wir  ihn  bei 
der  Tafel,  die  an  diesem  Tage  stattfand,  nicht  anwesend. 

Bevor  wir  aber  Herzog  Albrecht  auf  dem  Turnierplatz 
folgen,  möge  zunächst  ein  Wort  zur  Bedeutung  der  Amberger 
Hochzeit  in  politischer  Hinsicht  mit  besonderer  Rücksicht  auf 
die  Stelluno^  des  sächsischen  Kurfürsten  hierbei  g-estattet  sein. 

Freilich  wissen  wir  von  den  politischen  Verhandlungen, 
die  in  Amberg  geführt  werden  sollten,  nicht  allzuviel.  Soviel 
aber  scheint  «rewifs:  man  wollte  die  Amberger  Hochzeit  zur 
Anbahnung  eines  Ausgleichs  benützen,  eines  Ausgleichs  wohl 


')  Vgl.  V.  Langenn  S.  93;  Kaspar  war  Landvogt  von  Meifsen, 
s.  Font.  rer.  Austr.  II.  Abt.,  XLIV,  650;  XL  VI,  306,  310;  vgl.  über  ihn 
auch  Fraustadt,  Gesch.  d.  Geschlechtes  v.  Schönberg  lA,  306  ff.  und 
Mone  a.  a.  O.  I,  508. 

•-)  Mone  I,  511. 

^)  Sagittarius,  Splendor  familiae  Schönbergicae  (1676)  S.  40. 
—  Die  genealogischen  Angaben  Fraustadts  (vgl.  II,  503)  scheinen 
hier  zu  versagen. 

*)  Sagittarius  S.  15;  Fraustadt  I  A,  151;  vgl.  Font.  rer. 
Austr.  II.  Abt.,  XLIV,  166,  294,  350;  Mone  I,  507. 

^)  Vgl.  meine  Abhandlung:  Die  Amberger  Hochzeit  a.  a.  O.  — 
All  das  nach  Ramungs  Bericht. 


Kleinere  Mitteilungen. 


159 


insbesonders  auch  zwischen  dem  Brandenburger  Markgrafen 
Albrecht  Achill  und  seinen  langjährigen  Gegnern,  Herzog 
Ludwig  dem  Reichen  von  Niederbayern  und  der  Reichsstadt 
Nürnberg.  Eine  Hauptrolle  hierbei  war  der  Vermittlungs- 
tätigkeit des  sächsischen  Kurfürsten  zugedacht;  er  sollte  das 
seine  dazu  beitragen,  dafs  „zwischen  den  Häusern  allen  .  .  , 
Einigkeit"  herrsche.  So  der  Gedanke  eines  alten  Diplomaten: 
Martin  Mairs').  Es  war  die  Idee  eines  vom  Kaiser  unab- 
hängigen deutschen  Bundes,  der  zur  Vormacht  im  Reiche 
berufen  schien.  Aber  freilich!  Die  Macht  der  äufseren  Ver- 
hältnisse, de  Macht  langjähriger  Gegensätze  war  stärker  als 
alle  Vermittlungspläne.  Herzog  Ludwig  von  Niederbayern 
war  durch  Krankheit  an  der  Teilnahme  an  der  Hochzeit  ver- 
hindert und  der  Brandenburger  kam  gleichfalls  nicht"-).  Unter 
solchen  Umständen  konnte  man  sich  von  der  Vermittlungs- 
tätigkeit des  sächsischen  Kurfürsten  von  vornherein  nicht 
allzuviel  Erfolg  versprechen.  Ja  es  scheint  sogar,  als  ob 
zwischen  den  alten  politischen  Freunden,  den  Sachsen  einer- 
seits und  den  Bayern  und  Pfälzern  andrerseits,  gerade  in  den 
Tagen  der  Amberger  Hochzeit  eine  gewisse  Rivalität  zum 
Ausdruck  gekommen  sei,  wie  wir  hören  werden.  — 

Doch  sehen  wir  nun  dem  Turniere  zu,  das  Herzog  Albrecht 
auf  dem  Amberger  Marktplatz  am  Tage  nach  seinem  Einzug 
ausfocht.  Mit  einem  pfälzischen  Adligen''),  Schenk  Philipp, 
Herrn  zu  Erbach,  hatte  er  ,,ein  stark  Rennen".  Wie  an  den 
ritterlichen  Übungen  selbst,  so  scheint  Herzog  Albrecht  auch 
an  der  Mode  seiner  Zeit  seine  Freude  gehabt  zu  haben.  Zu  dem 
Turniere,  das  er  damals  ausfocht,  war  er  in  der  sogenannten 
,, geteilten  Tracht"*)  gezogen,  die  uns  heute  freilich  nichts 
weniger  als  geschmackvoll  erscheinen  mufs.  Die  eine  (jeden- 
falls die  rechte)"*)  Seite  seines  Rockes  war  von  grüner  Farbe, 
auf  der  anderen  wechselten  rot,  weifs  und  grün.  Wie  es 
scheint,  fand  der  ritterliche  Sachsenherzog  an  seinem  pfäl- 
zischen Gegner  damals  seinen  Meister. 


^)  Die  Quelle  hierfür  bietet  ein  Brief  Ludwigs  v.  Eyb  an  Kur- 
fürst Albrecht  Achill  vom  19.  Dezember  1473  ün  den  Font.  rer.  Austr. 
Abt.  XLVI,  243). 

-)  Vgl.  darüber  meine  Abhandlung:  Die  Amberger  Hochzeit 
a.  a.  O. 

*)  Unter  dem  pfälzischen  Adel  wird  er  in  dem  oben  S.  155 
Anm.  4  erwähnten  Verzeichnis  genannt. 

"•)  Vgl.  Falke,  Deutsche  Trachten-  u.  Modenwelt  (=  Deutsches 
Leben  I)  S.  147  und  die  Abbildungen  bei  A.  Schultz,  Deutsches 
Leben  im  XIV.  u.  XV.  Jhriidt.  (IL  Halbband)  Tafel  XXIX  u.  XXXII. 

5)  Vgl.  Falke  a.  a.  O. 


l6o  Kleinere  Mitteilungen. 

Als  am  Abend  jenes  Tages  im  Amberger  Tanzhaus') 
unter  dem  Arrangement  der  Erzherzogin  Mechthilde  von 
Österreich,  einer  Tante  des  Bräutigams,  ein  origineller  Tanz 
veranstaltet  wurde,  bei  dem  die  Damen  mit  Damen  und  die 
Herren  mit  Herren  tanzten,  bildeten  die  beiden  sächsischen 
Fürsten  das  erste  Paar,  das  seitens  der  Herren  diesen  Tanz 
eröffnete ;  ihnen  nach  tanzte  ihre  Ritterschaft,  dann  die  anderen 
Fürsten  mit  ihrem  Gefolge  —  was  lustig  zu  sehen  war,  wie 
der  Berichterstatter  versichert.  — 

Was  der  pfälzische  Kanzler  und  mit  ihm  auch  die  anderen 
Festgäste  wahrnehmen  zu  können  glaubten,  war,  dafs  Kur- 
fürst Ernst  und  Herzog  Albrecht  ,,gar  brüderlich"  gegen 
einander  sich  verhielten,  so  dafs  dies  allgemein  an  ihnen  ge- 
rühmt wurde.  Das  Bestehen  einer  wahren  Eintracht,  die, 
wie  wir  auch  sonst  hören"-),  zwischen  dem  sächsischen  Brüder- 
paar in  jener  Zeit  herrschte,  wird  also  durch  diese  in  Ramungs 
Bericht  sich  findende  Stelle  bezeugt.  —  Wer  hätte  es  da- 
mals in  Amberg  geahnt,  dafs  Zwistigkeiten,  die  im  Laufe  der 
Jahre  zwischen  Ernst  und  Albrecht  entstehen  sollten,  diese 
noch  zur  Teilung  ihres  Landes  veranlassen  würden !  — 

Die  Sachsenherzoge  erregten  in  Amberg  grofses  Staunen 
durch  die  ,, guten  und  gar  fremden"  Trompeten,  welche  sie 
mit  sich  gebracht  hatten;  wie  Ramung  seinem  Herrn,  Kur- 
fürst Friedrich,  berichtet,  zeichneten  sich  diese  dadurch  aus, 
dafs  man  auf  ihnen  auch  hohe  Töne  klar  zum  Ausdruck  bringen 
konnte;  es  werden  also  unter  jenen  Instrumenten  bereits  Trom- 
peten mit  gebogenem  Rohre  zu  verstehen  sein,  für  deren  Her- 
stellung natürlich  eine  Vorbedingung  die  Kunst  des  Metall- 
schmiedens war,  und  deren  tatsächliche  Herstellung  sonst 
erst  in  das  i6.  Jahrhundert  verlegt  wird'^).  Dafs  diese  ,, neuen 
und  gar  fremden"  Trompeten  vor  allem  im  Hofstaat  der 
sächsischen  Fürsten  eine  Heimstätte  gefunden  haben,  ist  umso 
mehr  erklärlich,  als  sich  an  ihrem  Hofe  die  Musik  überhaupt 
einer  regen  Pflege  erfreut  zu  haben  scheint*). 

Wie  ihr  Herzog,  so  taten  sich  auch  manche  der  sächsischen 
Grofsen  bei  dem  zu  Amberg  stattfindenden  Turniere  durch 
ihre  Stärke  und  Gewandtheit  hervor.    Als  ein  ,,vast  (^  sehr) 


^)  Vgl.  darüber  in  meiner  Abhandlung:  Zur  Gesch.  u.  Topographie 
der  Stadt  Amberg  im  nächsten  Bd.  d.  Verh.  d.  hist.  Ver.  f.  Oherpfalz 
u.  Regensburg. 

"-)  Vgl.  V.  Langenn  S.  43  f. 

^)  Vgl.  Eichhorn,  Die  Trompete  in  alter  und  neuer  Zeit  (1881) 
S.  iff.  und  F.  L.  Schubert,  Die  Tanzmusik  S.  53. 

*)  Vgl.  V.  Langenn  S.  483. 


Kleinere  Mitteilungen.  l6i 

gut  Rennen'")  wird  jenes  Turnier  bezeichnet-),  das  der  uns 
schon  bekannte  Kaspar  von  Schönberg  mit  dem  fürstUchen 
Bräutigam,  Pfalzgraf  Philipp,  auskämpfte.  Eine  gewisse  Riva- 
lität scheint  bei  diesen  ritterlichen  Spielen  zwischen  den 
Sachsen  und  den  Bayern^)  entstanden  zu  sein*),  der  vielleicht 
die  Schuld  zuzuschreiben  ist  an  dem  traurigen  Unfall,  der 
hier  auch  erwähnt  werden  mag. 

Bei  dem  Gesellenstechen ,  das  am  Aschermittwoch 
(23.  Februar)  stattfand,  linden  wir  unter  den  bayrischen  Ad- 
ligen auch  Wolfgang  von  Frauenberg  beteiligt^).  Wie  uns 
der  bayrische  Chronist  Veit  Arnpeck  berichtet*'),  bediente 
sich  der  sächsische  Gegner  dieses  bayrischen  Edelmannes 
einer  längeren  Lanze,  als  gestattet  war'),  und  tötete  hiermit 
Wolfgang  von  Frauenberg. 

Natürlich  zeigte  in  diesem  Gesellenstechen  ^)  auch  der 
tapfere  Sachsenherzog  Albrecht  seine  ritterlichen  Vorzüge. 
Aus  der  speirischen  Chronik®)  wissen  wir,  dafs  ihm  der  be- 
deutendste Preis,  der  „Fürstenpreis",  zufiel.  Nach  Ramungs 
Bericht  sollte  dieser  darin  bestehen,  dafs  die  „schönste  Frau" 


1)  Beim  „Rennen"  handelte  es  sich  um  das  Abstechen  der  Tartsche 
(ein  kleiner  Schild;  s.  Schmeller-Fromann,  Bayr.  Wörterbuch 
I,  626);  beim  „Scharfrennen"  mufste  diese  so  getroffen  werden,  dafs 
der  Reiter  aus  dem  Sattel  flog.  A.  Schultz,  Deutsches  Leben  im 
XIV.  u.  XV.  Jhrhdt.  (IL  Halbband)  S.  484. 

-)  In  Ramungs  Bericht  a.  a.  O. 

^)  Zu  denselben  werden  wohl  auch  die  Pfälzer  (eben  als  Gefolge 
von  wittelsbachischen  Fürsten)  zu  rechnen  sein;  wenigstens  werden 
bei  der  Aufzählung  der  Teilnehmer  am  Gesellenstechen  die  Pfälzer 
vinter  den  Bayern  genannt. 

■*)  Darauf  beziehen  sich  jedenfalls  die  Worte  in  Ramungs  Be- 
richt: „[Die  Sachsenherzoge]  haben  starck  stickher,  die  wollen  das 
best  than  (d.  h.  tun)  umb  den  danck  (d.  i.  Siegespreis)  für  di  Bairn 
und  wollen  di  Bairn  versuchen;  das  han  sy  macht." 

^)  Nach  der  oben  S.  155  Anm.  4  erwähnten  Aufzählung  der 
Teilnehmer. 

")  V  e  i  t  A  r  n  p  e  c  k,  Chron.  Bajoariorum,  bei  Pez,  Thesaurus  anecdo- 
torum  III,  3,  309;  m  deutscher  Bearbeitung  in  M.  v.  Frey  bergs  hist. 
Schriften  I,  81. 

'')  So  in  der  deutschen  Bearbeitung;  in  der  lateinischen  heifst 
es  nur:  „iniqua  Saxonvim  versutia  . .  penit." 

^)  Von  den  Sachsen  nahmen  daran  teil :  Graf  Wilhelm  von  Henne- 
berg; (Heinrich)  Reufs,  Herr  zu  Plauen;  Schenk  Jörg  von  Tauten- 
berg;  (Jaruslav)  von  Sternberg;  Kaspar,  Bernhard  und  Hans  von 
Schönberg;  Heinrich  Truchsefs;  Heinrich  Starschädel;  Christof  von 
Maltitz;  Hans  Grüner;  beide  von  Erdmannsdorf;  Klaus  von  Tratt 
(Trotha);  Erhart  Wechmaier  (vielleicht  das  Geschlecht  Wechmar?); 
Hans  Truchsefs;  Wilhelm  von  Wolfstein;  Georg  Marschalk;  Jan 
von  Linz;  Götz  von  Ende. 

")  Bei  Mone,  Quellensammlung  z.  bad.  Landesgesch.  I,  511. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    l.  2.  II 


162  Kleinere  Mitteilungen. 

ein  „Heftlein",  einen  Schmuckgegenstand,  im  Werte  von 
300  Gulden  dem  Sieger  reichen  sollte.  Dieser  Preis  ward 
also  dem  ritterlichen  Sachsenherzog  beschieden. 

Albrechts  Sieg  in  jenem  Gesellenstechen  mufste  umso 
glänzender  erscheinen,  als  an  demselben  auch  ein  anderer 
fürstlicher  Turnierheld  teilnahm,  Herzog  Christoph  von  Bayern, 
der  wohl  schon  damals  ein  gefürchteter  Partner  war.  Als 
Herzog  Albrecht  nach  dem  Verlauf  der  glänzenden  Amberger 
Tage  mit  seinem  kurfürstlichen  Bruder  wieder  ins  Sachsen- 
land zog,  hatte  er  daher  gewifs  die  Achtung  und  Beliebtheit 
gesteigert,  deren  sich  seine  Persönlichkeit  naturgemäfs  in  den 
ritterlichen  Kreisen  der  Zeit  erfreuen  mufste. 


3.   Noch  einmal  das  Jahr  der  Erfindung  des  Meißner 

Porzellans? 

Von    E.  Zimmermann. 

Im  XXVII.  Band  dieser  Zeitschrift  habe  ich  versucht, 
nachzuweisen,  dafs  die  Erfindung  des  Meifsner  Porzellans  durch 
Böttger  nicht,  wie  es  Engelhardt  zuerst  in  seiner  bekannten, 
im  Jahre  1837  erschienenen  Biographie  Böttgers  behauptet  hat 
und  dann  fast  von  allen  Seiten  immer  wiederholt  worden  ist, 
im  Jahre  1707,  vielmehr,  wie  es  das  ganze  18.  Jahrhundert 
angegeben  hat,  im  Jahre  1709  erfolgte.  Ich  hatte  dies  ge- 
tan auf  Grund  verschiedener  aus  den  Überlieferungen  dieser 
Zeit  sich  ergebender  Schlüsse  und  der  einzigen  bestimmten 
Zeitangabe  des  Ereignisses,  die  wir  noch  aus  Böttgers  Leb- 
zeiten besitzen,  nämlich  der  seines  Mitarbeiters  und  Schwagers, 
des  Inspektors  der  Meifsner  Manufaktur  Steinbrück,  der  dies 
Jahr  ohne  Rückhalt  für  die  Erfindung  in  einem  in  der  Königl. 
Porzellansammlung  zu  Dresden  aufbewahrten  ausführlichen 
Berichte  über  die  ganzen  industriellen  Unternehmungen  Böttgers 
angegeben  hat.  Inzwischen  ist  mir  —  leider  erst  nach  Ab- 
schlufs  jenes  Aufsatzes  —  von  der  Königl.  Porzellanmanufaktur 
zu  Meifsen  eine  andere  Arbeit  desselben  Steinbrück  zur  Ver- 
fügung gestellt  worden,  der  sogenannte  ,, Geschichtskalender", 
in  dem  dieser  —  scheinbar  im  Auftrage  Böttgers  —  alle  die 
dessen  Manufakturen  betreffenden  Ereignisse  vom  März  1709 
bis  zum  gleichen  Monat  17 12  in  gedrängter  Form  aufzählt; 
darin  findet  sich  aber  eine  kurze  Notiz,  die  auf  diese  Frage 
ein   neues    Licht   zu  werfen  vermag.     Sie    besagt   unter  dem 


Kleinere  Mitteilungen.    •  163 

Monat  Oktober  17 10,  dafs  damals  Dr.  Bartelmei,  der  Leib- 
arzt Böttgers  und  Mitwisser  eines  Teils  der  Porzellanarcana 
vor  einer  damals  tagenden,  die  Angelegenheiten  der  Bött- 
gerschen  Manufakturen  prüfenden  Kommission  „attestiert'' 
hätte,  dafs  Böttger  ihm  bereits  vor  zwei  Jahren  die  Masse 
sowohl  zu  dem  roten  wie  zu  dem  weifsen  Porzellan  erlernet 
hatte,  aber  ohne  die  Glasur.  Damach  also  kann  man,  wo- 
fern man  nicht  an  der  Glaubwürdigkeit  oder  dem  Gedächt- 
nis Dr.  Bartelmeis  zweifeln  will,  kaum  umhin,  die  Erfindung 
wenigstens  der  Porzellanmasse  in  das  Jahr  1708  zu  setzen, 
behält  aber  doch  bei  der  Allgemeinheit  des  Ausdrucks  ,,vor 
zwei  Jahren"  durchaus  das  Recht,  hierbei  an  das  Ende  dieses 
Jahres  zu  denken,  so  dafs  immer  noch  nichts  daran  hindert, 
sie  als  erst  nach  dem  Tode  Tschirnhausens,  den  man  (vgl. 
meinen  Aufsatz:  Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzel- 
lans im  XXVIII.  Band  dieser  Zeitschrift)  mehrfach  für  den 
Miterfinder  Böttgers  gehalten  hat,  geschehen  anzusehen.  Aber 
freilich  besagt  auch  diese  Stelle  eben  nur,  dafs  damals  im 
Jahre  1708  bereits  die  Masse  des  Porzellans  erfunden  war,  nicht 
aber  auch  bereits  die  ihr  zukommende  Glasur.  Nun  aber  ist  Por- 
zellan ohne  Glasur  eigentlich  gar  kein  Porzellan  und  namentlich 
auch  nicht  damals  zu  Böttgers  Zeiten  als  solches  angesehen 
worden.  Erst  Generationen  nach  Böttger,  d,  h.  vor  allem  zur 
Zeit  des  wieder  beginnenden  Klassizismus  hat  man  den  Typus 
des  unglasierten  Porzellans,  das  sogenannte  Biskuit,  erfunden, 
um  damit  vor  allem  Statuen  in  Marmor  imitieren  zu  können. 
Dafs  aber  die  Glasur  des  Porzellans  nicht  im  Jahre  1708  er- 
funden ward,  dafs  vielmehr  diese  Erfindung,  die  eigentlich 
eine  ganz  neue,  eine  zweite  innerhalb  der  Erfindung  des  Por- 
zellans gewesen  ist,  erst  im  folgenden  Jahre  1709  gelang, 
dafür  dürften  wir  darin  die  sprechendsten  Beweise  haben, 
dafs  Böttger  zwar  sich  der  Erfindung  des  Porzellans  ,,sammt 
der  allerfeinsten  Glasur"  bereits  am  28.  März  1709  in  einem 
Memoriale  dem  Könige  gegenüber  gerühmt  hat,  dafs  er  aber 
dann  im  November  desselben  Jahres  der  Kommission,  die  da- 
mals seine  Erfindungen  zum  zweiten  Male  zu  prüfen  sich  an- 
schickte, die  Erfindung  der  PorzcUangiasur  noch  als  etwas 
Besonderes  anzeigte,  ohne  hierbei  die  der  Porzellanmasse,  die 
damit  damals  als  etwas  bereits  ganz  Selbstverständliches  galt, 
noch  zu  erwähnen.  Er  mufs  demnach  mit  der  Glasur  erst 
zwischen  dem  März  und  Oktober  dieses  Jahres  zurecht  ge- 
kommen sein,  und  somit  können  auch  wir  die  Beendigung 
der  Porzellanerfindung  und  damit  diese  Erfindung  selber  wohl 
nur    in    das  Jahr  1709   setzen,    wie    ich   es   eben   in   meinem 


164  "    Kleinere  Mitteilungen. 

früheren    Aufsatze    getan    habe   und   wie    es    Steinbrück    be- 
richtet  hat. 

Mit  dieser  Tatsache  dürfte  dann  auch  durchaus  über- 
einstimmen, dafs  Engelhardt  —  für  uns  freihch  heute  unkontrol- 
Herbar  —  berichtet,  dafs  Böttger  selber  seine  Erfindung  bald  in 
das  Jahr  1708,  bald  in  das  Jahr  1709  gesetzt  hat:  er  hat  eben 
in  ersterem  Falle  an  die  der  Masse,  in  letzterem  an  die  des 
Porzellans  mitsamt  der  Glasur  gedacht.  Sein  Widerspruch 
ist  also  nur  ein  scheinbarer. 


Literatur. 


Bilder  aus  der  Kulturgeschichte  unserer  Heimat.  Mit  besonderer  Be- 
rücksichtigung der  Provinz  Sachsen,  des  Herzogtums  Anhalt  und 
des  Königreichs  Sachsen.  Von  Richard  Erfurth,  Lehrer  an  der 
Übungs- Schule  (Lutherschule)  des  Königl.  Predigerseminars  zu 
Wittenberg.  Zweite  vermehrte  Auflage.  Mit  einer  Tafel:  Vor- 
und  frühgeschichtliche  Altertümer.  Halle  a.  S.,  Richard  Mühlmanns 
Verlag  (Max  Große).  1907.  V,  132  SS.  8". 

Das  vorüegende,  lediglich  pädagogischen  Zwecken  dienende 
Büchlein  reiht  kulturgeschichtliche  Bilder  aneinander,  ohne  jedoch 
den  Stoff  irgend  zu  erschöpfen.  Die  Kunst  z.  B.  wird  nirgends  be- 
handelt. Der  Volksschullehrer  findet  hier  Stoff  über  die  älteste  Zeit 
imd  die  ältesten  Bewohner,  die  Einführung  des  Christentums,  die 
Ansiedlung  der  Slawen,  deren  Besiegung,  die  Einteilung  des  Landes 
in  Marken,  Gaue,  Burgwarten,  über  Bistümer,  Lehen,  Land,  Be- 
völkerung, die  niederländischen  Ansiedler,  Klöster,  Wendenbekehrung, 
die  geistüchen  Ritterorden,  die  Ansiedlung  der  deutschen  Bauern, 
die  soziale  Gliederung  der  Bauern,  die  Lasten  der  bäuerlichen  Be- 
wohner, Landstände  und  Landtag,  Ablösungen,  Rittergüter,  Gericht, 
Am  ehesten  wird  der  Volksschullehrer  auf  dem  Lande  sich  mit  dem 
Buche  befreunden;  für  den  in  der  Stadt  fehlt  zu  viel,  z.  B.  die  soziale 
Gliederung  der  nichtbäuerlichen  Stände.  Die  Darstellung  ist  ge- 
fällig und  geeignet,  Sinn  für  die  Heimat  und  für  Vaterlandsliebe  zu 
wecken.  Aber  damit,  dafs  die  Erkenntnis  sich  immer  weiter  Bahn 
breche,  dafs  der  Geschichtsunterricht  nicht  im  blofsen  Aneinander- 
reihen der  historischen  Tatsachen  nach  ihrer  Zeitfolge  bestehen  darf, 
sollten  auch  pädagogische  Bücher  nicht  begründet  werden.     Solche 

f)ädagogische  Selbstver.ständlichkeiten  sollten  auch  jedem  Volksschul- 
ehrer  ganz  geläufig  sein.  Für  Mittelschüler  bietet  das  Büchlein  zu 
wenig.  Aber  auch  wer  dem  Volksschullehrer  derartige  Stoffe  dar- 
bieten will,  sollte  auf  einer  breiteren  wissenschaftlichen  Grundlage 
aufbauen,  als  sie  das  von  Erfurth  angeo;ebene  Literaturverzeichnis 
angibt.  Von  zusammenhängenden  Werken  über  das  Königreich 
Sachsen  sind  nur  Schmidts  Kursächsische  Streifzüge  erwähnt.  Ge- 
rade für  die  von  Erfurth  verfolgten  Zwecke  würde  z.  B.  die  bereits 
wiederholt  erschienene  Sächsische  Volkskunde  von  Wuttke  vielseitige 
Ausbeute  geliefert  haben.  Die  Auswahl  der  Beispiele  in  diesen 
„Bildern  aus  der  Kulturgeschichte  unserer  Heimat"  läfst  wäederholt 
erkennen,    dafs    der  \^ertasser    den  Stoff  zu  wenig   beherrscht.     So 


l66  Literatur. 

wird  z.  B.  bei  dem  deutschen  Ritterorden,  S.  8i,  ein  Hinweis  auf  die 
Stadt  Mühlhausen  in  der  Provinz  Sachsen  vermifst;  beruht  doch  die 
jiesamte  Finanzlage  dieser  ehemaligen  Reichsstadt  noch  heute  auf 
dem  dereinst  dem  deutschen  Ritterorden  daselbst  zugehörig  gewesenen 
Stadtwald,  und  erinnern  unendlich  viele  Einzelheiten  in  jener  Stadt 
noch  gegenwärtig  an  die  alte  Ordenszeit.  Die  Bevorzugung  der 
Prähistorie  möchte  ich  nicht  tadeln.  Die  Beigabe  der  von  der  Histo- 
rischen Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  1898  veröffentlichten 
Tafel  kann  manchen  zur  Bergung  einschlagender  Überreste  veran- 
lassen. Es  hätte  dann  al^er  auch  im  Literaturverzeichnis  die  reich- 
haltige „Jahresschrift  für  die  Vorgeschichte  der  sächsisch-thüringischen 
Länder"  genannt  werden  sollen,  welche  das  Provinzial  -  Museum  in 
Halle  a.  S.  herausgegeben  hat. 

Dresden.  Eduard  Heydenreich. 


Kursächsische  Streifzüge.  Dritter  Band.  Aus  der  alten  Mark  Meifsen. 
Von  Otto  Eduard  Schmidt,  Rektor  des  Königl.  Gymnasiums  zu 
Würzen.  Mit  4  Autotypien  und  15  Federzeichnungen  von  Max 
Näther.    Leipzig,  Fr.  Wilh.  Grunow.    1906.    X,  403  SS.  8". 

Das  günstige  Urteil,  das  über  die  beiden  ersten  Bände  der 
„Kursächsischen  Streifzüge"  in  dieser  Zeitschrift  XXIII  (1902),  349  f. 
und  XXVI  (1905),  164!  gefällt  werden  konnte,  gilt  auch  für  den 
vorliegenden  dritten  Band;  kleine  Versehen,  wie  sie  W.  Lippert  in 
der  Historischen  Zeitschrift,  III.  Folge,  3.  Band  (1907),  S.  6ioff.  richtig 
gestellt  hat,  können  es  nicht  wesentlich  beeinträchtigen.  Wieder  hat 
es  der  auf  den  verschiedensten  Gebieten  treftlich  bewanderte  Verfasser 
verstanden,  in  angenehmstem  Plaudertone,  der  nur  selten  (z.  B.  bei 
Behandlung  der  Schleinitzischen  Familiengeschichte,  S.  78 ff.)  in  einen 
etwas  trockenen  Chronistenstil  A'erfällt,  vor  dem  Leser  ein  bunt- 
farbiges Gemälde  zu  entwickeln,  in  dem  reizvolle  Landschaftsschilde- 
rungen geschickt  mit  allerhand  wertvollen  geschichtlichen,  literar- 
historischen und  kulturgeschichtüchen  Ausführungen  verwoben  sind. 
Die  Gegend,  in  der  uns  diesmal  Schmidt  als  kundiger  Führer  dient, 
ist  das  eigentliche  Kernland  des  Königreiches  Sachsen,  die  Mark 
Meifsen,  die  dem  langjährigen  Lehrer  an  der  Meifsner  Fürstenschule 
natürlich  besonders  vertraut  ist.  Die  Stadt  Meifsen  mit  der  Albrechts- 
burg bildet  den  Ausgangspunkt  der  Betrachtung,  den  Beschlufs  die 
an  der  Elbe  bei  Meifsen  gelegenen  Schlösser  Siebeneichen  und 
Scharfenberg,  die  durch  die  Beziehungen  Fichtes,  Schlegels,  Novalis', 
Fouqu6s,  Apels  und  der  Familie  Körner  zu  den  markanten  Persön- 
lichkeiten Ernst  Haubold,  Dietrich  und  Karl  Borromaeus  von  Miltitz 
eine  wichtige  Rolle  in  der  deutschen  Romantik  gespielt  haben.  Da- 
zwischen führen  uns  längere  Ausflüge  strahlenförmig  von  Meifsen 
aus  in  die  Lommatzscher  Pflege,  deren  Geschichte  eng  mit  dem  in 
Schleinitz,  Ragewitz,  Lommatzsch,  Leutewitz  und  Seebschütz  ange- 
sessenen Geschlechte  von  Schleinitz  verwachsen  ist,  in  die  ^anz  be- 
sonders gearteten  meifsner  Eibdörfer  Nieder-Muschütz,  Nieder-Lom- 
matzsch,  Neu-Hirschstein,  Klein-Zadel,  Diesbar,  Seufslitz,  Boritz  (die 
Wirkun^stätte  des  meifsner  Historikers  Ursinus)  und  Lorenzkirchen, 
in  die  Grofsenhainer  Gegend,  nach  Zabeltitz,  das  zahlreiche  Er- 
innerungen an  die  Familie  von  Wackerbarth,  die  Kurprinzessin  Maria 
Antonia  (Gemahlin  Friedrich  Christians,  f  1780)  und  den  Prinzen 
Xaver  weckt,  und   endlich  nach  den  Ortschaften  an  der  meifsnisch- 


Literatur. 


167 


lausitzischen   Grenze   Frauenhain,    Elsterwerda,    Gr<klen,   Hirsclifeld, 
(Trols-Thiemio-,  Grol's-Kniehlen  (die  jiröfsten  der  ,soo;enannten  Schraden- 
dörfer),  Ortrand,  Ponickau,  Lüttichau,  Königsbrück  und  Lausa.  Vieles, 
was  uns  Verfasser   bei   diesen  Fahrten   erzählt,   anknüpfend   an  die 
Schilderung    der    teilweise    sehr    romantischen   Herrensitze  und   der 
vielfach  eigenartigen  Ortschaften,  ist  an  und  für  sich  nicht  neu,  aber 
neu  in  der  geschickten  Zusammenfassung  und  Anordnung,  so,  was  er 
mit  grofser  Wärme  über  die  dem  sächsischen  Volke  bisher  viel  zu 
wenig  bekannten  Mitglieder  unseres  Herrscherhauses  Maria  Antonia 
und  Xaver,  oder  was  er  über  die  Entwicklung  der  Lommatzscher  Pflege 
und    über    die    Stellung   Grofsenhains    in    der  Geschichte    berichtet. 
Vieles  aber  bedeutet  geradezu  eine  Bereichenmg  unserer  historischen 
Kenntnisse,  indem  aus  dem  Dresdner  Hauptstaatsarchive,  aus  Schlofs- 
und  Pfarrarchiven,   aus  alten  Chroniken  und   aus   dem   Munde  von 
Ortskundigen  l:)isher  unbekannte  Tatsachen  mitgeteilt  werden.  Dahin 
sind  zu  zählen  der  Abrifs  der  meifsner  Sfadtgeschichte,   die  bisher 
leider  noch  keine  zusammenfassende  Darstellung  erfahren  hat,  teilweise 
die  Nachrichten  über  das  bedeutende  Geschlecht  von  Schleinitz,  die 
Angaben  über  den  Pfarrer  und  Chronisten  Sappuhn  (vgl.  dazu  des 
Verfassers  Selbstberichtigung  in  dieser  Zeitschrift  XXVIII,  136)  und 
den  berühmten  Lorenzkirchener  Markt,    der  mehrfache  Hinweis  auf 
die  bisher  noch  nicht  weiter  beachtete  Grofsenhainer  Kunstschule,  aus 
der  offenbar  die  Altarwerke  in  Frauenhain,  Grofs-Kmehlen,  Ponickau 
und  Streumen  hervorgegangen  sind  (vgl.  S.  196!,  277,  298,  314),  und 
die  Schilderung  der  eigentümlichen  Wirtschafts-  und  Kulturentwick- 
lung der  „Schradendörter"  auf  Grund  eines  1474  niedergeschriebenen 
Haushalts-  und  Wirtschaftsberichtes  Seiffart  von  Lüttichaus  auf  Grofs- 
Kmehlen,  eines  Visitatorenberichtes  von  1575  und  der  Erbbücher  von 
Frauenhain    und    Merzdorf.     Ganz    besondere   Beachtung    aber   ver- 
dienen die  Angaben  über  Dietrich  von  Miltitz,  „der  zwischen  1806 
und   18 15   als  einer  der  gröfsten  und   edelsten  deutschen  Patrioten, 
ja  man  kann  sagen,  als  der  sächsische  Vertreter  der  Ideen  des  Reichs- 
freiherm  von  Stein   erscheint".     Hoffentlich  hält  Schmidt  sein  Ver- 
sprechen,   uns    mit    Hilfe    der    reichen   Schätze    des   Siebeneichener 
Archivs   das  in  den  Streifzügen  nur  angedeutete  „Bild  des  Lebens 
und  Wirkens  dieses  bedeutenden  Mannes"  in  einer  besonderen  Ver- 
öffentlichung   genauer    auszuführen    und    damit    einen    erwünschten 
Beitrag  zur  Geschichte  der  deutschen  Freiheitsbewegung  in  Sachsen 
zu  geben,  \vie  er  in  seinem  eben  erschienenen  Buche  „Fouque,  Apel, 
Miltitz"  (Leipzig,  Dürr,  1908)  einen  schätzenswerten  „Beitrag  zur  Ge- 
schichte der  deutschen  Romantik"  geUefert  hat. 

Gleich  den  früheren  Bänden  ist  auch  dieser  dritte  mit  teilweise 
sehr  feinen  Federzeichnungen  von  M.  Näther  geschmückt,  die  u.  a. 
Ansichten  der  Schlösser  Schleinitz,  Hirschstein,  Zabeltitz,  Frauenhain, 
Grols-Kmehlen,  Siebeneichen  und  Scharfenberg;  zeigen;  dazu  kommen 
die  vier  Autotypien  von  Meifsen,  der  Kurfürstin  Maria  Antonia,  einer 
Partie  an  der  Röder  bei  Zabeltitz  und  Hirschfeld  im  Winter. 

Ob  noch  weitere  Fortsetzungen  der  Kursächsischen  Streifzüge 
geplant  sind,  ist  Referenten  nicht  bekannt.  Es  wäre  aber  zu  wünschen; 
denn  die  bisher  erschienenen  Bände  dürfen  wohl  mit  zu  dem  Besten 
gezählt  werden,  was  an  in  gutem  Sinne  volkstümlichen  Darstellungen 
auf  dem  Gebiete  der  .sächsischen  Geschichte  in  den  letzten  Jahren 
geleistet  worden  ist. 

Dresden.  Hans  Beschorner. 


l68  Literatur. 

Die    historisch-geographischen    Arbeiten    im    Königreich  Sachsen.     Im 

Aviftrag  der  Königlich  Sächsischen  Kommission  für  Geschichte  zu- 
sammengestellt von  R.  Kötzsche,  H.  Beschorner,  A.  Meiche,  R.  Becker. 

Leipzig,  Druck  von  B.  G.  Teubner.    1907.    88  S.    8". 

Als  im  Jahre  1896  die  Königlich  Sächsische  Kommission  für 
Geschichte  begründet  wurde,  falste  sie  von  vornherein  als  eine  ihrer 
wesenthchsten  Aufgaben  die  Schaffung  eines  geschichtlichen  Atlas 
ihrer  Gebiete  ins  Auge.  Die  Überzeugung,  dafs  nur  auf  diesem 
Wege  die  meisten  Fragen  auf  dem  Gebiete  der  politischen  wie  der 
Kulturgeschichte  gelöst  werden  können  und  dafs  alle  historisch- 
geographischen Arbeiten  gröfseren  Stils  ohne  entsprechende  Speziai- 
torschung  auf  kleineren  Gebieten  nur  unvollkommene  Ergebnisse 
zu  liefern  im  Stande  sind,  hatte  schon  früher  die  Rheinische  Kom- 
mission für  Geschichte  zu  einem  ähnlichen  Unternehmen  gedrängt 
und  ist  seitdem  auch  anderwärts  durchgedrungen.  Freilich  lehrten 
die  gemachten  Erfahrungen,  dafs  alle  solche  Unternehmen  umfassende 
Vorarbeiten  schwierigster  Art  voraussetzen.  Dafs  sich  die  Kom- 
mission dadurch  nicht  abhalten  liefs,  das  Werk  mutig  in  Angriff  zu 
nehmen,  ist  vor  allem  das  Verdienst  ihres  Geschäftsführers  Prof.  Lamp- 
recht. Es  ist  ihm  gelungen,  eine  Reihe  tüchtiger  Mitarbeiter  zu 
gewinnen,  die  verständmsvoll  und  opferwillig  sich  der  scheinbar 
undankbaren  Arbeiten  unterziehen.  Eben  weil  man  voraussichtlich 
erst  nach  langen  Jahren  che  Früchte  dieser  Arbeiten  ernten  vdrd,  ist 
es  sehr  dankenswert,  dafs  die  Kommission  die  vorjährige  Versamm- 
lung Deutscher  Historiker  zum  Anlafs  nahm,  um  über  ihre  Pläne  und 
das,  was  zu  deren  Ausführung  bi.sher  geschehen,  einen  Überblick 
in  der  uns  vorliegenden  Schrift  zu  geben.  Prof.  Kötzschke,  der  Vor- 
stand des  historisch-geographischen  Seminars  der  Universität  Leipzig, 
leitet  sie  mit  einigen  Bemerkungen  über  die  Eigenart  der  zu  lösen- 
den Aufgaben  ein.  Die  machtvolle  Herrschaft  des  Hauses  Wettin 
führte  zu  einer  Konsolidation  der  altgeschichtüchen  Territorien,  die 
ihre  ursprüngliche  Gliederung  zurücktreten  liefs  hinter  einerim  späteren 
Mittelalter  geschaffenen  und  bis  ins  19.  Jahrhundert  fortbestehenden 
administrativen__Einteilung;  von  dieser,  von  den  Ämtern,  mufs  man 
ausgehen,  die  Ämter  aber,  anfangs  vielleicht  geschlossene  Bezirke, 
später  aber  durch  Vergabungen  mancher  Art  vielfach  zerrissen,  lassen 
sich  nur  feststellen,  wenn  man  die  kleineren  und  kleinsten  Raum- 
gebilde, aus  denen  sie  sich  zusammensetzen,  die  Siedelungen,  die 
Ortsfluren,  untersucht.  Mit  den  vergleichsweise  reichen  Quellen,  die 
dafür  zu  Gebote  stehen,  beschäftigt  sich  der  erste  Hauptabschnitt 
des  Schriftchens,  H.  Beschorner  gibt  einen  Überblick  über  die  seit 
dem  16.  Jahrhundert  entstandenen  Risse  und  Karten  der  sächsischen 
Lande,  sofern  sie  für  die  Lösvmg  der  Aufgaben  von  Bedeutung  sind; 
in  erster  Linie  stehen  die  Aufnahmen  von  Matthias  Oeder,  die  von 
August  dem  Starken  angeregten  kartographischen  Arbeiten  Zürners 
und  anderer,  die  für  weitere  Kreise  im  Schenckschen  Atlas  nieder- 
gelegt wurden,  und  die  hauptsächlich  durch  den  sächsischen  General- 
stab seit  dem  Ende  des  18.  Jahrhunderts  ausgeführte  vmd  noch  jetzt 
tortgesetzte  topographische  Landesaufnahme,  deren  Hauptergebnisse 
die  Oberreitsche  Karte,  die  sog.  Generalstabskarte  1 :  100  000  und  die  sog. 
Topographische  Karte  i  :  25000  sind.  Zur  Ergänzung  dieser  kartogra- 
phischen dienen  die  bis  ins  14.  Jahrhundert  zurückreichenden  historisch- 
statistischen Quellen^  die  Kötzschke  knapp  und  klar  zusammenstellt 
Ein  zweiter  Abschnitt  beschäftigt  sich  dann  mit  den  historisch-geo- 
graphischen Unternehmungen  der  Kommission  selbst.    Die  Einleitung 


Literatur.  169 

Bildete  die  Herstellung  von  „Grundkiirten"  im  Malsstabe  von  i  :  100  000 
(mit  Flurgrenzen),  die  als  zeichnerische  Unterlage  für  alk?  Arbeiten 
unentbehrlich  waren;  darüber  berichtet  Kötzschke.  Man  suchte  dann 
durch  Fragebogen,  P^intragung  historisch-geographischer  Einzelheiten 
in  den  Karten  1  :  25000,  eine  planmäfsige  Sammlung  von  Flurnamen 
und  die  kostspieligen,  aber  reiche  Früchte  versprechenden  photogra- 
pliischen  Reproduktionen  sämtlicher  Flurkrokis  das  Material  bis  ins 
Detail  zusammenzubringen,  eine  Arbeit,  die  freilich  noch  geraume  Zeit 
in  Anspruch  nehmen  wird,  bevor  sie  als  abgeschlossen  gelten  kann,  und 
über  cfie  Beschorner  uns  Mitteilungen  macht.  Die  Bearbeitung  eines 
die  verschiedenartigen  Typen  der  Fluranlagen  veranschaulichenden 
Atlas  hat  Kötzschke  übernommen.  Von  grofser  Wichtigkeit  ist  das 
historisch-geographische  Ortsverzeichnis,  ein  ebenfalls  noch  eine 
Reihe  von"  Jahren  beanspruchendes  Unternehmen,  über  das  der  von 
O.  Mörtzsch  und  G.  Pilk  unterstützte  Bearbeiter  A.  Meiche  berichtet. 
Der  kirchlichen  Geographie  unserer  Lande  endlich  verspricht  die  von 
R.  Becker  übernommene  Beschreibung  der  Bistümer  Meifsen  und 
Merseburg  feste  Grundlagen  zu  geben.  Es  ist  ein  kühnes,  aber  durch- 
aus aussichtsvolies  Unternehmen,  das  sich  die  Kommission  vor- 
o;enommen  und  in  umsichtiger  Weise  vorbereitet  hat.  Möchte  es  den 
Mitarbeitern  bescliieden  sein,  das  grofse  Werk  bis  zu  Ende  durch- 
zuführen. 

Dresden.  Ermisch. 

Briefwechsel  des  Herzogs  Christoph  von  Württemberg.  Im  Auftrage 
der  Kommission  für  Landesgeschichte  herausgegeben  von  Viktor 
Ernst.  Dritter  Band:  1555.  Vierter  Band:  1556—1559.  Stuttgart, 
W.  Kohlhammer.     1902,  1907.     LXVIII,  419;  LIV,  747  SS.    8". 

Über  die  beiden  ersten  Bände  dieses  Unternehmens  habe  ich  in 
dieser  Zeitschrift  XXII,  38oft'.  berichtet.  Die  Fortsetzung,  welche 
jetzt  in  zwei  weiteren  Bänden  vorUegt,  hat  für  die  sächsische  Ge- 
schichte eine  erheblich  gröfsere  W^ichtigkeit.  Denn  im  Vordergrunde 
stehen  Fragen,  welche  den  gesamten  deutschen  Protestantismus  be- 
trafen, in  welchen  auch  Kurfürst  August  eine  bedeutende  Rolle 
spielte  Der  Briefwechsel  mufs  deshalb  auch  die  damaligen  Be- 
ziehungen und  Meinungsverschiedenheiten  zwischen  Sachsen  und 
Württembero;  berücksichtigen  und  vielfach  in  ein  helleres  Licht 
setzen.  Leider  wird  jedoch  nach  dieser  Richtung  der  dritte  Band 
einigermafsen  dadurch  beeinträchtigt,  dafs  Ernst  auch  für  diesen  die 
kursächsischen  Reichstagsakten  nicht  herangezogen  hat.  Darunter 
leidet  vor  allem  die  Beurteilung  des  Verhaltens,  welches  Kurfürst 
August  beim  Abschlufs  des  Augsburger  Religionsfriedens  einnahm. 
Ich  will,  um  nicht  blofs  zu  tadeln,  sondern  auch  neue  Anregungen 
zu  geben,  den  Mangel  an  einem  konkreten  Beispiel  vergegenwärtigen. 
Die  gegensätzhche  Anschauung  Augusts  und  Christophs  vom  Werte 
de^  Rehgionsfriedens  tritt  besonders  scharf  im  Mai  1555  zutage.  Da- 
mals hatten  die  evangelischen  Mitgüeder  des  Fürstenrats  mit  den 
welthchen  Katholiken  einen  Kompromifs  verabredet,  welcher  dem 
kursächsischen  Bevollmächtigten  Lorenz  Lindeman  nicht  gefiel,  und 
dieser  bewog  seine  Glaubensgenossen  im  Fürstenrat,  von  der  Ver- 
einbarung zurückzutreten.  Schwabe  (in  dieser  Zeitschrift  X,  263  f.) 
und  ich  in  meiner  Monographie  konnten  natürlich  über  diese  Vor- 
gänge nicht  mit  der  Ausführlichkeit  berichten,  mit  welcher  sie  in 
den  kursächsischen  Papieren  behandelt  sind.     Infolgedessen  bringt 


lyo  Literatur. 

auch  Ernst  zu  uns  beiden  keine  Ergänzungen,  sondern  schildert  auf 
Grund  seiner  allgemeinen  Wahrnehmungen  mit  den  Worten  (S.  L): 
„Manches,  was  vom  Standpunkte  der  fürstlichen  Augsburgischen 
Konfessionsverwandten  aus  nicht  viel  Bedenken  erweckte,  mulste  für 
sie  (die  kursächsischen  Gesandten)  ein  Greuel  sein."  Auch  auf 
Seite  185,  wo  er  nochmals  auf  das  Thema  zurückkommt,  spricht  er 
darüber  ganz  summarisch.  Nun  sind  gerade  die  Dresdner  Reichs- 
tagsakten für  die  Beurteilung  der  kursächsischen  Politik  sehr  er- 
giebig. Zunächst  lagert  im  zweiten  Bande  derselben  El.  281  ff.  der 
Entwurf  des  Religionsfriedens,  wie  er  sich  nach  den  Kompromifs- 
verhandlungen  des  Fürstenrats  gestaltet  hatte.  Diesen  Entwurf  hat 
Lindeman  mit  einer  grofsen  Anzahl  eigenhändiger  Randiiotizen  be- 
gleitet, und  in  diesen  hat  man  wohl  die  erste  Vorarbeit  zu  seinem 
Eingreifen  zu  erblicken.  Des  weiteren  berichten  die  Räte  am  22.  Mai 
(ebendaselbst  Bl.  343  If.)  ausführlich  nach  Hause:  „Wir  haben  inen 
(den  verabredeten  Artikel  über  die  Jurisdiktion)  .  .  zeitlichen  zu  sehen 
bekommen  und  haben  derwegen  mit  den  Sächsischen,  Wlrten- 
bergischen,  Pommerischen  und  Pfalzgraven  Otten  Heinrichs  allerlei 
unterredet  und  vmsere  Meinung  inen  auch  angezeigt,  das  wir  disen 
Artikel  im  Eingang  ansehen,  das  er  gut  genug  sein  mochte,  auch  ein 
zimliche  Versehung  von  der  Jurisdiction  machte,  wiewol  es  clarer 
sein  solte,  wan  nit  allein  die  Suspension  gesetzt,  sondern  die  Vor- 
ordnung, wie  es  die  A.  C.  V.  damit  machen  wurden,  also  rein  gestalt 
wurde,  das  inen  solchs  freistehen  und  nachgelassen  sein  solte,  wie 
wir  dan  in  unserm  Rath  solchs  mit  disen  Worten  gemeint  ,Cere- 
monien,  Kirchenordnungen  etc.,  so  sie  aufgericht  oder  nachmals  auf- 
richten möchten',  wiewol  sie  auch  etwas  unclar,  dieweil  keine  Speci- 
fication  der  Jurisdiction  gescheen.  Wan  aber  diselbige  vorgehende 
Wort  steen  blieben  und  dise  Clausel  auch  volgt,  so  solte  es  unsers 
Erachtens  desto  besser  sein.  Aber  der  Anhang  von  Stedten  hat  uns 
angeseen,  das  er  keineswegs  zu  udlligen,  aus  Ursachen,  das  dadurch 
non  tantum  tacite,  sondern  auch  öffentlichen  und  expresse  nachgeben 
wurde,  die  Abgotterei  zu  leiden,  zum  anderen,  das  auch  den  Stedten, 
so  zu  uns  treten  Avolten,  dardurch  der  Zutritt  ganz  gespert  wurde. 
Dan  die  Geistlicheit  in  denselbigen  Städten,  so  nachmals  zu  uns 
treten  wolten,  die  Jurisdiction  ganz  hetten.  Wan  es  nuen  unvor- 
andert  bleiben  solte,  so  konte  wider  Pfarren  noch  Schulen  bestalt 
werden.  Zu  dem  dritten,  so  hette  es  auch  ein  sonderlich  Bedenken 
mit  den  bischoflichen  Stedten,  Flecken  und  Oertern,  die  in  deren 
Landen  gelegen,  so  zu  uns  treten  wolten.  Dan  wan  sie  in  denselbigen 
gleich  den  Schutz  über  Gericht  und  anders  hetten,  dieselbigen  auch 
mitten  in  iren  Landen  gelegen,  so  musten  .sie  doch  die  Abgotterei 
gestatten  samljt  andern."  Hierauf  folgt  ein  ausführlicher  Bericht 
über  die  Abänderungsvorschläge,  welche  die  Kursachsen  gemacht 
haben,  und  über  die  Einzelverhandlungen  zwischen  den  kur- 
sächsischen Räten  und  ihren  Glaubensgenossen  aus  dem  Fürstenrate. 
Es  ist  naturgemäfs,  dafs  Lindeman  und  seine  Kollegen  diesen  mit 
Erfolg  gekrönten  Verhandlungen  in  ihren  Gesandtschaftsberichten 
ein  gröfseres  Gewicht  Ijeilegten  als  die  württembergischen  Räte,  die 
den  ganzen  Hergang  mehr  als  eine  ihnen  nicht  besonders  angenehme 
Episode  betrachteten.  Dadurch  mufs  sich  aber  für  jemand,  der  sich 
an  die  weniger  redselige  Seite  hält,  ein  unvollständiges  Bild  des 
Vorfalls  ergeben. 

Übrigens    schliefst    die  Nichtbenutzung    des  Dresdner  Archivs 
nicht  aus,  dafs  auch  der  dritte  Band  von  Ernsts  Publikation  für  die 


Literatur. 


171 


kursächsische  Politik  manche  wertvollen  Beiträge  enthält.  Das  ergibt 
sich  schon  rein  äulserUch.  Wir  besafsen  zur  Geschichte  des  Augs- 
burger  Religionsfriedens,  welcher  seine  Entstehung  doch  vor  allem 
den  all>ertinischen  Bemühungen  verdankt,  keine  eigene  neuere  Akten- 
veröffentlichung. Der  vierte  Band  der  Druffelschen  Edition  erstreckt 
sich  bekanntlich  auf  die  ganze  Zeit  von  1552  bis  1555  und  verfährt 
um  so  summarischer,  je  mehr  er  sich  dem  Ende  nähert.  Deshalb 
ist  es  sehr  dankenswert,  dafs  gerade  die  Schlufspartieen  von  Druffeis 
Beiträgen  durch  Ernst  wesentlich  ergänzt  werden.  Dadurch,  dafs 
Ernst  auch  die  kurmainzischen  Akten  herangezogen  hat,  die  ich 
freilich  ebenfalls  schon  für  meine  Darstellung  ausgebeutet  habe,  ist 
auch  seine  Arbeit  nicht  einseitig  nur  dem  Fürstenrate  zu  gute  ge- 
kommen. 

Im  vierten  Bande  hat  Ernst  den  in  den  ersten  drei  begangenen 
Fehler  vermieden  und  die  Archive  von  Marburg,  Dresden,  Berlin, 
Weimar  und  München,  also  sämtliche  wichtigeren  evangeUschen 
Archive  benutzt.  Dadurch  steht  auch  der  vierte  Band  erheblich 
über  seinen  Vorgäno;ern.  Denn  so  viel  ich  weifs,  war  noch  keiner 
der  Forscher,  die  sich  mit  den  auf  den  Religionsfrieden  folgenden 
Jahren  beschäftigt  haben,  in  der  Lage,  sich  auf  ein  so  vielseitiges 
Aktenmaterial  zu  stützen.  Das  ist  aber  gerade  für  die  Behandlung 
der  Zeit  unmittelbar  nach  1555  \\'ichtig.  Denn  bekanntlich  stand 
damals  im  Vordergrunde  des  Interesses  die  Frage,  wie  die  Meinungs- 
\  erschiedenlieiten  innerhalb  des  deutschen  Protestantismus  aus- 
geglichen werden  sollten.  Hierbei  kommt  es  vor  allem  darauf  an, 
die  Sonderstandpunkte  und  abweichenden  Bedürfnisse  der  einzelnen 
evangelischen  Fürsten  und  Gruppen  kennen  und  würdigen  zu  lernen. 
Denn  wenn  man  sich  hierfür  nur  auf  ein  eng  abgegrenztes  Material 
stützt,  läuft  man  Gefahr,  die  Motive  eines  Teiles  der  damaligen 
Protestanten  durch  die  Brille  der  mit  ihnen  nicht  völlig  einverstan- 
denen Glaubensgenossen  anzusehen.  Unter  diesem  Mangel  hat  be- 
sonders die  Beurteilung  des  kursächsischen  Verhaltens  gelitten. 
August  hat  sich  gegen  die  Versuche,  die  deutschen  Protestanten  zur 
Verteidigung  gegen  die  Katholiken  zu  einigen,  am  sprödesten  gezeigt, 
und  da  besonders  aus  dem  Marburger  Archiv  wichtige  Darstellungen 
und  Veröffentlichungen  hervorgegangen  sind,  so  sieht  man  clen 
Albertiner  noch  heute  vielfach  als  den  Störenfried  im  Emporsteigen 
des  Protestantismus  an,  ohne  die  speziellen  für  den  Dresdner  Hof 
mafsgebenden  Erwägungen,  wie  sie  nur  aus  den  kursächsischen 
Akten  erkenntlich  sind,  zu  beilicksichtigen. 

Nun  liegt  es  freilich  auf  der  Hand,  dafs  eine  sehr  einschneidende 
Korrektur  dieses  Bildes  nicht  gerade  von  einer  Arbeit  erwartet 
werden  darf,  in  deren  Mittelpunkt  Herzog  Christoph  von  Württem- 
berg, ein  Haupturheber  der  von  Kursachsen  Ijeanstandeten  kur- 
pfälzischen Unionsbestrebungen,  steht.  Aber  ohne  Berücksichtigung 
der  Dresdner  Akten  würde  eine  so  ausführliche  Puljlikation  wie  die 
von  Ernst  wesentlich  dazu  beigetragen  haben,  das  ungünstige  und 
einseitige  Bild  der  kursächsischen  Politik  wesentlich  zu  verschärfen, 
während  jetzt  doch  auch  die  Gegenpartei  zu  Geliör  kommt. 

Die  wichtigsten  Neuigkeiten  des  vierten  Bandes  sind  die  Akten- 
stücke über  den  Frankfurter  Fürstentag  von  1557.  Von  demselben 
wufste  man  trotz  der  reichhaltigen  Literatur  bisher  recht  wenig. 
In  der  Hauptsache  war  nur  der  endgültige  Abschied  und  ein  Sonder- 
gutachten des  Regensburger  Theologen  Nikolaus  Gallus  bekannt. 
Von    der   Meinungsäufserung    der    anderen    geistlichen    Teilnehmer, 


172 


Literatur. 


gegen  welche  sich  das  Sondergutachten  richtete,  und  überhaupt  vom 
ganzen  Verlaufe  der  Verhandlungen  war  so  gut  wie  nichts  bekannt. 
Die  Lücke  wird  durch  Ernst  genügend  ausgefüllt.  Jetzt  gewinnen 
wir  einen  sicheren  Wegweiser  durch  die  Verhandlungen  dank  dem 
aus  dem  Amberger  Kreisarchiv  entnommenen  pfalzzweibrückischen 
Protokoll,  und  dadurch  sind  wir  imstande,  die  verschiedenen  un- 
datierten Gutachten  wenigstens  annähernd  zu  bestimmen  und  ein- 
zureihen. Auch  zum  zweiten  Frankfurter  Fürstentag  von  1558  er- 
halten wir  einen  neuen  Beitrag,  indem  ein  württembergisches  Gut- 
achten, welches  ich  als  Beilage  zu  einem  Schreiben  an  August  vom 
31.  Januar  1558  vorgefunden  und  demgemäfs  verwertet  hatte,  von 
Ernst  als  Bestandteil  der  Verhandlungen  im  März  aufgefafst  wird. 
Für  die  Richtigkeit  dieser  Vermutung  spricht  abgesehen  von  den 
durch  Ernst  vorgetragenen  Gründen  die  Tatsache,  dals  den  Frank- 
furter Beratungen  ein  württembergischer  Ent^vurf  vorgelegen  haben 
mufs,    dem  aber  dann  Melanchthons  Bedenken  vorgezogen  wurde. 

Freiburg- B,  Gustav  Wolf, 

Johannes  Mathesius,  Ausgewählte  Werke.  Dritter  Band :  Luthers  Leben 
in  Predigten.  Nach  dem  Urdruck.  Kritische  Ausgabe  mit  Kom- 
mentar von  Prof.  Dr.  Georg  Loesche.  Zweite  verbesserte  und  ver- 
mehrte Auflage  mit  3  Porträts.  Vierter  Band:  Handsteine.  Her- 
ausgegeben, eingeleitet  und  erläutert  von  Dr.  Georg  Loesche.  Mit 
zwei  Lichtdrucktafeln.  [Auch  u.  d.  T. :  Bibliothek  Deutscher  Schrift- 
steller aus  Böhmen.  Herausgegeben  im  Auftrage  der  Gesellschaft 
zur  Förderung  deutscher  Wissenschaft,  Kunst  und  Literatur  in 
Böhmen.  Band  IX  und  XIV.]  Prag,  J.  G.  Calvesche,  k.  u.  k.  Hof- 
u.  Universitäts-ßuchhandlung  (Josef  Koch).  1904  u.  1906.  VI,  704; 
XXIV,  619  SS.     8". 

Nach  wenigen  Jahren  hat  Loesches  Ausgabe  der  Lutherpredigten 
eine  neue  Auflage  erlebt;  in  stattlichem  Gewände  ist  sie  erschienen. 
Narnenthch  die  Anmerkungen  haben  in  der  neuen  Form  wesentlich 
an  Übersicht  gewonnen.  Hinzugekommen  ist  auch  ein  zweites  Bild 
des  Predigers  aus  der  Kirche  zu  Prieisnitz  bei  Borna,  wo  der  Patron, 
Hans  von  Einsiedel,  zwischen  1571  und  1630  32  Porträts  aus  der 
Reformationszeit  gesammelt  hat.  Der  Inhalt  des  Buches  hat  eine 
wesentliche  Bereicherung  erfahren.  Die  neueste  Literatur  ist  sorg- 
fältig benützt  und  verzeichnet  worden.  Dies  tritt  schon  in  der  Ein- 
leitung hervor;  auch  stilistisch  zeigt  sie  eine  wohlerwogene  Durch- 
arbeitung. Bezüglich  der  Anmerkungen,  die  auf  160  Seiten  an- 
gewachsen sind,  sei  auf  sprachlich  genauere  Erklärungen,  bestimmte 
Datierung  der  einzelnen  Ereignisse,  nähere  Bezugnahme  auf  die  Zeit- 
geschichte und  literarische  Erscheinungen  aufmerksam  gemacht.  Das 
Personen-  und  Ortsregister  weist  neue  Namen  auf. 

Die  Handsteine  bieten  eine  Reihe  von  Predigten,  z.  B.  eine 
Schulpredigt  (S.  31 — 54);  von  den  Majestätsreden  wird  die  zur  Königs- 
krönung Maximilians  IL  hier  zum  ersten  Male  abgedruckt;  die  Predigt 
über  den  130.  Psalm  „De  profundis"  fesselt  durch  die  Erinnerung 
des  Predigers  an  seine  Frau  und  Töchter.  Aus  der  Bergpostille 
oder  Sarepta,  die  nach  ihrem  Erscheinen  nicht  weniger  als  14  Auf- 
lagen in  18  Jahren  erlebte,  hat  der  Herausgeber  neben  der  Vorrede 
die  zweite  und  dritte  Predigt  wegen  des  technischen,  kultur-  und 
ortsgeschichtlichen  Interesses  gewählt,  dazu  die  Rede  vom  Glas,  da 


Literatur,  l'73 

diese  auch  nocli  in  den  neueren  technischen  Glasschriften  mit  An- 
erkennung besprochen  wird.  Der  Verfasser  durfte  sie  im  Januar  1564 
Kiinig  Maximilian  II.  zu  Schlackenwerth  überreichen.  Die  Eber- 
briefe, meist  aus  der  Nürnberger  Stadtbibliothek,  führen  eine  Reihe 
persönlicher  Momente  vor.  Zu  Petrus  Dresdensis  S.  36  und  627  ist 
jetzt  der  Aufsatz  von  Otto  Meltzer  in  dem  neuesten  Hefte  der 
Dresdner  Geschichtsblätter  zu  vergleichen. 

Leipzig,  Georg  Müller, 

Kriegsbaumeister  Graf  Rochus  zu  Linar,  sein  Leben  und  Wirken.  Von 
Richard  Korn.  In  der  Hauptsache  nach  archivalischen  Quellen  be- 
arbeitet.   Dresden,  C.  Heinrich.    O.J.    [1905].    XIII,  140  SS.    8". 

Die  alten  vorherrschenden  Geschlechter  der  Niederlausitz  sind 
alle  erloschen  oder  aus  dem  Lande  gewichen,  neue  FamiUen  haben 
die  grofsen  Herrschaften  in  Besitz  genommen,  vinter  ihnen  als  Herrin 
des  schönsten  Teiles  des  Spreewaldes  die  itaUenische  Familie  Lj-nar 
zu  Lübbenau,  mit  deren  erstem  Vertreter  in  Deutschland,  dem  Grafen 
Rochus,  sich  die  vorliegende  Monographie  eines  Architekten,  eine 
Doktorarbeit  der  technischen  Hochschule  zu  Dresden,  befafst.  Für 
die  Anfänge  seines  Helden  (geb.  1525)  war  der  Biograph  aller- 
dings in  milslicher  Lage;  betreßs  der  Familienherkunft  folgt  er  ledig- 
lich der  Tradition,  die  schon  zu  Rochus'  Zeiten  bei  einzelnen  Gegnern 
Widerspruch  fand  (s.  S.  65);  aber  auch  für  die  französische  Periode 
1542—1568  sah  er  sich  genötigt,  sich  auf  spätere  Darstellungen  zu 
stützen,  nicht  auf  zeitgenössische  Akten  selbst.  Lynars  Hauptwerk 
war  der  Bau  der  Zitadelle  von  Metz  1561— 1564.    Aus  seiner  kurzen 

Efälzischen  Zeit  ist  wenig  bekannt;  bedeutend  war  sein  Wirken  im 
»ienste  des  Kurfürsten  August  von  Sachsen.  Er  beteiligte  sich  am 
Bau  der  neuen  Dresdner  Festungswerke  und  der  dadurch  veranlafsten 
Eindämmung  der  Elbe  und  Weifseritz.  Als  energischer,  auf  seines 
Herrn  Vorteil  bedachter  Beamter  (seit  1569  war  er  als  Oberbaumeister 
bestallt)  sah  er  selbst  fleifsig  überall  zum  rechten,  kontrollierte  die 
Holz-,  Stein-  und  andere  Lieferungen  und  schritt  kräftigst  gegen 
Unterschleife  ein.  Daher  erwarb  er  bald  Augusts  volles  Vertrauen, 
der  den  vielgewandten  Mann  mit  den  verschiedensten  Aufträgen 
versah.  Auf  wiederholten  Reisen  besichtigte  Lynar  die  Zeughäuser, 
die  kurfürstlichen  Waldungen  und  Eisenhämmer  und  bemühte  sich 
überall  um  die  Einführung  eines  leistungsfähigeren  Betriebes;  nach 
seinen  Vorschlägen  und  Entwürfen  wurden  Mühlen  gebaut,  Schleusen 
für  Holzflöfserei  angelegt,  Geschütze  gegossen,  Münzen  geprägt, 
Schlofsbauten  unternommen  oder  fortgesetzt  (besonders  in  Freiberg 
und  Augustvisburg).  Auch  poHtische  Aufträge  beschäftigten  ihn  ge- 
legentlich. Solche  Vielseitigkeit  ist  allerdings  damals  m'chts  aufser- 
gewöhnliches ;  bei  seinem  Vorgänger  Hans  von  Dehn-Rothfelser 
finden  wir  ähnliches. 

Nachreden  und  Beschwerden  zahlreicher  Neider  und  Gegner, 
auch  religiöse  Bedenken  des  orthodox-lutherischen  Kurfürstenpaares 
gegenüber  dem  einstigen  Hugenotten,  erschütterten  allmählich  seine 
Stellung,  doch  blieb  Lynar  in  sächsischem  Dienst,  weilte  aber  vielfach 
auswärts,  denn  mit  Augusts  Genehmigung  stand  er  auch  in  einem 
Dienste- erhältnis  zur  Kurpfalz,  Hessen  (Festuno;sbau  in  Kassel)  und 
Anhalt  (Schlofsbau  in  Dessau).  Alle  diese  Verpnichtvmgen  nebst  den 
sächsischen  behielt  er  auch  bei,  als  er  1578  oberster  Artillerie-,  Zeug- 


inA  Literatur. 

und  Baumeister  Johann  Georgs  von  Brandenburg  wurde.  Aufser 
Bauten  an  Schlössern,  wirtschaftlichen  Betrieben  (Hammer-  und  Salz- 
werken) sind  seine  Hauptwerke  in  brandenburgischen  Diensten  die 
Festungswerke  von  Spandau  (Zitadelle)  von  1578  ab,  vollendet  1593, 
und  die  von  Peitz  in  der  Niederlausitz  von  1580  ab;  nebenher  er- 
ledigte er  auch  noch  sächsische  Aufträge,  besonders  nach  Augusts 
Tod  unter  Christian  I.,  so  bei  dem  weiteren  Ausbau  der  Festung 
Dresden  und  des  Königsteins;  ferner  auch  in  Heidelberg,  wo  Korn 
die  Anlage  des  Fafsbaues  und  der  grofsen  Batterie  durch  ihn  wahr- 
scheinlich macht.  1593  wurde  er  Kommandant  von  Spandau  und 
starb  als  solcher  am  22.  Dezember  1596;  seine  Ruhestätte  fand  er 
unter  dem  von  ihm  1581  gestifteten  Altar  der  dortigen  Nikolai, 
kirche. 

Sein  künstlerisches  Können  als  Architekt  war  nach  Korns  Ur- 
teil mäfsig,  seine  Bedeutung  beruht  in  seinen  fortifikatorischen  Ar- 
beiten. Zum  besseren  Verständnis  dieser  Leistungen  schickt  Koni 
einen  einleitenden  Abschnitt  über  den  Stand  der  Befestigvmgskunst 
im  16.  Jahrhvmdert  voraus.  Auch  die  zahlreichen  Illustrationen  (ein 
Bild  Lynars,  Pläne,  Baurisse  u.  a.)  erhöhen  in  willkommener  Weise 
die  Anschauhchkeit  der  Darstellung.  Korn  bedient  sich  stets  der 
Form  Linar,  weil  Rochus  selbst  sich  so  geschrieben  habe.  Eine 
solche  Begründung  mag  gelten,  wenn  wir  für  eine  Schreibung  nur 
ältere  Zeugnisse  der  Zeit  selbst  haben  und  nicht  wissen  können,  wie 
sich  der  Name  bis  heute  entwickelt  haben  würde.  Wo  aber  der 
heutige  Familienname  vorliegt,  empfiehlt  es  sich  nicht,  archaistische 
Formen  auszugraben.  Es  wird  z.  B.  schwerlich  einem  Historiker 
beikommen,  Herzog  Georgs  Räte  Dietrich  von  Werthern  und  Hans 
von  der  Planitz  „Wertter"  und  „Plawnicz"  zu  nennen,  weil  sie  sich 
selbst  so  schrieben.  Bei  der  Wiedergabe  der  Briefe  und  Aktenstücke 
sind  die  wissenschaftlich  anerkannten  Editionsgrundsätze  nirgends 
beachtet,  und  das  Verständnis  wird  dadvnxh  gerade  fürNichthistoriker, 
die  für  diese  Schrift  sich  interessieren  könnten,  nicht  erleichtert;  in 
den  französischen  Texten  ergeben  sich  dadurch  Wortformen,  die  dem 
Uneingeweihten  rätselhaft  erscheinen  werden  (z.  B.  S.  16  „duny"  statt 
„d'ung",  „deux"  statt  „d'eux",  „aure  Celsitude"  statt  „a  Votre  Cel- 
situde").  Die  Anordnung  ist  rein  chronologisch;  die  einzelnen  Ar- 
beiten, Aufträge,  Pläne  L^-nars,  Ereignisse  aus  seinem  Privatleben 
usw.,  wichtiges  und  unwichtiges,  alles  geht  bunt  durcheinander  (vgl. 
z.  B.  S.  24).  Wie  viel  klarer  wäre  Lynars  militärische  und  technische 
Bedeutung  hervorgetreten,  wenn  Korn  seine  Tätigkeit  an  den  einzelnen 
Werken  im  Zusammenhang  verfolgt  und  andrerseits  die  zahlreichen 
wirtschaftlichen  Einzelnotizen  in  sachlichen  Gruppen  (Berg-  und 
Hüttenwesen,  Forstwirtschaft  nebst  Flöfserei  usw.)  zusammengefalst 
und  gewürdigt  hätte.  Nicht  nur  die  Bedeutung  Lynars  wäre  besser 
hervorgetreten,  sondern  auch  der  wissenschaftliche  Wert  der  fleifsigen 
Studie  wäre  mehr  zur  Geltuno;  gekommen.  Zur  Vervollständigung 
seiner  Angaben  sei  hier  noch  der  Entlassung  Lynars  aus  sächsischem 
Dienste  gedacht.  Am  25.  November  1591  erging  an  ihn  aus  Dresden 
von  der  vormundschaftlichen  Regierung  die  Mitteilung,  er  sei  bisher 
bei  Christian  L  „von  Haus  aus  bestelt  gewesen.  Dieweil  aber  Seiner 
Liebden  nach  sich  gelassener  junger  Herschaft  Notturft  erfordert, 
solche  und  dergleichen  Dinstbestallungen  soviel  mugelich  einzuziehen, 
als  wollen  wier  (der  Kuradministrator  Herzog  Friedrich  Wilhelm  von 
Sachsen -Alten  bürg)  ....  euch  eure  gehapte  Dinstbestallung  himit 
aufgekundigit  haben,   gnedigst  gesinnende,  ihr  wollet  dieselbe  dem 


Literatur.  175 

in  Vormundscliaft  verordneten  Cammermeister  Gregor  Unwirden 
uberschicken,  der  hatt  Befelich,  euch  dakegen  euere  gehapte  Be- 
soldunge,  welche  bil's  ufs  itzt  furstehende  Quartal  Lucie  betagt, 
volgen'zu  lassen  .  .  .  ,"  vgl.HStA.  Dresden  Cammercopial  1591  fol.  368. 
Dresden.  W.  Lippert. 

Fouque,  Apel,  Miltitz.  Beiträge  zur  Geschichte  der  deutschen  Romantik. 
Von  Otto  Eduard  Schmidt.  Mit  12  Illustrationen  und  2  Musikbei- 
lagen.    Leipzig,  Dürr'sche  Buchhandlung.    1908.    220  SS.  8". 

Auf  die  Besuche  Fouques,  desVerfassers  der„Undine",  in  Meifsen 
und  sein  Verhältnis  zu  dem  Komponisten  Karl  Borromäus  von  Miltitz 
hat  bereits  Wilhelm  Loose  in  seinem  in  den  Mitteilungen  des  Ver- 
eins für  Geschichte  der  Stadt  Meifsen  (Bd.  V,  S.  330!)  abgedruckten 
Aufsatz:  „Beziehungen  deutscher  Dichter  zu  Meifsen"  hingewiesen. 
Auf  dieser  Grundlage  fufsend  hat  dann  Schmidt  im  dritten  Bande 
seiner  viel  gelesenen  „Kursächsischen  Streifzüge"  am  Schlüsse  des 
Siebeneichen  und  Scharfenberg,  „den  Burgen  der  deutschen  Roman- 
tik", gewidmeten  Abschnittes  mit  kurzen  Worten  an  die  Verbindung 
dieser  beiden  Männer  wieder  erinnert  und  dabei  auch  des  Leipziger 
Rechtsgelehrten  Johann  August  Apel,  des  Verfassers  des  Gespenster- 
buches, und  des  Malers  Moritz  Retzsch  gedacht,  die  sich  gleichfalls 
wie  jene  tui  dem  romantischen  Tun  und  Treiben  auf  Scharfenberg 
beteiligten.  Jetzt  bietet  er  uns  die  schon  von  Loose  erwähnten  53 
ungedruckten  Briefe  Fouques  an  Karl  Borromäus  von  Miltitz  aus  den 
Jahren  1812 — 1818,  die  sich  im  Archive  des  Siebeneichener  Schlosses 
erhalten  haben  und  ihm  von  dem  F'reifräulein  Therese  von  Miltitz 
zur  Bearbeitung  und  Herausgabe  übergeben  wurden,  und  verbindet 
damit  die  Mitteilung  einer  Anzahl  von  Briefen  des  Adressaten  an 
Apel  und  Retzsch,  die  durch  Aufzeichnungen  aus  dem  Siebeneichener 
Familienarchiv  ergänzt  werden.  Im  ganzen  sind  es  77  bisher  un- 
gedruckte Briefe,  die  hier  zum  erstenmal  veröffentlicht  werden.  Sie 
werfen  manches  interessante  Licht  auf  die  mittlere  Zeit  der  roman- 
tischen Bewegung  während  der  Freiheitskriege,  die  Schmidt  zutref- 
fend als  die  „heroische"  bezeichnet  und  auf  die  Jahre  von  1806  bis 
1815  verteilt.  Vor  allem  verbreiten  sie  aber  einen  neuen  hellen 
Schein  über  die  Persönlichkeit  Fouques,  der  gerade  in  den  Jahren 
1812 — 1815  den  Höhepunkt  seiner  dichterischen  Leistvmgen  erreichte 
und  sich  der  Gunst  der  deutschen  Lesewelt  erfreute,  während  er  im 
Alter  gegen  Mifsachtung  und  Unverständnis  seines  Wesens  vergeblich 
ankämpfte.  Schmidt  nimmt  sich  seines  Helden  in  der  als  Einleitung 
vorausgeschickten  Darstellung  seines  Lebens,  die  mancherlei  Berich- 
ti^ning "falscher  Daten  und  anderer  Ungenaviigkeiten  bringt,  auf  das 
Wärrnste  an  und  versucht  auch  für  seine  dichterische  Bedeutung 
eine  Lanze  zu  brechen.  Unseres  Erachtens  vergebens.  Das  strenge 
Urteil,  das  Goedeke  im  Grundrifs  über  Fouques  romantischen  Über- 
schwang luid  sein  Nordlandsreckeutum  gefällt  hat,  dürfte  schlielslich 
doch  das  Richtige  treffen :  Es  wäre  vergebliche  Liebesmühe,  wenn 
sich,  wie  Schmidt  wünscht,  ein  Bearbeiter  linden  sollte,  der  seine 
Trilogie  „Siguard",  wenn  auch  in  verkürzter  Gestalt,  auf  die  Bühne 
brächte;  der  Erfolg  würde  ausbleiben,  da  unsere  Zeit  durchaus  noch 
nicht  wieder  so  romantisch  gesinnt  ist,  wie  Schmidt  im  Eingang 
seiner  Darlegungen  zu  meinen  scheint,  wo  sich  auch  die  etwas  kühne 
Bemerkung  befindet,  dafs  Novalis  „wieder  einer  der  gelesensten 
Schriftstelfer"  der  Gegenwart  sei.    Davon  kann  im  Ernste  nicht  die 


jnß  '  Literatur. 

Rede  sein.  Die  Wahrheit  ist  viehiiehr  die,  dals  sich  die  Germanisten, 
nachdem  sie  die  Goethe-Schillerzeit  so  gründUch  abgegrast  haben, 
dafs  auf  diesem  Gebiete  kaum  noch  etwas  Neues  zu  holen  ist, 
nun  notgedrungen  der  Zeit  der  Romantik  zuwenden,  und  dals  ein 
verschwindend  kleiner  Bruchteil  des  Publikums  sich  dieser  Bewegung 
anschliefst.  Je  nachdem  man  nun  die  Dichtungen  Fouques  bewertet, 
wird  man  auch  die  von  Schmidt  herausgegebenen  Briefe  in  ihrer 
Bedeutimg  einschätzen.  Viel  neue  Freunde  werden  sie  dem  Dichter 
kaum  gewinnen;  dazu  sind  sie  viel  zu  breit  und  weichlich  und  be- 
rühren zu  viele  Dinge,  die  nur  für  den  Spezialforscher  von  Interesse 
sind.  Dazu  kommt,  dafs  Fouques  Charakter  nicht  nur  liebenswürdige 
Seiten  hatte.  Das  wufste  er  übrigens  selbst  und  gestand  es  zu,  in- 
dem er  einmal  bemerkte,  dafs  er  „der  ungünstige  Züge  so  gar  sehr 
viele  in  sich  trage,  die  allesamt  bei  längerer  Bekanntschaft  heraus- 
treten werden  und  heraustreten  sollen."    (S.  89.) 

Auch  die  übrigen  drei  Freunde,  Miltitz,  Apel  und  Retzsch,  die 
in  Schmidts  Buch  neben  Fouque  besonders  behandelt  werden,  sind  in 
keiner  Weise  führende  Persönlickkeiten  ihrer  Zeit  gewesen.  Miltitzens 
Kompositionen  haben  sich  nicht  als  lebensfähig  erwiesen,  und  seine 
Erzählungen  und  sonstigen  poetischen  Versuche  sind  ja  nach  Goe- 
deke  so  flach  und  unbedeutend,  wie'  das  meiste,  was  damals  in 
der  Dresdner  „Abendzeitimg"  erschien,  so  dafs  man  sich  nicht  zu 
wundern  braucht,  dafs  sie  in  Vergessenheit  geraten  sind.  Übrigens 
stand  Miltitz  nicht  blofs  mit  den  von  Schmidt  auf  Seite  55  erwähn- 
ten Dresdner  Persönlichkeiten  in  regem  Verkehr.  Auch  der  bekannte 
Dr.  Ubique,  C.  A.  Böttiger,  war  mm  näher  getreten,  da  er  wie 
jener  eine  leitende  Stellung  in  dem  neu  begründeten  Verein  für  Er- 
forschung und  Erhaltung  vaterländischer  Altertümer  bekleidete. 
74  Briefe  von  Miltitz  an  ßöttiger,  die  sich  in  dessen  Nachlafs  er- 
halten haben,  geben  über  die  Beziehungen  der  beiden  Männer  Kunde. 
Auch  Apel,  über  dessen  Leben  und  Dichtungen  Schmidt  seit  dem 
Erscheinen  seines  Buches  neuerUch  in  den  „Grenzboten"  berichtet 
hat,  gehörte  zu  den  Korrespondenten  Böttigers.  Er  sandte  ihm  sein 
Trauerspiel  „Die  Aitolier"  zur  Würdigung  zu  und  liefs  diesem  ersten 
Schreiben  noch  drei  weitere  folgen.  Dem  Maler  Moritz  Retzsch,  der 
in  dauernder  Verbindung  mit  der  Familie  Miltitz  lebte,  spendet 
Schmidt  viel  Lob  als  einem  „Meister  des  gemütvoll  ausgeführten 
Porträts".  Wie  weit  er  mit  dieser  Bemerkung  Recht  hat,  Täfst  sich 
nach  den  beigegebenen  Nachbildungen  von  Bildnissen  dieses  Künstlers 
nicht  entscheiden.  Immerhin  regen  sich  beim  Betrachten  dieser  Proben 
berechtigte  Zweifel  dagegen,  und  es  fällt  schwer,  nicht  an  Über- 
treibung zu  glauben,  wenn  Schmidt  sich  auf  S.  48  folgenderrnafsen 
äufsert:  „Das  schönste  Werk  dieser  Art  von  Retzsch  ist  das  Ölbild 
des  ihm  so  befreundeten  Miltitzschen  Ehepaars,  wie  es,  beide  in  alt- 
deutscher Tracht,  vor  einem  Söller  des  Scharfenbergschen  Gartens, 
so  dafs  das  ScMofs  den  Hintergrund  bildet,  in  die  reich  gegliederte  [?] 
Landschaft  hinausschaut.  Das  stille,  sinnige  Wesen  der  schönen 
Frau,  die  geistig  erregtere,  ein  wenig  lebhafte,  fast  nervöse  Art  des 
Mannes  —  kurz  das  innerste  Seelenleben  der  beiden  Gatten  ist  auf 
diesem  Bilde  mit  solcher  Treue  und  Tiefe  gemalt,  dafs  es  uns  — ■ 
der  höchste  Triumph  des  Malers  —  im  Innersten  packt  und  zwingt, 
den  dargestellten  Personen,  ja  sogar  dem  „Gehäuse  ihres  Daseins" 
unsere  lebhafteste  Teilnahme  zu  schenken".  Diese  Kritik  dürfte  doch 
wohl  des  Guten  zu  viel  tun.  Das  Bildnis  ist  gewifs  schon  Avegen 
seiner   Steifheit    in    hohem    Mafse    für    die    Zeit    seiner    Entstehung 


Literatur.  l'j-y 

charakteristisch,  zeigt  aber  niclit  nur  in  der  Behandlung  der  Hämle 
verschiedene  zeichnerische  Schwächen,  sondern  auch  eine  auffallende 
Leere  des  Ausdrucks  in  den  Gesichtszügen  der  Frau. 

Radebeul.  H.  A.  Lier. 


Ferdinand  von  Rayski.    Ein  biographischer  Versuch   von  Ernst  Sigis- 

mund.  (Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte  Dresdens.  20.  Heft.) 
Dresden,  Wilhelm  Baensch.     1907.    VI,  86  Si>.    8". 

Zur  Kunstgeschichte  Sachsens  im  neunzehnten  Jahrhundert 
liegt  bis  heute  noch  ziemlich  wenig  archivalisch  und  kritisch  durch- 
gearbeitetes Material  vor.  Man  hat  sich  daran  gewöhnt,  immer  nur 
der  Flugbahn  der  grofsen  Planeten  wie  Rietschel,  Schnorr,  Semper, 
I-iahnel  mit  den  Augen  zu  folgen  und  das  bescheidenere  Funkeln 
zu  übersehen,  das  von  der  Schar  der  Gestirne  zweiten  und  dritten 
Ranges  herrührt.  LTnter  diesen  erkennen  wir  dem  Helden  der  vor- 
liegenden Lebensbeschreibung  heute  willig  einen  führenden  Platz 
zu.  Den  ]\Ialer  Rayski,  dessen  Bildnisse  auf  der  Berüner  Jahr- 
hundert-Ausstellung vor  zwei  Jahren  als  reife  OiTenbanuigen  eines 
sfltenen  Talentes  begrüfst  wurden,  hat  man,  intra  muros  et  extra, 
seitdem  immer  wieder  mit  einer  Verehrvmg  genannt,  die  um  so 
leidenschaftlicher  sich  äufserte,  je  weniger  man  in  das  Dunkel  dieses 
Künstlerlebens  sonst  hineinzublicken  imstande  war.  Eine  Aus- 
stellung, die  darauf  der  Arnoldsche  Kunstsalon  veranstaltete,  konnte 
den  einmal  gewonnenen  Eindruck  wohl  erweitern,  aber  nicht  gerade 
vertiefen.  Man  sah  hier  eine  Künstlerpersönlichkeit  von  bemerkens- 
werter Frische  und  Ungez\\aingenheit  des  malerischen  Ausdruckes, 
einen  Porträtisten,  der  mehr  hebenswürdig  als  tiefeindringend  zu 
charakterisieren  weifs,  der  nicht  immer  mit  Originalität,  aber  stets 
mit  Geschmack  stellt  und  gruppiert,  vor  allem  aber  ein  technisches 
Können,  das  für  die  Zeit  des  niedergehenden  Präraffaelismus ,  für 
die  Periode  der  Gedankenmalerei  geradezu  glänzend  genannt  werden 
mufs.  Denn  das  unstreitig  bedeutendste  der  Rayskischen  Porträts, 
sowohl  der  Mache  wie  der  Auffassung  nach,  stammt  aus  dem 
Jahre  1843;  '"nan  weifs,  was  das  heifsen  wäll.  Einen  wirklich  hervor- 
ragenden Menschen  konnte  man  hinter  keiner  der  zahlreichen,  dort 
gesammelten  Arbeiten  vermuten;  dazu  waren  ihre  Werte  zu  ungleich, 
war  ihr  Entwicklungsgang  zu  wenig  ausgeprägt.  Aber  die  Wieder- 
eroberung dieses  Meisters  für  den  künstlerischen  Besitzstand  unseres 
Landes  konnte  doch  als  ein  wertvoller  Gewinn  gelten. 

Dem  fleifsigen  Forscher,  der  um  die  Dresdner  Rayski- Aus- 
stellung von  1907  die  gröfsten  Verdienste  hatte,  danken  wir  die 
gegenwärtige  biographische  Stvidie.»  Sigismimd  zeichnet  mit  sicheren 
Strichen  ein  klares  Bild  von  dem  menschlichen  und  künstlerischen 
Werdegang  des  jungen  Oftiziers,  der  zum  berufenen  Schilderer  der 
sächsischen  Aristokratie  um  die  Jahrhundertmitte  werden  sollte. 
Wichtig  ist  hier  nach  der  eingehenden  Darstellung  seiner  Familien- 
verhältnisse, seiner  ersten  künstlerischen  Versuche  im  Kadettenkorps 
und  auf  der  Akademie  die  Pariser  Episode  von  1834  35;  wir  ver- 
mögen hier  den  Fäden  zu  folgen,  die  Rayskis  Schaffen  mit  dem 
der  grofsen  Franzosen,  eines  Delaroche  und  Horace  Vemet,  ver- 
bindet. Seit  1840  in  Dresden  ansässig  und  dreifsig  Jahre  lang  hier 
und  in  der  Umgegend  tätig,  gewinnt  der  Künstler,  scheinbar  spielend 
und  fast  ohne  Vorstufen,  jene  Sicherheit  des  malerischen  Erlassens, 

Neues  Archiv  f.  S.  G.' u.  A.     XXIX.    I.  2.  12 


178 


Literatur. 


die  aus  allen  seinen  Arbeiten  spricht.  Das  berühmte  Wildschwein- 
bild  von  1863  steht  als  malerische  Leistung  fast  allein;  um  so  er- 
staunlicher ist  sein  Temperament,  seine  dekorative  Gröfse  und  seine 
farbige  Geschlossenheit. 

Sigismunds  Arbeit,  der  mehrere  Lichtdruckrejiroduktionen 
wichtiger  Bilder  sehr  zu  statten  kommen,  hat  den  grofsen  Vorzug 
des  ruhigen  und,  bei  aller  Wärme,  objektiven  Tones,  der  niemals 
zvnn  Panegyrikus  wird.  Um  Rayskis  Stellung  im  sächsischen  Kunst- 
und  Gesellschaftsleben  des  neunzehnten  Jahrhunderts  richtig  zu 
verstehen,  wird  man  stets  zu  ihr  greifen  müssen.  LTnd  bei  der 
s;rofsen  Revision  der  neueren  Kunstgeschichte,  zu  der  jetzt  allent- 
halben Stoff  zusammengetragen  wirct,  \vird  man  Ra3'ski  von  nun 
an  auch  seinen  fest  umschriebenen  Platz  anweisen  können. 

Dresden.  Erich  Haenel. 


Beiträge  zur  sächsischen  Kirchengeschichte,  herausgegeben  im  Auf- 
trage der  Gesellschaft  für  sächsische  Kirchengeschichte  von  Franz 
Dibelius  und  Theodor  Brieger.  21.  Heft.  (Jahresheft  für  1907.)  Leip- 
zig, Johann  Aml^rosius  Barth.     1908.    III,  132  SS.    8°. 

Während  das  Heft  sich  fast  ausschhefslich  mit  der  neueren  und 
neuesten  Zeit  beschäftigt,  berührt  der  Herausgeber,  Franz  Dibelius, 
das  Mittelalter  mit  seiner  „Anfrage,  Gründonnerstag  betreffend.'' 
Der  Verfasser  weist  auf  die  ungelöste  Frage  der  Entstehung  und 
Bedeutung  des  Namens  hin.  Zu  erwähnen  wäre  noch  des  Dresserus 
Deutung:  Jovis  dies,  qui  ex  viriditate  nominatus  est  der  gruene 
Donnerstag  propter  passum  Christum  perpetue  florentem.  Von  Inter- 
esse ist,  dafs  während  des  Mittelalters  in  Westfalen  auch  der  Donners- 
tag nach  Ostern  grüner  Donnerstag  genannt  wurde.  So  heifst  es 
1393:  to  gronen  donnersdaghe  dey  dar  is  dey  nehste  donnersdagh 
na  paschen,  oder  1542:  op  gronen  donderdag  na  paschen;  die 
Freckenhorster  Nonnen  bekamen  an  dem  Tage  groine  pankoken, 
wie  es  jetzt  noch  am  Donnerstag  vor  Ostern  in  Westfalen  üblich 
ist.  Vgl.  Grotefend,  Zeitrechnung  des  deutschen  Mittelalters  und  der 
Neuzeft.  i.  Band  (Hannover  1891),  S.  77.  Auf  der  folgenden  Seite 
sind  auch  zahlreiche  Beispiele  für  die  Bezeichnung  „Guter  Donnerstag" 
angeführt.  In  der  Magdeburger  Schöppenchronik  heifsen  die  Tage  der 
Karwoche:  Palmen,  Middeweken  darna,  des  guden  donresdages,  in 
dem  stillen  fridage  usw.  In  dem  Mittelniederdeutschen  Wörterbuche 
von  K.  Schiller  und  A.  Lübben,  Bd.  I  (Bremen  1875),  S.  540,  wird  der 
Himmelfahrtstag  Guter  Donnerstag  genannt.  Zu  vergleichen  ist  Kühl, 
Chronologie  des  Mittelalters  und  der  Neuzeit  S.  95.  103,  Weiden- 
bach, Calendai'ium  historico-chrLstianum  medii  et  novi  aevi  S.  196. 
Zu  der  Anfrage  über  sächsische  Volksgebräuche  am  Grünen  Donners- 
tage sei  iiuf  die  Lausitzer  Sitte  verwiesen,  Kinder  mit  Eiern  zu 
beschenken,  die  mit  grünem  Korne  gekocht  sind,  Rapssalat  zu  be- 
reiten, die  Wohnung  mit  Weidenkätzchen  zu  schmücken  und  Honig 
zu  genielsen,  letzteres,  damit  man  nicht  im  neuen  Jahre  ein  Esel 
werde.  —  Frank  Ludwigs,  auf  gründlichen  archivalischen  Studien 
beruhende  Arbeit  „Zur  Entstehungsgeschichte  der  Lokalvisitationen, 
des  ,Synodus'  und  des  Oberkonsistoriums  in  Kursachsen"  ist  ein 
Seitenstück  zu  der  im  vorigen  Jahre  erschienenen,  umfangreichen 
Studie  über  die  Scliulordnung  von  1580.  Die  neuere  vuid  neueste 
Literatur  ist  sorgfältig  benutzt.    Hervorgeholten  seien  die  ausgiebigen 


Literatur.  X79 

MitteiIuno;en  über  Jakob  Andrea  als  Verwaltungsmann.  —  O.  Pinder 
macht  Mitteilunoen  über  die  in  der  neuen  Ausgabe  der  Sächsischen 
Kirchengalerie  in  das  Bereich  unbeglaubigter  Sagen  verwiesene 
Erzählung  von  der  Rettung  Pegaus  1644  vor  Torstensons  Zorn 
durch  das  Lied  „Wenn  wir  in  höchsten  Nöten  sein".  Auf  die  Frage 
der  Entstehung  des  Liedes  und  seines  Verhältnisses  zur  Dichtung 
des  Camerarius  geht  der  Verfasser  nicht  ein.  Vgl.  dazu  Fischer, 
Kirchenheder- Lexikon  (Gotha  1878)  S.  354 f.  —  Einen  charakteristi- 
schen Beitrag  zur  Predigtpolemik  und  geistlichen  Standesgeschichie 
bietet  Ernst  Otto  mit  seiner  Darstellung  des  Streites  zwischen  Hue 
und  Hänichen.  Bereits  mehrfach  in  geschichtlichen  Arbeiten  gestreift, 
werden  die  einzelnen  Episoden  hier  auf  grund  der  Akten  eingehend 
behandelt.  Das  Verzeichnis  des  benutzten  handschriftlichen  Materials 
auf  S.  122  zeigt,  welche  umfänglichen  Unterlagen  ausgebeutet  worden 
sind.  —  Aus  Franz  Blanckmeisters  Artikel  über  "„Valentin  Emst 
Löscher  und  den  Rat  zu  Dresden"  sei  der  Satz  herausgehoben:  „Es 
bestand  zwischen  dem  Rate  zu  Dresden  und  dem  ersten  Geistlichen 
der  Stadt  ein  Vertrauensverhältnis  wie  zwischen  dem  Magistrat  zu 
Wittenberg  und  dem  grofsen  Reformator."  —  Mit  Recht  macht  zuin 
Schlüsse  F.  Dibelius  auf  Edmund  Brückners  .sorgfältige  Schrift  „Die 
Glocken  der  Oberlausitz"  aufmerksam. 

Leipzig.  Georg  Müller. 


Schloß  und  Amt  Vogtsberg  bis  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  und  das  Erb- 
buch vom  Jahre  1542.  Bearbeitet  von  f  Dr.  C.  v.  Raab.  (Mitteilungen 
des  Altertumsvereins  zu  Plauen  i.  V.  18.  Jahresschrift  auf  die  Jahre 
1907/08.)    Plauen  i.V.,  Druckerei  Neupert.    1907.    526  SS.  8". 

Diese  letzte  Arbeit  des  um  die  vogtländische  Geschichte  wohl- 
verdienten, unterdessen  leider  verstorbenen  Verfassers  bietet  eine 
grlnidJiche  Geschichte  des  Amtes  Vogtsberg  bis  um  die  Mitte  des 
16.  Jahrhunderts  als  Einleitung  zu  einem  Erl:)buch  von  1542,  das 
S.  171— 451  in  exten.so  mitgeteilt  wird.  Durch  urkundliche  Beilagen, 
ein  Orts-  und  Personenregister  und  eine  gute  Karte  ist  die  dankens- 
werte Publikation  auf  jede  mögUche  Weise  nutzbar  gemacht. 

Das  Gebiet  um  Ölsnitz  mit  dem  in  der  ersten  Hälfte  des 
13.  Jahrhunderts  erbauten  Schlofs  Vogtsberg  war  ursprünglich  nicht 
im  Besitz  der  Vögte  von  Plauen;  die  Edlen  von  Strafsberg,  die  später 
den  Nanien  ihres  Schlosses  Vogtsberg  annahmen,  trugen  es  von  den 
Land^afen  von  Thüringen  und  Markgrafen  von  Meifsen  und  diese 
vom  Reiche  zu  Lehen.  Die  Vögte  von  Plauen  gelangten  in  den 
Besitz  der  Herrschaft  Vogtsberg  erst  1327  durch  das  Eingreifen  des 
Königs  Johann  von  Böhmen,  bei  dem  sie  Rückhalt  gegen  die  Wet- 
tiner  fanden.  Diese  haben  jedoch  1356  im  vogtländischen  Kriege 
Vogtsberg  mit  Ölsnitz  eingenommen  und  seitdem  behauptet.  Der 
lange  Vogt  von  Plauen,  Heinnch  der  Ältere,  vertauschte  am  3 1 .  Ok- 
tober 1357  auch  seine  sonstigen  vogtländischen  Schlösser  und  Güter, 
darunter  Adorf  und  (Mark)  Neukirchen,  an  die  Wettiner,  und  diese 
sicherten  durch  ein  Bündnis  mit  Kaiser  Karl  IV.  vom  i.  März  1358 
ihren  gesamten  Erwerb ;  er  bildete  im  wesentlichen  später  das  Amt 
\'ogtsberg. 

Über  die  Verwaltung  des  Amtes  geben  für  die  älteste  Zeit  ein 
Wirtschaftsbuch  des  Vogtes  Jan  Rabe  von  1383  bis  1386,  Abrechnungen 

12*" 


1 8o  Literatur. 

aus  den  Jahren  1389  bis  1405  und  ein  Rechnungsbuch  des  Vogtes 
Hans  von  Heyde  aus  den  Jahren  1403  bis  1405  Auskunft.  Dann  wurde 
das  Amt  verpfändet  und  erst  1447  von  Kurfürst  Friedrich  wieder 
eingelöst.  Eine  Reihe  von  weiteren  Verpfändungen  fand  1471  ihren 
Abschlvifs  durch  Bestellung  Hermanns  von  Weifsenbach  zum  Amt- 
mann. Seine  Nachfolger  verwalteten  seit  1477  auch  die  Ämter  Plauen 
imd  Pausa,  doch  wurde  dieses  1488  wieder  selbständig  gemacht.  Für 
die  Wirtschafts-  und  Kanzleiangelegenheiten  wurde  gegen  Ende  des 
15.  Jahrhunderts  ein  neuer  Beamter,  der  Schösser,  in  die  Amtsver- 
waltung eingefügt.  Aber  während  der  erste  Schösser  von  Plauen, 
Jobst  Krefs,  sich  als  sehr  tüchtig  vmd  umsichtig  erwies,  war  der 
Vogtsberger  Schösser  Johann  Müller  seiner  Aufgabe  in  keiner 
Weise  gewachsen.  Die  Verwaltung  des  Amtes  geriet  bedenklich 
in  Unordnung,  und  erst  mit  dem  1510  eingewiesenen  Schösser  Leon- 
hard  Engelschall,  der  die  Amts\virtschaft  völlig  umgestaltete,  be- 
gannen wieder  gedeihliche  Zustände.  Unter  ihm  ist  auch  die  An- 
lage des  Erbbuches  erfolgt,  in  Ausführung  einer  Verordnung,  die 
in  den  ernestinischen  Landen  schon  vor  1 506  ergangen  sein  mufs. 
Aber  während  aus  Plauen  und  Pausa  Erbbücher  schon  aus  diesem 
Jahre  vorhanden  sind,  zog  sich  in  Vogtsberg  das  Unternehmen  Jahr- 
zehnte lang  Irin. 

Bei  Engelschalls  Amtsantritt  war  ein  Erbbuch  schon  „mehr  als 
zum  halben  Teile  fertig  gemacht",  aber  wir  erfahren  24  Jahre  lang 
nichts  von  dem  Fortschreiten  der  Arbeit.  Erst  aus  dem  Jahre  1534 
liegt  ein  Erbbuch  vor,  das  nicht  mehr  wie  die  Erbbücher  aus  dem 
Anfang  des  Jahrhunderts  auf  Pergament,  sondern  auf  Papier  ge- 
schrieben ist.  Abermals  ist  dann  das  Erbbuch  1542  neu  angelegt 
und  um  10  Kapitel  vennehrt  worden.  Eine  kurz  nach  1546  angefertigte 
Abschrift  davon,  wahrscheinlich  die  für  die  kurfürstliche  Kanzlei 
bestimmte  Reinschrift  des  Originals,  befindet  sich  im  Dresdner  Haupt- 
staatsarchiv und  ist  der  Publikation  von  Raabs  zu  Grunde  gelegt 
worden.  Die  1542  neu  hinzugefügten  Kapitel  füllen  darin  die  Blätter 
391  bis  442.  Eine  zweite  Abschrift,  1904  vom  Amtsgericht  Ölsnitz 
dem  Hauptstaatsarchiv  überwiesen,  ist  veniiutlich  gelegentlich  der 
Umschreil3ung  der  Erbbücher  um  das  Jahr  1591  entstanden. 

Das  langsame  Fortschreiten  der  Arbeit  am  Vogtsberger  Erb- 
buch war  wohl  zum  guten  Teil  verursacht  durch  den  Widerstand, 
den  der  Adel  den  landesherrlichen  Bestrebungen  entgegensetzte.  Von 
Anfang  an  stand  allenthalben  die  sächsische  Ritterschaft  den  Er- 
hebungen, die  für  die  Erbliücher  von  den  Amtleuten  angestellt 
wurden,  mit  feindseligem  Milstrauen  gegenüber.  Schon  seit  1506 
beschwerte  sie  sich  im  Amte  Coljurg  mehrfach,  dafs  die  Schösser 
und  Kastner  die  Angesessenen  nach  ihren  Gütern  frugen,  um  sie  in 
die  neuen  Erbbücher  einzutragen,  und  1531  werden  Klagen  der 
Ritterschaft  über  die  Einführung  der  Erbbücher  auf  dem  Landtag 
verhandelt.  Im  Amt  Vogtsberg  beteiligte  sich  auch  die  Stadt  Ölsnitz 
an  dem  Widerstand.  Der  Schösser  mufs  am  7.  Juni  1544  dem  Kur- 
fürsten berichten,  er  sei  bei  Abfassung  der  Erbbücher  erst  wegen 
der  Obergerichte  mit  etlichen  vom  Adel,  dann  mit  der  Stadt  Ölsnitz 
in  Streit  geraten  und  könne  in  Enuanglung  einer  Entscheidung  über 
die  streitigen  Punkte  die  Bücher  nicht  vervollständigen.  Gleichwohl 
habe  er  sich  die  Ungunst  und  Feindschaft  derer  vom  Adel  und 
anderer  Amtsverwandten  zugezogen,  so  dafs  er  gezwungen  sei,  sich 
einen  anderen  Wohnsitz  zu  suchen.  Und  er  habe  in  die  Erbbücher 
doch  nur  das  geschrieben,  was   er  „mit  bestendigem  grünte  erfaren 


Literatur.  "  i8i 

und   mit   Junten   5ie\vielscii   kegen  den  ewigen  got  mein  untertenigen 
schuldigen  pflichten  nach  zu  verantworten  wisse"  (S.  120). 

Dals  diese  Klage  nicht  unbegründet  gewesen  sein  kann,  zeigen 
die  Angaben  des  Erblniches  iÜDer  den  Ritterdienst.  Zum  Vergleich 
mit  ihnen  hat  v.  Raali  (S.  isaft.)  drei  Listen  der  Vogtsberger  ehr- 
baren Mannschaft  von  1445,  1447  und  1463  herangezogen^  Der  Schösser 
Engelschall  besafs  von  ihnen  keine  Kenntnis,  erklärt  vielmehr  (v.  Raab 
S.  195),  er  habe  über  die  Ritterdienste  „in  annehminge  seines  dinsts 
gar  nichts  befunden,  sich  aber  des  bey  den  eltisten  vom  adel  er- 
kundet", insbesondere  den  Umfang  des'  ritterlichen  Aufgebotes  für 
den  Reichskrieg  gegen  Karl  den  l\ühnen  1475  festzustellen  gesucht. 
Der  so  erzielte  Ansatz  weist  49'  .,  Ritterpferde  auf  gegen  66  im  Jahre 
1447  '•Uitl  57  im  Jahre  1463.  Die  seit  dieser  Zeit  nachweisbaren  Ver- 
änderungen im  ntterschaftlichen  Besitz  durch  Veräufsemng  und  Über- 
gang an  eine  andere  Landes-  oder  Amtsherrschaft  gleichen  sich  un- 
gefähr aus.  Das  Aufgebot  von  1475  war  von  dem  Schösser  demnach 
mit  49'  2  Pferden  sicherlich  nicht  zu  hoch  angesetzt  und  stellte  ja 
gegenüber  dem  von  1447  schon  eine  bedeutende  Ermäfsigimg  dar. 
Gleichwohl  erhob  die  Ritterschaft  gegen  die  Aufstellungen  des  Erb- 
buches Einspruch,  der  zu  langwierigen  Auseinandersetzungen  führte, 
obwohl  seine  rechtliche  Unhaltbarkeit  durch  die  Listen  des  15.  Jahr- 
hunderts zum  Teil   ohne  weiteres  nachgewiesen  werden  kann. 

Jedenlalls  hat  die  Ritterschaft  durchzusetzen  gewufst,  dafs  ihre 
Leistungen  für  den  Staat  nach  dem  niedrigsten  im  15.  Jahrhundert 
erreichten  Ansatz  im  Erbbuch  festgelegt  wurden.  Dagegen  haben 
die  Leistimgen  der  bäuerlichen  Bevölkerung,  wie  v.  Raab  S.  80  ff.  an 
der  Hand  der  Rechnungen  darlegt,  seit  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts 
eine  fortdauernde  Steigerung  erfahren.  Der  Haferzms  ist  von 
87  Scheffel  im  Jahi-e  1448  auf  145'  ,>  Scheffel  im  Jahre  1471  gestiegen. 
Seitdem  erschemt  ein  neuer  Haferzins,  der  258  Scheffel  einträgt,  neben 
dem  alten.  Schon  seit  1478  wurden  beide  als  einheitliche  Abgabe, 
die  403'  .3  Scheffel  bringt,  in  den  Rechnungen  geführt.  1488  ist  sie 
auf  497  Scheffel  gestiegen,  1504  wieder  auf  rvmd  400  Scheffel  ge- 
sunken und  hat  sich  unter  Engelschalls  Amtsfühnmg  auf  dieser  Höhe 
gehalten.  Ferner  wurde  seit  1449  die  Haferlandbede  erhoben,  in  den 
ungeraden  Jahren  die  kleine,  die  rund  70  Scheffel,  in  den  geraden 
lahren  die  groise,  die  rund  540  Scheffel  eintmg.  Zu  dieser  Hafer- 
bede hatten  nur  die  Erbleute  des  Amtes  beizutragen,  die  Hinter- 
sassen des  Adels  waren  von  ihr  befreit.  Drittens^  endlich  wurde 
neben  dem  in  Geld  entrichteten  Erlizins,  der  rund  33  Schock  Groschen 
eintrug,  .seit  147 1  ein  neuer  von  rund  29  Schock  erhoben;  seit  1478 
bilden  beide  in  den  Rechnungen  nur  einen  Posten  \on  nnid  70 Schock. 
Zur  Einfühnmg  der  Landbede  haben  offenbar  militärische  Bedürf- 
nisse während  des  Bruderkrieges  den  Anlal's  gegeben.  Die  neuen 
Auflagen  des  Jahres  147 1  dagegen  sind  wohl  mehr  dem  landcsfürst- 
lichen  Bestreben  entspnmgen,  die  Einkünfte  des  Landes  durch  eine 
geordnete  Verwaltvmg  möglichst  zu  steigern. 

Noch  sei  hervorgehoben,  dafs  das  zweite,  die  geistlichen  Lehen 
behandelnde  Kapitel  des  Erbbuches  vorreformatorische  Zustände 
wiedergibt  (vgl.  v.  Raab  S.  135 ff".).  Auch  darin  tritt  zu  Tage,  dafs 
schon  die  Niederschrift  von  1534  auf  älteren  \'orarbeiten  fufst,  wie 
das  ja  nach  der  oben  mitgeteilten  Entstehungsgeschichte  des  Buches 
angenommen  werden  mufs. 

Utrecht.  O.  O  p  p  e  r m  a  n  n. 


iSz  Literatur. 

Die    mittelalterliche    Baukunst    Bautzens.     Von   Dr.  ing.  Fritz    Rauda, 

Architekt.    Herausgegeben  von  der  Oberlausitzischen  Gesellschaft 
der  Wissenschaften  zu  Görlitz.    1905.    XI,  99  SS.  8". 

Die  Erforschung  der  Baudenkmäler  fordert  die  Kenntnisse  des 
Kunstgelehrten  wie  cles  Architekten.  Archivalische  Studien  und  die 
Anschauung  der  Bauwerke  allein  werden  in  den  seltensten  Fällen 
zum  Ziele  führen',  meist  wird  die  bautechnische  Prüfung  herange- 
zogen werden  müssen,  um  ein  brauchbares  und  lückenloses  Ergebnis 
zu  erhalten.  Wie  wertvoll  sie  für  den  einzelnen  Gegenstand  werden 
kann,  beweist  die  Arbeit  von  Rauda  über  die  mittelalterliche  Bau- 
kunst Bautzens.  Durch  mannigfache  Brände  und  Zerstörungen  in 
Kriegszeiten  sind  die  Archive  dieser  Stadt  so  heimgesucht  worden, 
dal's  kavmi  ein  nennenswerter  Rest  auf  uns  gekommen  ist.  Der  Ver- 
fasser fand  deshalb  nur  wenige  handschriftliche  Quellen  und  Urkunden 
über  bauliche  Vorgänge  vor  und  sah  sich  genötigt,  die  einzelnen 
Bauwerke  vor  allem  nach  Konstruktion  und  m  formaler  Hinsicht  zu 
prüfen,  um  über  ihre  Entstehung  Klarheit  zu  erlangen. 

Dieser  bei  den  schon  vorhandenen  Beschreibungen  der  Stadt 
und  ihrer  Baudenkmäler  bisher  noch  niemals  eingeschlagene  Weg 
führte  zu  einer  Reihe  sehr  wertvoller  und  überraschender  Ergebnisse. 
Nach  einer  kurzen  Schildenmg  der  Entvvickelung  des  alten  Budissin 
mit  seinem  noch  heute  überaus  malerischen  und  mittelalterlichen 
Stadtbilde  beginnt  Rauda  seine  Untersuchungen  an  der  Schlofs- 
kapelle,  einem  reizvollen  W^erke  mittelalterlicher  Baukunst  mit  be- 
sonders schöner  Gewölbebildung,  die  Anklänge  an  die  Albrechtsburg 
in  Meifsen  vmd  die  Kunst  Arnolds  von  Westphalen  verrät.  Auch 
die  Prolilljildung  der  Türumrahmungen  mit  der  oft  vorkommenden 
Doppelkehle  und  der  Brüstungssims  der  Empore  weisen  dorthin. 
Weitere  Ähnlichkeit  mit  Profilen  und  Steinmetzzeichen  an  der  heutigen 
Kreuzkapelle  zu  Görlitz  scheint  für  den  dort  beschäftigt  gewesenen 
Konrad  Pflüger,  einen  Schüler  Arnolds,  zu  sprechen.  Allein  die 
Ornamentation  widerspricht  dem,  und  Rauda  kommt  zu  dem  Ergebnis, 
dafs  ein  am  Rathaus  zu  Breslau  beteiligter  Künstler  der  Meister  der 
Schlofskapelle  sein  mufs. 

Der  Mönchskirche,  einer  zum  Franziskanerkloster  gehörigen, 
heute  leider  fast  gänzlich  verschütteten  Kirchenruine,  die  erst  durch 
Ausgrabungen  freigelegt  werden  mufste,  wendet  der  Verfasser  sich 
weiter  zu  und  gibt  uns  eine  Rekonstruktion  dieses  Bauwerkes.  Für 
die  Datierung  sind  in  erster  Linie  die  Baustoffe  von  urkundlicher 
Bedeutung.  Die  Mauertechnik  unter  Vei^wendung  von  Bruchstein- 
mauerwerk mit  Backsteineinfassung,  ebenso  die  Profile  der  Gewölb- 
rippensteine, geben  wertvolle  Aufschlüsse.  Der  Grundrifs  wird  auf 
diese  Weise  mit  grolser  Wahrscheinlichkeit  festgelegt,  während  für 
den  Aufrifs,  namentlich  die  Bildung  des  Querschnittes,  nur  Ver- 
mutungen ausgesprochen  werden  können.  Bei  dem  Dome,  wohl 
dem  interessantesten  mittelalterlichen  Bauwerke  Bautzens,  unter- 
scheidet Rauda  vier  Bauperioden,  zwei  frühgotische  und  zwei  spät- 
gotische. Als  alte  Anlage,  der  auch  der  Turmquerbau  angehört, 
wird  von  ihm  ein  annähernd  quadratisches,  dreischiffiges  Langhaus 
mit  drei  Gewölbejochen  angenommen.  Durch  einen  Erweiterungsbau 
wird  das  Langhaus  später  vierschiffig,  bis  in  der  zweiten  Hälfte  des 
fünfzehnten  Jahrhunderts  der  alte  Chor  abgebrochen  wird  und  an 
seiner  Stelle  ein  Neubau  in  der  Breite  des  ersten  dreischiffigen 
Langhauses   unter   eigentümlicher  Axenbrechung   entsteht.     Für  den 


Literatur.  183 

Turm  von  „oranitner  Monumentalität,  prächtig  ergänzt  und  zu 
schlanker  Wirkung  gebracht,  durch  den  Haubenautsatz  de)'  Spät- 
renaissance" nimmt  Rauda  den  Meister  Wolf  zu  Komitz  (Kamenz) 
als  Erbauer  in  Anspruch. 

Weitere  A1)schnitte  I)eschäftigen  sich  mit  der  Michaeliskirche, 
Kikolaikirche,  Liebfrauenldrche  und  den  beiden  Hospitalkirchen. 
Auch  hier  geben  die  Baustoffe,  die  Prolilbildungen  und  aufgefundene 
Steinmetzzeichen  sichere  Auskunft  über  die  Entstehungszeit  der 
einzelnen  Bauwerke.  Im  Schlufskapitel  wird  che  bürgerliche  Bau- 
kunst Bautzens  kurz  betrachtet.  Rauda  kommt  hier  noch  einmal 
auf  die  von  C'iurlitt  und  Brück  angenommene  Tätigkeit  Konrad 
Pflügers  in  Bautzen  zurück  und  schreibt  ihm  den  1507  begonnenen 
Neubau  des  Dekanatsgebäudes  für  Dr.  Kaspar  Emmerich  zu.  Eine 
davon  erhaltene  Granittür  weist  zweifellos  die  Profilbildung  dieses 
Meisters  auf.  Unter  den  Befestigungsw-erken  der  Stadt  wird  die 
malerisch  an  der  Spree  gelegene  alte  W'asserkunst  besonders  erwähnt, 
und  wir  erfahren  interessante  Einzelheiten  über  die  Konstruktion 
und  den  Zweck  dieses  von  W^enzel  Röhrscheidt  dem  Älteren  im 
Tahre  1558  geschaffenen  trotzigen  Bauwerkes. 

Die  Abhandlung  sttitzt  sich  auf  ein  sehr  gewissenhaftes  Quellen- 
studium und  eine  sorgfältige  Aufnahme  der  besprochenen  Bauwerke. 
Von  verschiedenen  erhalten  wir  nach  des  Verfassers  eigenen  Auf- 
messungen und  Skizzen  zum  ersten  Male  sichere  Grvmd-  und  Aut- 
risse, die  für  das  weitere  Studium  der  Bauten  von  grundlegender 
Bedgutimg  sein  werden.  Wenn  damit  die  Arbeit  für  den  Forscher 
unentbehrlich  wird,  so  ist  sie  für  den  schaftenden  Architekten  nicht 
minder  beachtenswert.  Man  kann  aus  ihr  für  die  form-  und  .stilge- 
rechte Verwendung  der  Baustofte,  die  gerade  in  der  mittelalterlichen 
Baukunst  zu  höchster  Vollendung  heranreifte,  manches  erlernen  und 
wird  dann  von  Verirrungen,  wie"  sie  das  moderne  Stadtbild  Bautzens 
leider  aufweist,  bewahrt  bleiben.  So  werden  der  Historiker  und 
Laie  wie  auch  der  Architekt  dem  Verfasser  für  viele  wertvolle 
Aruregungen  avis  dem  Studium  dieses  Buches  dankbar  sein. 

Dresden.  Walter  Mackowsky. 


Leipzigs  Handelskorporationen  (Kramerinnung,  Handlungsdepvitierte, 
fiandelsvorstand,  Handelsgenossenschaft.  Die  Leipziger  Kaufmann- 
schaft und  die  Kommunerepräsentation).  Versuch  der  Gründung 
Sächsischer  Handelskammern  im  19.  Jahrhundert.  Herausgegeben 
von  der  Handelskammer  zu  Leipzig.  Verfafst  von  deren  Biblio- 
thekar Siegfried  Moltke.  Mit  mehreren  Ablaildungen.  Leipzig,  in 
Kommission  bei  A.  Twietmeyer.    1907.  VIII,  248   SS.  8". 

Seinen  lieiden  früheren  Büchern  über  die  Leipziger  Kramer- 
innung und  die  erste  Leipziger  Gro fsh an dels Vertretung,  die 
der  Unterzeichnete  in  dieser  Zeitschrift  XXIII,  175  und  XXVI,  176 
anzeigte,  hat  Moltke  ein  drittes  folgen  lassen,  das  sich  vorwiegend 
mit  der  Entstehung  der  Leipziger  Handelskammer  im  19.  Jahrhundert 
beschäftigt.  Da  es  sich  aber  den  veränderten  Zeitvnnständen  ent- 
sprechend nicht  mehr  um  eine  nur  Leipziger  Angelegenheit  handelte, 
mufste  die  Entstehung  der  sächsischen  Handelskammern  überhau]5t 
dargestellt  werden,  und  dadurch  gewinnt  die  fleifsige,  auf  den  ersten 
Quellen  aufgebaute  Arbeit  eine  allgemeinere  Bedeutung. 


184  Literatur. 

In  einem  einleitenden  Kapitel  (S.  i  — 17,1  werden  die  Ersjebnisse 
der  früheren  Arbeiten  kurz  zusanimenijefalst,  indem  die  Entwicklung 
der  Kramerinnung,  der  Handelsdeputierten  (seit  1 681)  und  des  Handels- 
vorstandes vorgetührt  wird;  unter  letzterem  ist  die  seit  1829  bestehende 
Vereinigung  der  Vorstände  der  beiden  ersteren,  dem  Klein-  und 
Grofshandel  dienenden  Korporationen  zu  verstehen.  Der  Schwer- 
punkt des  Buches  liegt  im  zweiten  Kapitel  (S,  19  —  72),  das  sich  mit 
aen  Verhandlungen  über  die  Errichtung  sächsischer  Handelskammern 
1842 — 1861  beschältigt  und  eni  auiserord entlieh  anschauliches  Bild 
der  damaligen  Wirtschaftsverhältnisse  Sachsens  gibt,  insofern  sich 
die  praktischen  Bedürfnisse  in  den  Kundgebungen  über  eine  gesetz- 
liche Vertretung  der  Industrie  und  des  Handels  widerspiegeln,  wenn 
auch  die  herrschenden  liberalen  Ideen  überall  durchblicken  und  eine 
offenkundige  Überschätzung  der  Verfassungsformen  verraten.  Wenn 
die  naturgemäfs  den  Stoff  stark  zusammendrängende  Darstellung  das 
Interesse  weiterer  Kreise  an  der  Erforschung  der  neueren  Wirt- 
schaftsgeschichte wachrufen  sollte,  so  Aväre  das  sehr  zu  begrüfseu; 
denn  es  ist  bedauerlich,  dafs  wir  weder  von  der  Tätigkeit  des  seit 
1828  bestehenden  „Industrievereins  für  das  Königreich  Sachsen"  (Sitz 
Chemnitz)  nähere  Kunde  besitzen,  noch  durch  Darstellungen  und  Ver- 
ölfentlichungen  über  das  gesamte  Tatsachenmaterial  unterrichtet  sind, 
das  in  den  Akten  über  die  gesetzliche  Regelung  des  W^irtschafts- 
lebens  niedergelegt  ist.  Vom  dritten  Kapitel  an  beschäftigen  uns 
wieder  speziell  Leipziger  Verhältnisse;  denn  es  wird  der  vergebliche 
Versuch  einer  Verschmelzung  der  Kramerinnung  mit  der  Gesamtheit 
der  Grofshändler  1862 — 1864  eingehend  beschrieben  (S.  75 — 120),  ferner 
die  Neugestaltimg  der  Kramerinnung  ciurch  das  Statut  von  1867 
(S.  121 — 137),  die  Gründung  einer  Handelsgenossenschaft  1866,  Inder 
sich  die  Grofshändler  den  neuen  gesetzlichen  Anforderungen  ent- 
sprechend organisierten  (S.  141 — 158),  und  zuletzt  die  Beteiligung  der 
Leipziger  Kaufmannschaft  bei  der  Erriclitung  einer  „Kommune- 
Repräsentation"  1814 — 1817.  Als  Anlagen  sind  S.  185—248  neun 
Aktenstücke  abgedruckt,  deren  Mitteilung  dankbar  zu  begrüfsen  ist; 
im  besoncieren  gilt  das  für  die  Arbeit  des  Advokaten  Christoph  vom 
9.  August  1848,  in  der  dieser  als  Ergebnis  der  von  einer  Anzahl 
Leipziger  Kaufleute  gepflogenen  Verhandlungen  einen  Statuten- 
entwurf für  eine  den  Leipziger  Verhältnissen  entsprechende  Handels- 
kammer vorlegt. 

Dresden.  Dr.  Armin  Tille. 


Geschichte  des  Dorfes  Leuba  in  der  Königlich  Sächsischen  Oberlausitz. 

Nach  archivalischen  Quellen  bearl^eitet  von  P.  Richard  Doehler. 
Zittau,  in  Komm. -Verl.  bei  Arthur  Graun  (Olivas  Buchhandlung). 
1907.    2  Bll.    201  SS.    8". 

Wir  freuen  uns,  diesmal  auch  eine  Dorfgeschichte  anzeigen  zu 
können,  die  den  Durchschnitt  weit  ül)erragt  und  wohl  eine  vorbild- 
liche Bedeutung  für  ähnliche  Arljeiten  zu  gewinnen  verdient.  Es 
wird  das  freilich  niemanden  überraschen,  der  die  früheren  Arbeiten 
des  Verfassers,  des  ehemaligen  Pfarrers  zu  Leuba,  Richard  Döhler, 
vor  allem  seine  Urkundenbücher  des  Klosters  Marienthal  und  des 
Stiftes  Joachimstein,  kennt.  W^ie  diese  Werke,  so  bezeugt  auch 
seine  Geschichte  cies  Dorfes  Leuba  die  eingehendste,  durchaus  auf 
archivalischen  Studien    beruhende  Vertrautheit    mit    seinem   Gecken- 


Literatur.  185 

Stande  uuil  eine  seltene  Gewandtheit  in  der  Formung  des  spröden 
Stofles.  Nach  i'incr  Einleitung  ül)er  die  Lage,  die  Besiedlung",  den 
—  ursprünglich  shivischen  —  Namen  und  die  Einteilung  des  Ortes, 
die  sehr  kurz  ausfallen  konnte,  weil  der  Verfasser  mit  Recht  darauf 
verzichtet,  den  Mangel  quellenmäfsiger  Nachrichten  aus  der  Zeit  vor 
dem  14.  Jahrhundert  durch  allgemeine  Erörterungen  und  wohlfeile 
Mutmal'sungen  zu  verschleiern,  behandelt  der  erste  Teil  des  ßücli- 
leins  die  Geschichte  der  politischen,  der  zweite  die  der  Kirch- 
gemeinde. Von  den  beiden  Ortsteilen  kam  Oberleuba,  ursprünglich 
nn  Besitze  der  Herren  von  Baruth,  in  den  Jahren  1326 — 1417  an  das 
Kloster  Marienthal,  das,  abgesehen  von  wenigen  LInter1)rechungen, 
bis  heute  die  Ortsherrschaft  geblieben  ist.  Niederleuba  gehörte 
wohl  schon  im  14.  Jahrhundert  clen  Gersdorffs,  seit  1638  den  Familien 
von  Uechtritz  und  von  Schweinitz,  bis  es  1759  von  demselben  Kloster 
erworben  wurde.  So  gab  die  Geschichte  der  Besitzer  dem  Verfasser 
Anlals  zu  mancher  willkommenen  Ergänzung  der  Geschichte  des 
oberlausitzer  Adels;  auch  für  die  Geschichte  der  Stadt  Görlitz,  zu 
deren  Weichbilddörfern  Leuba  gehörte  und  die  einige  Zeit  (1532  — 1547) 
auch  Besitzerin  von  Oberleuba  war,  sind  seine  Ausführungen  von 
Interesse.  Weiter  werden  dann  die  Flur-  und  Untertanenverhält- 
nisse (unter  Beifügvuig  eines  vollständigen  Verzeichnisses  der  Flur- 
namen und  einer  Flurkarte),  die  Gerichtsverhältnisse,  die  Ge- 
meindeverwaltung, die  Wohlfahrtseinrichtungen,  das  Verkehrs- 
wesen mit  eingehender  Sachkenntnis  und  streng  c[uellenmäfsig  be- 
handelt; es  war  dabei  vor  allem  von  Wichtigkeit,  dafs  dem  Ver- 
fasser ein  aufsergewöhnlich  reichhaltiges  Pfarrarchiv  zu  Gel^ote  stand. 
Dafs  er  aufserdem  die  Archive  zu  Görlitz  und  Dresden  fleil'sig  be- 
nutzt hat,  bedarf  kaum  der  Hervorhebung.  Der  zweite  Teil  gibt 
eine  eingehende  Geschichte  der  Kirche,  der  Pfarre  und  der  Pfarrer, 
der  Schule  und  der  Lehrer:  eine  weitere  Ausführung  der  kurzen 
Angaben,  die  der  Verfasser  darüber  in  der  Neuen  Sächsischen 
Kirchengalerie,  Diöcese  Zittau  (1904),  gemacht  hat.  Endlich  wird  in 
einem  3.  Teile  die  „Kriegso;eschichte  von  Leuba  und  Umgebung" 
behandelt,  hauptsächlich  der  Schicksale  des  Orts  während  der 
Hussitenkriege,  des  dreifsigjährigen  Krieges,  des  Schwedenkrieges, 
der  schlesischen  Kriege  und  des  siebenjährigen  Krieges,  der  Be- 
freiungskriege und  des  Krieges  von  1866,  wofür  namentlich  in  den 
sorglich  geführten  Pfarrchroniken  sich  Material  fand;  auch  hier  ist 
es  anerkennenswert,  dafs  sich  der  Verfasser  streng  an  seine  Auf- 
gabe hält  und  der  Versuchung  ins  Weite  zu  schweifen,  der  so 
mancher  Ortschronist  erliegt,  tapfer  Widerstand  leistet.  Der  beste 
Prüfstein  für  die  Sorgfalt  und  Wissenschaftlichkeit  der  Arbeit  ist 
der  beigefügte  Urkundenanhang;  wenn  hier  freilich  aus  dem  Mittel- 
alter nur  zwei  Notizen  von  141 3  lieigebracht  werden,  während  von 
1532  an  die  Urkunden  in  grofser  Zahl  vorhanden  sind,  so  liegt  das 
daran,  dais  die  in  der  obengenannten  Urkundensammlung  enthaltenen 
verständigerweise  nicht  wiederholt  werden. 

Dresden.  E  rm  i  s  c  h. 


l86  Literatur. 


Übersieht 

über  neuerdings  erschienene  Schriften  und  Aufsätze 

zur  sächsischen  Geschichte  und  Altertumskunde^). 


Von  Viktor  Hantzsch. 


[Ackermann?]  Aus  der  letzten  Zeit  der  Republik  Polen.  Gedenk- 
blätter eines  Posener  Bürgers  (1760 — 1793».  Herausgegeben  von 
Christian  Meyer.    München,  Selbstverlag.    1908.    V,  83  SS.    8". 

Apelt,  F.  U.  Franz  Gareis,  ein  Oberlausitzer  Maler.  Ein  Beitrag  zur 
Kunstgesclüchte  des  Empire:  Neues  Lausitzisches  Magazin  LXXXIII 
(1907),  239—248. 

Arnold,  E.  M.  Körnerstätten  in  und  um  Leipzig:  Der  Leipziger  II 
(1907),  io28f.    Mit  4  Abb. 

Arras,   Faul.     Die    Bekenntnisse    der  Jahre   1443 — 1456.     (Aus  dem 
Gerichtsbuche  i43off.  im  Bautzner  StadtarchiAe  mitgeteilt):  Neues 
Lausitzisches  Magazin  LXXXIII  (1907),  91  — 109. 
„  Steuern  in  der  Oberlausitz  vor  150  Jahren:  Bautzner  Nachrichten. 
1907.    Nr.  4. 

Baarmatm.  Die  „Faule  Magd"  der  Königlichen  Arsenalsammlung  zu 
Dresden.  Mit  4  Abb. :  Zeitschrift  tur'historische  Waffenkunde  IV 
(1907).  Heft  8. 

Bachern,  J.  Der  Meister  der  Kreuzigungsgruppe  in  Wechselburg: 
Zeitschrift  für  christliche  Kunst  XX  11907/08).  Heft  1 1  f .  mt 
9  Abb. 

Bärge,  li ermann.  Luther  und  Karlstadt  in  Wittenberg:  Historische 
Zeitschrift  IC  (1907),  256 — 324. 

Barth,  Alfred.  Zur  Baugeschichte  der  Dresdner  Kreuzkirche.  Studien 
über  den  protestantischen  Kirchenbau  und  Dresdens  Kunst- 
bestrebungen im  18.  Jahrhundert.  Mit  120  Abb.  (Dresdner  Diss.) 
Dresden,  C.  C.  Meinhold  &  Söhne.    1907.   (II),  148  SS.    4". 

Bauer,  Ludwig.  Theodor  Körners  Leben.  Dem  Volk  und  der  Jugend 
geschildert.  2.  Auflage.  Mit  Titelbild.  Stuttgart,  J.  F.  Steinkopf. 
1907.    144  SS.    8". 

BecTcer,  F.  Das  neue  Leipziger  Rathaus:  Kuustgewerbeblatt.  N.  F. 
XVII  (1906),  15—22.    Mit  Abb. 


^)  Vgl.  die  Ül^ersicht  über  neuerdings  erschienene  Literatur  zur 
Geschichte  und  Altertumskunde  der  Oberlausitz  von  R.  jecht  im 
Neuen  Lausitzischen  Magazin  LXXXIII  (1907),  276 — 284. 


Literatur.  187 

Benndorf,  Paul.  Die  Entstehung;  der  israelitischen  Fricdhc'ife,  des 
Neuen  Johannis-,  Nord-  und  Südfriedhofes  in  Leipzig.  Ein  Beitrag 
zur  Leipziger  Stadtgeschichte:  Wissenschafthche  Beilage  der  Lpz. 
Ztg.  1907.^  Nr.  47. 
„  Volkstümlicher  Humor  und  andere  Redensarten.  Leipzig  und 
Umgebung  (sächsisches  Niederland).  Fortsetzung:  Mitteilungen 
des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1907),  272—274. 

Berbig,  Georg.  Acta  Comiciorum  Augustae  ex  litteris  Philippi,  Jonae 
et  aliorum  ad  Martinum  Lutherum.  Aus  dem  Veit  Dietnch-Kodex 
der  Ratsbibliothek  zu  Nürnberg.  (Quellen  und  Darstellungen  aus 
der  Geschichte  des  Reformationsjahrhunderts.  Herausgegeben  von 
G.  Berbig.  Heft  2.)  Halle,  C.  Nietschmann.  1907.  58  SS.  Mit 
I  Faksmiile.  8". 
„  Bilder  aus  Coburgs  Vergangenheit.  IL  Teil.  Leipzig,  M.  Heinsius 
Nachfolger.  1907.  (III),  182  SS.  8".  (Darin  S.  83—103:  Die  erste 
Schulvisitation  im  Zeitalter  der  Reformation  im  Kurfürstentum 
Sachsen  des  Ortslandes  Franken;  S.  154—159:  Kurfürst  Johann 
Friedrich,  genannt  der  Grofsmütige;  S.  160—166:  Johann  Friedrichs 
Erziehungsplan  für  seine  Söhne  während  seiner  Gefangenschaft 
i.  J.  1547— 1552.) 
„  Die  erste  Kursächsische  Visitation  im  Ortsland  Franken.  II: 
Arcliiv  für  Reformationsgeschichte  IV  (1907),  370 — 408.  (Schlufs 
folgt.) 
,,  Spalatiniana:  Theologische  Studien  und  Kritiken.  1908.  S.  27 — 61. 
245—271. 

[Beriing,  Karl.]  Wegweiser  durch  das  Königliche  Kunstgewerbe- 
Museum  Dresden.  Dresden,  Druck  von  C.  Heinrich.  1907.  38  SS. 
Mit  2  Plänen.    8". 

Beschoruer,  Hans.  Geschichte  der  sächsischen  Kartographie  im  Grund- 
rifs.    Leipzig,  B.  G.  Teubner.    1907.    27  SS.    8". 
„  VII.  Fkrmamenbericht:    Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volks- 
kunde IV  (1907),  215—217. 

Beschorner,  [Herbert].  Das  Steinkreuz  im  Basteiwalde:  Über  Berg  und 
Thal  XXXI  (1908),  254f. 

Bettelheim,  Anton.  Berthold  Auerbach.  Der  Mann.  Sein  Werk.  Sein 
Nachlai's.  Mit  einem  Bildnis  des  Dichters.  Stuttgart  und  Berlin, 
J.  G.  Cotta  Nachfolger.  1907.  XI,  450  SS.  8".  (S.  227 — 270:  Zehn 
Jahre  Dresden.) 

Biermann,  G.  Leipzigs  altes  Rathaus  und  seine  künstlerische  Auf- 
erstehung: Daheim  XLIV  (1908).    Nr.  19.    Mit  11  Abb. 

Blanckmeister,  Franz.    Vater  Grofsmann  [Superintendent  in  Leipzig]. 
(Festschriften  für  Gustav-Adolf-Vereine.    Nr.  56.)    Leipzig,  Arwed 
Strauch.    (1908.)    30  SS.    8". 
„  Die  weifse  Erde  von  Aue:    Kalender  für  das  Erzgebirge,  Vogt- 
land und  die  Sächsische  Schweiz  IV  (1908),  16  f. 

Bönhoff,  Leo.    Aus  der  alten  Geschichte  Mügelns :  Mügelner  Anzeiger. 
1907.    Nr.  129. 
„  Die  älteste  Urkunde  von  Mutzschen :  Mutzschener  Anzeiger.    1907. 
Nr.  126  f. 

„  Der  Pfarrer  von  Glösa  und  sein  Küster.  Ein  Kleinbild  aus  dem 
kirchlichen  Leben  eines  Dorfes  der  Chemnitzer  Gegend  kurz  nach 
Einführung  der  Reformation:  Beilage  des  Wahrheitszeugen  III 
(1907).    Nr.  II. 


i88  Literatur. 

Bönhoff,  Leo.   Königswalde.  Das  350jährige  Bestehen  seiner  Parochie, 
gegründet  Weihnachten  1557:  Beilage  zum  Annaberger  Wochen- 
blatt.   1908.    Nr.  13 — 15. 
„  Bischof  Thietmar  von  Merseburg.     Eine  Skizze  aus  der  heimat- 
lichen   Kirchengeschichte:    Neues   Sächsisches   Kirchenblatt  XIV 
(1907),  Sp.  785— 792.  801—810.  817 — 824. 
„  Kirchliche  Notizen  aus  dem  Lehnbuche  Markgraf  Friedrichs  des 
Strengen  von  Meifsen  (i349'5ol:  Sächsisches  Kirchen-  und  Schul- 
blatt. 1907.  Sp.  599  —  601.  615  —  617. 
„  Herrschaft   und    Amt    Schwarzenberg.     Eine    geschichtliche   sta- 
tistische Skizze:  Schwarzenberger  Tageblatt.    1907.    Nr.  249 f. 
„  Einiges  aus  der  ältesten  und  älteren  Geschichte  der  Stadt  Eiterlein: 
Obererzgebirgische  Zeitung.    1908.    Nr.  11.  16. 

Bruchniüller,   W.     Die  Leipziger   Winkelschulen:    Wissenschaftliche 
Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  7. 
„  Der  alte  Leipziger  Johannisfriedhof:   Daheim  XLIV  (1907).    Nr.  8. 

Mit  14  Abb. 
„  Kulturelle    Beziehungen    zwischen    Schlesien    und    Obersachsen: 
Nord  und  Süd  XXXI  (1907).    Septemberheft. 

Buchenau,  H.  Ein  Groschen-  und  Hohlpfennigfund  aus  der  Zeit 
des  sächsischen  Bruderkrieges.  (S.-A.  aus  der  Numismatischen 
Monatsschrift  „Blätter  für  Münzfreunde"  XLII.  1907.)  Dresden, 
C.  G.  Thieme.    1907.    7  SS.    4". 

Buchwald,  Georg.  Ergänzungen  zur  Biographie  des  M.  Stephan  Reich: 
Archiv  für  Reformationsgeschichte  V  (1908),  69—76. 

Carlson,  Ernst.  FtJrdraget  mellan  Karl  XII  och  Kejsareni  Altranstädt 
1707.  Ett  Trähundräar.sminne.  Stockholm,  P.  A.  Norstedt  &  Söner. 
1907.    69  SS.    Mit  10  Taft'.    4". 

Giemen,   Otto.    Alexius  Chrosner,    Herzog  Georgs  von  Sachsen  evan- 
gelischer Hofprediger.     Leipzig,    M.  Hein.sius  Nachfolger.     1907. 
70  SS.    8». 
„  Etwas    vom    Katzenveit    auf    dem    Kohlenberge     bei    Zwickau: 

Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  39. 
„  Zur  ältesten  Geschichte  von  Schulpforta:     Mitteilungen    der  Ge- 
sellschaft   für    deutsche    Erziehungs-    und    Schulgeschichte  XVII 
(1907),  238-241. 
„  Ein  Bruderschafts-  und  Ablalsbrief  von  1485   [in  Zwickau]:  Zeit- 
schrift für  Kirchengeschichte  XXIX  (1908),  79!. 

V.  Griegern,  [Hermami  Ferdinand] .  Die  Priesterhäuser  der  Leipziger 
Thomaskirche:    Leipziger  Kalender  V  (1908),  137!.    Mit  Abb. 

— d — .  Das  Dresdner  Innungswesen  seit  Einführung  der  Gewerbe- 
freiheit:  Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  358.    S.  3. 

D.,  H.  Bemerkenswerte  Bäume  in  Sachsen:  Sachsen-Post  II  (1908). 
Heft  22.    S.  7—9.    Mit  3  Abb. 

U emmier ,  Heinrich.  Anteil  der  Bayrischen  Division  Raglovich  am 
Frühjahrsfeldzuge  181.3  [ii^  Sachsen]:  Darstellungen  aus  der 
Bayerischen  Kriegs-  und  Heeresgeschichte  XVI  (1907),   165 — 232. 

Uevrient,  Ernst.  Thüringische  Geschichte.  (Sammlung  Göschen. 
Band  352.)     Leipzig,  G.J.Göschen.    1907.    181  SS.    8". 

JJi — .  Die  Königlich  Sächsische  Po.st.  Ein  Erinnerung.sblatt:  Dresdner 
Anzeiger.    1907.    Nr.  360.    S.  35. 

Diederich,  Franz.  Die  freie  öffenthche  Bibliothek  Dresden -Plauen: 
Blätter  für  Volksbibliotheken  und  Lesehallen  VIII  (1907),  113 — 120. 


Literatur.  189 

Dieterich,  K.  Sozialpsychologische  Eindrücke  aus  deutschen  Grofs- 
städten.     i.  Leipzig:  Die  örenzboten  LXVI  (1907).    Nr.  42. 

Dietrich,  Rudolf.  Das  Christfest  zu  Lindenau  Anno  1632.  Aus  der 
Lebensliistorie  eines  alten  Magisters :  Leipziger  Kalender  V  (1908), 
49—56. 

Dittrich,  Max.     König  Albert  als  Heerführer.     Ein   deutsches  Feld- 
herrnleben.    Leipzig,    Friedrich   Engelmann.     1907.     71  SS.     Mit 
I  Bildnis.    8". 
„  Die  Sachsen  in  Rufsland  181 2.    Ein  Gedenkblatt  aus  der  Zeit  der 
Fremdherrschaft:  Der  Patriot  XIV  (1908).    Nr.  3. 

V.  Dobenccl-,  Alhan  Freiherr.  Geschichte  der  Familie  von  Dobeneck, 
verfafst  von  Alban  Frhr.  v.  Dobeneck,  herausgegeben  und  mit 
Dlustrationen,  Nachträgen  und  Register  versehen  von  Arnold 
Frhr.  v.  Dobeneck.  (Als  Manuskript  gedruckt.)  Schöneberg- Berlin, 
Druck  von  Gebhardt,  Jahn  &  Landt.  1906.  (IV),  512,  (20)  SS.  Mit 
Taft".,  Abb.  u.  16  Stammtafeln.    4". 

DodgsOH,  Campbell.  Die  Wappen  Peter  Apians  von  Michael  Osten- 
dorfer:    Monatshefte  für  Kunstwissenschaft  I  (1908),   35 — 39.     Mit 

3  Abb. 

Doehler,  Gottfried.  Riedel-Gedenkbuch  mit  Beiträgen  vogtländischer 
und  stammverwandter  Dichter  und  Künstler.  Im  Auftrag  des 
Festausschusses  für  die  60.  Geburtstagsfeier  unsres  vogtländischen 
Volksdichters  L.  Riedel  herausgegeben.  Plauen,  Verlag  „Unser 
Vogtland".    1907.    VIII,  94  SS.    Mit  Taft'.    8". 

Doengvs,  Willy.  Meifsner  Porzellan,  seine  Geschichte  und  künst- 
lerische Entwicklung.  Mit  4 farbigen  Vollbildern,  16  Doppelton- 
drucktafeln, 2  Blautafeln,  i  Brauntafel,  249  Abbildungen  im  Text, 
I  Faksimile  und  i  MarkenalDbildung.  Berlin,  Marquardt  &  Co. 
(1908.)    XII,  30«;  SS.    8'\ 

Dohrn,  Wolf.  Hellerau.  Eine  Gartenvorstadt  bei  Dresden:  Dresdner 
Anzeiger.    1908.    Nr.  55.    S.  2! 

DfrescherJ,  G.    Aus  der  Vorzeit  unserer  Heimat.    II :  Der  Leipziger  II 
(1907),  925  —  928.    Mit  Abb. 
„  Die  Leipziger  Promenade  vor  hundert  Jahren:  ebenda  951  f.    Mit 

Abb. 
„  Alt-Leipziger  Höfe:  ebenda  1163!".    Mit  4  Abb. 
,,  Von    der   Leipziger    Schützen  -  Gesellschaft :    ebenda    iigif.     Mit 

4  Abb. 

E.,  H.     Das  Jubiläum  der  Hocksteinhütte:  Über  Berg  und  Thal  XXX 

(19071,  207. 
Ehrlich,    Artved.      Die    innere    Organisation    der    Leipziger    Nicht- 

verbindungsstudenten    vor    40  Jahren:    Finkenblätter  II    (1906/7), 

13—15- 
Einfeldt,  W.     Slaven,  .speziell  Polen,  Tschechen,  Wenden.    München, 

A.  Reusch.    (1907.)    95  SS.    8". 
Endeil,  Mary.     Dresden.    History,    Stage,  Galler)^     Illustrated  with 

ten  mezzotints,  and  book-decorations  by  Fritz  Endell.     Dresden, 

Johannes  Seifert.    1908.    X,  212  SS.    8". 
Erhard,  Theodor.    Über  die  Entwickelung  des  Studiums  an  der  Frei- 

berger  Bergakademie  von  ihrer  Eröffnung  im  Jahre  1766  bis  zur 

Gegenwart.    Antrittsrede  bei  Übernahme  des  Rektorates  der  Kgl. 

Sachs.  Bergakademie  für  das  142.  Studienjahr,  gehalten  am  13.  No- 

vember   1907.      Freiberg,    Craz  &  Gerlach    (Joh.  Stettner).     1908. 

25  SS.    8". 


190 


Literatur. 


d'JSrmite,  W.  Sächsische  Soldatenehre  und  Ehrenstrafen  im  18.  Jahr- 
hundert: Dresdner  Neueste  Nachrichten.    1908.    Nr.  37.    S.  it. 

Escherich,  Mela.  Ludwig  Richter  und  seine  Kunst.  (Deutsche  Kunst- 
Hefte.  Nr.  3.)  Stuttgart,  K.  A.  E.  Müller.  (1907.)  40  SS.  Mit 
50  Abb.    4". 

V.  Feilitsch,  Erwin.  Die  Beziehungen  der  Stadt  Schandau  zu  den 
sächsischen  Fürstenschulen:  Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907), 
198 — 200.  213  —  215. 

Feyerabeiid.  Der  gegenwärtige  Stand  der  vorgeschichtlichen  For- 
schung in  der  Oberlavisitz :  Korrespondenzblatt  der  Deutschen 
Gesellschaft  für  Anthropologie  XXXVII  (1906),  88  —  91. 

Finck,  Emil.     Erzgebirgs- Museum :  Glückauf  XXVII  (1907),  155 — 157. 

Findeisen.  Aus  dem  Wachtjournale  der  Bürgerwache  zu  Eibenstock 
a.  1843/44:   Sachsen-Post  II  {1908).    Nr.  13.    S.  7 — 10.    Mit  12  Abb. 

Fischer,  Adolf.  Aus  der  „Lausizischen  Monatsschrift":  Vierteljahrs- 
schrift  für  Wappen-,  Siegel-  u.  Familienkunde  XXXVI  (1908), 
I — 29. 

Fischer,  Kurt.  Eine  Studie  über  die  Eibschiffahrt  in  den  letzten 
100  Jahren  unter  spezieller  Berücksichtigung  der  Frage  der  Erhebung 
von  Schiffahrtsabgaben.  (Sammlung  nationalökonomischer  und 
statistischer  Abhandlungen  des  staatswissenschaftlichen  Seminars 
zu  Halle  a.  d.  S.,  herausgegeben  von  Joh.  Conrad.  58.  Band.)  Jena, 
Gustav  Fischer.    1907.    XVI,  269  SS.    8". 

Flake,  0.   Die  Theaterstadt  Leipzig:  Die  Schaubühne  II  (1907).  Nr.  34. 

Flössel,  Ernst  M.  Robert  Blum  und  Sachsen.  Zum  100.  Geburtstag 
am  10.  November:  Dresdner  Neueste  Nachrichten.    1907.    Nr.  305. 

Forwerg,  Martin.  Gesetzeszustimmung  und  Bewilligung  im  König- 
reiche Sachsen.  (Leipziger  Diss.l  iBonia- Leipzig,  Buchdruckerei 
Robert  Noske.    1907.    VIII,  69  SS.    8". 

V.  Frcytag- Loringhoven,  Freiherr.  Kriegslehren  nach  Clausewitz  aus 
den  Feldzügen  181 3  und  18 14.  Mit  15  Anlagen  und  4  Skizzen  im 
Text.     Berlin,   Ernst  Siegfried  Mittler  &  Sohn.    VIII,  156  SS.    8". 

Fuchs,  Gerhard.  Christian  Gottlob  Leberecht  Grofsmann,  der  Leip- 
ziger Superintendent,  ein  Bannerträger  evangelischer  Kultur.  Ein 
Gedächtnisblatt  zu  seinem  50.  Todestag.  Leipzig,  Arwed  Strauch. 
1907.    59  SS.    Mit  Bildnis.    8". 

Fuchs,  K.  Zur  Erinnerung  an  die  Konvention  von  Altranstädt 
(22.  August  1707):  Der  Leipziger  II  (1907),  949f.  972.    Mit  Abb. 

Gaul,  M.  Zum  Ausbau  des  Marktplatzes  in  Aue:  Der  Städtebau  V 
(1908).    Heft  I. 

Gensei,  Julius.     Prellers  Odysseelandschaften    aus    dem    Römischen 

Haus  in  Leipzig:  Die  Grenzboten  LXVI  (1907),  II,  583 f. 
„  Aus  [Friedrich]  Rochlitzens  Briefen  an  Henriette  Voigt  [in  Leipzig]: 
Leipziger  Kalender  V  (1908),  103  —  124.    Mit  i  Bildnis. 

Gerhardt,  Friedrich.  Geschichte  der  Stadt  Weifsenfeis  a.  S.  mit  neuen 
Beiträgen  zur  Geschichte  des  Herzogtums  Sachsen -Weifsenfeis. 
Weifsenfeis,  R.  Schirde\yahn.    1907.    XVI,   398  SS.    Mit  Taft'.    8". 

Germanilcus.  Politische  Briefe  aus  Sachsen  i  —  4:  Die  Grenzboten 
LXVI  (i<;o7),  I,  77—80.  179  —  186. 

Glootz.    Schandaus  Ent^vicklung  zur  Bade-  und  Fremdenstadt:  Über 

Berg  und  Thal  XXX  (1907),' 197!".    Mit  Abb. 
„  Die  erste  Instandsetzung  der  Sächsischen  Schweiz  für  den  Fremden- 
verkehr und  die    Errichtung  und  Verpachtung  von  Wirtschaften 
auf  den   besuchtesten   Punkten:    ebenda   XXXI   (1908),    241  —  243. 
250 — 252.    (Schlufs  folgt.) 


Literatur. 


191 


Goldfriedrich,  Johannen.  Geschichte  des  deutschen  Buchhandels  vom 
WestfäHschcMi  Frieden  bis  zum  Beginn  der  klassischen  Literatur- 
periüde.  (1648  — 1740.)  (Geschichte  des  deutschen  Buchhandels. 
Im  Auftrage  des  Börsenvereins  der  deutschen  Buchhändler  heraus- 
gegeben von  der  historischen  Kommission  desselben.  Band  2.) 
Leipzig,  Geschäftsstelle  des  Börsen  Vereins  der  deutschen  Buch- 
händler.   1908.    XVI,  552  SS.    8". 

Göpfert.  Von  unserer  Ortsgrvippe  Fi'auenstein  i.  Erzgeb.  Jahres- 
bericht 1906:  Der  BurgAvart  IX  (19071,  14—17.    Mit  2  Abb. 

Grahowski,  Joseph.  Memoires  militaires  de  Joseph  Grabowski,  officier 
ä  l'^tatmajor  imperial  de  Napoleon  ler  1812 — 1813— 1814.  Publi^s 
par  M.  Waclaw  Gasiorowski.  Traduits  du  polonais  par  Jan 
V.  Chelminski  et  le  commandant  A.  Malibran.  Paris,  Plon-Nourrit 
et  Cie.  1907.  IX,  311  SS.  Mit  i  Bildnis.  8".  (Behandelt  u.  a.  den 
Feldzug  in  Sachsen.) 

Graul.  Meisterwerke  der  Kunst  aus  Sachsen  und  Thüringen :  Kunst- 
gewerbeblatt.   N.  F.    XVII  (1906),  115—118.    Mit  Abb. 

Gretschel,  E.  Die  Weihe  des  Kesselsdorfer  Gedenksteins :  Über  Berg 
und  Thal  XXXI  (1908),  244  f.    Mit  i  Abb. 

Grohberger,  B.  Zwei  neue  sächsische  Dorfkirchen  (Kipsdorf  und 
Zinnwald):  ebenda  252 — 254.    Mit  4  Abb. 

Große,  Otto.  Prinz  Xaver  von  Sachsen  und  das  sächsische  Korps 
bei  der  französischen  Armee  1758  — 1763.  (Leipz.  Diss.)  Leipzig  1907. 
92  SS.    8". 

f  Günther  J.  Jugend -Erinnerungen  einer  Grofsmutter  [in  Dresden]. 
1.  Heft.  Dresden,  C.  C.  Meinhold  &  Söhne  in  Komm.  (1908.) 
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Kunstdenkmäler  des  Königreichs  Sachsen.  Unter  Mitwirkung  des 
K.  Sächsischen  Altertumsvereins  herausgegeben  von  dem  K.  Säch- 
sischen Ministerium  des  Innern.  30.  Heft:  Zittau  (Stadt).  Dresden, 
C.  C.  Meinhold  &  Söhne  in  Komm.  1907.  292  SS.  Mit  Taflf.  u. 
Abb.  8". 
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Haebler,  Konrad.  Der  Capotius- Drucker  =  Martin  Land.sberg  [in 
Leipzig]:  Beiträge  zur  Inkunabelkunde  II  (1908),  1  —  7.  Mit 
2  Taftr 
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öff.  Bibliothek  zu  Dresden] :  Zentralblatt  für  Bililiothekswesen  XXR'' 
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HaUendcrff,  Carl.  Handlingar  angäende  Konung  August  den  Starkes 
Utrikespolitik  före  hans  Afsättning  är  1704  utgifna  af  Kungl. 
Samfundet  för  Utgifvande  af  Handskrifter  rörande  Skandinaviens 
Historia.  (Historiska  Handlingar  Del.  19.  Nr.  2.I  Stockholm,  P.  A. 
Nor.stedt  &  Söner.    1908.    X,  272  SS.    8". 

V.  Hammer  stein -Equord,  Heino  Freiherr.  Beiträge  zur  Genealogie 
der  Familien  v.Hammerstein,v.01dershausen,v.Gustedt,v.  Fl emming. 
Bearbeitet  und  mit  Ouellenangalien  versehen.  (S.-A.  aus  Viertel- 
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C.A.Starke.    1907.    93  SS.    8". 

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Literatur. 


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Übersichtskarte  und  6  Profilen,  sowie  einer  topographischen  und 
einer  orohydrographischen  Karte.  (Landschaftsbüder  aus  dem 
Königreiche  Sachsen.  Unter  Mitwirkung  bewährter  Fachleute 
heraus2;egeben  von  Emil  Schöne.)  Meifsen,  H.  W.  Schlimpert, 
1908.    tili),  160  SS.    8". 

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und  Umgegend  betroffen,  nebst  lairzer  Berück.sichtigiuig  der 
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Druck  von  O.  &  R.  Becker.  1908.  125  SS.  8". 
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Bild  aus  der  Geschichte  Sachsens:  Rochlitzer  Tageblatt.  1907. 
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Literatur. 


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Königlichen  und  üniversitäts- Bibliothek  zu  Breslau  befindlichen 
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pistrans.  2.  Folge;  Materia  trigmta  sex  sermonibus  Lipsiae  prae- 
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in  Komm.  (1907.)»  S.  329 — 504.  8". 
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v.  Gersdorfs,  gehalten  am  16.  Juni  1907  im  Kretscham  zu  Meffers- 
dorf:  Neues  Lausitzisches  Magazin  LXXXIII  (1907),  265 — 272. 
„  Adolph  Traugott  v.  Gersdorf,  fein  Gedenkblatt  zu  seinem  100- 
jährigen  Todestage  (am  16.  Juni  1807):  Görlitzer  Nachrichten  und 
Anzeiger.  1907.  Nr.  140.  —  Neuer  Görlitzer  Anzeiger.  1907. 
Nr.  140.  —  Schlesische  Zeitung.  1907.  Nr.  415.  —  Niederschlesische 
Zeitung.    1907.    Nr.  141. 

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..  Dr.   ("urt    v.    Raab:    Über   Land    und   Meer    IC    (1908).     Nr.    19. 
S.  484. 

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schiffahrt" vom  II.  Mai  1907  in  Dresden.  (Sonderdruck  aus  der 
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Deutsche  Buch-  und  Kunstdruckerei.    7  SS.    Mit  10  Abb.    4". 

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Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1908.   Nr.  3. 

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das  Wiener  Prognostikon.  Zwei  wiedergefundene  Flugblätter  aus 
der  Presse  des  Pamphilus  Gengenbach  in  Basel:  Zeitschrift  für 
Bücherfreunde  XI  (190708),  411 — 416.  • 

Koetschau,  Karl.  Die  Generaldirektion  der  Königlich  Säch.sischen 
Sammlungen.  (Ein  Nachwort  zu  dem  Aufsatz  von  E.  v.  Ubisch): 
Museumskunde  IV  (1908),  7  — 11.  (Dazu  Entgegnung:  Dresdner 
Anzeiger.    1908.    Nr.  39.    S.  2!.    Erwiderung:  ebenda  Nr.  44.   S.  3.) 

Kohiit,    Adolph.      Anton    Philipp    Reclam.      Ein    Gedenkblatt     zum 
IOC.    Geburtstage:     Comenius- Blätter     für    Volkserziehung    XV 
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die  Vorschriften  für  die  Kandidaten  der  Theologie  und  des  Predigt- 
amts in  der  evangelisch-lutherischen  Landeskirche  des  Königreichs 
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tischen Gebrauclie  bearbeitet  für  die  Herren  Ephoren,  KoUatoren, 
Bewerber  um  geistliche  Stellen  und  Kandidaten,  sowie  für  die 
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Kroker,  Ernst.  Beiträge  zur  Geschichte  der  Stadt  Leipzig  im  Refor- 
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der  Stadt  Leipzig.  IV.)  Leipzig,  J.  B.  Hirschfeld.  1908.  (II),  134  SS. 
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im  Reformationszeifalter.  —  Doktor  Georg  Curio,  Luthers  Leib- 
arzt. —  Heinz  Probst,  ein  Leipziger  Wucherer.  —  Doktor  Kaspar 
Deichsel,  ein  Leipziger  Gottesgelehrter.  —  Die  sächsischen  Berg- 
werke   und    Leipzig:    Martin    Leubel,    Heinz    Schcrl.    —    Georg 


Literatur.  loc 

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Lange,  Heinrich.  Der  Umbau  des  alten  [Leipziger]  Rathauses: 
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Max  Mauersberger.    (1907.)    24  SS.    qu.-4". 

Lindner,  B.  Das  erste  Winzerfest  in  der  Löfsnitz:  Mitteilungen  des 
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Lingke,  A.    Der  Streittag,   ein  Bergfeiertag  der  Freiberger  Knapp- 
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[Lippert,  WoldcmarJ  General  der  Infanterie  z.  D.  v.  Raal ) :  Dresdner 
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Laewi/,  Willy.  Weinböhla:  Sachsen-Post  II  (1907).  Nr.  56.  S.  5—7. 
Mit  Abb. 

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LIrkundliche  Beiträge  zur  Obersächsischen  Landes-  und  Orts- 
";eschichte  in  Re'gesten  vom  12.  bis  Mitte  des  16.  fahrhunderts. 
IV.  Band:  Die  Ostmark  (Niederlausizi  und  Fürstentum  Sachsen, 
Oberlausiz,  Sagan-Nordl)öhmen.  Mit  6657  Regesten,  19  Tafeln, 
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Martell,  Paul.  Die  Kr)nigliche  Bibliotliek  zu  Dresden:  Archiv  für 
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13* 


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Meiner,  Felix.  Bodenspekulation  und  Recht  der  Stadterweiterung 
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Merkd,  Richard.  Ein  jesuitischer  Hochstapler  in  Leipzig  (1645): 
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für  Wappen-,  Siegel-  u.  Familienkunde  XXXVI  (1908),  62 — 78. 

Mitzschke,  Faul.  Das  Naumliurger  Hussitenlied.  Ein  Beitrag  zur 
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Mit  Bildnissen,  Noten  und  einem  Bogen  Karikaturen  von  1832. 
Naumburg,  J.  Domrich.    1907.    32  SS.    8". 

Moltke,  Siegfried.  Das  „Königshaus"  in  Leipzig:  Leipziger  Kalender  V 
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Mucke,  jEriist.  Deutsches  Inhaltsverzeichnis  der  wendischen  wissen- 
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Müller,  Gurt.  Gevatterbitten:  Mitteilungen  des  Vereins  für  Sachs. 
Volkskvmde  IV  (1907),  217  -220. 

Midier,  Georg.  Königin  Carola  und  die  praktische  Mädchenerziehung 
in  Sachsen.  Ansprache  bei  der  Trauerfeier  in  der  Carolaschule: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  51. 

MiÜler,  J.  Th.  Das  Aeltestenamt  Christi  in  der  erneuerten  Brüder- 
kirche: Zeitschrift  für  Brüdergeschichte  I  (1907),  1  —  32. 

Müller,  Karl.  Luther  und  Karlstadt.  Stücke  aus  ihrem  gegenseitigen 
Verhältnis.  Tübingen,  J.  C.  B.  Mohr  (Paul  Siebeck).  1907.  XVI, 
243  SS.    8". 

Xauiiiann,  A.  Der  Schandauer  Pflanzengarten  mit  seinen  im  Jahre 
1907  fertiggestellten  Neuanlagen:  Über  Berg  und  Thal  XXXI 
(1908),  263"— 265.    Mit  Plan. 

Keedon,  E.  Beiträge  zur  Geschichte  des  Bautzner  Gymnasiums 
(Forts.):    Neues  Lausitzisches  Magazin  LXXXIII  11907),    196 — 229. 

"„  Vorgeschichtliches  aus  der  Lausitz :  Wissenschaftliche  Beilage  der 
Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  2. 

Neapcrt,  Alwin.  Üljersicht  über  erschienene  Schriften  und  Aufsätze 
zur  Geschichte,  Landes-  vuid  Volkskunde  des  Vogtlandes.  (Mit- 
teilungen des  Altertumsvereins  zu  Plauen  i.  V.  19.  Jahresschrift 
auf  die  Jahre  1908 -1909.  Herausgegeben  vom  Vereins -Vorstand. 
Beilageheft.)  Plauen,  R.  Neupert  jr!  1908.  IV,  96  SS.  8". 
„  Heinrich,  der  unechte.  Ein  trübes  Bild  aus  der  Geschichte  des 
fürstlichen  Hauses  Plauen:  Plauener  Sonntags -Anzeiger.  (1907.) 
Nr.  1454a  und  1455a. 
„  Schlofs  Reusa,  seine  Vorbesitzer  und  der  durch  eingeworfene 
Fehdebriefe  daselbst  im  Jahre  1746  erregte  Aufstand,  nach  einem 
Aktenstück  aus  dem  Reusaer  Schlofsarchiv:  el^enda  Nr.  1457  a. 


Literatur.  loy 

Niecks,  Fr.  The  Sons  ot"  |.  S.  Bach:  f.  C.  Friedrich  and  \V.  Friede- 
mann Bach.  I.:  Monthly  Musical'  Record  XXXVHI  (190708). 
Nr.  446. 

Kimpfer,  J.  Theodor  Kömers  Lustspiele  und  ilir  \'erhältnis  zu 
Kotzebue.  Ein  Beitrag  zur  Charakteristik  des  Dramatikers  Körner: 
Zeitschrift  für  die  österreicliischen  Gymnasien  L\TII  (1907).  Heft  11. 

f.  Oettiiigen,  Wolf  gang.  Aus  stiller  Werkstatt.  Natur  und  Kunst. 
Erlebtes  und  Erdachtes.  Leipzi»;,  Klinkhardt  &  Biermann.  1908. 
IV,  389  SS.  8**.  (Darin  S.  109 -117:  Die  sehr  beliebte  Sixtinische 
Madonna.  S.  195 — 198:  Einige  Gemälde  von  Sascha  Schneider. 
S.  204—211:   Adrian  Ludwig  Richter.) 

F.  Die  handschriftlichen  Schätze  der  Deutschen  Gesellschaft  zu 
Leipzig:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  5. 

Pullas,  Karl.  Die  Registraturen  der  Kirchenvisitationen  mi  ehemals 
sächsischen  Kurkreise.  Herausgegeben  von  der  Historischen  Kom- 
mission für  die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzogtum  Anhalt. 
2.  Teil:  Die  Ephorie  Bitterfeld.  (Geschichtsquellen  der  Provinz 
Sachsen  und  angrenzender  Gebiete.  Band  41.  2.  Abteilung.  2.  Teil.) 
Halle,  Otto  Hendel.    1907.    XXIV,  368  SS.    8". 

Fankow,  Hans.  Die  Besiedelung  unseres  Vaterlandes.  Eine  histo- 
rische Skizze:  Sachsen-Post  if  (1908).  Nr.  71.  S.  if.  Nr.  72.  S.  2 f. 
Nr.  73.    S.  2 — 4. 

Fastor,  Ludwig.  Der  Unsprung  des  Schmalkaldischen  Krieges  und 
das  Bündnis  zwischen  Papst  Paul  III.  und  Kaiser  Karl  V.':  Histo- 
risch-politische Blätter  für  das  kathoHsche  Deutschland  CXLI 
(1908),  225—240. 

FfeterJ,  H.  Zur  \'ollendung  der  Meifsner  Domtümie.  Ein  Kapitel 
aus  einer  Geschichte  Meilsens:  Meifsner  illustriertes  Unterhaltungs- 
blatt. Mitt^vochs  -  Beilage  zum  Meifsner  Tageblatt.  1907.  Nr.  34. 
S.  265  —  270.    Mit  4  Abb. 

Pfeffer,  Georg.  Gottlob  Regis  [Leipziger  Schriftsteller],  ein  Kapitel 
aus  seinem  Leben :  Beilage  zur  Allgemeinen  Zeitung.  1906.  Nr.  145. 

Pßster,  Albert.  Auf  der  Strafse  von  Leipzig  nach  Erfurt  im  Herbst 
181 3:  ebenda  1907.    Nr.  188. 

Philipp,  Albrecht.  August  der  Starke  und  die  Pragmatische  Sanktion. 
(Leipziger  Historische  Abhandlungen,  herausgegeben  von  E.  Bran- 
denburg, G.  Seeliger,  U.  Wilcken.  Heft  IV.)  Leipzig,  Quelle  & 
Meyer.    1908.    XV,  139  SS.    8". 

Pietzsch.  Aus  schwerer  Zeit  des  Ortes  Bräunsdorf:  Glückauf  XXVIl 
(1907),  146—149. 

Pilk,  Jur.  Kurwjerch  August  Sakskj  a  Serbowstwo:  Casopis  Macicy 
Serbskeje  LX  (1907),  2,  81 — 84. 

Finder,  Wilhelm.  Ein  Gruppenbildnis  Friedrich  Tischbeins  in  Leipzig: 
Kunst\vissenschaftliche  Beiträge,  August  Schmarsow  gewidmet  . "  . 
Leipzig,  Karl  W.  Hiersemann.    1907."  S.  170—178.    4"."  Mit  i  Tafel. 

Prümers,  Adolf.  Berühmte  Thomaskantoren  und  ihre  Schüler:  Blätter 
für  Haus-  und  Kirchenmusik  XII  (1907  08).    Nr.  3  f. 

Eeichel,  G.  u.  J.  Th.  Müller.  Zinzendorts  Tagebuch  1716 — 17 19:  Zeit- 
schrift für  Brüdergeschichte  I  (1907),  113—191. 

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vatoriums in  Dresden:  Zeitschrift  der  Internationalen  Musik-Gesell- 
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I  q8  Literatur. 

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Leipzig;]:  Leipziger  Kalender  V  (1908),  131 — 137.    I\'Iit  Abb. 

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schichte des  Königreichs  Sachsen  aus  den  Jahren  1905  und  1906. 
(Mit  Nachträgen  aus  früheren  Jahren.)  Nachtrag  6.  Herausgegeben 
vom  Verein  für  Erdkunde  zu  Dresden.  (Sonderabdruck  aus  den 
Mitteilungen  des  Vereins  für  Erdkunde.  Heft  6.)  Dresden,  Wilhelm 
Baensch.    1907.    IV,  80  SS.    8". 

Hocke,  G.  August  Israel:  Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  deutsche 
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Roth,  F.  Der  offizielle  Bericht  der  von  den  Evangehschen  nach 
Regensburg  Verordneten.  1546.  1.:  Archiv  für  Reformation.s- 
geschichte  V  (1908),  i  —  30. 

Roiher,  R.  Stadt  und  Schlofs  Waldheim  i.  S.:  Sachsen-Post  II  U908). 
Heft  23.    S.  7— 10.    Mit  5  Abb.    (Fortsetzung  folgt.) 

Ridinff,  Georg.  Zur  Geschichte  der  Papiermühlen  Kursachsens: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  45. 

Ruß,  Ralph.  Afranisches  Ecce  1907.  12.  Heft.  Dresden,  Niederlage 
des  Vereins  ehemaliger  Fürstenschüler.  1907.  (II),  67  SS.  Mit  Bild- 
nissen.   8 ". 

S.,  F.  W.  Das  Wahrzeichen  der  Nicolaikirche  in  Leipzig:  Der  Leip- 
ziger II  (1907),  1313.    Mit  Abb. 

Sauppe.  Geschichte  der  Burg  und  des  Cölestinerklosters  Oybin 
(Forts.):   Neues  Lausitzisches  Magazin  LXXXIII  (1907),   110  — 195. 

Sauzey.  Les  Allemands  sous  les  Aigles  Fran^aises.  Essai  sur  les 
Troupes  de  la  Conf6d6ration  du  Rhin  1806 — 1813.  III:  Les  Saxons 
dans  nos  Rangs.  Paris,  R.  Chapelot  et  Co.  1907.  (II),  265  SS. 
Mit  Taff.    8". 

Schenkel.  Das  Kruzilix  auf  der  neuen  Augustusbrücke  in  Dresden: 
Sächsisches  Kirchen-  vmd  Schulblatt.    1908.    Sp.  113 — 115.. 

Scheiiffler,  Heinrich  Johannes.  Grimmaisches  Ecce  1907.  28.  Heft. 
Dresden,  Niederlage  des  Vereins  ehemaliger  Fürstenschüler.  1907. 
(II),  69  SS.    Mit  Bildnis.sen.    8". 

Scheumann ,  A.  Richard.     Das   Richard  Wagner-Haus  zu  Graupa  bei 

Dresden:  Neue  Musik-Zeitung  XXVIII  (1^907),  479 f.    Mit  i  Ansicht. 

„  Carl  Maria  v.  Webers  Erholungs-  und  Arbeitsstätte  in  Hosterwitz 

bei  Dresden:  ebenda  XXIX  (1907),  14  —  16.    Mit  4  Abb. 
„  Sängerveteranen  vom  I.  Deutschen  Sängerl^undcsfest  zu  Dresden 
1865:  Die  Sängerhalle  XLVIII  (1908).    Nr.  3—6. 

Schlosser,  Heimann.  Pechgewinnung  und  Pechbereitung  in  früherer 
Zeit:  Glückauf  XXVII  (1907),  i72i. 

Schluttig,  M.  Chronik  der  Gemeinde  Thalheim  i.  Erzgeb.  i.  Die 
politische  Gemeinde.  2.  Die  Kirchgemeinde.  3.  Die  Pfarre.  4.  Die 
Schulgemeinde.     Thalheim,   Gustav  Hofmann.    (1906.)    58  SS.    8". 

Schmidt,  Berthold,  und  Karl  Knab.  Reufsische  Münzgescliichte. 
Bearbeitet  unter  Mitwirkung  des  Geh.  Hofrats  Dr.  J.  Erbstein. 
Dresden,  Verlag  der  Numismatischen  Gesellschaft.  1907.  V, 
283  SS.    Mit  17  Taff.    8". 

Schmidt,  Hermann.     Der    Bielplatz  bei  Georgewitz:    Aus  deutschen 
Bergen  XXII  (1907),  81—85.    Mit  3  Abb. 
„  Prähistorisches  aus  der  Oberlausitz:    Sächsischer  Postillon.    1907. 
Beilage  zu  Nr.  199. 

Schmidt,  Otto  Eduard.  Fouque,  Apel,  Miltitz.  Beiträge  zur  Ge- 
schichte der  deutschen  Romantik.  Mit  12  Jllustrationen  und 
2  Musikbeilagen.    Leipzig,  Dürr.    1908.    220  SS.    8". 


Literatur. 


199 


Schmidt,  Otto  Eduard.  Auiiust  Ai)^,  eine  Studie  aus  dem  alten 
Leipzig:  Die  Grenzboten' LXVI  (1907).    Nr.  47!". 

Schmidt,  IVatther  E.  Das  religiöse  Leben  in  den  ersten  Zeiten  der 
Brüderunitiit:  Zeitschrift  für  Brüdergeschichte  I  (1907),  33—92. 

Schneider,  Bernhard.  Der  wendische  Hochzeitsbitter  (Bra§ka).  Ein 
Beitrag  zur  sächsischen  Volkskunde:  Mitteilungen  des  Vereins 
für  .Sachs.  Volkskunde  1\'  (1907),  220—226.  263--271.  Mit  Musik- 
noten. 

Schön,  Theodor.  Zwei  Württemberger  als  chursächsische  Leib- 
chirurgen [Johann  Friedrich  Weifs  und  Wittel,  iS.Jahrh.]:  Medi- 
cinisches  Corresp(jndenz-Blatt  des  Württembergischen  ärztlichen 
Landesvereins  LXXVII  (1907),  775  f. 
„  Das  Räu1)erunwesen  im  Scheinburgischen  während  des  17.  und 
18.  Jahrhunderts:  Schönburgischer  Hauskalender  avif  das  Schalt- 
jahr 1908.    vS.  25  -  31. 

Schröder,  Ferdinand.  Maria  Kunigunde.  von  Sachsen  (1740 — 1826), 
letzte  Aebtissin  von  Essen.  E.ssen,  Fredebeul  &  Koenen.  1907. 
47  SS.    Mit  3  Taff.    8". 

V.  Schröttcr,  Friedrich  Freiherr.  Das  Münzwesen  Brandenburgs 
während  der  Geltung  des  Münzfufses  von  Zinna  und  Leipzig: 
Hohenzollern-Jahrlxich  XI  (1907),  63—74.    Mit  28  Abb. 

Schulze,  F.  Die  Leipziger  Bibliotheken  im  Jahre  1779:  Das  schwarze 
Brett  VI  (1908),  195! 

Schurig,  Arthur.  Fi'iedrich  August  der  Starke.  Ein  zeitgenössisches 
Charakterliild.  Aus  dem  unveröffentlichten  Originalmanuskript 
von    1722    übertragen:     Frankfurter    Zeitini^  und    Handelsblatt. 

1907.  Nr.   246.    (Dazu    Bemerkungen   von    Paul    Haake    ebenda 
Nr.  250,  Schurig  ebenda  Nr.  254,  Haake  ebenda  Nr.  261.) 

.,  Ein  Gang  durch  Dresden  vor  80  Jahren.    Nach  einem  vergessenen 

Buche  von  W.  v.  Lüdemann  und  alten  Aufzeichnungen:  Dresdner 

Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  i. 
Sfchiirig],  Efuqen].     Das   2.  Jägerbataillön    Nr.  13    fünfundzwanzig 

jähre  in  Dresden.     1882  —  30.  September  —  1907:  Der  Kamerad 

XLV  (1907).    Nr.  39.    S.  2 f. 
,,  Sächsische  Künstler  im  W^afl'enrock.   V — X:  ebenda  Nr.  39.  S.  17. 

Nr.  40.    S.  i8f.    Nr.  41.    S.  17!    Nr.  50.   S.  9!    XLVI  (1908).    Nr.  1. 

S.  17  —  19.    Nr.  5.    S.  lyf.    Nr.  9.    S.  17 — 20. 
,,  Neunzig  Jahre  Garde-Reiter-Herrenwache  [im  Dresdner  Schlois]. 

1817 — 1907:  ebenda  XLV  (1907).    Nr.  52.    S.  3f. 
,,  Die    Sächsischen   Eisenbahnen   während    des    Feldzuges    1870  71. 

I-III:  ebenda  XLVI  (1908).    Nr.  3.  S.  18.    Nr.  4.  S.  17—20.    Nr.  6. 

S.  lyf.    Nr.  7.    S.  17 f. 
..  Der  Philosoph  Fichte  und  die  Herren  von  Miltitz:  ebenda  Nr.  8.  S.  2. 
Schubter,  Georg.     Die  Verwandtschaft  der  Häuser  Hohenzollern  und 

Wettin:     Hohenzollern -Jahrbuch    XI    (1907),     109  —  154.       ?Jebst 

3  Konsanguinitätstafeln. 
Schivabe,  Ernst.    Pläne  und  Versuche,  uni  in  Kursachsen  eine  Ritter- 
akademie zu  errichten:  Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  deutsche 

Erziehungs-  und  Schulgeschichte  XVII  (1907),  89  —  112. 
Schweitzer,   Albert.     ].  S.  Bach.     Vorrede  von  Charles  Marii-  Widor. 

Leipzig,  Breitkopf  &  Härtel.    1908.    XVI,  844 -SS.   Mit  i  Bildnis.    8". 
Seeliger,  E.  A.     Geschichte  der  Heimat.     Für  Schule  und   Haus    in 

L()bau  und  Umgeliung.     Im  Auftrage  des  Pädagogischen  Vereins 

zu  Löbau  herausgegel)en.     Li Jbau,  j.  G.  Walde  (Woldemar  Marx). 

1908.  100  SS.    8". 


ZOO  Literatur. 

Üceliger,  E  A.  Exulanten  aus  der  Herrschaft  Rumburg  1652  [iu 
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Siyffarth,  W.  Die  Lage  der  akademisch  gebildeten  Lehrer  an  den 
sächsischen  Seminaren.  Herausgegeben  vom  Ausschuis  der  \'er- 
einigung  akademisch  gebildeter  sächsischer  Seminarlehrer.  Als 
Manuskript  gedruckt.  Dresden,  Druck  von  Oscar  Siegel.  (1907.) 
13  SS.    8". 

Siehmacher,  J.  Grofses  und  allgemeines  Wappenbuch  in  einer  neuen 
vollständig  geordneten  und  reich  vermehrten  Auflage  mit  heral- 
dischen und  historisch-genealogischen  Erläuterungen  neu  heraus- 
§egeben.  VL  Band.  12.  Abteilung:  Der  abgestorbene  Adel  der 
ächsischen  Herzogtümer,  bearbeitet  von  G.  A.  v.  Mülverstedt. 
Nürnberg,  Bauer  «Sc^Raspe.    1907.    IV,  118  SS.    Mit  88  Taff.    4". 

S[igisviHn]d,    EfrnstJ.     Theobald  v.  Oer    und    Dresden:    Dresdner 

^    Anzeiger.    1907.    Nr.  280.    S.  2. 

Siinak,  J.  V.  Bohemica  v  Lipsku.  ^  [ßoheinica  in  Leipzig.]  (Histo- 
ricky  Archiv  vydävä  L  tfida  Ceske  Akademie ^Cisafe  Frantiska 
Tosefa  pro,  vedy,  slovesno.st  a  umeni  v  Praze.  Cislo  29.)  V  Praze, 
NäklademCesk^  Akademie  Cisafe  Frantiska  Josefa  pro  vedy,  sloves- 
nost  a  umeni.    1907.  117  SS.    8". 

Skolh,  H.  Geschichtliches  über  das  Quellgebiet  der  Neunzehnhainer 
Talsperre:  Wissenschaftl.  Beilage  der  (Chemnitzer)  Allgemeinen 
Zeitung.    1907.    Nr.  27  f 

Speck,  Oskar.  Der  Sonnenstein  als  Festung:  Über  Berg  und  Thal  XXX 
(1907),   229—232. 

Stocket,  Albert.  In  Leid  und  Lust!  Grüfse  aus  Gottes  Wort  an 
seine  liebe  Schönefelder  Kirchgemeinde.  Schönefeld  bei  Leipzig, 
Johann  Schölermann.    1907.    72  SS.    8". 

Störsner,  S.  Ernstes  und  Heiteres  vom  Frienstein  (Vorderes  Raub- 
schlofs):  Über  Berg  und  Thal  XXX  I1907),  232 — 234. 

Sudhoff,  Karl.  Dürers  anatomische  Zeichnungen  in  Dresden  und 
Lionardo  da  Vinci:  Archiv  für  Geschichte  der  Medizin  I  (1907/08), 
317  —  321.    Mit  2  Abb. 

Tungl,  M.  Die  Vita  Bennonis  und  das  Regalien-  und  Spolienrecht: 
Neues  Archiv  der  Gesellschaft  für  ältere  deutsche  Geschichts- 
kunde XXXIII  (1907),  75—94. 

Theissen,  Johann  Samuel.  Centraal  Gezag  en  Friesche  Vrijheid. 
Friesland  onder  Karel  V.  Proefschrift  ter  verkrijging  van  den 
Graad  van  Doctnr  in  de  Nederlandsche  Letteren  aan  de  Rijks- 
universiteit  te  Leiden.  Groningen,  M.  de  Waal.  1907.  XXXVI, 
507  SS.  8".  (S.  i4ff. :  All:irecht  van  Saksen,  Gubernator  van  Fries- 
land; S.  29ff.:  Het  Saksisch  Bestuur  in  Friesland.) 

Theissig,  Kurt.  Die  Rechtsstellung  der  Strafsenbahngesellschaften 
gegenüber  dem  Staat  und  der  Gemeinde  nach  sächsischem  Recht. 
Leipzig,  Veit  &  Comp.    1908.    IV,  76  SS.    8". 

Theobald,  Leonhard.  Das  Leben  und  Wirken  des  Tendenzdramatikers 
der  Reformationszeit  Thomas  Naogeorgus  seit  seiner  Flucht  aus 
Sachsen.  (Quellen  und  Darstellungen  aus  der  Geschichte  des 
Reformationsjahrhunderts.  Herausgegeben  von  Georg  Berbig. 
Band  IV.)    Leipzig,  M.  Heinsius  Nachfolger.    1908.    106  SS.    8". 

Tille,  Armin.  Eutritzscher  Kriegsnöte  im  Jahre  1745:  Leipziger 
Kalender  V  (1908),  81—90. 

V,  Ubisch,  E.  Das  Fürstenmuseum  in  Dresden:  INIuseumskunde  IV 
(1908),  1-6. 


Literatur.  201 

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Dichter  J.  C.  Sonderahilruck  aus  Swiat  Slowianski  Nr.  24.] 
Krakaii,  Kornecki  i   Wojnar.    1906.    13  SS.    8". 

Ulrich,  Herbert.  Welclie  Nummern  sj)ic'len  am  glückliclisten  in  der 
sächsischen  Lotterie?  Aus  den  amthchen Gewinnlisten  der  königlich 
sächsischen  Landes-Lotterie  der  letzten  25  Jahre,  also  von  vollen 
50  Lotterien  =^  250  Klassen  -  Zii'hungen,  nämlich  von  loi.  bis 
150.  Lotterie,  welche  vom  2.  L  1882  bis  23.  X.  1905  stattgefunden 
haben,  ennittelt  und  zusammengestellt.  Hamburg,  F.Vogt.  (1907.) 
128  SS.    8". 

Unbescheid,  Wilhelm  Hermann.  Chronik  der  Familie  Unbescheid. 
3.  Heft.    Dresden,  Christian  Kauchhaus.    1907.    S.  90 — 138. 

Vogel  d.  J.,  Johann  Jakob.  Kurze  Leipziger  Jahres-Chronik:  Leipziger 
Kalender  V  (1908),  261  —  275. 

Vor/el,  Julius.  Zur  (■ranachforschung:  Zeitschrift  für  Inldende  Kim.st. 
N.  F.  XVIII  (1907),  219-226.    Mit  5  Abb. 

Voigt,  F.  Heergewette  und  Gerade:  Mitteilungen  des  Vereins  für 
Sachs.  Volkskunde  IV  (1907),  252^254. 

Wagner,  Faul.  Die  neue  geologische  LTbersichtskarte  des  Königreichs 
Sachsen:    Dresdner    Anzeiger.     Sonntags -Beilage.     1908.     Nr.  12. 

Wncfner,  Eichard.  Richard  Wagner  an  Minna  Wagner,  i.— 2.  Band. 
BerUn  u.  Leipzig,  Scluister  &  Löftler.  1908.  323,  319  SS.  Mit  Taft'.  8". 

Wegener,  Hanns.  Ferdinand  Avenarius.  Der  Dichter.  (Beiträge  zur 
Literaturgeschichte.  Herausgeber:  Hermann  Graet.  Heft  46.) 
Leipzig,  Verlag  für  Literatur,  Kunst  und  Musik.    1908.    34  SS.   8". 

Weigel,  Philipp.  Das  sächsische  Sibirien.  Sein  Wirtschaftsleben. 
Ein  Beitrag  zur  Würdigung  des  Erzgebirges.  Berlin,  R.  Trenkel. 
(1908.)    XVm,  III  SS.    8".' 

Weiser,  Martin.     Aus  dem  Leipziger  klinischen  Viertel.    Eine  Reihe 

E ho tographi scher    Bilder.      Mit    einem    Geleitwort    von    Sudholf. 
.eipzig,  (A.  Lorentz.    1908).    21  SS.    8". 

WestjJhal,  M.  />.  Das  Dresdner  Stadtmuseum:  Dresdner  Neueste 
Nachrichten.    1908.    Nr.  42.    S.  3.    Nr.  43.    S.  3. 

Wiechel,  H.  Freie  Wahlen.  Ein  Vorschlag  für  ein  Wahlverfahren  in 
Anlehnung  an  den  Regierungs-Entwurf  vom  7.  Juli  1907.  Dresden, 
C.  Heinrich  in  Komm.    (1907.)    44  SS.    8". 

Wiechel.  Nachträge  zum  Burgenbuche:  Über  Berg  und  Thal  XXX 
(1907),  234—236.  Desgl.  Nachträge  von  Herbert  Beschorner,  Hans 
Beschorner,  Alfred  Meiche:  ebenda  236 f. 

Witkowski,  Georg.  Der  Wunnsaamen.  Sechs  poetische  Streitschriften 
aus  den  Jahren  1751  und  1752.  Mit  Nachbildungen  der  sechs 
Originaltitel.  (Mitteilungen  der  Deutschen  Gesellschaft  zur  Er- 
forschung vaterländischer  Sprache  und  Altertümer  in  Leipzig. 
X.  Band,  2.  Heft.)  Leipzig,  Selbstverlag  der  Deutschen  Gesellschaft, 
Karl  W.  Hiersemann.    1908.    79  SS.    8". 

Worringer,  Wilhelm..  Lukas  Cranacli.  Mit  63  Al)l)ildungen  nach 
Gemälden,  Zeichnungen,  Kupferstiehen  und  Holzschnitten.  (Klas- 
sische Illustratoren.  Band  IIJ.)  München,  R.  Piper  &  Co.  1908. 
128  SS.    8". 

Wustmann,  G.    Frauenhäuser  und  freie  Frauen  in  Leipzig  im  Mittel- 
alter: Archiv  für  Kulturgeschichte  \'  (1907),  469—482. 
„  Die  Herbatio  annua.    Zur  Geschichte  des  pharmazeutischen  Unter- 
richts an  der  Leipziger  Universität:  Wissenschaftliche  Beilage  der 
Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.' 8. 


202  Literatur. 

« 

WustmuiDi,  G.     Kleine   Chronik  von  Leipziij   1015 — 1907:  Leipziger 

Kalender  V  (1908),  33—48.. 
„  Wellklagen  der  Napoleonsjünger  [in  Leipzig  1813]:  ebenda  63 — 69. 

Z.,  A.    Justizpflege  im  18.  Jahrhundert  in  Dresden:  Dresdner  Neueste 

Nachrichten.    1908.    Nr.  74.    S.  2. 
„  Das  Fürstenhaus  Schönburg -Waidenburg:   Sachsen- Post  1  (1907). 

Nr.  52.    S.  s-8.    Mit  5  Ablx  ■"      • 

„  Freiberg,    Sachsens    ßerghauptstadt :     ebenda    II    (1907).     Nr.  53. 
S.  5— 7.'  Nr.  54.    S.  5—8.  ""Mit  15  Abb. 

Zachitiaiiii,  Wilhelm.  Auf  dem  Bauernhofe  [in  der  Oberlausitz].  Er- 
innerungen aus  meiner  Jugendzeit.  Leipzig,  Arwed  Strauch.  1907. 
IX,  437'SS.    8". 

V.  Zedtwitz,  A.  Freiherr.  Namensverzeichnis  und  Wappen  von  Adels- 
familien: Dresdner  Residenz-Kalender.    1908.   S.  71 — 73.   Mit  i  Taf. 

[v.  Zczfichioitz ,  P.J  Joseph  v.  Zezschwitz.  Ein  Lebensbild  aus  der 
Zeit  der  Freiheitskriege.  3.  veränderte  Auflage  der  „Mitteilungen 
aus  den  Papieren  emes  sächsischen  Staatsmannes".  Dresden, 
Wilhelm  Baensch.    (1907.)    90  SS.    Mit  1  Bildnis.    8". 

Zinck,  Faul.     Inschriften  aus  dem  östlichen   Erzgebirge:    Kalender 
für  das   Erzgel)irge,  Vogtland    und    die  Sächsische  Schweiz  IV 
(1908),  4—8. 
„  Etwas  vom  Lotterieteufel.    Studien  aus  dem  Jahre  1755:  Leipziger 

Kalender  V  (1908),  141  — 149.    Mit  i  Abb. 
„  Rockenlieder,   gesammelt   in   Schellerhau   bei  Altenberg   im   Erz- 
gebirge: Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1907), 
227 — 235.  271  f.    Mit  Musiknoten. 

V.  Zinzendorf,  Nikolaus  Ludwig  Graf.  Auswahl  aus  Zinzendorfs  Brief- 
wechsel vom  8.  April  bis  29.  Juli  1716:  Zeitschrift  für  Brüder- 
geschichte  I  (1907),  192 — 203. 


Die  Sächsischen  Aktien -Gesellschaften  und  die  an  sächsischen 
Börsen  kurshabenden  Staatspapiere,  sonstigen  Fonds  und  Industrie- 
werte. Jalirl3uch  der  Dresclner,  Leipziger  und  Zwickauer  Börse. 
Begründet  von  Richard  Börner.  Fortgesetzt  von  der  Redaktion 
des  „Handbuches  der  Deutschen  Aktien-Gesellschaften".  12.  voll- 
ständig umgearbeitete  Auflage.  Ausgabe  1907,08.  Berlin  und 
Leipzig,  Verlag  für  Börsen-  und  Finanzliteratur  A.-G.    1908.    XX, 

661  ss:  8".    ' 

1707.  1907.  Festbericht  über  die  Feier  am  i.  September  1907  bei  der 
Enthüllung  des  Denkmals  zur  Erinnerung  an  König  Karl  XII.  von 
Schweden  und  den  Abschluls  der  Convention  von  Altranstädt. 
Leipzig,  Giesecke  &  Devrient.    (1907.)    47  SS.    Mit  Taff.    8". 

125  Jahrgänge  der  Bautzner  Nachrichten:  Bautzner  Nachrichten. 
1907.    Nr.  4. 

Bunte  Bilder  aus  dem  Sachsenlande.  Für  Jugend  und  Volk.  Heraus- 
gegeben von  dem  Sächsischen  Pestalozzi-Vereine.  Mit  zahlreichen 
Abb.  IV.  Band.  Leipzig,  Julius  Klinkhardt  in  Komm.  1907.  VIII, 
416  SS.    8". 

Robert  Blum.  Zum  Andenken  an  den  100 jährigen  Geburtstag 
10.  November  1907:  Der  Leipziger  II  (1907),  121 9  f.    Mit  2  Abb. 

Zum  175.  Gedächtnistag  der  Grünclung  der  Brüdermission.  Rück- 
blick auf  das  letzte  Vierteljahrhundert  unserer  Missionsarbeit. 
Herausgegeben  von  der  Missions-Direktion.  Herrnhut,  Missions- 
buchhandlung.   1907.    29  SS.    8". 


Literatur. 


203 


Die  von  Burgsdorf  (Stammtafel):  Zeitschrift  für  BriUlergeschichte  I 
(1907),  Tat.  6. 

Crimmitschauer  Bürgerljuch.  Sammlung  der  Ortsgesetze  und  der 
wichtigsten  Regulative,  Bekanntmachungen  und  Verträge  aus  der 
Verwaltung  der  Stadt  Crimmitschau,  herausgegeben  vom  Stadt- 
rat zu  Crimmitschau.  2.  Auflage.  Crimmitschau,  Aug.  Ludwig 
Stofs.    1907.    X,  89s  SS.    8". 

Die  Ermordung  des  Landgrafen  Diezmann  von  Thüringen:  Der 
Leipziger  II  (1907),  141 3.    Mit  2  Abb. 

Blätter  für  die  Böhmische  Exulantengemeinde  zu  Dresden.  Heraus- 
gegeben im  Auftrage  des  Vorstandes  von  Pfarrer  A.  Neuberg. 
Nr.  I.  Dezember  1907.  Königsbrück,  Druck  von  A.  Pabst.  11  SS.  8". 

Der  Kammweg  des  Erzgebirges:  Industrie  des  Erzgebirges  und 
Vogtlandes  XX  (1908),  i — 5. 

1857 — 1907.  Die  Brauerei  zum  Felsenkeller  bei  Dresden.  Rück- 
blick auf  eine  50  jährige  Vergangenheit.  Leipzig  und  Berlin, 
Giesecke  &  Devrient.    (1907.)    36  SS.    Mit  Taff.  und  Abb.    qu.-4''. 

Die  neueren  sächsischen  Forst  haus  bauten:  Kalender  für  das 
Erzgebirge,  Vogtland  und  die  Sächsische  Schweiz  IV  (1908), 
32—36.    Mit  Abb. 

Die  von  Friesen  auf  Rötha  (Stammtafel):  Zeitschrift  für  Brüder- 
geschichte I  (1907),  Taf.  I. 

Der  Frohnauer  Hammer:  Glückauf  XXVII  (1907),  127 — 129.  Mit 
2  Abb. 

Die  von  Gersdorff  auf  Malschwitz  in  Schlesien  und  Meftersdort 
(Stammtafeln):  Zeitschrift  für  Brüdergeschichte  I  (1907),  Taf.  2,  4,  5. 

Ein  geistlicher  Abenteurer  [Pfarrer  Johannes  Hollenhagen  in  Geyer]: 
Kirchliche  Nachrichten  aus  der  Stadt  Geyer  aus  dem  Jahre  1907. 

1  Bl.    2". 

Jubelfeier  zur  Erinnerung  an  das  150 jährige  Bestehen  des  Gemein- 
saales zu  Herrnhut  am  13.  August  1907.  Herrnhut,  Missions- 
buchhandlung.   (1907.)    63  SS.    Mit"  Abb.  und  i  Taf.    8". 

Ein  kleines  Silbermann'sches  Orgelwerk  aus  dem  Jahre  1724  [aus 
Hilbersdorfbei  Freiberg] :  Zeitschrift  für  Instrumentenbau  XXVIII 
(1907),  3  f.    Mit  Abb. 

Gutzkow  und  Auerbach  und  das  Kamenzer  Lessingdenkmal: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  2. 

Aus  alten  Kirchenbüchern  und  Kirchrechnungen  tSchlufs  folgt): 
Neues  Sächsisches  Kirchenblatt  XV  (19081,  Sp.  145 — 148. 

Neue  Sächsische  Kirchengalerie.  Unter  Mitwirkung  der  säch- 
sischen Geistlichen  herausgegeben.  Die  Ephorie  Marienberg. 
Liefervmg  35  —  38.  Sp.  825  —  914.  —  Die  Diöcese  Löbau.  Liefe- 
rung I  — 16.  Sp.  I  —  384.  Leipzig,  Arwed  Strauch.  I1907  08.)  Mit 
Taft',  und  Abb.    4". 

Das  Schlofs  Lauer:   Der  Leipziger  II  (19071,   1224.    Mit  2  Abb. 

Leipziiier  Kalender.  JUustriertes  Jahrbuch  und  Chronik.  Heraus- 
gegeben von  Georg  Merseburger.  5.  Jahrgang.  Leipzig,  Georg 
Merseburger.  1908.  288  SS.  Mit  i  farbigen  Taf.  und  i  Musik- 
beilage.    8". 

Der  Thüringer  Hof  [in  Leipzig]:  Leipziger  Kalender  V  (1908), 
279  —  282.    Mit  Abb. 

Graf  Pappenheim  in  Leipzig:    Der  Leipziger  II  (1907),    1277.    Mit 

2  Abb. 

Das  alte  Leipzig:  ebenda  III  (1908),  ii8f.    Mit  3  Abb. 


204  Literatur. 

Adrelsbuch  für  Liebertwolkwitz  und  die  Nachbarorte  .  .  .  Auf 
Grund  amtlicher  Quellen  herausgegeben  vom  Verlage  des  An- 
zeigers für  Liebertwolkwitz  u.  Umg.  Liebertwolkwitz,  Druck  von 
Fr.^Zeugner.  (1908.)  XIV,  112  SS.  8".  (S.  V— XIV:  Geschicht- 
Uches  von  Liebertwolkwitz.) 

Lob  au  er  Bote.  Blätter  der  Erinnerung  für  Angehörige  des  Löbauer 
Seminars.    I  (1906).    Nr.  i — 4. 

Mirusblatt.  Vereinsorgan  des  Mirusbundes.  Leisnig,  Druck  von 
Hernn.  Ulrich  (Wölbung  &  Feiste).    1907.    Nr.  17  f.    S.  257 — 292. 

Sächsische  Orden  und  Ehrenzeichen:  Der  Leipziger  II  (1907),  i438f. 
Mit  Abb. 

Mundartliche  Formen  sächsischer  Ortsnamen:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  9.    (Fortsetzung  folgt.) 

General  von  Raab  -{-:  Dresdner  Anzeiger.  1908.  Nr.  2.  S.  2. 
Nr.  5.    S.S. 

Sachsen  (neb.st  zugehörigen  Artikeln):  Meyers  Grolses  Konver- 
sations-Lexikon XVIP  (1907),  367 — 402.    Mit  3  Karten. 

Schiller-Gedenkstätten  in  Sachsen:  Sachsen-Post  II  (1907). 
Nr.  57.    S.  6—9.    Mit  7  Abb. 

Hervorragende  Männer  aus  dem  Schönburgischen  im  18.  und 
19.  Jahrhundert:  Schönburgischer  Hauskalender  auf  das  Schalt- 
jahr 1908.    S.  33. 

Der  Stammbuch  böte.  Nachrichtenblatt  der  Stammbuchführer  des 
Vereins  ehemaliger  Fürstenschüler.  2.  Runde.  Nr.  40.  Dezember 
1907. 

Völkers chlacht-Erinneiamgen  (16. — 19.  Oktober  181 3):  Der  Leip- 
zio;er  II  (1907),    113s — 1139.    Mit  Abb. 

Ter'sches  Familienblatt.  Vereinsorgan  des  Waplerbundes. 
Leisnig.  Druck  von  Hernn.  Ulrich  (Wölbling  «Sc  Feiste).  1907,08. 
Nr.  3 3-- 35-    S.  513—564. 

Burg  Wettin:  Der  Leipziger  II  (1907),  1275t.    Mit  3  Abb. 

Die  Grafen  von  Zinzendorf,  der  Zelkingsche  Zweig  (Stammtafel): 
Zeitschrift  für  Brüdergeschichte  I  (1907),  Taf.  3  a— c. 

Ein  Bierkrieg  vor  400  Jahren  [in  Zittau]:  Unterhaltungsbeilage  der 
Bautzner  Nachrichten.     1906.    Nr.  73. 


Waplt 


Alt-Kirchberg.  Mitteilungen  des  Altertumsvereins  Kirchberg.  Kirch- 
berg, C.  J.  Kandel.    (1907  08.)    Nr.  5 — 14.    S.  17 — 56. 

Inhalt:  Cam.  Bräuer,  Die  Kirchberger  Hausbesitzer  im  Innern 
der  Stadt  während  der  letzten  200  Jahre.  —  S[cheibeJ,  Die 
Kirchberger  Spitznamen,  ein  Beitrag  zur  sächsischen  Volkskunde.  — 
Bönhoft,  Das  Bergwerk  „Hohenforst"  im  Mittelalter.  —  Scheibe, 
Proben  geistlichen  Briefstils  aus  den  Jahren  1770  —  1840.  —  A. 
Göbel,  Die  „Brezelschule"  in  Schönau - Wiesenbvirg.  —  Sieben 
denkwürdige  Kirchberger  Schulexameneinladungen  aus  den  17 
letzten  Jahren  des  17.  Jahrhunderts. 

Beiträge  zur  sächsisehot,  Kinhenge schichte.  Herausgegeben  im  Auf- 
trage der  „Gesellschaft  für  sächsische  Kirchengeschichte"  von 
Franz  Dibelius  und  Theodor  Brieger.  Heft  21.  (Jahresheft  für 
1907.)    Leipzig,  Johann  Ambrosius  Barth.    II,  132  SS.    8". 

Inhalt:  Frank  Ludwig,  Zur  Entstehungsgeschichte  der  Lokal- 
visitationen,  des  „Synodus"  und  des  Oberkonsistoriums  in  Kur- 
sachsen (Kirchenordnung  von    1580).  —  O.  Pinder,  „Wenn  wir 


Literatur.  20< 

in  höchsten  Nöten  sein  und  wissen  nicht,  wo  aus  noch  ein'\  — 
Ernst  Otto,  Der  Streit  der  beiden  kursächsischen  Hofprediger 
D.  Mattliias  Hoe  von  Hoenego;  und  Mag.  Daniel  Hänichen  (1613 
bis  161 8».    Nach  den  Akten  des  Königl.  Sachs.  Hauptstaatsarchivs. 

—  Franz  Blanckmeister,  Valentin  Ernst  Löscher  und  der 
Rat  zu  Dresden.   —  Dil)elius,    Zur    sächsischen   Glockenkunde. 

—  Derselbe,  Anfrage,  Gründonnerstag  betreffend. 

Blätter  für  die  Geschichte  der  Sächsischen  Armee.    1907.    Nr.  10 — 12. 
1908.    Nr.  I — 3. 

Inhalt:  Johann  Edmund  Hottenroth,  Historietten  aus  den 
Jahren  1806  und  1807  iSchlufs).  —  C.  v.  Metzsch,  Die  Königlich 
Sächsischen  Truppen  im  Feldzuge  1807  gegen  Preufsen  und 
Russen  (Fortsetzung  und  Schlufs).  —  Zwei  Schwester-Regimenter: 
7.  Infanterie-Regiment  „König  Georg"  Nr.  106 ;  S.Infanterie-Regiment 
„Prinz  Johann  Georg"  Nr.  107.  —  3.  Infanterie- Regiment  Nr.  102 
„Prinz- Regent  Luitpold  von  Bayern"  und  4.  Infanterie-Regiment 
Nr.  103.  —  E.  Schuri^,  Die  Sächsische  Feldpost.  Eine  geschicht- 
liche Betrachtung.  —  Rochlitz  als  Infanterie-Garnison  (Fortsetzung 
folgt'.  —  Das  Schützen-(Füsilier-)Regiment  „Prinz  Georg"  Nr.  108. 

—  Das  I.  Husaren-Regiment  „König  Albert"  Nr.  18  fünfzig  Jahre 
in  Grofsenhain.   —  Zur  Geschichte  des  Dresdner  Kadettenkorps. 

Dresdner  Geschichtsblätter.  Herausgegeben  vom  Verein  für  Geschichte 
Dresdens.    XVI.  Jahrgang.    1907"    Nr.  3— 4. 

Inhalt:  Otto  Richter,  Erlebnisse  eines  Annenschülers  1758 — 72. 
Aus  der  Selbstbiographie  des  Pastors  Christian  Heinrich  Schreyer. 

—  Derselbe,  Dresdens  Bedeutimg  in  der  Geschichte.  Vortrag, 
gehalten  bei  der  10.  Versammlung  deutscher  Historiker  in  Dresden 
am  4.  September  1907.  —  Otto  Meltzer,  Ein  Traktat  Peters 
von  Dresden.  -  Paul  Rachel,  Eine  höfische  Festordnung  aus 
Kurfürst  Augusts  Tagen  (1572). 

Mitteiluru/en  des  Freiberger  AHertumsvereins  mit  Bildern  aus  Frei- 
bertjs  Vergangenheit.  Herausgegeben  von  Konrad  Knebel.  Heft  43. 
Freiberg,  Gerlach.    1907.    (II),  92  SS.    8". 

Inhalt:  Reich,  Zur  Erinnerung  an  den  Freiberger  Notstand 
vor  200  Jahren.  —  Aug.  Lingke,  Die  ehemalige  Bürger-Grenadier- 
Kompagnie  zu  Freiberg.     Ein  Uniformstreit  aus  dem  Jahre  1794. 

—  Wappler,  Die  Holtzmannsche  Bildersammlung  unseres  Mu- 
seums. -  Konrad  Knebel,  Die  Freiberger  Kupferschmiede. 
Die  Zarworchten,  Plattner  oder  Panzermacher.  7.-8.  Beitrag  zur 
Kenntnis  des  älteren  Handwerks  in  Sachsen.  —  Wappler,  Alte 
sächsische  Wünschelruten-Geschichten.  —  Nachtrag  zu  dem  Auf- 
satz: Die  Familie  Hilliger  von  Otto  Hübner  in  Heft  42.  —  A. 
Lingke,  Bergschulanstalten. 

Mitteilungen  des  AHertumsvereins  zu  Plauen  i.V.  19. Jahresschrift  auf 
dieJahreigoS — 09.  Herausgegeben  vom  Vereinsvorstand.  Plaueni.V., 
Druckerei  R.  Neupert  jr.    1908.    XV,  269  SS.    Mit  3  Taft.    8". 

Inhalt:  K.  v.  Kauffungen,  Dr.  Curt  v.  Raab  f-  —  A.  Scholtze» 
Plauen  im  Jahre  1813.  —  A.  Neupert  sen.,  Dr.  phil.  j.  G.  Heynig, 
der  teutsche  Sokrates  aus  dem  Voigtland.  -  Bönhoff,  Die 
Parochie  Plauen  und  ihre  Entwickelung  im  Zeiträume  von  1122 
bis  1905.  —Derselbe,  Die  Parochie  Reichenbach  und  ihre  Ent- 
wicklung    bis    zum    Jahre    1529.    —    Derselbe,     Die    Parochie 


2o6  Literatur. 

Elsterberg  und  ihre  Entwicklung  bis  zum  Ende  des  15. Jahrhunderts. 
—  Rieh.  Frey  tag,  Zur  Gescliichte  der  Stadt  Auerbach  i.  V.  — 
Angermann,  Die  Faiuilie  Jugler  und  ihre  Beziehungen  zu  Plauen. 
-r^  Rieh.  Helmrich,  Plauener  Theatergeschichte  bis  zur  Weihe 
des  Stadttheaters  im  Jahre  1898.  —  A.  Neupert  sen.,  Verkehns- 
verhältnisse  und  wirtschaftliche  Zustände  im  alten  Plauen. 

Beiträge  zur  Geschichte  der  Stadt  Buchholz.  Herausgegeben  vom 
Buchholzer  Geschichtsverein.  Heft  VI.  Buchholz,  Albert  Handreka. 
1907.    III  SS.    8". 

Inhalt:  Otto  Giemen,  Briefe  von  Georg  Sturfz.  —  L.  Bartsch, 
Die  Beteiligrmg  der  Stadt  Buchholz  an  der  Erbhuldigung  im 
Jahre  1769.  —  Derselbe,  Die  Zunft- Briefe  des  Buchholzer  Zimmer- 
handwerks v.J.  1657  und  der  Buchholzer  Maurerinnung  vom  Jahre 
1767.  —  Derselbe,  Briefwechsel  zwischen  Hofrat  Christian 
Gottlob  Voigt  und  Bürgermeister  Christian  Hieron3-mus  Sommer 
1785  und  1786.  —  Derselbe,  Buchholzer  Rektorenproben  und 
Rechnungen  darüber  aus  der  Zeit  von  1722  — 1823. 

Mitteilwigen  des  Vereins  für  Geschichte  der  Stadt  Gleißen.  27.  Heft. 
(7.  Band.  3.  Heft.)  Meifsen,  Louis  Mosche  in  Komm.  1907. 
S.  261—427.    8". 

Inhalt:  Hellmuth  Schmidt,  Die  sächsischen  Bauernunnihen 
des  Jahres  1790.     (Auch  Leipziger  Diss.) 


Nachrichten. 


Am  14.  Dezember  v.  ].  tand  die  diesmalige  Jahresversammlung 
der  Königl.  Sächsischen  Kommission  für  Geschichte  zu  Leipzig  statt. 
Da  Seine  Exzellenz  der  Kultusminister  von  Schlieben  leider  durch 
schwere  Erkrankung  an  der  Leitung  der  Versammlung  behindert  war, 
übernahm  Wirkl.  Geh.  Rat  Dr.  Waentig  den  Vorsitz.  Er  begrüfste 
den  frülieren  Vorsitzenden  Exzellenz  Dr.  von  Seidewitz,  der  als  Ehren- 
mitglied der  Kommission  an  der  Sitzung  teilnahm,  und  sprach  dem 
Kammerherrn  von  Frege-Weltzien  für  die  von  ihm  begründete  Stiftung 
zur  Förderung  der  vaterländischen  Geschichtsforscliung  imd  Ge- 
schichtsschreil)ung  (vgl.  diese  Zeitschrift  XXVill,  375)  den  Dank 
der  Kommission  aus.  Die  Zvisammensetzung  der  Kommission  ist 
unverändert  geblieben. 

Veröffentlicht  wurde  im  Laufe  des  Jahres  1907  die  von  P. 
E.  Richter  und  Chr.  Krollmann  besorgte  Ausgabe  von  Wilhelm 
D i  1  i  eil s  F e d e r z e i c h  n u  n g e n  k u r s ä c h s i s c h e r  u n d  m e i f s n i s c h e r 
Ortschaften  aus  den  Jahren  1626  — 1629  (3  Bde.). 

Demnächst  wird  erscheinen  der  von  W.  Lippert  herausgegebene 
Briefwechsel  der  Kurfürstin  Maria  Antonia  von  Sachsen 
mit  der  Kaiserin  Maria  Theresia.  Auch  das  erste  Heft  der 
von  E.  Flechsig  bearbeiteten  Hauptwerke  der  sächsischen 
Bildnerei  des  15.  und  i  6.  Jahrhunderts  darf  man  wohl  im  laufen- 
den Jahre  erwarten. 

Im  Manuskript  nahezu  vollendet  ist  die  Ausgabe  der  „Haus- 
haltung in  Vorwerken",  des  ältesten  landwirtschaftlichen  Lehr- 
buchs in  deutscher  Sprache,  herausgegefien  von  R.  Wuttke  und 
H.  Ermisch. 

Der  erste  Band  der  sächsischen  Ständeakten,  bearbeitet 
von  W.  Görlitz,  soll  bestimmt  im  Jahre  1909  erscheinen.  Rüstig  vor- 
gSESchritten  sind  der  zweite  Band  der  Akten  und  Briefe  des 
Herzogs  Georg  (F.  Gefs),  der  dritte  Band  der  Politischen 
Korrespondenz  des  Kurfürsten  Moritz  (E.  Brandenburg  unter 
Mitwirkung  von  O.  A.  Hecker),  die  ersten  Bände  der  Akten  zur  Ge- 
schichte des  Bauernkrieges  in  Mitteldeutschland  (Otto  Merx), 
dieAkten  zur  Geschichte  des  Heilbrunner  Bundes  (J.  Kretzsch- 
niar),  die  Briefe  Augusts  des  Starken  (P.  Haake),  der  Brief- 
wechsel zwischen  Graf  Brühl  und  Karl  Heinrich  von  Hei- 
necken (Ed.  O.  Schmidt),  die  Ausgabe  der  Acta  Nicolaitana 
und  Thomana  (F.  K.  Sachse),  die  Geschichte  der  amtlichenSta- 
tistik  in  Sachsen  (R.  Wuttke),  die  Beschreibun  g  des  Bisturas 
Meifsen  (R.Becker)-,  einige  dieser  Werke  werden  wohl  noch  im 
Laufe  dieses  Jahres  druckfertig  werden. 


2o8  Xachrichten. 

Die  verschiedenen  Werke  zur  Geschichte  des  geistigen 
Lebens  der  Stadt  Leipzig,  die  war  hier  nicht  nochmals  im 
einzelnen  aufführen,  sind  so  weit  gefördert,  dafs  wenigstens  einige 
von  ihnen  im  Jahre  des  Leipziger  Universitätsjubiläums  1909  fertig 
vorliegen  werden. 

Was  die  historisch -geographischen  Arbeiten  der  Kommission 
anlangt,  so  ist  die  photograpliische  Reproduktion  der  sächsischen 
Flurkarten  vollendet.  \^on  der  Grundkarte  fehlt  leider  noch 
immer  die  Sektion  Finsterwalde-Grofsenhain,  deren  Bearbeitung  die 
Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  Anhalt  übernommen  hat. 
Die  Sammlung  von  Flurnamen(H.Beschomer)  hat  auch  im  letzten 
Jahre  erfreuliche  Fortschritte  gemacht;  mit  den  Reproduktionen  für 
den  von  Prof.  Kötzschke  übernommenen  Flurkartenatlas  soll  im 
Jahre  1908  ein  Anfang^  gemacht  werden.  Die  umfänglichen  Arbeiten 
für  das  historische  Ortsverzeichnis  von  Sachsen  hat  A.Meiche, 
unterstützt  von  G.  Pilk  und  Otto  Mörtzsch,  fleifsig  fortgesetzt. 

Auch  die  Bibliographie  der  sächsischen  Geschichte, 
deren  Herausgabe  von  Victor  Hantzsch  besorgt  wird,  ist  wesentlich 
gefördert  worden.  Über  eine  Sitzung  des  für  dieses  Werk  ge- 
bildeten Unterausschusses,  die  am  23.  November  zu  Dresden  statt- 
fand, machte  Oberregiennigsrat  Dr.  Ermisch  eingehende  ^li tt eilungen ; 
er  hofft,  dals  19 10  mit  dem  Diaicke  des  Werkes  werde  begonnen 
werden  können. 

Für  das  Registrum  der  Markgrafen  von  Meifsen  vom 
Jahr  1378,  eine  "der  wichtigsten  Quellen  für  die  ältere  Landes- 
geschichte und  Topographie,  hat  sich  in  der  Person  des  Archivrat 
Dr.  Beschorner  ein  wohl  vorbereiteter  Bearbeiter  gefunden.  Schulrat 
Prof.  Dr.  G.  Müller  in  Leipzig  ist  mit  der  Bearbeitung  der  sächsi- 
schen Visitationsakten  aus  der  Reformationszeit  beauftragt 
worden.  Ferner  wurde  dem  Plane  einer  Sammlung  der  säch- 
sischen Dorfordnungen  näher  getreten.  Um  auch  in  weiteren 
Kreisen  anregend  zu  wirken,  wird  die  Kommission  in  Zukunft 
Neujahrsblätter  mit  kurzen,  abgenmdeten  Darstellungen  aus  dem 
Gebiete  der  sächsischen  Geschichte  erscheinen  lassen. 

Im  Königlich  Sächsischen  Altertumsverein  hielten  im  Laufe  des 
Winters  1907  08  Vorträge  am  4. November  Archivrat  Dr.  Beschorner: 
Der  historische  Atlas  von  Sachsen;  am  2.  Dezember  Dr.  Görler: 
Die  Bedeutung  des  siebenjährigen  Krieges  für  Kursachsen;  am 
13.  Januar  Dr.  Hecker:  Kurfürst  Moritz  von  Sachsen  und  seine  Räte 
bis  zum  Ausgange  des  schmalkaldischen  Krieges;  am  3.  Februar: 
Archivrat  Dr.  Brabant:  Maxen,  acht  Tao;e  Daunscher  und  Fride- 
ricianischer  Strategie;  am  2.  März  Dr.  O.  Crofse:  Prinz  Xaver  von 
Sachsen  im  siebenjährigen  Kriege:  am  13.  April  Seminaroberlehrer 
Sigismund:  Ferdmand  Berthold  und  Ludwdg  Richter,  ein  Beitrag 
zur  Kunstgeschichte  des  19.  Jahrhunderts.  —  Einen  schweren  Verlust 
erlitt  der  Verein  durch  den  Tod  seines  langjährigen  ersten  Vorsitzen- 
den General  der  Infanterie  Dr.  von  Raab.  In  der  am  2.  März  statt- 
gehabten Vorstandswahl  wurden  der  bisherige  zweite  Vorsitzende 
Oberregierungsrat  Dr.  Ermisch,  Direktor  der  Kgl.  öffentl.  Bibhothek, 
zum  ersten.  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Gurlitt  zum  zweiten  ^"or- 
sitzenden  gewählt. 

In  der  Oberlausitzischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  in 
Görlitz  sprachen  am  1.  Mai  1907  Pastor  Döh  1er- Dresden  „über  die 
Beschiefsung  und  Einäscherung  Zittaus  am  23.  Juli  1757",  am  9.  Ok- 


Nachrichten.  209 

tober  Prof.  Dr.  Wetzold  „über  da.s  Gefecht  bei  Moys  und  ilen  Tod 
Winterfeldts  (zum  150  jährigen  Gedächtnisse)",  am  10.  Dezeml)er  1907 
Prof.  Dr.  Jecht  „über  die  Magdeburger  und  Dohnischen  Schöppen- 
.sprüche  im  Ratsarchive  zu  Görhtz".  Am  16.  Juni  1907  fand  die  Ge- 
dächtnisfeier zum  ICO  jährigen  Todestage  des  Stifters  der  Gesellschaft 
Adolph  Traugott  v.  Gersdorf  in  MelTersdorf  a.  d.  Tafeltichte  .statt, 
wobei  der  Gesellschaftspräsident  Kgl.  Zeremonienmeister  von  Wiede- 
l'ach  und  Nostitz-Jänkendorf,  der  Reichstagsabgeordnete  von  Gers- 
dorffials  Vertreter  des  Geschlechtsverbandes)  und  der  Sekretär  der  Ge- 
sellschaft Prof.  Dr.  Jecht  Ansprachen  hielten.  Der  Gesellschaft  liel  von 
lustizrat  Prasse  in  Görlitz  ein  Legat  zu. 

Der  Verein  für  Geschichte  von  Annaberg  und  Umgegend  zählt 
gegenwärtig  142  Mitglieder.  Das  Amt  des  Schriftführers  üljernahm 
Seminaroberlehrer  Segnitz,  das  des  Bibliothekars  Realgymnasial- 
oberlehrer Dr.  Meier.  Im  November  sprach  Pastor  Dr.  Lic.  ßönhoff 
über  die  Altäre  der  Parochie  Annaberg  in  ihrer  kirchenrechtlichen 
Beziehung,  im  Januar  Bürgerschuloberlehrer  Finck  über  die  heimat- 
kundliche Bedeutung  der  "Annaberger  Strafsenbenennvmg.  Am  1 .  Ja- 
nuar d.J.  ist  eine  Verschmelzung  des  vom  Annaberger  Geschichts- 
verein fns  Leben  gerufenen  „Museums  erzgebirgischer  Altertümer" 
mit  dem  neuerrichteten  „Erzgebirgs- Museum"  erfolgt.  Die  hieraus 
erwachsenden  gegenseitigen  Beziehungen  des  Geschichtsvereins  und 
des  Erzgebirgsvereins  sind  im  wesentlichen  geregelt  durch  die  von 
beiden  \7ereinen  aufgestellte  und  im  „Glückauf"  26.  Jahrgang  (1906) 
S.  76—78  veröffentlichte  „Satzung  für  das  Erzgebirgs-Museum".  Leiter 
des  Museums  ist  Bürgerschuloberlehrer  Finck. 

Der  Verein  für  Chemnitzer  Geschichte  zählt  gegenwärtig  188  Mit- 
glieder. Versammlungen  fanden  am  28.  Februar,  24.  April,  19.  No- 
vember 1907,  am  21.  Januar  und  17.  März  1908  statt;  in  ihnen  hielten 
Vorträge  Handelskarnmersyndikus  Dr.  M  umm  über  „Chemnitz  als  In- 
dustriestadt", Baurat  Prof.  Gottschaldt  über  „Märchen  von  Chem- 
nitz und  Umgegend",  „unsere  alten  Grabmonumente",  „  Jugender- 
innerungen eines  alten  Chemnitzers",  Prof.  Dr.  Schwarz-Leipzig  über 
„den  Komponisten  Philipp  Duhchius  (Deulich)  aus  Chemnitz",  Real- 
gymnasiallehrer Happach  über  „Becher,  Rektor  des  ehemaligen 
Chemnitzer  Lyceuras",  Prof.  Dr.  Uhle  über  „die  Pest  in  Chemnitz 
(und  Sachsen)  1680".  Im  Laufe  des  Jahres  ist  die  Eröffnung  des 
König- Albert- Museums  zu  erwarten,  wohin  der  Verein  mit  seinen 
Sammlungen  und  seiner  Bibliothek  übersiedelt. 

Der  Freiberger  Altertumsverein  (MitgHederzahl  328)  beschäftigte 
sich  auch  im  letzten  Jahre  vorzugsweise  mit  dem  Ausbau,  der  Beschrei- 
bung und  der  Katalogisierung  seines  Museums.  Ein  „Führer  durch  die 
Sammlungen  des  Freiberger  Altertums  vereins"  ging  den  Mito;Uedern  als 
Beigabe  zum  43.  Hefte  der  Mitteilungen  zu.  In  der  Chronik  des  Vereins 
verdient  ferner  der  Besuch  erwähnt  zu  werden,  den  am  7.  Sept.  v.  T. 
die  X.  Versammlung  Deutscher  Historiker  von  Dresden  aus  der  Stadt 
Freiberg  abstattete;  wenn  er  allen  Teilnehmern  in  der  angenehmsten 
Erinnerung  bleiben  wird,  so  ist  dies  vor  allem  den  Bemühungen  des 
Vereins  Vorstandes  zu  verdanken,  der  die  Führung  durch  die  histo- 
rischen und  Kunststätten  Freibergs  übernommen  hatte  und  durch 
musikalische  Veranstaltungen  im  Dom  und  beim  gemeinschaftlichen 
Mahl  die  Versammlung  überraschte. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    l.  2.  14 


2  10  Nachrichten. 

Der  Geschichts-  und  Altertumsverein  zu  Leisnig  f6o  Mitglieder) 
hat  am  21.  November  v.  J.  seinen  Mitbegründer  und  Vorsitzenden 
Heirat  Dr.  Miras  verloren.  Am  16.  Dezember  wurden  Pfarrer  Gerber- 
Tragnitz  an  seine  Stelle  zum  ersten,  Bürgermeister  Schickert  zum 
zweiten  Vor.>itzenden  gewählt.  Vorträge  aus  dem  Gebiete  der 
.sächsischen  Geschichte  hielten  am  4.  März  1907  Pfarrer  Eisemann- 
Gersdorf  „Klagen  und  Plagen  in  Sachsen  vor  150  Jahren";  am 
28.  Oktober  Lic.  Dr.  Bönhoff  „Der  Leisniger  Kirchensprengel  mid 
sein  ursprünglicher  Umfang";  am  16.  Dezember  Pfarrer  Gerber 
„Hans  Conen  von  der  Gabelentz  (der  geistige  Vater  des  Vereins), 
geb.  13.  Oktober  1807";  am  20.  Januar  1908  Realschullehrer  Müller 
„Kunstgewerbliche  Gegenstände  aus  voro;eschichtlicher  Zeit";  am 
24.  Februar  1908  P.  em.  Schöpff-Niederlöfsnitz  „D.  Zacharias 
Rivander".  Ein  Gesuch  um  Überlassung  geeigneter  Räume  im 
Vorderschlosse  zur  besseren  Unterbringung  der  Sammlungen  des 
Vereins  hat  bei  der  Kommission  zur  Erhaltung  der  Kvmstdenkmäler 
eine  wohlwollende  Aufnahme  gefunden  und  der  Verein  hoifc  daher 
auf  Gewährung. 

Im  Verein  für  Orts-  und  Volkskunde  zu  Oschatz  (48  Mitglieder) 
hielten  Vorträge  am  29.  November  1906  Lehrer  Vödisch  über  „Die 
Hubertusburger  Fayence-  und  Steingutfabrik"  und  über  „Die  Gruppen 
zum  Heimatszuge"  (bei  dem  hauptsäclüich  dvTrch  die  Bemühungen  des 
Vereins  veranstalteten  Heimatsfest  am  7.  bis  9.  Juli  1906);  am  27.  April 
1907  derselbe  über  „Volkskunst"  (mit  Lichtbildern);  am  9.  Januar  1908 
Rechtsanwalt  Schmorl  über  „Das  wüste  Schlofs  und  die  Ergebnisse 
der  Ausgrabungen";  am  26.  Februar  1908  Bürgemieister  Hartwig 
über  „Den  Konkurs  der  Stadt  Oschatz  im  Jahre  1640".  Es  wurde 
ferner  ein  Ausflug  nach  dem  wüsten  Schlosse  Osterland  unternommen. 

Im  Altertunisverein  zu  Plauen  i.  V.  (Mitgliederzahl:  316)  sprachen 
am  24.  Oktober  1907  Pastor  Kurt  Klemm:  „Was  uns  die  Glocken 
der  Johanneskirche  in  Plauen  erzählen";  A.  Neupert  sen.:  „Heinrich 
der  Unechte,  ein  trübes  Bild  aus  der  Geschichte  des  fürstlichen 
Hauses  Plauen"  und  „Schlofs  Reusa,  seine  Vorbesitzer  und  der  durch 
eingeworfene  Fehdebriefe  daselbst  im  Jahre  1746  erregte  Aufstand, 
nach  einem  Aktenstücke  aus  dem  Reusaer  Schlofsarchiv";  am  28.  No- 
vember Rektor  Prof.  Dr.  An  g  e  r  m  a  n  n :  „Die  Erlebnisse  einer  sächsischen 
Pfarrerfamilie  im  Jahre  1813",  Gymnasial-Oberlehrer  Dr.  H.  Krause: 
„Die  prähistorische  Forschung  im  Vogtlande",  am  3o.Januar  Gjarmasial- 
lehrer  Dr.  Wilh.  Vogel:  „Kritische  Darstellung  der  politischen 
Geschichte  Mylaus  und  Reichenbachs  und  das  angeblich  kaiserliche 
Residenzschlofs  zu  Mylau".  Dem  vor  kurzem  erschienenen  19.  Jahres- 
bericht des  Vereins  ist  eine  von  Alwin  Neupert  bearbeitete  Biblio- 
graphie zur  Geschichte  des  Vogtlandes,  deren  Grundlage  eine 
Sammlung  des  Buchhändlers  Curt  Sünderhauf  in  Nordhausen  bildet, 
beigefügt  worden  Der  Vorstand  des  Vereins  besteht  zurzeit  aus  Alwin 
Neupert  sen.  als  Vorsitzendem,  Rektor  Prof.  Dr.  Angermann  als 
stellvertretendem  Vorsitzenden,  Oberlehrer  Dr.  H.  Krause  als  Kon- 
servator, Oberlehrer  H.  Skolle  als  stellvertretendem  Konservator, 
Bürgerschullehrer  Benedict  als  Schriftführer,  Oberlehrer  Dr.  Dorsch, 
Pfarrer  Kesselring,  Oberlehrer  Prof.  Streit  und  Dr.  med.  Wenzel  als 
Beisitzern. 

Der  Verein  für  Rochlitzer  Geschichte  (88  Mitglieder),  dessen  Vor- 
stand  unverändert  geblieben   ist,    veranstaltete  anläfslich   der  Feier 


Nachricliten.  2 1 1 

des  40Jähriü;en  Bestehens  des  Ks>;l.  Sachs.  2.  Ulanenregiments  Xr.  18 
(8. — 10.  Juni  1907)  eine  Sonderausstellung  von  Gegenständen,  die  sich 
auf  Rochlitzer  Garnisons-  und  Militärwesen  bezogen;  sie  ist  im 
„Kamerad"  beschrieben  worden.  Als  Festschrift  erschien  bei  dieser 
Gelegenheit  ein  ,,Grundrifs  der  Rochlitzer  Garnisonsgeschichte",  be- 
arbeitet vom  Vorsitzenden  des  Vereins  Dr.  Pfau. 

In  der  Gesellschaft  für  Zittauer  Geschichte,  die  zurzeit  120  Mit- 
glieder zählt,  hielten  im  letzten  Jahre  Vorträge:  Pfarrer  Sauppe  in 
Lückendorf  über  „Das  Hospital  St.  Jakob  in  Zfttau"  (am  6.  März  1907); 
Zeichenlehrer  Seh orisch  über  ,, Architektonische  und  kunstgewerb- 
liche Schönheiten  Zittaus"  (am  10.  April  1907);  Prof.  Dr.  Nefse  „Zur 
ältesten  Geschichte  der  Johanniter-Kommende  in  Zittau  und  Hirsch- 
felde 1373"  (am  24.  April  1907)-,  Pfarrer  Sauppe  in  Lückendorf  über 
„Ferdinand  I.  und  seme  Stellung  zur  Reformation  in  der  Oberlausitz" 
(am  6.  November  1907);  Prof.  Dr,  Koch  „Ein  neues  Hauptwerk  über 
Zittaus  Altertümer  und  Kunstdenkmäler"  (am  19.  Februar  1908). 

Der  Ausschufs  für  die  Zeitschrift  der  Gesellschaft  und  ihre 
Herausgabe  wurde  neu  gebildet.  Von  dem  die  Stadt  Zittau  be- 
handelnden 30.  Hefte  der  „Beschreibenden  Darstellung  der  Bau-  und 
Kunstdenkmäler  Sachsens"  wurden  50  Exemplare  angekauft.  Dem 
Stadtrat  lieferte  die  Gesellschaft  auf  seinen  Wunsch  kurze  Erklä- 
rungen zu  den  Stralsennamen.  Bei  Enthüllung  des  Gedenksteins  für 
Prot.  Paudier  in  Böhra.-Leipa  vertrat  die  Gesellschaft  deren  Vor- 
sitzender, Bürgermeister  Mietzsch. 

Der  Verein  für  Sächsische  Volkskunde,  dem  zur  Zeit  2188  Mit- 
gheder  und  43  Städte  angehören,  hielt  am  20.  Oktober  v.J.  zu  Grofsenhain 
seine  XL  Hauptversammlung  ab.  Am  Tage  vorher  wurde  äie  durch 
einen  volkskundlichen  Abend  im  Gesellschaftshause  eingeleitet,  bei 
dem  Lichtbilder,  Gesangsvorträge  und  eine  Spinnstube  mitGesprächen 
in  Grofsenhainer  Mundart  zur  Aufführung  gelangten.  In  der  Haupt- 
versammlung sprach  Prof. Dr.  Reuschel- DrQsden  über  „Theodor Fon- 
tane in  seiner  Beziehung  zum  Volkstum".  In  den  Vorstand  würden 
statt  des  austretenden  Prof.  Dr.  Stimime  Prof.  Dr.  Ficker-Leipzig  als 
Stellvertreter  des  Leiters  der  Bibliothek,  zu  Beisitzern  statt  desver- 
storbenen  Prof.  Dr.  Lücke  und  des  Oberregierungsrats  Dr.  Ermisch, 
der  eine  AViederwahl  abgelehnt  hatte,  Archivrat  Dr.  Beschorner  und 
Geh.  Regienmgsrat  Dr.  Stadler,  ferner  Baurat  E.  Kühn  und  Geh.  Bau- 
rat Wanckel-.Altenl^urg  gewählt.  In  der  Ortsgruppe  Dresden  hielten 
Vorträge:  am  28.  November  Baurat  Kühn  über  den  „gegenwärtigen 
Stand  unserer  ländlichen  wirtschattlich-kulturellen  Verhältnisse  und 
deren  Hebung",  am  13.  Februar  Hauptmann  a.  D.  Meinhold:  „Volks- 
kundliche Bilder  aus  den  Deutschen  Kolonien  in  Südbrasilien".  Ein 
weiterer  Vortragsabend  vor  geladenen  Gästen  fand  am  16.  Januar  im 
Festsaale  der  Königl.  Kunstgewerbeschule  statt;  dabei  sprachen  Prof. 
Seyffert  über  „Volkskunst",  Oberbaurat  Karl  Schmidt  und  Geh. 
Hofrat  Prof.  Dr.  Gurlitt  über  „Denkmalpflege  und  Heimatschutz". 
Die  Vorträge  wurden  am  28.  Januar  vor  einem  gröfseren  Publikum 
wiederholt. 

In  der  Historischen  Sektion  des  Gebirgsvereins  für  die  Sachs. 
Schweiz  sprach  am  10.  Oktober  1907  Prof.  Speck  über  „Das 
Pirnaische  Schulelend  im  17.  Jahrhundert";  am  7.  November  derselbe 
üher  ..Pirna  als  Artilleriegarnison  vor  100  Jahren";  am  5.  Dezember 
Dr.  Meiche    über    „Die    Oberlausitzer    Grenzurkunde    von    1241 

14* 


212  Nachrichten. 

und  die  Sächsische  Schweiz";  am  9.  |anuar  1908  Kantor  Storzner 
über  „Die  Kaufsurkunden  des  Gasthofs  zum  Fuchs  in  Schmiedefeld"  ; 
am  6.  Februar  Lehrer  A.  Jentsch  über  „Das  Land  der  Land- 
gräben"; am  5.  März  Lehrer  A.  Bergmann  über  „Das  Bauerntum 
vmserer  Heimat" ;  am  2.  April  Postdirektor  a.D.  von  Gizycki  über 
„Der  Kampf  um  die  Vorherrschaft  in  Deutschland".  Studienwande- 
rungen wurden  im  Sommer  1907  ausgeführt  nach  den  wüsten  Elb- 
orten  zwischen  Dresden  und  Pirna  und  aui^  den  Sibyllenstein  und 
Umgegend.  Aufserdem  fand  am  13.  November  1907  unter  Leitung 
von  Direktor  Döring  ein  Besuch  der  Sonderausstellung  „Die  Elbe" 
im  heimatkundlichen  Schulmuseum  zu  Dresden  statt.  Für  den 
Sommer  1908  sind  folgende  Ausflüge  geplant:  Mittwoch,  den 
22.  April,  nachmittags,  zum  Fuchs  bei  Schmiedefeld  (Führer  Kantor 
Storzner);  Sonntag,  den  5.  Juli  (Tagespartie)  nach  Neustadt,  Raupen- 
berg, Bozen  bei  Schluckenau  (Führer  Dr.  Meiche);  Freitag,  den 
28.  August,  nachmittags,  auf  das  Schlachtfeld  bei  Dresden  (Führer 
Schuldirektor  Döring).  Teilnehmer  haben  sich  l^eim  Schriftführer 
Kirchenbuchführer  H.  Boehme,  Annenkirche,  zu  melden.  Vor- 
sitzender ist  Prof.  O.  Speck  in  Pirna,  Stellvertreter  Lehrer  A.  Berg- 
mann in  Dresden. 

Im  Jahre  1906  wurde  zu  Hen'nhut  ein  Verein  für  Brüder- 
geschichte begründet,  der  schon  deshalb,  weil  in  Sachsen  bekanntlich 
die  Brüdergemeine  gestiftet  wurde  und  noch  heute  ihren  Hauptsitz 
hat,  auch  an  dieser  Stelle  zu  erwähnen  ist,  obwohl  die  Aufgaben, 
die  er  sich  gestellt  hat,  weit  über  die  Grenzen  unsers  Landes  hinaus- 
gehen. Den  Anlafs  zur  Gründung  des  Vereins  o;ab  die  bei  dem 
150jährigen  Jubiläum  der  theologischen  Fakultät  der  Gemeine,  des 
theologischen  Seminars  zu  Gnadenfeld,  von  dem  Prediger  W.  E. 
Schmidt  zu  Herrnhut  gegebene  Anregung  zur  Veröfi^entlichvmg  des 
Archivs  der  alten  Brüderunität,  der  13  sog.  Lissaer  Folianten,  in 
böhmischer  und  deutscher  Sprache.  Der  Verein  l^esteht  zurzeit  aus 
41  Gründern  und  331  Teilnehmern  in  allen  Weltteilen  aufser  Australien. 
Den  Vorsitz  führt  der  Archivar  der  Gemeine  D.  Jos.  Th.  Müller  in 
Herrnhut  und  als  Stellvertreter  der  Dozent  Lic.  Gerh.  Reichel  in 
Gnadenfeld;  Schriftführer  und  Schatzmeister  ist  W.  E.  Schmidt.  Der 
Zweck  des  Vereins  ist  Förderung  der  wissenschaftlichen  Forschung 
über  die  Geschichte  der  alten  und  neuen  Brüderunität  und  damit 
zusammenhängende  Forschungsgebiete.  Er  sucht  diesen  Zweck  zu 
erreichen  durch  Herausgabe  einer  Zeitschrift  für  Brüdergeschichte 
und  Veröffentlichung  von  Quellen  zur  ßrüdergescliichte.  Von  der 
ersteren,  die  halbjährlich  in  Heften  von  etwa  sechs  Bogen  erscheint, 
liegt  der  erste  Jahrgang  1907  vor  (Herrnhut,  Verlag  des  Vereins  für 
Brüdergeschichte,  in  Kommission  der  Unitätsbuchhandlung  in  Gnadau). 
Das  erste  Heft  enthält  aufser  Bücherbesprechungen  und  einer  Biblio- 
graphie der  im  Jahre  1906  von  Mitgliedern  der  ßrüdergemeine  ver- 
öflentlichten  Bücher,  Artikel  usw.  zwei  Aufsätze  von  J.  Th.  Müller 
über  das  auf  einem  1741  in  der  Synodal -Konferenz  gefafsten  Be- 
schlüsse beruhende  „Ältestenamt  Christi  in  der  erneuerten  Brüder- 
kirche", der  zugleich  einen  interessanten  Überblick  über  die  Älteste 
Verfassungsentwicklung  der  Brüdergemeine  gibt,  und  von  Walter 
E.  Schmidt  ,,über  das  religiöse  Leben  in  den  ersten  Zeiten  der 
Brüderunität",  in  dem  zunächst  über  die  Anfänge  der  Brüdergemeine 
im  15.  Jahrhundert  gehandelt  wird.  Das  zweite  Heft  bringt  einen 
Abdruck    des    ältesten    erhaltenen  Tagebuches  \on  Zinzendorf  aus 


Nachrichten.  213 

den  Jahren  1716 — 1719  und  fügt  als  Beilagen  eine  Anzahl  Schreiben 
aus  Zinzendorfs  Briefweclisel  vom  8.  April  bis  29  Juli  1716  und 
sechs  Stammtaleln  bei,  die  über  die  Abstammung  von  Zinzendorfs 
Vater  und  Mutter  Auskunft  geben  und  die  Familien  von  Friesen, 
von  Gersdortf ,  von  Burgsdorff  und  der  Grafen  von  Zinzendorf  be- 
treffen. Seine  erste  Hauptversammlung  wird  der  Verein  im  Früh- 
jahr d.  J.  gelegenthch  der  Synode  der  deutschen  Brüderunität  ab- 
halten. 

Von  den  zahlreichen  Hammerwerken,  die  einst  die  Täler  des 
Erzgebirges  belebten,  ist  das  einzige,  das  sich  in  alter  Gestalt  bis 
auf  die  neueste  Zeit  erhalten  hat,  der  Frohnauer  Hammer.  Sein  Be- 
stehen läfst  sich  seit  dem  Ende  des  15.  Jahrhunderts  sicher  belegen; 
zur  Zeit  Herzog  Georgs  diente  er  als  älteste  Stätte  der  späteren 
Annaberger  Münze.  Sein  jetziger  Besitzer,  der  „alte  Martin",  hat 
bisher  treulich  den  alten  Bestand  gewahrt,  der  nach  dem  Ableben 
des  Greises  gefährdet  ist.  Die  Königliche  Kommission  zur  Erhaltung 
der  Kunstdenkmäler  hat  sich  der  Angelegenheit  angenommen;  die 
Hauptfrage  bildete  aber  die  Beschafumg  des  Geldes  zum  Ankauf. 
Unter  Förderung  des  Annaberger  Amtshauptmanns  von  Welck  ist 
nun  in  Annaberg  ein  „Hammerbund"  2;eschaffen  worden,  der  sich 
den  Ankauf  zum  Ziele  setzt.  Das  öeld  soll  zusammengebracht 
werden:  i.  durch  auf  den  Namen  lautende  Anteilscheine  zu  20,  100, 
200,  500.  loco  und  2000  Mark,  die,  bis  Ende  19 12  unverzinslich,  dann 
mit  3"  0  verzinst  und  ausgelost  werden  sollen;  2.  durch  Beitritt  zum 
Hammerbunde  mit  Jahresbeiträgen,  deren  Bemessung  den  Beitreten- 
den überlassen  bleibt;  3.  durch  einmalige  höhere  Beiträge. 

Die  Ausführung  der  vom  Ministerium  des  Innern  bereits  ge- 
nehmigten Lotterie  ist  unsicher. 

Der  Königlich  Sächsische  Altertumsverein  hat  dem  Hammerljund 
einen  einmaligen  Beitrag  von  120  Mark,  der  Dresdner  Geschichts- 
verein einen  solchen  von  100  Mark  bewilligt;  auch  andere  Körper- 
schaften fördern  in  entsprechender  Weise  diese  der  Pflege  historischer 
Interessen  und  des  Heimatschutzes  gemeinsam  dienenden  anerkennens- 
werten Bestrebungen,  deren  Unterstützung  auch  weiteren  Kreisen 
warm  empfohlen  werden  kann.  Auch  der  Erlös  aus  dem  Verkauf 
einer  hübschen  Kartenserie  mit  Ansichten  des  Hammers  und  seines 
Betriebes  kommt  dem  Hammerbunde  zusfute. 


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Vorgeschichtliche  Funde  in  Sachsen  1906  und  1907.  Im  Herbste 
1906  konnten  die  bereits  1832  im  Jahresbericht  der  Deutschen  Ge- 
sellschaft zu  Leipzig  erwähnten,  bisher  noch  nicht  durchforschten  Hügel- 
fräber  am  Bienitz  westlich  von  Leipzig  nach  Abschlagen  des  Wald- 
estandes untersucht  werden.  In  einem  der  noch  vorhandenen  fünf 
Hügel  fanden  sich  die  Trümmer  zweier  Schnuramphoren,  ein  unver- 
zierter  Becher,  eine  fasettierte  Steinaxt  mit  Schaftloch,  aber  keine 
Skelettreste.  Die  Hügel  gehören  der  jüngeren  Steinzeit  an  und  sind  die 
ersten  in  Sachsen  durch  Gefäfsfunde  sicher  bestimmten  Hügelgräber 
aus  dieser  Periode. 

Ein  steinzeitliches  Skelettgrab  fand  man  im  Frühjahr  1906  bei 
der  Feldbestellung  am  Eckardsberg  südlich  von  Naundorf  bei 
Zehren  in  geringer  Tiefe  unter  einem  Steinpflaster.  Vor  der  Brust 
des  in  hoclcender  Stellung  auf  der  linken  Seite  ruhenden  Skeletts 
standen  mehrere  schnurverzierte  Becher,  am  Fufsende  eine  Schnur- 
amphore, dabei  lagen  ein  längerer  Flintspan  und  das  Bruchstück  eines 
Wetzsteines.     Bei  der  Untersuchung  der  Fundstelle  stiefs  man  noch 


21^.  Nachrichten. 

auf  mehrere  Gräber  mit  Steindecken,  die  nach  den  Bei_si;aben  —  drei- 
eckigen Bronzedolchen,  einer  bronzenen  Randaxt,  zwei  Spiraltinger- 
ringen  aus  glattem,  dünnem  Golddraht  und  Triunmern  von  zum  Teil 
schnurverzierten  Gefäfsen  —  aus  der  Übergangszeit  vom  Stein-  zum 
Bronzealter  stammen. 

Einzelfunde  von  Gefäfsen  aus  der  Gruppe  der  Schnurkeramik 
und  von  Äxten  aus  Feuerstein  und  Hornblendeschiefer,  sowie  Wohn- 
gruben mit  bandkeramischen  Resten  kamen  in  der  Kiesgrube  der 
Lambertsschen  Glashütte  in  Langenberg  bei  Riesa  zum  Voi'schein. 

Bei  der  Verbreiterung  der  Hamburger  Strafse  in  Dresden-Cotta 
wurden  Herdgruben  mit  zahlreichen  l:)andverzierten  Gefäfsresten  auf- 
geschlossen und  hierdurch  der  Zusammenhang  der  1892  bei  der  An- 
lage des  neuen  Weifseritzbettes  entdeckten  und  der  in  den  folgen- 
den Jahren  bei  Neubauten  an  der  Warthaer  und  Cossebauder  Strafse 
nachgewiesenen  Überreste  einer  ausgedehnten  neolithischen  An- 
siedelung am  Hochufer  der  Elbe  festgestellt. 

Die  seit  langem  aus  Oberflächenfunden  bekannte  steinzeitliche 
Ansiedelung  von  Seebschütz  bei  Meifsen  war  im  Herbst  1906  nach 
dem  Tiefpflügen  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  blofsgelegt;  102  ein- 
zelne Wohn-  und  Abfallgruben  waren  sichtbar. 

Weitere  Wohnplätze  aus  der  jüngeren  Steinzeit  konnten  in  der 
Umgebung  von  Mügeln,  Bez.  Leipzig,  bei  Baderitz,  Paschkowitz, 
Kemmlitz,  Schlagwitz  und  Glossen  festgestellt  werden. 

Ein  Wohnplatz  der  Bronzezeit  wurde  beim  Abbau  der  D3xker- 
hofifschen  Kie.sgmbe  in  der  Flur  Gohlis  bei  Dresden,  eine  Anzahl 
neuer  ürnenfelder  aus  derselben  Zeit  bei  Brock witz,  Piskowitz, 
Niedermus chütz  und  Rähnitz  nachgewiesen. 

Der  späten  Latenezeit  und  der  frührömischen  Kaiserzeit  gehört 
ein  Brandgräberfeld  bei  Piskowitz  an,  in  welchem  aufser  einigen 
Mäander-Ürnen  Eisenwaffen  und  mehrere  provinzialrömische  Bronze- 
fibeln gefunden  wurden.  Deichmüller. 


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In  Großenhain  wurde  bei  den  Ausschachtungsarbeiten  eines 
Grundstücks  der  Gafielsberger  Strafse  in  einer  Tiefe  von  2  m  ein  Topf 
mit  mehreren  hundert  Brakteaten,  darunter  solche  mit  den  Bildnissen 
Markgraf  Heinrichs  des  Erlauchten  und  Landgraf  Albrechts  des  Ent- 
arteten, gefunden.  Leider  wurde  der  Topf,  der  am  oberen  Rande  mit 
Band  Verzierungen  versehen  ist,  zertrümmert;  doch  ist  es  gelungen, 
aus  den  gesammelten  Scherben  die  Form  des  Gefäfses  festzustellen. 
Der  Fund  ist  dem  Grofsenhainer  Heimatsmuseum  geschenkt  worden. 

Zum  Direktor  des  Gemeinschaft].  Ernestin.  Archivs  und  des 
Großherzogl.  Geheimen  Haupt-   und   Staatsarchivs   zu   Weimar   ist   an 

Stelle  des  wegen  schwerer  Erkrankung  in  den  Ruliestand  getretenen 
Geh.  Hofrat  Dr.  Burkhardt  der  bisherige  Archivar  Dr.  J.  Trefftz,  zum 
Archivar  des  Geh.  Haupt-  und  Staatsarchivs  der  Archivassistent  am 
lothringischen  Bezirksarchiv  zu  Metz  Dr.  E.  Gri  tzner  ernannt  worden. 

Nach  Mühlhausen  wurde  als  Stadtarchivar  Dr.  R  u  d  o  1  f  B  e  m  m  a  n  n 
an  Stelle  des  in  gleicher  Eigenschaft  nach  Metz  übersiedelnden 
Dr.  Kunz  von  Brunn  gen.  von  Kaulfungen  berufen. 

Preisaufgabe.  Für  den  ersten  Preis  der  v.  Frege-Weltzienstiftung 
stellte  die  Künigl.  Sächsische  Kommission  für  Geschichte  die  Auf- 
gabe: „Der  Einflufs  der  Kontinentalsperre  auf  die  Entwicklung  des 
Wirtschaftslebens  im  Königreich  Sachsen  soll  möglichst  allseitig  so 


Nachrichten.  2 1  s 

untersucht  werden,  dafs  die  Ergebnisse  sichere  Bausteine  zu  einer 
vertieften  Geschichte  Sachsens  in  der  Zeit  Friedrich  Augusts  des 
Gerecliten  l)ietcn."  Bear1)eitunuen  sind  unter  Beigabe  des  Namens 
des  Veriassers  in  einem  versclilossenen  Brietumschhitie,  der  ein 
Kennwort  und  eine  Adresse  für  die  Rücksendung  des  Manuskriptes 
tragen  mufs,  bis  zum  i.  September  1910  an  die  Königl.  Sächsische 
Kommission  für  G(>schichte,  Leipzig,  Universität,  Bornerianum,  ein- 
zusenden.    Preis   1000  Mark. 

Am  17.  Oktober  v.  J.  starl)  zu  Blasewitz  der  Geh.  Hofrat  Dr.  jur. 
Julius  Richard  Erbstein.    Geboren  30.  Juni  1838  als  Sohn  des  Archivars 
am  Hauptstaatsarchiv  zu  Dresden  Julius  Theodor  Erbstein,   liatte  er 
1858  — 1860  in  Leipzig  Rechtswissenschaft    und   Geschichte  studiert 
und  war  dann  1861  — 1866  gemeinschaftlich  mit  seinem  Bruder  Heinrich 
Albert  Erbstein  am  Germanischen  Museum  zu  Nürnberg  als  Sekretär 
tätig.     Nach    einem    dreivierteljährigen    Aufenthalt    in    Zürich,    wo 
die    Brüder    eine    Beschreibung    der    Ritter  von   Schulthefs-Rechen- 
bero'ischen  Münzen-  und  Äledaillensammlung  bearbeiteten,  verlegten 
sie  ihren  Wohnsitz  nach  Dresden,  wo  sie  anfänglich  als  Privatgelehrte 
lebten,  bis  nach  dem  Tode  von  Th.  Graefse  1885  Albert  zum  Direktor 
des  Krmigl.  ^Münzkabinetts,  Julius  zum  Direktor  des  Königl.  Grünen 
Gewölbes  ernannt  wurden;  im  Jahre  1885  \vurden  dem  letzteren  die 
beiden  genannten  Sammlungen  übertragen,  während  Albert  an  die 
Spitze  des  historischen   Museums  und   der  Porzellansammlung  trat. 
Nachdem  Albert  im  Jahre  1890  gestorben  war,  wui'de  Julius  Dn-ektor 
des  Königl.  Grünen  Gewolltes,    des  Königl.  Münzkabinetts  und  der 
Königl.  Porzellansammlung  und  blieb  in  dieser  Stellung  bis  zu  seinem 
Rücktritt  im  Frühjahr  1907.    J.  Erbstein  galt  als  einer  der  kenntnis- 
reichsten Münzkenner  und  Münzforscher  und  hat  auf  diesem  Gebiete 
eine  Reihe  von  gründlichen  Arbeiten  veröffentlicht,  so  das  schon  er- 
wähnte-umfangreiche  Werk  über  die  v.  Schulthefs- Rechenbergische 
Münz-  und  Medaillensammlung   (Dresden   1868),    die  „Erörterungen 
auf  dem   Gebiete  der  sächsischen  Münz-  und   Medaillengeschichte" 
(Dresden  1886— 1898)  und  zahlreiche  Aufsätze,  die  haupt'sächlich  in 
der  von  ihm  herausgegebenen  Zeitschrift  „Münz-  und  Medaillenfreund" 
erschienen  sind.  Er  war  Vorsitzender  der  Dresdner  numismatischen  Ge- 
sellschaft und  seit  1890  zweiter  Vorsitzender  des  Königl.  Sächsischen 
Altertumsvereins.     Seine  eigene  Münz-  und  Medaillen'sammlun^  ^alt 
als  eine  der  bedeutendsten  Privatsammhmgen  Deutschlands;  leider 
ist  es  nicht  gelungen,  sie,  wie  man  hoffte,  ungeteilt  dem  sächsischen 
Staate  zu  erhalten,   sondern   sie  wird  in  diesem  Sommer  durch  die 
Münzhandlung  von  Adolph  Hefs  Nachfolger  in  Frankfurt  a.  M.  ver- 
steigert werden. 

Hof  rat  Dr.  Bruno  Stübel,  Oberbibliothekar  an  der  Königl.  öft'entl. 
Bibhothek  zu  Dresden,  starb  nach  längerem  Leiden  am  28.  November 
v.J.  Geboren  am  18.  November  1842  zu  Leipzig  und  auf  der  Nicolai- 
schule daselbst  vorgebildet,  studierte  er  1862 — 1865  in  Leipzig  Medizin, 
dann  in  München  Geschichte,  promovierte  1867  in  Leipzig  mit  einer 
Schrift  über  dasChronicon  Sampetrinum.  wurde  iSbyalsVolontär  an  der 
Leipziger  Stadtbibliothek  angestellt  und  gehörte  seit  1869  der  dortigen 
Universitätsl)libliothek  an,  bis  er  1887  als  Oberbibliothekar  nach 
Dresden  berufen  wurtle.  Unter  seinen  historischen  Arbeiten  ver- 
dienen besonders  die  Au.sgabe  des  Chronicon  Sampetrinum  (Geschicht.s- 
quellen  der  Provinz  Sachsen  und  angrenzender  Gebiete,  heraus- 
gegeben von  den  geschichtlichen  Vereinen  der  Provinz.  Bd.  L  Erfurter 


2 1 6  Nachrichten. 

Denkmäler.  Halle  1870)  und  das  ürkvmdenbucli  der  Universität 
Leipzig  (Codex  diplomat.  Saxon.  Abt.  II.  Bd.  11.  Leipzig  1879) 
hervorgehoben  zu  werden.  Ein  fleifsiger  Forscher,  ein  stets  ge- 
fälliger und  hilfsbereiter  Beamter,  eine  gerade  und  liebenswürdige 
Natur,  wird  er  in  der  Erinnenmg  aller,  die  ihn  näher  kannten,  fort- 
leben. 

In  Hofrat  Dr.  Karl  .Adolf  Mirus  (geb.  27.  Februar  1829),  dessen 
jäher  Tod  am  21.  November  v.J.  die  grofse  Zahl  seiner  Freunde  in 
tiefe  Trauer  versetzte,  hat  nicht  allein  die  Stadt  Leisnig  einen  ihrer 
besten  Söhne,  sondern  auch  die  vaterländische  Geschichtspflege  einen 
verständnisvollen  Förderer  verloren,  wenn  auch  der  Verstorbene  selbst, 
abgesehen  von  seinen  familiengeschichtlichen  Forschungen,  nur 
selten  kleine  Arbeiten  veröffentlicht  hat.  Er  gehörte  1866  zu  den 
Gründern  des  Leisniger  Geschichtsvereins,  eines  der  ersten  unter 
den  zahlreichen  ortsgeschichtlichen  Vereinen  Sachsens,  und  hat  zu 
ihm  bis  zu  seinem  Tode  mit  seltener  Treue  gehalten;  seit  1898  stand 
er  als  erster  Vorsitzender  an  seiner  Spitze.  Vor  allem  das  stattliche 
Museum,  das  der  Verein  zusammengebracht  hat,  verdankt  ihm  sehr 
viel,  wie  er  denn  jederzeit,  wenn  es  galt,  ein  geschichtliches  Denkinal 
seiner  Stadt  zu  erhalten  oder  wiederherzustellen,  seine  freigebige 
Hand  gern  auftat.  Jeder,  der  den  anregenden,  liebenswürdigen  und 
bis  in  sein  hohes  Alter  jugendfrischen  Mann  kennen  gelernt  hat, 
wird  ihm  stets  ein  freundliches  Andenken  bewahren. 

Am  25.  Januar  d.  J.  starb  zu  Kirchberg  der  Vizedirektor  und 
Organist  em.  A.  Bär,  geboren  25.  August  1827  zu  Mühlhausen,  der 
Verfasser  der  „Beiträge  zur  Geschichte  der  Herrschaft  Wiesenburg 
und  der  Stadt  Kirchberg"  (Kirchberg  1898). 


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VII. 

Der  Pleifsensprengel. 

Ein  Beitrag  zur  kirchlichen  Geographie  von  Sachsen. 

Von 
Leo  Bönhoff. 

(Schlufs.) 


3.    Die  Bildung  des  Archidiakonates 
und  seine  Erweiterung. 

Ehe  wir  die  Frage  erörtern,  wer  den  Pleifsensprengel 
verwaltete,  müssen  wir  erst  untersuchen,  wann  er  ins  Leben 
trat,  und  ob  sein  Umfang  allezeit  sich  gleich  blieb  oder  Ver- 
änderungen erfuhr.  Einen  Fingerzeig  dafür,  wann  im  Naum- 
burger Bistume  Archidiakonate  eingerichtet  sein  möchten, 
geben  uns  drei  Urkunden:  zwei,  miteinander  verglichen,  die 
dritte,  für  sich  allein  betrachtet;  jene  beiden  für  den  Zeitzer 
Propsteisprengel,  diese  für  unsere  Kirchenprovinz.  Es  handelt 
sich  erstens  um  den  Vergleich  der  Urkunden  der  Bischöfe 
Dietrich  L  und  Udo  L  von  Naumburg  für  die  Pfarrkirchen 
von  Plauen  (1122)  und  Reichenbach  (1140);  während  es 
dort  heifst:  sacerdos  ecclesie  Plawensis  curam  de  manu  succes- 
sorum  nostrorum  (i.  e.  episcoporum  Nuenburgensium)  reci- 
piat'),  wird  hier  schon  anders  verfügt:  sacerdos  Reichen- 
bach ensi  ecclesie  preficiendus  curam  de  manu  prepositi 
ecclesie   Czicensis   recipiat"-).     Das    Ergebnis   unserer   Be- 


')  Dresden  HStA.  Or.  Nr.  43.  Gedr.  Mitteil.  d.  Altertumsver.  zu 
Plauen  (MAP.)  I  Nr.  i. 

^)  Dresden  HStA.  Or.  Nr.  765.  Gedr.  MAP.  Nr.  2.  Die  Urkunde 
ist  Transsumt  (s.o.)  und  darum  nicht  frei  von  Interpolationen.  Kritische 
Untersvichungen  haben  mir  die  obigen  Worte  bis  auf  Reichenbachensi 
als  unverdächtig  erwiesen. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.     3.  4.  15 


2l8 


Leo  Bönhoff: 


trachtung  dürfte  kein  anderes  sein,  als  dafs  —  da  auch  Plauen 
bis  um  1470  dem  Zeitzer  Propste  als  Archidiakonus  unter- 
stand^) —  der  letztere  diese  Eigenschaft  in  der  Zeit 
zwischen  1122  —  1140  erhalten  hat.  Eine  wertvolle  Be- 
stätigung hierfür  empfangen  wir  durch  die  dritte  Urkunde, 
die  ebenfalls  von  Bischof  Udo  I.  und  aus  dem  Jahre  1140 
herrührt,  den  erneuerten  Fundationsbrief  für  Altenkirchen-). 
Unsere  Aufmerksamkeit  wendet  sich  hierbei  den  verschiedenen 
Kirchweihen  zu,  von  denen  wir  nachstehende  Übersicht  ent- 
werfen : 


Nr. 

Bischof 

P  auart 

König                  Aktor 

I. 

2. 

3- 

4. 

Günther 
Walram 

[Udo  I. 

Holz 
Stein 

Heinrich  IV.'   Richer 
(1080— 1105)    Alexander 
1  Konrad  III.      Witrad       i , 
((1138-1152)    Heinrich    ) 

Am  allerwichtioslcn  ist  hier  der  Vergleich  der  beiden  Aktoren- 
paare: das  eine  von  ihnen  besteht  aus  zwei  Pfarrern:  Richer 
wird  als  sacerdos,  Alexander  als  provisor'')  bezeichnet,  das 
andere  hingegen  aus  zwei  Archidiakonen  im  Gaue  Plisni. 
Das  ist  sehr  bezeichnend:  zwischen  der  zweiten  und  dritten 
Kirchweihe  ist  der  Archidiakonat  aufgekommen  und  hat  sich 
zwischen  Bischof  und  Pfarrer  eingeschoben.  Der  Spielraum 
läge  hier  zwischen  1105  und  1138,  wenn  wir  nach  den  Königen, 
zwischen  im  und  11 38,  wenn  wir  nach  den  Bischöfen  uns 
richten.  Auf  Walram  (-{-  im  April  im)  folgten  als  Udos  1. 
Vorgänger  Dietrich  I.  (ermordet  27.  September  11 23)  und 
Richwin  (-]-  11.  April  1125);  da  1122  noch  keine  Archidiakonen 
bestanden,  Dietrich  auch  kaum  kurz  vor  seinem  Tode  solche 
durchgreifende  Neuorganisation  der  Diözese  unternommen 
haben  wird,  und  Richwins  Regierungszeit  nur  i '/.,  Jahre  um- 
fafste,  so  werden  wir  die  Einrichtung  der  Archidiakonate  dem 
tüchtigen  und  ausgezeichneten  U  do  zuschreiben  und  sie  zwischen 
1125  und  II 38  anzusetzen  haben.  Bedenken  wir,  dafs  er  nicht 
sofort  nach  seinem  Antritte  den  wichtioen  Schritt  unternommen 
haben   mag,    und    dafs    ein    Bestehen    der    Institution   bereits 


1)  MAP.  VII  (1888 f.),  47-  (66,). 

-)  Cod.  dipl.  Sax.  I,  2,  loi. 

^)  Damit  ist  kein  laiischer  Kirchen  Vorsteher  gemeint.  (Gegen 
Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  VII,  372.)  Der 
„laicus  parochialis  ecclesiae  provisor  seu  vitricus,  qui  altiniiannus  vul- 
gär! vocabulo  nuncupatur",  ist  erst  um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts 
nachweisbar. 


Der  Pleifsensprengel.  219 

einige  Jahre    vor    1138    vorausgesetzt    werden   darf,    so   wird 
sich  der  Zeitpunkt  auf  1127  — 1135   beschränken  lassen. 

Ebenso  wichtig  ist  die  Frage  nach  einer  etwaigen  Er- 
weiterung des  Pleifsensprengels.  Die  obigen  Archidiakonen, 
die  ersten,  von  denen  wir  hören,  und  die  es  wohl  auch  über- 
haupt gewesen  sind,  werden  bezeichnet:  Witrad  als  in  pago 
memorato  (sc.  Plisna)  archidiaconus,  Heinrich  ebenfalls  zweimal 
als  in  Plisna  archidiaconus.  Ihr  Bezirk  umfafste  mithin  nur 
den  Gau;  darüber  läfst  uns  diese  Bezeichnung  rieht  im  un- 
klaren. Sie  erscheint  nicht  wieder,  sondern  wird  abgelöst 
durch  die  andere  fortan  gebräuchliche:  archidiaconus  terre 
Plisnensis.  Hieraus  ergibt  sich,  dafs  eine  Erweiterung  statt- 
gefunden hat;  terra  Plisnensis  ist  ein  weiterer  geographischer 
und  politischer  Begriff  als  pagus  Plisna.  Von  einem  Pleifsen- 
lande  kann  erst  seit  Kaiser  Friedrich  I.  die  Rede  sein;  an  ihn 
waren  ja  vor  1158  die  Allodialbesitzungen  des  Grafen  Rabodo 
von  Abensberg,  der  die  Enkelin  Wiprechts  von  Groitzsch, 
Herthas  von  Morungen  einzige  Tochter  Mathilde,  geheiratet 
hatte,  durch  Kauf  (quingentis  marcis)  gelangt.  Sie  umfafsten 
die  Schlösser  Leisnig  und  Colditz  sowie  den  Markt  Lausigk 
nebst  Zubehör,  den  Hof  Schkölen,  die  Burg  Gleisberg,  den 
Berg  Jenzig  und  das  Schlofs  Morungen.  Diese  Liegenschaften, 
seinen  (hohenstaufischen)  Hausbesitz,  schlug  der  Kaiser,  der 
dem  Herzog  Heinrich  von  Ba3'ern  und  Sachsen  die  Burg 
Baden  durch  die  Reichsgüter  Herzberg,  Scharzfeld  und  Pöhlde 
abgetauscht  hatte,  um  seinerseits  das  Reich  zu  entschädigen, 
zu  dessen  Bestände^)  und  vereinigte  sie  mit  dem  Pleifsengau, 
von  dem  er  noch  am  13.  Februar  1160  als  pago  nostro  Plisna 
spricht").  Dazu  kamen  noch  Rodungen,  die  weiter  südlich  in 
regali  silva  Blisinensi,  wie  des  Kaisers  Oheim  und  Vorgänger, 
König  Konrad  III.,  im  Jahre  1143  diese  Gegend  nennt '^j,  und 
so  erweiterte  sich  der  Pleifsengau  zum  Pleifsenlande,  für 
welches  Friedrich  ums  Jahr  11 60  einen  Landrichter  (judex 
provincialis  s.  generalis)  zu  seinem  Stellvertreter  bestellte*). 

Unser  Pleifsensprengel  erstreckte  sich  nicht  über  die 
ganze  terra  Plisnensis,  da  z.  B.  Leisnig  und  Colditz  in  der 
Meifsner  und  Lausigk  in  der  Merseburger  Diözese  lagen,  wohl 
aber   über   ihre  Hauptmasse,    die  sich   die  Pleifse  von  Reo-is 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  2,  189.   Vgl.  Arnoldi  chron.  Slav.  VII,  16. 
-)  Schöttgenu.  Kreysig,  Dipl.  etc.  II,  426. 
*j  Mitzschke,  Urkundenbuch  von  Bürgel  I,  28.    Nr.  11. 
^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  IX, 
168,  363;  X,  II. 


IS* 


2  20  Leo  Bönhoff: 

bis  Werdau  hinaufzog,  und  empfing  so  seine  neue  Bezeichnung. 
Noch  durch  einen  zweiten  Umstand  läfst  sich  seine  Erweite- 
rung beweisen.  Es  bedarf  nur  eines  Hinweises  auf  folgende 
i8  Parochien  seines  Bestandes: 


76.  Schkinzig 
13.   Crossen 
63.  Osterweih 
97.   Marien         ] 


rt 
.^ 


7.  Bockwa 
14.  CuHtzsch 
36.   Kirchberg 

4.  Bärenwalde 
60.  Obercrinitz 
79.  Stangengrün 


34.  Hirschfeld 

88.  Rottmannsdorf 

64.  Planitz 

48.  Marienthal 

87.  Weifsenborn 

52.  Mosel 


98.  Margaretheni.y 

99.  H.  Geist        )^ 

Auf  unserer  Karte  stellt  sich  das  von  ihnen  eingenommene 
Gebiet  als  ein  länglicher  Streifen  dar,  der  durchgängig  eine 
Breite  von  zwei  Kirchspielen  aufweist,  ein  Anhängsel  im  Süd- 
osten des  Archidiakonates.  Um  diese  eigentümliche  Bildung 
zu  verstehen,  müssen  wir  uns,  wie  schon  oben  angekündigt, 
mit  der  Zwickauer  Marienkirche  als  dem  parochialen  Mittel- 
punkte eines  ganzen  Gaues  näher  beschäftigen.  Wir  ziehen 
hier  die  in  Frage  kommenden  Stellen  ihres  vom  Naumburger 
Bischof  Dietrich  I.  unterm  i.  Mai  11 18  ausgestellten  Stiftungs- 
briefes ^)an.  ,,Interritorio  eins  (sc. Berthe  comitisse)  Zcwickaw 
ecclesiam  parochialem  in  honorem  beate  Marie  virginis 
consecravimus",  teilt  hierin  der  Bischof  mit,  um  etwas  später 

fortzufahren:   ,,Terminos  .  .  .  parochialis  ecclesie  eidem 

(prenotamus) 

ab  Oriente:  rivulum  Milsenam  dictum  a  capite  suo  usque 
descensum  eins  in  Muldam, 

a  meridie:  montem  Luder  in  (statt  Luderni)  et  per 
transversum  descensum  Scurnice  in  Muldam  collemque 
Recina  (statt  Recma), 

ab  occidente:  fontem,  qui  Albodis  studniza  (statt 
Albodistudinza)  dicitur,  descensumque  in  Plisnam, 

a  septentrione :  fossam,  que  Hirsis-sprunck  dicitur, 
et  collem,  qui  Weydemannis-sciets  vocatur. 

Mit  dieser  Grenzbeschreibung  verbindet  Dietrich  die 
bischöflichen  Verfügungen:  i.  dafs  man  innerhalb  besagten 
Gebietes  von  sämtlichen  Feldern,  die  schon  bebaut  seien  und 
noch  bebaut  würden  (also  auch  vom  Neubruchlande)  den 
Zehnten,  den  er  bisher  ganz  empfing,  fortan  halb  an  ihn, 
halb  an  die  sechs  Bosauer  Mönche,  welche  dem  Gottesdienste 


^)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  2,  45.  Nr.  53.  Das  Original  ist  nicht 
mehr  vorhanden,  was  bei  der  Schreibung  der  Eigennamen  wohl  zu 
beherzigen  ist. 


Der  Pleifsensprengel.  221 

und  der  Seelsorge  an  der  Marienkirche  obliegen,  zu  entrichten 
habe;  2.  dafs  alle  Kirchen,  die  sich  künftig  in  dem  Pfarr- 
bezirke erhöben,  als  Filiale  von  Zwickau  vollständig  abzuhängen 
hätten;  3.  dafs  die  incolae  loci,  d,  h.  die  Zwickauer,  die  Er- 
trägnisse der  ihnen  von  der  Gräfin  Bertha  (im  Umkreise  der 
obigen  Grenzen)  zugestandenen  Fischerei  und  Jagd  zu  ver- 
zehnten  verpflichtet  seien.  Fügen  wir  noch  zum  Verständnis 
des  Folgenden  hinzu,  dafs  das  Widum  (dos)  der  Marienkirche 
in  zwei  Hufen  und  dem  böhmischen  Zolle  (jährlich  15  Pfund) 
bestand,  so  können  wir  den  beiden  Fragen  näher  treten,  die 
sich  ergeben. 

Die  eine  von  ihnen  betrifft  die  Identifikation  der  Grenzen 
in  unserer  Urkunde,  die  andere  den  Zeitpunkt,  bis  zu  welchem 
St.  Marien  in  Zwickau  eine  Gaukirche  blieb.  Denn  dafs  mit 
dem  Ausdrucke  territorium  ein  Gau  gemeint  sein  mufs,  ergibt 
sich  aus  einer  zweiten  Urkunde  desselben  Bischofs.  Am 
9.  November  11 21  bestätigt  nämlich  Dietrich  dem  Kloster 
Bosau  seine  sämtlichen  Besitzungen,  darunter  auch  ,,in 
Zwickouwe  II  mansos  et  dimidium  theloneum,  qua  solvunt 
XVI  libras,  et  ecclesiam  baptismalem  cum  dote  et  deci- 
matione  eiusdem  pagpy.  Es  sind  also  die  Grenzen  des 
Gaues  Zwickau,  die  wir  festzustellen  haben.  Wir  beginnen 
im  Westen:  hier  fliefst  die  Pleifse  (Plisna),  in  die  sich  das 
Gewässer  ergiefst,  dessen  Ursprung  die  Quelle  (sorbisch: 
studniza)  des  „Albo(l)d"  ist.  Noch  im  Jahre  1303  erscheint 
unter  den  Zwickauer  Bürgern  ein  gewisser  Konrad  aus  AI  vols - 
burn,  d.  i.  Ebersbrunn  oder,  wie  es  früher  viel  richtiger  hiefs, 
Ebelsbrunn.  Die  Pleifse  setzt  sich  nach  den  gründlichen  Dar- 
legungen des  ehemaligen  Zwickauer  Superintendenten  Weiler"-) 
zusammen  aus  drei  Bächen;  der  eine  entspringt  in  Oberneu- 
mark, der  zweite  in  Schönbach,  der  dritte  in  Schönfels.  Die 
ersten  beiden  vereinigen  sich  in  Neumark  und  nehmen  den 
dritten  in  Gospersgrün  auf,  wo  zuerst  der  Name  Pleifse  ge- 
bräuchlich  ist.     In   Steinpleifs   mündet   nun   in    das   Flüfschen 


^)  Schöttgen  u.  Kreysig",  Dipl.  etc.  II,  41  q.  In  der  Zeit  von 
m  8  —  1 121  hat  also  Kloster  Bosau  im  Gau  Zwickau  noch  zwei  Hufen 
und  die  andere  Hälfte  des  Bischofszehnten  erworben.  Letzteren 
hat  es  der  Marienkirche  überlassen,  wogegen  diese  von  ihrem  Widum 
den  halben  Zoll  abtrat.  Derselbe  mufs  erheblich  gestiegen  sein, 
da  er,  rechnen  wir  auf  jeden  der  beiden  mansi  30  nummi  (Cod.  dipl. 
Sax.  reg.  I,  2,  250  [ao.  11 74]  Nr.  404),  d.  i.  30  solidi=  i  '2  Pfd.  rechnen, 
im  ganzen  26  Pfd.  betrug. 

-)  Kreysig,  Beitr.  z.  Historie  d.  Chur- u.  Fürstl.  Sachs.  Lande 
VI,  146 — 150. 


22  2 


Leo  Bönhoft": 


der  sogenannte  ,,Lichtentanner  Bach",  der  oberhalb  von 
Ebersbrunn  seine  Quelle,  den  ,, Lindenborn",  hat  und  durch 
dieses  Dorf,  durch  Stein  und  Lichtentanne  fliefst.  Er  ist  mit 
jenem  descensus  in  Plisnam  gemeint.  Ganz  deutlich  ist  die 
Ostgrenze,  die  zusammenfällt  mit  dem  gesamten  Laufe  des 
Mülsenbaches  von  seiner  Mündung  bei  Schlunzig  bis  an  seine 
Quelle  in  der  Nähe  des  Prommnitzer  Gasthofes  (,, Brummer") 
bei  Neudörfel  (Parochie  Ortmannsdorf). 

Wir  besitzen  also  zwei  sichere  Punkte  der  Ost-  und  West- 
grenze nach  Norden  zu:  die  Mündungen  des  Mülsen-  und  des 
Lichtentanner  Baches.  Zwischen  ihnen  und  den  beiden  End- 
punkten der  nördlichen  Gaugrenze  sind  die  verbindenden 
Linien  zu  ziehen.  Am  leichtesten  dürfte  die  fossa  (Pfütze 
d.  i.  kleines  Wasser)  namens  „Hirschensprung"  (d.  i.  wo  die 
Hirsche  bespringen)  zu  ermitteln  sein.  Oberhalb  des  Schind- 
maaser  Wehres  ergiefst  sich  in  die  Mulde,  zu  einer  Lache  sich 
verbreiternd,  der  Scheidenbach,  dessen  Quelle  (310  m  hoch) 
an  der  Zwickau-Meeraner  Chaussee  sich  befindet,  seit  alten 
Zeiten  die  Grenze  zwischen  Schönburgschem  und  sächsischem 
Gebiete:  er  durchläuft  den  gleichnamigen  Wald  (1361:  silva 
dicta  Scheidenbach)  und  die  Aue,  wobei  er  den  Erlbach  von 
Schlunzig  her  aufnimmt').  Den  Hügel  ,, Weidmannsstand" 
(d.  i.  wo  der  Jäger  zum  Schusse  [sc(h)iets]  gelangt)  müssen 
wir  also  westlich  von  der  Quelle  des  Scheidenbachs  suchen, 
und  zwar  im  Norden  der  Harthwaldung,  südlich  von  Gersdorf 
(Parochie  Lauenhain)  und  Harthau,  nordöstlich  von  Dänkritz 
imd  nordwestlich  von  Mosel,  d.  i,  etwa  in  der  Nähe  der 
,, Steinfüchse".  Nicht  minder  stehen  uns  aber  auch  zwei  sichere 
Punkte  der  West-  und  Ostgrenze  für  den  Süden  zur  Ver- 
fügung: die  Quellen  des  Lichtentanner  und  des  Mülsenbaches. 
Die  Südgrenze  selbst,  mit  deren  äufsersten  Enden  dieselben 
zu  verbinden  sind,  wird  durch  drei  Angaben  gekennzeichnet. 
Wir  greifen  die  mittelste  heraus,  einmal  wxil  sie  sofort  ver- 
ständlich ist:  es  handelt  sich  um  das  Schwarzwasser  (Scur- 
nice  vgl.  tschechisch  cerny  =  schwarz,  und  zwar,  wie  des- 
census andeutet,  von  seiner  Mündung  bei  Aue  (in  Muldam) 
ein  Stück  stromauf;  sodann  aber,  weil  nicht  nur  dieses  des- 
census uns  nach  Südosten  weist,  sondern  auch  daspertransversum 
(querfeldein)  nach  Nordwesten.  Damit  ist  der  ganze  Grenz- 
zug gekennzeichnet:  den  mons  Luderin  (Lauterberg)  haben 
wir  südöstlich,   den   coUis  Recina    nordwestlich   von  Aue   an- 


^)  Vgl.  Herzog,  Chronik  von  Zwickau  II,  18.  Eckardt,  Chronik 
von  Glauchau  S.  3,   271     Kreysig  a.  a.  O.   VI,  131  ff.  (§  5). 


Der  Pleifsensprengel.  223 

zunehmen.  Der  erstere,  am  Ufer  des  Schwarzwassers,  und 
zwar  auf  dem  hnken  gelegen,  ist  der  Jeremiasberg  zwischen 
Lauter  und  Neuwelt  gegenüber  dem  Teufelssteine  (516  m 
hoch)  und  bezeichnet  den  Anfang  der  Strecke,  längs  deren 
das  Schwarzwasser  die  Grenze  bildet  und  die  an  seiner  Mün- 
dung ihr  Ende  findet.  Jener  Hügel  Recina  aber  ist  zugleich 
in  südöstlicher  Richtung  vom  Lindenborne  aufzuspüren,  wird 
also  wohl  in  der  Nähe  von  Kirchberg  anzutreffen  sein: 
es  ist  der  Borberg,  vordem  auch  Hohenforst  geheifsen,  an 
dessen  östlichem  Gehänge  eine  sorbische  Siedelung,  die  so- 
genannte „Altstadt",  lag.  Nur  eine  einzige  Lücke  existiert, 
nämlich  zwischen  der  Mülsenquelle  und  dem  mons  Luderin: 
vun  letzterem  zog  sich  die  Grenze  auf  der  Linie  Zwönitz- 
Beutha  durch  dichten  Wald  hin;  dann  ging  sie  die  Pflocken- 
strafse  entlang  und  am  ,, Zollhause"  von  Zschocken  vorüber 
und  führte  endlich  über  die  ,,Neue  Sorge"  zur  Mülsenquelle. 
Der  südliche  Teil  dieser  Strecke  ward  durch  den  Löfsnitzer 
Gotteswald  und  den  Hartensteiner  Forst  nach  Osten  zu  be- 
grenzt^). 

Es  fragt  sich  weiter,  wie  lange  Zwickau  kirchlicher 
Mittelpunkt  für  den  Gau  gleichen  Namens  blieb.  Wir  besitzen 
nicht  weniger  als  fünf  Bestätigungsbriefe  über  die  Besitzungen 
des  Klosters  Bosau"^): 

1.  desErzbischofsFriedrich  von  Magdeburg,  29. Mail 

2.  ,,   Bischofs  Wichmann  von  Naumburg,   8.  Juni I      ^    ' 

3.  ,,   Papstes  Eugen  IIL,   29.  Dezember  1152; 

4.  ,,   Kaisers  Friedrich  L,   13.  Februar   11 60; 

5.  ,,  Erzbischofs  Wichmann  von  Magdeburg,  7.  Mai  117 1. 
Abgesehen  vom  vierten  kehrt  in  allen  die  Wöndung  wieder: 
in  (pago)  Zwickowe  ecclesia,  cui  attinent  duo  mansi  et  deci- 
matio  ipsius  pagi.  Die  Kirche  besafs  also  den  halben  Zoll 
nicht  mehr,  da  für  das  cum  dote  ein  cum  duobus  mansis 
(Nt"-  3)  getreten  ist.  Das  Kloster,  •  dem  sie  einverleibt  war, 
hatte  ihn  an  sich  gezogen  und  mit  der  anderen  Hälfte  im 
Jahre  1145  gegen  die  beiden  Dörfer  Techwitz  bei  Zeitz  (Teche- 
bodiz)  und  Roda  (Wüstung)  bei  Pölzig  (Rodowe)  an  Bischof 
Udo  L  vertauschte'*);  allein  dieser  Tausch  mufs  vor  1160 
wieder    rückgängig    gemacht    worden    sein.     In   Nr.  4  und  5 


1)  Mitteil.  d.  Altertumsver.  Kirchberg    Nr.  12,    S.  47.    Vgl.  Bär, 
Beitr.  z.  Gesch.  d.  Herrschaft  Wiesenburg  u.  d.  Stadt  Kirchberg  S.  19. 
2j  Vgl.  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Zwickau  S.  849—852. 
^)  Schöttgen  u.  Kreysig,  Dipl.  etc.  II,  422ff.,  426,  433. 
^)  Herzog  I,  88,  246. 


2  24  Leo  Bönhoff: 

nämlich  sind  die  beiden  Dörfer  verschwunden,  und  in  Nr.  4 
besitzt  die  Marienkirche  wenigsten  die  decima  nummorum  ex 
teloneo.  Endlich  ist  des  schiedsrichterlichen  Urteiles  Kaiser 
Heinrichs  VI.  vom  8.  Dezember  1192  zu  gedenken,  welches 
dem  Kloster  Bosau  ecclesiam  Zwickowe  cum  duobus  mansis, 
decimatione  telonii  et  quinquaginta  scobronum  et  XII  curtibus 
restituierte^).  Danach  besafs  die  Pfarrei  als  Einkünfte  '/m  ^^11 
und  50  Schober  oder  3000  Garben  Dezem.  Dies  ist  noch  die 
ältere  Art  der  Zehntung,  die  decima  plenaria  s.  ex  integro, 
wonach  von  den  Garben  auf  dem  Felde  diese  Abgabe  ein- 
gehoben wurde.  Allein  den  Gauzehnten  stellen  jene  50  Schober 
sicherlich  nicht  mehr  dar;  denn  da  müfsten  ganz  andere  Zahlen 
vorkommen:  bezog  doch  Kloster  Bosau  im  Pleifsengau 
aufser  i.  dem  halben  Zehnten  von  den  schon  bebauten  und 
2.  dem  ganzen  von  allen  neugeordneten  Äckern  noch  3.  den- 
jenigen von  neun  alten  Dörfern  und  4.  1000  Schober  obendrein "■^j 
und  im  Geragaue  von  neun  Dörfern  über  100  Schober^),  Ferner 
erinnern  wir  uns,  dafs  1166  die  Pfarrkirche  von  Nobitz  je 
40  Schober  Weizen  und  Hafer  Neubruchzehnt  erhielt  (s.  o.). 
Wir  dürfen  also  in  den  50  Schobern  den  Ertrag  eines  Zehnten 
erblicken,  der  auf  bedeutende  Abstriche  von  dem  einstigen 
Gaukirchspiele  schliefsen  läfst  und  viel  engere  Grenzen  als 
im  Jahre  11 18  voraussetzt.  Darauf  weisen  ebenfalls  meines 
Erachtens  die  zwölf  Meierhöfe,  deren  Erwerb  durch  die  Ent- 
schädigungen ermöglicht  worden  sein  mag,  welche  aus- 
scheidende oder  im  Gaue  neu  entstehende  Kirchspiele  der 
St.  Marienkirche  in  Zwickau  boten.  Übrigens  läfst  sich  fest- 
stellen, dafs  auf  dem  rechten  Muldenufer  nordwärts  die  Gau- 
grenze durch .  die  Parochie  Osterweih  überschritten  wurde, 
weil  Naundorf  und  die  Glauchauer  Vorstadt  dahin  einbezirkt 
waren  (s.  o.).  In  einem  Schiede  des  Bischofs  Engelhard  von 
Naumburg  zwischen  Kloster  Bosau  und  Markgraf  Dietrich  dem 
Bedrängten,  der  am  11.  Mai  12 12  gefällt  ward,  fliefst  auch  die 
Bemerkung  ein,  der  Abt  Andreas  habe  die  Pfarrkirche  zu 
Osterweih  freiwillig  abgetreten,  die  er  lange  besessen  hätte. 
Es  heifst  also  nicht:  ,,die  es  (d.  h.  das  Kloster)  lange  besessen", 
sondern  es  handelt  sich  um  die  Person  des  Abtes.  Er  war 
—  wohl   schon    vor   seiner  Wahl  —  possessor   der   Parochie 


^)  Schöttgen  u.  Kreysig  II,  437. 

-)  Ebenda  II,  423:  In  pago  Plisna  decimam  M  scobronum  .... 
in  pago,  quae  vocatur  Plisna,  dimidiam  decimationem  et  ibidem 
cunctonim  novalium  atque  novem  antiquanim  villarum  decimam. 

^)  Ebenda  II,  421:  In  pago  etiam  Geraha,  ubi  decimam  C  scobro- 
num et  amplius  in  novem  villis  .  .  .  possident. 


Der  Pleifsensprengel.  225 

gewesen,  d.  i.  Pfarrer  zu  Osterweih,  so  dafs  er  als  ein  Mitglied 
der  Bosauer  Propstei  in  Zwickau  anzusehen  ist,  die  11 18  aus 
sechs  Konventualen  des  Klosters  bestand.  Vielleicht  behielt 
er  auch  als  Abt  die  Pfarrstelle  bei,  nur  dafs  er  sie  vikarisch 
verwalten  liefs^).  Erleichtert  wurde  ihm  solches  noch  durch 
den  Umstand,  dafs  er  als  Abt  das  Patron atsrecht  ausübte, 
also  über  diese  Stelle  frei  verfügen  konnte.  Jedenfalls  aber 
dürfte  ein  Bestehen  der  Parochie  Osterweih  lange  vor  dem 
Jahre  1212  sicher  sein,  und  das  Wort  ,, lange"  uns  bis  an  das 
Jahr  1192,  wenn  nicht  noch  über  dasselbe  hinausführen.  Wir 
würden  dann  mit  ihrer  Begründung  in  den  Zeitraum  zwischen 
1171  (s.  o.)  und   II 90  verwiesen. 

Die  Entscheidung  hierüber  ist  zum  Teil  davon  abhängig, 
ob  man  mit  Herzog  (Chronik  von  Zwickau  I,  135 ff.)  Osterweih 
als  den  östlichen  und  Marienthal  als  den  westlichen  Teil  des 
sorbischen  Dorfes  Coarwitz  ansehen  will.  Richtigr  ist  hierbei 
allein,  dafs  die  beiden  Orte  deutschen  Ursprungs  sind,  was 
ja  bei  Osterweih  vor  allem  der  zweite  Bestandteil  seines 
Namens  (mhd.  wie  d.  i.  die  Burg,  Stadt,  Bezirk)  verbürgt; 
neben  demselben  war  noch  1219  ein  zweiter  üblich,  nämlich 
(villa)  Zwickowe  im  Gegensatz  zum  oppidum  Zw.  (12 12). 
Allein  einen  Zusammenhang  mit  Coarwitz  mufs  ich  aufs  Ent- 
schiedenste ablehnen.  Die  oben  zitierten  Bestätigungsbriefe 
des  Klosters  Bosau  fügen  zwar  den  Passus  „et  villa(m)  Coar- 
wiz  cum  molendino  et  prato''  (bez.  et  pratis  et  sylvis)  hinter 
denjenigen  über  Zwickau  und  seine  Kirche  (wie  Nr.  i — 4)  an 
oder  gar  (wie  Nr.  5)  in  denselben  hinein,  zwischen  die  Worte 
cui  attinent  duo  mansi  einer-  und  et  decimatio  ipsius  pagi 
andererseits.  Das  zeigt  uns  deutlich,  wie  in  ihrer  Vorlage 
der  Coarwitz  betreffende  Passus  an  den  Rand  gesetzt  worden 

')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  129:  Tiilis  ....  compositio  intercessit, 
ut  abbas  Andreas  ....  parochiam  Ostirweine,  quam  diu  possederat, 
marchioni  dimitteret  absolutam.  Ein  bezeichnendes  Beispiel,  welches 
diese  Ansicht  unterstützt,  bietet  die  Pfarrkirche  zu  Leisnig,  die  dem 
Kloster  Buch  inkorporiert  war.  Bischof  Bruno  IL  von  Meifsen  er- 
klärt betreffs  derselben  (Schöttgen  u.  Kreysig  II,  172!'.):  Quia 
.  .  .,  antequam  ....  imperator  (Heinrich  VI.  im  Jahre  1192)  parro- 
chiam  ....  coenobio  contulisset,  ....  Theodericus,  praepositus  Mis- 
nensis  ecclesiae,  parrochianus  eiusdem,  redditus  ipsius  sie  duxerat 
sequestrandos,   ut  partem  dotis  ....  suis  usibus  reservasset  cum 

donatione  capellarum praefatae abbas  ecclesiae  et  conventus 

ipsius  vestigiis  inhaerentes  ius  patronatus  cum  praefatis  possessionibus 
suis  et  pauperum  usibus  reservarunt  ita,  ut  loci  eiusdem  abbas  tarn 

in  parrochia  quam  capellis plenissimum  ius  liabeat  patronatus 

et,    quia    iure    fruitur    personatus,    instituat    in    ecclesiis    ipsis 
vicarios,  qui  assignatis  sibi  redditibus  sint  contenti. 


2  20  Leo  Bönhoff : 

war,  weil  ihn  die  Bestätigiingsurkunde  Bischofs  Udo  I.  vom 
15.  April  1146  ausgelassen  hatte').  Denn  Dietrich  I.  erklärt 
ja  ganz  deutlich  in  seiner  Verbriefung  vom  9.  November  1121: 
,,In    pago    Geraha:    decimam  C   scobronum,   et  hec  nomina 

villarum:    Gnannendorf  scobrones  IX,  Nuendorf  VII, 

Nigaune  XII;  villam  Coarwiz  cum  molendino  et  prato", 
während  Papst  Alexander  IV.  in  seiner  Bulle  vom  30.  Oktober 
1256  durch  die  Zusammenstellung:  ,, Allodium  unum,  quod 
halDCtis  in  loco  Choarwicz  vulgariter  nominato,  septem 
mansos,  sylvas  et  prata,  quae  habetis  ibidem,  decimam, 
quam  habetis  in  terra,  quae  apellatur  Gera,"  die  Lage  des 
Dorfes  im  letzteren  Gau  noch  vergewissert").  Bemerkens- 
wert ist  also,  dafs  das  Pfarrdorf  (Osterweih)  neben  einem 
sorbischen  (s.  o.)  sowie  je  ein  Beidorf  im  Süden  (Oberhohn- 
dorf, doch  12 19  noch  ohne  den  unterscheidenden  Beisatz) 
und  im  Norden  (Naundorfj  deutsche,  die  übrigen  acht  hin- 
gegen (Schedewitz,  Bockwa,  Pölbitz,  Crossen,  zwei  Wulm, 
SchUmzig  und  Grabowe)  sorbische  Namen  führen. 

Die  Ausdehnung  des  Kirchspiels  ist  sehr  bezeichnend 
und  läfst  auf  mancherlei  schliefsen.  Zwischen  seiner  öst- 
lichen Grenze  von  Schlunzig  bis  Bockwa  und  dem  Mülsen- 
bache'^)  treffen  wir  im  Bereiche  des  Gaues  Zwickau  folgende 
Parochien  an:  Thurm  (beteiligt  mit  Berthelsdorf,  Jüdenhain 
und  Schneppendorf),  Auerbach,  Reinsdorf  (mit  Pöhlau)  und 
Vielau  (mit  der  ,, Hasel").  An  sie  reihen  sich  nach  Osten 
hin  ebenfalls  in  dem  gleichen  Bereiche  an:  Härtensdorf 
(mit  Wildenfels)  und  Zschocken.  Diese  sämtlichen  Pfarreien 
werden  also  von  der  Zwickauer  Gaukirche,  wie  sie  in  den 
Jahren  11 18 — 1171  bestand,  durch  das  langgestreckte  Kirch- 
spiel Osterweih  abgeschnitten.  Da  es  bereits  um  1190 
aus  dem  Gaukirchenverbande  ausgeschieden  war,  so  liegt  vor 


1)  Schöttgen  u.  Kreysig  II,  421.  Vgl.  Lobe,  Gesch.  der 
Kirchen  und  Schulen  des  Herzogtums  Sachsen-Altenburg  II,  240. 

2)  Ebenda  II,  419,  443. 

*)  Am  Laufe  desselben  erstrecken  sich  „a  capite  suo  usque  des- 
censum  eius  in  Muldam"  (11 18)  anfangs  zwei  grofse  Kirchspiele: 
I  Mülsen  (St.  Niklas)  mit  den  Kapellen  auf  dem  Rittergute  Neu- 
dörfel  (vordem  Ortvvinsdorff)  —  sie  diente  auch  für  das  Dorf  Ort- 
mannsdorf, ehe  es  eine  Pfarrkirche  (urkundlich  zuerst  bezeugt:  1329 
Pleban  Ludwig)  erhielt  — ,  zu  St.  Jakob  und  zu  St.  Michael  im 
Mülsengrvmde  (daher  13 16  Pleban  Heinrich  zu  Mulsin  schlechtweg) 
und  2.  Thurm  (1320:  ecclesia  in  Turri  —  juratus  deposuit  rector 
vgl.  v.  Ledebur,  Allgem.  Archiv  f.  d.  Geschichtsk.  des  preufs.  Staats 
Xv,  353),  an  dessen  Südgrenze  zwischen  Crossen  und  dem  Mülsenbache 
Stangendorf,  Jüdenhain  und  Schneppendorf  lagen.  (Herzog  II,  56,  59.) 


Der  Pleifsensprengel.  227 

dem  Zeitpunkte  seines  Ausscheidens  die  Konstituierung  der 
genannten  Pfarrsvsteme,  falls  man  die  Entstehung  der  dazu 
gehörigen  Dorfschaften,  die  fast  sämtlich  (abgesehen  von 
Pöhlau,  Vielau  und  Zschocken)  deutsche  Namen  tragen,  in 
den  Jahren  1172  — 11 80  annehmen  darf.  Die  60  novalia, 
welche  wir  im  Jahre  1173  noch  weiter  unten  im  Süden  beim 
Klösterlein  Zelle  an  der  Mündung  des  Schwarzwassers  er- 
wähnt finden'),  ermutigen  uns  zu  solcher  Annahme.  Den 
Bischofszehnten  derselben  überwies,  ohne  dafs  dabei  von  der 
Zustimmung  des  Klosters  Bosau  die  Rede  wäre,  welches  doch 
die  decimatio  pagi  inne  hatte,  Bischof  Udo  II.  von  Naum- 
burg an  Zelle.  Es  ist  mir  dies  ein  Zeichen,  dafs,  zumal  bei 
der  Gründung  des  Klösterleins  Meinher  von  Werben  und 
Dudo  von  Meineweh,  zwei  osterländische  Edle,  um  Harten- 
stein und  Wilden fels  herum  begütert,  w^esentlich  beteiligt 
waren,  auch  Löfsnitz,  dessen  Gebiet  und  Umgebung  ver- 
mutlich jenem,  dessen  Wälder  diesem  zustanden,  bereits  um 
H72  als  Parochie  existierte.  Die  Fluren  der  Dörfer  Zelle 
(1897  der  Stadt  Aue  einverleibt),  Nieder-  und  Oberschlema 
lagen,  damals  eben  angebaut,  in  seinem  Pfarrsprengel,  so  dafs 
der  Bischof  den  Neubruchzehnten  hätte  fordern  können:  er 
verzichtete  darauf  zugunsten  der  neuen  Stiftung,  die  natür- 
lich mit  dem  Rechte  der  Zehntung  auch  die  Pflicht  geisthcher 
Versorgung  gegenüber  den  Bewohnern  der  neuen  Nieder- 
lassungen übernahm.  So  entstand  die  Parochie  Klösterlein. 
Existierte  aber  Löfsnitz  schon  um  1172  als  Kirchspiel,  so  hatte 
es  sich  von  der  Zwickauer  Gaukirche  freigemacht.  Ein 
Gleiches  können  wir  für  die  oben  angegebene  Zeit  (1172 — 1180) 
dann  auch  inbetreff  der  rein  deutsche  Namen  tragenden  Pa- 
rochien  Hartenstein-)  (mit  Wildbach)  und  Schönau  (mit 
Weifsbach)  gelten  lassen. 

An  die  Mitte  der  Westgrenze  der  Parochie  Osterweih 
lehnt  sich  die  Marienparochie  im  engeren  Sinne  (die  Stadt 
mit    Marienthal    und    eventuell  Weifsenborn)  an;  nördlich 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  2,  275:  in  terra  Plyssne  sexaginta nova- 
lia, qvie  vulgo  dicuntur  lehn.  Sie  waien  politisch  also  ein  Annex 
des  Pleifsenlandes ! 

^)  So  heilst  die  Parochie,  obwohl  das  Städtlein  noch  nicht  be- 
stand, im  14.  Jahrhundert,  während  sie  später  den  Namen  Thier- 
feld  führt,  aus  der  1865  die  Stadt  Hartenstem,  nicht  aber  die  Schlofs- 
kapelle  ausgepfarrt  ward.  Ledebur  S.  352:  ecclesia  in  Hartenstein 
(1320);  Schmidt,  Urkundenbuch  der  Vögte  I,  386.  Nr.  778:  her 
Bertold,  der  pharrer  zcu  deme  Hartinsteyne  (1336);  Herzog  II,  903: 
Er  Heinrich,  Dechant  vnd  pharrer  zcum  Hartenstein  (1390). 


2  2  8  Leo  Bönhoff : . 

und  südlich  von  ihr  erstrecken  sich  die  Kirchspiele  Mosel 
(ohne  Niederschindmaas  und  eventuell  mit  Weifsenborn)  und 
Planitz  (mit  Wend.-Rottmannsdorf),  so  dafs  letzteres  die 
schmale  Osterweiher  Pfarrgrenze  im  Süden  nach  Südwesten 
fortsetzen  würde.  Ihre  Selbständigkeit  geht  zurück  auf  die 
Bemühungen  derer  von  der  Planitz  und  von  der  Mosel.  Aus 
jenem  Geschlechte  begegnen  wir  ja  schon  im  Jahre  1192 
einem  namens  Ludwig,  der  dem  Kloster  Bosau  das  Gericht 
über  Marienthal  und  einen  Teil  seiner  an  Planitz  stofsenden 
Fluren  streitig  machte.  Der  erste  Vertreter  dieses  Geschlechtes 
erscheint  zwar  urkundlich  erst  1248,  allein  das  Vorhanden- 
sein des  Dorfes  Mosel,  seines  grofsen  Rittersitzes  und  seiner 
südlichen  Nachbarorte  in  dem  letzten  Viertel  des  12.  Jahr- 
hunderts darf  nicht  bezweifelt  werden.  So  bleibt  nur  noch 
Kirchberg  übrig,  das  freilich  bei  der  Entstehung  seiner 
Pfarrei  nur  zum  Teil  einer  Auspfarrung  aus  dem  Gaukirchen- 
sprengel bedurfte,  nämlich  für  seine  Nordhälfte,  in  der  sor- 
bische Weiler  wie  Wilkau,  Culitzsch  und  (Nieder-)  Crinitz  (nach 
dem  Bache  genannt)  sich  befanden.  Die  Auspfarrung  aber, 
welche  die  ersten  uns  leider  nicht  bekannten  Besitzer  der 
Wiesenburg  (vermutlich  die  Vögte  von  Weida)  in  die  Hand 
nahmen,  indem  sie  für  ihre  Untertanen  ein  eigenes  Pfarr- 
system begründeten,  kann  nicht  erst  im  Jahre  13 17  18  ein- 
getreten sein  ^  t,  sondern  geht  viel  weiter  zurück.  Nach  der 
Tradition  nämlich  soll  Bischof  Engelhard  von  Naumburg 
(1207 — 1242)  die  Margarethenkirche  zu  Kirchberg  geweiht 
haben.  Es  ist  nun  sehr  leicht  möglich,  dafs  die  Weihe  später 
vollzogen  ward  als  die  Gründung  stattfand,  zumal  das  neue 
Gotteshaus  der  ganzen  Ansiedlung  ihren  Namen  verlieh.  So 
wäre  es  denn  wohl  denkbar,  dafs  es  seine  Entstehung  dem 
kirchlich  sehr  interessierten  Vogte  Heinrich  II.  dem  Reichen 
(1180 — 1196  urkundlich  bezeugt,  -j-  vor  1209)  zu  verdanken 
hätte.  Wir  kämen  dann  noch  ins  letzte  Viertel  des  12.  Jähr- 
hunderts herab.  Zudem  mufsten  doch  auch  die  entlegeneren 
Teile  des  Gaues  (hier  im  Süden)  eher  zur  Loslösung  neigen, 
also  dafs  zuerst  Kirchberg,  dann  Planitz  ausschied.  Ebenso 
wird  sicher  zuerst  der  Edelfreie,  der  Vogt  von  Weida,  dann 
der  Ministerial,  der  von  der  Planitz,  ein  Kirchspiel  ins  Leben 
gerufen  haben. 


')  N.  Sachs.  Kirch.-Gal.  Eph.  Zwickau  S.  537 f.  Sie  wird  hier 
mit  Unrecht  dem  Vogte  Heinrich  Reul's  II.  von  Plauen  zugeschrieben! 
Vgl.  Bär  a.  a.  O.  S.  67 — 70.  Dagegen  Mitteil.  d.  Alterturnsver.  Kirch- 
berg Nr.  12  S.  46 ff.;  Nr.  13  S.  49 f. 


Mosel 

s. 

Auerbach 

9- 

Härtensdorf 

Planitz 

6. 

Reinsdorf 

lO. 

Zschocken 

Kirchberg 

7- 

Vielau 

II. 

Hartenstein 

Osterweih 

8. 

Schönau 

12. 

Löfsnitz. 

Der  Pleilsensprengel.  2  20 

Nach  unsern  Darlegungen  hat  sich  also  der  Sprengel  der 
Zwickauer  Gaukirche  vom  Jahre  1172  ab  aufzulösen  begonnen. 
Diesen  Prozefs,  der  den  Bezirk  der  Marienkirche  auf  die  Stadt 
und  ihre  nächste  Umgebung  im  Westen  beschränkte,  hat 
gewifs  vor  1192  seinen  Abschlufs  gefunden.  Darf  hierüber 
eine  Vermutung  geäufsert  werden,  inwiefern  jene  zwölf  Meier- 
höfe (curtes)  als  Erwerbungen  zu  betrachten  seien,  die  für 
Auspfarrungen  als  Entschädigungen  an  die  Marienkirche  ge- 
langten, so  möchte  ich  sagen:  jede  neuentstandene  Parochie 
löste  sich  um  den  Preis  einer  curtis  ab,  die  sie  für  die  Gau- 
kirche ankaufte  oder  anlegen  liefs.  Den  zwölf  Höfen  ent- 
sprächen also  ebensoviel  Auspfarrungen,  nämlich: 

I. 

2. 

3- 

4- 

Jenseits  der  Südgrenze  des  Zwickaugaues  entstanden  Paro- 
chien  ,,aus  freier  Wurzel":  Hirschfeld,  Obercrinitz,  Griesbach 
und  im  Anschlufs  an  das  ausgepfarrte  Kirchberg  die  Filiale 
zu  Hartmannsdort  und  Bärenw-alde,  falls  letzteres  nicht  auch 
von  Anfang  an  eine  Pfarrkirche  besafs. 

So  waren  denn  gegen  Ende  des  12.  Jahrhunderts  im  Gaue 
selber  13  Kirchspiele  aus  dem  einen  einzigen  hervorgegangen. 
Immer  mehr  Kirchen  entstanden:  im  Mülsengrunde,  im  Lung- 
witztale, beim  Klösterlein  und  am  Schwarzwasser.  Dazu  kam, 
dafs  im  Jahre  12 12  Bosau  seine  Kollatur  über  Zwückau  und 
Osterweih  nebst  seinen  Rechten  über  die  Stadt  Zwickau,  dem 
Dorfe  Marienthal  und  einigen  anderen  Ansprüchen  für  250  Mark 
Silber  an  Markgraf  Dietrich  von  Meifsen  abtrat^).  Damit 
ging  auch  die  Zwickauer  Propstei  ein,  w-elche  Bosau  hier 
unterhalten  hatte.  Seine  Stelle  als  Patronatsherrschaft  nahm 
das  von  Triptis  nach  Zwickau  verlegte  Nonnenkloster  ein^) 
und  bestellte  für  die  ihm  einverleibten  Kirchen  zu  Zwdckau 
und    Osterweih    die    Plebane.     Allein    eins    ist    zu    beachten: 


1)  Cod.  dipl.  Sax.  re^.  I,  3,  129 f.:  ...  super  oppido  Zwikkowe 
et  ecclesia  eiusdem  oppidi  et  villa,  quae  dicitur  vallis  sancte  Marie 

et  quibusdam  aliis longo  tempore  questio  moveretur abbas 

Andreas    super  omnibus    predictis    liti    renunciaret    ex  toto et 

marchio  ducentas  quinquaginta  marcas  solveret  ecclesie  Puzaugiensi. 

Abbas   renuncians  ecclesiani  Ostirweine   ....  resignavit 

conferens  marchioni  ius,  quod  habebat  in  illa. 

-)  Ebenda  S.  130:  marchio  vero  eandem  parochiam  et  ecclesiam 
in  Zwikkowe  contulit  conventui  sanctimonialium,  quem  de  Triptes 
transtiüit  in  Zwikkowe. 


230 


Leo  Bönhoff: 


perpetuo  tempore  a  sex  fratribus  (sc.  Bussawie)  inibi  (i.  e.  in 
pago  Zwickowe)  divina  ....  peragantur.  So  hatte  Dietrich  I. 
II 18  angeordnet;  der  erste  dieser  Mönche  war  der  parro- 
chianus  praecipuus  im  Gau  gewesen,  die  übrigen  fünf  waren 
ihm  also  bei  der  Mission  in  dessen  Bereiche  behilfhch  gewesen. 
Da  zu  der  Zeit,  wo  die  Zwickauer  Gaukirche  dem  Kloster 
inkorporiert  worden  war,  noch  keine  Archidiakonate  im  Bis- 
tum bestanden,  so  scheint  späterhin,  als  dieselben  aufkamen, 
der  Zwickauer  Propst  im  Gaukirchsprengel  archidiakonale^) 
Funktionen  ausgeübt  zu  haben,  mit  denen  ihn  der  Bischof 
von  Naumburg  betraut  hatte.  Der  letzte  Propst'-),  den  Bosau 
bestellte  und  den  das  Noimenkloster,  das  ja  dem  gleichen 
Orden  angehörte,  als  den  seinen  übernahm,  mag  noch  bis 
über  das  Jahr  12 19  amtiert  haben.  Dann  aber  trat  (s.  o.)  die 
Einrichtungeines  neuen  Archidiakonates  trans  Muldam  zwischen 
1219— 1230  ein,  an  den  die  Parochie  Osterweih  ihr  nörd- 
lichstes Ende  (Naundorf  und  Grabowe)  abtrat.  Denn  immer 
mehr  Kirchen  entstanden:  um  Glauchau  und  Lichtenstein 
herum,  bei  Grünhain,  das  damals  noch  ein  Rittersitz  war,  und 
im  Tale  der  Miepe  (Mitweidis).  Mitten  durch  den  Gau  Zwickau 
ward,  nachdem  der  Tod  die  archidiakonalen  Funktionen  des 
Zwickauer  Propstes  zum  Erlöschen  gebracht,  eine  Grenzlinie 
gezogen.  Westlich  derselben,  d.  h.  aufserhalb  des  Mulden- 
sprengels    kamen    zu    liegen:    i.   Zwickau   (mit    Marienthal), 

2.  Osterweih  (mit  Bockwa,  Crossen,  Schlunzig,  Schedewitz), 

3.  Mosel  (mit  Weifsenborn?),  Planitz  (mit  Rottmannsdorf 
und  Cainsdorf),  4.  Kirchberg  (mit  Culitzsch,  Hartmanns- 
dort  —  Burkersdorf  kam  um  13 00  auf —  und  eventuell)  5.  Bären- 
walde, 6.  (5.J  Hirschfeld  (mit  Stangengrün)  und  7.  (6.)  Ober- 
crinitz.  Diese  6 — 7  Kirchen  wurden  zum  Pleifsen- 
sprengel  geschlagen  und  haben  sich  bis  zu  Beginn  des 
16.  Jahrhunderts  durch  Auspfarrungen  in  ihrer  Zahl  ver- 
doppelt. 


^)  Es  war  z.  B.  im  Magdeburger  Erzstift  üblich,  einzelne  Pfarr- 
kirchen mit  dem  Archidiakonate  auszustatten.  So  besafsen  ihn  da- 
selbst die  Pfarrer  zu  P  rat  au  (für  seine  Kirche  und  ihre  Kapellen), 
zu  Wörlitz  (für  die  Pfarrkirche  St.  Petri,  ihre  3  Kapellen  und 
43  Beidörfer)  und  zu  Könnern.  An  letzterem  Orte  war  immer  ein 
Magdeburger  Domherr  archidiaconus  banni  Conre  und  plebanus  zu- 
gleich, der  sich  seinen  viceplebanus  hielt.  (Nottrott,  Aus  der 
vVendenmission,  S.  167,  182.  187.  ßöttger,  Diözesan-  und  Gau- 
grenzen Norddeutschlands  IV,  30.) 

-)  Ein  solcher  Bertoldus  prepositus  de  Zvicove  wohnte  der 
Diözesansynode  zu  Naumburg  am  9.  Oktober  1217  bei  (Cod.  dipl.  Sax. 
reg.  I,  3,  178). 


Der  Pleifsensprenu;el.  231 

Ehe  der  Pleifsner  Archidiakonat  derartig  nach  Süden  zu 
vergröfsert  wurde,  dafs  er  sich  an  der  Mulde  entlang  nicht 
nur,  wie  bisher,  von  Wolkenburg  ab  bis  unterhalb  von  Schlun- 
zig,  sondern  bis  zur  Wiesenburg  und  weiterhin  zu  beiden 
Ufern  des  Kirchberger  Baches  bis  zu  dessen  Quelle  ausdehnte, 
war  er,  wie  gesagt,  auf  den  Gau  Plisni  beschränkt  gewesen. 
Seine  Süd  grenze,  die  durch  einen  Waldsaum  von  der  west- 
lichen und  nördlichen  des  Gaues  Zwickau  geschieden  ward, 
lernen  wir  hier  in  ungefähren  Umrissen  kennen.  In  diesen 
Waldsaum  hinein  legten  die  Deutschen  ihre  Dörfer  auf  Rode- 
land an,  nämlich  Königswalde  (1270:  Kunegeswalde),  Hart- 
mannsdorf (1273),  Dänkritz  (d.  i.  [Siedlung]  des  Dankrat  = 
Dancratis),  Lauterbach,  Lauenhain  (1278),  Gersdorf  (1275: 
GerharsdorflF),  Harthau  (1271:  Hart)  und  Dennheritz  (d.i. 
[Siedlung]  des  Degenhart  ^  136 1 :  Deinharcz).  Jenseits  des 
Waldsaumes  aber  lagen  folgende  sorbische  Ortschaften:  Gab- 
lenz, Ungewifs  (Ungewitzi?),  Wahlen,  Crimmitschau  (eine  villa 
südlich  der  Stadt),  Schiedel  und  Culten^),  während  an  der 
Mulde,  hier  und  da  durch  Wald  unterbrochen,  der  zwischen 
1160 — II 70  von  den  Deutschen  zur  Ansiedlung  benutzt 
ward-),  nördUch  vom  Scheidebach  (s.  o.)  sich  aneinander 
reihten:  Schindmaas  (Schimnitz),  Gesau  (1361:  Jesav/),  Jerisau 
(um  1166:  Gerese),  Remse,  Kertzsch  (um  1161:  campus  Kirtzs) 
und  Schlagwitz.  Crimmitschau,  Meerane  und  Remse  bildeten 
a'so  die  drei  kirchlichen  Hauptstationen  im  Süden  des  Pleifsen- 
gaues    und    des    mit    ihm    sich    deckenden    Archid'akonates. 


*)  Schönburg.  Geschichtsbl.  III,  i,  144—147. 

2)  So  schieben  sich  zwischen  Jerisau  und  Remse  Weide ns der f, 
zwischen  Kertzsch  und  Schlagwitz  Waidenburg  (Schlots  und 
Dorf  :=  Altwaldenburg)   ein.     Für  jenes  vgl.    Mitzschke    I,    Nr.   24 

<ii6i  — 1171):  Fuervnit quedam  ....  bona ,  ex  aUqua  parte 

culti,  ex  plurima  vero  parte  inculta,  que  Erchenbertus  de  Teche- 
witz  ....  de  nostra  (Bischof  Udos  IL;  manu,  secundario  vero  Petrus 

de  Guderin  ab   eo  in  beneticio  possedit    —  Concordi Erchen- 

berti  ...  et  Petri  assensu villam,    que  Weidemannesdorff 

dicitur, et  quicquid  terrae  ....  culte  et  inculte  in  illis  partibus 

Petrus  ab  Erkenberto  in  beneficio  habuit  ....  contradidimus  (dem 
Kloster  Remse).  Für  Waidenburg  beachte  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Alter- 
tumsforsch. Gesellsch.  d.  Osterl.  IX,  392  (vgl.  411  f.,  425),  die  Gründung 
des  ßergerklosters  zu  Altenburg  betr.: 

„Waldenburgk  castnmi,  simul  isto  tempore  claustrum 

„ Septem  completur  in  annis. 

„Anno  milleno  centeno  septuageno 

„Et  domini  bino 

„Claustrum Uto  sacravit." 

Das  Schlots  Waidenburg  ward  also  1 165— 1 172  erbaut. 


232 


Leo  Bönhoff: 


Warum  aber  wurde  diese  Kirchenprovinz  im  ersten  Viertel 
des  13,  Jahrhunderts  durch  den  Westteil  des  früheren  Zwickauer 
Gaupfarrbezirkes  erweitert? 

Wir  versuchen  einen  Fingerzeig  zur  Beantwortung  dieser 
Frage  zu  geben.  Das  Kloster  Remse  oder,  wie  es  auch 
hiefs  '),  „Molda"  —  es  lag  an  der  Mulde,  und  die  Haupt- 
masse seines  Besitzes  zu  beiden  Seiten  des  Flusses  —  hat 
in  seinem  Gebiete  auf  dem  rechten  Ufer  die  Orte  Oertels- 
hain,  Ebersbach,  Grumbach  und  Oberwinkel  angelegt-).  Der 
Grund  und  Boden  dieser  Ansiedlungen  lag  zur  Zeit  dessen, 
der  ihn  dem  Kloster  Bürgel  schenkte,  König  Konrads  III.,  in 
regali  silva  ßlisinensi,  d.  h.  der  Wald,  der  ihn  im  Jahre  11 43 
noch  bedeckte,  war  königliche  Domäne  und  gehörte  gemäfs 
seiner  Bezeichnung  zum  Gaue  Plisni  (Plisina),  der  sich  dem- 
nach hier  über  die  Mulde  erstreckte.  Denn  der  König  liefs 
das  geschenkte  Land  in  utraque  parte  fluminis  Mulde  anweisen. 
Da  nun  der  Gau  einst  der  Diözese  Zeitz  zugeteilt  worden 
war,  so  befanden  sich  die  100  Königshufen  der  Schenkung 
hüben  wie  drüben  in  episcopatu  Numburgensi'^).  Eine  Be- 
stätigung dieser  Tatsache  bietet  uns  eine  Urkunde  Bischof 
Udos  IL,  die  ums  Jahr  1166  anzusetzen  ist*).  Er  weist  laut 
ihres  zweiten  Teiles  (decimae  justa  collatio)  dem  Kloster 
Remse  zum  Unterhalte  seiner  Insassen  kraft  bischöflicher 
Vollmacht  an:  i.  omnem  decimam,  que  de  bonis  suis  (d.  i. 
von  der  Konradinischen  Schenkung  des  Jahres  11 43)  circa 
(zu  beiden  Seiten  also)  Muldam  fluvium  in  utraqiie  ripa  sitis 
und  2.  omnem  illam  (sc.  decimam),  que  de  bonis  ecclesie 
nostrae  (d.  i.  von  den  Naumburger  Stiftsgütern)  inter  terminos 
episcopatus  nostri  ultra  Muldam  contra  orientein  (demnach 
rechts  des  Flusses)  provenire  poterit.  Aus  den  letzten  Worten 
ergibt  sich,  dafs  die  Gegend  noch  keineswegs  vollständig  dem 
Anbau  eröffnet  war.  Eine  Ausnahme  macht  der  Bischof  beim 
Zehnten  der  Stiftsgüter:  illa  tamen  excepta,  qua(m)  fideli 
nostro,  Ottoni  marchioni  (dem  Stifts vogte),  in  beneficio  con- 
cessimus  de  bonis  suis  (die  er  vom  Stifte  zu  Lehn  trug), 
circa  (also  wiederum  auf  beiden  Seiten)  eundem  fluvium 
proventuram  (d.  h.  es  war  ein  Novalzehnt).  Alle  hier  wieder- 
gegebenen Ausführungen  Udos  II.  sind  auch  für  den  Gegen- 
stand unserer  Betrachtunof  von  p;rofser  Wichtigkeit. 


1)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  11:    Herimannus    abbas   de  Burglere. 
Warnerus  prepositus  de  Mol  da. 

2)  Diese  Zeitschrift  XXVII,  8  f.,  15. 
2)  Mitzschke  I,  28.    Nr.  11. 

^)  Ebenda  I,  Nr.  24.     Vgl.  dazu  diese  Zeitschrrift  XXVII,  16. 


Der  Pleifsensprengel.  233 

Wollen  wir  sie  würdigen,  bedarf  es  einer  kurzen  Dar- 
legung der  Besitzstandsverhältnisse  an  den  Ufern  der  Mulde 
von  Glauchau  bis  herab  nach  Wolkenburg.  Die  letztere  war 
ein  Reichslehn;  denn  Volrad,  Otto  und  Ulrich  von  Colditz 
erklären  am  27.  Mai  1309  gelegentlich  einer  Schenkung  an 
ihre  Pfarrkirche  zu  Wolkenburg  als  Herren  daselbst,  dafs  sie 
die  ihr  übereigneten  zwei  Zinsleute  in  Dürrengerbisdorf 
(Gernesdorff)  mit  ihren  Abgaben  (5  solidi)  und  Fronden 
(4  messores)  vom  Reiche  zu  Lehn  trügen').  Die  Genannten 
werden  nun  im  Jahre  1290  nebst  ihrem  ältesten  und  jüngsten 
Bruder,  Heinrich  (dieser  für  sich  allein  schon  1277  und  mit 
seinem  zweitjüngeren  Bruder  Otto  1284  und  1286)  und  Gum- 
pert  als  Söhne  einer  Edlen  namens  Beatrix  bezeichnet -j.  Ihr 
Gemahl  aber  hiefs  Ulrich  von  Colditz  (bereits  1274  ver- 
storben) und  war  der  jüngste  von  drei  Brüdern.  Er  hatte 
sie  als  die  Erbtochter  von  Wolkenburg  heimgeführt,  so  dafs 
sich  seine  Söhne  fratres  de  Wolkenberch  dicti  de  Koldizc 
nannten'').  Die  Burg  ihrer  mütterlichen  Ahnen  stand  also 
auf  Reichsboden,  die  Zubehörungen  derselben  waren  Reichs- 
gut^).  Dieselbe  Eigenschaft  kommt  dem  (s.  o.j  in  der  Zeit 
von  1165 — 1172  erbauten  Schlosse  Waidenburg  zu,  das  Hugo 
von  Wartha,  der  erste  uns  bekannte  kaiserliche  Landrichter 
zu  Pleifsen  (judex  terre  Plisnensis),  aufführen  liefs.  Er  ist 
identisch  mit  dem  Reichsministerialen  Hugo  von  Waiden- 
burg (so  nannte  er  sich  nach  dem  neuen  Schlosse,  das  eben 
reichslehnbar'"')  war),  der  im  Jahre  1200  dem  Altenburger 
Bergerkloster  ein  Gut  in  Oberleupten  übereignete*^).  An  den 
Bezirk  seiner  Herrschaft  schlofs  sich  das  Gebiet  des  Klosters 
Remse  an,  ebenfalls  Reichsgut,  wie  wir  sahen.  Südlich 
von  seinen  Besitzungen  befanden  sich  Ländereien  des  Hoch- 


')  Mencke,  Script,  rer.  Germ.  III,  934    Anm.  109. 

2)  Sie  erscheint  noch  im  Jahre  1297  nebst  vier  Söhnen  (der 
Jüngste  fehlt),  die  als  possessores  castri  in  Wolkenberc  aufgeführt 
werden.    (Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  15.    Nr.  295.    Jun.  5.  a.  ej.) 

^)  Schöttgen  u.  Krevsig  a.  a.  O.  II,  197,  200,  202,  204,  211. 
Urkimden  des  Kl.  Buch  Nr."  66,  73,  78,  83,  98. 

^)  Auch  die  benachbarte  Burg  Drachenfels  bei  Penig  (nordöst- 
Uch  von  Wolkenburg)  war  Reichslehn.  (Schmidt  I,  16  [1212].  Nr.  39: 
Henricus  de  Drakinvelz). 

^)  Vgl.  Dresden  HStA.  Or.  Nr.  2716  (Ludwig  der  Baier  erklärt 

10.  Januar  1336):    Waldinberg,    Stat  vnd  Burg ,  die  von  vns 

vnd  dem  riche  ze  lehn  gant. 

^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  IX, 
368 f ,  41 3.  Hugo  schenkte  demselben  Kloster  Besitzungen  in  Schwaben 
und  Altwaldenburg  (Zubehör  des  Sclüosses).  Vgl.  Schult  es,  Dir. 
di]!.  II,  399. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u,  A.     XXIX.     3.  4.  l6 


2  34  ■        ^^^  Bönhoff: 

Stiftes  Naumburg,  die  als  Lehen  ausgetan  waren,  nämlich  an 
Markgraf  Otto  von  Meifsen  und  den  pleifsnischen  Edlen  Erken- 
bert  von  Tegkwitz.  Dieser  trug  vom  Stifte  bis  gegen  1166 
Weidensdorf  zu  Lehn,  welches  er  an  seinen  Ministerialen  Peter 
von  Gödern  weiter  verliehen  hatte,  und  jener?  Weidensdorf, 
welches  die  Nonnen  zu  Remse  durch  Tausch  an  sich  brachten, 
stand  in  parochialer  Verbindung  mit  dem  nahen  Jerisau  (s.  o.). 
Sie  war  entstanden,  weil  beide  Ortschaften,  die  alte  sorbische 
und  die  neue  deutsche,  naumburgsche  Stiftsdörfer  waren. 
Markgraf  Otto  trug  demnach  Jerisau  vom  Stifte  zu  Leim, 
und  wenn  es  heifst,  dafs  seine  Lehnsgüter  zu  beiden  Seiten 
der  Mulde  lagen,  ihr  Grund  und  Boden  aber  hüben  und 
drüben  noch  Rodungen  zuliefs,  so  schickt  es  sich  trefflich, 
dafs  im  Jerisauer  Pfarrsprengel  die  Dörfer  Lipprandis  (Sied- 
lung des  Liutprand)  links  und  Reinholdshain  nebst  Klein- 
bernsdorf rechts  des  Flusses  uns  begegnen,  die  mit  ihren 
Fluren  hart  an  die  Südgrenze  des  Remser  Klosterländchens 
rücken').  Den  Novalzehnten  dieser  um  1166  noch  nicht 
bestehenden  drei  Ortschaften  hat  Udo  IL  ausgenommen.  Rein- 
holdshain und  Kleinbernsdorf  sind  auch  späterhin  der  Naum- 
burger Diözese  und  damit  im  Pleifsensprengel  verblieben. 
Allein  stimmen  denn  sonst  noch  zu  den  späteren  Verhältnissen 
die  anderen  Angaben  des  Bischofs  und  König  Konrads? 

Lagen  wirklich  die  rechtsmuldischen  Besitzungen  des 
Klosters  Remse  im  Bistume  Naumburg?  Erstreckten  sich 
die  Grenzen  des  Bistums  über  sie  hinaus  ultra  Muldam  nach 
Osten  zu?  Wohl  hat  es  in  der  Gegend  von  Glauchau, 
Zwickau,  Löfsnitz  und  Aue  einen  besonderen  Archidiakonat 
trans  Muldam  bilden  können,  aber  nicht  in  der  Umgebung 
von  Waidenburg!  Überschreiten  wir  die  Ostgrenze  des  ur- 
sprünglichen Remser  Klosterländchens,  den  Grumbach  (1143: 
Lufsnitz),  der  bei  Waidenburg  mündet,  so  gelangen  wir  in 
die  Parochien  Altstadt  -  Waidenburg  und  Callenberg  (mit 
Reichenbach),  an  sie  stofsen  im  Süden  die  ausgedehnten 
Hohensteiner  Waldungen,  die  ihre  ununterbrochene  Fort- 
setzung in  dem  weitausgedehnten  Rabensteiner  Forste  finden. 
Da  die  alte  Stadt  Waidenburg  —  sie  existierte  bereits  1301, 
da  in  diesem  Jahre  das  Dorf  Altwaldenburg  so  bezeichnet 
wird^),   und   wird    13 17    (s.  o.)  als   antiqua  unterschieden  von 


^)  Ein  anderer  Ort  als  Jerisau  kann  auch  deshalb  nicht  in  Betracht 
kommen,  weil  die  decima  irumenti  im  südlich  zunächst  gelegenen, 
d.  i.  Grabowe,  dem  Pfarrer  zu  Osterweih  zukam  (s.  o.). 

-)  Vgl.  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
V,  444;  iX,  413. 


Der  Pleifsensprengel.  235 

der  gegenüberliegenden  neuen  Stadtgründung  —  nicht  um 
II 66  bestehen  konnte,  sondern  erst  das  Schlofs  in  seinen 
Anfängen  sich  erhob,  so  können  wir  die  bona  ecclesie  Nuen- 
burgensis  contra  orientem  nur  zu  Callenberg  (d.  h.  dem  kahlen, 
unbewaldeten  Berge,  der  mit  seinen  Lichtungen  zur  Ansied- 
lung  einlud)  suchen,  und  der  zu  erhoffende  Zehnt  mag  dann 
aus  Reichenbach  bezogen  worden  sein,  welches  das  Kloster 
Remse  durch  Tausch  vom  Deutschordenshause  zu  Altenburg 
1243  an  sich  brachte').  Da  nun  Huch  (Hugo)  de  Wart(h)a 
in  zwei  naumburgschen  Bischofsurkunden  (vom  19.  März  1168 
und  vom  Jahre  1171  s.  d.)  das  eine  Mal  neben  Erkenbert 
von  Tegkwitz,  der  doch  auch  vor  und  nach  11 66  stiftischer 
Lehnsmann  war-),  und  Thimo  von  Colditz  unter  den  nobiles 
rangiert,  das  andere  Mal  jedoch  neben  dem  letzteren  von 
Udo  II.  den  Stiftsministerialen  zugezählt  wird^),  so  ist  er 
eben  zwischen  1168 — 1171,  zu  einer  Zeit,  wo  sein  Schlofs 
Waidenburg  der  Vollendung  (1172  Herbst)  entgegenging,  in 
ein  Lehnsverhältnis  zum  Hochstifte  Naumburg  getreten,  d.  h. 
er  wird  das  im  Südosten  seiner  neuerbauten  Burg  gelegene 
Callenberg  sich  vom  Bischöfe  haben  reichen  lassen'*).  Allein 
zu  welcher  Diözese  und  zu  welcher  Kirchenprovinz  zählten 
denn  die  Pfarreien  Altstadt -Waidenburg,  Callenberg  und 
Oberwinkel,  von  denen  die  letztere  bis  auf  Örtelshain  und 


^)  Diese  Zeitschrift  XXVII,  9.  Anm.  2.  Die  ebenda  S.  17  auf- 
geworfenen zwei  Fragen  sind  zu  verneinen. 

"^j  Mitzschke  I,  Nr.  24:  Vor  1166  war  er  mit  Weidensdorf, 
nach  diesem  Jahre  mit  6\'o  Hufen  in  Nasselwitz  (Wüstung  bei  Gödern) 
und  mit  einer  in  Lossen  belehnt.    Afterlehner  war  Peter  von  Gödern. 

^)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  2.  Nr.  350  u.  378. 

■*)  Im  Jahre  1244  wird  als  Ministerial  des  Edlen  Günther  von 
Crimmitschau,  des  damaligen  Pleifsner  Landrichters,  ein  Ritter  Albert 
von  Callenberg  (Kallenberc)  genannt,  der  mit  dem  Zehnten  von  drei 
Hufen  in  Steinwitz  (Stenuwicz)  bei  Altenburg  beliehen  war.  (Schultes, 
Dir.  dipl.  [MS.  d.  Königl.  Öffentl.  Bibliothek  zu  Dresden]  III,  i86b.) 
Jedenfalls  waren  die  von  Callenberg  ebensogut  Vasallen  der  Herren 
von  Waidenburg  wie  die  von  Kaufungen  solche  der  Herren  von 
Wolkenburg.  (Schöttgen  u.  Kreysig  II,  211:  Volrad,  Ulrich  und 
Gumpert  von  Colditz,  Herren  daselbst,  bezeichnen  1290  Volkwin 
[Volzc]  von  Kaufungen  als  „ihren"  Ritter.)  Übrigens  waren  die 
von  Kaufungen  Nachfolger  derer  von  Callenberg  im  Besitze  des 
gleichnamigen  Rittergutes  und  seiner  Zubehörun^^en,  welches  sie 
einige  Jahrhunderte  gehalten  haben.  Denn  im  Jahre  1298  benennt 
Unarch  von  Waidenburg  Tunzold  von  Kaufungen  und  Hugold 
von  Alamsdorf  nostri  castrenses.  (Schöttgen  u.  Kreysig  11, 
217.)  Dieser  safs  als  Waldenburgscher  Burgmann  zu  Hinteruhls- 
dorf  bei  Flemmingen  (Lobe  I,  221),  jener  als  solcher  zu  Callen- 
berg. 

16* 


236  Leo  Bönhoff : 

Gersdorf  (Parochie  Remse)  Remser  Klosterland  rechts  der 
Mulde  in  sich  beschlofs?  Die  Jurisdiktionsmatrikel  des  Bis- 
tums Meifsen  verzeichnet  die  drei  Kirchspiele  im  Archi- 
diakonate  Chemnitz  und  sogar  das  erste  unter  ihnen  als 
Sitz  (sedes)  eines  Erzpriesters.  Wir  können  nicht  umhin, 
eine  Grenz  Verschiebung  zwischen  den  beiden  Diözesen 
Naumburg  und  Meifsen,  und  zwar  zu  Ungunsten  jener,  wahr- 
zunehmen. In  der  Waldenburger  Gegend  ist  sie  bis  an  die 
Mulde  zurückgedrängt  worden,  so  dafs  der  Flufs  bis  zur 
Mündung  des  Frohnbaches  sie  vom  Meifsner  Diözesen- 
sprengel schied. 

Fragen  wir,  wie  weit  etwa  anfangs  das  Bistum  Naum- 
burg nach  der  Mitte  des  12.  Jahrhunderts  in  der  Walden- 
burger Gegend  sich  ostwärts  über  die  Mulde  erstreckte,  so 
möchte  ich  auf  den  Frohnbach^),  den  wir  eben  nannten,  be- 
sonders aufmerksam  machen.  An  seinen  Ufern  erstrecken 
sich  die  drei  Dorfschaften,  die  mit  ihm  den  gleichen  Namen 
(1236:  Frone)  führen,  er  aber  entspringt  am  Capellenberg 
von  Meinsdorf,  wo  der  Rufsdorfer  und  Wüstenbrander  Wald, 
letzterer  die  Verbindung  zwischen  dem  Hohensteiner  (s.  o.) 
und  dem  Rabensteiner  darstellend,  durch  das  Meinsdörfer 
Gehölz  miteinander  zusammenhängen.  Er  begrenzte  aber 
auch,  wie  heute  noch  zum  Teile,  die  Parochie  Penig  mit 
seinem  Unterlaufe  bis  zu  den  ersten  beiden  Gütern  von 
Mittelfrohna  an  seinem  rechten  Ufer,  so  dafs  er  ihr  Zinn- 
berg, Tauscha,  die  rechte,  an  Mühlau  stofsende  Dorfseite 
von  Niederfrohna  und  jene  zwei  Güter  zuwies  und  damit 
zugleich  auch  die  Merseburger  Diözese  nach  Süden  zu  ab- 
schlofs.  Von  dem  Punkte  aber  an,  wo  er  in  Mittelfrohna 
aufhört,  Diözesanscheide  zu  sein,  wendet  sich  die  Grenze 
zwischen  Meifsen  und  Merseburg  erst  nordöstlich,  hierauf 
nördlich,  endlich  wieder  nordöstlich,  um  dann  mit  dem  Mühl- 
bach zusammenzutreffen  und  in  ihm  herab  bis  zur  Mulde  zu 
gehen,  so  dafs  dadurch  der  Parochie  Penig  auf  dem  rechten 
Ufer  noch  Chursdorf  zukommt.  Auf  Meifsen  würden  somit 
entfallen:  Hohenkirchen")  und  Müh  lau  mit  seinem  von 
den   Hussiten  zerstörten  Filiale  zu  Elzing  (Wüstung  zwischen 


')  HStA.  Dresden.  Cojj.  27.  fol.  73  b.  (ao.  1356):  a  flumine 
Fronebach. 

2)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  104.  Nr.  131.  Am  lo.  Februar  1209 
bestätigte  Markgraf  Konrad  von  der  Lausitz,  dafs  in  seiner  Graf- 
schaft kochlitz  (in  fundo  proprietatis  nostre)  Günther  von  Rochsburg 
(Rochkesberc)  dem  Kloster  Buch  die  Pfarrei  zu  Honkirche  sowie 
zelin  Hufen  nebst  dem  anstofsenden  Walde  überlassen  habe. 


Der  Pleifsensprengel.  237 

Hartmannsdorf,  Kandier  und  der  Stadt  Limbach^).  Folgen 
wir  aber  der  gegebenen  Richtung,  so  lägen  ferner  in  dieser 
Diözese  Limbach  und  Pleifsa,  mit  anderen  Worten:  der 
Frohnbach,  der  in  Mittelfrohna  mit  einem  Male  aufhörte 
Diözesanscheide  zu  sein,  fuhr  vordem  fort,  eine  solche,  und 
zwar  zwischen  Meifsen  und  Naumburg,  bis  hinauf  zu  seiner 
Quelle  zu  bilden.  Noch  heute  trennt  er  ja  mit  seinem  Ober- 
laufe die  Amtshauptmannschaft  Chemnitz  (Limbach  und  Pleifsa) 
einerseits  von  Sachsen-Altenburg  (Exklave  Rufsdorf)  und 
andererseits  von  der  Amtshauptmannschaft  Glauchau,  dem 
früheren  Schönburgschen  Gebiete  (Meinsdorf);  so  wird  er 
auch  jene  beiden  Bistümer  mit  seinen  Ufern  begrenzt  haben. 
An  ihn  schlössen  sich  dann  als  Grenzmarken  an:  die  Quell- 
gegenden des  Pleifsbaches  und  des  Pechgrabens  sowie  der 
Hüttengrund  bei  Hohenstein  mit  dem  Hüttenbache  bis  zu 
seiner  Mündung  in  die  Lungwitz,  so  dafs  man  Wüstenbrand 
(mit  Gecksdorf,  einer  Wüstung  am  Pfaffenberge ^)  und  Ober- 
lungwitz,  auf  dessen  Fluren  bekannthch  die  miteinander 
vereinigten  Städte  Hohenstein  und  Ernstthal  erbaut  sind,  zur 
Diözese  Meifsen  ziehen  mufs.  Bis  an  den  Frohnbach  dehnte 
sich  also  einst  die  regalis  silva  Blisinensis  (1143)  aus,  deren 
Resten  wir  im  Rufsdorfer  Walde,  dem  Meinsdorfer  Ge- 
hölze, dem  Tümmel  bei  Pleifsa,  den  Waldungen  der  Langen- 
berger  Höhe  und  des  Kiefernberges,  dem  Baumgarten  bei 
Reichenbach,  dem  Hainholz  bei  Hohenstein  und  dem  Mühl- 
holze bei  Kuhschnappel  begegnen,  während  ihre  Südseite 
durch  Punkte,  die  sorbische  Namen  aufweisen,  markiert 
ward,  wie  durch  das  eben  genannte  Dorf  Kuhschnappel 
(Kosna  pole  d.  i.  Schrägenfeld),  die  Quelle  des  rivulus 
Lufsnitz  (des  Grumbachs),  den  mons  Crostawitze  (im 
Trützschler  Holze)  und  die  Schirna  Blisna  (der  Örtelshainer 
Bach=^). 

Wir  müssen  demnach  im  letzten  Viertel  des  12.  Jahr- 
hunderts folgende  Kirchspiele  in  dem  späteren  Meifsner  Land- 
dekanate Waidenburg  der  Diözese  Naumburg  zuschreiben: 
aufser  den  drei  oben  genannten  (Altstadt -Waidenburg,  Ober- 
winkel und  Callenberg)    auch    noch    Frohna    (d.  h.  die  linke 


*)  von  Webers  Arch.  f.  d.  Sachs.  Gesch.  II,  71. 

-)  Ebenda  II,  74.  Die  Fluren  des  von  den  Hussiten  zerstörten  Ortes 
bebauten  „die  zur  Langenlungkwitz''  und  „die  vonn  Langenbergk". 
(HSt  A.  Dresden,  Loc.  10599,  fol.  376b.  Visitation  ....  Im  Fürstentum 
Meifsen  etc.  1540.) 

^)  Diese  Zeitschr.  XXVII,  13 — 15. 


238  Leo  Bönhoff: 

Dorfseite,  soweit  sie  angebaut  war^),  Kaufungen  (mit 
Herrnsdorf  s.  o.),  Bräunsdorf  (mit  Rufsdorf  und  IMeinsdorf-j, 
Niederwinkel  (mit  Wasseruhlsdorf  s.  o.)  und  Langenchurs- 
dorf  oder  Conradisdorff  (mit  Falicen  und  Langenberg"^). 
Mithin  ist  dieses  Landkapitel  bis  auf  die  drei  Pfarreien  Lim- 
bach, Wüstenbrand  und  Oberlungwitz  einst  dem  Bistum 
Naumburg  und  damit  als  in  silva  Blisinensi  gelegen  dem 
Pleifsensprengel  zuständig  gewesen.  Drei  Gründe,  die  dafür 
sprechen,  möchte  ich  zur  Erwägung  vorlegen.  Erstens: 
Der  Erzpriesterstuhl  Waidenburg  der  Diözese  Meilsen  ragt 
mit  seinem  Gebiete  wie  ein  Keil  zwischen  den  Pleifsensprengel 
(Wolkenburg — Waidenburg — Jerisau)  und  die  naumburgische 
Kirchenprovinz  jenseits  der  Mulden  (Glauchau,  Lobsdorf,  Berns- 
dorf, Gersdorf)  hinein  und  prallt  in  einem  fast  rechten  Winkel 
bis  gegenüber  von  Remse  hervor.  Wie  eigentümlich  aber 
setzt  sich  die  Meifsner  Diözesangrenze  bei  Mittelfrohna  fort: 
von  Norden  herkommend,  ist  sie  auf  den  Frohnbach  getroffen, 
biegt  aber  dann  wieder  um  und  läuft  flufsabwärts  erst 
nach  Norden,  dann  nach  Westen  zur  Mulde,  diese  hinauf  bis 


1)  Wahrscheinlich  hiefs  das  Kirchspiel  anfangs  nur  ,, Frone"; 
so  nannte  sich  das  ritterliche  Geschlecht  (s.  u.),  das  zu  Niederfrohna 
safs,  und  dessen  Rittergut  jetzt  zerschlagen  ist;  so  hiefs  sogar  noch 
der  Anteil  der  Parochie  Penig  an  Nieder-  und  Mittelfrohna.  Über- 
haupt macht  es  den  Eindruck,  als  sei  Oberfrohna  später  entstanden. 
Zum  ersten  Male  erwähnt  wird  es  in  einem  Leibgedingebriefe  Burg- 
graf Albrechts  XI.  von  Leisnig  für  Margarethe  von  Meckau  auf  Liin- 
bach  vom  25.  Juni  143 1,  worin  es  dy  twerichfrone,  d.  h.  Querfrohna 
genannt  wird.  (Dresden  HStA.  Or.  Nr.  6197.)  Zwei  Leibgedinge- 
briefe für  Eüsabeth  und  Sophie,  die  Mutter  bez.  die  Gattin  des  ge- 
dachten Burggrafen  aus  den  Jahren  1356  bez.  1366  führen  neben  Lun- 
bach  schlechtweg  fronen  oder  Vrone  auf,  d.  h.  Oberfrohna  existierte 
damals  nocht  nicht,  und  Nieder-  und  Mittelfrohna  unterschied  man 
auch  noch  nicht. 

2j  Dresden  HStA.  Visitation  .....  Im  Fürstentume  Meifsen  etc. 

1540.    Loc.  10599.    fol.  413a:    „Breunsdorff hatt  2    Dorffer: 

Rurschdorff  vnnd  Meyersdorff,  aber  diese  2  Dorffer  sindt  durch 
denn  Churfurstenn  vnnd  die  vonn  Schonpergk  apgewendt''.  In  der 
zweiten  ernestinischen  Visitation  war  eben  Rufsdorf  1533  „gein  Kauf- 
fungen gewisen"  worden.  Freilich  hatten  „die  Schonburgischen  die 
Schlüssel  .  .  .  zum  cleinotern".  Daraus  geht  hervor,  dals  Meinsdorf 
nach  Rufsdorf  kirchte;  um  ketzerischen  Mifsbrauch  mit  den  heiligen 
Gefäfsen  zu  verhüten,  hatte  Ernst  II.  von  Schönburg  die  Schlüssel 
zu  ihnen  weraehmen  lassen.     (Lobe  I,  467.) 

^)  Als  der  Kurfürst  von  Sachsen  (s.  vor.  Anm.)  Rufsdorf  von 
seiner  Pfarrkirche  losrifs,  löste  Ernst  II.  von  Schönburg  seinerseits 
die  Verbindung  seines  Dorfes  Meinsdorf  mit  der  Kirche  zu  Rufsdorf 
und  verwies  es  kirchlich  nach  Langenberg,  welches  bis  zum  Jahre 
1848  Filial  von  Langenchursdorf  war. 


Der  Pleifsensprengel.  239 

zur  Mündung  des  Ebersbaches  ^)  und  in  demselben  empor  bis 
zu  seinem  Ursprünge,  um  am  mons  Crostawitze  vorüber, 
zwischen  Tirschheim  und  Kuhschnappel  hindurch,  im  Hütten- 
grunde der  Lungwitz  zuzueilen.  Wie  natürlich  verläuft  dem- 
gegenüber der  alte  Grenzzug!  Zweitens:  Gemäfs  der  neuen 
Grenzregelung  liegen  die  Herrschaften  Wolkenburg  und  Waiden- 
burg sowie  das  Kloster  Remse  mit  ihren  Bezirken  links  der 
Mulde  in  der  Naumburger,  dagegen  rechts  derselben  (Wolken - 
bürg  mit  Kaufungen,  Herrnsdorf  und  Wasseruhlsdorf;  Waiden- 
burg mit  der  Altstadt,  Niederwinkel,  Langenchursdorf,  Falken, 
Langenberg,  Meinsdorf-),  Callenberg,  den  Wüstungen  Naun- 
dorf  und  Spielsdorf •^);  Remse  mit  Oberwinkel,  Ebersbach, 
Grumbach,  Tirschheim  und  Reichenbach  in  der  Meifsner  Diö- 
zese. Sollte  diese  doppelte  Diözesanzugehörigkeit  bei  den 
zwei  Herrschaften  wirklich  ursprünglich  sein,  während  uns  für 
Remse  urkundlich  grade  das  Gegenteil  bezeugt  wird?  Was 
ist  natürlicher  als  dafs  hier,  wo  es  doch  um  lauter  Neurodungen 
sich  handelt,  die  in  einem  Waldgebiete  (regalis  silva  Blisi- 
nensisj  erfolgten,  anfänglich  auch  nur  von  einer  Diözesan- 
herrlichkeit,  eben  der  des  Naumburger  Bischofes,  die  Rede 
sein  konnte?  Wie  aber  daraus  sich  politisch  die  Reichslehn- 
barkeif*)  für  die  eben  genannten  Orte  ergab,  so  mag  Gleiches 
auch  für  die  Orte  Frohna  (Nieder-  und  Mittel-),  Bräunsdorf 
und  Rufsdorf  gefolgert  werden.  Die  beiden  letzteren  besafsen 
kernen  Rittersitz  —  das  heutige  Bräunsdorfer  Rittergut  ist  aus 
zusammengeschlagenen  Bauerngütern  gebildet  worden  — ,  aber 
in  Frohna  gab  es  zwei  allodia,  von  denen  dasjenige  in  Nieder- 
frohna"*)  der  Stammsitz  eines  Reichsministerialengeschlechtes 
war,    das   sich  nach  dem  Orte  nannte  und  in  dieser  Gegend 


')  Sie  macht  also  vor  der  östlichen  Grenze  der  Parochien  Remse 
(Gersdorf,  Oertelshain)  und  Jerisau  (Reinholdshain)  Halt. 

-)  Dafs  es  nicht  wie  heute  nach  Langenberg,  sondern  anfangs 
nach  Rufsdorf  kirchte  (s.  0.),  führt  vielleicht  darauf  hin,  dafs  beide 
früher  gegründet  wurden  als  Langenberg,  das  mit  seiner  P'lur  die 
gröfste  Bresche  in  den  Bestand  des  südlichen  Waldgürtels  gelegt  hat. 

*)  von  Webers  Arch.  f.  d.  sächs.  Gesch.  II,  95,  196.  Naundorf 
lag  zwischen  der  Altstadt  und  Callenberg,  Spielsdorf  zwischen 
letzterem  und  Langenchursdorf. 

*)  Das  o;ilt  zunächst  auch  für  Callenberg  und  Reichenbach,  die 
das  Hochstift  Naumburg  vom  deutschen  Kömge  genau  so  wie  Remse 
seinen  Besitz  erhalten  hatte. 

^)  Es  besteht  zurzeit  nur  noch  aus  drei  kleinen  Bachparzellen 
(über  I  Hektar  grofs),  auf  denen  das  Patronatsrecht  über  Nieder- 
frohna  ruht,  und  ist  „in  der  Vorzeit  dismembriert  und  in  Erbpacht 
ausgegeben"  worden.  (Hiersemann,  Chron.  d.  Kirchgemeniden 
Niederfrohna  u.  Mittelfrohna  S.  21 — 23;  vgl.  S.  32.) 


240 


Leo  Bönhoff: 


nur  einmal  urkundlich  durch  einen  Heinricus  de  Frone  ver- 
treten ist').  Die  sonstigen  Nachrichten  über  alle  diese  Orte, 
die  aus  dem  14.  und  15.  Jahrhundert  stammen,  zeigen  sie 
bereits  in  Abhängigkeit  von  den  Burggrafen  von  Leisnig  als 
Herren  von  Penig,  in  welcher  Eigenschaft  sie  bekanntlich 
.1329  infolge  einer  Gesamtbelehnung  den  Burggrafen  von 
Altenburg  gefolgt  sind,  die  im  13.  Jahrhundert  als  Herren  von 
Zinnberg  auftreten.  Drittens:  Es  ist  sehr  beachtenswert,  dafs 
der  Pleifsnische  Archidiakonus  für  die  Einbufse,  die  er  jen- 
seits der  Mulde  erlitt,  entschädigt  worden  ist.  Er  gab  an 
Meifsen  die  acht  Kirchspiele  im  Pleifsenwalde,  der  hier  die 
Südostecke  des  gleichnamigen  Gaues  gebildet  hatte,  und  em- 
pfing dafür  den  westlichen  Teil  des  Zwickaugaues,  in  dem 
6  —  7  Parochien,  einige  recht  umfangreich  (s.  o.),  bestanden. 
Es  war  also  ein  völliges  Äquivalent,  was  ihm  für  seinen 
Verlust  beschieden  ward. 

Damit  hängen  nun  die  beiden  Fragen  eng  zusammen, 
warum  und  wann  derselbe  für  die  Diözese  Naumburg,  für 
die  er  doch  bestehen  blieb,  eingetreten  sein  mag.  Das  Bis- 
tum Meifsen  hat  gegen  einige  seiner  Nachbardiözesen  wie 
Magdeburg,  Merseburg  und  Brandenburg,  denen  sich 
also  auch  Naumburg  (vordem  Zeitz)  anschliefsen  würde,  eine 
glückliche  Expansionspolitik,  freilich  unter  Zuhilfenahme  von 
gefälschten    Urkunden"),    betrieben,     Merseburg  ist   in   den 


1)  Schöttgen  u.  Kreysio;,  Dipl.  etc.  II,  185.  Die  Besitznach- 
folger (lerer  von  Frone  in  Mittelfrohna  waren  die  von  Florstedt 
(1313:  Gotfridus  de  Fluerstedt  neben  Sefridus  de  Mecko  auf  Limbach, 
vgl.  Cod  dipl.  Sax.  reg.  II,  6.  Nr.  329);  wer  dieselben  in  Niederfrohna 
waren,  lälst  sich  nicht  feststellen.  Bereits  Heinrich  von  Frone  mufs 
nach  dem  Vogtlande  übergesiedelt  sein;  denn  Vogt  Heinrich  I.  von 
Plauen  verleiht  1262  einen  Zehnten  de  allodio  meo  in  Taltiz,  quod 
nunc  est  puerorum  (sie  waren  wohl  noch  lehnsunmündig)  H(einrici) 
de  vrone.  (MAP.  1875— 1880.  S.  XXII.)  Einer  derselben  war  ge- 
wifs  Cunradus  dictus  Vronerus,  der  dem  Deutschordenshause  in 
Plauen  im  Jahre  1282  in  extremis  positus  einen  Jahreszins  von  V2  Mark 
Silber  im  Dorfe  Taltitz  vermacht  hatte.  ^Seine  Freunde  (Albert 
Von  Reinsdorf,  Merkelin  von  der  Mühlen,  Ulrich  Sack  und  Heinrich 
von  Rodau)  hatten  den  Vogt  Heinrich  I.  von  Plauen  um  dessen  Be- 
stätigung ersucht  (eljenda  S.  LXIIL;  er  war  also  ein  Erbarmann. 
Sein  Geschlecht  starb  mit  dem  raublustigen  Vogt  von  Mühltroff, 
Hans  Froner,  im  14.  Jahrhundert  aus. 

2)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  i.  Exe.  I  S  i7ott",  lygf,  185 — 189.  Es 
handelt  sich  hier  vor  allem  um  die  Stiftungsurkunde  Meifsens  vom 
II.  Januar  948  (ib.  Nr.  t),  eine  Bulle  Papst  Johanns  XIII.  vom  2.  Januar 
968  (ib.  Nr  7.  =  11,  I.  Nr  4  A)  und  eine  Grenzbestimmung  Kaiser 
Ottos  I.  vom  19.  Oktober  968  (ib.  Nr.  9  =  11,  i.  Nr.  3),  während  ich 
an  der  Echtheit  des  Zehntübereignungsbriefes  dieses  Monarchen  für 


Der  Pleifsensprengel.  241 

Jahren  1004 — 1017  bis  zur  Mulde  zurückgedrängt  worden:  so 
hatte  es  auf  dem  zu  Merseburg  am  22.  Februar  1017  ab- 
gehaltenen Hoftage  Kaiser  Heinrich  IL  im  Verein  mit  Erzbischof 
Gero  von  Magdeburg  angeordnet^).  Allein  auch  der  Sprengel 
des  letzteren  mufste  sich  in  den  60  er  Jahren  des  11.  Jahr- 
hunderts eine  Beschränkung  gefallen  lassen:  die  Gaue  Nizizi 
(ohne  das  nördliche  Viertel  etwa)  und  Susah  (soweit  er  rechts 
der  Mulde  lag)  wufste  Meifsen  sich  anzueignen.  Als  aber 
Magdeburg  nach  70  Jahren  noch  einmal  dagegen  reagieren 
wollte,  erfolgte  die  Bulle  des  Papstes  Innocenz  IL  vom  2.  Ok- 
tober 1137,  welche  die  Grenzregelung  zu  gunsten  Meifsens 
beliefs:  ,,Ad  utriusque  ecclesiae  firmam  pacem  et  quietem", 
so  hiefs  es  darin'-),  ,,Magdeburgensis  ecclesia  suis  linibus  sit 
contenta."  Die  gröfste  Ironie  liegt  jedoch  darin,  dafs 
Meifsen  mit  einer  Fälschung  des  12,  Jahrhunderts  die  echte 
Stiftungsurkunde  des  Bistums  Brandenburg  vom  i.  Oktober 
949  abtrumpfen  konnte,  um  sich  den  Gau  Lusizi  zu  sichern. 
Brandenburg  hat  sich  aber  nicht  ohne  weiteres  zufrieden  ge- 
geben, sondern  von  Kaiser  Friedrich  I.  am  20.  Juni  1161  und 
von  Papst  Clemens  III.  am  29.  Mai  1188  die  Bestätigung  jenes 
wichtigen  Dokumentes  erlangt.  Gefruchtet  haben  seine  Be- 
mühungen schliefslich  nichts,  allein  wir  sehen,  dafs  der  Streit 
gegen  Ende  des  12.  Jahrhunderts  noch  nicht  ausgeglichen  war. 
Da  nun  die  Zuteilung  des  westlichen  Zwickaugaues  an  den 
Pleifsensprengel  und  die  Errichtung  des  Muldensprengels  zu- 
sammen etwa  um  1220  anzunehmen  sein  werden,  so  könnte 
Meifsens  Vorstofs  gegen  Naumburg  in  der  Waldenburger 
Gegend,  an  den  man  wohl  zur  Zeit  Bischofs  Udo  II,  (1161 
bis  1186)  noch  nicht  dachte,  etwa  im  Anfang  des  13.  Jahr- 
hunderts erfolgt  sein.  Um  ihn  zu  verstehen,  bedarf  es  einer 
kurzen  Darlegung  der  ursprünglichen  Abgrenzung  der  drei 
südsorbischen  Bistümer  Merseburg,  Meifsen  und  Zeitz. 

Gewöhnlich  stellt  man  sie  ungefähr  so  dar.  Merseburg, 
das  die  Gaue  Susali  und  Chutizi  zugewiesen  erhielt,  grenzte 
mit  diesem  gegen  Zeitz  und  Meifsen   folgendermafsen:    Bis 


die  Diözese  Meifsen  vom  Jahre  971  (ib.  Nr.  13=:  II,  i.  Nr.  18)  fest- 
halten möchte.  (Vgl.  Hauck,  Kirchengesch.  Deutschlands  III,  133. 
Anm.  3;  S.  135    Anm.  i.) 

^)  Thietmar,  Chron.  (ed.  Kurze)  VIII,  52  (VII,  37).  Geraäfs 
dieser  Verfügung  hat  sich  wohl  Meifsen  dafür,  dafs  die  Parochie 
Penig  (Diözese  Merseburg)  aufs  rechte  Muldenufer  hinüberreichte,  mit 
der  Parochie  Rochsburg  (nebst  Arnsdorf,  Niedereisdorf,  Lunzenau, 
Grofs-  und  Kleinschlaisdorf)  entschädigen  lassen. 

2)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  i.    Nr  46. 


2A.2  Leo  Bönhoff: 

in  die  Gegend  von  Waidenburg  wird  die  Wyhra  von  ihrer 
Mündung  bei  Kahnsdorf  ab  als  Scheidelinie  betrachtet,  dann 
ging  es  nördhch  von  der  Lungwitz,  die  zwischen  Hermsdorf 
und  Oberlungwitz  überschritten  ward,  bis  zu  den  Quellen  der 
Würschnitz  und  Zwönitz.  Hier  an  dem  letzteren  Orte  hörte 
der  Grenzzug  zwischen  Merseburg  (östlich  der  eben  ge- 
schilderten Linie)  und  Zeitz  (westlich  der  gleichen  Linie) 
auf;  hier  begann  der  Grenzzug  zwischen  Merseburg  und 
Meifsen  westlich  bez.  östlich  der  nunmehr  anzugebenden 
Linie:  er  folgte  nämlich  der  Zwönitz  stromab  und  der  Chemnitz 
bis  kurz  vor  ihrer  Mündung,  um  dann  nordwärts  abzubiegen 
und  die  Mulde  (die  Zwickauer  und  die  Vereinigte)  auf  ihrem 
rechten  Ufer  in  einiger  Entfernung,  ein  paar  Stunden  ostwärts, 
zu  begleiten.  Hier,  um  nochmals  zur  Quelle  der  Zwönitz 
zurückzukehren,  begann  ebenfalls  der  Grenzzug  zwischen  Zeitz 
und  Meifsen,  d.  h.  jenes  erhob  westlich,  dieses  östlich  einer 
Linie  seine  Machtansprüche,  die  auf  das  Tal  der  Grofsen  Mitt- 
weida  abschrägte  und  in  ihm  bis  zur  Quelle  des  Flüischens 
emporstiegt).     Dem  ist  aber  verschiedenes  entgegenzuhalten. 

1)  So  etwa  schildert  Posse  den  Grenzverlauf.  (Vgl.  Cod.  dipl. 
Sax.  reg.  I,  i;  Exe.  I,  lysft.)  Ihm  folgt  Hauck,  Kirch.-Gesch.  Deutsch- 
lands III,  133 f.,  nur  dafs  er  in  Anm.  4  zu  S.  133  zum  Sprengel  Merse- 
burgs ein  Teil  des  Daleminzigaues  gezogen  wissen  will.  Er  fafst 
nämlich  die  allerdings  schwierigen  Worte  Thietmars  Chron.  (ed. 
Kurze)  III,  16  (9):  ,,Wolcoldo  autem,  Misnensis  aecclesiae  antistiti, 
pars  illa  (sc.  episcopatus  nostri,  i.  e.  Merseburgensis)  conceditur 
cum  adpertinentibus  villis  Wissepuig  (lies  Wissep/ng  d.  i.  [Hohen-] 
Penig)  et  Lostatawa  (Lastau  bei  Colditz»,  quae  ad  Gutici  Orien- 
talen! pertinet  ac  fluviis  Caminici  Albique  distinguitur"  so  auf,  als 
handle  es  sich  bei  dem  an  Meifsen  abgetretenen  Stücke  der  Merse- 
burger Diözese  um  einen  Landstrich  zwischen  Chemnitz  und  Elbe, 
der  an  die  Ostgrenze  des  Chutizigaues  stofse;  damit  sei  die 
Elbe  als  Ost-  und  die  Chemnitz  als  Südwestgrenze  dieses  Trenn- 
stückes gegeben  und  es  als  ein  Teil  des  Daleminzierlandes  kennt- 
lich gemacht,  wobei  er  sich  noch  auf  Thietmar,  Chron.  I,  3,  bezieht: 
Haec  provincia  (i.  e.  quam  nos  Teutonice  Deleminci  vocamus,  Sclavi 
autem  Glomaci  appellant)  ab  Albi  usque  in  Caminizi  fluvium  por- 
recta.  Hiergegen  ist  einzuwenden,  dafs  pertinere  auch  eine  andere 
Deutung  zuläfst,  welche  durch  das  vorangehende  adpertinentibus 
allein  nahegelegt  wird.  Es  handelt  sich  um  einen  Landstrich,  der 
zum.  östlichen  Chutizigaue  gehört,  und  zu  dem  die  Dörfer 
Penig  und  Lastau  hinzugehören.  Da  die  Mulde  den  genannten 
Gau  durchfliefst,  so  zerlegt  sie  ihn  in  zwei  Teile,  einen  westlichen 
und  einen  östlichen  an  ihrem  rechten  Ufer,  wo  auch  Lastau  und 
folglich  das  „hohe"  Penig  (im  Süden  der  Stadt)  liegen.  Sie  bildet, 
da  der  Landstrich  zum  östlichen  Teile  gehört,  die  West  grenze, 
während  bis  981  das  Bistum  Meifsen,  an  das  er  fiel,  die  Ost  grenze 
darstellte.  So  wollen  also  die  übrigen  Worte  „fluviis  Caminizi  Albi- 
que distinguitur"   die  Süd-  und   die  Nordgrenze  des  Landstriches 


Der  Pleifsensprengel.  243 

Bei  dieser  Darstellung  bleibt  ein  Umstand  unberücksichtigt: 
das  Vorhandensein  jenes  grofsen,  bis  ins  12.  Jahrhundert  hinein 
ungelichteten  Urwaldbezirkes,  der  die  beiden  Male,  wo  er 
genannt  wird^),  den  Namen  Miriquido  (Miriquidui)  empfängt; 
derselbe  ist  altsächsisch  und  bedeutet  „Finsterwald".  Er  lag 
natürlich  aufserhalb  der  Landschaft  irgend  eines  der  ihn  vim- 
gebenden  sorbischen  Gaue,  stand  somit  auch,  so  lange  er  un- 
angetastet blieb,  zu  keiner  der  drei  südsorbischen  Diözesen 
in  Beziehung-).  Von  der  Grenze  Böhmens  aus  dehnte  sich 
sein  dunkles  Revier  nach  Norden  zu  bis  an  die  Südgrenze 
von  Chutizi  Orientalis  aus,  da  ja  sein  Wild  hinüber  nach  dem 
grofsen  Merseburger  Stiftsforste,  der  zwischen  den  Flüssen 
Saale  (Westen)  und  Mulde  (Osten),  den  Gauen  Susali  (Norden) 
und  Plisni  (Süden)  sich  hinzog  und  an  den  Burgward  Roch- 
litz  stiefs,  der  mithin  seinerseits  zwischen  den  beiden  weiten 
Waldkomplexen   gleichsam   eingebettet   war'').     Es  begrenzte 


markieren.  Die  Chemnitz  (etwa  von  dem  Knie  bei  Stein  bis  unter- 
halb von  Gamsdorf)  gab  die  Süd  grenze  des  Chutizigaues  (jenseits 
der  Mulde  =  orientalis)  ab.  Dafür  bietet  Thietmar  selbst  einen  wenn 
richtig  verstanden,  alsdann  unwiderleglichen  Beweis  in  Chron.  I,  4: 
Non  longe  a  predicto  amne  (i.  e.  Caminizi)  in  pago  Chutizi  dicto 

Arn  episcopus iuxtaplateam  in  parte  septentriqnali 

hostili  circumvallatus  agmme.  Die  Strafse,  an  der  jener  Überfall  am 
13.  Juli  892  geschah,  lief  in  der  Gegend  nördlich  (vgl.  I,  16  [9])  der 
Chemnitz,  wo  man  sich  eben  im  Chutizigaue  befand.  So  soll  mit- 
hin die  Elbe  dazu  dienen,  den  östlichen  Teil  desselben  im  Norden 
„kenntlich  zu  machen"  (distinguere),  d.  h.  der  nördlichste  Strich  von 
Gutici  Orientalis  (zu  suchen  bei  den  drei  Dörfern  Musitcin  [Mutzschen], 
Beliz  [Böhlitz],  Milus  [Wüstung  Mahlis]  —  vgl  Cod.  dipl.  Sax.  reg. 
I,  I.  Nr.  151  [ao.  108 1]  —  und  den  grofsen  Hubertusburger  Waldungen) 
erstreckte  sich  bis  in  die  Nähe  des  genannten  Stromes;  die  Elbe  war 
das  nächste  gröfsere  Gewässer,  nach  dem  man  sich  orientieren  konnte, 
oder  sie  kennzeichnete  den  Norden  von  Ostchutizi  durch  einen  ihrer 
Seitenbäche,  die  DöUnitz.  Die  oben  angezogene  Stelle  Chron.  I,  3 
aber  will  besagen,  dafs  der  Gau  Daleminzi  von  der  Elbe  sich  gen 
Westen  bis  an  die  Chemnitz  ausdehnte.  Von  Garnsdorf  an  aufwärts  bis 
zum  Knie  bei  Dittersdorf  stellte  sie  die  West  grenze  dieses  Gaues  dar. 

')  Cod.  dipl.  Cod.  reg.  I,  i.  Nr.  19  [ao.  974];  Thietmar,  Chron. 
[ed.  Kurze]  VI,  lo  (8)  [ao.  1C04];  vgl.  IX,  28  (VIII,  13)  [ao.  1018J: 
Silva  Mircwidu  vocata.  (Diesen  Namen,  der  1018  in  Holland  auf- 
taucht, pflanzt  heute  der  Flufs  Merwerle  fort.) 

2)  Vgl.  meinen  Aufsatz  „Die  sorbischen  Gaue  Chutizi  und 
Daleminzi  mit  besonderer  Berücksichtigung  von  Chemnitz  und  Um- 
gebung".    (Chemn.  Tagebl.  u.  Anz.  Jahrg.  1904,  Nr.  347.   Beil.  i.  S.  5.) 

^)  Vgl.  Thietmar  Chron.  IX,  21  (VIll,  to)  mit  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  t. 
Nr.  19:  Qualescumc^ue  venationum  species  in  his  modo  sint  terminis 
(i.  e.  inter  Salam  et  Mildam  tluvios  ac  Siusili  et  Plisni  provincias) 
vel  nutriantur  seu  ex  magna  procedant  silva,  que  Miriquido 
dicitur 


244 


Leo  Bönhoff : 


also  der  Mirkwidu  im  Süden  die  Diözese  Merseburg,  soweit 
sie  bis  981  rechts  über  die  Mulde  reichte,  und  trennte  die 
Bistümer  Meifsen  und  Zeitz -Naumburg,  von  denen  dieses 
mit  seinem  Gaue  Daleminzi  an  dem  Ost-,  jenes  mit  seinem 
Gaue  Zwickau  an  dem  Westrande  des  Urwaldes  dahinstrich; 
mit  der  Nordfront  desselben  (von  der  Mündung  der  Lungwitz 
bis  zum  Knie  der  Chemnitz  bei  Glösa  etw-a)  in  ihrer  west- 
lichen Hälfte^)  stiefs  die  regalis  silva  Blisinensis  zusammen^). 
So  kamen  also  anfangs  Zeitz-Naumburof  und  Meifsen  srar  nicht 
miteinander  in  Berührung;.  Die  Westgrenze  des  letzteren 
Sprengeis  lief  vielmehr  die  Zschopau  von  ihrer  Mündung  ab 
hinauf  bis  in  die  Nähe  von  Sachsenburg,  wo  einst  eine  alte 
Sorbenfeste  (981:  Hwoznie;  1214:  Gozne)  sich  erhob;  hierauf 
sprang  sie  zur  Chemnitz  über'^),  die  im  tiefsten  Süden  die 
Westgrenze  des  Daleminzigaues  (s.  o.)  repräsentierte,  folgte 
ihr  bis  in  die  Nähe  von  Dittersdorf  und  begleitete  die  ,,alte 
böhmische  Strafse",  die  östlich  von  Chemnitz,  von  Norden 
herkommend,  bei  Hermersdorf  und  Ahenhain  vorüber  nach 
Zschopau  und  von  da  über  Lauterbach  und  Niederlautei  stein 
nach  Zöblitz  führte,  so  lange,  bis  sie  die  Schwarze  Pockau 
erreichte*). 


')  Wir  können  diese  Nordfront  identifizieren  mit  dem  „Raben- 
steiner Gebirgszuge",  ihre  westliche  Hälfte  mit  dessen  Verlaufe  von 
der  Mulde  bei  Glauchau  bis  zur  „Langenberger  Höhe". 

2)  Der  Älirkwidu  selbst  bedeckte  mit  seiner  Fläche  die  Amts- 
hauptmannschaften Glauchau  (Süden),  Chemnitz  (Westen  und 
Süden),  Annaberg  (total)  und  Marienberg  (Westen  und  Süden). 

')  Vgl.  Helbig,  Die  Steinkreuze  im  Königreich  Sachsen  als 
Grenzzeichen.  Sonderabdr.  aus  Mitteil.  d.  Ver.  f.  Sachs.  Volksk.  1905. 
S.  II. 

*)  Diese  Darstellung  resultiert  aus  einer  Betrachtung  eines  Hers- 
felder Lehnbriefes,  den  Abt  Heinrich  unterm  23.  Juli  1292  für  Mark- 
graf Friedrich  den  Freidigen  ausstellen  liefs.  Die  eingefügte  Grenz- 
beschreibung ist  sehr  alt  und  trägt  ein  traditionelles  Gepräge.  Sie 
lautet  abgesehen  von  einer  kleinen  Erweitenmg:  Incipit  predium 
Hersfeldensis  ecclesie  a  loco,  ubi  major  Striguz  fiuvius  oritur, 
secundum  cursum  illius  amnis  in  Mulda  fluvium  et  per  decursum 
mulde  usque  Scapham  et  Scapham  sursum  usque  ad  antiquam 
semitam  ßoemorum  ....  et  per  semitam  illam  usque  Pachowe, 
Pachowe  sursum  usque  Nidperg  (Südosten  von  Zöblitz,  Westen 
von  Anspnmg),  quod  Wernherus  edificaverat,  et  ab  amne,  qui  preter- 
fluit  ante  Nidperg  (Knöse-Bach),  usque  in  amnem  Striguz.  Wo  die 
Lücke  .sich  zeigt,  ist  der  alte  Text  alteriert;  „que  secernit  Proprie- 
täten! Kemenitz  et  Hersveit"  —  diese  Worte,  die  sie  ausfüllen,  ver- 
raten, dafs  Hersfeld  durch  die  neue  Abtei  zu  Chemnitz  (gegr.  1 1 37) 
von  der  Chemnitz,  der  Grenze  des  Gaues  Daleminzi  abgedrängt 
worden  war.  Denn  unsere  Grenzbeschreibung  gibt  ja  nichts  anderes 
wieder  als  den  Umfang  der  Bezirke  der  beiden  „castella  ....  et  loca 


Der  Pleifsensprengel.  245 

Die  Sachlage  änderte  sich  bereits,  als  Meifsen  981  den 
östlichen  Teil  des  Chutizigaues  aus  dem  Bestände  des  Merse- 
burger Sprengeis  bei  dessen  Aufteilung  erhielt.  Vorübergehend, 
d.  h.  in  den  Jahren  981-  1004,  waren  Meifsen  und  Zeitz,  das 
denjenigen  Teil  des  aufgelösten  Bistums  übernommen  hatte,  der 
zwischen  den  Flüssen  Saale  (W.esten),  Elster  (Norden)  und 
Mulde  (Osten)  sowie  den  Gauen  Plisni,  Vedu  und  Tuchurini 
lag,  benachbart  geworden  \).  Aber  im  Süden  war  es  noch 
wie  vordem  gebheben:  hier  lehnte  sich  Zeitz  mit  den  Gauen 
Plisni  und  Zwicke we  an  den  Norden  und  Westen,  Meifsen 
mit  den  Gauen  Chutizi-Ost  und  Daleminzi  an  den  Norden 
und  Osten  des  Mirkwidu  an.  So  verhielt  es  sich  noch  im 
Jahre  1004,  als  Zeitz  seinen  Anteil  an  Merseburg  zurückgab, 
Meifsen  hingegen  ihn  festhielt"),  und  noch  darüber  hinaus. 
Wie  sollte  es  werden,  als  man  anhob,  den  Urwald  zu  roden 
und  dem  Anbau  zu  eröffnen?  Zeitz-Naumburg  und  Meifsen 
standen  sich  hier  als  Konkurrenten  gegenüber:  wie  sollte  nun- 
mehr die  Grenze  zwischen  ihnen  verlaufen,  da  Naumburg  von 
Nordwesten  und  Westen,  Meifsen  von  Nordosten   und  Osten 


in  partibus  Sclavonie,  Doblin  (Döbeln)  et  Hwozme  (am  Treppenhauer 
bei  Sachsenburg)  nuncupata,  in  pago  Dalminze  seu  Zlomecia 
vocato  juxta  fluvium  Multha  dictum"  (Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  i.  Nr.  28). 
Dals  aber  dieser  Gau,  dessen  "westlichsten  Strich  im  Süden  die  zwei 
Burgwarde  einnehmen,  über  die  Zschopau  hinausgriff,  legen  folgende 
Worte  des  Lehnbriefes  klar:  Hec  sunt  civitates  et  castella,  que  jaceijt 
in  predictis  terminis:  civitas  Schape  et  omnia,  que  attinent  illi 
vilhcationi,  Lichtenwalt  et  omnes  villicationes  ibidem  attinentes 
(damit  nähern  wir  uns  der  Chemnitz  am  weitesten),  Frankenberg, 
castrum  et  civitas  et  quidquid  ibi  attinet,  Drinwerdin  (Dreiwerden) 
cum  suis  pertinenciis,  Doblin:  et  castrum  et  civitas  cum  suis  per- 
tinenciis  ....  et  Öderen  cum  suis  pertinenciis  universis.  Ans  Ende, 
wo  die  Lücke  gelassen  ist,  sind  drei  Städte  gestellt,  die  nicht  im 
predium  Hersfeldense  liegen,  aber  auf  die  Hersfeld  Lehnsansprüche 
machte:  Rofswein,  Freiberg  und  Dresden.  Zschopau  und  Lichten- 
walde  führen  uns  auf  das  linke  Ufer  der  Zschopau.  Dahin  allein 
weist  uns  auch  die  Bemerkung,  dafs  die  alte  böhmische  Strafse 
Chemnitzer  und  Hersfelder  Besitz  scheide,  da  das  Bergkloster  bei 
Chemnitz  1290  den  Herren  von  Erdmannsdorf  für  32  Mark  Silber 
Oberhermersdorf  abgekauft  hatte.  (Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  6.  Nr.  319.) 
Vgl.  Herfurth,  Geschichtl.  Nachr.  v.  Zschopau.    S.  10 — 14. 

')  Thietmar,  Chron.  III,  16  (9). 

-)  Ibid.  V,  44  (26^:  De  Misni  atque  de  Citici  episcopatibus 
decrevit  (Heinrich  IL)  regia  potestate  ad  integrum  redire,  quod 
antiquitas  hinc  demptum  voluit  explicare.  (VI,  i.)  Meifsen  reagierte 
nicht  darauf.  Vgl.  VIII,  52  (VII,  37):  Cum  ego  (Thietmar)  multa  sepe 
questus  sim  imperatori  de  parte  meimet  parrochiae  ab  aecclesia 

Misnensi  iniuste  ablata  et  scriptis  (nicht  tatsächlich)  restituta 

Der  königliche  Befelil  erging  am  2.  Februar  1004,  die  Klage  erfolgte 
am  22.  Februar  —  1017! 


246  Leo  Bönhoflf: 

her  in  den  bisher  neutralen  Bannwald  vordrangen?  Meifsen 
produzierte  seine  Urkunden.  Der  Passus  des  unechten  Stiftungs- 
briefes vom  Jahre  948  (s.  o.),  eines  Machwerks  des  ausgehen- 
den 12.  Jahrhunderts,  der  unsere  Gegend  betraf,  besagte  nun 
zunächst:  Ubi  oritur  fluvius,  qui  dicitur  orientalis  Milda, 
inde  usque,  quo  idem  fluvius  intrat  in  Albiam,  Also  beginnt 
die  Schilderung  der  West  grenze  des  Bistums;  nachdem  die 
Nord-  und  Ost  grenze  erledigt  ist,  schHefst  die  Beschreibung 

der    Süd  grenze   ab   mit   den  Worten: ultra  Albiam   et 

per  silvam  in  occi dentalem  partem  usque  ad  caput  pre- 
dicti  fluminis  orientalis  Milde.  Damit  stimmt  die  unechte 
Urkunde  Ottos  I.  vom  19.  Oktober  968  (s.  o.)  in  dem  Kerne 
ihrer  Darstellung  überein,  welche  zuerst  die  Südgrenze 
schildert  und  hierbei  wieder  in  den  Worten  endigt:  ....  ultra 
Albiam  et  per  silvam  in  occidentalem  partem  usque  ad 
Caput  Milde  et  (damit  setzt  die  West  grenze  ein)  sie  deorsum 

usque  dum  Milta  intrat  in  Albiam^).     Hierauf  kommen 

die  Nord-  und  Ost  grenze  an  die  Reihe.  Bliebe  es  hierbei, 
so  wäre  die  Sache  eigentlich  ganz  einfach;  die  Südgrenze 
liefe  auf  der  Scheide  des  Landes  Böhmen  und  des  Gaues 
Nisan  (ubi  divisio  et  confinium  est  duarum  regionum  Behem 
et  Nisinen)  einher,  überschritte,  wo  dieselbe  die  Elbe  erreichte 
(ibidem),  diesen  Strom  und  dränge  nordwärts  durch  den  Wald 
des  östlichen  Erzgebirges  bis  an  die  Quelle  der  östlichen 
Mulde  vor.  Von  ihr  nähme  die  Westgrenze  ihren  Anfang, 
ginge  erst  in  der  Freiberger  (orientalis),  dann  in  der  Ver- 
einigten Mulde  herab  bis  zur  Mündung  und  fände  dort  ihren 
Abschlufs.  Ich  habe  bisher  den  Passus  schlechtweg  betrachtet, 
und  seine  Worte,  unmifsverständlich  wie  sie  sind,  lassen  für 
das  Caput  (=  ubi  oritur)  orientalis  (in  der  zweiten  Urkunde 
allerdings  ausgelassen)  Milde  keine  andere  Deutung  als  die 
eben  gegebene  zu.  Böttger  (a.  a.  O.  IV,  174.  Anm.  314)  hat 
zu  beweisen  versucht,  dafs  unter  dem  cajiut  Milde  die  Zwönitz- 
quelle  (?)  zu  verstehen  sei;  es  finde  sich  gerade  bei  Diözesan- 
grenzen  mehrmals  der  Fall,  dafs  ,,ein  Nebenflufs  von  seiner 
Quelle  ab  den  Namen  des  Hauptflusses,  dem  er  zufliefst, 
führt".  Das  mag  man  zugeben,  aber  es  müfste  dann  von 
einem    caput    occidentalis  Milde    die   Rede   sein.     Nun    ist 


^)  In  die  Lücke  zwischen  et  sie  deorsum  ....  usque  dum  Milta 
intrat  schoben  sich  zunächst  die  Worte  ambas  piagas  eiusdem 
fluminis  neu  ein.  Vgl.  die  Urkunde  Papst  Johanns  XXIII.  vom 
2.  Januar  968  (s.o.):  ultra  Albiam  et  per  silvam  in  occidentalem 
partem  usque  ad  caput  Milde  et  sie  deorsum  per  ambas  piagas 
eiusdem  fluminis  usque  dum  etc. 


Der  Pleifsensprengel.  247 

eben  in  der  zweiten  kaiserlichen  Urkunde  (wie  auch  in  der 
Johanns  XXIII.)  ein  Beiwort  zu  Milde  vermieden  und  der 
Passus  in  dem  unechten  Stiftungsbriefe,  der  bereits  948  die 
Vereinigte  Mulde  als  Westgrenze  Meifsens  anbringt,  die  sie 
tatsächlich  erst  seit  981,  definitiv  seit  1017  bildete,  ist  968 
noch  an  zwei  Stellen  erweitert  und  erläutert  worden. 

Von  der  Quelle  der  Mulde  gehe  es,  so  lesen  wir^),  weiter 
abwärts:  sie  deorsum  ambas  piagas  eiusdem  fluvii,  seil ic et 
prope  occidentalem  ripam  Rochelinze  et  sie-)  usque 
dum  Milta  intrat  in  Albiam.  Hieran  fügt  der  Interpolator  in 
den  ohnehin  überfüllten  Text  hinein  die  Bemerkung:  Nee  non 
ob  hoc  diximus:  in  occidentali  plaga,  quia  multe  ville 
pertinent  ad  orientales  urbes'').  Sie  erläutert  ohne  Zweifel 
den  Begriif  ambas  piagas  näher  und  drückt  aus,  dafs  die 
Landschaften  östlich  und  westlich  der  Mulde  an  der  West- 
grenze der  Meifsner  Diözese  beteiligt  seien.  Denn  orientales 
urbes,  d.  h.  Burgwarde,  die  auf  dem  rechten  Muldenufer  mit 
ihrem  Mittelpunkte,  dem  castellum,  und  der  dazu  gehörigen 
Bezirkskirche  lagen,  reichten  auch  auf  das  linke  mit  ihrem 
Gebiete  herüber,  wie  z.  B.  Colditz,  Döben,  Nerchau  und 
Würzen'*).  Diese  Erläuterung  aber  stammt  aus  der  Zeit  vor 
1017,  da  Thietmar  in  diesem  Jahre  schreiben  kann:  Imperator 
(Heinrich  IL)  et  archiantistes  (Gero)  iusserunt,  ut  parrochiam, 
quam  ille  (Eil ward,  Bischof  von  Meifsenj  in  occidentali 
ripa  (sc.  Mildae  fluminis)  teneret,  mihi  relinqueret'^).  Sie  bildete 
eben  einen  Rechtstitel  für  Gebiete,  die  Meifsen  981  von  Merse- 
burg an  sich  brachte,  und  zwar  zur  Abwehr  von  dessen  be- 
rechtigten Ansprüchen  bestimmt,  die  es  seit  seiner  Wieder- 
errichtung (1004)  erhob.  Der  Einschub  ,,scilicet  prope  occi- 
dentalem ripam  Koch"elinze"  (nämlich  nahe  am  westlichen  Ufer 
hin  von  Rochlitz  ab),  wobei  Rochelinze  ablativisch  auf- 
gefafst  wird,  besagt  also  auch,  dafs  auf  der  linken  Seite  der 
Zwickauer  Mulde   Meifsens    Diözesanherrlichkeit   Platz   greife. 


*)  Wir  linden  den  Passus  nicht  nur  bei  Otto  I.  (968),  sondern 
auch  wörtlich  bei  Otto  III.     (Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  i,  276:  996  Dez.  6.) 

-)  Die  hervorgehobenen  Worte  beruhen  auf  einen  noch  späteren 
Einschub.     Vgl.  Heibig  a.  a.  O.  S.  12. 

^)  Sie  ist  in  die  Lücke  des  Textes  eingedrungen,  der  bei  allen 
drei  in  Frage  kommenden  Urkunden  fast  im  gleichen  Wortlaute  vor- 
hegt: usque  dum  Milda  intrat  in  Albiam  ....  et  sie  sursum  et  ultra 
provinciam  Nizizi. 

-•)  Thietmar,  Chron.  VIII,  52  (VII,  37);  IX,  20  (VIII,  10).  Cod. 
dipl.  Sax.  reg.  I,  i.  Nr.  47,  106.  Schnitze,  Die  Kolon,  u.  German. 
d.  Geb.  zw.  Saale  u.  Elbe.     S.  67.  Anm.  3. 

5)  Ebenda  VIII,  52. 


248  Leo  Bönhoff : 

So  war  es  der  Fall  gegenüber  Merseburg  bis  zum  Jahre  1017 
(s.  o.),  wo  eine  andere  Vereinbarung  getroffen  wird,  welche 
die  Mulde  von  Penig  bis  Würzen  als  Diözesanscheide  der 
beiden  Bistümer  festsetzte.  Unser  Einschub  garantierte  nun 
auf  jedem  Fall  auch  trotz  dieser  Vereinbarung  das  rechte 
Muldenufer  und  zwar  evident  von  Rochlitz  ab.  Das  konnte 
man,  wie  es  jedenfalls  gemeint  ist,  von  der  Ortschaft  und 
ihrer  weiteren  Umgebung,  dem  Bnrgward,  verstehen;  später 
aber  mochte  es  auch  von  der  Landschaft  (pagus  =  provincia, 
comicia),  der  sogenannten  Grafschaft  gleichen  Namens  gelten, 
die  südlich  bis  zum  Frohnbach  (s.  o.)  reichte^).  Es  handelte 
sich  nun  weiter  um  die  Auslegung  der  Worte  usque  ad  caput 
Mildae  et  sie  deorsum,  bevor  der  Grenzzug  das  westliche 
Maidenufer  in  der  Rochlitzer  Grafschaft  erreichte.  Sie  gaben 
Meifsen  gegenüber  Naumburg  völlige  Ellbogenfreiheit.  So 
schob  es  denn  von  der  Quelle  der  Freiberger  Mulde  in  west- 
licher Richtung  (in  occidentalem  partem)  seine  Grenze  an  die 
Zwickauer  Mulde  vor,  soweit  es  nur  anging,  und  dehnte 
sie  am  Mirkwidu  entlang  bis  zur  Mündung  des  Ebersbaches 
aus.  Hier  aber  begann  die  Nordfront  jenes  Urwaldes;  hier 
hörten  alle  urkundlichen  Ansprüche  auf;  hier  eröffnete  sich 
ein  freies  Feld  für  die  Konkurrenz  beider  Diözesen.  Meifsen 
hat  den  Löwenanteil  davongetragen -j.  Nur  die  Nordwest- 
ecke des  Mirkwidu,  die  zwischen  dem  Mülsenbache  und  dem 
nördlichen  Talrande  der  Lungwitz  sich  einschob,  sowie  die 
Grünhainer  Pflege  zwischen  dem  Zwickaugau,  dem  südlichen 
Westrande  des  Mirkwidu,  der  unteren  Grofsen  Mittweida  und 
dem  Schwarzwasser  samt  den  grofsen,  im  Süden  anstofsenden 
Waldungen  der  oberen  Grafschaft  Hartenstein")  wufste  Naum- 
burg zu  behaupten.  Jedoch  das  rechte  Muldenufer  in  der 
Waldenburger  Gegend  verlor  es  an  Meifsen. 


^)  von  Webers  Arch.'f.  d.  Sachs.  Gesch.  N.  F.  III,  214. 

2)  Das  hier  in  Frage  kommende  Gebiet  ist  enthalten  in  den  Be- 
zirken der  Erzpriester  zu  Wolkenstein  (total),  S toll berg  (ebenfalls), 
Chemnitz  (Westen)  und  Wa  1  d  e n  b  u  r  g  (Kirchspiele  Liml^ach,  Wüsten- 
brand und  Oberlungwitz),  d.  h.  abgesehen  von  einigen  Abstrichen  im 
Osten  (Daleminzi^au  rechts  der  Zschupau)  und  den  acht  anfänglich 
naumburgschen  Paruchien  des  Landkapilels  Waidenburg,  in  der 
Kirchen  pro  vinz  Chemnitz,  die  übrigens  urkundlich  zuerst  im 
Jahre  1254  auftritt.     (Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  6.  Nr.  i.) 

*)  Zwischen  ihnen  und  dem  Westrande  des  Mirkwidu  zog  sich 
eine  alte  böhmische  Strafse  hin,  die  von  Prefsnitz  her  über  die 
Sehma  nach  Schiettau  und  Zwönitz  führte.  (Franz,  Die  Amts- 
hauptmannschaft Annaberg.  Jahresb.  d.  Kgl.  Realgymn.  zu  Abg.  1904. 
S.  3 1  f.) 


Der  Pleifsensprengel.  24Q 

4.    Die  Verwaltung'j. 

Wir  haben  bisher  die  Grenzen  und  den  Bestand,  die 
Entstehung  und  die  Veränderungen  des  Pleifsensprengels 
beschrieben.  Es  fragt  sich  nunmehr,  wer  die  Verwaltung 
dieser  Kirchenprovinz  geführt  hat.  Die  ersten  beiden  Träger 
dieses  Amtes  haben  wir  schon  oben  kennen  gelernt:  der 
eine  Witrad,  der  zur  Zeit  der  dritten  Kirchweihe  in  Alten- 
kirchen, d.  i.  zwischen  11 38 — 1140,  bereits  als  in  pago  Plisna 
archidiaconus  fungierte,  der  andere  Heinrich,  der  in  gleicher 
Eigenschaft  der  vierten  Kirchweihe  in  Altenkirchen  und  der 
dritten  in  Reichenbach  beiwohnte'-).  Witrad  war  Dechant 
der  Zeitzer  Stiftskirche,  Heinrich  Scholaster  (magister)  des 
Naumburger ■^)  Domstiftes,  als  sie  die  Würde  eines  Archi- 
diakonus  bekleideten.  Bischof  Udo  II.  hatte  dazu  also 
Dignitare  aus  den  Kapiteln  beider  Stiftsstädte  Zeitz  und 
Naumburg  abwechselnd  berufen.  Späterhin  (1230}  kam 
es  zu  dem  Beschlüsse,  dafs  der  Zeitzer  Propstei-  und  der 
Muldensprengel  beständig  durch  Glieder  des  Zeitzer  Stifts- 
kapitels verwaltet  werden  sollten,  während  der  Naumburger 
Propstei-,  der  Pleifsen-  und  andere  etwa  noch  entstehende 
Archidiakonate  stets  den  Naumburger  Domherren  verbleiben 
und  unter  der  Kollatur  des  Bischofs  stehen  möchten*}.  Vom 
Jahre  1230  ab  also  sind  Pleifsner  Archidiakonen  nur  in  den 
Reihen  der  Naumburger  Kanoniker  zu  suchen.  Ihre  Liste 
ist  freilich  nicht  lückenlos,  wie  sich  gleich  zeigen  wird. 
Zu  Beginn  des  15.  Jahrhunderts  endlich  ward  ihr  Amt 
dauernd  mit  einer  Dignität  des  Hochstiftes,  dem  Kantorate, 
vereinigt.  Am  19.  April  1418  inkorporierte  Papst  Martin  V. 
in  einer  Verordnung  an  den  damaligen  Merseburger  Bischof, 
Thilo  von  Trotha,  dieser  Pfründe,  deren  Jahreseinkommen  man 
auf  4  Mark  Silber  veranschlagte,  die  Bezüge  des  Pleifsner 
Archidiakonates,  der  damals  ausnahmsweise  von  einem 
Titularbischof    verwaltet    ward'^).     Vom  Jahre    141 8  ab   also 


1)  Vgl.  dazu  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d. 
Osterl.  VII,  508—522;  X,  462—472. 

^)  Lepsius,  Gesch.  d.  Bischöfe  von  Naumburg-  I,  246 f. 

^)  Er  folgt  in  der  Zeugenreihe  dem  Naumburger  Propste 
Berthold  und  dem  dortigen  Dechanten  Dietrich. 

*)  Lepsius  I,  74,  2831     Urk.  57. 

^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  X, 

466!:  Cum ,  si  archidiaconatvis  Plisnensis  in  .  .  .  .  ecelesia 

(Nuemburgensi),    qui vacat    ad    praesens,     ....    cantoriae 

incorporaretur,  uniretur  et  annecteretur,  extunc  cantor  ipse 
decentius  sustentari  ....  valeret  et  ...  .  archidiaconatus  praedictus, 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A,    XXIX.   3  4-  I? 


250 


Leo  Bönhoff : 


finden  wir  die  Pleifsner  Archidiakonen  unter  den  Kantoren 
des  Hochstiftes,  so  dafs  wir  sie  heranziehen  können,  um 
unsere  Liste  zu  vervollständigen ,  auch  wenn  der  archi- 
diakonale  Titel  in  einer  Urkunde  ihnen  nicht  beigelegt  sein 
würde. 

Wir  beginnen  die  Liste,  die  wir  soeben  angekündigt 
haben,  nachdem  bereits  Witrad  und  Heinrich  genannt  sind, 
der  Sicherheit  halber  mit  Hermann  aus  dem  Geschlechte 
der  Burggrafen  von  Neuenburg  (bei  Freiburg),  die  sich 
auch  Grafen  von  Mansfeld  und  seit  dem  dritten  Viertel  des 
13.  Jahrhunderts  Grafen  von  Osterfeld  nannten.  Weil  er 
einem  gräflichen  Hause  entstammte,  bezeichnete  man  diesen 
Domherrn  als  comes  de  novo  Castro.  Sein  Vater  Hermann, 
ein  Abkömmling  der  Meinheringer ,  war  der  jüngere  Sohn 
Burggraf  Meinhers  L  von  Meifsen,  seine  Mutter  Gertrud,  eine 
der  zwei  Erbtöchter  des  alten  Mansfeldischen  Grafenstammes, 
dessen  Titel  und  Wappen  ihr  Gemahl  den  seinigen  hinzufügte. 
Sieben  Söhne  entsprofsten  dieser  Ehe,  und  drei  von  ihnen 
wurden  Geistliche:  der  älteste,  Meinher,  als  Bischof  von 
Naumburg  verstorben  (1280),  der  fünfte,  Günther,  Kanonikus 
von  Halberstadt  und  Naumburg,  schliefshch  Propst  des 
letzteren  Kapitels,  und  der  sechste,  Hermann  der  Jüngere^), 
Domherr  desselben  Hochstifts,  dem  auch  seine  Brüder  an- 
gehörten. Urkundlich  zum  ersten  Male  unter  dem  Titel 
eines  archidiaconus  terre  Plisnensis  erscheint  dieser  Hermann 
neben  seinen  Mitkapitularen  als  Zeuge  im  Jahre  1275;  er 
führt  ihn  nachweislich  zuletzt  im  Jahre  1296-).  In  einer 
Beutitzer  Klosterurkunde  vom  Jahre  1267,  worin  er  mit 
sämtlichen  Brüdern  einer  Schenkung  seines  Vaters,  die  in 
vier  Höfen  zu  Lissen  bestand   und    für  das  Familienkloster"^) 


licet  dignitas  curata,  non  tarnen  maior  post  pontificialem  in  ipsa 
ecclesia  sit  et  per  eius  canonicum  dumtaxat  gubernari 
consueverit,  ad  cultum  tarnen  divinum  in  eadem  ecclesia  minima 
necessarius  censeatur  neque  archidiaconus  Plisnensis  pro  tempore 
existens    stallum    in    choro    aut    locum    in    capitulo    ipsius    ecclesiae 

habeat  ratione  archidiaconatus  antedicti ,  nos  mandamus, 

quatenus archidiaconatum  praedictum praedictae    can- 

toriae ,    dummodo    ad  id  venerabilis  fratris  nostri  episcopi  et 

dilectorum  liliorum  capituli  Nuemburgensis  accedit  assensus,  aucto- 
ritate  nostra  in  perpetuum  unias,  incorpores  et  annectas. 

■)  Hermann  der  Altere,  der  dritte  Bruder,  tritt  erst  als  Graf  von 
Mansfeld  (1269),  dann  als  Graf  von  Osterfeld  {1277)  auf. 

2)  Wagner,  Collect.  IX,  417;  XXVIII,  i,  35.  Schmidt  I,  153 
Nr.  312. 

■')  Seine  beiden  Schwestern  traten  in  dasselbe  ein. 


Der  Pleifsensprengel.  251 

bestimmt  war,  seine  Zustimmung  erteilte,  wird  er  als  Dom- 
herr, Meinher,  der  Älteste,  als  Propst  von  Naumburg  auf- 
geführt^), ohne  dafs  daraus  hervorginge,  ob  er  schon  damals 
Archidiakonus  war;  es  wäre  jedoch  nicht  unmöglich. 

Lobe  (I,  29.  Anm.*)  glaubt,  für  das  Jahr  1205  einen 
Gerlach'  von  Heldrungen,  der  1196  Kanonikus  am  Naum- 
burger St.  Moritz-,  1205  am  dortigen  Domstifte  war,  als 
Verwalter  des  Pleifsensprengels  ansehen  zu  dürfen.  Denn 
da  er  in  diesem  Jahre  auch  den  Titel  archidiaconus,  freilich 
ohne  jeden  Zusatz,  trage,  so  könne  er  nur  der  Pleifsnische 
sein,  weil  der  damalige  Propst,  Hartmann,  natürlich  den 
Naumburger  Propsteisprengel  unter  sich  als  Archidiakon  des 
Hochstiftes  gehabt  habe-).  Dieser  Schlufs  würde  durchaus 
zulässig  sein,  wenn  er  sich  auf  die  Zeit  nach  1230  bezöge; 
so  aber  fällt  er  dahin,  weil  die  Voraussetzung  fehlt:  der  oben 
erwähnte  Schied  des  Naumburger  Domkapitels  aus  dem  eben 
gedachten  Jahre!  Allein  auf  eine  andere  Weise  vermögen 
wir  die  Annahme  betreffs  jenes  Gerlachs  aufrecht  zu  erhalten, 
indem  wir  nämlich  uns  erinnern,  dafs  es  1205  noch  keinen 
Muldensprengel  gab.  Es  existierten  also  nur  drei  Archi- 
diakonen:  die  beiden  Pröi)Ste  von  Naumburg  und  Zeitz 
sowie  der  Pleifsnische,  so  dafs,  da  jenen  auch  als  Archi- 
diakonen  der  Name  ihrer  Dignität  beigelegt  zu  werden 
pflegte,  mit  dem  schlichten  Titel  archidiaconus  in  jener 
Zeit  nur  dieser  gemeint  sein  konnte.  Da  Gerlach  121 5  bis 
1233  die  Würde  eines  Naumburger  Dompropstes  bekleidete, 
so  ist  er  gewifs  im  ersteren  Jahre  von  seinen  archidiakonalen 
Verrichtungen  für  den  Pleifsengau,  dessen  kirchliche  Aufsicht 
ihm  damals  noch  ausschliefslich  oblag,  zurückgetreten,  nach- 
dem er  sie  nach  1196  und  vor  1205  aufgenommen  batte'^). 
So  würde  sich  mithin  zweimal  je  eine  Lücke  von  60  Jahren 
ergeben:  eine  für  die  Zeit  von  11 40  — 1200  und  eine  für 
die  Jahre  1215-1275.  Es  ist  dabei  nur  zu  bedauern,  dafs 
in  zwei  Urkunden  für  die  Klöster  zu  Crimmitschau  (1222) 
und  U.  L.  Fr.  auf  dem  Berge  zu  Altenburg  (1224)  der  Name 
des  Pleifsner  Archidiakonus,  dessen  Jurisdiktion  die  ihnen 
einverleibten  Kirchen  St.  Lorenz  und  St.  Martini  zu  Crimmit- 


')  Lepsius  I,  99. 

2)  Mitteil.  d.  Gesell,  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
VII,  siyf. 

^)  Vermutlich  war  er  schon  1204  in  seinem  Amte,  als  der  vom 
Bergerkloster  zu  Treben  angestellte  Pfarrer  durch  Bischof  Berthold  II. 
an  den  Pleifsner  Archidiakonus  in  spiritualibus  gewiesen  ward. 
(Lobe  I,  513.) 

17* 


252 


Leo  Bönhoff: 


schau  und  St.  Bartholomäi  zu  Altenburg  unterworfen  waren, 
unerwähnt  geblieben  ist^). 

Wiederum  der  Sicherheit  halber  setzen  wir  aufs  neue 
ein  mit  der  Person  des  Edlen  Otto  von  Colditz.  Nebst 
seinem  (älteren)  Bruder  Ulrich,  der  nachmals  am  15.  März 
13 16  als  Bischof  von  Naumburg  verstarb,  gehörte  er  der 
Wolkenburger  Linie  des  alten  meifsnischen  Dynasten- 
geschlechtes an  und  war  durch  seinen  Vater  Heinrich 
(-j-  nach  1308)  der  Enkel  der  Wolkenburger  Erbtochter 
Beatrix  (s.  o.-).  Ausdrücklich  wird  ihm  der  Titel  archi- 
diaconus  Plisnensis  verhältnismäfsig  spät  beigelegt,  nämlich 
im  Jahre  13 ig'');  er  fungiert  noch  mit  seinen  Kollegen  im 
Archidiakonate,  dem  Zeitzer  Propste  Otto  und  dem  Archi- 
diakonus  jenseits  der  Mulde  Heinrich  (de  Czernczin),  als 
Schiedsrichter  am  16.  Juni  1322*).  Eine  spätere  Nachricht 
existiert  über  ihn  nicht.  Er  amtierte  also  auch  zu  der  Zeit, 
wo  der  von  uns  vielfach  benutzte  Abschätzungsbericht  der 
Naumburger  Diözese  (1320)  zur  Abfassung  gelangte.  Wir 
besitzen  aber  aufserdem  eine  der  Schrift  nach  aus  dem  An- 
fange des  14.  Jahrhunderts  stammende  Pergamenturkunde, 
mittels  deren  er  dem  Duminikanerprior  Johannes  von  Lieben- 
werda  und  der  Priorin  von  Cronschwitz''')  verspricht,  das 
Investiturrecht  des  Konventes  anerkennen  zu  wollen.  Das 
Schreiben  hat  er  sicher  kurz  nach  seinem  Amtsantritte  an 
die  Adressaten  gerichtet;  es  lautet*'):  ,,Ot(to),  dei  gracia') 
archidiaconus  Plisnensis,  dictus  de  Koldicz  discreto  viro 
(Johanni)  priori  de  Libenwerde,  ordinis  fratrum  predicatorum, 
et  domine  (Mechthildi  de  Plawe),  priorisse  de  Cronswicz, 
quidquid  poterit  servicii  et  honoris.  Noverit  vestra  discrecio 
et  devocio,  quod  ad  devotam  instanciam  precium  vestrarum 
et   favore   speciali,    quo    vos    amplectimur,   articulum   de   in- 


^)  Schultes,  Direct.  diplom.  II,  571. 

2)  Schöttgen  u.  Kreysig  II,  453  (anno  1304):  Bischof  Ulrich 
von  Naumburg  nennt  als  Zeugen:  Otio,  f  rat  er  noster,  Cicensis 
ecclesie  canonicus,  Volradus  dictus  de  Wolkenberg,  patruus  noster. 
(Volrad  war  seines  Vaters  nächstjüngerer  Bruder.) 

^)  Ebenda  II,  457. 

•»)  Schmidt  II,  637.    Nachtr.  Nr.  57. 

^)  Ihr  Name  ist  wie  der  des  Priors  ausgelassen,  kann  aber  wie 
der  seine  ergänzt  werden.  Sie  hiefs  nämlich  Mechtild  und  war  die 
Tochter  Vogt  Heinrichs  I.  von  Plauen.  Urkundlich  tritt  sie  als 
Priorin  (Nachfolgerin  ihrer  Schwester  Agnes)  auf  in  den  Jahren 
1304 — 1328.    (Schmidtl,  179,  312.    Nr.  369,  651.) 

♦*)  Ebenda  I,  i6if.    Nr.  330. 

"')  Vgl.  Hauck,  Kirch.-Gesch.  Deutschi.  IV,  12  und  13,  Anm.  i. 


Der  Pleifsensprengel.  2^7 

vestitura  et  alios  articulos,  prout  nobiscum  contulistis, 
libenter  admittere  volumus,  dum  modo  idonea  persona  ad 
illam  parrochiam  ordinetur,  que  laudabiliter  illi  loco 
preesse  possit  et  prodesse.  Cetera  rator(um)  (?).  Datum  VI.  ka- 
lendas  Februarii"  (27.  Januar).  Das  Jahr  fehlt  leider,  und  so 
sind  wir  auf  Kombinationen  angewiesen.  Der  Prior  Johann  von 
Liebenwerda  war  noch  im  Jahre  13 11  Lektor  seines  Ordens^). 
Otto  von  Colditz  selbst  tritt  noch  im  Jahre  1305  als  Zeitzer 
Stiftsherr  auf,  wo  sein  Bruder,  Bischof  Ulrich,  am  31.  August  d.J. 
dem  Kloster  Cronschwitz  das  Investiturrecht  für  Langen- 
bernsdorf  und  Langenreinsdorf  im  Pleifsensprengel  bestätigte^), 
welches  ihm  sein  Vorgänger,  Bischof  Bruno,  bereits  am 
10.  Februar  1302  ebenso,  wie  für  SchmöUn  (in  derselben 
Kirchenprovinz)  am  18.  h.  m.,  verliehen  hatte^).  Erst  am 
Mittwoch  vor  Pfingsten  1305  zeugt  er  als  ,,herr  Otto  von 
Koldiz,  Thumher  zu  Numburgk",  und  nur  als  solcher  war 
er  in  der  Lage,  das  Amt  eines  Pleifsner  Archidiakonus  zu 
erhalten*).  So  weist  uns  denn  jenes  undatierte  Schreiben 
hinter  das  Jahr  131 1,  zumal  Bischof  Ulrich  seinen  Bruder 
urkundlich  unterm  3.  September  1308  noch  ohne  den  Zusatz 
jenes  Titels  benennt'^).  Wenn  nicht  alles  trügt,  ging  ihm 
unmittelbar  im  Amte  Hermann  von  Heseler,  im  Jahre  1306 
erwähnt^),  voran  ebenso  wie  als  sein  direkter')  Nachfolger 
der  in  den  Jahren  1329  — 1330  auftretende  Heinrich 
Schenk  von  Nebra  (pincerna  de  Nebere)  zu  betrachten 
ist'^).  Ja  vielleicht  darf  man  soweit  gehen,  den  ersteren 
zugleich  für  den  Nachfolger  Graf  Hermanns  von  Neuenburg 
zu  halten,  so  dals  hier  keine  Lücke  entstünde. 


^)  Schmidt  I,  202.     Nr.  424. 

•-)  Ebenda  I,  182!     Nr.  375. 

8)  Ebenda  I,  i68ff.     Nr.  344! 

■*)  Lepsius  I,  323. 

^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl. 
V,  252  f. 

")  Leider  hat  Herzog  den  Beleg  für  diese  Angabe  zu  geben 
unterlassen. 

')  Dafs  er  im  Amte  starb,  bezeugt  das  Totenbuch  der  Naum- 
burger Kathedrale  (Schöttgen  u.  Kreysig  II,  168 A):  Aug.  13.  obiit 
dn.  Otto  de  Kolditz  archiäiaconus  et  dantur  quaedam  de  bonis 
in  Reusen. 

*)  Die  drei  oben  Genannten  haben,  ein  jeder  als  archidiaconus 
loci  zu  seinerzeit,  die  drei  ersten  Pfarrer  am  Georgenhospitale  zu 
Zwickau  auf  Präsentation  der  Familie  Zschackan  hin  (s.  o.)  investiert: 
nach  1305  den  Magister  Johannes  von  Chemnitz,  um  13 16  den  Notar 
Hermanns  von  Schönburg,  Johannes  Zwirckel  von  Ziegelheim,  und 
nach  1327  Friedrich  Rofsmarkt.   (Herzog  II,  54,  57,  60,  64,  878,  882.) 


254 


Leo  Bönhoflf: 


Einer  derjenigen  Archidiakonen,  über  die  uns  reich- 
licheres Urkundenmaterial  (von  Lobe  gesammelt)  zur  Ver- 
fügung steht,  ist  Dietrich  von  Gattersieb  en.  So  erklärt 
er  z.  B.  am  9.  Oktober  1342  sein  Einverständnis  zur  Einver- 
leibung der  Pfarrkirche  von  Nöbdenitz:  nosque  Theodricus 
de  Gattirsleybin,  archidiaconus  terre  Plisnensis,  in  signum 
nostri  consensus  similiter  sigillum  nostrum  presentibus  (der 
von  Bischof  Witego  I.  und  dem  Domkapitel  von  Naumburg 
untersiegelten  Urkunde  für  das  Kloster  Cronschwitz)  duximus 
appendendum\).  Allein  die  früheste  Notiz  über  ihn  geht 
noch  einige  Jahre  zurück:  er  bezeugt  1339  eine  Urkunde 
für  das  Altenburger  Bergerkloster -j.  Wenn  es  nun  so 
scheinen  will,  als  habe  er  bereits  im  Jahre  1353  einen  Nach- 
folger namens  Johannes  erhalten,  so  spricht  dagegen,  dafs 
er  noch  im  Jahre  1355  auftritt,  wo  er  dem  Bergerkloster  das 
Investiturrecht  für  Kriebitsch  einräumt,  also  seines  Amtes 
ruhig  weiter  gewaltet  hat^}.  Jene  Annahme  entstand  durch 
einen  blofsen  Irrtum.  Es  handelte  sich  nämlich  um  eine 
Klosterintrigue,  bei  der  die  Besetzung  der  Werdauer  Pfarr- 
stelle eine  Rolle  spielte:  hierbei  war  eine  illegitime  Prä- 
sentation an  Dietrich  von  Gattersleben  ergangen,  auf  die  hin 
er  die  Einsetzung  (institutio)  des  betreffenden  —  es  war  ein 
Regularkanoniker  Johannes  vom  Bergerkloster  —  zum  Pfarrer 
vornahm.  Nachdem  sich  das  Widerrechtliche  der  ganzen 
Sache  herausgestellt  hatte,  mufste  er  natürlich  die  Präsentation 
kassieren  und  seine  Investitur  annullieren:  solches  geschah 
am  4.  September  1352,  und  zwar  unter  Hinzuziehung  u.  a. 
des  Pfarrers  Johannes  von  Meerane,  den  Dietrich  noster 
decanus  nennt,  als  Zeugen*).  Dieser  aber,  Dietrichs  Stell- 
vertreter, wiederholte  am  15.  Februar  1353  die  Nichtig- 
keitserklärung seines  Vorgesetzten.  Das  sie  enthaltende 
Dokument  liegt  nicht  mehr  im  Originale  vor,  ist  vielmehr 
in  eine  Urkunde  Bischof  Rudolfs  von  Naumburg  inseriert, 
die  auch  nur  noch  abschriftlich  vorhanden  ist;  danach 
würde  sich  jener  Johann  selber  als  ,, Dekan  und  Archidiakon 
des  Pleifsenlandes  bezeichnen",  während  es  doch  nach  Ana- 
logie der  Urkunde  vom  4.  September  1352  heifsen  mufs: 
„Dechant  des  Archidiakons  d.  Pl."^).  Die  jüngste  Nachricht 
über  Dietrich   von  Gattersleben  rührt  vom  Januar    1359   her, 


1)  Schmidt  I,  4265.    Nr.  846. 

2)  Wagner,  Collect.  VI,  356. 

3)  Ebenda  XIII,  47;   XV,  385. 
*)  Schmidt  I,  484.    Nr.  932. 
»)  Ebenda  I,  486.    Nr.  938. 


Der  Pleifsensprengel.  2ee 

wo    er    als   Schiedsrichter    vom   Bischof  in    einer  Zwickauer 
Sache  bestellt  wird^). 

Zwischen  Heinrich  Schenk  von  Nebra  und  Dietrich 
von  Gattersleben  können  wir  einen  dominus  Thileco,  archi- 
dyaconus  terre  Plisnensis,  einfügen,  der  als  Zeuge  am 
i6.  Oktober  1336  neben  einer  ganzen  Reihe  von  naum- 
burgischen Domherren  und  Vikaren  erscheint.  Er  wird  am 
14.  April  1328  als  Tiliko  de  Delcz,  vicarius  ecclesie  Num- 
burgensis,  aufgeführt.  Er  mag  zwischen  1330  und  1336 
sein  Amt  angetreten  haben  und  füllt  wohl  die  Lücke  zwischen 
den  beiden  oben  berührten  Archidiakonen  aus^). 

Es  dauert  eine  geraume  Zeit,  ehe  wir  wieder  auf  einen 
,,Archidiakon  an  der  Plizzen"  stofsen,  nämlich  im  Februar 
1387  auf  Heinrich  von  Halle,  dessen  in  einem  Vertrage 
Bischof  Christians  von  Naumburg  mit  der  Markgräfin-Witwe 
Katharina  von  Meifsen  gedacht  wird,  wobei  seine  Funktionen 
in  der  Stadt  Altenburg  eine  Regelung  finden.  So  sollte  er 
sich  nur  auf  geistliche  Angelegenheiten  beschränken  und 
nicht  in  weltliche  Händel  einmischen;  ,,dy  voite  czu  Aldin- 
burg  sullen  den  Archidiakene  genant  in  keynen  fordern 
haben",  heisst  es,  d.  i.  das  städtische  Rügegericht,  das  Vogt- 
ding, wobei  auch  kirchliche  Angelegenheiten  zur  Sprache 
kamen,  besafs  am  Archidiakonus  keine  höhere  Instanz'*).  Ein 
Präsentationsschreiben  an  diesen  Heinrich  von  Halle,  welches 
der  Cronschwdtzer  Konvent  wegen  Besetzung  der  Langen- 
reinsdorfer  Pfarrstelle  unterm  29.  August  1389  abgehen  liefs, 
haben  wir  bereits  in  seinem  vollen  Umfange  wiedergegeben. 
Mehr  verlautet  bis  jetzt  nicht   über   ihn   und   seine  Amtszeit, 

Aus  dem  Erlasse  des  Papstes  Martin  V.  (s.  o.)  geht 
hervor,  dafs  vor  der  dauernden  Verbindung  des  Pleifsner 
Archidiakonates  mit  dem  Naumburger  Domkantorate  (1418) 
auf  die  Stelle  kraft  Erlaubnis  und  Dispensation  des  römischen 
Stuhls  der  Titularbischof  Angelus  von  Peneste  gesetzt 
worden  war,  so  dafs  der  letzte  Inhaber  des  Amtes  gar  nicht 
zu  den  Naumburger  Kapitularen  zählte,  wie  es  sonst  rechtens 
gewesen  wäre*).     Das  Jahr,  wann  Angelus  mit  Ausschaltung 


1)  Wagner,  Collect.  XXVIII, .1,  59. 

'^)  Kehr,  Urkundenbuch  des  Hochstiftes  Merseburg  I,  667,  776. 
Nr.  812,  917.  Eine  Handschrift  bezeichnet  ihn  schon  1328  als 
canoni  cus. 

ä)  Hörn,  Friedrich  der  Streitbare  S.  395,  676. 

*)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  O.sterl.  X, 

466: (archidiaconatus  Plisnen.sis),  quem  ex  concessione  et  dis- 

pensatione  sedis  apostolicae  obtinebat.  — neque  archidiaconus 


256 


Leo  Bönhoff: 


des  bischöflich  naumburgischen  Kollaturrechtes  die  Ver- 
waltung des  Pleifsensprengels  übernahm,  auf  die  er  in  die 
Hände  Papst  Martins  V.  Verzicht  leistete,  ist  unbekannt; 
wahrscheinlich  aber  hat  dessen  Vorgänger,  Johann  XXIII. 
(1410 — 1415),  über  den  Pleifsnischen  Archidiakonat  frei  ver- 
fügt. Als  nun  durch  die  Resiofnation  des  Bischofs  Ang^elus 
diese  Prälatur  vakant  war,  richtete  der  damalige  Naumburger 
Domkantor  eine  Petition  an  den  römischen  Stuhl,  dem  die 
Besetzung  aufs  neue  zukam,  des  Inhalts,  dafs  seine  Pfründe 
durch  ihre  Emolumente  mittels  Einverleibung-  der  letzteren 
aufgebessert  werden  möge.  Dieser  Bitte  entsprach  der  Papst, 
und  der  erste  derjenigen  Naumburger  Kanoniker,  die,  mit 
der  Würde  des  Kantors  bekleidet ,  auch  ohne  weiteres  an 
die  Spitze  der  Pleifsnischen  Kirchenprovinz  traten,  hiefs 
Heinrich  von  Cossitz  (Kossiez).  Wir  wissen  leider  nichts 
über  ihn  und  das  Ende  seiner  Wirksamkeit,  so  dafs  eine 
grofse  Lücke  bis  zum  Jahre  1480  entsteht,  deren  Ausfüllung 
der  Zukunft  überlassen  bleiben  mufs. 

Im  genannten  Jahre  geriet  nämlich  Nikolaus  von  Erd- 
mannsdorf  (Ertmarsdorff),  cantor  et  canonicus  Num- 
burgensis  et  terre  Plisnensis  archidiaconus,  mit  dem 
exemten  St.  Georgenstifte  zu  Altenburg  in  Sachen  geistlicher 
Gerichtsbarkeit  in  einen  scharfen  Streit,  besonders  weil  er 
einen  Kaplan  desselben  wegen  eines  fleischlichen  Vergehens 
vor  sein  Gericht  geladen  hatte  ^). 

Der  letzte  endlich  in  der  Reihe  derer,  die  den  Titel  eines 
,, Archidiaconus  an  der  Plyssen"  geführt  haben"),  ist  Dr.  Vin- 
cenz  von  Schleinitz,  Kanonikus  zu  Merseburg  und  Naum- 
burg (Dechant  und  Kantor),  der  1485  in  Leipzig  studiert  hatte 
und  als  Bischof  von  Merseburg  1526  —  1535  regierte.  Auch  er 
sah  sich  mit  dem  ebenerwähnten  Stifte  wegen  der  Jurisdiktion 
über  dessen  Untertanen  im  Jahre  1500  in  einen  gröfseren 
Konflikt  verwickelt,  den  der  Kurfürst  von  Sachsen  als  Schutz- 
vogt im  folgenden  Jahre  beilegte.  Der  Pleifsner  Archidiakonus 
sollte  danach  nur  diejenigen  vor  sein  Gericht  ziehen,  deren 
Zinsen  an  das  Stift  unter  einem  Werte  von  20  Groschen 
ständen,  während  es  im  übrigen  bei  seiner  Freiheit  von  jeder 
anderen  geistlichen  Gerichtsbarkeit  als  der  des  eigenen  Propstes 
zu  bewenden  hätte'^)      Wann  Schleinitz  sein    Amt   als  Archi- 


Plisnensis  pro  tempore  existens    st  all  um    in    choro   aut  locum  in 
capitulo  ipsius  ecclesiae  habeat  ratione  archidiaconatus  antedicti. 
J)  Wagner,  Collect.  XIV,  2341". 

2)  Ebenda  VIII,  198. 

3)  Ebenda  XIV,  24. 


Der  Pleilsensprengel.  2  57 

diakonus  niedergelegt  hat,  entzieht  sich  unserer  Kenntnis, 
doch  war  es  vor  dem  Jahre  1516  der  Fall,  wo  er  selber  den 
neuausgebrochenen  Streit  zwischen  dem  Naumburger  Hoch- 
stifte und  dem  Altenburger  St.  Georgenstifte  um  die  Juris- 
diktion als  Schiedsmann  vergleichen  half.  Seitdem  verlautet 
absolut  nichts  mehr  von  einem  den  Pleifsensprengel  ver- 
waltenden Prälaten;  das  Amt^j  ist  zur  Sinekure  herab- 
gesunken und  wie  scheint,  spurlos  erloschen,  da  es  zwei 
Konkurrenten  hatte:  der  eine  war  der  bischöfliche  Offizial 
zu  Zeitz,  der  andere  der  Dechant  zu  Altenburg  (s.  u.). 

Fassen  wir  unsere  Darlegungen,  die  wir  bisher  gaben, 
übersichtlich  zusammen,  so  ergibt  sich  diese  Reihenfolge: 

1.  vor  1138  bis  vor   1140  Witrad,   Dechant  in  Zeitz; 

2.  um  II 40  Heinrich,  Scholaster  von  Naumburg; 

3.  (1204)  1205 — 1215  Gerlach  von  Heldrungen,  Domherr 
von  Naumburg  (seit  1196); 

4.  (1267)   1275 — 1296   Graf  Hermann   von  Neuenburg; 

5.  (1305)  i3o6(ff.)  Hermann  von  Heseler; 

6.  nach   1311— 1322   Otto  von  Colditz; 

7.  (1327)  1329!   Heinrich  Schenk  von  Nebra; 

8.  1336  Thilo  von  Delitz  (?); 

9-  1339 — 1359  Dietrich  von  Gattersleben; 

10.  1387    -1389  Heinrich  von  Halle; 

11.  (14 10) — 1417    Angelus,    Titularbischof  von   Peneste; 

12.  I4i8ff.   Heinrich  von  Cossitz,  >       Kantoren 

13.  1480  Nikolaus  von  Erdmannsdorf,    |  des  Hochstiftes 

14.  1500 ff.   Dr.  Vincenz  von  Schleinitz,  j       Naumburg. 
Es  möge   noch   ein   kurzes  Wort   über   die    Rechte    und 

die  Bezüge  eines  Pleifsner  Archidiakonus  gesagt  sein!  Die 
ersteren  lassen  sich  etwa  folgendermafsen  aufzählen: 

a)  Visitation  der  Pfarreien  des  Sprengeis,  sow^eit  sie 
nicht  exemt  waren,  und  ihrer  Gemeinden; 

b)  Beaufsichtigung  der  Klöster  und  Ordensnieder- 
lassungen-j,    die   nicht   von   der   archidiakonalen  Jurisdiktion 

')  Seine  Einkünfte  bestanden  fort.  Denn  der  Pfarrer  von 
Schmölln  gibt  u.  a.  in  seinem  Anschlage  vom  Jahre  1522  an:  4  Gr. 
dem  Archidiakon  d.i.  des  Pleifsnerlandes  (llöbell,  31). 

^)  Im  Bereiche  des  Pleifsensprengels  bestanden  ihrer  folgende 
(abgesehen  von  der  Bosauer  Propstei  in  Zwickau,  die  sich  121 2 
autlöste,  und  dem  Eisenberger  Nonnenkloster,  das  121 2— 12 19  in 
derselben  Stadt  hauste): 

I.  Zwickau:  *Franziskaner  (um  1231);  Gründer:  der  Patrizier 
Konrad  Egerer  und  seine  Sippe; 

II.  Crimmitschau:  a)  Augustiner  Chorherren  (1222);  Gr.: 
Heinrich  (Edler)  von  Crimmitschau.—  b)  ♦Karthäuser  (1478  nach 


2c8  Leo  Bönhoff: 


befreit  waren  (von  den  in  der  vorigen  Anmerkung  aufgezählten 
zehn  geistHchen  Instituten  war  die  Hälfte  exemt:  I;  IIb; 
Va,  b  und  d); 

c)  Handhabung  der  Sittenpolizei; 

d)  Ausübung  der  geistlichen  Gerichtsbarkeit; 

e)  Behandlung  der  Ehesachen; 

f)  Annahme  der  Präsentationen; 

g)  Schlichtung  von  Patronatsstreitigkeiten ; 

h)  Prüfung  der  Ordinanden; 

i)  Investitur  der  Pfarrer  und  Altaristen; 

k)  Besetzung  der  geistlichen  Stellen  bei  Versäumnis  der 
Präsentationsfrist  ^) ; 

1)  Abhaltung  von  Synoden; 

m)  Bestätigung   der  Testamente  der  untergebenen  Geist- 
lichen. 

Die  Einkünfte,  die  er  für  diese  Bemühungen  bezog,  be- 
liefen sich  im  Jahre  1418  nach  der  Angabe  des  Domkantors 
Heinrich  von  Cossitz  in  seiner  erwähnten  Bittschrift  an  den 
Papst  Martin  V.  auf  5  Mark  Silber  jährlich'-).  Wir  lernen 
sowohl  ihre  Quellen  als  auch  einzelne  Posten,  aus  denen 
sie  sich  zusammensetzten,  kennen.     Zu  jenen  gehören: 

a)  Freie  Zehrung  (procuratio)  bei  Visitationen; 

b)  Gerichtssporteln  (jura  archidiaconaliaj; 

c)  Abgaben  der  Neuinvestierten; 

d)  Jährlicher  Synodalschilling  (synodalia); 


Auf  hebung  des  Chorherrnstiftes) ;  Gr.:  Kurfürstin -Witwe  Margarethe 
von  Sachsen  und  Hans  Federangel,  Pfandherr  des  Amtes  Crimmitschau. 

III.  Grünberg- Frankenhausen:  Cisterzienserinnen  (vor 
1271,  nach  dem  zweiten  Orte  verlegt  vor  1296);  Gr.:  Burggraf 
Erkenbert  IL  von  Starkenberg. 

IV.  Remse  (genannt  Molda):  Benediktinerinnen  (zwischen 
1143 — ii6i);Gr.:  Abt  und  Konvent  von  Bürgel. 

V.  Altenburg:  a)  *St.  Georgenstift  (1413);  Gr.:  Markgrat 
Wilhelm  IL  von  Meifsen.  —  b)  *Deutschorcienshaus  (1214  mit 
dem  Marienhospitale  [i  181  von  Kaiser  Friedrich  I.  ins  Leben  gerufen] 
vereinigt;  Gr.:  Kaiser  Friedrich  IL —  c)  Augustiner  Chorherren 
(Bergerkloster)  (1172);  Gr.:  Kaiser  Friedrich  I.  —  d)  *Franzis- 
kaner  (bereits  vor  1239).  —  s)  Reuerinnen  (zwischen  1271  — 1280). 
—  NB.  Das  Sternchen  (*)  deutet  auf  Exemtion. 

^)  Der  Archidiakonus  besetzte  auch  die  Erzpriesterstühle,  wenn 
die  Geistlichen  der  Landkapitel,  die  das  Recht  hatten,  einen  aus 
ihrer  Mitte  als  Dechanten  zu  präsentieren,   den  Termin  verjiafsten. 

2)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  X, 

467:    ......    archidiaconatum     praedictum,     cuius     quinque    

marcharum  argenti  fructus,  reditus  et  proventus  secundum 
communem  aestimationem  valorem  annuum,  ut  idem  ....  cantor 
asserit,  non  excedunt. 


Der  Pleifsensprengel.  2^g 

e)  Pensionen  von  inkorporierten  Pfarreien*); 

f)  Anteil    am   Nachlasse    der    untergebenen   Geistlichen. 

Einzelne  Posten  erfahren  wir  inbetreff  des  allemal  zu 
Michaelis  fälligen  census  synodalis  (synodaticum);  so  ent- 
richteten die  Pfarrer  zu  Kriebitsch  und  zu  Mehna  je  8  breite 
Groschen,  der  zu  Schmölln  nur  die  Hälfte,  da  er  bereits 
4  Groschen  dem  Archidiakon  zahlte'). 

Der  Pleifsner  Archidiakonus  hatte,  schon  weil  er  Naum- 
burger Domherr  war,  seinen  Sitz  in  einer  der  beiden  Stifts- 
städte. Denn  bei  Heinrich  von  Halle  hiefs  es  in  dem  oben 
berührten  Vertrage  vom  8.  Februar  1387:  ,,Er  sal  ouch  die 
von  Aldenburg  gein  Czicze  mit  ladin  lafsin",  und  Nikolaus 
von  Erdmannsdorf  hatte  jenen  Kaplan  des  St,  Georgenstiftes 
vor  sein  Gericht  nach  Naumburg  zitiert.  Allein  jene 
Residenzpflicht,  die  einen  Kapitular  an  den  Ort  des  Stiftes 
band,  weil  Verletzungen  derselben  pekuniäre  Nachteile  im 
Gefolge  hatten,  behinderte  gerade  den  Träger  des  Archi- 
diakonalamtes  an  der  Erfüllung  seiner  Obliegenheiten  und 
nötigte  ihn,  sich  nach  einem  Stellvertreter  (Statthalter^),  ja 
nach  mehreren*)  umzusehen.  Denn  aus  der  kommissarischen 
Betrauung  mit  einzelnen  Geschäften  ward  schliefslich  eine 
ständige  Unterstützung  und  Vertretung,  die  den  Erz- 
priestern  oder  Dechanten  oblag.  Eine  solche  ward  um 
so  dringlicher,  als  die  anfangs  so  umfangreichen  und  aus- 
gedehnten Kirchspiele  wie  z.  B.  Monstab,  Altenkirchen  oder 
Zwickau  in  kleinere  zerlegt  wurden,  ihre  Zahl  also  immer 
mehr  zunahm;  dazu  kam  auch  die  weite  Entfernung  so 
mancher  Pfarrorte  vom  Archidiakonalsitze,  wenn  man  nur 
z.  B.  an  Bärenwalde,  Hirschfeld  oder  Kirchberg  denkt.  Wie 
ist  nun  im  Pleifsensprengel  diese  Einrichtung  getroff"en 
worden?  Hat  man  ihn  auch  in  mehrere  Dekanate  zerlegt? 
Wenn  wir  dieser  schwierigen  Frage  näher  treten,  wollen 
wir  von  vornherein  berücksichtigen,  dafs  die  Kirchenprovinz 


^)  Eine  solche  bezog  er  z.  B.  von  Langenbernsdorf;  dessen 
Parochie  dem  Kloster  Cronschwitz  einverleibt  war.  (Tittmann, 
Heinrich  d.  Erl.  I,  287.) 

2)  Wagner,  Collect.  XIII,  47;  XV,  585.     Löbel,  333;  II,  31. 

^)  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.Osterl.I,  117. 

*)  So  hatten  die  Kollegen  des  Pleifsner  Archidiakonus  3  —  6  Ver- 
treter: Der  Naumburger  Dompropst  zu  Schkölen,  zu  Zorbau 
(oder  Görschen)  und  zu  Lobeda  (Böttger  IV,  296  Anm.  537); 
der  Zeitzer  Stiftspropst  zu  Zeitz  (St.  Nikolai),  zu  Profen  (oder 
Auligk?),  zu  Gera,  zu  Schi  ei  z,  zu  Weida  und  zu  Greiz  (s.o.); 
der  Archidiakonus  trans  Muldam  zu  Glauchau  (oder  Lichtenstein), 
zu  Hartenstein  und  zu  Löfsnitz  (diese  Zeitschrift  XXIV,  sgf.). 


260  Leo  Bönhoff: 

einen  älteren  Bestandteil,  den  Pleifsengau,  dessen  waldige 
Südostecke  an  Meilsen  abkam,  und  einen  jüngeren,  den 
Westteil  des  Zwickauofaues,  umfafste.  Es  wird  uns  von 
Vorteil  für  die  kommenden  Feststellungren  sein. 

Seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  etwa  ist  von  einem 
decanus  terre  Plisnensis  die  Rede.  Er  spielte  eine  ziemlich 
selbständige  Rolle  besonders  in  der  Stadt  Altenburg,  wo- 
selbst seine  Amtswohnung,  die  ,,Dechanei",  sich  bei  der 
Nikolaikirche  befand.  So  kam  es  dazu,  dafs  er  ungefähr 
seit  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  einfach  den  Titel  ,,Dechant 
zu  Altenburg"  führte.  Im  Laufe  der  Zeiten  schob  er 
seinen  Vorgesetzten  beiseite,  so  dafs  derselbe  wohl  nur  als 
eine  höhere  Instanz  für  besondere  Fälle  in  Betracht  kam. 
Es  ist  am  besten,  wenn  wir  eine  Liste  derer,  die  dieses 
Amt  bekleidet  haben,  zusammenstellen,  wobei  wir  vor  allem 
das  Pfarramt  beachten  wollen,  das  der  jeweilige  Dechant 
inne  hatte.  Nach  Lobes  Ermittelungen  (I,  29  Anm.  **)  ergäben 
sich  folgende  Namen  für  unsere  Liste: 

1.  Beringer,  Pfarrer  zu  Jerisau  (Geres),  tunc  (1268 
[1258J)  pro  tempore  Plisnensis  terre  decanus 'j. 

2.  Heinrich,  decanus,  Pfarrer  von  Rasephas 
I.Januar   1295"). 

3.  Johannes,  aus  Altenburg  gebürtig,  Pfarrer  von 
Meerane  (plebanus  in  Mari),  nur  als  solcher  in  den  Jahren 
1336,  1339,  1341  und  1344-^),  zum  ersten  Male*)  1349  bei 
einem  Tausche  zwischen  Kloster  Frankenhausen  und  dem 
Pfarrer  zu  Ponitz  Techant  vnd  pharrer  zcum  Mer,  in  dieser 
Eigenschaft  fernerhin  in  den  Jahren  1350  — 1353.  Denn 
Dietrich  von  Gattersleben  nannte  ihn  1352  noster  decanus, 
er  selber  sich  1353  decanus  archidiaconi  terre  Plisnensis  (s.  o.'^). 

4.  Dietrich  von  der  Gabelentz,  Pfarrer  von  Ober- 
lödla  in  den  Jahren  I397f.  Er  hatte  dem  Kloster  Remse 
einen  Beschlufs  des  Bischofs  von  Naumburg  zu  eröffnen. 
Wahrscheinlich   war   damals    das  Amt   eines  Pleifsner  Archi- 


1)  Wagner,  Coli.  X,  409. 

-)  Schmidt  I,  141.    Nr.  295. 

*)  Ebenda  I,  375,  407.  Nr.  763,  821.  Wagner,  Coli.  VII,  376. 
Lobe  II,  87. 

^)  Schöttgen  u.  Kreysig  II,  514. 

■^)  Trat  er  dann  in  den  Dominikanerorden  ein,  so  dafs  er  eine 
und  dieselbe  Person  wäre  mit  frater  Johannes  de  Mari,  Kaplan  des 
Klosters  Cronschwitz  (.1355),  Pfarrer  an  St.  Peter  zu  Weida  (1363,1, 
vom  dortigen  Dominikanerinnenkloster  bestellt,  und  einer  von  dessen 
Beichtigem  (13  72)?  (Schmidtl,  496.  Nr.  953;  II,  94,  168.  Nr.  114.  203.) 


Der  Pleifsensprengel.  261 

diakonus,    dem    dieser    Konvent    unterstand    (s.  o.),    gerade 
vakant*). 

5.  FalkovonGladis,  Kaplan  des  Landgrafen  Wilhelm  II. 
zu  Altenburg,  der  erste  Propst  des  von  diesem  begründeten 
St.  Georgenstiftes  (141 3),  als  Techant  zu  Aldinburg  der 
Pleifsen  141 1  fungierend.  Er  traf  einen  Entscheid  wegen 
einer  weltlichen  Abgabe  (Altenburger  Burgschofs)  von  Unter- 
tanen der  —  von  der  Archidiakonalgewalt  nicht  exemten  — 
Klöster  Frankenhausen  und  U.  L.  Fr.  auf  dem  Berge  zu 
Altenburg-). 

6.  Heinrich  von  Ende,  am  26.  November  1414  als 
Dekan  des  Pleifsenlandes  und  ordentlicher  Richter  (judex 
Ordinarius)  dieses  Dekanates  in  einer  Leipziger  Urkunde  vor- 
kommend ■'). 

7.  Heinrich  Engelkreis  1441  — 1446,  im  letzteren 
Jahre  laut  einer  Altenburger  Stadtrechnung  „der  alte 
Techand",  während 

8.  Niklas  Zimmermann,  sein  Nachfolger,  1447  als 
,,der  neue  Dechant"  bezeichnet  wird. 

9.  Georg  Milat  alias  Scharffenstein  1459  ,,die  Zeit 
ein   Dechant  zu  Altenburg". 

IG.  Johann  vom  Berg  1464. 

11.  Georg  Kypperling  1476. 

12.  Kilian  Johannis  von  Liechtenfels  1480  — 1488. 
Vor  ihn  als  seinen  Stellvertreter  hatte  Nikolaus  von  Erd- 
mannsdorf  den  unzüchtigen  Kaplan  Gregor  Schurzauf  (s.  o.) 
zitiert,  und  so  nennt  ihn  die  betreffende  Urkunde  vom  Jahre 
1480  Nicolai  de  Ertmarsdorff  in  hac  parte,  in  Aldenburg 
decanum,  eins  officialem, 

13.  Dionysius  Hoff  oder  Happe  I499f.  Er  wird  als 
der  ,,Laiendechant  des  Archidiakonus  zu  Altenburg"  in  der 
Klagschrift  des  St.  Georgenstiftes  angeführt. 

14.  Sigismund  Meyhner   1504. 

15.  Casi)ar  Tham  1504^  Er  heifst  einmal  ,,pleifs- 
nischer  Erden  zu  Altenburg  Techant". 

16.  Mag.  Johann  Schollis  1518.  NB.  Im  Jahre  1514 
war  grade  die  Stelle  eines  Pleifsner  Dechanten  unbesetzt 
gewesen,  so  dafs  das    St.  Georgenstift    ihm    nicht    den    neu- 


')  Kreysig,  Beiträge  usw.  II,  166.  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Alter- 
tumsforsch. Gesellsch.  d.  Osterl.  VI,  534. 

2)  Schöttgen  u.  Kreysig  II,  519. 

*)  Mitteil.  cf.  Ver.  f.  Chemnitzer  Gesch.  IV,  156.  Anm.  7  (S.  222). 
Seltsamerweise   wird  er  hier  den   Pleifsnischen    Landrichtern 


zugezählt. 


202  Leo  Bönhoff: 

gewählten    Pfarrer    von    Bornshain    präsentieren    konnte, 
sondern  diesen  kirchlichen  Rechtsakt    bei   dem   bischöflichen 
Offizial    in  Zeitz    —    warum    nicht   beim   Naumburger  Dom- 
kantor als  dem  Pleifsner  Archidiakonus? ')  —  bewirkte. 
17.   Mag.  Thomas  Appel  1520-). 

Vergleichen  wir  die  zerstreuten  Notizen  miteinander,  so 
fällt  es  schwer,  bei  diesem  Dechanten,  der  allerdings  eine 
bevorzugte  Stellung  einnahm,  einen  grofsen  Unterschied 
zwischen  ihm  und  seinen  Archidiakonus  zu  entdecken.  Er 
führt  die  Angelegenheiten  von  Klöstern  des  Sprengeis 
(Bergerkloster,  Frankenhausen  und  Remse),  er  bannt  Alten- 
burger  Bürger  und  „arme  Leute"  des  St.  Georgenstiftes,  er 
begleicht  Eheirrungen  vor  dem  Stadtrate  zu  Altenburg,  er 
nimmt  Präsentationen  an,  er  ,,hat  dy  Investitur",  wie  der 
Pfarrer  von  Bocka  1533  vor  den  kurfürstlichen  Visitatoren 
angab  ^),  und  bezog  exuviales,  d.  i.  Entschädigungen  für  den 
Verzicht  auf  das  Spolienrecht  (jus  spolii  s.  exuviarum),  d.  i. 
die  Befugnis,  Ansprüche  an  den  beweglichen  Nachlafs  eines 
Geistlichen  zu  erheben.  Die  letzteren  führen  die  Pfarrer  von 
Cosma  (1503:  10  Gr.  dem  Dechante  zu  Altenburg  exuviales), 
von  Ehrenhain  (1522:  IV  groschen  jehrlich  dem  Dechant  zu 
Aldenburg)  und  von  Mehna  (1522:  13  gr,  exuviales  dem 
Dechant  zu  Altenburg)  in  den  Anschlägen  ihrer  Einkünfte 
und  Abgaben  auf*).  Und  wird  nicht  in  einem  Vertrage  (s.  o.) 
aus  dem  Jahre  1387  für  Altenburg  bestimmt:  ,,Der  Techand 
czu  Aldenburg  sal  daz  (geistlichin)  richtin.  Der  seend 
(synodus)  sal  ouch  czu  Aldinburg  gesefsin  werden."  Also 
auch  den  Vorsitz  der  Altenburger  Spezialsynode  übernahm 
der  Dechant,  weil  er  eben  in  der  Hauptstadt  des  Pleifsen- 
landes  residierte^),  und  eine  Verhandlung  mit  ihm  sowohl 
für  die  dortigen  Bürger  als  auch  für  die  benachbarten  Stadt - 
und  Landgeistlichen  bedeutend  einfacher,  bequemer  und  weniger 
kostspielig  war,  als  wenn  man  nach  der  entfernten  Stifts- 
stadt reisen  mufste. 


^)  Mitteil.  d.  Gesch.  d.  Altertumsforsch.  Gesellsch.  d.  Osterl.  III, 
337.     Bornshain  war  exemt! 

'-)  Für  Nr.  7  —  17:  vgl.  Lobe  I,  29**.  Mitteil.  d.  Gesch.  u.  Alter- 
tumsforsch. Gesellsch.  d.  Osterl.  VII,  519,  522;  X,  470 ff. 

*)  Lobe  I,  613. 

*)  Ebenda  I,  190,  209,  335. 

^)  Auswärtige  Pfarrer,  welche  dieses  Amt  verwalteten,  liefsen 
sich  wohl  von  \'ikaren  daheim  vertreten,  wenn  sie  nicht  imstande 
waren,  von  Altenl^urg  aus  ihre  Pfarrgeschäfte  zu  betreiben,  was  bei 
Oberlödla  und  Rasephas  möglich  war,  da  jenes  "'4,  dieses  nur  eine 
kleine  '/.,  Stunde  von  der  Stadt  entfernt  liegt. 


Der  Pleifsensprengel.  263 

Die  heikelste  Frage  aber  bleibt  jedenfalls  diejenige  nach 
dem  Umfange  seines  Bezirkes.  Einen  Fingerzeig  gibt  uns 
ja  die  Bezeichnung  decanus  terre  Plisnensis,  wonach  sich 
also  seine  Amtsbefugnis  über  das  ganze  Pleifsenland  inner- 
halb der  Naumburofer  Diözese  erstrecken  würde.  Wie  weit 
reicht  nun  dasselbe  nach  Süden?  Verschiedene  Angaben 
erleichtern  uns  in  glücklichster  Weise  die  Beantwortung. 
Erstens:  zwei  Pleifsner  Dechanten  sind  Pfarrer  von  Jerisau 
und  Meerane;  sodann:  der  Dechant  kam  in  amtliche  Be- 
rührung mit  den  Nonnenklöstern  Remse  und  Frankenhausen; 
endlich:  er  fungiert  bei  einer  Besetzungswidrigkeit  der 
Pfarrei  Werdau  als  Beauftragter  des  Archidiakonus.  Diese 
Momente  zusammengenommen  machen  es  zur  Gewifsheit, 
dafs  an  der  Südgrenze  des  Dekanates  die  Parochien Werdau 
(mit  Steinpleis),  Meerane  (mit  Dennheritz)  und  Jerisau  (mit 
Reinholdshain)  lagen.  Ziehen  wir  zwischen  ihnen  Ver- 
bindungslinien, so  kommen  noch  Gesau,  (Niederschindmaas), 
Lauenhain,  Lauterbach  und  Langenhessen  (mit  Königswalde) 
hinzu.  Die  Westgrenze  des  Pleifsensprengels  bis  südlich 
von  Werdau,  seine  Ostgrenze  bis  südlich  bei  Remse  und 
seine  ganze  Nordgrenze  bezirken  demnach  im  Verein  mit 
dieser  Südo-renze  das  Dekanat  des  Pleifsenlandes  oder  zu 
Altenburg  nach  allen  Himmelsrichtungen  ab,  mit  anderen 
W^orten:  der  Pleifsner  Dechant  war  Vizearchidiakon  in 
dem  alten  Pleifsengau  mit  Ausschlufs  seiner  Südost- 
ecke jenseits  der  Mulde.  So  bleiben  demnach  nur  jene 
bereits  früher  namentlich  aufgeführten  18  Kirchspiele  übrig,  die 
teils  im  Muldentale  um  Zwickau  herum,  teils  bei  Kirchberg 
(westlich  und  südlich)  gelegen  sind,  d.  h.  die  Westhälfte  des 
ehemaligen  Zwickauer  Gaupfarrsprengels.  Auch  sie  müssen  der 
Lage  der  Dinge  nach  einen  kirchlichen  Verwaltungsmittelpunkt 
besessen  haben.  Denn  für  sie  war  die  Stiftsstadt,  wo  ihr 
Archidiakonus  residierte,  noch  weiter  als  für  die  Altenburger 
und  Crimmitschau -Werdauer  Pflege  entlegen,  für  sie  wäre 
auch  die  Substitution  des  Pleifsner  Dechanten  noch  reichlich 
unbequem  gewesen.  Was  liegt  daher  näher,  als  in  Zwickau, 
dem  alten  parochialen  Mittelpunkte  des  ganzen  Gaues,  den 
Verwaltungssitz  (sedes)  eines  archidiakonalen  Stellvertreters 
für  seinen  westlichen  Teil  zu  erblicken?  Hören  wir  schon 
wenig  über  die  Beziehungen  des  Pleifsnischen  Archidiakonus 
zu  dieser  Gegend  (Zwickau  und  Kirchberg^),  so  verschwindend 


*)  Herzog  II,  61.  Anm.  *     (Unter  der  Amtsführung  des  Archi- 
diakonus Heinrich   Schenken  von   Nebra  war  Heinrich  Wegehaupt 


264  Leo  Bönhoff: 

ist  die  Spur,  welche  auf  seinen  Stellvertreter  hinweist. 
Negativ  setzen  einen  solchen  ohne  Zweifel  die  oben 
zitierten  Worte  Nicolai  de  E.  in  hac  parte,  in  Aldenburg 
decanum  voraus.  Es  mufste  noch  einen  decanum  in  alia 
parte,  i.  e.  in  Zwickowe  geben!  Wir  lesen  ja  auch  in  einer 
Urkunde  Bischof  Heinrichs  I.  von  Naumburg  betreffs  des 
Marien -Magdalenenaltars  in  der  Katharinenkirche  zu  Zwickau 
vom  16.  August  1332  die  Bestimmung:  Presbiter,  qui  ad 
altare  predictum  (sei  es  vom  Eisenberger  Propste,  sei  es 
vom  Zwickauer  Rate)  fuerit  presentatus,  a  plebano  Zwicka- 
viensi  vel  perpetuo  vicario  ibidem  investihiraj/i  suam 
recipiet^).  Hieraus  erhellt,  dafs  der  Pfarrer  von  Zwickau 
oder  sein  Vikar  fast  dieselbe  Stellung  für  die  Stadt  und  ihre 
Umorebun":  einofenommen  haben  wie  der  Dechant  zu  Alten- 
burp":  sie  vertraten  den  Pleifsnischen  Archidiakonus.  Damit 
hing  wohl  auch  der  Umstand  zusammen,  dafs  bei  der  Ein- 
führnnor  der  Reformation  in  den  beiden  Städten  Altenburg 
und  Zwickau  landesfürstliche  Superintendenten  bestellt 
wurden.  Das  führt  uns  zum  letzten  Punkte  unserer  Dar- 
legungen. 

5.   Die  Auflösung. 

Wollen  wir  die  Auflösung  des  Pleifsensprengels  in  der 
Reformationszeit  verstehen,  so  dürfen  wir  dabei  ein  Moment 
nicht  übersehen:  die  Anpassung  kirchlicher  Grenzen  an 
jeweilige  politische,  wie  sie  grade  bei  Begründung  eines 
geistlichen  Verwaltungsbezirkes  zu  Recht  bestanden.  Als 
der  Pleifsensprengel  ins  Leben  trat,  war  er  durchaus  mit 
dem  Gaue  Plisni,  wie  wir  sahen,  identisch.  Im  Norden  und 
Osten  desselben  dehnte  sich  der  Gau  Chutizi  aus,  dessen 
westlicher  Teil  dem  Bistume  Merseburg  mit  Ausnahme  der 
Jahre  981 — 1004  zugeteilt  blieb,  während  sich  westwärts  an 
ihn  die  Gaue  Puonzowa  und  Geraha  anschlössen,  die 
kirchlich  der  geistlichen  Aufsicht  des  Zeitzer  Stiftspropstes 
untergeben  waren.  Der  Süden  des  letztgenannten  Gaues 
war  dichtbewaldet  gewesen;  ein  Zeugnis  dafür  sind  noch  die 
grofsen  Reviere  westlich  von  Werdau,  nördlich  und  östlich 
um  Gera  herum   und    das  sogenannte  Pöllwitzer  südlich  von 


als  vicarius  perpetuus  parochie  zu  Zwickau  im  April  1330  bestellt 
worden.)     Ebenda  S.  878:  per  archidiaconum  loci  de  accessu  altaris 
fuerunt    canonice    investiti.     (Es    handelt  sich  um  die  Zwickauer 
Hospitalpfarrer.)     Ledebur  a.  a.  O.  S.  348,  351. 
')  Herzoa:  II,  880. 


Der  Pleifsensprengel.  265 

Hohenleuben.  Weiterhin  berührte  sich  der  PHsnigau  im 
Süden  mit  dem  Gau  Zwickowe,  der  kirchhch  als  eine 
Dependenz  des  Klosters  Bosau  bis  zum  Jahre  12 12  erscheint. 
Grofse  Waldungen  schieden  auch  ihn  im  Süden  von  dem 
Gaue  Dobena  im  Nordosten,  während  ihn  nach  Westen  zu 
die  provincia  que  Milin  dicitur  cum  Richenbach,  wie  sie 
Kaiser  Friedrich  II.  im  Jahre  12 13  bei  ihrer  Verschenkung 
an  König  Ottokar  II.  von  Böhmen  nennt '),  im  Verein  mit 
der  Umgebung  von  Schönfels  und  Neumark  abschlofs.  Beide 
aber  gehörten  samt  dem  Gaue  Dobena  dem  Zeitzer  Propstei- 
sprengel  an.  Als  im  ersten  Viertel  des  13.  Jahrhunderts  der 
alte  Zwickaugau  zwischen  den  Archidiakonaten  an  der 
Pleifse  und  jenseits  der  Mulde  aufgeteilt  ward,  wirkten 
natürUch  andere  inzwischen  neu  aufgekommene  politische 
Grenzen  bestimmend  auf  die  Festsetzung  der  ScheideHnie 
zwischen  beiden  Kirchenprovinzen. 

So  kam  es  denn,  dafs  im  Westteile  des  aufgeteilten 
Gaues,  im  Dekanate  Zwickau,  wenn  wir  so  sagen  dürfen, 
enthalten  waren:  die  Herrschaft  Wiesenburg  mit  der 
Lehnsherrlichkeit  über  Planitz-)  und  das  Amt  Zwickau^) 
mit  Grünhainer  Klosterdörfern  (Crossen,  Bockwa,  Ober- 
hohndorf und  Schedewitz^)  und  Orten,  welche  an  die  Herren 
von  Schönburg  verlehnt  waren  (Weifsenborn,  Nieder- 
holmdorf, Helmsdorf  und  Niedermosel •^).  An  sie  stiefsen  im 
Osten  (und  lagen  daher  im  Muldensprengel):  die  Schön- 


')  Mitteil.  d.  Altertumsver.  zu  Plauen  i.V.  Jahresschrift  1875 — 1880. 
Urk.  Nr.  V. 

-)  Bei  der  Erbteilung  der  Reufsen  von  Plauen,  die  am  12.  Juni 
1359  stattfand,  fielen  Wisenberg  und  Kirchberg  daz  stetchin  und 
allez,  das  darczu  gehöret,  Heinrich  III.,  Herrn  zu  Greiz,  die  lehen 
über  Pleuwenicz  Heinrich  IV.  und  V.,  Herren  von  Ronneburg,  anheim. 
(Schmidt  11,44.  Nr.  54.)  Diese  starben  um  1370  und  im  Jahre  1398 
erblos,  jenes  Söhne  entäufserten  sich  des  Besitzes  durch  Kauf  (1394); 
so  wurden  die  Wettiner  direkte  Lehnsherren  derer  von  der  Planitz, 
die  sie  auch  mit  Wiesenburg  beheben,  von  dessen  Zuljehörungen 
verschiedene  mit  dem  Amte  Zwickau  vereinigt  wurden. 

*)  Zwickau,  schon  einmal  den  Wettinern  1 143  — 1290  gehörig, 
war  1308  bez.  1349  wieder  an  .sie  zurückgekomm.en.  (Herzog  II, 
19—49.) 

*)  Herzog  II,  30,  32,  34!.,  5^,  74- 

■^)  Herzog  II,  57,  67,  849.  So  konnte  es  1533  (Mitteil.  d.  Alter- 
tumsver. f.  Zwickau  u.  Umg.  VII,  38,  116)  heifsen:  Dan  wo  die  (ganze) 
pfarr  Mosel  wider  zusammen  komj^t.  Die  Pfarrei  war  eben  in  poH- 
tischer  Beziehung  gemischt;  die  Lehen  waren  teils  sächsisch,  teils 
böhmisch  wie  Öberrothenbach,  Obermosel  und  das  Fihal  Nieder- 
schindmaas. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    ?.  4.  l8 


2  66  Leo  Bönhoff: 

burgischen  Besitzungen  (Auerbach,  Schneppendorf,  Herrschaft 
Lichtenstein ^),  die  Grafschaft  Hartenstein  mit  der  Herrschaft 
Wildenfels  und  Liegenschalten  des  Klosters  Grünhain,  die 
Ortschaften  um  den  noch  nicht  fündig  gewordenen  Schnee- 
berg und  die  Herrschaft  Schwarzenberg.  Umgekehrt  lehnten 
sich  im  Westen  an  die  Herrschaft  Wiesenburg  und  das 
Amt  Zwickau  an  (und  vmterstanden  deswegen  dem  Zeitzer 
Stiftspropste  als  Archidiakonus):  die  Herrschaften  Auer- 
bach, Reichenbach  (mit  dem  Besitze  des  Deutschordens- 
hauses), Schönfels  und  Greiz.  Im  Gebiete  des  alten  Pleifsen- 
gaues  aber  waren  folgende  Territorien,  wenn  wir  von  der  ans 
Bistum  Meifsen  gefallenen  Südostecke  absehen,  entstanden:  die 
Herrschaften  Werdau-),  Crimmitschau'^),  Meerane*),  (Poster-) 
Stein'''),     Schmölln*')    sowie    anteilig  Waidenburg'),    Wolken- 


')  Herzoa;  11,8931,901.  Zur  Herrschaft  Lichtenstein  rechnete 
man  u.  a.  Stangendorf,  Thurm  und  Hülsen  St.  Michael.  (Diese 
Zeitschrift  XXIV,  63.  Anm.  78.) 

'-j  Werdau  tiel  1398  nach  Heinrichs  Reufs  V.  Tod  an  dieWettiner. 
(Schmidt  II,  44,  328.  Nr.  54,  391.) 

^)  Schönb.  Geschichtsbl.  III,  i,  157—173.  Die  Herrschaft  Crim- 
mitschau zog  Landgraf  Wilhelm  IL  als  ein  offenes  Meifsner  Lehn 
im  Jalure  1413  nach  dem  Erlöschen  der  Crimmitschauer  Linie  des 
Hauses  Schönburg  ein. 

■*)  Meerane  zählte  zu  den  böhmischen  Lehen  der  Schönburger. 
Der  nachweislich  erste  Revers  derselben  darüber,  für  Kaiser  Karl  IV. 
ausgestellt,  ist  aus  dem  Jahre  1361  datiert. 

■'")  Der  Stein,  den  ihr  Vater,  Vogt  Heinricli  Reufs  II.  von  Plauen, 
im  Jahre  1329  der  Krone  von  Böhmen  zu  Lehn  aufgetragen  hatte, 
übernahmen  seine  beiden  jüngeren  Söhne;  nach  ihrem  erblosen  Tode 
ging  dieses  böhmische  Lehn  an  die  Nachkommen  seines  ältesten 
Sohnes,  Heinrichs  Reufs  III.,  des  Begründers  der  Greizer  Linie,  über. 
Die  in  der  Nähe  liegenden  ,,lehen  über  Lom,  Nobdicz,  Selkow,  Lubi- 
chow,  Folmarshain  undNitentsch"(Lohma,Nöbdenitz,  Selka,  Löbichau, 
Vollmershain,  Nödenitsch,  westlich  und  südwestlich  von  Schmölln) 
aber,  welche  ebenfalls  die  beiden  Jüngeren  erbten,  kamen  1398 
an  die  Wettiner,  welche  sie  mit  dem  neuen  Amte  Ronneburg  ver- 
schmolzen. 

")  Schmölln,  ein  Lehn  des  Hochstiftes  Naumburg,  was  es  bis 
ans  Ende  des  14.  Jahrhunderts  blieb,  war  bereits  im  12.  Jahrhundert 
in  den  Händen  der  Wettiner  bis  zum  Ausgang  des  13.  Jahrhunderts 
gewesen.  Dann  waren  an  ihre  Stelle  die  Reufsen  von  Plauen  ge- 
treten, die  es  bis  zu  Beginn  des  15.  Jahrhunderts  behielten.  Nach- 
dem nämlich  die  Herzogin- Witwe  Salome  von  Auschwitz  (Oswieczym) 
wie  ihre  zwei  jüngeren  Brüder  verstorben  war,  brachten  es  die 
Wettiner  durch  Kauf  vom  Naumburger  Bischof  an  sich  und  machten 
es  zu  einem  ihrer  Ämter. 

'')  Waldenburg,  ein  Reichslehn,  von  den  Herren  von  Waiden- 
burg dem  Kaiser  Karl  IV.  als  böhmischen  Könige  übertragen,  ging 
infolge  Erbverbrüderung  an  das  Haus  Schönburg  um  1378  über. 


Der  Pleifsensprengel.  267 

burg^)  und  Ronneburg-).  Dazu  kamen  die  Gebiete  der 
Klöster  Remse^j  und  Frankenhausen  nebst  der  stiftisch- 
naumburgschen  Besitzung  zu  Regis  *).  Ferner  verdienen 
besondere  Rücksicht  die  Schönburgschen  Lehnstücke  Ponitz'^) 
und  Ziegelheim''),  die  burggräflich  Leisnigschen,  vordem 
Altenburgischen ')  und  Starkenbergschen  ^)  Güter.  Den 
Beschlufs  macht  das  Amt  Altenburg  ^)  samt  den  Dörfern 
und    Höfen,    welche    die    verschiedenen    geistlichen   Institute 


')  Nachdem  die  Wolkenburger  Linie  der  Herren  von  Colditz 
erloschen  war,  fiel  das  Schlots  an  die  Wettiner,  die  es  weiter  an  die 
von  Kaufungen  und  die  von  Ende  verliehen. 

'-)  Auch  diese  Herrschaft  gedieh  1398  an  die  Wettiner,  weil 
die  jüngeren  Reufsen  von  Plauen  sie  als  ein  erledigtes  Lehn  hinter- 
üefsen.  So  entstand  ein  landesfürstliches  Amt,  das  nach  Osten  hin 
durch  verschiedene  Dörfer  und  Rittersitze  erweitert  ward.  Im  Jahre 
15 17  ward  das  Schlofs  und  die  Stadt,  1527  das  ganze  Amt  an  den 
Edlen  Anarch  von  W'ildenfels  —  es  war  ein  Patengeschenk  Kurfürst 
Friedrichs  des  Weisen  —  durch  die  Ernestiner  verliehen  und  war 
zeitweilig  wieder  (bis  1584)  eine  Herrschaft. 

^)  Ein  Teil  seiner  Güter  lag  in  den  Schönburgschen  Rezefs- 
herrschaften,  deren  Besitzer,  Ernst  IL,  sie  mit  Beschlag  belegte;  so 
rifs  er  z.  B.  das  dem  Kloster  zustehende  Kirchlehn  von  Ziegelheim 
einfach  an  sich. 

*)  In  der  Bestätigtmgsurkunde  Papst  Gregors  IX.  für  das  Hoch- 
stift Naumburg  vom  Jahre  1228  erscheint  auch  u.  a.  Schlofs  und  Stadt 
Regis  mit  ihren  Zubehörungen  (s.  o.). 

'^)  Ponitz  wird  bereits  im  Lehnbuche  Friedrichs  des  Strengen 
1349  als  ein  Meifsner  Lehen  der  Schönburger  (damals  der  Herren 
von  Pürstein)  aufgeführt.  Ernst  II.  wollte  es  freilich  als  ein  böhmisches 
Lehn  ausgeben,  allein  der  sächsische  Kurfürst  wahrte  sein  Recht 
und  wies  den  Einspruch  als  unbegründet  zurück. 

^)  Auch  Ziegelheira  findet  sich  im  ebengenannten  Lehnbuche 
unter  den  Meifsner  Lehen  der  Schönburger  (damals  der  Herren  von 
Glauchau)  verzeichnet.  Zur  Reformationszeit  stand  es  unter  alber- 
tinischer  Hoheit. 

')  Diese  Güter  gingen  durch  Gesamtbelehnung  auf  den  Burg- 
grafen Otto  I.  von  Leisnig  über,  der  mit  der  einzigen  Tochter  des 
letzten  Burggrafen  von  Altenburg,  Albrechts  IV.  (f  1329),  vermählt 
war.  Sein  Haus  ging  mit  Burggraf  Hugo,  dem  Schwiegervater 
Ernsts  II.  von  JSchönburg,  (-j-  1538J  ein;  was  von  den  Gütern  bei  den 
Ernestinern  zu  Lehn  ging,  zog  Kurfür  t  Johann  Friedrich  ein,  während 
Herzog  Georg  die  unter  albertinischer  Hoheit  befindlichen,  wozu 
auch  die  Leimsherrlichkeit  über  das  Schlofs  Gnandstein  gerechnet 
werden  mufs  (vgl.  H StA.  Dresden  Cop.  1302.  fol.  29),  infolge  dieses 
Lehnsfalls  übernahm. 

'^)  Die  Burggrafen  von  Starkenberg  erloschen  zwischen  1425 
bis  1431,  so  dafs  ihr  Nachlafs  ebenfalls  den  Wettiner  zugute  kam, 
die  ihn  weiterverliehen. 

'■')  Altenburg  ging  1349  samt  dem  Pleifsenlande  vom  Reiche 
definitiv  an  die  Wettiner  über,  die  auch  das  dortige  Burggrafenamt 
empfingen. 

18* 


268  Leo  Bönhoff: 

als  das  Deutschordenshaus,  das  Bergerkloster,  das  St.  Georgen- 
stift und  das  Frauenkloster  zu  Altenburg  oder  auswärtige 
Konvente  wie  Bosau,  Grünhain,  Remse  und  Frankenhausen 
erworben  hatten. 

Wie  die  den  vorangehenden  Zeilen  beigefügten  An- 
merkungen ersehen  lassen,  waren  der  ernestinischen  Linie 
bei  der  Landesteilung  (1485)  u.  a.  zugefallen:  die  Amter 
Altenburg,  Schmölln,  Ronneburg,  Crimmitschau, 
Wer  da  u  und  Zwickau  samt  der  Herrschaft  Wiesenburg. 
Was  an  Kirchspielen  in  den  ersten  beiden  Ämtern  lag,  bekam 
1528  der  Superintendent  von  Altenburg,  das  dritte  der 
von  Weida  1529,  und  im  gleichen  Jahre  das  übrige  der 
von  Zwickau  zugewiesen.  So  verteilten  sich  denn  die  in 
diesen  Gebieten  des  Kurfürstentums  Sachsen  gelegenen 
Pfarreien  des  einstigen  Pleifsensprengels  in  folgender  Weise: 

a)  Ephorie  Weida,  seit  dem  21.  Dezember  1556  Ephorie 
Ronneburg:  (2) 

I.  Mannichswalde  und  2.  Nischwitz:  aufser  ihnen  sind 
1881  von  der  Ephorie  Schmölln  dazu  gekommen:  Grofs- 
stechau,  Nöbdenitz  und  Reichstädt  mit  Frankenau. 

b)  Ephorie  Zwickau:  (31) 

I.  Bärenwalde;  2.  Bockwa;  3.  Crossen;  4.  Culitzsch; 
5.  Hirschfeld;  6.  Kirchberg;  7.  Marienthal;  8.  Mosel^); 
9.  Obercrinitz;  10.  Osterweih,  d.  i.  Zwickau -St.  Moritz; 
II.  Planitz;  12.  Stangengrün;  13.  Weifsenborn;  i4.Wendisch- 
Rottmannsdorf;  15.  Zwickau -St.  Marien;  16.  Zwickau- 
St.  Margarethen  (Spitalpfarrei,  1548  zu  St.  Moritz  geschlagen); 
17.  Zwickau -Heiligengeistparochie,  1541  ebenfalls  St.  Moritz 
affiliiert)  und  ferner,  im  Jahre  1837  zur  Bildung  der  Ephorie 
Werdau  verwendet: 

I.  Blankenhain;  2.  Crimmitschau;  3.  Frankenhausen; 
4.  Gablenz;  5.  Grünberg;  6.  Langenbernsdorf;  7.  Langen- 
hessen;  8,  Langenreinsdorf;  9.  Lauenhain;  10.  Lauterbach; 
II.  Neukirchen;  12.  Oberalbertsdorf;  13.  Rufsdorf  (mit 
Blankenhain   1534  vereinigt);   14.  Werdau-). 


1)  Diese  Pfarrei  ward  infolge  ihrer  politischen  Beschaffenheit 
sehr  zerrissen,  so  dafs  sie  erst  „wieder  zusammen  kommen"  mufste 
(s.o.).  Die  Schönburger  zogen  Obermosel,  Oberrothenbach  und 
Niederscliindmaas  an  sich.  Anfangs  der  40  er  Jahre  des  16.  Jahr- 
hunderts ward  das  Kirchspiel  wieder  vereinigt,  nur  dafs  Niederhohn- 
dorf bei  Weifsenborn  blieb  (s.  o.). 

^)  Steinpleis,  sein  früheres  Filial,  ward  1529  selbständig,  trat 
zur  Ephorie  Zwickau  und  von  ihr  erst  1843  zur  Ephorie  Werdau 
über. 


Der  Pleifsensprengel.  269 

c)  Ephorie  Altenburg:  (51J 

Die  eingeklammerte  Zahl  sollte  eigentlich  auf  55  lauten; 
allein  die  Pfarrkirchen  zu  Frankenau  und  Grofsmecka  hatten 
schon  ein  bez.  zwei  Jahrhunderte  vor  der  Reformation  ihre 
Selbständigkeit  verloren,  während  die  zweite  Pfarrkirche  der 
Stadt  Altenburg  zu  St.  Nikolai  1528  Baufälligkeit  halber  ge- 
schlossen und  Schlagwitz  in  demselben  Jahre  zu  Wolkenburg 
gezogen  ward'). 

Femer  haben  wir  zu  beachten,  dafs  folgende  sechs 
Pfarreien  eingingen,  die  für  die  kurze  Dauer  ihres  Bestehens 
noch  der  Ephorie  Altenburg  angehört  haben:  i.  Braunshain 
(um  1540  an  Lumpzig);  2.  Gödissa  (1536  an  Altenkirchen); 
3  Maltis  (zwischen  1533  — 1546  an  Zürchau);  4.  Oberarnsdorf 
(1554  an  Ehrenhain,  17 10 — 1879  noch  einmal  selbständig 
gewesen);  5.  (Grofs-)Röda  (1554  an  Monstab);  6.  Romschütz 
(1539  an  Gödern). 

Weiter  mufs  bedacht  w^erden,  dafs  die  Gebrüder  von 
Schönburg  1543  vom  Kurfürsten  Johann  Friedrich  die  in 
eine  Domäne  verwandelten  Güter  des  Klosters  Remse  er- 
warben, womit  sie  auch  das  Patronatsrecht  u.  a.  über  Remse 
(seit  1533  ohne  Neukirchen)  und  Tettau  an  sich  brachten. 
Sie  überwiesen  beide  Parochien,  die  bisher  dem  Altenburser 
Superintendenten  unterstanden  hatten,  ihrer  eigenen  im  Jahre 
1542  begründeten  Ephorie  Glauchau. 

Eine  weitere  Abminderunof  erfuhr  der  Bezirk  der  Alten- 
burger  Ephorie  durch  die  Bildung  der  Ephorie  Borna,  die 
infolge  des  Wittenberger  Vertrags  im  Jahre  1547  entstand. 
Zu  ihr  traten  fünf  Kirchspiele  über:  i.  Bocka;  2.  Eschefeld; 
3.  Frohburg;  4.  Lumpzig  mit  Braunshain  (s.  o.);  5.  Wolken- 
burg mit  Schlagwitz  (s.  o.).  Die  ersten  drei  sind  ihr  mit 
einer  kurzen  Unterbrechung  (1698— 1722),  während  deren 
sie  nebst  Wolkenburg  und  Schlagwitz  nach  der  Ephorie 
Leipzig  überführt  wurden,  bis  heute  verblieben.  Die  letzte 
und  ihr  Filial,  das  sich  wieder  zu  Pfarrkirche  erhob  (s.  o.), 
gingen  1836  an  die  Ephorie  Penig  und  1874  an  die  Ephorie 
Rochlitz  über.  Die  vorletzte  endlich,  welche  noch  im 
Jahre  1561  in  Beziehung  zur  Ephorie  Borna  stand"-),  fiel 
an  die  Ephorie  Altenburg  späterhin  zurück. 

Ferner  hat  im  Jahre  1854  die  letztere  zur  Bildung  der 
Ephorie  Schmölln  abgegeben:    i.  Altenkirchen  mit  Gödissa; 


')  Erst  im  Jahre  1614  gewann  Schlagwitz  seine  frühere  Selbst- 
ständigkeit als  Pfarrei  wieder. 
-)  Lobe  I,  316. 


270 


Leo  Bönhoff: 


2.  Bornshain;  3.  Grofsstechau;  4.  Hartroda ;  5.  Lohma 
bei  Schm. ;  6.  Nöbdenitz;  7.  Reichstädt  mit  Frankenau; 
8.  Schmölln;  9.  Thonhausen;  10.  Weifsbach;  11.  Wilden- 
börten  (1779  mit  Hartroda  verbunden)  Dazu  kamen  1876 
noch  12.  Göfsnitz  und  13.  Ponitz,  die  sich  bereits  1862  vom 
Altenburger  Ephoralbezirk  losgelöst  hatten,  während  1881, 
wie  wir  oben  (s.  unter  a)  sahen,  Nr.  3,  6  und  7  an  die 
Ephorie  Ronneburg  abgetreten  wurden. 

Mithin  haben  im  Verbände  der  Ephorie  Altenburg  die 
nachstehenden  25  Kirchfahrten  des  alten  Pleifsensprengels 
bis  heute  verharrt:  i.  Altenburg;  2.  Cosma;  3.  Dobitschen; 
4.  Ehrenhain  mit  Oberarnsdorf;  5.  Flemmingen  mit  Garbis- 
dorf und  Göpfersdorf  (1528-- 1554);  6.  Gieba  mit  Grofs- 
mecka  (nur  1862  — 1881  zeitweilig  davon  abgekommen); 
7.  Gödern  mit  Romschütz;  8.  Göllnitz;  9.  Kriebitsch; 
10.  Lohma  a.  L.;  11.  Mehna;  12.  Monstab  mit  Grofsröda; 
13  Niederwiera  (seit  1533)  mit  Neukirchen;  14.  Nobitz; 
15.  Oberlödla;  16.  Rasephas;  17.  Rositz;  i8.Saara;  19.  Stünz- 
hain;  20.  Tegkwitz;  21.  Treben ;  22.  Windischleuba;  23.  Wol- 
perndorf  (seit  1554)  mit  Garbisdorf  und  Göpfersdorf; 
24.  Zschernitzsch ;   25.  Zürchau  mit  Maltis. 

Rechnen  wir  zu  diesem  eisernen  Bestände  (25)  das,  was 
an  Parochien  vor  (2),  während  (2)  und  nach  (6)  der 
Reformation  eingezogen  und  den  Ephorien  Glauchau  (2), 
Borna  (5)  und  Schmölln  (13)  überlassen  wurde,  hinzu,  so 
ergibt  sich  die  Zahl  55  für  Altenburg,  die  sich  auf  88  erhöht, 
rechnen  wir  das,  was  auf  Zwickau  (31)  und  Weida- Ronne- 
burg (2)  entfällt.  Somit  werden  wir  noch  über  den  Verbleib 
des  letzten  Neuntels  der  Pleifsner  Kirchenprovinz  Erhebungen 
anstellen  müssen.     Hierbei  stofsen  wir  auf  drei  Bestandteile: 

«)  Ephorie  Zeitz:   (2) 

I.  Regis  und  2.  Breitingen;  als  181 5  Preufsen  und 
Sachsen  sich  in  das  Zeitzer  Stiftsland  teilten,  kamen  beide 
Kirchen  von  ihrer  alten  Ephorie,  die  bereits  im  Jahre  1536 
eingerichtet  worden  war,  ab,  weil  deren  Hauptmasse  an  den 
ersteren  Staat  fiel,  sie  hingegen  an  Sachsen  übergingen,  das 
sie  zu  seiner  Ephorie  Borna  zog. 

ß)  Ephorie  Chemnitz:  (2) 

I.  Gnandstein  und  2.  Ziegelheim  mit  Franken^);  jene 
Parochie  lag,  wie  bemerkt,  im  albertinischen,  also  im  Herzog- 


^)  Verloren  hatte  es  zwei  Filiale  Garbisdorf  und  Göpfersdorf 
an  Flemmingen  und  drei  Beidörfer:  Hinteruhlsdorf  ebendahin,  Hoyers- 
dorf  an  Niederwiera  und  Nirkendorf  an  Ehrenhain.  Franken  war 
bis  1528  Filial  von  Wolkenburg  gewesen. 


Der  Pleilsensprengel.  271 

turne  Sachsen,   diese   aber  —  und   deshalb   ragt   sie  ja  noch 
heute    halbinselförmig    hervorspringend    in    das    Gebiet    des 
Herzogtums  Altenburg  hinein  —  war  ein  albertinisches   Lehn 
des  Hauses  Schönburg,  seit  alters  von  den  Wettinern  abhängig 
(s.  o.).       Gnandstein    trat    natürlich    wie    die    albertinischen 
Pfarreien  in  seiner  östlichen  Umgebung,  soweit  dieselben  nicht 
etwa  im  Amte  Rochlitz,  dem  Wittume^)  der  Schwiegertochter 
Herzog    Georgs,     der    Herzogin    Ehsabeth    lagen    (so    z,    B. 
Obergräfenhain,    Rathendorf,    üssa    und    vor   allem   das    be- 
nachbarte Rüdigsdorf),  im  Jahre  1539  unter  die  Aufsicht  des 
herzoglichen    Superintendenten     zu     Chemnitz,     wie    u.    a. 
Niedergräfenhain,  Syhra  mit  Roda,  Kohren  mit  Jahnshain  und 
Langenleuba-Oberhain.     Mit    den    ersten    beiden    von    diesen 
vier    Kirchorten    ward    Gnandstein  1547    der    neuen    Ephorie 
Borna    zugeteilt,    der    in    seiner    nördlichen    und   westlichen 
Umgebung   von   der  Altenburger   Frohburg  (s,  o.),    Eschefeld 
(s.  ü.),  Bocka  (s.  o.)  und  Altmörbitz  zufielen.     Ziegelheim  aber 
war  ringsum  von  der  Ephorie  Altenburg  wie  eine   Insel  ein- 
und  abgeschlossen:  im  Süden  Niederwiera,  im  Westen  Gieba, 
Oberarnsdorf,    Ehrenhain,    im    Norden    Lohma   a.  L.  und   im 
Osten  Flemmingen   allein   bis   zum  Jahre   1554.     Die   Herren 
von  Schönburg,  die  1539  die  Einführung  der  Reformation  in 
ihren    albertinischen    Lehn-   und    Reichsafterlehnstücken    zu- 
lassen   mufsten,    sahen    also    Ziegelheim    genau    so    wie    die 
Pfarreien  ihrer  Grafschaft  Hartenstein  unter  die  Aufsicht  des 
nächsten  Superintendenten  ihres  herzoglichen  Lehnsherrn  ge- 
stellt.    Wie  die  Kirchen  zu  Eiterlein,  Scheibenberg,   Crotten- 
dorf,  Wiesenthal    und    Beutha-)    unter    den   Annaberger,    so 
traten    die    zu    Löfsnitz,    Thierfeld    (Hartenstein),    Wildbach, 
Schönau,  Vielau,  Mülsen  St.  Niklas  und   Ziegelheim  —  bis 
zur    Schaffung    einer    besonderen    Schönburgschen    Gesamt- 
ephorie    mit    dem    Sitze    zu    Glauchau  (1542)   —   unter    den 
Chemnitzer  Superintendenten. 

y)  Ephorie  Glauchau:  (7) 

I.  Gesau  (mit  Glauchau  zwischen  1528 — 1542  [?]  ver- 
bunden); 2.  Jerisau;  3.  Meerane;  4.  Oberwiera;  5.  Schkmzig 
(provisorisch  mit  den  Schönburgschen  Bestandteilen  der  Pa- 
rochie  Mosel  [Filial  Niederschindmaas,  Obermosel  und  Ober- 
rothenbach]  vereinigt);  6.  Schönberg;  7.  Waidenburg  mit 
Schwaben'^;      Sie    alle    lagen    im    Gebiete   der    Schönburger, 

1)  Dasselbe  bildete  eine  Ephorie  (Rochlitz)  für  sich. 
-)  Danach  ist  diese  Zeitschrift  XXIV,  66  zu  berichtitjen! 
'■^)  Schwaben  war  von  Schlagwitz  wie  Franken  von  Wolkenburg 
durch  Ernst  II,  von  Schönburg,  abgerissen  worden.     Deshalb  traten 


272  Leo  Bönhoff:  Der  Pleifsensprengel. 

welche  die  Reformation  in  ihren  böhmischen  Reichsafter- 
lehnsherrschaften  Waidenburg,  Glauchau  und  Meerane.  die 
für  den  Pleifsensprengel  allein  in  Betracht  kommen,  erst  im 
Oktober  des  Jahres  1542  einführten.  Hierin  also  bestand 
der  Beitrag  des  Pleifsensprengels  zum  Bestände  der  Ephorie 
Glauchau  sowie  indirekt,  d.  i.  durch  die  Ephorien  Altenburg 
und  Chemnitz  vermittelt,  in  den  drei  anderweitigen  Kirch- 
spielen Remse,  Tettau  und  Ziegelheim  mit  Franken,  die  sich 
ihr  1543   zugesellten. 

Rechnen  wir  nun  alles  (99  Kirchspiele)  auf,  so  verteilen 
sie  sich  nach  Abzug  der  bis  zum  Jahre  1554  (bez.  bis  zum 
Jahre  1879)  definitiv  eingetretenen  Abgänge  von  13  (14)  der- 
selben die  86  (85)  übrigen  folgendermafsen: 

a)  im  16.  Jahrhundert:  j  b)  heute: 

1.  Zeitz 2       I      I.   Borna 6 

2.  Altenburg 46      |     2.   Rochlitz 2 

3.  Chemnitz 2       |     3-  Altenburg 26 

4.  Glauchau 6      j     4 .  Ronneburg 5 

5.  Zwickau 28            5.  Schmölln 9 

6.  Weida 2           6.  Werdau 13 

Sa.  86           7-   Glauchau 9 

8.  Zwickau 15 

Sa785 

So  ist  denn  der  Pleifsensprengel  zu  vier  Zeiten  nach 
und  nach  aufgelöst  worden:  bei  der  Reformation  der 
ernestinischen  Länder  (1528/29),  bei  der  des  Zeitzer  Stifts- 
gebietes (1536),  bei  der  des  albertinischen  Sachsens  (1539) 
und  endlich  bei  der  des  Schönbui  gischen  unter  der  Krone 
Böhmen  stehenden  Territoriums  (1542).  Es  sind  lauter 
sächsische  Parochien,  die  zu  den  angegeber^en  Zeiten 
evangelisch  wurden,  während  die  altenburgschen  sämtlich 
an  dem  ersten  Termine  dem  neuen  Bekenntnisse  beitraten. 
Jene  verhalten  sich  übrigens  zu  diesen  nach  dem  heutigen 
Bestände  (Auspfarrungen  und  Neugründungeii  der  neueren 
und  neuesten  Zeit  selbstverständlich  ungerechnet)  wie  44:41 
innerhalb  der  von  uns  hiermit  nach  allen  Seiten  hin  gewürdigten 
alten  Kirchenprovinz  an  der  Pleifse.  Dieses  Verhältnis  wird 
unsere  ausführliche  Darstellung  rechtfertigen. 


Schlagwitz  zu  Wolkenburg,   Franken  zu  Ziegelheim  und  Schwaben 
zu  Waidenburg  in  ein  Filialverhältnis. 


VIII. 

Der  Tod  des  Bisehofs  Arn  von  Würz  bürg*. 

Von 
C.   Klotzsch. 

Audiatur  et  altera  pars. 

Im  26.  Bande  dieserZeitschrift  veröffentlicht  Lic.  Dr.  Bönhoff 
eine  interessant  geschriebene  Arbeit,  die  sich  mit  dem  im  Jahre 
892  erfolgten  gewaltsamen  Tode  des  Würzburger  Bischofs  Arn 
beschäftigt.  Man  wird  es  dem  Verfasser  Dank  wissen,  dafs 
er  jenes  Ereignis,  dem  die  vaterländische  Geschichtschreibung 
wiederholt  ihre  Aufmerksamkeit  zuwendete,  zum  Gegenstande 
erneuter  Untersuchung  gemacht  hat.  An  der  Hand  verschie- 
dener  annalistischer  Berichte,  unter  denen  sich  auch  die  Chronik 
des  Merseburger  Bischofs  Thietmar  befindet,  versucht  er  ein 
Doppeltes  festzustellen,  nämlich  die  Art,  wie  Bischof  Arn 
starb,  und  den  Ort,  wo  solches  geschehen  sein  konnte.  Diese 
Fragen  sind,  wie  wir  aus  der  Bönhoffschen  Arbeit  ersehen, 
bisher  sehr  verschieden  beantwortet  worden,  neuerdings  ent- 
scheidet sich  Oberbaurat  Wiechel  für  den  Taurastein  bei 
Burgstädt'),  Ihm  beizupflichten  ist  Bönhoft^zwar  nicht  abgeneigt, 
glaubt  aber  doch  seine  Untersuchungen  mit  folgendem  Er- 
gebnis abschliefsen  zu  sollen:  .,Am  13.  Juni  892  fiel  Bischof 
Arn  als  Anführer  einer  ostfränkischen  Heeresabteilung  im  Kampfe 
gegen  die  Slaven  am  Sandberge  bei  Wiederau.  Dieser  Hügel 
liegt  unweit  der  Chemnitz,  in  nöxulicher  Richtung  von  ihrem 
Laufe,  und  neben,  d.  i.  zur  Linken  der  böhmischen  Strafse, 
die  von  Rochlitz  nach  Hwoznie  bei  Frankenl^erg  führt".  —  In 
der  Tat  ein  Ergebnis,  das  überraschen  mufs,  und  schwerlich 


1)  Chemnitzer  Tao;eblatt  19.  Mai  1900,  Beil.  3,  Chemnitzer  Allgem. 
Zeitg.  S.Juni  1900,  Beil.  6. 


274 


C.  Klotzsch: 


würde  der  Verfasser  zu  demselben  gelangt  sein,  hätte  er  nicht 
geglaubt,  über  den  Bericht  Thietmars  ein  abfälliges  Urteil 
geben  zu  müssen.  Thietmars  Bericht  ist  —  so  wird  uns  ge- 
sagt —  legendarisch  gefärbt,  er  widerspricht  den  Aussagen 
eines  Mitkämpfers  in  jener  Schlacht;  aufserdem  hat  Thietmar 
bei  Benutzung  von  Würzburger  Überlieferungen  Jahreszahlen 
und  «reschichtliche  Daten  offenbar  verwechselt.  Das  heifst 
nun  freilich  die  Glaubwürdigkeit  Thietmars  als  Historiker  nicht 
blos  anzweifeln,  sondern  erschüttern.  Ein  Mann,  der  ein  so 
anerkannt  brauchbares  Geschichtswerk  schrieb,  soll  seine 
historischen  Notizen  so  ohne  Sichtung  und  gedankenlos  ge- 
sammelt und  ohne  gehörige  Kritik  wiedergegeben  haben? 
Man  möchte  doch  wohl  behaupten,  dafs  Thietmar  den  Anspruch 
auf  eine  andre  Beurteilung  erheben  darf.  Er  ist,  wie  Bönhoff 
selbst  zugibt,  der  einzige,  welcher  sich  über  den  Ort,  wo 
Arn  sein  Leben  aushauchte,  ausspricht.  Liegt  es  da  nicht 
klar  auf  der  Hand,  dafs,  wenn  sein  Bericht  wegen  teilweiser 
Unglaubwürdigkeit  auszuschalten  ist,  dann  auch  die  einzige 
Wegespur  verwischt  ist,  die  sich  zur  Auffindung  der  Mord- 
stelle darbot?  Der  subjektiven  Vermutung  stehen  dann  keine 
Hindernisse  im  Wege.  Und  Thietmar  liefs  sich  wirklich  durch 
das  kirchliche  Empfinden  seiner  Zeitgenossen  verleiten,  das 
traurige  Ereignis  dramatisch  aufzuputzen,  damit  das  Martyrium 
seines  unglücklichen  Kollegen  in  helleres  Licht  trete  und 
Merseburg  den  Ruhm  habe,  den  Namen  Arn  als  eines  Proto- 
martyr  in  sein  Nekrologium  einzutragen? 

Wahr  ist,  dafs  Thietmar  die  Stimmung  der  Würzburger 
getreulich  wiedergibt,  sogar  die  sogenannte  Anekdote  aus  der 
bischöflichen  Küche  nacherzählt  und  die  Mirakel  bei  der  Kirch- 
weihe mitberichtet ^),  allein  man  übersehe  nicht,  wie  er  zu 
jenen  Legenden  die  feine  und  vorsichtige  Bemerkung  fügt: 
,, Meine  Feder  genügt  nicht,  die  trefflichen  Eigenschaften  Arns 
wiederzugeben,  aber  das  glaube  ich  von  Herzen,  dafs 
er  apiid  deurn  magni  luerifi  gewesen". 

Wenn  nun  ein  Schriftsteller  des  frühen  Mittelalters  die  im 
Kampfe  gegen  Heiden  Gefallenen  Märtyrer  nennt,  und  wenn 
er  Arn  und  seine  Schicksalsgenossen  mit  diesem  Titel  ehrt, 
so  kann  das  höchstens  dem  modernen  kirchlichen  Empfinden 
befremdlich  sein.  Es  war  eine  recht  überflüssige  Belehrung, 
welche  die  „Dresdner  gelehrten  Anzeigen"  vom  Jahre  1756 
pag.  681  ihren  Lesern  boten,  wenn  .sie  sagten:  ,,Arn  hat  nicht 
als  ein  Heidenlehrer,  sondern  als  ein  Soldat  sein   Leben  ein- 


')  Chron.  ed.  Kurze  I,  4. 


Der  Tod  des  Bischofs  Arn  von  Würzburg.  275 

gebüfst".  Wenn  Arn  die  waffenfähigen  Stiftsuntertanen  ins 
Feld  stellte,  so  erfüllte  er  nur  seine  Pflicht  als  Vasall  des 
Kaisers,  und  wenn  er  das  Würzburger  Aufgebot  persönlich 
in  den  Kampf  begleitete,  so  tat  er  nur,  was  er  schon  früher, 
und  andere  Bischöfe,  auch  Thietmar,  wiederholt  getan.  Ob 
der  Thüringer  Herzog  Poppo,  der  zu  diesem  mifsglückten 
Feldzuge  aufgefordert  hatte,  wegen  schlapper  Haltung  vor 
dem  Feinde  abgesetzt  wurde,  oder  ob  ihm  Arn  an  strategischen 
Talenten  über  war,  das  möchte,  weil  die  Quellen  darüber  voll  g 
schweigen,  getrost  unerörtert  bleiben.  Soviel  steht  fest, 
auch  als  Feldherr  war  Arn  der  Bischof  von  Würzburg.  Es 
dürfte  dem  Geiste  jener  Zeit  die  Annahme  nicht  widersprechen, 
dafs  man  von  der  persönlichen  Teilnahme  eines  hohen  geist- 
lichen Herrn  einen  günstigen  Ausgang  der  Schlacht  erhoffte. 
Da  nun  Thietmars  Bericht  nicht  blos  als  eine  legendarische 
Umbiegung,  sondern  auch  als  unvereinbar  mit  den  glaub- 
würdigen Zeuornissen  der  Zeitgenossen  bezeichnet  wird,  so 
ist  eine  genaue  Prüfung  dieser  Zeugnisse  geboten.  Wir  über- 
gehen diejenigen  Quellen,  welche  nichts  weitei  als  die  Tat- 
sache des  Todes  erzählen,  und  ziehen  nur  die  Chronik  Thiet- 
mars, des  Abtes  Regino  von  Prüm  sowie  den  in  die  Miracula 
S.  Wigberti  aufgenommenen  Bericht  des  Heio,  eines  Kampf- 
genossen, in  Betracht^).  Letzterer  ist  jedoch,  was  nicht  un- 
erwähnt bleiben  möchte,  kein  Originalbericht.  Heio  hat  seine 
Kriegsabenteuer  nicht  mit  eigner  Hand  niedergeschrieben,  er 
hat  sie  einem  Hersfelder  Mönch,  namens  Gerbert,  erzählt, 
und  dieser  hat  die  Erzählung  einem  Anonymus  weitererzählt, 
der  sie  etwa  40  Jahre  später  in  seine  Schrift  über  die  miracula 
Wigberti  aufnahm.  Der  Überfall,  die  Schrecknisse  des  Weges 
und  der  heillosen  Flucht  sind  hier  sehr  anschaulich  und  ge- 
wandt geschildert. 


1)  Chron.  Thietm.  I,  4:  sed  non  lon^e  a  praedicto  amne  in 
pago  Chutici  dicto  Arn  episcopus  sanctae  Wirciburgensis  ecclesiae 
ab  expeditione  Boemiorum  reversus  et  juxta  plateam  in  parte  septen- 
trionali  fixo  super  vinum  collem  suimet  tentorio  cum  missam  caneret 
hostili  circumvallatus  agmine  praenaissisque  omnibus  per  martyrium 
suimet  consociis  semet  ipsum  optulit  deo  patri  cum  oblacionibvis  con- 
secratis  ...  —  Regino  von  Prüm  ad  892:  Arnt  hortatu  ac  suasione 
Popponis  Thuringorum  ducis  ad  pugnam  contra  Sclavos  profectus 
in  eadem  pugna" occiditur.  —  Mirac.  S.  Wigberti  cap.  14,  Mon. 
Germ.  IV,  225:  Duces  et  primates  Francorum  in  procinctu  proelü 
contra  Sclavos  constitutos  cui  et  me  contigit  interesse  duri  eventus 
excipiunt  atrocioresque  exitus  hello  imponunt.  Cumque  pugnae  ma- 
teries  in  manibus  habebatur  in  primo  congressu  Am  episcopus  occu- 
buit  .  .  . 


2-7  6  C.  Klotzsch: 

Wie  stellt  sich  nun,  wenn  wir  die  Berichte  vergleichen, 
der  Verlauf  des  13.  Juli  892  dar?  Der  Tag  beginnt  —  es 
soll  ja  ein  Rasttag  sein  —  mit  einer  Morgenandacht.  Noch 
während  Arn  die  Frühmesse  singt,  umringt  ein  feindlicher 
Heerhaufen  den  Hügel,  wo  sein  Zelt  aufgeschlagen  war  Er 
schickt  die  Führer  und  Vornehmen  der  Franken,  allzumal 
Genossen  seines  Märtyrertodes,  vor,  sie  stehen  kampfbereit  und 
das  Handgemenge  beginnt.  Beim  ersten  Zusammenstofs  iällt 
Arn  und  gibt  sich  mit  den  geweihten  Gaben  Gott  7  um 
Opfer.  Dafs  Arn,  der  wohl  keine  Zeit  fand,  sein  priesterliches 
Gewand  abzulegen,  nicht  wie  ein  Thomas  Münzer  vor  der 
Front  steht,  begreift  sich  wohl,  dafs  er  sich  aber  zuletzt, 
nachdem  ihm  alle  Gefährten  im  Tode  vorangegangen, 
geopfert  habe,  hat  Thietmar  garnicht  gesagt,  man  daif  nur 
seine  Worte  ,,praemissis  omnibus  per  martyrium  consociis" 
nicht  falsch  übersetzen.  Ursinus  gibt  diese  Stelle  ganz  richtig 
wieder.  Ein  Widerspruch  zwischen  der  Darstellung  Thietmars 
und  des  Augenzeugen  Heio  kann  unmöglich  anerkannt  werden. 

Schwieriger  nun,  vielleicht  auch  wichtiger  erscheint  die 
Frage:  wo  ist  Arn  gestorben?  Auch  hier  begegnen  wir  einer 
Verdächtigung  Thietmars.  Seine  Angabe  ,,ab  expeditione 
Boemorum  reversus"  soll  geschichtlich  unhaltbar  sein.  Arn 
sei  871  und  872  wider  die  Böhmen  zu  Felde  gezogen,  aber 
nicht  892,  hier  habe  sich  Thietmar  durch  Würzburger  Tradi- 
tionen irre  führen  lassen.  Regino  wie  Heio  hätten  ausdrücklich 
ausgesagt,  der  Feldzug  892  sei  gegen  die  Slaven,  aber  nicht 
gegen  die  Böhmen  gegangen.  Hiergegen  erlauben  wir  uns 
die  bescheidene  Einwendung:  sind  die  Böhmen  nicht  auch 
Slaven?  Regino  ist  nicht  so  ängstlich  mit  der  Bezeichmmg 
,, Slaven".  Kurz  zuvor  erzählt  er  zum  Jahre  891,  dafs  sich 
Kaiser  Arnulf  am  äufsersten  Ende  von  Bayern  aufgehalten 
habe  und  dort  mit  drei  Korps  aufgebrochen  sei,  die  Slaven 
zu  zügeln.  Der  Zusammenhang  und  ein  Vergleich  mit  den 
Annal.  Fuldens.  ergibt,  dafs  die  Mähren  gemeint  sind.  Also 
auf  das  contra  Sclavos  bei  Regino  darf  nicht  allzuviel  Gewicht 
gelegt  werden.  Vielleicht  aber  ist  Regino  gerade  der  Autor, 
der  den  Thietmar  rechtfertigt  und  uns  aus  der  Verlegenheit 
hilft.  Das  Hauptereignis  des  Jahres  892  ist  nach  seiner  Dar- 
stellung der  Krieg  gegen  Zwentibold  von  Mähren.  Kaiser 
Arnulf  hatte  die  Unklugheit  begangen,  diesem  Fürsten  das 
Herzogtum  der  Böhmen,  die  bisher  Fürsten  ihres  Stammes 
gehabt  und  dem  fiänkischen  Reiche  Treue  bewahrt  hätten, 
abzutreten.  Dieser  Schritt,  sagt  Regino,  bot  einen  gewalligen 
Alltrieb  zur  Entzweiung  und  zum  Abfall.     Die  Böhmen  liefsen 


Der  Tod  des  Bischofs  Arn  von  Würzburo; 


&• 


277 


von  der  Treue  ab,  und  Zwentibold,  der  einen  bedeutenden 
Zuwachs  an  Macht  erhalten  hatte,  lehnte  sich,  vom  Dünkel 
des  Hochmuts  aufgeblasen,  wider  Arnulf  auf;  dafs  unter  so 
bedrohhchen  Verhältnissen  der  Thüringer  Herzog  Poppo  den 
aufsässigen  Böhmen  seine  Aufmerksamkeit  zuwenden  mufste 
und  den  Würzburger  Bischof  zu  einem  Zuge  wider  die  Böhmen 
zu'-edete,  kann  nicht  befremden. 

Man  hätte  vielleicht  von  einem  Zeito-enossen  wie  Reofino 
einen  etwas  ausführlicheren  Bericht  über  diesen  böhmischen 
Feldzug  erwartet,  es  ist  aber  zu  bedenken,  dafs  Regino  unter 
den  ungünstigsten  Verhältnissen  die  Abtei  Prumia  an  der  Eifel 
übernahm.  Schon  nach  sieben  Jahren,  899,  wich  er  vor  dem 
neidischen  Treiben  seiner  Geofner,  leo-te  seine  Würde  nieder. 
In  Trier  erst  begann  er  seine  Weltchronik  zu  schreiben^).  Das 
Wenige  aber,  was  er  uns  für  die  vorliegende  Frage  bietet,  genügt 
zu  der  Annahme,  dafs  Thietmar  die  Worte  ab  expeditione 
Boemorum  reversus  nicht  aus  der  Luft  gegriffen  haben  kann. 

Arns  Rückzug  aus  Böhmen  erfolgte  über  den  Miriquido, 
auf  der  heutigen  Reitzenhein-Chemnitzer  Strafse,  sein  nächstes 
Ziel  ist  der  Chutizigau,  von  dem  aus  in  mögUchst  direkter 
Richtung  der  Weg  nach  der  Heimat  eingeschlagen  werden 
konnte-).  An  der  Chemnitzfurt,  die  sich  im  Südwesten  der 
heutigen  Stadt  (etwa  Beckerbrücke)  befand,  wurde  der  Gau 
erreicht,  und  am  13.  Juli  war  bereits  der  jenseitige  Höhenzug 
erstiegen,  der  Lagerplatz  gewählt  und  das  bischöfliche  Zelt 
auf  einem  Hügel  aufgeschlagen. 

Wo  ist  nun  dieser  Hügel  zu  suchen?  Thietmars  Antwort 
lautete  im  Gau  Chutici.  Unmittelbar  zuvor  redet  er  vom  Gau 
Glomuzzi  oder  Dalemince  und  gibt  die  ungefähre  Richtungs- 
linie der  Grenze  gegen  den  Chutizigau  mit  den  Worten  an: 
von  der  Elbe  her  erstreckt  sich  der  Dalemincegau  bis  in  den 
Chemnitzflufs.  Für  diese  Grenzstrecke  werden  keinerlei  Grenz- 
merkmale angegeben.  Von  der  Chemnitz  an  war  nun  diese 
bis  zur  Quelle  die  natürliche  Gaugrenze  gegen  Süden.  Was 
also  auf  dem  rechten  Ufer  der  Chemnitz  lag,  gehörte  zu 
Dalemince.  Nach  Bönhoffs  Meinung  wird  jedoch  die  Chemnitz 
erst  von  Garnsdorf  an  die  Grenze  beider  Gauen  nach  Süden 
zu;  er  hält  es  für  erwiesen,  dafs  alles  Land  auf  dem  rechten 
Chemnitzufer  längs  ihres  Unterlaufs,  also  von  Garnsdorf  nord- 
wärts, unzweifelhaft  zu  Chutizi  gerechnet  werden  darf. 

')  Vgl.  Dümmlers  Ausp;abe  des  Regino,  Vorwort. 

^)  Der  heutige  Zug  der  Leipzig-Reitzenheiner  Strafse  durch  die 
Stadt  ist  eine  Anlage,  die  durch  die  Entstehung  der  Stadt  und  ihres 
Marktes  sich  begri.mdet.    Die  älteste  Strafse  ist  sie  keinesfalls. 


278  C.  Klotzsch: 

Allerdings  sagt  uns  Thietmar^),  dafs  bei  der  981  erfolgten 
Auflösung  und  Zerstückelung  des  Merseburger  Bistums  ein 
Teil  des  östlichen  Chutizi  mit  den  beiden  Ortschaften  Wissepuig 
und  Lostatawa  zur  Meilsner  Diöcese  geschlagen  worden  sei, 
und  er  markiert  die  Lage  dieses  östlichen  Chutizi  durch  die 
Richtungslinie:  von  der  Chemnitz  zur  Elbe  hin.  Während 
Lostatawa  als  Lastau  bei  Colditz  gilt,  ist  Wissepuig-)  nicht 
festzustellen  gewesen;  in  der  Nähe  der  Chemnitz  oder  deren 
Einfall  in  die  Mulde  mufs  es  gelegen  haben,  andernfalls  hätten 
die  Worte  fluviis  Caminici  Albique  distinguitur  keinen  Sinn. 
Was  wir  aus  der  angezogenen  Stelle  bei  Thietmar  zu  schliefsen 
haben,  ist,  dafs  981  die  alte  Gaugrenze  verlassen,  und  dafs 
von  Lastau  ab  die  Mulde  Meifsner  Diöcesangrenze  wurde. 
Indessen  wollen  wir  nicht  vergessen,  dafs  es  sich  für  unsre 
Untersuchung  um  das  Jahr  892   handelt. 

Sonach  suchen  wir  jenen  Hügel  mit  dem  Zelte  Arns  im 
Chutizigau,  aber  nicht  auf  dem  rechten,  sondern  dem  linken 
Ufer  der  Chemnitz.  Die  Lage  desselben  bestimmt  nun  Thiet- 
mar näher  so:  non  longe  a  praedicto  amne  (Caminizij  und 
juxta  plateam  in  parte  septentrionali.  Die  von  Thietmar  ge- 
wählte Satzkonstruktion  umzustülpen  und  dem  in  parte  sept. 
einen  andern  Platz  anzuweisen,  wagen  wir  nicht;  es  wäre 
doch  geradezu  widersinnig,  zu  übersetzen  ,, nördlich  von  der 
Chemnitz",  da  diese  wesentlich  in  nördlicher  Richtung  fliefst. 
Das  juxta  pl.  mufs  mit  in  parte  sept.  verbunden  bleiben.  Eine 
andere  Strafse  kann  aber  nicht  gemeint  sein,  als  die,  auf  welcher 
Arns  Kolonne  von  Böhmen  her  in  den  Chutizigau  gezogen  und 
auf  deren  Fortsetzung  man  zur  Höhe  mit  dem  Hügel  gelangt 
war.  Auf  dem  Höhenrücken  (etwa  bei  Wittgensdorf)  wendet 
sich  die  Strafse  westlich,  nördlich  von  ihr  lag  der  Hügel, 
und  zwar  nicht  weit  von  der  Chemnitz.  Keine  Örtlichkeit 
pafst  so  ungezwungen  zu  der  Beschreibung  Thietmars,  wie  der 
Taurastein  bei  Burgstädt.  Das  ist  wirklich  ein  Hügel  nördlich 
der  Strafse  und  unweit  von  der  Chemnitz  (2  km).  Eine  ge- 
eignetere Stelle  konnte  Arn  für  den  Lagerplatz  nicht  wählen. 

Im  übrigen  verweisen  wir  auf  die  vorzüglichen,  klaren 
und  ungekünstelten  Ausführungen,  welche  Oberbaurat  Wiechel 
bei  seinen  Untersuchungen  unsrer  Frage  gegeben  hat.  — 
Nicht   gestützt   auf  die  Quellen,   sondern,   wie  uns  bedünken 


')  Chron.  III,  16:  pars,  quae  ad  Chutici  orientalem  cum  adper- 
tinentibus  villis  Wissepuig  et  Lostatawa  pertinet  ac  fluviis  Cammici 
Albique  distinguitur. 

-')  Statt  Wissepuig  liest  Bönhoft:  Wissepenic  =  Hochpenig  oder 
Altpenig!     N.  Sachs.  Kirchenbl.  1907,  S.  803. 


Der  Tod  des  Bischofs  Arn  von  Würzburg.  2  70 

will,  auf  eigne  Hand  konstruiert  Bünhoff  folgenden  Feldzug: 
das  vereinigte  bayrische  Heer  tritt  den  Marsch  nach  Osten 
an,  überschreitet  die  Saale,  Elster  und  Mulde  und  dringt 
mitten  in  den  Gau  Chutizi  ein.  Auf  der  von  RochUtz  nach 
Hwoznie  führenden  böhmischen  Strafse  rückt  Arn  vor,  diese 
Feste  einzunehmen.  Die  Sorben  kommen  ihm  zuvor,  und  in 
dem  südöstlichen  Zipfel  des  Chutizigans  ward  die  unglückliche 
Schlacht  geliefert;  aber  nicht  bei  einem  Überfall,  sondern  in 
offener  Feldschlacht  verlor  Arn  sein  Leben. 

Eine  derartige  Darstellung  fordert  zu  einigen  Fragen 
heraus.  Liegt  denn  auch  nur  eine  entfernte  Veranlassung  vor, 
hier  die  Feste  Hwoznie  im  Dalemincegau  zu  erwähnen?  Läfst 
sich  eine  Strafse  von  Rochlitz  nach  Hwoznie  urkundlich  be- 
legen? War  die  in  der  Dotationsurkunde  für  Zschillen  enst 
II 74  erwähnte,  an  Wiederau  vorüberführende  semita  Boemica 
nicht  vielmehr  der  Verbindungsweg  von  Rochlitz  nach  dem 
neugegründeten  Chemnitz?  Es  ist  ja  möglich,  dafs  das 
castellum  Hwoznie  eine  slavische  Festung,  grad,  gewesen 
und  bereits  vor  Unterwerfung  des  Dalemincegaus  vorhanden 
war.  War  es  aber  wirklich  die  gefährliche  Ecke,  die  Haupt- 
stütze der  Slaven  in  diesem  Gau,  warum  wandte  sich  Kaiser 
Heinrich  928  nicht  gegen  diese,  sondern  gegen  Gana? 

Dr.  Bönhoff  ist  über  die  Lage  des  castellum  Hwoznie 
so  sicher  orientiert,  dafs  er  eine  Untersuchung  dieser  gar  nicht 
einfachen  Frage  unterläfst.  Es  dürfte  aber  doch  nicht  über- 
flüssig sein,  das  hier  einschlagende  urkundliche  Material  zu 
Rate  zu  ziehen. 

Seit  Petr.  Albinus  und  Schöttgen  hat  man  sich  daran 
gewöhnt,  das  cast.  Hwoznie  auf  dem  Treppenhauer,  einem 
Hügel  neben  dem  Sachsenburger  Schlofsberge,  zu  suchen; 
auch  Posse  ist  dieser  Meinung.  Die  Gräben  und  Wälle, 
welche  der  Frankenberger  Chronist  noch  um  1755  dort  ge- 
sehen haben  will,  sind  nichts  weiter,  als  Halden  und  Stollen, 
die  von  dem  einstigen  Bergbau  herrühren.  Hingst^)  und 
neuerdings  Bönhoff  nehmen  das  Schlofs  Sachsenburg  a.  d.  Zscho- 
pau,  30  Minuten  von  Frankenberg,  in  Anspruch.  Zum  ersten 
Male  wird  das  cast.  Hwoznie  in  der  Urkunde  vom  23.  Juli  981 
erwähnt-),  laut  welcher  Kaiser  Otto  IL  dem  Kloster  Memleben 
folgende  Schenkung  macht:  castella  quedam  et  loca  in  par- 
tibus  Sclavoniae  Doblin  et  Howznie  nuncupata,  in  pago  Dale- 
mince  seu  Zlomekia  vocato,  juxta  Multha  tiuvium  dictum  .... 
cum  burgwardiis  pp.    Das  Eigentumsrecht  an  dieser  Besitzung 

1)  Mitteil,  des  Freib.  Altert.-Vereins  IV,  405  ft. 

'^)  Gedruckt  in  Wenk,"Hess.  Lande.sgesch.  II,  i  Nr.  27. 


28o  C.  Klotzsch: 

wurde  1015  dem  Kloster  Memleben  entzogen  und  auf  kaiser- 
lichen Befehl  der  Benediktinerabtei  Hersfeld  in  Hessen  über- 
tragen. Die  bedeutende  Entfernung  von  Hessen  läfst  erklär- 
lich erscheinen,  dafs  man  den  Markgrafen  von  Meifsen  mit 
diesem  Gebiete  belieh.  Aus  einer  in  der  Kanzlei  von  Hers- 
feld ausgestellten  Urkunde^)  erfahren  wir  die  Grenzen  und 
den  genauen  Umfang  dieses  sogenannten  praedium  Hersfeldense: 
in  einer  Ausdehung  von  Döbeln  bis  in  die  Gegend  von  Zöblitz 
lag  es  zwischen  Zschopau-Pockau  und  Mulde -Striegis.  Wir 
wollen  uns  hier  nicht  in  Vermutungen  ergehen,  welche  Ab- 
sichten durch  diese  Urkunde  erreicht  werden  sollten ;  eins  nur 
ist  klar,  der  Abt  Heinrich  von  Hersfeld,  wie  nicht  minder 
Markgraf  Friedrich  hatten  ein  Interesse  daran,  dafs  sämtliche 
im  Meifsner  Lande  gelegene  Lehen  Hersfelds  in  dieser  Ur- 
kunde genannt  wurden.  Sie  ist  zweifellos  unter  Zuhilfenahme 
einer  älteren  Lehnsregistratur  von  einem  Verfasser  zusammen- . 
gestellt,  der  in  der  Meifsner  Geographie  schlecht  bewandert 
war.  Er  will  die  in  dem  geschenkten  Gebiete  gelegenen 
civitates  et  castella  aufführen  und  rechnet  zu  diesen  Dresden, 
Pirna,  Freiberg!  Auffälliger  Weise  führt  er  Doblin  castrum 
et  civitas  an,  cast.  Hwoznie  aber  nicht.  Man  möchte  glauben, 
dafs  letzteres  bereits  nicht  mehr  vorhanden  oder  nicht  mehr 
das  war,  was  es  vor  981  gewesen:  ein  castellum.  Schon  der 
Umstand,  dafs  Kaiser  Otto  zwei  Kastelle  an  der  Mulde  an 
ein  Kloster  verschenkt,  spricht  für  die  Annahme,  dafs  sie  als 
militärisch  wichtige  Objekte,  als  Verteidigungswerke  981  nicht 
mehr  angesehen  wurden.  Hwoznie  verlor  seinen  Charakter 
als  Kastell,  es  blieb  noch  sein  Name  als  Burgwartbezirk  Von 
diesem  hören  wir  noch  einmal  in  der  Zeit  zwischen  981  und 
1292.  Die  Reichsministerialen  von  Mildenstein  hatten  Jahre 
lang  dem  Meifsner  Domkapitel  gewisse  Bischofszehnte  inner- 
halb der  possessioiies  Hersfeldenses  streitig  gemacht,  sogar 
beschlagnahmt.  Bei  der  am  23.  April  12 14  in  Döbeln  statt- 
gefundenen Verhandlung  erklärte  der  Meifsner  Dompropst, 
dafs  diese  Zehnten  zu  dem  Domaltare  St.  Pauli  gehörten.  Die 
Mildensteiner  wurden  abgewiesen.  Ihre  trotzdem  begangenen 
Gewalttätigkeiten  fanden  auf  einer  Synode  zu  Meifsen  ihre 
Sühne.  Der  Propst  schwor  auf  das  Evangelienbuch,  dafs 
die  decimae  innerhalb  der  possessiones  Hersfeldenses,  que  sunt 
in  burcwardo  Gozne  et  in  territorio  Frankenberg,  der  Dom- 
kirche   gehörten-).     Weil   nvm    das    Döbelner    Verhandlungs- 

^)  Abgedruckt  in  v.  Webers  Arch.  f.  Sachs.  Gesch.  V,  262. 
2)  Cod.  dipl.  II,  I,  78  u.  85.     Über   die   Umwandlung    der  Form 
Hwoznie  in  Gozne  vgl.  Hey,  Slav.  Siedel.  S.  241. 


Der  Tod  des  Bischofs  Arn  von  Würzburg.  281 

Protokoll  vom  Jahre  12 14  und  das  Meifsner  Sühnedokument 
vom  Jahre  1222  neben  dem  burcw.  Gozne  das  territorium 
Frankenberg  nennt,  hielt  man  sich  berechtigt,  das  castellum 
Hwoznie  mit  dem  Schlofs  Sachsenburg  oder  dem  Treppen- 
hauer zu  identifizieren.  Letztgenannte  Örtlichkeiten  befinden 
sich  unfraglich  im  territorium  Frankenbeig,  wie  kann  mau 
da  das  cast.  Hwoznie,  das  selbstverständlich  im  burcw.  Gozne 
und  zwar  an  der  Mulde  liegt,  auf  jenen  Hügeln  an  der 
Zschopau  suchen?  Vielleicht  ist  der  Ausdruck  territorium 
Frankenberg  geeignet,  an  die  grofse  Veränderung  zu  erinnern, 
welche  die  Verwaltungsorganisation  in  der  Mark  Meifsen  seit 
der  Entwickelung  der  landesfürstlichen  Macht  genommen. 
Hiervon  wurde  das  dem  Markgrafen  unterstehende  praedium 
Hersfeldense  natürlich  mitbetroffen.  Dieses  nicht  einheitlich 
verwaltete  grofse  Gebiet  zerfiel  in  kleinere  Distrikte,  es  gab 
städtische  Territorien,  civitates  cum  villicationibus;  markgräf- 
liche Lehnsleute,  milites,  (von  Dobehn,  Sassenberg,  Schellen- 
berg) werden  mit  bonis  feudalibus  ausgestattet.  —  So  hat 
wohl  das  neben  dem  territorium  Frankenberg  genannte  burcw. 
Gozne  nur  noch  als  Name  für  einen  Distrikt  zu  Pfelten,  der 
in  der  Umgebung  des  verschollenen  Kastells  seine  Stätte  hatte. 
Heutzutage  ist  es  freilich  mit  Schwierigkeiten  verbunden,  die 
Stätte,  an  welcher  ein  solcher  Name  haftete,  genauer  zu  er- 
mitteln, zumal  ja  manches  Kastell  gar  nicht  ständig  bewohnt 
war.  Es  ist  ein  eignes  Zusammentreffen,  dafs  mit  unserm 
Hwoznie  der  fast  gleichnamige,  sprachUch  fast  gleichbedeutende, 
verschollene  Burgw.  Gvozdec  (spr.  Gwozdez)  an  der  Elbe, 
südlich  von  Meifsen,  welchen  Cosmas  von  Prag  in  seiner 
Chronik  dreimal  erwähnt,  das  gleiche  Schicksal  teilte.  Erst 
neuerdings  ist  dem  Professor  Hey')  gelungen,  aus  gleich- 
zeitigen deutschen  Urkunden  festzustellen,  dafs  Gvozdec  nur 
das  burgw.  Wosize  oder  Woz  bei  Constappel  gewesen  sein 
kann.  Am  Westabhange  des  dortigen  Gohlbergs  läfst  der 
noch  vorhandene  Wall  mit  seinen  Zickzackeinschnitten  die 
ehemalige  bedeutende  Festungsanlage  erkennen. 

Zum  Schlüsse  möchten  wir  mit  der  Bemerkuns:  nicht  zu- 
rückhalten,  dafs  wir  dem  Berichte  Thietmars  vor  dem  Bönhoff- 
schen  den  Vorzug  geben.  Ruhen  Anis  Gebeine  in  Würzburg 
oder  in  Colditz?  —  Sehr  sinnig  sagt  der  selige  Pf.  Ursinus:  wir 
rühren  nicht  seine  Gebeine,  wir  lassen  ihn  im  Frieden  ruhen. 


')  N.  Arch.  f.  S.  Gesch.  XI,  i  ff. 


Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    3.  4.  19 


IX. 

Der  Streit  um  die  Lausitz  1440    1450. 

Von 
Richard  Freiherr  von  Mansberg. 


Die  sogenannte  Marchia  Lusacie  ist  niemals  eine  be- 
sondere deutsche  Reichsmark  im  ursprüngHchen  Sinne  dieser 
Bezeichnung  gewesen,  wenngleich  ihr  Namen  seit  dem  Ende 
des  12.  Jahrhunderts  wohl  als  pars  pro  toto  verwendet 
wurde  für  die  ganze  Ostmark,  deren  grofsen  östlichen  Teil 
die  Gaue  Luzici  und  Zara  bildeten.  Diese  Gaue  waren  vom 
deutschen  Könige  der  Verwaltung  durch  die  marchiones  orien- 
tales  unterstellt,  denn  eigentliche  Markgrafen  der  Lausitz  hat 
es  nie  gegeben.  Den  Zerfall  der  alten  Ostmark  leitete  ein 
die  Teilung  unter  den  Söhnen  des  Markgrafen  Konrad  von 
Wettin  Mitte  des  12.  Jahrhunderts,  und  diesen  Zerfall  voll- 
endeten die  Wirren  im  Hause  Wettin  um  die  Wende  des 
13.  Jahrhunderts.  Der  in  Stücke  zerrissene  westliche  Teil 
fiel  unterschiedlichen  Nachbarn  zur  Beute,  während  der  öst- 
liche Teil,  ein  200  Geviertmeilen  umfassendes  Gebiet,  unter 
dem  Namen  Lausitz  als  politisch-geographischer  Begriff  sich 
erhielt,  freilich  zu  gröfstem  Schaden  des  Landes  unter  schnellem 
Wechsel  des  Besitzrechtes  in  den  Händen  der  Askanier, 
Witteisbacher,  Wettiner,  Schlesier  und  schliefslich  der  Könige 
von  Böhmen.  Zu  dem  von  den  Nachbarn  allmählich  ge- 
lockerten Bestände  gehörten  nicht  blofs  die  1635  von  Böhmen 
abgetretenen  kümmerlichen  Reste,  sondern  auch  die  Herr- 
schaften Priebus,  Sorau,  Kottbus  und  Peitz,  das  Gebiet  von 
Sommerfeld,  die  Herrschaften  Beeskow,  Storkow,  Teupitz 
(Wusterhausen),  Zossen,  Barut,  Dahme,  das  Gebiet  von  Bär- 
walde und   Liebenwerda,   während    der   östlichste  Zipfel  der 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  283 

Grafschaft  Brehna  (Schlieben,  Schweinitz)  schon  im  12.  Jahr- 
hundert abgerissen  war.  Auch  die  vom  Hause  Wettin  im 
14.  und  15.  Jahrhundert  erworbenen  Gebiete  von  Finster- 
walde, Elsterwerda  und  Mückenberg,  von  Senftenberg  und 
Sounenwalde  sind  formell  Bestandteile  der  Lausitz  unter 
böhmischer  Oberhoheit  gebieben.  Der  Zusatz  ,, Nieder"  ge- 
hört einer  späteren  Zeit  an,  seit  man  auf  den  Einfall  kam, 
das  Land  der  Sechsstädte  im  Süden  als  Oberlausitz  zu  be- 
zeichnen. 

Der  Lausitz  war  es  nicht  vergönnt,  eines  eigenen  mit 
dem  Lande  gleichsam  verwachsenen  Fürstenhauses  sich  zu 
erfreuen,  einer  D3-nastie,  welche  mit  starker  Hand  gesetzliche 
Ordnung,  inneren  Frieden  zu  schaffen  und  in  erfolgreicher 
Weise  zu  wahren  vermochte.  Zwar  hat  sie  über  200  Jahre 
zu  den  Ländern  der  böhmischen  Krone  gehört  (genauer 
1368  — 1635,  unterbrochen  durch  Pfandschaft  1422  — 1462, 
durch  die  ungarische  Herrschaft  1467 — 1490),  allein  diese 
Zuo-ehörigkeit  wird  oewifs  niemand  als  Glück  bezeichnen. 
Der  den  slavischen  Staaten  eigentümliche  Übergang  von  roher 
Willkür  zu  wüster  Anarchie,  der  häufige  Wechsel  der 
Regentenhäuser  verbunden  mit  der  Barbarei  der  Tschechen 
und  dem  schädlichen  Einflufs  der  händelsüchtigen  Grofsen, 
sie  waren  nicht  geeignet,  Ruhe  und  Ordnung  zu  schaffen  in 
den  Nebenländern,  wo  die  lediglich  durch  Protektion  und 
nicht  um  ihrer  Tüchtigkeit  willen  eingesetzten  Landvögte 
weder  durch  Weisheit  noch  durch  Tatkraft  sich  hervorgetan 
haben.  Die  Städte  der  Lausitz  haben  nicht  zu  solcher  Be- 
deutung sich  aufschwingen  können  wie  die  im  südlichen 
Nachbarlande,  wo  der  Bund  der  Sechsstädte  mit  oft  furcht- 
barer Rücksichtslosigkeit  bestrebt  war,  wenigstens  die  Sicher- 
heit der  Strafsen  aufrecht  zu  erhalten.  Die  Spaltung  des 
Lausitzer  Landes  in  zahlreiche  Herrschaften  mit  beinahe 
fürstlichen  Gerechtsamen  reizte  im  hohen  Grade  die  Begehr- 
Uchkeit  der  Nachbaren,  und  diese  setzte  dort  ein,  wo  sie  ge- 
wissermafsen  herausgefordert  wurde.  Das  geschah  durch  jene 
Herrengeschlechter,  die  trotz  ihrer  materiellen  Hilflosigkeit 
gern  wie  unabhängig  sich  geberdeten,  daher  als  Rückhalt 
für  ihre  Übergriffe  Anlehnung  an  eine  benachbarte  Macht 
suchten.  Die  ihnen  bald  heimlich,  bald  öffentlich  gewährte 
„Versprechung  und  Verteidigung"  stärkte  nicht  nur  den  Ein- 
flufs der  betreffenden  Grenzmacht  im  Lande,  sondern  führte 
nicht  selten  zur  Besitznahme  des  beschützten  Landesteils,  in 
der  Regel  durch  geschickte  Benutzung  der  Geldverlegen- 
heiten des  bisherigen  Inhabers,  kurz  zu  einem  Vorgange,  den 

19* 


284  R-  Fi'hi-  von  Mansberg: 

die  schlaffe  Verwaltung  der  böhmischen  Landvögte  nicht  zu 
hindern  vermochte,  um  so  weniger,  als  scheinbar  die  Ober- 
hoheit der  Krone  dabei  gewahrt  blieb.  Wenn  in  den  auf 
Zerreifsung  des  Landes  gerichteten  Bestrebungen  allmählich 
die  askanischen  Herzöge  von  Sachsen,  die  Erzbischöfe  von 
Magdeburg,,  die  schlesischen  Herzöge  zu  Glogau,  Krossen, 
Sagan  ausgeschaltet  wurden,  so  traten  dafür  die  Mächtigeren 
um  so  stärker  in  den  Vordergrund,  zwei  Dynastien,  welche 
beide  altberechtigte  Ansprüche  auf  das  ganze  Land  zu  haben 
vermeinten.  Die  Wettiner  hatten  nie  vergessen,  wie  einst 
die  Lausitz  durch  das  Schwert  ihrer  Ahnherren  gewonnen, 
von  ihnen  christianisiert  und  germanisiert  worden  war;  die 
Hohenzollern  betrachteten  sich  als  Rechtsnachfolger  der  er- 
loschenen Askanier  und  demgemäfs  berechtigt,  alles  wieder 
zu  erlangen,  was  diese  vormals  mit  Gold  oder  mit  Eisen 
erworben  hatten. 

Der  unverkennbar  zersetzende  Einflufs  von  aufsen,  im 
Innern  die  hin-  und  herschwankende  Haltung  der  Grofsen 
und  die  allgemeine  Neigung  zu  Gewalttätigkeiten  liefsen  bei 
der  kraftlosen  böhmischen  Verwaltung  zu  einem  allgemeinen 
chronischen  Leiden  werden  jene  Erscheinungen,  die  im  übrigen 
Deutschland  doch  nur  sporadisch  auftraten.  Es  werden  zwar 
Räuberromane  in  aller  Herren  Ländern  erzählt,  und  manche 
Plackergeschichten  beruhen  auch  anderswo  auf  beglaubigter 
Unterlage,  aber  nirgends  in  deutschen  Landen  hat  das  Un- 
kraut des  Fehdewesens  mit  Raub,  Mord  und  Brand  so  üppig 
gewuchert,  wie  gerade  in  der  Lausitz.  Hier  ist  es  weniger 
die  Keckheit  des  eigentlichen  Schnapphahnes  oder  Ritters 
vom  Stegreif,  weniger  die  Rauflust,  Beutelust  einzelner  grofser 
oder  kleiner  Herren,  was  uns  auffällt,  als  vielmehr  die  Zu- 
sammenrottung ganzer  Scharen  zu  dem  Zwecke,  mit  roher 
Gewalt  wirkliche  oder  erträumte  Ansprüche  auf  eigene  Faust 
durchzusetzen,  Raubzüge  im  grofsen  Stile,  um  Gleiches  mit 
Gleichem  zu  vergelten,  bisweilen  nur  aus  Rachedurst  wegen 
vermeintlicher  Kränkungen.  Demgemäfs  wurden  die  räube- 
rischen Einfälle  über  die  Grenze,  von  der  Lausitz  und  in  die 
Lausitz,  zu  ständig  sich  wiederholenden  Landplagen.  Dafs 
sogar  die  Nachbarfürsten  selbst  oder  ihre  Vertreter  an  der 
Spitze  derartiger  Einfälle  standen,  dafür  haben  wir  Beispiele 
gerade  aus  der  im  vorliegenden  Aufsatz  ins  Auge  gefafsten 
Zeit.  Wegen  eines  auf  ihn  gesungenen  Spottliedes  unternahm 
1445  der  Markgraf  von  Brandenburg  einen  Rachezug  in  die 
Herrschaft  Senftenberg,  1446  führte  des  deutschen  Ordens 
Vogt  oder  Statthalter  der  Neumark  nach  einem  verwüstenden 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440—1450.  285 

Einfall  in  die  Lausitz  eine  grofse  Beute  aus  dem  Lande, 
1448  überfiel  der  Herzog  von  Sachsen  Hoyerswerda,  um 
Rache  zu  nehmen  für  die  Wegführung  etlicher  Untertanen. 
Es  lag  ja  im  Kriegswesen  jener  Zeit,  dafs  alle  Unterneh- 
mungen, alle  Fehden  weniger  auf  Gefechte  oder  Schlachten 
gerichtet  waren,  als  vielmehr  auf  Raub  oder  Zerstörung  von 
Eigentum,  auf  das  Ergreifen  von  zahlungsfähigen  Gefangenen 
behufs  Erpressung  von  Lösegeld,  und  in  solcher  Auffassung 
unterschieden  sich  weder  Ritter  noch  Bürger,  weder  w^elt- 
liche  noch  geistliche  Fürsten.  Wenn  man  nicht  vergifst,  dafs 
zahllose  Fehden  entweder  gar  nicht  oder  kaum  andeutungs- 
weise im  urkundlichen  Material  Erwähnung  finden,  so  kann 
man  sich  annähernd  vorstellen,  wie  furchtbar  das  Land  unter 
solchen  Heimsuchungen  leiden,  wie  traurig  die  wirtschaft- 
liche Lage  sich  gestalten  mufste.  Die  letztere  spricht  mit 
erschreckender  Deutlichkeit  aus  der  Bagatelle  von  7859  Schock 
Groschen,  um  welche  der  König  Sigismund  ein  Land  von  der 
Gröfse  Mecklenburgs  verpfänden  konnte,  wenn  man  erfährt, 
dafs  wenig  später  das  winzige  Koburger  Ländchen  um 
42000  Goldgulden  eingegeben  wurde  als  Pfand  dem  Ritter 
Apel  Vitztum. 

Der  eben  erwähnten  Verpfändungsurkunde  hatte  König 
Sigismund  acht  Jahre  früher  (Koblenz,  30.  August  14 14)  einen 
Machtbrief ^)  voraufgehen  lassen,  in  welchem  er  die  beiden 
Landvögte,  Herrn  Hynko  Birke  zu  Leipa  und  Hansen  von 
Polenz  (der  Lausitzer  Linie  des  Geschlechtes  Polenz  an- 
gehörend), bevollmächtigte,  die  von  der  Lausitz  abgekom- 
menen Schlösser  mit  ihrem  Zubehör  an  sich  zu  bringen, 
,,inne  zu  behalden  und  zu  niefsen,  bis  daz  sie  von  uch  ofe- 
lediget  werden".  Hierauf  folgte  1422  (Nürnberg,  6.  Sep- 
tember) jene  berühmte  Urkunde'-),  nach  welcher  für  die 
dem  Könige  gemachten  Darlehen  im  Gesamtbetrage  von 
7859    Schock   Groschen   dem   Landvogte    Hans   von  Polenz"^) 


')  Wien,  k.  k.  Haus-,  Hol-  u.  Staatsarchiv. 

■^)  Orig.  in  Prag.  Königl.  Sachs.  Hauptstaatsarchiv  zu  Dresden 
—  künftig  zitiert  Dr.  oder  Dr.  W.  A.  (d.  h.  die  unter  der  Bezeichnung 
Wittenberger  Archiv  registrierte  Abteilung  des  Hauptstaatsarchivs)  — 
Kop.  1317  Ibl.  49.  Luckau  Ratsarchiv  vidim.  Abschnft  vom  Jahre  1424. 
Wiederholt  gedruckt,  so  bei  von  Raumer,  Cod.  cont.  I,  90. 

^)  Dem  nachfolgenden  Bruchstück  der  Stammtafel  der  Lausitzer 
Polenz  ist  hinzuzufügen,  dafs  Hansen  des  eisernen  Polenz  Mutter 
als  Hofmeisterin  der  Markgräfin  Katharina,  des  Königs  Sigismund 
Schwester,  bezeugt  ist  (Dresden,  Original  vom  5.  Januar": 370).  Dieser 
Beziehung  hatte  der  junge  Polenz  wohl  des  Königs  Gunst  zu  danken. 
Im  Jahre  1421  erscheint  derselbe  als  Münzmeister  zum  Kuttenberg,  wohl 


286  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

das  Fürstentum  zu  Lausitz  mit  allen  Herren,  Mannen,  Städten 
überwiesen  wurde  und  die  Verzinsung  seiner  Forderungen 
gedeckt  werden  sollte  aus  den  Einkünften,  aus  allen  Zinsen, 
Zöllen,  Renten,  Nutzungen  und  Gefällen,  welche  ihm  folgen 
sollten,  bis  der  König  oder  seine  Erben  die  Einlösung  vor- 
nehmen würden.  Der  König  ahnte  wohl  kaum,  dafs  volle 
40  Jahre  vergehen  könnten,  bevor  die  Lausitz  wieder  zurück 
an  die  Krone  von  Böhmen  gelangte.  Polenz  hat  von  den 
ihm  verliehenen  Rechten  den  ausgiebigsten  Gebrauch  .  ge- 
macht; als  äufserst  energischer  Kriegsmann  hat  er  nie  ge- 
zögert, sofort  mit  gewaffneter  Hand  das  zu  erringen,  was 
seiner  Botmäfsigkeit  entzogen  war  oder  entzogen  zu  werden 
drohte,  die  Willkür  der  Grofsen  mit  eiserner  Faust  gezügelt. 
Er  nahm  denen  von  Penzig  und  von  Gorenz  die  Herrschaft 
Senftenberg,  erwarb  Finsterwalde  von  Hans  von  Torgau, 
erhielt  vom  Landgrafen  Friedrich  dem  Jüngern,  als  dessen 
Beamter  er  seine  Laufbahn  begann,  die  Herrschaft  Mücken- 
berg, entrifs  dem  Herzog  Heinrich  von  Glogau  die  Burg 
Golfsen  mit  ihrem  Zubehör,  gewann  Kalau  mit  Waffengewalt 
und  vertrieb  die  Schenken  von  Land.sberg  aus  der  Herr- 
schaft Peitz.  Da  ihm  und  seinem  Vetter  Hermann  zu  Beesdau 
die  Stadt  Lübben  mit  ihrem  Zubehör  (unabhängig  von  der 
Verpfändung  des  Landes  Lau.sitz)  versetzt  war,  so  hatte  Hans 
in  wenig  Jahren  ein  ansehnliches  Stück  des  Landes  in  seinen 
unmittelbaren  Besitz  gebracht,  dazu  im  Nachbarlande  Rad- 
meritz,  Königsbrück,  Teile  von  Kamenz,  sogar  Ansprüche  auf 
Hoyerswerda')  erlangt,  auch  in  Böhmen  die  Herrschaft  Krinec 


nur  um  die  damit  verbundenen  Einnahmen  zu  geniefsen,  denn  schwer- 
lich wird    er    in  Böhmen  lange  Zeit  sich  haben   aufhalten  können 
(Dresden,  Originale  Nr.  5837  u.  5840  vom  5.  März  und  13.  April). 
Herinaiin  1283 

Hans  von  Polenczk 

zu  Polenz  bei  Meifsen 
erwähnt  1346,  1349,  1350 


Hermann 

Hauptmann  zu  Sommerfeld  1355  zu  Bazdorf  bei  Meifsen 


Uerniiinu  f  1435  »enzel  f  1430        Hans  der  eiserne  Polenz 

zu  Beesdau  -j-  1437 

Pfandherr  der  Lausitz  1422 


Hans  1!.  Nickel  Hermann        Wenzel  f  1404       .lakob  sen.        Jakob  jnn. 

zu  Beesdau  f  1460  zu  f  um  14Ö0  f  1475 

Landvogt  Knappendorf 

1437— 1448 

^)  Ob  Ho3'erswerda  damals  zur  Lausitz  oder  zum  Lande  Budissin 
gehörte,  darüber  war  man  sich  selbst  an  malsgebenden  Stellen  keines- 
wesTS  klar. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  287 

und  anderes  erworben.  Polenz  ist  in  der  Tat  eine  der  hervor- 
ragendsten Erscheinungen  seiner  Zeit  gewesen;  unter  günstigen 
Umständen  hätte  sein  Ehro:eiz  vielleicht  hohe  Ziele  sich  stecken 
dürfen,  aber  ihn,  wie  auch  seine  Zeitgenossen  drückte  der 
Mangel  am  Notwendigsten  zum  Leben  im  Kriege  und  Frieden: 
Papiergeld  war  noch  nicht  erfunden,  Staatsanleihen  kannte 
man  nicht,  die  Geldnot  war  allgemein.  Seine  kriegerische 
Tätigkeit  ohne  jede  Ruhe  und  Rast,  seine  zum  Teil  weiten 
Reisen  behufs  politischer  und  anderer  Vermittelungen  ver- 
schlangen ungeheure  Summen,  die  zehnprozentige  Verzinsung 
der  entliehenen  Gelder  war  schliefslich  nicht  mehr  zu  be- 
schaffen ohne  Gewaltakte,  so  oft  er  auch  neue  Quellen  zu 
öifnen  wufste,  wenn  die  alten  versiegten.  Bis  an  die  West- 
grenze Thüringens  und  nach  Böhmen,  Sachsen,  Schlesien 
erstreckten  sich  seine  Verpflichtungen  gegen  Fürsten  und 
Städte,  Ritter  und  Bürger,  und  als  gar  die  schreckliche 
Hussitennot  hereinbrach,  da  schlugen  die  Wogen  ihm  über 
dem  Kopfe  zusammen.  Im  Januar  1437  erlag  der  merk- 
würdige Mann  seiner  furchtbar  aufreibenden  Lebensweise, 
nachdem  er  die  Mehrzahl  seiner  Erwerbunoren  hatte  ver- 
pfänden  oder  verkaufen  müssen.  Seinen  beiden  Söhnen, 
Jakob  sen.  und  Jakob  jun.,  die  im  Kindesalter  von  etwa 
zwölf  und  neun  Jahren  standen,  hinterliefs  er  eigentlich  nur 
schwer  realisierbare  Ansprüche,  dagegen  ein  Heer  von  Gläu- 
bigern, von  denen  manche,  namentlich  der  Abt  zu  Dobrilug, 
sehr  unbequemer  Art  waren.  Diese  Sachlage  mufste  hier 
vorangeschickt  werden,  da  sie  uns  den  Gesichtspunkt  liefert 
zur  sachgemäfsen  Beurteilung  der  nun  eintretenden  ver- 
zwickten politischen  Lage  in  der  Lausitz. 

Dem  eisernen  Polenz  folgte  noch  im  selbigen  Jahre  sein 
Gönner  König  Sigismund  im  Tode  nach;  vorher  schon  war 
Hansens  Vetter,  Hermann  von  Polenz  zu  Beesdau,  sein  Bürge 
oder  Mitschuldner  in  den  meisten  Schuldbriefen,  Todes  ver- 
blichen unter  Hinterlassung  dreier  Söhne,  Hans,  Nickel,  Her- 
mann, von  denen  Nickel  alsbald  vom  König  Albrecht  als 
Landvogt  bestätigt  wurde,  zugleich  als  Vormund  der  beiden 
Jakobe,  der  nunmehrigen  Pfandinhaber  der  Lausitz,  nachdem 
die  Verhandlungen  über  Ablösung  des  Landes  bis  auf  weiteres 
vertagt  worden,  wie  König  Albrecht  in  seiner  Urkunde  vom 
22.  März  1439  ausspricht,  sieben  Monate  vor  seinem  Tode, 
der  am  27.  Oktober  erfolgte.  Im  Jahre  1440  lag  der  neue 
König  von  Böhmen,  der  Posthunius  Wladislaw,  in  Windeln 
in  der  Hofburg  zu  Wien  unter  Obhut  seines  Oheims,  eines 
Kaisers,  dessen  lange  Regierung  für  Deutschland  eine  ebenso 


2  88  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

lange  Leidenszeit  bedeutet.  In  Böhmen  selbst  lähmte  poli- 
tischer und  religiöser  Hader  alle  Kräfte  des  Landes  und  nur 
die  starke  Hand  eines  Gubernators,  wie  es  Georg  von  Kun- 
stat  zu  Podiebrad  war,  konnte  nach  und  nach  einigermafsen 
Ordnuno-  in  die  wirren  Verhältnisse  brino^en.  Die  Lausitz 
blieb  sich  selbst  überlassen,  d.  h.  in  einer  Lage,  welche  so- 
wohl den  Kurfürsten  von  Sachsen,  wie  den  von  Brandenbi;rg 
annehmen  liefs,  das  Land  werde  ihm  alsbald  wie  eine  reife 
Frucht  in  den  Schofs  fallen;  es  fragte  sich  nur,  wem  von 
den  beiden  Rivalen.  Damit  beginnt  ein  zehnjähriges  Intrigen- 
spiel, ein  bald  heimlich  glimmendes,  bald  hell  aufloderndes 
Feuer,  oft  unterbrochen  und  beeinllufst  durch  anderweite 
Verwicklungen,  namentlich  für  Sachsen  durch  einen  vergeb- 
lichen Feldzug  gegen  Luxemburg  und  hinfort  durch  den 
verhängnisvollen  Bruderzwist,  für  Brandenburg  durch  die 
Kämpfe  mit  Pommern  und  in  Franken.  Es  kommt  zu  schein- 
bar ganz  friedlichen  Pausen,  in  welchen  die  alte  Erbeinigung 
erneuert  werden  konnte,  sogar  Beistand  gegen  die  Feinde 
des  Rivalen  geleistet  und  die  Schwester  des  Sachsen  dem 
Brandenburger  (1441)  vermählt  wurde;  das  alles  hinderte 
jedoch  nicht,  dafs  man  den  Zankapfel  fortwährend  im  Auge 
behielt,  bald  schmeichelnd  und  streichelnd,  bald  rennend  und 
brennend  vorging,  bis  endlich  Zaudern  und  Zagen  auf  der 
einen,  Ergreifen  und  Wagen  auf  der  anderen  Seite  die  Ent- 
scheidung brachte.  Wenn  der  Volksmund  (oder  die  Nach- 
kommen) den  einen  der  beiden  Fürsten  trotz  seiner  unauf- 
hörlichen Kämpfe  den  Sanftmütigen  (Placidus)  genannt,  den 
andern  aber  den  Eisenzahn,  so  läfst  teilweise  in  diesen  Beinamen 
schon  das  Ergebnis  des  langen  Streites  sich  voraussehen. 

Ritter  Nickel  von  Polenz  hat  frühe  schon  eine  kampfes- 
frohe Natur  bekundet  und  ist  durchaus  keine  unbedeutende, 
zaghafte  Persönlichkeit  gfewesen;  allerding-s  der  über  alle 
Mafsen  schwierigen  Lage,  in  die  er  jetzt  geraten,  keineswegs 
gewachsen,  wie  er  selbst  sofort  erkannt  und  auch  bekundet 
hat.  Er  wufste  nur  zu  gut,  wie  unwillig  die  Grofsen  des 
Landes  einem  aus  dem  Dienstadel  hervorgegangenen  Land- 
vogte als  Herrn  des  Landes  sich  fügten,  seitdem  der  eiserne 
Polenz  im  Grabe  ruhte;  von  der  überkommenen  Schulden- 
last erdrückt,  empfand  er  nur  zu  deutlich  die  Schwere  der 
Aufgabe  ,, Schutz,  Schirm  und  Befriedung  des  Landes"  ohne 
alle  Hilfe  durchzuführen  und  dabei  seine  Mündel  vor  dem 
Schicksal  zu  bewahren,  vielleicht  als  Bettler  schmachvoll  das 
La;id  räumen  zu  müssen.  Wir  wissen,  dafs  er  diese  seine 
Empfindung  keinen  Augenbhck  verhehlt,  vielmehr  mit  gründ- 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  289 

liciiem  Nachweis  wiederholt  zum  Ausdruck  gebracht  hat. 
Die  ihm  dringend  geboten  erscheinende  Anlehnung  an  einen 
kraftvollen  Beschützer  hat  Ritter  Nickel  zunächst  in  Branden- 
burg suchen  zu  müssen  geglaubt.  Darob  kann  ihm  ein  Vor- 
wurf kaum  gemacht  werden,  um  so  weniger,  als  der  eben 
zur  Regierung  gelangte  Markgraf  Friedrich  IL  ein  besonderes 
Interesse  gerade  für  die  Lausitz  hat  merken  lassen.  Eine 
im  Berliner  Geheimen  Archive  bewahrte  Eingabe  branden- 
burgischer Agenten  ist  zwar  undatiert^),  sie  ist  jedoch  offen- 
bar Ende  1440  gefertigt,  wie  man  aus  den  Personen  der 
Erbarmannschaft  schliefsen  darf,  welche  sie  als  gut  branden- 
burgisch gesinnt  nennt  und  als  solche,  die  zugesagt  ,,das  sie 
mins  hern  Gnade  gehorsam  und  gewartig  sein  wollen,  als 
unser  man  im  lande  zu  Lusicz  uf  myns  hern  teyl''.  Unter 
d.esen  Mannen  wird  auch  Hans  von  Polenz  genannt,  des 
Ritters  Nickel  älterer  Bruder,  der  auf  Beesdau  safs,  einem 
seit  langer  Zeit  schon  in  Händen  der  Lausitzer  Polenze  be- 
findhchen  Gute,  das  später  an  Nickels  ältesten  Sohn  Kristofif 
und  dessen  Nachkommen  gelangte,  erst  am  Ende  des  18.  Jahr- 
hunderts an  die  von  Thümen  veräufsert  wurde.  Die  Er- 
wähnung beweist,  wie  damals  die  Lausitzer  Polenze,  nicht 
der  Landvogt  allein,  für  das  brandenburgische  Interesse  ge- 
wonnen waren.  Am  3.  Januar  1441  stellte  der  Markgraf 
Friedrich  einen  für  die  nächsten  drei  Jahre  geltenden  Schutz- 
brief aus,  in  welchem  ausdrücklich  betont  ist,  wie  der 
Markgraf  helfen  wird,  alle,  welche  sich  dem  Vogte 
widersetzen  und  vom  Lande  losreifsen  wollten  oder 
schon  losgerissen  hätten,  auf  eigene  Kosten,  doch 
mit  Hilfe  der  Lausitzer,  zum  Gehorsam  zu  bringen-). 
Ritter  Nickel  erklärt  in  seinem  Revers  vom  nämlichen  Tage, 
dafs  für  den  gewährten  Schutz  jährlich  zur  Weihnacht 
500  Gulden  in  Mittenwalde  erlegt  werden  sollen,  dafs  er, 
der  Landvogt,  dem  Markgrafen  zum  Dienst  und  zur  Hilfe 
bereit  sein  werde,  mit  ganzer  Macht  oder  solcher  Anzahl 
von  Leuten,  wie  das  seine  Gnade  von  ihm  begehren  würde. 
In  wie  engen  Beziehungen  zum  Markgrafen  Ritter  Nickel 
noch  geraume  Zeit  nach  Abschlufs  dieses  Vertrages  stand, 
folgt  daraus,  dafs  wir  ihn  in  den  Sommermonaten  des  Jahres 
1441  häufig  im  unmittelbaren  Gefolge  des  Fürsten,  als  Zeuge 
seiner  Urkunden  entdecken'*). 


1)  Geh.  Staatsarchiv  Berlin,  Manu.scripta  Bor.  Bd.  306  S.  152. 
•-)  Dr.W.A.  Log. 4353,  Niederlausitz. Sachen  BI.442.  von  Raumer, 
Cod.  cont.  I,  165. 

=)  Riedel,  Cod.  dipl.  Brand.  B.  IV. 


2QO  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

Begreiflicherweise  war  man  in  Sachsen  nicht  wenig  ent- 
rüstet über  das  Vorgehen  des  Markgrafen  von  Brandenburg; 
konnte  man  sich  hier  doch  auf  des  Königs  Albrecht  Auftrag 
berufen,  den  er  bereits  vor  Tabor  1438  dem  Herzoge  Fried- 
rich erteilt  und  in  Presburg  1439  dem  sächsischen  Gesandten 
wiederholt  hatte ^),  den  Auftrag  nämlich,  das  Land  Lausitz 
zu  schützen  und  zu  schirmen,  wie  es  nun  der  Brandenburger 
ohne  höhere  Genehmigung  auf  sich  genommen.  Da  man 
jedoch  sächsischerseits  versäumt  hatte,  eine  schriftliche 
Vollmacht  sich  auszubitten,  so  war  vorderhand  nichts  weiter 
zu  tun,  als  um  jeden  Preis  zu  verhindern,  dafs  der  Schutz- 
vertrag nach  Ablauf  der  drei  Jahre  wieder  erneuert  werde. 
Übrigrens  wollte  Herzog  Friedrich  wenio^stens  dem  Ritter 
Nickel  von  Polenz  zu  verstehen  geben,  dafs  man  das  Haus 
Sachsen  nicht  als  quantite  negligeable  beträchten  dürfe.  Er 
verlangte^)  von  ihm  die  sofortige  Entrichtung  von  500  Schock 
Gr.  auf  Grund  des  vom  Herzoge  am  25.  Juli  1436  mit  weiland 
Hans  von  Polenz  geschlossenen  Vertrags,  betreffend  den  ge- 
meinsamen Kriegszug  gegen  Peitz.  Zwar  entgegnete  Nickel''), 
dafs  der  Herzog  nicht  persönlich  vor  Peitz  erschienen,  und 
das  Schlofs  ohne  den  unmittelbaren  Beistand  der  sächsischen 
Truppen  erobert  sei,  allein  die  herzoglichen  Räte  wiesen 
diesen  Einwand  damit  ab,  wie  der  Herzog  ,,sine  vehdisbrieve 
von  -ym  hinweg  geschigkt  und  sich  mit  volge  und  allen  Sachen 
gancz  doreyn  gericht,  vor  das  sloz  zu  senden".  Auch  der 
Markgraf  von  Brandenburg  wurde  ersucht,  den  Ritter  Nickel 
zur  Erfüllung  seiner  Verbindlichkeiten  anzuhalten,  und  der 
Markgraf  versprach  (8.  Mai),  den  Polenz  zu  einem  Tage  nach 
"Wittenberg  mitzubringen,  um  die  Anforderungen  an  denselben 
zu  erledigen'').  Leider  kennen  wir  das  Ergebnis  dieses  Brief- 
wechsels nicht,  der  dem  Ritter  unbequem  genug  gewesen 
sein  mag;  aber  gewifs  stehen  damit  in  Zusammenhang  die 
um  wenig  später  auf  beiden  Seiten  der  Grenze  erfolgten 
Raubzüge  in  die  Pflege  Hain  und  in  die  Herrschaft  Senften- 
berg,  die  wir  leider  auch  nur  andeutungsweise  erfahren'^). 

Im  folgenden  Jahre  (1442)  bereits  machen  wir  die  über- 
raschende Wahrnehmung,  dafs  die  Beziehungen  Nickels  zu 
Brandenburg  erkalten,  dagegen  neue  Verbindungen  mit  Sachsen 


n  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  71  b. 
'■)  Dr.  Kop.  I   Bl.  284  und  vorher  Bl.  25. 
«)  Dr.  Kop.  I    Bl.  284  b. 
^)  Weimar,  Orig.  vom  8.  Mai  1441. 

•'')  Dresden,  Orig.  vom  18.  Dezember  1442,  und  W.  A.  Loc.  4353 
a.  a.  O.  Bl.  485. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  291 

angeknüpft  werden.  Der  Vermittler  war  hier  Wenzel  von 
Polenz,  des  Landvogts  Vetter,  der  aus  der  Lausitz  sich  nach 
Meifsen  gewendet,  schon  143 1  als  Untervogt  zu  Dresden, 
1437  als  Besitzer  von  Knappendorf  und  Volkersdorf  in  der 
Nähe  von  Dresden  erscheint.  Auf  seine  Mitteilung')  einer 
Rücksprache  mit  Ritter  Apel  Vitztum,  dem  Bevollmächtigten 
der  beiden  Herzöge  von  Sachsen,  entgegnete  (26.  März) 
Ritter  Nickel:  ,,das  es  mynen  vettern  und  mir  ganz  sinlichen 
ist,  das  land  zcu  vorphenden  vor  unser  gelt,  wo  wyr  kunnen, 
und  hoffen  den  willen  von  unser  gnedigen  frawen  der  koni- 
gyniien  (Elisabeth,  Erbin  von  Böhmen,  Königs  Albrecht  Witwe) 
wol  brengen  myt  ander  herren  und  frunde  hulffe".  Wirklich 
erschien  Nickel  am  15.  September  in  Schellenberg  und  er- 
klärte dem  Herzoge  für  sich  und  im  Namen  seiner  Mündel: 
„wie  das  sie  das  land,  alz  billichen  were,  nicht  wol  ge- 
schviczen  konden  und  sine  Gnad  gebeten,  dornach  zcu 
stellen  und  an  sich  zu  brengen".  Hierauf  ist  dann  ,,be- 
theidingt  und  vorschriben,  das  dieselben  voit  und  erben  das 
land  zcu  Lusicz  an  herczogen  Fridrichen  von  Sachsen  für 
eyne  sume  geldes,  dofur  das  land  vorpfendet  ist,  komen  lassen 
wollen  und  sollen".  Von  seiner  Reise  nach  Schellenberg  m 
die  Lausitz  zurückgekehrt,  empfing  Nickel  die  Meldung  von 
einer  während  seiner  Abwesenheit  ausgeführten  Gewalttat, 
die  ihm  einen  Vorgeschmack  dessen  gab,  was  er  von  dem 
brandenburgischen  Schutze  zu  erwarten  hatte.  Der  Mark- 
graf hatte  30  bis  40  Reisige  in  die  Herrschaft  Peitz  geschickt, 
der  Polenzische  Hauptmann  ihnen  Schlofs  und  Stadt  ver- 
räterisch geöffnet,  der  brandenburgische  Aar  hatte  eine  Beute 
ergriffen,  die  er  nicht  wieder  fahren  liefs.  Foltsch  von  Torgaw, 
dem  die  Herrschaft  Peitz  1436  durch  Hans  von  Polenz  als 
Pfand  für  eine  Forderung  von  2200  Schock  Gr.  überwiesen, 
empfing  später  eine  geringe  Entschädigung  vom  Markgrafen 
im  Namen  der  jungen  Polenze.  Der  ganze  Vorgang  liefert 
ein  anschauliches  Bild  von  der  Hilflosigkeit  des  Landvogtes 
in  einem  quasi  herrenlosen  Lande.  Am  25.  September  meldete 
Ritter  Nickel  das  ,,schelkliche  und  bösliche  gebaren"  dem 
Herzoge  von  Sachsen  mit  dem  bemerkenswerten  Schlufs: 
„Ab  nu  myn  herre  der  marggraffe  (von  Brandenburg)  von 
den  Sachen  (dem  Schellenberger  Vertrage)  icht  dirvaren  werde 
und  lichte  vordir  in  dis  land  meynte  zcu  gryfifen,  bitte  ich 
uwir  Gnade  als  myn  gned.  liben  hern,  das  widersteen  unde 
dis   land   unde   mich   in   uwer  Gnaden   schucz  zu  neme  unde 


')  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  486  u.  Bl  71b. 


2Q2  R.  Frhr.  von  Mansberg: 

uns  zcu  vortedinge,  nachdem  alz  ich  von  uwern  Gnaden  ge- 
scheiden  bin.  Das  wil  ich  uwer  Gnaden  dancken  vor  myner 
gnedigesten  frauwen  der  koniginne^)."  Obwohl  nun  die 
verwitwete  Königin  Elisabeth  ihre  Einwilligung  zu  dem  Ver- 
trage von  Schellenberg  erteilte,  so  machte  doch  ihr  bald 
darauf  eintretender  Tod  (19.  Dezember)  die  Abrede  hinfällig. 
Um  so  rücksichtsloser  fuhr  der  Markgraf  von  Brandenburg 
fort,  die  erlangte  Schutzherrschaft  entgegen  dem  Wortlaute 
des  darüber  geschlossenen  Vertrags  im  eigenen  Interesse 
auszubeuten.  Am  9.  Oktober  1442  nahm  er  Herrn  Hans  von 
Wiesenburg  mit  Schenkendorf  in  seinen  besonderen  Schutz, 
gleichzeitig  oder  wenig  später  auch  den  Schenken  Friedrich 
von  Landsberg  zu  Teupitz,  wie  aus  dem  Wortlaut  der  Be- 
stätigung des  Leibgedinges  seiner  Ehefrau  23.  Ajiril  1443 
hervorgeht.  Am  21.  Oktober  1443  folgte  die  Erklärung  des 
Schutzes  für  Herrn  Friedrich  von  Biberstein  mit  Beeskow 
und  Storkow  und  am  17.  Dezember  für  Herrn  Reinhard  von 
Kottbus  betreffs  seines  Anteils  an  der  Herrschaft  Kottbus'-), 
Wie  der  Markgraf  solche  Mafsnahmen  in  Einklang  zu  bringen 
vermochte  mit  seinem  Gelöbnis,  nicht  zu  dulden,  dafs  zu- 
gehörige Teile  vom  Lande  gerissen  würden,  bleibt  schwer 
verständlich,  denn  nichts  anders  bezweckten  diese  Separat- 
verträge, als  ein  Losreifsen  der  genannten  Gebiete  vom  Lande 
Lausitz,  wie  es  auch  die  Folge  bewiesen  hat.  Mit  solchen 
Verträgen  in  der  Tasche  konnte  der  Markgraf  einem  etwaigen 
Nachfolger  sehr  unbequem  werden,  wenn  möglicherweise  die 
Schutzherrschaft  des  ganzen  Landes  einem  andern  übertragen 
werden  sollte.  Ritter  Nickel  von  Polenz  ist  seitdem  nicht 
mehr  im  Unklaren  gebheben,  welche  Bedeutung  für  das  Land 
der  Schutz  eines  solchen  Herrn  eigenthch  habe;  wenn  er 
sich  jetzt  noch  nicht  förmlich  von  ihm  los  sagte,  so  unter- 
liefs  er  doch  die  Entrichtung  der  dritten  Rate  des  Schutz- 
geldes im  Dezember  1443  •^).  Erneuert  ist  der  Schutzvertrag 
jedenfalls  nicht,  aber  schwer  zu  erklären  ist  die  Tatsache, 
wie  Nickel  noch  am  i.  August  1445  sich  dazu  drängen  lassen 
konnte,  als  Landvogt  den  erblichen  Verkauf  der  Herrschaft 
Kottbus  mit  aller  geistlichen  und  weltlichen  Lehenschaft  an 
die    Markgrafen    von    Brandenburg    amtlich    zu    bekunden*). 


^)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a  a.  O.  Bl.  307  und  308. 

-)  Riedel  a.a  O.  B.  IV,  276;  A.  XI,  355;  A.  XX,  401.  von  Raum  er, 
Cod.  cont.  I,  i66,  209. 

^)  Weimar,  Orig.- Schreiben  des  Markgrafen  von  Brandenburg, 
vom   16.  Jvili   1444. 

^)  Berlin,  Orig. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440  —  1450.  20^ 

Allerdings  ist  es  die  letzte  Handlung  gewesen,  die  er  im 
Interesse  der  Brandenburger  vorgenommen  hat,  und  gewifs 
nicht  ohne  Zwang.  Seinem  Unmut  über  die  brandenburgischen 
Gewalttätigkeiten  Ausdruck  zu  verleihen,  hat  Nickel  Polenz 
sich  hinreifsen  lassen,  ein  Spottgedicht  anzufertigen,  das  er 
vertonen  und  .«fingen  hat  lassen,  eine  persönliche  Beleidigung, 
die  ihm  Markgraf  Friedrich  im  höheren  Grade  verübelte, 
als  alle  sonstigen  Maisnahmen.  Zwar  hat  er  zunächst  ver- 
gönnt, dafs  der  Herzog  von  Sachsen  Fürbitte  für  den  bösen 
Dichter  einlege,  dann  aber  sollte  dieser  in  seinen,  des  Mark- 
grafen, Hof  reiten,  persönHch  Abbitte  tun  und  Abtrag  leisten, 
d.  h.  soviel  Strafe  zahlen,  wie  ein  von  beiden  Fürsten  be- 
setztes Gericht  erkennen  würde  ^).  Als  Ritter  Nickel  wegen 
einer  Reise  zum  Kaiser  nach  Wien  mit  der  Abbitte  gezögert, 
geschah  der  Rachezug  des  Markgrafen  in  die  Herrschaft 
Senftenberg;  die  in  Rauch  aufgehenden  Dörfer,  die  Plünderung 
des  Landes  bildeten  die  Quittung  für  die  dichterische  Leistung 
des  Herrn  der  armen  Bewohner.  Überdies  nahm  jetzt  der 
Markgraf  lebhaft  Partei  für  den  unangenehmsten  aller  Polenz- 
schen  Gläubiger,  den  Abt  zu  Dobrilug,  der  nicht  nur  den 
Bann  und  sonstige  kirchliche  Strafen  wider  sie  verfügt  hatte, 
sondern  auch  beharrlich  die  70  Schock  Gr.  jährlicher 
Rente  verweigerte,  die  er  nach  des  Königs  Befehl  dem 
Landvogte  zu  entrichten  verpflichtet  war.  Seitdem  waren 
alle  Fäden  zerrissen,  welche  die  Polenze  an  Brandenburg 
knüpften,  sie  wandten  nunmehr  mit  Ernst  und  Gründlichkeit 
ihr  Interesse  den  Sachsen  zu. 

Im  Jahre  1446  erschien  Ritter  Nickel  von  Polenz  mit 
seinen  beiden  Vettern,  von  denen  der  ältere  Jakob  jetzt 
mündig  geworden,  auf  der  Burg  zu  Meifsen  vor  dem  Herzoge 
Friedrich.  Sie  verweilten  dort  14  Tage  und  schlössen  eine 
ganze  Reihe  von  Verträgen  ab,  um  vom  Herzoge  als  ge- 
kürten Schiedsrichter  etliche  Schiede  richten  zu  lassen -j. 
Als  solcher  bestimmte  der  Herzog  zunächst  (18.  Mai),  dafs 
die  Brüder  das  vom  Vater  ererbte  Schlofs  Senftenberg  ihrem 
Vetter  Nickel  um  1500  Schock  Gr.  in  Pfand  geben,  der 
ihnen  dafür  seinen  Mitbesitz  an  Lübben  überläfst,  allerdings 
unter  der  Bedingung,  dafs  die  Brüder  an  Eidesstatt  geloben, 
nichts  davon  zu  entfremden  ohne  Nickels  Wissen  und  Willen. 


1)  Dr.  W.  A.  Luc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  488. 

2)  Die  sämtliclicn  im  folgenden  Abschnitt  skizzierten  Verträge 
vom  18.  Mai  bis  i.  Juni  linden  sich  im  Hauptstaatsarchiv  zu  Dresden 
teils  als  selbständige  Originalurkunden,  teils  im  Wittenl)erger  Archiv 
Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  445—451,  auch  als  Einträge  in  den  Kop.  43  u  1317. 


294  ^'  ^^'^^'  "^°^^  Mansberg: 

Am  27.  Mai  versprachen  die  beiden  Brüder  und  ihr  Vetter 
Ritter  Nickel,  das  dem  Herzoge  Friedrich  von  ihnen  empfohlene 
Land  zu  Lausitz  keinem  anderen  als  genanntem  Fürsten  zur 
Lösung  zu  überlassen.  Aus  einer  Anlage  zu  dieser  Urkunde 
erfahren  wir  interessante  Einzelheiten  über  die  Schulden  der 
Polenze,  die  sich  hier  addieren  zu  der  für  die  damalige  Zeit 
gewaltigen  Summe  von  10  837  Schock  19  Gr.  (nach  dem 
Metallgevvichte  etwa  270000  heutige  Mark,  mithin,  bei  der 
mehr  als  zehnmal  so  hohen  Kaufkraft  des  Geldes  zu  jener 
Zeit,  über  drei  Millionen  Wert).  Am  folgenden  Tage  sprechen 
die  Brüder  ihren  Vetter  Nickel  los  und  ledig  aller  Geld- 
schulden, womit  er  ihnen  nach  laut  besiegelter  Zettel  ver- 
haftet war,  sie  fügen  hinzu,  dafs  ein  Amtmann  zu  Lübben 
nicht  blofs  auf  sie,  sondern  auch  auf  Ritter  Nickel  vereidet 
werden  soll  und  niemandem  Stadt  und  Amt  übergeben  darf 
ohne  Vollmacht  des  genannten  Ritters^).  Am  29.  Mai  bekennt 
der  Ritter  Nickel  dem  Herzoge,  in  dessen  Dienst  er  getreten, 
das  Öffnungsrecht  am  Schlosse  Senftenberg  mit  dem  Zusätze: 
„Ich  sal  und  wil  auch  mit  ganczem  ernsten  fliess  dorczu 
thun  an  allen  enden  und  steten,  wo  das  not  ist,  das  das 
land  Lusicz  mit  sinen  zcugehorungen  an  mynen  gnanten  hern 
von  Sachssen  kome  und  ym  verschriben  werde"  usw.  In 
seiner  Gegenurkunde  vom  selben  Tage  bekennt  der  Herzog, 
dafs  sein  Diener  Ritter  Nickel  sich  mit  dem  Lande  Lausitz 
in  des  Herzogs  Schutz,  Schirm,  Vertretung  begibt,  mit  dem 
Zusatz,  wie  er  sich  bemühen  werde,  dafs  die  jungen  Polenze 
,,bie  narung  blieben",  wie  er  ferner  seinen  ganzen  Einflufs 
bei  dem  deutschen  Orden  geltend  machen  werde,  auf  dafs 
der  Vogt  der  Neumark  Ersatz  leiste  für  die  aus  der  Lausitz 
weggeführte  Beute.  Am  i.  Juni  ordnete  der  Herzog  die 
Ansprüche  der  Gebrüder  von  Köckeritz  (Nickels  von  Polenz 
Schwäger)  zu  Drebkau,  deren  Vater  dem  weiland  Hans  von 
Polenz  1080  Schock  Gr.  geliehen,  welche  Summe  durch 
hinterstellige  Zinsen  auf  1360  Schock  angewachsen.  Diesen 
Verträgen    folgte    einige    Tage    später    eine    Beredung    der 


')  Denen  von  Polenz  zu  Beesdau  wurden  für  ihren  Anteil  an 
Lübben  40  Schock  böhmische  Groschen  von  der  königl.  Rente  der 
Stadt  Guben  überwiesen.  Zwar  hat  Markgraf  Friedrich  von  Branden- 
burg als  Pfandherr  der  Lausitz  diese  Rente  seinem  persönlichen 
Feinde  Nickel  von  Polenz  nicht  entrichten  lassen,  indessen  nach 
Nickels  Tode  auf  Bitten  der  Witwe  (Elena  von  Köckeritz)  und  Kinder 
zu  einer  Entschädigung  sich  herbeigelassen,  indem  für  die  inne- 
behaltenen  Renten  in  Summa  1300  rhein.  Gulden  der  Familie  zuge- 
standen wurden.     1468,  11.  November  (Berlin,  Rep.  28  Kop.). 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  295 

Polenze  mit  den  Bevollmächtigten  des  Herzogs  ni  Grofsen- 
hain,  aus  der  wieder  interessante  Streiflichter  auf  die  an  die 
Stuternheim,  Maltitz,  Torgau  verpfändeten  Schlösser  und  Ge- 
biete von  Golfsen,  Kalau,  Peitz  fallen;  wir  hören  die  über- 
raschende Mitteilung:  „Hoerswerda  ist  vorstorben  und  an 
Jacoff  undjacoflf  in  anfallswize  komen."  In  die  Lausitz  zurück- 
gekehrt, bekennen')  die  beiden  Brüder  (Lübben  11.  August), 
dem  Herzoge  Friedrich  von  Sachsen  recht,  redlich,  unwider- 
ruflich verkauft  zu  haben  Schlofs  und  Stadt  Senftenberg  mit 
allen  Zugehörungen  um  2000  Schock  neuer  schildechter 
Meifsner  Groschen,  unschädlich  dem  Leibgedinge  ihrer  Mutter 
(Margarete  von  Donyn,  wieder  vermählt  an  Otto  von  Kittlitz 
zu  Spremberg)  sowie  mit  dem  Vorbehalte,  dafs  der  Herzog 
selbst  alles  davon  Verpfändete  wieder  zu  lösen  habe. 

Aus  jeder  Zeile  dieser  Verträge  tönt  der  Notschrei  der 
von  ihren  Gläubigern  bedrängten  Polenze,  deren  Schuldmasse, 
durch  hinterstelhge  Zinsen  lawinenartig  anschwellend,  not- 
wendig zu  einer  Katastrophe  führen  mufste,  Rettung  um 
jeden  Preis  schien  ihnen  geboten,  von  einer  Bewahrung  und 
Beschirmung  des  ganzen  Landes  konnte  kaum  noch  die  Rede 
sein,  wie  die  Polenze  rückhaltlos  den  Ständen  der  Lausitz 
offenbarten.  Etliche  Herren,  sieben  an  der  Zahl  (Donyn, 
Kittlitz,  drei  Biebersteine,  Ileburg,  Wiesenburg)  wandten  sich 
hierauf  (24.  August)  an  den  römischen  Kaiser  als  Vormund 
des  jungen  Königs  von  Böhmen  mit  der  Meldung  ,,daz  unser 
voyt  Er  Nickel  von  Polenczk  mit  sampt  seynen  fettern  by 
uns  gewesen  seyn,  mit  clagen  vorbrengende,  wie  sy  daz 
land  zcu  Lusicz  umbe  irer  merglichen  unde  grosen  not 
willen  nicht  behalden  können"-).  Wenn  sie  der  Meldung  die 
Bitte  hinzufügen,  das  Land  nicht  von  der  Krone  kommen 
zu  lassen,  so  oftenbart  sich  ihr  dunkles  Vorgefühl,  dafs  weder 
die  Zollern  noch  die  Wettiner  einen  solchen  Einflufs  der 
Grofsen  auf  äufsere  und  innere  Politik,  überhaupt  solche 
Übergriffe  dulden  würden,  wie  sie  in  den  Ländern  der 
böhmischen  Krone  an  der  Tagesordnung  waren.  Befremdend 
wirkt  nun  zunächst,  wie  Herzog  Friedrich  von  den  ihm 
so  bereitwillig  dargebotenen  Rechten  gar  keinen  Gebrauch 
machen  zu  wollen  schien,  allein  man  darf  nicht  vergessen, 
dafs  im  vorigen  Jahre  der  Bruderzwist  im  Hause  Wettin 
angehoben,  dafs  gerade  jetzt  (Anfang  Juni)  Herzog  Friedrich 
zu    jenem    Rachezug    wider     die    Viztume     rüstete,     der   so 


*)  Dresden,  Kop.  13 17  fol.  62. 

•-)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  453. 


2g6  R.  Frhr.  von  Mansberg: 

empfindlich  seines  Bruders  Hochzeit  (20.  Juni)  störte^).  Vor 
Rosla  kam  es  zwar  diesmal  noch  zum  Stillstand  durch  Ver- 
mittlung des  Markgrafen  Albrecht  von  Brandenburg,  wie  denn 
überhaupt  in  der  ersten  Hälfte  des  Bruderkrieges  die  Branden- 
burger wiederholt  als  Friedensvermittler  dahin  gewirkt  haben, 
dafs  der  Zwist  nicht  die  bösen  Formen  des  späteren  Verlaufs 
annahm.  Diese  Sachlage  hat  wohl  den  Herzog  bewogen, 
überaus  bedächtig  die  Lausilzer  Frage  anzuschneiden,  denn 
bei  dem  Charakter  der  Brandenburger  Fürsten  wäre  eine 
Besitznahme  der  Lausitz  gewifs  gleichbedeutend  mit  einem 
völligen  Bruch  mit  diesem  Fürstenhause  gewesen.  Allerdings 
machten  die  sächsischen  Absichten  auf  die  Lausitz  diesen  Bruch 
unvermeidlich,  es  kam  jedoch  darauf  an,  einen  für  Sachsen 
günstigen  Augenblick  wahrzunehmen.  Zu  dieser  Erwägung  trat 
die  eigene  Geldknappheit  des  Herzogs,  der  etlichen  Fürsten 
Summen  hatte  entrichten  müssen  nur  für  die  Zusage,  still  zu 
sitzen  bei  dem  Bruderzwiste.  Er  war  nicht  einmal  in  der 
Lage,  den  bedungenen  Kaufpreis  für  Senftenberg  zu  zahlen, 
und  der  über  den  Kauf  geschlossene  Vertrag  blieb  vorder- 
hand  nur  eine  wohlverbriefte  Anwartschaft.  Vorsichtiger- 
weise suchte  man  sich  darüber  zu  vergewissern,  auf  wie  viele 
ur,d  welche  Anhänger  in  der  Lausitz  man  zählen  dürfe,  und 
und  so  erscheint  denn  am  4.  Januar  1447  eine  namentliche 
Liste  derjenigen,  ,,so  in  myns  hern  von  Sachssen  schutcze  vmd 
vortheidinge  sind";  unter  diesen  wird  auch  Hans  von  Polenz 
zu  Beesdau  genannt ,  das  Haus  Polenz  war  mithin  ganz  in 
das  sächsische  Lager  übergegangen"-).  Die  Zahl  seiner  An- 
hänger sowie  die  geschlossenen  Verträge  genügten  dem  be- 
dächtigen Herzoge  von  Sachsen  nicht,  er  glaubte  noch 
anderer  einwandfreier  Unterlagen  zu  bedürfen,  bevor  er  zu 
einer  entscheidenden  Tat  zu  schreiten  gedachte.  Den  eigent- 
lichen Rechtstitel  sollte  ihm  sein  Schwager,  der  Kaiser 
Friedrich,  liefern.  Freilich  von  allen  deutschen  Kaisern  war 
gerade  Friedrich  derjenige,  der  es  am  wenigsten  verstand, 
das  Ansehen  der  Reichsgewalt  geltend  zu  machen;  immerhin 
glänzte  der  Nimbus  des  heiligen  Reichs  noch  stark  genug, 
um  seinem  kaiserlichen  Befehle  Rechtskraft  zu  verleihen, 
zumal  dieser  Kaiser  des  jungen  Böhmenkönigs,  des  eigent- 
lichen Herrn  der  Lausitz,  Vormund  war.  Die  Verhandlungen 
mit   dem   kaiserlichen   Schwager   zogen    sich    in    bedenkliche 


^)  Härtung  Kammermeister,  herausg.  von  Reiche,  S.  79. 
2)  Dr.  W.  A.  Loc.  4350  Brandbg.  Sachen,    Bl.  igyaa;  Loc.  4353 
a.  a.  O.  Bl.  61;  Kop.  1317  fol.  51. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  2^y 

Länge  und  wurden  nicht  ohne  Mifstrauen  geführt,  wie  es 
bei  dem  kleinlichen  Charakter  dieses  Kaisers  erklärlich  ist; 
wiederholt  glaubte  man  in  Sachsen,  er  wolle  die  Lausitz  für 
sich  selbst  zu  gewinnen  suchen.  Endlich  am  MichaeHstage 
1448  erschien^)  das  kaiserliche  Mandat,  welches  anknüpfend 
an  die  Genehmigung  der  verstorbenen  Königin  Elisabeth  den 
Übergang  des  Pfandrechtes  aus  den  Händen  der  Polenze 
an  den  Herzog  von  Sachsen  verkündigte  und  diesen  als  Ver- 
weser bestätigte  auf  so  lange,  bis  König  Wladislaw  oder 
seine  Erben  die  Wiederlösung  vornehmen  würden.  Bald 
nach  des  Kaisers  Machtbrief  traf  auch  sein  Botschafter, 
Ritter  Reinprecht  von  Ebersdorf,  ein ,  um  als  kaiserlicher 
Kommissar  die  Ausführung  des  Mandates  zu  regeln.  Beide, 
Brief  und  Botschafter,  erschienen  zu  spät,  um  noch  von 
unmittelbar  praktischer  Wirkung  zu  sein,  denn  inzwischen 
waren  die  Würfel  gefallen  zu  Gunsten  Brandenburgs. 

Selbstverständlich  war  den  armen  Polenzen  mit  dem. 
sächsischen  Zaudern  und  Zagen  in  keiner  Weise  gedient. 
Im  Laufe  des  Jahres  1447  erscheint  Nickel  wiederholt  im 
Meifsner  Lande,  wie  wir  aus  den  sächsischen  Hofrechnungen 
erfahren;  zu  seinen  mündlichen  Vorstellungen  gesellten  sich 
bitterlich  klagende  Schreiben  und  Gesuche,  den  wichtigsten 
aller  Punkte,  den  Geldpunkt,  nach  Laut  der  Verträge  zu 
erledigen.  Mit  Anbruch  des  Jahres  1448  hatte  die  Hilf- 
losigkeit der  Polenze  bis  zur  Unerträglichkeit  sich  gesteigert, 
am  16.  August  warfen  Nickel  und  Jakob  der  Ältere  dem 
Herzoge  vor,  wie  die  Verhandlungen  mit  seinen  Räten  zu 
keinem  bestimmten  Ergebnis  geführt,  wie  sie  dadurch  täglich 
tiefer  in  Not  gerieten:  ,,so  muessen  wir  vorsuchen,  wo  wyr 
unser  bestes  gethun  können,  und  bitten  uwer  Gnade,  uns 
hirinne  nicht  zu  vordengken,  wenne  uwer  Gnade  unser  not 
dicke  und  vü  von  uns  wol  gehört"-).  Wie  genau  der  Mark- 
graf von  Brandenburg  über  die  geheimen  Abmachungen  der 
Polenze  mit  dem  Herzog  von  Sachsen  unterrichtet,  hat  er 
diesem  selbst  offenbart.  Als  Herzog  Friedrich  unter  dem 
Vorgeben,  seine  gefangenen  Untertanen  zu  befreien,  Herrn 
Wilhelm  von  Schonenburg  1448  überfiel,  erschien  im 
sächsischen  Lager  vor  der  Veste  Hoyerswerda  am  19.  Juli 
der  Markgraf  von  Brandenburg  mit  grofsem  kriegerischen 
Gefolge.      Obermarschall    Ritter  Jorge    von    Bebenburg    hat 


^)  Dresden,  Orig.  7048. 

-)  Dr.  W.  A.  Loc.  4343   a.  a.  O.  Bl.  i37d.  e.;  Loc.  4353  a.  a.  O. 
Bl.  484  und  485. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    }.  4.  20 


2q8  R.  Frhr.  von  Mansberg: 

die    mündliche   Verhandlung    daselbst  mit    seinem   Siegel    zu 
Protokoll  gegeben^)  nachgehends  auf  dem  Tage  zu  Jüterbock 

(15.  Juni  1449): 

Under  andern  reden  hat  myn  herre  von  Brandenburg  gesprochen: 
„Lieber  swager,  wir  haben  verstanden,  wie  ir  mit  den  von  Polenczk 
umb  das  land  zu  Lusicz  viberkomen  seyt  und  uch  mit  yn  vortragen 
und  voreynt  habt  hinder  uns,  das,  wir  meynen,  nicht  sin  solde, 
nachdem  wir  uns  vertragen,  vereynt  und  einander  zugesagt  haben." 
Daruff  antwort  ich,  Jorge  von  Bebenburg,  anstad  und  von  bevelh- 
nisse  meyns  gned.  hem  von  Sachsen,  er  hette  sich  mit  den  von 
Polenczk  vereint,  vertragen  und  das  land  umb  sie  gekoufft,  uwirn 
Gnaden  und  ym  zu  nvicze  und  zu  gute.  Nu  uwer  Gnade  aber 
veniieynt,  das  myn  gn.  herre  das  geverlich  und  uch  zu  schaden 
getan  habe,  so  wil  er  uwirn  Gnaden  die  wale  und  kure  geben,  ab 
ir  das  land  alleyne  behaldet  vor  uch  selbst  in  alle  der  forme  und 
masze,  als  er  mit  den  von  Polenczk  uberkomen  ist  und  yn  das 
abegekoufft  hat,  ader  wil  das  vor  sich  seibist  behalden.  DaraufF 
fragt  myn  herre  von  Brandenburg,  wie  er  mit  yn  uberkomen  wer 
und  das  land  gekoufft  hette.  Do  antwort  ich  uff:  vor  i4  ader  16  tusent 
schok.  Antwert  myn  herre  von  Brandenburg,  das  wer  zuvyl,  er  wolt 
is  wol  neher  bekomen  sin.  Daruff  antwert  ich  von  myns  hem  von 
Sachsen  wegen,  das  Er  Nickel  von  Polenczk,  der  were  siner  Gnade 
gesworner  rate,  JacoÖ'  und  Jacoff  sin  hofgesinde  und  diener,  und 
wolde  sie  ye  von  dem  lande  ane  gelt  nicht  dringen  ader  dringen 
lassen,  und  ab  das  nicht  wer,  wolt  er  ader  sust  ymands  von  dem 
Iren  ane  gelt  nicht  dringen.  Daruff  antwert  m}!!  herre  von  Branden- 
burg, des  geldes  were  ye  zuvyl;  was  myn  antwert:  Senfftenberg 
mit  ingerechent,  das  myn  herre  erblich  gekoufft  hette.  Daruff 
antwert  myn  herre  von  Brandenburg,  er  hette  syne  eldisten  rete  nicht 
bie  vni  und  wolde  sich  danmib  bedencken. 

Sächsischerseits  ist  später  behauptet  worden,  der  Mark- 
graf habe  erklärt,  binnen  drei  Wochen  seine  Entscheidung 
bestimmt  auszusprechen,  allein  dieser  Behauptung  haben  die 
brandenburgischen  Räte  entschieden  widersprochen'-),  vielleicht 
mit  Recht,  denn  der  Markgraf  hat  in  der  Tat  niemals  die 
Absicht  gehabt,  eine  so  hohe  Summe  zu  zahlen.  Er  suchte 
einen  anderen  Weg,  der  ihn  billiger  zum  Ziele  führte,  und 
er  hat  ihn  gefunden.  Ein  überaus  unkluger  Streich  der  jungen 
Polenze  lieferte  ihm  dazu  die  Handhabe. 

Am  II.  Oktober  meldet'^)  der  ältere  Jakob  dem  Herzoge 
von  Sachsen,  wie  er  mit  seiner  Stadt  Lübben  in  Zwietracht 
geraten  sei,  dafs  die  Bürger  (vermutlich  die  für  Branden- 
burg gewonnene  Mehrheit)  ,,groszen  errethom  gemacht  wulden 
haben"  bezüglich  der  Polenzschen  Gerechtsame  an  Stadt  und 
Land.     Jakob    habe    nicht    mehr    zögern   dürfen,    sich    nach 


')  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  292  und  Kop.  1317. 
-)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  145  b. 

")  Dr.  W.  A.    Loc    4353   a.  a.  O.   Bl.  471    und  472,  auch  Bl.  76. 
Namenliste  der  Plünderer  Bl.  89. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  299 

Hilfe  umzutun,  wie  es  der  Herzog  näher  von  seinem  jüngeren 
Bruder  mündlich  vernehmen  und  entschuldigen  werde.  Dieses 
Nähere  erfahren  wir  aus  dem  amtlichen  Berichte,  welchen 
am  12.  Oktober  der  Landvogt,  Mannschaft  und  Ratmanne  um 
und  in  Luckau,  Guben,  Kalau,  Sommerfeld  an  den  Herzog 
Friedrich  senden.  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  durch  Ver- 
mittlung Wenzels  von  Polenz  zu  Knappendorf  hatten  aus 
dessen  Nachbarschaft  etliche  Mannen,  Bürger  und  Knechte 
sich  bewegen  lassen,  den  Brüdern  Polenz  zur  Hilfe  zu  eilen, 
selbstverständlich  gelockt  durch  die  Aussicht  auf  reichen 
Gewinn  von  diesem  Kriegszuge.  Die  Stadt  Lübben  hatte 
der  Schar,  die  auf  etwa  500  Köpfe  beziffert  wird,  am  9.  Ok- 
tober die  Tore  geöffnet  nach  ihrer  Erklärung,  dafs  sie  zum 
Beistande  kämen  wider  den  die  Stadt  befehdenden  Herrn 
von  Bieberstein.  Als  nun  der  vielleicht  verheifsene,  jeden- 
falls verhoffte  Lohn  den  Abenteurern  nicht  wurde,  haben 
diese  zu  dem  in  der  Lausitz  damals  beliebten  Mittel  gegriffen, 
dem  Auspochen,  mit  welchem  technischen  Ausdruck  man 
eine  gründliche  Ausplünderung  bezeichnete.  Die  Stadt  war 
in  ihren  Händen,  die  Bürgerschaft  gröfstenteils  hinausgejagt. 
Der  Herzog  von  Sachsen  wird  deshalb  in  des  Landvogts 
Schreiben  dringend  ersucht,  seinen  Untertanen  zu  gebieten: 
,,das  sy  unsers  gnedichin  hern  des  konigs  stad  unverruckt 
entrewmen".  Was  nun  weiter  geschah,  erfahren  wir  aus 
dem  Munde  des  Markgrafen  von  Brandenburg,  dessen  freilich 
gefärbte  Mitteilung  an  den  kaiserlichen  Botschafter,  Ritter 
Reinprecht  von  Eberstorff,  dieser  dem  Herzog  von  Sachsen 
zustellen  liefs: 

Uf  sulch  zcyt  warn  wir  uff  eyn  wagen  zcu  ablas  (d.  h.  gen 
Wilsnack)  gefarn-;  so  wir  heym  qwomen,  wurden  wir  ersucht  von 
den  inwonern  des  seibesten  landes  und  hochlich  ermanet:  „Gnediger 
herre,  uwer  Gnade  stuere  vind  were  dy  grosse  unfuge!"  In  der  zeit 
wir  winczig  der  unser  by  uns  hatten,  sunder  wir  sterketen  uns,  so 
wir  best  mochten,  und  belagerten  mit  unsern  mannen  und  steten 
beide  tor  (von  Lübben).  Under  des  schickte  zcu  uns  unser  swager 
von  Sachsen  sin  rete  und  lisz  uns  sagen,  wir  solden  unsern  vlisz 
tun  dorczu,  er  weldt  uns  helffen,  was  er  mochte,  und  solden  ym  die 
herusz  geben,  die  sulch  unfuge  gethan  hetten.  Wir  erkanten  auch 
wol,  das  dy  stad  faste  wer,  wir  besorgitten  uns,  wir  mochten  die 
ajie  grosz  arbeit  und  swer  zcerung  nicnt  gewinnen.  Wurden  wir 
rates,  das  wir  den  Polenczern  vor  sulch  summe  geldes,  dy  yn  uflf 
das  land  zcu  Lvisicz  verschoben  was,  dorumb  ein  ander  gut 
antaten  unde  yn  das  verschriben  haljen.  Do  traten  sie 
uns  das  land  abe  und  varjehan  sich  das.  Nach  solch  abetretunge 
haben  wir  uns  das  landes  unterwunden  und  ingenomen^). 


')  Dr.  W.  A.    Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  79. 


OQO  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

Die  letzte  Zeile  liefert  den  Schlüssel  zu  dem  alle  Welt 
überraschenden  Eingriffe  der  Brandenburger,  der  die 
sächsischerseits  mit  unendlicher  Vorsicht  und  Rücksicht  ge- 
sponnenen Fäden  mit  einem  Schlage  zerrifs.  Zweifellos 
liegt  hier  ein  roher  Gewaltstreich  ohne  jede  Berechtigung 
vor,  vom  politischen  Standpunkt  jedoch  blitzschnelles  Er- 
kennen und  gewandtes  Ausbeuten  einer  über  alles  Erwarten 
günstigen  Gelegenheit,  zumal  der  Markgraf  seinem  ent- 
scheidenden Schritte  alsogleich  eine  rechtliche  Unterlage  zu 
geben  verstand. 

Am  meisten  von  allen  scheinen  die  beiden  jungen  Polenze 
überrumpelt,  wie  geistesabwesend  geworden  zu  sein,  sie 
hatten  urplötzlich  alles  vergessen,  was  sie  vor  zwei  Jahren 
förmlich  gelobt  und  verbrieft  hatten,  bei  ihrer  Jugend  und 
Unerfahrenheit  liefsen  sie  widerstandslos  sich  zu  allem  herbei, 
was  man  ihnen  diktierte.  Von  ihnen  liegen  zwei  Quittungen 
vor  im  Geheimen  Staatsarchiv  zu  Berlin^);  in  dem  Original 
vom  i8.  Oktober,  dem  Tage  der  Einnahme  von  Lübben, 
bekennen  die  Brüder,  ihre  Stadt  und  Schlofs  Lübben  ver- 
kauft zu  haben  um  lo  ooo  Gulden  an  den  Markgrafen  Friedrich, 
in  der  zweiten  vom  19.  Oktober  bescheinigen  sie  demselben 
die  Zahlung  von  16  000  guten  Schock  Gr.  für  Überlassung, 
Verkauf,  Überweisung  ihrer  Gerechtigkeit  an  Herren,  Prälaten, 
Städte  und  Mannschaft  des  Landes  zu  Lausitz.  Beide 
Quittungen  sind  eitel  Flunkerei,  lediglich  verfafst,  um  als 
Besitztitel  den  Sachsen  vorgelegt  zu  werden,  diese  vor  eine 
vollendete  Tatsache  zu  stellen.  Was  den  ersten  Posten  betrifft, 
so  empfingen  die  Polenze  ganz  gewifs  nicht  10  000  Gulden, 
wahrscheinlich  nur  2700,  denn  um  diese  Summe  wurde  Lübben 
vom  Markgrafen  sogleich  verpfändet  an  den  brandenburgischen 
Ritter  Hennig  Quast'').  Was  den  zweiten  Posten  betrifft,  so 
haben  die  Polenze  überhaupt  gar  kein  bares  Geld  für  ihr 
Pfandrecht  erhalten,  sondern  ,,ein  ander  gut  yn  verschriben", 
wie  der  Markgraf  selbst  dem  Ritter  Reinprecht  von  Eberstorflf 
mitteilte.  Dieses  Gut  bestand  in  dem  Schlosse  Sarmund 
mit  Zubehör  (in  der  Mittelmark),  über  welches  die  Polenze 
am  4.  Mai  1449  ihren  Revers  gaben''^),  ein  Wertobjekt,  das 
ihren  Erben  mit  5000  Gulden  abgelöst  werden  sollte,  einer 
Summe  Geldes,  die  etwa  11  Prozent  der  in  der  obigen 
Quittung   genannten   Abfindungsumme   beträgt.      Bemerkens- 


1)  Berlin,  Orig.  und  Kop.  19  Bl.  149. 

-)  Berlin,  Kop.  19  fol.  149  (Lösung  am  17.  November  1461). 

'^)  Berlin,  Orig. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  301 

werterweise  haben  die  Brüder  Polenz  elf  Wochen  später 
(3.  Januar  1449)  abermals  bescheinigt'),  16000  Schock  Gr. 
empfangen  zu  haben  vom  Markgrafen  für  Überlassung  der 
von  ihrem  Vater  ererbten  Ansprüche  auf  die  Lausitz  und 
für  ihr  Erbgut  Senftenberg.  Der  letzte  Zusatz  beweist,  dafs 
ebenfalls  diese  (im  Original  noch  vorhandene)  Urkunde  ein 
ad  hoc  gefertigter  Humbug  war.  Auch  derjenige,  welcher 
Energie  und  Kühnheit  der  Politik  des  Eisenzahns  anerkennt, 
wird  schwerlich  Gefallen  finden  an  den  urkundlich  verbrieften 
Täuschungen  im  Punkte  des  Geldgeschäfts,  fragen  aber  ward 
jeder,  wie  es  nur  möglich  war,  dafs  die  tief  verschuldeten 
Polenze  für  einen  wahren  Pappenstiel  ihre  hohen  Ansprüche 
hingeben  konnten.  Eine  Urkunde  vom  27.  April  1449  erteilt 
uns  die  Antwort-):  der  Markgraf  gewährt  den  Brüdern  Jakob 
und  Jakob  von  Polenz  einen  merkwürdigen  Geleits-  und 
Befreiungsbrief  durch  alle  seine  Lande,  kein  Gericht 
darf  ihrer  Schulden  wegen  einen  Prozefs  wider  sie 
anstrengen  oder  überhaupt  bekunden.  Das  bedeutet 
nichts  geringeres,  als  dafs  die  Brüder  auf  ein  Mal  ihrer  unge- 
heuren Schuldenlast  los  und  ledig  waren,  denn  kein  Gläubiger 
konnte  sie  erreichen,  wenigstens  nicht  in  den  branden- 
burgischen Landen  verfolgen.  Im  Jahre  145 1  wird  nochmals 
eine  Zahlung  von  1000  rhein.  Gulden  registriert,  welche  Hans 
von  Bredow  für  den  Markgrafen  an  die  Brüder  Polenz  ent- 
richtete, auch  Foltsch  von  Torgaw  hat  von  wegen  seiner 
Verw^andten  Jakob  und  Jakob  von  Polenz  1449  seine  knappe 
Entschädigung  für  den  Verlust  der  ihm  verpfändeten  Herr- 
schaft Peitz  empfangen'''),  im  übrigen  ist  keine  weitere  Ver- 
gütung an  die  Polenze  gereicht,  jedenfalls  nirgends  registriert. 
Der  Markgraf  von  Brandenburg  hatte  mit  ungewöhnUch 
geringen  Kosten  das  Ziel  erreicht,  nach  dem  er  seit  acht 
Jahren  strebte;  in  der  Hauptsache  haben  die  Polenzschen 
Gläubiger  und  das  Land  Lausitz  die  Zeche  bezahlen  müssen, 
indem  auch  für  den  Ritter  Nickel  von  Polenz  der  Herzog 
von  Sachsen  am  i.  Mai  1449  erklärte,  wie  er  nicht  dulden 
werde,  dafs  jemand  wider  den  genannten  Ritter  wegen  der 
für  Jakob  und  Jakob  von  Polenz  aufgenommenen  Schulden 
vorgehe"*). 

So   ganz   glatt,    wie  des  Markgrafen   Bericht   an   Ebers- 
dorf uns  glauben  macht,   kann   die  Besitznahme   der  Lausitz 


1)  Berlin,  Orig. 

-)  Berlin,  Kop.  19  Bl.  23. 

»)  Riedel  a.  a.  O.  A.  XII,  369;  Berlin,  Orig. 

*)  Dr.  Kop.  43,  Bl.  112b  und  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  457. 


002  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

am  i8.  Oktober  doch  nicht  verlaufen  sein.  Wenigstens  hat 
der  Landvogt  Ritter  Nickel  von  Polenz  mit  etlichen  An- 
hängern nicht  ohne  blutigen  Widerstand  das  Feld  geräumt, 
was  namentlich  daraus  hervorgeht,  dafs  er  selbst  dabei 
schwer  verwundet  wurde  und  nach  Luckau  zu  einem  Wund- 
arzte geschafft  werden  mufste.  Bei  dem  Arzte  hat  er  volle 
drei  Wochen  darnieder  gelegen,  erst  am  7,  November  konnte 
er  sich  auf  einem  Wagen  gen  Senftenberg  führen  lassen^). 
An  seinem  Schmerzenslager  in  Luckau  erschienen  bereits 
am  20.  Oktober  die  brandenburgischen  Räte,  Kammermeister 
Jorge  von  Waidenfels  und  Heyne  Pfuel,  mit  der  Forderung, 
sofort  Senftenberg  wieder  abzutreten  an  seine  Vettern  Jakob 
und  Jakob,  auf  welche  Forderung  Nickel  schriftlich  erklärte, 
dafs  er  zu  diesem  Abtreten  bereit  sei,  sobald  ihm  die  in 
des  Herzogs  von  Sachsen  Ausspruch  (Mai  1446)  bedingten 
1500  Schock  Gr.  gezahlt  würden;  die  Räte  haben  ihm,  wohl 
mit  Rücksicht  auf  seinen  Zustand,  eine  achttägige  Waffen- 
ruhe zugestanden-).  Der  in  Senftenberg  als  Nickels  Ver- 
walter hausende  Vetter  Wenzel  hat  einen  offenbar  auf- 
gefangenen Brief,  dann  am  18,  Oktober  einen  zweiten  uns 
erhaltenen  Brief  an  den  Herzog  von  Sachsen  gesendet,  in 
diesem  auf  die  ganze  Gröfse  der  Gefahr  hingewiesen,  hierauf 
sich  in  Person  zu  dem  Fürsten  nach  Wittenberg  begeben. 

Am  19.  Oktober  meldeten  die  herzoghchen  Räte,  Ritter 
Heinrich  von  Maltitz  zu  Finsterwalde  und  Hans  von  Köckeritz 
zu  Elsterwerda,  die  Einnahme  von  Lübben  und  die  Absicht 
der  Brandenburger,  demnächst  vor  Senftenberg  zu  rücken 
,,das  slos  zu  brechen.  Gnediger  liber  herre,  darumb  so 
sume  uwir  Gnade  nicht  und  schigket  uch  hyczu".  In  einem 
zweiten  Briefe  meldete  Hans  von  Köckeritz;  ,,das  ich  am 
Suntage  (20.  Oktober)  um  eyns  kegn  Senftenberg  bj-n  komen 
yn  d}-  vorstat  und  hette  gehoft,  ich  funde  Wenczelen  von 
Polencz  da.  Alze  was  her  czu  uwir  Gnaden,  alze  s}^  mich 
bericht  haben.  Ich  derschrag  is  aber  serre  umb  uwir 
Gnade  willen ,  denne  ich  furchte ,  d}'  dyner  syn  dy  halden 
nicht  hart  bis  an  uwer  Gnade  czukunft.  Darumb  so  schigket 
Wenczelen  er  besser  wider  daher  und  trefft  mit  om  eyn 
ende,  das  Senftenberg  an  uwer  Gnade  kome"^).  Herzog 
Friedrich,  dem  jetzt  der  bittere  Ernst  der  Lage  klar  wurde, 
namentlich  die  Notwendigkeit,  schleunigst  das  bedrohte  Senften- 


1)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a  a.  O.  ßl.  477. 

2)  Berlin,  Orig. 

'j  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  304  und  Bl.  479. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  503 

berg  zu  retten,  schickte  dorthin  den  Ritter  Jan  von  Schleinitz 
mit  ausgedehnten  Vollmachten.  Dieser  meldete  bald  nach 
seiner  Ankunft^),  wie  der  Ritter  Nickel  ,, faste  hart  wund" 
am  7.  November  dort  auf  einem  Wagen  eingetroffen  sei, 
worauf  sofort  die  Verhandlungen  wegen  Übergabe  des 
Schlosses  begonnen.  Am  8.  November  erschienen  die 
sächsischen  Kommissare,  Ritter  Heinrich  von  Bünau  zum 
Wesenstein  und  Hans  von  Köckeritz  zu  Elsterwerda,  um  mit 
Nickels  Bevollmächtigten,  seinem  Vetter  Wenzel  von  Polenz 
und  seinem  Schwager  Hans  von  Köckeritz  zu  Drebkau,  die 
einzelnen  Mafsnahmen  und  Bedingungen  der  Übergabe  des 
Schlosses  mit  allem  Zubehör  zu  regeln,  welche  Übergabe  in 
aller  Form  am  folgenden  Tage  vor  sich  ging-j.  Der  Vogt  zu 
Grofsenhain,  der  bereits  auf  Schleinitzens  Befehl  mit  12  Reisigen 
herangetrabt  war,  wurde  angewiesen,  die  Besatzung  sofort 
um  44  Trabanten  zu  verstärken,  der  Kammermeister  Balthasar 
Arras  erschien  am  11.  November  mit  dem  Gelde'^).  Man 
darf  indes  nicht  glauben,  dafs  der  letztere  1500  Schock  Gr. 
mitbrachte.  Ritter  Nickel  hat  aller  Wahrscheinlichkeit  nach 
in  Summa  nur  1200  Schock  empfangen  oder  den  nämlichen 
Betrag,  um  welchen  ihm  nachgehends  wieder  Schlofs  und 
Herrschaft  Senftenberg  vom  Herzoge  verpfändet  wurde,  aber 
auch  diese  Summe  keineswegs  in  barem,  sondern  ihm  wurden 
Schlofs  und  Herrschaft  Wehlen  um  1300  Gulden,  Amt, 
Gericht  und  Vogtei  zu  Grofsenhain  um  1600  Gulden  pfandweise 
übergeben,  mithin  bar  nur  300  Schock  Gr.  Und  nicht 
einmal  diesen  Betrag  konnte  der  arme  Kammermeister  ihm 
sogleich  bar  ausrichten;  für  das  Gelöbnis,  dafs  am  26.  Dezember 
die  fehlenden  100  Schock  nachgezahlt  wurden,  mufsten  Bünau 
und  Köckeritz  sich  verbürgen*). 

Damit  war  wenigstens  Senftenberg  in  zwölfter  Stunde 
noch  für  Sachsen  gewonnen  und  zunächst  vor  einem  Hand- 
streich gesichert,  keineswegs  jedoch  vor  den  Ansprüchen 
des  Markgrafen  von  Brandenburg,  der  sich  bereits  als  Herrn 
der  Lausitz  betrachtete  und  aus  Kottbus  am  2.  Dezember 
seinem  Schwager  schrieb'),  wie  er  mit  grofsem  Befremden 
in  Erfahrung  gebracht:  ,,das  ir  Senfftenberg  ingenomen  habt 
und  sollichen  irrethum  mit  etlichen  copien  königlicher  brieve 
fornemen  lasset  .  .  .  doch   wie  dem,   so    bitten   wir  uch    mit 


')  Dr.  W.  A.  Log.  4353  a.  a  O.  Bl.  289. 

-)  Dresden,  Orig.  7405. 

')  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  473. 

*)  Dr.  Kop.  43  und  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  457,  auch  Dr.  Orig. 

•'-)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  63  und  64. 


304  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

sunderm  flisze,  das  ir  uns  sollichs  sunder  mehr  ubirheben 
und  Senfftenberg  abetreten  wollet".  In  seiner  Entgegnung 
(5.  Dezember)  spricht  der  Herzog  sein  Erstaunen  darüber 
aus,  wie  der  Markgraf  sich  habe  des  Landes  Lausitz  be- 
mächtigen können.  Der  Herzog  sei  im  Besitze  der  Briefe 
kaiserlicher  Majestät  in  Mundschaft  des  Erbherrn  der  Lausitz, 
denen  der  Markgraf  Gehorsam  schulde  vmd  demgemäfs  das 
Land  fördersamst  abzutreten  verpflichtet  sei.  Übrigens  hätten 
die  Polenze  Senftenberg  erblich  verkauft,  worüber  der  Herzog 
ihre  Briefe  und  Siegel  habe.  Auf  Grund  der  kaiserlichen 
Ermächtigung  hatte  schon  aus  Wittenberg  am  29.  November 
der  Herzog  von  Sachsen  alle  Stände  der  Lausitz  entboten 
zu  einem  Tage  am  17.  Dezember  in  Senftenberg,  und  diese 
Aufforderung  wiederholt  aus  Herzberg  9.  Dezember,  beide 
Male  ebenso  erfolglos,  wie  der  schwache  Versuch  in  der- 
selben Richtung,  den  der  Ritter  Nickel  von  Polenz  als  Land- 
vogt unternahm  am  17.  Dezember,  ,,um  des  Königs  Botschaft 
und  Befehle  am  20.  Dezember  in  Empfang  zu  nehmen".  Den 
gleichen  Mifserfolg  hatte  des  Ritters  Reinprecht  von  Ebers- 
dorf in  Vollmacht  des  Kaisers  erlassenes  Aufgebot  der  Stände 
zum  2.  Februar  nach  Luckau;  auf  der  dem  Konzepte  an- 
liegenden Namenliste  aller  Herren,  Mannen  und  Städte  findet 
sich  die  kleinlaute  Bemerkung:  ,,von  dem  Marggrafen  von 
Brandenburg  gein  Luckau  zu  ryten  dohin  heren,  mannen, 
prelaten  und  stete  zcu  vorboten  .  .  .  item  die  von  Loben 
(Lübben)  haben  dem  marggrafen  durch  grosz  gedrengkenisz 
und  tvvangk  müssen  eyne  erbhuldunge  thun"^).  Am  9.  Februar 
mufste  Ebersdorf  traurig  dem  Herzoge  von  Sachsen  be- 
richten-), wie  er  vergeblich  die  Stände  der  Lausitz  auf- 
gerufen, sogar  vergeblich  um  ein  Geleit  für  den  armen 
verwundeten  Nickel  Polenz  bei  der  Stadt  Luckau  geworben: 
,,sie  wollen  sein  in  gein  weisz  geleiten  noch  ufnehmen".  So 
ungeheuerlich  wirkte  die  Macht  des  Erfolges,  vor  der  alle 
Pergamente  und  Papiere  zur  Makulatur  wurden. 

Mit  der  Zusammenkunft  sächsischer  und  brandenburgischer 
Räte  in  Kalau  am  21,  Dezember  „irrethumb  umb  das  land 
zcu  Lusicz  beyczulegen"  beginnt  eine  Kette  ebenso  weit- 
schweifiger wie  unerquicklicher  Verhandlungen'^).  Ein  zweiter 
Tag  ward  anberaumt  zum  20.  Januar  1449  ^^^  Jüterbock,  ein 
dritter  zum  9.  März  in  Dahme,  ein  vierter  zum  24.  März  und 

')  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  65b  und  66,  68b,  76b. 

")  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  88. 

8)  Dr.  W.  A.  Loc.  4353  a.  a.  O.  Bl.  69,  91,  185,  292. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  305 

ebenso  ein  fünfter  zum  15.  Juni  in  Jüterbock,  endlich  ein 
sechster  zum  7.  Dezember  in  Aussicht  genommen.  Die 
gegenseitigen  Klagen  und  Rechtfertigungen,  Vorschläge  und 
Abweise,  überhaupt  die  wenig  erbaulichen  Reden  und  Gegen- 
reden, mufsten  ergebnislos  verlaufen,  schon  deshalb,  weil  es 
den  Brandenburgern  bei  allen  Verhandlungen  lediglich  darauf 
ankam,  Zeit  zu  gewinnen.  Es  galt  die  Kräfte  zu  sammeln 
und  zu  rüsten  für  den  drohenden  gewaltigen  Kampf  mit  den 
Reichstädten  in  Franken  und  Schwaben,  ein  gleichzeitiger 
Krieg  mit  Sachsen  mufste  deshalb  schwere  Bedenken  erregen. 
Keinen  Augenblick  haben  die  Brandenburger  daran  gedacht, 
die  mit  Gewalt  errungene  feste  Stellung  ohne  Gewalt  wieder 
zu  räumen;  wer  darüber  sächsischerseits  noch  im  Unklaren 
war,  dem  wurden  die  Augen  unsanft  geöffnet  durch  den 
Bericht  (vom  13.  Juni)  der  sächsischen  Räte,  Ritter  Jan  von 
Schleinitz  und  Hans  von  Köckeritz,  welche  der  Herzog  zum 
Markgrafen  sandte  auf  das  Gerücht,  dafs  die  Stände  der  Lausitz 
zur  Huldigung  nach  Kottbus  entboten  seien.  In  ausgesucht 
höflichen  Wendungen  brachte  Schleinitz  seine  Anfrage  vor 
bezüglich  der  Gelübde  und  Verpflichtung  der  Stände:  ,,des 
denn  myn  gned.  herre  in  keynen  zwivel  setczt,  uwer  Gnade 
neme  sulch  land  in  keyner  ander  meynunge  yn,  denn  synen 
Gnaden  alse  fulkomelichen  zcu  gute,  als  uch  seibist, 
nachdem  als  ir  enander  gewand  syt  unde  sunderliche 
underredunge  mit  enander  habt  gehad  und  noch  had  an- 
treffende das  land  zcu  Lufsnicz,  und  bitte  uwer  Gnade  mir 
das  uf  eyne  gnedige  antwurt  zcu  geben.  —  Als  sprach  syne 
Gnade  .  .  .,  er  weide  uns  morgen  fru  eyn  antwert  geben  .  .  . 
Also  harreten  wir  faste  lange,  das  wir  konden  vor  syne 
Gnade  nye  komen,  bisz  das  syne  Gnade  dy  manne  darhinder 
gerett  hatte,  das  sye  en  vor  e3aien  voit  hatten  ufgenomen 
und  em  gelobde  dar  zcu  gethan.  Da  das  gesehen  was,  da 
lyfs  uns  syne  Gnade  vor  sich  heyfsen  .  .  ,"  Auf  die  erneute 
demütige  Anfrage  wie  gestern  empfing  nun  Schleinitz  gar  keine 
Antwort,  sondern  nur  die  schroffe,  herausfordernde  Ab- 
fertigung: „sal  denn  ye  keyn  gloube  nicht  syn  und  allewege 
eyns  geunczes  (Gehunze),  so  syfs  alse  mer  beczyte  alse  lang 
gebeyt!  Hier  uf,  gnediger  furste,  konde  Hanse  noch  mir 
nicht  furder  antwurt  werden  uff  dy  sachen,  sundir  sich 
dirgaben  sust  faste  wort,  Sennfftenberg  antreifende,  das  ich 
iczunt  lasze  bestehen"').  Auf  eine  solche  Behandlung  seiner 
Gesandten,  auf  eine  solche  offenbare  Brüskierung  hätte  auch 


0  Dr.  W.  A.  Log.  4353  a.  a.  O.  Bl.  135. 


2o6  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

ein  Placidus,  ein  sanftmütiger  Herr,  zum  Schwerte  greifen 
dürfen,  ohne  der  Übereilung  geziehen  zu  werden,  aber  leider 
sollte  noch  ein  volles  Jahr  verstreichen,  bis  man  die  ultima 
ratio  gebrauchte,  zum  grofsen  unver windlichen  Schaden  des 
Landes^). 

Merkwürdigerweise  war  es  der  langsame,  bedächtige 
Kaiser,  der  zuerst  das  Wort  ergriff  im  kriegerischen  Sinne; 
er  mufs  wohl  tief  verletzt  sich  gefühlt  haben  durch  die 
gänzliche  Mifsachtung  seiner  Befehle.  Er  gebot  am 
26  Januar  1450  in  je  einzelnen  besonderen  Briefen  allen 
Reichsständen  im  Norden  und  Nordosten  des  Reiches,  allen 
Herzögen  von  Braunschweig,  Mecklenburg,  Pommern,  Schlesien^ 
den  Erzbischöfen  zu  Magdeburg  und  Bremen,  den  Ratmannen 
und  Bürgern  der  Hansestädte  und  überhaupt  aller  Städte  in 
Niedersachsen,  Schlesien,  Oberlausitz,  alsogleich  auf  Er- 
fordern des  Herzogs  Friedrich  von  Sachsen  in  das  Feld  zu 
rücken  wider  den  Markgrafen  von  Brandenburg,  der  sich 
des  Landes  zu  Lausitz  ,,mit  gewalt,  ane  und  wider  unsern 
willen  underwunden  hat"-).  Indessen  hatte  die  Rührigkeit 
und  diplomatische  Gewandheit  der  Brandenburger  trefflich 
verstanden,  die  ihnen  arglos  vergönnte  lange  Frist  auf  das 
Ausgiebigste  sich  zunutze  zu  machen.  Vertrauensvoll  und 
mit  grofsen  Verheifsungen  hatte  man  sich  dem  alten  Feinde 
des  Herzogs  Friedrich,  seinem  Bruder  Wilhelm,  genähert  und 
ihn  zunächst  vermocht,  dafs  er  seine  Gemahlin  Anna,  weiland 
König  Albrechts  Tochter,  zwang,  als  Erbin  des  Königreichs 
Böhmen  und  der  dazu  gehörenden  Lande  ihre  urkundliche 
Einwilligung^)  zu  dem  brandenburgischen  Pfandrechte  der 
Lausitz  zu  erteilen  (10.  Juli  1449).  Das  war  ein  arger  Streich, 
geführt  gegen  das  eigene  Fürstenhaus,  aber  er  sicherte  dem 
Herzog  Wilhelm  die  Hilfe  der  Brandenburger  in  dem  heran- 


1)  Die  keineswegs  unparteiische  Schrift  von  Albert  Kotelmanii 
(Gesch.  d.  alt.  Erwerbungen  der  HohenzoUern  in  der  Niederlausitz, 
Berlin  1864)  knüpft  an  den  Vorgang  der  Huldigung  (Seite  30)  die 
Bemerkung:  „Unbegreiflich,  dafs  Herzog  Friedrich  nicht  losschlug! 
eben  hatte  der  furchtbare  Krieg  der  Markgrafen  gegen  die  Städte 
in  Franken  begonnen  ....  Dieser  unglücklichen  Politik  des  Zu- 
wartens,  welche  die  günstige  Lage  unbenutzt  läfst,  um  eine  noch 
günstigere  zu  erlangen,  dieser  feinen  Berechnung,  die  andern  die 
Arbeit  aufbürden  und  mühelosen  Gewinn  einstreichen  will,  die  es 
nie  zu  einer  frischen  entscheidenden  Tat  bringt,  mag  er  trotz  vieler 
Streitigkeiten  den  Beinamen  des  Sanftmütigen  verdanken;  ihm  und 
seinem  Lande  hat  sie  unendlichen  Schaden  gebracht." 

2)  Dr.  W.  A.  Loc.  4331  Brandbg.  Sachen  Kaps.  II  Bl.  40  bis 
inkl.  Bl.  94. 

3)  Berlin,  Orig.  Dr.  Kop.  48  fol.  158. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440 — 1450.  307 

nahenden  Höhepunkte  des  Bruderzwistes.  Unter  geschickter 
Benutzung  des  alten  und  tiefen  Grolls  der  Böhmen  wegen 
der  ihnen  verweigerten  Ansprüche  an  sächsische  Lande 
wurden  der  Gubernator  Podiebrad,  der  Herrenbund,  die  Mehr- 
zahl der  böhmischen  Stände  gewonnen,  die  nun  ebenfalls 
des  Markgrafen  Pfandrecht  in  der  Lausitz  anerkannten^).  Man 
gelangte  jedoch  weiter  zu  förmlichen  festen  Schutz-  und 
Trutzbündnissen,  welche  am  4.  März  1450  in  Sangerhausen 
mit  dem  Herzoge  Wilhelm,  am  27.  März  in  Wunsiedel  mit 
den  Böhmen  zugleich  mit  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen  und 
Herzog  Otto  von  Bayern  zum  Abschlufs  gelangten'-).  Dunkle, 
unheilschwangere  Wolken  ballten  sich  rings  um  den  Herzog 
Friedrich  und  das  arme  Sachsenland,  vmi  in  der  letzten 
schrecklichen  Phase  des  Bruderkrieges  mit  vernichtenden 
Schlägen  von  drei  Seiten  her  sich  zu  entladen.  Winzig  klein 
war  daseien  die  fremde  Hilfe,  die  Herzog  Friedrich  zuteil 
ward;  eine  handvoll  Söldner,  die  der  Ritter  Nickel  von 
Polenz  in  Schlesien  angeworben,  eine  kleine  Schar  Böhmen, 
die  der  Strakonizer  Bund,  Podiebrads  Gegner,  gesendet'^). 
Die  hochtönenden  Phrasen  in  des  Kaisers  Aufgeboten  haben 
keinen  Bundesgenossen  seinem  Schwager,  dem  Herzoge,  zu- 
geführt. 

Als  Markgraf  Albrecht  von  Brandenburg  am  11.  März 
bei  Pillenreut  durch  das  Heer  der  Reichstädte  eine  schwere 
Niederlage  erlitten,  hielt  Erzbischof  Friedrich  von  Magdeburg 
die  Brandenburger  eher  geneigt,  auf  eine  Mäfsigung  ihrer 
Ansprüche  einzugehen,  daher  eine  neue  Vermittlung  für  an- 
gezeigt. In  der  Tat  wurde  diesmal  ein  Erfolg  auf  dem 
Tage  in  Zerbst  am  3.  Juni  erzielt  ■*),  die  beiden  feindlichen 
Schwäger  haben  Zugeständnisse  gemacht,  freilich  Sachsen 
mit  dem  Vorbehalte  der  ,,vorwillunge  unsers  gnedigsten  hem 
des  Römschen  konigs".  Vielleicht  hat  man  in  Sachsen  an 
diese  vorwillunge  des  ergrimmten  Kaisers  nicht  geglaubt, 
vielleicht  ist  die  ganze  Abrede  nur  Komödie,  nur  Blendwerk 
gewesen,  jedenfalls  wurde  sie  wieder  zu  eitel  Schall  und 
Rauch,  denn  noch  in  demselben  Monate  begannen  die  Feind- 
seligkeiten,   begann    ein    mit   allen    Gräueln    der  Verwüstung 


•)  Palacky,  Gesch.  von  Böhmen  IV,  222. 

'^)  v.  Raumer,  Cod.  cont.  I,  226;  Fontes  rer.  Austr.  XX,  3. 

')  Dr.  W.  A.  Loc.  4333.  Rechnungslage  des  Vogtes  zu  Dresden 
Juni — August. 

*)  Dr.  Kop.  1317,  Bl.  113;  Kop.  i,  Bl.  170.  Über  die  Verhand- 
lungen zu  Jüterbock,  vgl.  Dr.  W.  A.  Loc.  4330,  Brandbg,  Sachen 
Kaps.  I  Bl.  197 ff. 


3o8  R-  Frhr.  von  Mansberg: 

wütender,  schrecklicher  Krieg.  Schon  am  18.  Juni  empfing 
der  Herzog  Friedrich  die  Fehdebriefe  der  Thüringer^),  und 
schnell  griff  er  zum  Schwerte,  um  sich  zunächst  wieder  auf 
seine  persönlichen  Feinde,  die  Viztume,  zu  werfen;  offenbar 
schlecht  unterrichtet  durch  seine  Späher  über  die  Sammlung 
des  brandenburgischen  Heeres  dicht  an  der  sächsischen 
Grenze  bei  Treuenbriezen.  Dorthin  wandte  sich  brieflich 
(Weimar,  26.  Juni)  Herzog  Wilhelm-)  mit  der  Nachricht, 
wie  sein  Bruder  mit  den  Meifsnern  in  Thüringen  eingefallen 
sei:  ,,ligt  iczund  uff  eyn  vierteil  wegs  von  Wyniar  bie  unsim 
dorfite  Tanbech  und  leszet  ane  undirlas  uff  uns  rynnen. 
Darumb  ermanen  und  bitten  wir  uwer  Liebe  abirmals  als 
vor  ufs  gutlichst  mit  ganczem  flisse,  ir  wollet  nochmals  nicht 
sumen,  uff  unsin  bruder  unleszlich  zeihen,  yn  widerumb 
angriffen,  beschedigen  und  gedencken,  yn  heym  zu  brengen". 
Hierauf  (Treuenbriezen,  2  S.Juni)  wendet  sich  Markgraf  Friedrich'^) 
brieflich  an  die  Herzogin  Margarete  mit  der  Mahnung,  ihren 
Gemahl  anzuhalten,  dafs  er  Herzog  Wilhelm  nicht  ver- 
gewaltige. Diese  Mahnung  klingt  sonderbar  bei  der  Er- 
wägung, dafs  am  selbigen  Tage  der  Erzkämmerer  Friedrich, 
die  Markgrafen  Johannes,  Albrecht  und  Friedrich  der  Jüngere 
ihre  Fehdebriefe  an  den  Herzog  Friedrich  von  Sachsen 
abschickten ^j.  Dieser  Absage  folgte  alsbald  der  Einbruch 
der  brandenburgischen  Scharen  in  das  Fürstentum  Sachsen, 
die  Städte  Zahna  und  Beltiz  fielen  in  ihre  Gewalt,  wurden 
völlig  ausgebrannt'^)  und  die  ganze  Umgegend  verwüstet. 

Herzogs  Friedrich  Heer  hatte  Thüringen  verlassen 
müssen,  um  sich  gen  Altenburg  zu  wenden,  dessen  Um- 
gebung Herzog  Wilhelm  verheerte.  Bei  Gera  näherten  sich 
zwar  beide  Heere,  indes  kam  es  nur  zu  Scharmützeln, 
Wilhelm  gab  die  Belagerung  Geras  auf,  zog  über  Zeitz  und 
Pegau  in  die  Gegend  von  Rochlitz,  während  ein  Teil  von 
Herzogs  Friedrich  Heer  eine  Stellung  zum  Schutze  Leipzigs 
nahm.  Der  gröfsere  Teil  der  Meifsner  jedoch  mufste  ab- 
schwenken gen  Norden,  um  das  Land  zu  retten,  auf  welchem 
die   erbliche  Kurwürde  ruhte;    in   der  Nähe   von  Wittenberg 


')  Dr.  W.  A.  Loc.  4351  Kriegssachen  Bl.  54 ff. 

2)  Dr.  W.  A.  ebenda  Bl.  52. 

")  Ibidem  Bl.  53. 

')  Dr.  W.  A.  Loc  4331;     Riedel,  B.  IV,  437. 

■''')  Magdeburger  Schöppenchronik  ed.  Janicke  S.  385.  Dr. 
Kop.  43:  am  26.  November  1450  verschreibt  Herzog  Friedrich  der 
Stadt  Zahna  auf  drei  Jahre  das  Stadtgericht  und  dessen  Einnahmen, 
dieweil  sie  der  Markgraf  von  Brandenburg  ausgebrannt. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440— 1450.  509 

begegneten  sich  die  feindlichen  Schwäger,  diesmal  im 
bittersten  Ernste  ohne  jede  Verhandlung,  Sächsische  Tapfer- 
keit hatte  hier  wett  zu  machen,  was  eine  kurzsichtige  Politik 
verfehlte,  die  Schärfe  des  Schwertes  schlug  besser  durch, 
als  die  Gründe  unbeholfener  Diplomaten,  gab  die  Antwort 
auf  jene  Herausforderung  in  Kottbus,  denn  die  Sachsen  ge- 
wannen eine)i  glänzenden  Sieg.  Mit  knapper  Not  entkamen 
die  beiden  Markgrafen  üljer  die  Grenze,  aber  sie  verloren 
die  meisten  und  besten  ihrer  Leute,  welche  teils  erschlagen, 
teils  gefangen  wurden.  Eine  durch  spartanische  Kürze 
wirkungsvolle  Registrande  der  sächsischen  Hofkanzlei^)  ver- 
kündet, wie  der  hochgeborene  Fürst,  der  Erzmarschalk 
Friedrich  ,,darnyder  gelegt  und  gefangen  abe  beiden  mar- 
graven  von  Brandenburg  am  Dornstage  nach  Jacobi  (30.  Juli) 
nachgeschriben  hofelute  und  burger".  Eine  Liste  gibt 
die  Nam^en  der  52  gefangenen  Herren  und  Edelleute  (dar- 
unter der  Johannitermeister  Herr  Liborius  von  SchlielDen), 
33  vornehme  Bürger  aus  Berlin,  Spandau,  Brandenburg 
usw'.  Das  war  ein  Lichtblick  in  jener  düsteren  Zeit  und 
,,des  freute  sich  das  ganze  Land  zu  Meissen  und  sangen 
Messen  und  lobeten  Gott",  wie  uns  Konrad  Stolle  er- 
zählt'-). Der  Sieg  war  von  so  entscheidender  Wirkung,  dafs 
die  Brandenburger  kein  zweites  Mal  die  Grenze  zu  über- 
schreiten wagten;  vom  Norden  her  war  nichts  mehr  zu  be- 
fürchten. 

Die  für  Sachsen  ruhmreiche  Schlacht  ist  auch  um  des- 
willen beachtenswert,  als  sie  die  einzige  wirkliche  Schlacht 
blieb  im  ganzen  Verlaufe  des  widerwärtigen  Krieges.  Die 
Heere  der  Thüringer,  Böhmen  und  Brandenburger  haben  im 
Süden  der  sächsischen  Lande  ausschliefslich  einen  erbarmungs- 
losen Raubkrieg  geführt,  denn  aufser  einigen  kurzen,  zum 
Teil  vergeblichen  Belagerungen  haben  sie  keinen  Kampf 
wider  ebenbürtige  Gegner  bestanden,  sondern  nur  mit  Mord 
und  Brand  gewütet  an  wehrlosen  Einwohnern  oder  einzelne 
schwache  Schlösser  bewältigt.  Wie  in  der  gottlosen  Hussiten- 
zeit  vor  20  Jahren  haben  manche  Städte  durch  beträchtliche 
Geldsummen  sich  loskaufen  müssen  von  der  drohenden  Aus- 
plünderung oder  ihrem  völligen  Ruin.     Herzog  Wilhelm  hat 


1)  Dr.  Kop.  43.  Riedel  (Cod.  dipl.  Brdb.  Suppl.  S.  66)  gibt  ein 
Verzeichnis  der  Brandenburger,  welche  im  Jahre  1450  in  sächsische 
Gefangenschaft  gerieten,  erwähnt  jedoch  weder  Ort,  Ursache,  noch 
sonstige  Umstände  der  Gefangennahme. 

-)  Vgl.  Konrad  Stolle,  Memoriale  ed.  Thiele  S.  261. 


oio  R.  Frhr.  von  Mansberg: 

sein  Heer  gewissermafsen  spazieren  geführt^),  von  der  Saale 
zur  Mulde  und  von  der  Mulde  zur  Saale  und  wieder  zurück, 
überall  die  Brandfackel  schwingend,  Schlösser  und  Hälse 
brechend ;  dann ,  durch  den  aus  Franken  kommenden  Mark- 
grafen Albrecht  von  Brandenburg  verstärkt,  mufste  er  zum 
Entsätze  seiner  Residenz  Weimar  eilen,  die  jetzt  Herzog 
Friedrich  aufs  neue  bedrohte  (Anfang  September).  Was  den 
letzteren  zum  Abzüge  drängte,  war  die  Nachricht  vom  Ein- 
brüche der  Böhmen  in  das  Meifsner  Land.  Schauerlich  war 
der  Anmarsch  Podiebrads  an  der  Spitze  von  20000  beute- 
gierigen Tschechen,  nur  langsam  rückten  sie  vor,  denn  die 
gründliche  Ausplünderung  des  Landes  verzögerte  erheblich 
den  Marsch;  über  Wilsdruff,  Lommatzsch,  Döbeln,  Mittweida, 
Borna  gelangten  sie  am  i.  Oktober  vor  Pegau,  das  sie  10  Tage 
lang  vergeblich  zu  erstürmen  trachteten. 

Zum  dritten  Male  erschien  Herzog  Wilhelm  vor  Gera 
und  reichte  hier  seinen  böhmischen  Freunden  die  Hand, 
während  Albrecht  von  Brandenburg  bei  Weida  lagerte'-). 
Diesen  drei  Heeren  gegenüber  war  der  bei  Chemnitz  stehende 
Herzog  Friedrich  zu  schwach ,  um  das  belagerte  Gera 
entsetzen  zu  können.  Am  15.  Oktober  erlag  die  unglück- 
liche Stadt  den  vereinten  Stürmen  der  Thüringer  und 
der  Tschechen,  welche  sie  nach  Einnahme  und  Plünderung 
den  Flammen  preisgaben.  Die  dabei  von  den  Tschechen 
verübten  unmenschlichen  Gräuel  empörten  selbst  die  starken 
Nerven  ihrer  Alliierten;  noch  stärker  jedoch  wurden  diese 
verletzt  durch  die  rücksichtslose  Habgier,  welche  alle  hohes 
Lösegeld  verheifsende  Gefangene  ausschliefslich  für  sich  in 
Anspruch  nahm  und  solche  nebst  einer  unermefslichen  Beute 
auf  langen  Wagenzügen  aus  dem  Lande  hinaus  nach  Böhmen 
führte.  Vornehmen  und  Niederen  in  beiden  Heeren  gingen 
endlich  die  Augen  auf,  um  jetzt  das  namenlose  Elend  der 
erbärmlich  zugerichteten  sächsischen  Lande  nicht  ohne 
Schaudern  würdigen  zu  können;  die  herzoglichen  Brüder 
insonderheit  merkten  endlich,  wie  tief  sie  in  das  eigene 
Fleisch  geschnitten,  dafs  es  des  Würgens  nunmehr  genug 
sei ,  seitdem  der  Hauptanstifter  Apel  Viztum  von  Gera 
sich  fortgemacht,  um  in  dem  ausgeschriebenen  Jubeljahre  zu 
Rom  sich  Ablafs  seiner  Sünden  zu  holen.     Als  nun  die  Räte 


')  Schöttt^en  u.  Kreysig,  Diplom,  et  Script.  I,  521  (Jovius): 
Herzogs  Wilhelm  Brief  vom  10.  August.  Härtung  Kammer- 
meister ed.  Reiche  S.  io6f. 

-)  Vgl.  Bertold  Schmidt,  Die  Zerstörung ^ der  Stadt  Gera,  in 
derZeitschr.  f.Thüring.  Gesch.  XVII,  31  ff.  Archiv  Cesky  II,  45. 


Der  Streit  um  die  Lausitz  1440—1450.  31 1 

des  Kaisers  und  des  Reichserzkanzlers  von  Mainz  mit 
drohenden  Friedensgeboten  in  beiden  Lagern  eintrafen, 
fanden  sie  ein  williges  Ohr,  und  es  kam  im  Felde  bei 
Crimmitschau  am  23.  Oktober  zu  einem  Waffenstillstände 
von  längerer  Dauer  ^).  Alsbald  begannen  in  Naumburg  die 
Friedensverhandlungen,  welche  am  27.  Januar  1451  im  Kloster 
zu  Pforte  zum  Abschlufs  gelangten.  Zu  unserem  Thema  gehört 
es  zu  bemerken,  dafs  Sachsen  im  Besitze  des  erworbenen 
Senftenberg  blieb  und  zwar  dauernd  bUeb,  während  Branden- 
burg des  ihm  bestätigten  Pfandrechts  an  der  Lausitz  nur 
ein  Jahrzent  sich  zu  erfreuen  hatte,  denn  am  23.  November  1461 
sagten  Prälaten,  Herren,  Mannen  und  Städte  der  Lausitz 
dem  Markrafen  von  Brandenburg  den  Gehorsam  auf,  da  sie 
wieder  an  König  und  Krone  von  Böhmen  sich  halten  wollten-). 
In  dem  Catalogus  abbatum  Saganensium^)  finden  wir  die 
bemerkenswerte  Stelle:  die  Stadt  Kottbus,  bisher  zum  Teile 
in  des  Königs  (von  Böhmen),  zum  Teile  im  markgräflichen 
Besitze,  kam  im  Gubener  Frieden  (5.  Juni  1462)  an  den 
Markgrafen,  dafür  erhielt  der  König  ohne  Entgelt  zurück, 
was  sonst  an  jenen  verpfändet  war^). 


1)  Vgl.  Riedel  a.  a.  O.  B  IV,  457.    Fontes  rer.  Austr.  XLII,  34. 

2)  Weimar  Reg.  C,  Bl.  19. 

*)  Stenzel,  Script,  rerum  Siles.  I,  345. 

■*)  Vgl.  Adolf  Bach  mann,  Die  Wiedervereinigung  der  Lausitz 
mit  Böhmen,  im  Archiv  f.  österr.  Gesch.  LXIV,  295. 


X. 

Der  Typus  des  Leipziger  Studenten 
im  18.  Jahrhundert. 

Von 
W.  Bruchmüller. 


Wesentlich  älter  als  die  deutsche  Universität  ist  der 
deutsche  Student.  Die  erste  deutsche  Universität  wurde 
bekanntlich  im  Jahre  1348  in  Prag  gegründet,  woran  sich 
dann  in  rascher  Folge  in  den  nächsten  Jahrzehnten  weitere 
Universitätsgründungen  anschlössen,  so  1365  Wien,  13 86  Heidel- 
berg, 1388  Köln,  1392  Erfurt,  1402  Würzburg  und  endlich 
1409  von  Prag  aus  unser  Leipzig.  Später  als  die  anderen 
Länder  der  alten  abendländischen  Kultur,  als  Italien,  Frank- 
reich und  England,  war  Deutschland  zu  der  Errichtung  von 
Hochschulen  auf  seinem  eigenen  Boden  gekommen.  Aber  die 
gelehrten  Studien  hatten  deshalb  doch  nicht  bis  dahin  gänzlich 
in  Deutschland  gefehlt.  Ein  verhältnismäfsig  reiches  geistiges 
Leben  war  auch  in  Devitschland  schon  im  1 2.  und  13.  Jahrhundert 
vorhanden,  und  es  existierten  eine  Reihe  berühmter  Schulen, 
wie  z.  B.  in  Erfurt  und  Trier;  es  fehlte  nicht  an  ausgezeichneten 
Gelehrten  und  an  einer  Menge  von  Scholaren,  die  nach 
studentischer  Weise  lebten.  Diese  ältesten  deutschen  Studenten, 
wie  man  sie  unbedenklich  nennen  kann,  mufsten  nun,  wie  sie 
schon  in  der  Heimat  gern  von  Schule  zu  Schule  zogen,  zur 
Erlangung  akademischer  Grade  über  die  Alpen  nach  den 
italienischen  Universitäten  oder  nach  Paris  wandern,  so  lange 
es  in  der  Heimat  keine  gelehrten  Anstalten  gab,  die  be- 
rechtigt gewesen  wären,  solche  Grade  zu  erteilen.  Die  Frei- 
zügigkeit,     die    schrankenlose    Wanderlust,    die    nicht    ganz 


Der  T3'pus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       ßi^ 

selten  die  Grenze  der  Landstreicherei  streifte  oder  gar  über- 
schritt, war  das  Hauptcharakteristikum  dieser  Studenten,  das 
sie  einerseits  von  dem  Geistlichen,  dessen  Gewand  der 
Scholar  trug,  deutlich  genug  unterschied,  wie  sie  andererseits 
das  geistliche  Gewand  und  der  geistliche  Charakter  von  der 
übrigen  Laien  weit  absonderte.  „Halfpape",  „Halbpfaffe"  ist 
die  glückliche  Bezeichnung,  mit  der  das  Volk  schon  damals 
dieses  Sonderwesen  charakterisierte,  das  sich  vom  Geistlichen 
wie  vom  Laien  ebenso  merklich  unterschied,  wie  es  von 
beiden  wichtige  Wesenszüge  mitbekommen  hatte,  denn  der 
älteste  deutsche  Student  war  seinem  Stande  nach  Kleriker, 
seine  Lebensführung  aber  war,  das  lehrt  uns  vor  allem  seine 
vielfach  köstliche,  frische  und  urwüchsige  Poesie,  zumeist 
mehr  als  weltlich. 

Die  Loslösunor  des  deutschen  Universitätslebens  vom 
geistlichen  Stande,  die  durch  die  alte  Freizügigkeit  angebahnt 
■war,  hat  sich  dann  weiter  vollzogen.  Sie  ist  keineswegs 
eine  Folgeerscheinung  des  Humanismus  und  der  Reformation, 
diese  haben  vielmehr  die  Entwicklung  nur  zum  Abschlufs 
gebracht.  Auf  den  deutschen  Universitäten  hat  niemals,  wie 
z.  B.  in  Paris,  der  geisthche  Charakter  als  Vorbedingung  für 
die  Immatrikulation  gegolten,  wenn  auch  bei  den  Universitäts- 
lehrern im  14,  Jahrhundert  der  geistliche  Stand  wohl  noch 
die  Regel  gebildet  haben  wird  und  sich  erst  im  15.  Jahr- 
hundert die  Ausnahmen  von  dieser  Regel  mehrten.  Für 
Leipzig  z.  B.  haben  wir  eine  ganze  Reihe  von  Beispielen 
für  das  Vorhandensein  von  Laien  in  dem  Verbände  der 
universitas  während  des   15.  Jahrhunderts. 

Unter  sich  haben  die  deutschen  Studenten,  die  nach 
der  Gründung  der  deutschen  Universitäten  durch  den  Weg- 
fall des  Zwanges,  ins  Ausland  zu  gehen  wohl  von  selbst 
einigermafsen  sefshafter  und  weniger  unruhig  werden  mufsten, 
noch  lange  eine  ziemlich  konforme  Erscheinung  gebildet,  die 
noch  immer  äufserlich  eine  geistliche  oder  der  geistlichen 
ähnliche  Tracht  kennzeichnete.  Wenigstens  sind  für  uns 
schärfere  Sonderungfen  bis  zur  Reformation   nicht   erkennbar. 

Die  humanistische  Bewegung  und  die  Reformation 
räumten  zunächst  mit  den  Resten  des  geistlichen  Wesens  in 
Kleidung  und  Lebensführung  auf.  Wir  können  das  gerade 
auch  in  Leipzig  deutlich  verfolgen.  Die  Studenten  kleiden 
sich  weltlich  und  drängen  aus  den  klösterlich  organisierten 
freilich  vielfach  auch  verwilderten  Bursen  hinaus.  Der  frühere 
Halbpfaffe  wird  im  weiteren  Verlauf  dieser  Entwicklung  schier 
zum    ,, Halbsoldaten".     Er    hat     in    den    wüsten    Zeiten    des 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    3.  4.  21 


314 


W.  Bruchmüller: 


17.  Jahrhunderts  vielfach  mehr  vom  Landsknecht  als  vom 
Gelehrten  in  seinem  Aufsern  und  in  seinem  Lebenswandel 
an  sich.  Die  Reformation  aber  bildete  nicht  nur  weiter, 
sondern  sie  schuf  auch  die  erste  scharfe  Trennung,  indem 
sie  das  deutsche  Studententum  wie  ja  das  gesamte  Volk  in 
zwei  scharf  gesonderte  Gruppen  zerlegte.  Der  Student  der 
lutherischen  und  reformierten  Universitäten  scheidet  sich  von 
jetzt  an  scharf  von  dem  Studenten  der  katholischen  Hoch- 
schulen, denen  bald  der  Jesuitismus  sein  charakteristisches 
Gepräge  für  lange  Zeiten  aufdrückte.  Mit  dieser  Zweiteilung 
war  freilich  für  die  nächste  Zeit  die  Individualisierung  des 
Studententums  erschöpft.  Die  beiden  nun  vorhandenen 
grofsen  Gruppen  blieben  unter  sich  wieder  für  längere  Zeit 
ziemhch  einheitlich.  Ja  die  Uniformität  der  katholischen 
Universitäten  hatte  auf  lange  hinaus  unter  dem  bestimmenden 
Einflufs  der  Jesuiten  eine  steigende  Tendenz.  Und  auch  auf 
den  evangelischen  Universitäten  lassen  sich  im  16.  und  17.  Jahr- 
hundert schwerlich  gröfsere  charakteristische  Abweichungen 
von  einander  feststellen.  Der  Wittenberger,  Leipziger,  Jenenser 
oder  Frankfurter  Student  zeigen  für  diese  Periode  noch 
keinerlei  -von  einander  unterscheidende  besondere  Eigenart, 
wie  sie  uns  dann  im  18.  Jahrhundert  mit  der  steigenden 
Individualisierung  der  ganzen  damaligen  deutschen  Gesell- 
schaft und  Bildung  entgegentritt.  Auf  die  Ursachen  dieser 
allgemeinen  Individualisierung  einzugehen,  ist  hier  nicht  der 
Ort.  Genug,  dafs  sich  unter  ihrem  Einflufs  allmählich  auch 
eine  gröfsere  Individualisierung  der  Studentenschaft  der 
einzelnen  Universitäten  ausgebildet  hatte.  Befördert  wurde 
diese  Entwicklung  dadurch,  dafs  die  alte  Freizügigkeit  der 
Studenten,  die  noch  in  der  Zeit  des  Humanismus  eine  Neu- 
belebung erfahren  und  die  Form  eines  unruhigen,  unsteten 
Wanderlebens  von  Platz  zu  Platz  gezeigt  hatte,  sehr  stark 
geschwunden  war.  Die  Abweichungen  in  dem  Studenten- 
leben der  einzelnen  Universitäten  wurden  nun  auch  von  den 
Zeitgenossen  deutlich  empfunden,  und  man  versuchte  diese 
Unterschiede  deshalb  jetzt  in  ganz  bestimmte  Formeln  zu 
prägen. 

„Wer  von  Leipzig  kommt  ohne  Weib, 

Von  Wittenberg  mit  gesundem  Leib, 

Von  Jena  ungeschlagen, 

Der  kann  von  Glücke  sagen." 

Dieser  altbekannte,  in  mannigfaltigen  Variationen  im 
Schwange  gehende  Spruch  stellt  wohl  den  verbreitetsten  und 
populärsten  Versuch  dar,  den  einzelnen  gröfseren  evangelischen 


Der  T3pus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8. Jahrhundert.      31  e 

Universitäten')  einen  bestimmten,  jedem  Platz  besonders 
eigentümlichen  Typus  des  Studententums  zuzuweisen.  Die 
Wittenberger  und  späteren  Hallenser  gelten  zumeist  als  starke 
Biervertilger  und  Rauhbeine  —  sit  venia  verbo  —  ,  die 
Hallenser  später  auch  andererseits  wieder  als  frömmelnde 
Mucker,  die  Jenenser  als  Raufbolde  und  die  Leipziger  als  die 
,,petits  maitres"  und  Schürzenjäger  par  excellence.  Fabricius 
in  seinem  Werke  über  die  deutschen  Korps  bringt  auch  eine 
Illustration  zu  dieser  Kennzeichnung  nach  einer  Darstellung 
in  einem  Stammbuch  von  1765.  Dort  sehen  wir  vier 
Studentengestalten  in  charakteristischer  Tracht  und  Haltung, 
die  als  Leipziger,  Hallenser,  Jenenser  und  Wittenberger  be- 
zeichnet sind.  Der  Leipziger  tritt  in  wohlfrisierter  Perrücke 
auf,  den  Hut  nach  Modeart  unter  dem  Arm,  über  ihm  steht: 
„In  Leipzig  sucht  der  Bursch  die  Mädgen  zu  betrügen." 
Über  dem  Hallenser,  der  ein  Buch  unter  dem  Arm  und  die 
Hände  gefaltet  hat,  steht:  ,,In  Halle  muckert  er  und  seuffzet 
ach!  und  weh!"  Der  Jenenser,  der  in  Kanonen  die  Hand 
am  Degen  in  Ausfallsstellung  erscheint,  wird  mit  folgendem 
bedacht:  ,,In  Jena  will  er  stets  vor  blanker  Klinge  liegen." 
Über  dem  Wittenberger  endlich,  der  in  der  Rechten  ein 
Bierglas,  gleich  unserm  Gosenglas,  hochhält  und  in  der 
Linken  eine  umfangreiche  Kanne  trägt,  findet  sich  verzeichnet: 
„Der  Wittenberger  bringt  ein  ä  bonne  Amitie."^) 

Dafs  übrigens  in  den  vielen  Variationen  der  vorher 
zitierten  Reime,  wie  in  anderen  ähnlichen  Versifikationen  und 
Klassifizierungsversuchen,  wie  schon  erwähnt,  die  Gruppierung 


»)  Auch  Helmstädt,  Halle,  Tübingen  finden  sich  in  den  ver- 
schiedenartigen Fassungen  genannt. 

2)  Ein  hübscher  Spruch  über  die  Art  und  Weise,  wie  in  Leipzig 
die  Studenten  im  18.  Jahrhundert  zu  leben  pflegten,  findet  sich 
übrigens  auch,  was  bei  dieser  Gelegenheit  erwähnt  sei^am  Schlufs 
des  dritten  Stückes  des  1769  erschienenen  und  im  übrigen  ziemlich 
wertlosen:  „Das  nach  der  Moral  beschriebene  galante  Leipzig  in  den 
seltsamen  Begebenheiten  des  Barons  von  C  .  .  .  .  und  seines  Hof- 
meisters".    Dort  heifst  es  an  der  genannten  Stelle: 

„Nichts  kann  gesünder  seyn,  als  Morgens  früh  studiert, 
Des  Nachmittags  geschmaufst.  des  Abends  courtisiert; 
Ist  dann  die  Zeit  zu  kurz,  so  nehmt  darzu  die  Nacht, 
Und  also  wird  die  Zeit  in  Leipzig  zugebracht." 

Eine  weitere  Charakterisierung  Leipziger  Lebens  zur  Unter- 
scheidung von  anderen  Städten  möge  ebentalls  liier  noch  erwähnt 
werden,  wenn  sie  auch  etwas  vor  unserer  Zeit  liegt  und  nicht  direkt 
auf  Studenten  allein  Bezug  nimmt  Sie  stammt  ja  wenigstens  von 
einem  Leipziger  Studenten,   von  Christian  Weise,    der  seit   1660  in 

21* 


3i6  W.  Bruchmüller: 

der  Universitäten  schwankte  und  den  einzelnen  bald  diese 
bald  jene  von  einander  abweichende  Hauptcharakterzüge  zu- 
geschrieben wurden,  zeigt,  wie  ziemlich  unzuverläfsig  oder 
nur  relativ  gültig  diese  Charakterisierungsversuche  waren. 
Ihre  mehr  oder  minder  grofse  Berechtigung  für  die  anderen 
Universitäten  hat  uns  hier  nicht  zu  beschäfticren.  Wir  wollen 
uns  im  weiteren  allein  auf  unser  Leipzig  beschränken. 


Leipzig  ist  die  Hochschule,  über  die  das  Urteil  der 
Zeitgenossen  und  der  Nachwelt  hinsichtHch  des  charak- 
teristischen Typus  ihrer  Musensöhne  am  wenigsten  schwankt. 
Der  Leipziger  Studio  gilt,  wie  schon  eben  gesagt,  als  der 
petit  maitre,  also  das  Modegigerl  des  1 8.  Jahrhunderts  und 
der  Schürzenjäger  par  excellence.  Diese  Beharrlichkeit  des 
Urteils,  dem  nur  gerade  in  Leipziger  Darstellungen  wider- 
sprochen wird,  läfst  die  Annahme  nicht  abweisbar  erscheinen, 
dafs  dieser  Urteilsbildung  ein  immerhin  wichtiger  und 
vielleicht  in  höherem  Mafse  als  bei  anderen  Plätzen  be- 
rechtigter Anlafs  zugrunde  lag.  Trotzdem  würde  auch  das 
Urteil  über  Leipzig  keine  solche  Allgemeingültigkeit  ge- 
wonnen haben,  wenn  es  nicht  in  der  schönen  Literatur  lür 
immer  festgelegt  worden  wäre.  Zachariäs  ,, Renommist"  hat 
den  zarten  Schäfer  von  der  Pleifse  in  die  Literatur  ein- 
geführt, und  Goethes  entsprechendes  Urteil  hat  ihm  hier 
allgemeine  Verbreitung  und  ewige  Dauer  verliehen. 

Es  fragt  sich  nun  für  uns,  ob  wir  in  dem  „Pleifse- 
schäfer"  wirklich    den   allgemein   und   allein    gültigen   Typus 


Leipzig  studierte,  und  führt  uns  gleich  einige  der  damaligen  Bier- 
sorten vor.    Das  hübsche  Verschen  lautet: 

„Leipz'ger  Breuhahn  schmeckt  mir  nie. 
Und  das  Rastrvmi  ist  noch  schlimmer. 
Aber  Leipz'ger  Frauenzimmer, 
Das  verlohnt  sich  noch  der  Müh! 
Dieses  macht  auf  meinem  Munde 
Manch  versüfstes  Zuckerspiel, 
Dafs  ich  es  in  einer  Stimde 
Mehr  als  zehnmal  kosten  will. 
Braunschweig  darf  sich  ferner  nicht 
Auf  die  Mummen  so  befleifsen, 
Denn  die  Mümchen  hier  in  Meifsen 
Sind  was  besser  zugericht. 
Breslau  mag  sich  wohl  befinden 
Und  im  Schöpse  lustig  sein. 
Doch  die  Schäfchen  iSei  den  Linden 
Gehen  uns  viel  süfser  ein." 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  18.  Jahrhundert.      ^ly 

für  den  Leipziger  Studenten  des  18.  Jahrhunderts  anzuerkennen 
haben  und  ob  dieser  Typus  ausschiiefslich  für  Leipzig 
charakteristisch  oder  ob  er  nicht  auch  anderswo  zu  be- 
merken war.  Es  fragt  sich  dann  weiter,  wenn  wir  zu  einer 
Verneinung  dieser  ersten  Frage  in  vollem  oder  teilweisem 
Umfang  gelangen  müssen,  ob  sich  nicht  neben  dem  ,, Petit 
maitretum"  in  Leipzig  noch  andere  typische  Richtungen  des 
Studententums  feststellen  lassen,  die  viel  mehr  als  gerade  die* 
des  petit  maitre  für  Leipzig  ganz  allein  gültig  und  für  unsere 
Stadt  kennzeichnend  waren. 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dafs  im  18.  Jahrhundert  in 
Leipzig  unter  der  Studentenschaft  ein  stärkerer  Zug  zum 
Petitmai tretum,  zu  einem  geschniegelten  und  gebügelten 
Auftreten  herrschte,  als  etwa  in  Jena  und  Halle  oder  Witten- 
berg. Die  Beweise  dafür  haben  wir  bei  Goethe  in  Dichtung 
und  Wahrheit  und  vor  allem  in  Zachariäs  Renommisten, 
dessen  Bekanntschaft  im  allgemeinen  vorausgesetzt  werden 
darf  Sylvan  ist  im  Renommisten  der  charakteristische  Ver- 
treter dieses  Stutzertums  oder  Pleifseschäfertums,  wie  ich  es 
kurz  bezeichnen  will,  das  von  Zachariä  in  bewufster  Form 
dem  Renommistentum  an  der  Saale,  in  Jena  und  Halle,  gegen- 
übergestellt wird.  Auch  in  Leipzig  wird  nach  Zachariä  ge- 
kneipt und  geraucht,  dafs  die  Wände  krachen.  Hier  wird 
gelärmt  und  geprügelt;  aber  es  sind  die  aus  Jena  vertriebenen 
Burschen,  die  diese  Heldentaten  vollführen,  und  nach  Halle 
zieht  der  Renommist  weiter,  als  ihm  der  Boden  Leipzigs  zu 
heifs  geworden,  während  im  Gegensatz  dazu  der  Typus  der 
Leipziger  Studenten  mit  wohlgepudertem  Schopf  und  in 
seidenen  Strümpfen  einherläuft,  nach  Pomade  und  Parfüm 
duftet,  seine  ,, Scharmante"  umtänzelt  und  in  puncto  des 
Degens  sehr  friedfertigen  Anschauungen  huldigt.  ,,Armserger", 
ruft  der  Renommist  aus,  als  er  in  Leipzig  angekommen: 
,,in  Leipzig  bist  Du  nun?" 

„Ja,  hier  wo  Alles  ruht,  wird  auch  Dein  Degen  ruhn ! 
Wer  wird  Dich  Renommist  allhier  zu  nennen  wagen. 
Hier,  wo  man  fast  nicht  weifs,  dafs  Bursche  Degen  tragen?" 

Und  Selinde  ruft  ihrem  Verehrer  Sylvan  zu,  der  von  Jena 
gekommen,  sich  in  Leipzig  zum  Stutzertum  bekehrt  hat,  aber 
sich  doch  am  Ende  entschliefst,  sich  im  Rosenthal  mit  dem 
Renommisten  zu  schlagen: 

„Grausamer!  nein  Du  Ijist  in  Leipzig  nicht  erzeugt. 

Und  eine  Furie  hat  Dich  mit  Gilt  gesäugt. 

Oh  hättest  Du  zu  mir  die  kleinste  Gunst  getragen. 

Und  wärst  ein  Leipziger,  Du  würdest  ihn  —  verklagen." 


qiS  W.  Bruchmüller: 

Der  äufsere  Aufputz  eines  Leipziger  Stutzers  wird  uns 
in  den  Versen  geschildert,  die  die  Morgentoilette  Sylvans  be- 
schreiben, in  denen  sich  nebenbei  ebenfalls  wieder  ein  Hin- 
weis   auf  die  Friedfertigkeit  des  Leipziger  Studenten  findet: 

„Ein  weifser  seidner  Strumpf  umwickelte  das  Knie, 
■  Der  Schuh,  ein  Meisterstück  von  seines  Schusters  Müh', 
Erhob  in  schwarzem  Glanz  mit  Band  besetzte  Kanten, 
Und  Schnallen  schimmerten  von  böhm'schen  Diamanten. 
Le  Grand  trat  ins  Gemach;  ein  lumpiger  Franzos', 
Doch  in  der  seltnen  Kunst  das  Haar  zu  kräuseln  grofs. 
Ein  weifses  Puderhemd  llol's  zu  des  Stutzers  Pulsen, 
Le  Grand  baut  das  Toupet  und  läl'st  sich  Locken  schliefsen. 
Ein  dicker  Staub  von  Mehl,  der  still  im  Püster  lag. 
Schiefst  ungestüm  heraus  und  trübt  den  heitern  Tag. 
Den  weifsen  Hals  umgab  ein  schwarzes  seidnes  Band, 
Das  sich  bei  seinem  Kinn  in  eine  Scloleife  wand. 
Ein  neuer  Modesamt  aus  aschenfarb'ger  Seide, 
Voll  Laubwerk  schön  gewebt,  dient  ihm  zum  Oberkleide. 
Ein  breitgewirktes  Gold  umgab  der  Weste  Rand 
Und  Atlas  hiefs  der  Stoff,  aus  welchem  sie  erstand. 
Sie  war  noch  prächtig  neu;  die  Farbe  glich  den  Lüften, 
Wenn  sie  der  Frühling  leert  von  rauhen  Winterdüften. 
Ein  schwarzer  Atlas  war  der  Hüften  enges  Kleid, 
Das  Uhrband  schimmerte  mit  gold'ner  Herrlichkeit. 
Um  seinen  Degen  war  ein  weifses  Band  geschlagen, 
Zum  Zeichen,  nie  damit  ein  Blutduell  zu  wagen. 
Sein  Rohr  aus  Indien  ziert  ein  besonderer  Knopf, 
Aus  Meifsner  Porzellan  ein  Frauenzimmerkopf; 
Der  unbeseelte  Thon  sprach  in  das  Aug  Entzücken, 
Der  Reiz  war  auf  der  Stirn,  der  Muthwül  in  den  Blicken. 
So  stellte  sich  das  Haupt  von  Leipzigs  Stutzern  dar. 
Es  rauschte  West'  und  Rock;  es  duftete  das  Haar, 
Und  um  ihn  her  gofs  sich,  in  süfser  Atmosphäre, 
Lavendel  und  Jasmin,  der  schönen  Welt  zur  Ehre." 

Können  wir  dieses  Haupt  der  Leipziger  Stutzer,  dessen 
prächtiger  Aufputz  uns  hier  geschildert  wird,  der  sich  einen 
Diener  hält,  drei  Stunden  Zeit  auf  seinen  Putz  verwendet 
und  dessen  Zimmer  mit  Spiegeln  in  goldenen  Rahmen  und 
mit  Gemälden  auf  ,, bunten  Tüchern"  geschmückt  ist,  für  den 
Repräsentanten  der  gesamten  Leipziger  Studentenschaft  von 
damals  in  Anspruch  nehmen?    Doch  wohl  ganz  bestimmt  nicht. 

Der  Hang  zum  Äufserlichen,  zu  einer  gigerlhaften 
Lebensführung,  zu  verliebten  Spielen,  zu  einer  Abkehr  von 
■dem  Burschikos  -  Studentischen  Jag  allerdings  ganz  allgemein 
in  der  Leipziger  Luft  jener  Tage.  Dem  Leipziger  durchweg 
"wurde  ein  Hang  zu  leichter  Lebensauffassung  nachgesagt. 
Die  Messe,  die  Leipzig  bereits  damals  trotz  seiner  Kleinheit 
zu  einer  Weltstadt  gemacht  hatte,  brachte  das  mit  sich,  sie 
beförderte    das    dem  Leipziger  Volkscharakter   vielleicht  von 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       ^ig 

jeher  innewohnende  „Kleinparisertum",  von  dem  Goethe  im 
Faust  spricht  und  das  schon  in  älteren  Hterarischen  Werken 
in  ähnhchen  Ausdrücken  gekennzeichnet  wird. 

Ein  Leben,  wie  es  Sylvan  führt,  war  aber  nur  möglich 
auf  einer  materiell  recht  gut  gestellten  Basis.  Wir  werden 
also  anzunehmen  haben,  dafs  ihm  sich  nur  studentische  Kreise 
hingeben  konnten,  die  aus  reichen  und  zum  mindesten  wohl- 
habenden Schichten  stammten,  also  etwa  den  Kreisen  des 
Adels  und  des  begüterten  Kaufmannsstandes.  Es  ist  im 
Renommisten  nirgends  direkt  ausgesprochen,  dafs  wir  es  bei 
seinen  Schilderungen  nur  mit  der  Lebensweise  Leipziger 
adliger  Studentenkreise  zu  tun  haben.  Es  wird  vielmehr  dort 
überall  nur  ganz  allgemeinjenensertum  und  Leipziger  Studenten- 
wesen in  Gegensatz  gestellt.  Trotzdem  fehlt  es  in  Zachariäs 
Dichtung  nicht  an  einer  genügenden  Andeutung,  dafs  Sylvan 
speziell  ein  Vertreter  der  in  Leipzig  studierenden  adligen 
Studenten  ist,  die  gerade  im  1 8.  Jahrhundert,  in  der  Zeit  des 
krassesten  Servilismus  gegenüber  den  oberen  Schichten,  eine 
sehr  scharfe  Schranke  gegen  die  übrige  breite  Studentenwelt 
abtrennte.  Der  Beweis  dafür  ist  uns  im  dritten  Gesang  des 
Renommisten  gegeben.  Dort  sagt  in  der  allegorisch  vielfach 
ausgeschmückten  Weise  des  Gedichtes  die  Mode  zu  dem  Putz: 

„Geh  hin,  geliebter  Putz,  zum  ersten  meiner  Söhne, 
Der  Stutzer  Obersten,  Sj'lvanen,  dem  die  Schöne 
Sogleich  ihr  Herz  ergiebt,  wenn  seine  Feder  strahlt 
Und  hohen  Stand  und  Geld  die  goldne  Weste  prahlt." 

Die  ,, strahlende  Feder"  ist  uns  ein  sichrer  Beweis  da- 
für, dafs  Sylvan,  der  oberste  der  Leipziger  Stutzer,  zu  den 
adligen  Studenten  gehörte.  Die  Feder  war  nämlich  ein  Ab- 
zeichen der  adligen  Studenten,  das  sie  von  den  übrigen 
Studenten  unterschied.  Wir  haben  dafür  gerade  aus  Leipzig 
eine  Nachricht  über  einen  Streit  zwischen  adligen  und  bürger- 
lichen Studenten,  der  deshalb  im  Juni  des  Jahres  1698  ent- 
stand, weil  auch  bürgerliche  Studenten  für  sich  das  Recht 
eme  Feder  am  Hut  zu  tragen  in  Anspruch  nahmen.  Die 
adligen  Studenten  sahen  bald  ein,  dafs  sie  gegenüber  der 
Überzahl  der  bürgerlichen  Studenten  bei  einem  Austrag  der 
Zwistigkeit  mit  dem  Degen,  wie  er  anfangs  auf  dem  Markte 
versucht  worden  war,  den  Kürzeren  ziehen  mufsten.  Sie  ver- 
fielen daher  auf  ein  wirksameres  Mittel,  den  Bürgerlichen  das 
Federntragen  wieder  abzugewöhnen.  Sie  legten  selbst  die 
Federn  ab  und  liefsen  ihre  Lakaien,  Diener  und  Jungen  reichen 
Federschmuck  auf  dem  Hute  tragen  und  sie  in  diesem  Auf- 
zug   sich    ,,nachtreten".     Dieser    Schachzug    veranlafste    die 


320 


W.  Bruchmüller: 


büroerlichen  Studenten  bald,  ihrerseits  auf  den  Federschmuck 
zu  verzichten,  und  dieser  wurde  wiederum  ein  Kennzeichen 
der  adligen  Studenten. 

Der  Adel  fröhnte  aber  auch  auf  anderen  Universitäten 
einem  stärkeren  Luxus  als  die  übrigen  Studenten.  Er  mag 
solchen  Luxus  gerade  in  Leipzig  in  besonderer  Höhe  und 
Ausdehnung  getrieben  haben.  Aber  eine  ausschliefslich  auf 
Leipzig  beschränkte  Erscheinung  war  das  darum  doch  nicht. 
Charakteristisch  für  Leipzig  war  es  dagegen,  dafs  sich  an 
diesem  adligen  Treiben  auch  bürgerliche  Kreise  der  Studenten 
beteiligten,  dafs  sich  zu  der,  nennen  wir  es  einmal  so,  obersten 
Schicht  des  Studententums  auch  gewisse  nichtadhge  Kreise 
in  Leipzig  rechneten,  die  sich  aus  den  reichen  Kreisen  der 
kaufmännischen  Welt  Leipzigs  und  der  übrigen  damaligen 
Grofsstädte  Deutschlands  rekrutierten. 

Gerade  aus  diesen  Schichten  heraus  wurde  damals  der 
Gedanke  ausgesprochen,  dafs  sich  eigentlich  die  Universitäten 
im  alten  Sinne  überlebt  hätten,  dafs  diese  nur  noch  zur  Er- 
ziehunor  der  nötio;en  Staatsdiener  wünschenswert  seien,  und 
dafs  im  übrigen  zur  Verbreitung  einer  wirklichen  akademi- 
schen Bildung  nur  noch  Akademien  ohne  den  Apparat 
akademischer  Grade  und  Würden  und  ohne  die  Erziehung 
künftiger  Staatsdiener  und  Lehrer  notwendig  seien. 

Der  Student  Goethe,  wie  er  uns  in  Dichtung  und  Wahr- 
heit entgegentritt,  zeigt  uns  diesen  Typus  des  damaligen 
Studenten  besserer  Kreise  sehr  genau.  Er  hat  von  dem 
spezifisch  Studentischen  absolut  nichts  an  sich.  Wer  von 
dem  jungen  Goethe  einen  Aufschlufs  über  das  damalige 
Treiben  der  Studenten  Leipzigs  erhalten  will,  geht  leer  aus. 
Ich  brauche  dafür  nur  auf  die  einschlägigen  Stellen  in  Dich- 
tung und  Wahrheit,  z.  B.  auf  die  absolut  farblose  Schilderung 
des  Studententumultes  verweisen,  dem  Goethe  ohne  jede 
innere  Anteilnahme  wie  einem  interessanten  Schauspiel  als 
ein  absolut  Fremder  gegenüberstand.  Eine  solche  Stellung- 
nahme bedingte  eine  starke,  ja  völlige  Spaltung  des  Leipziger 
Studententums  in  sich  absolut  fremd  gegenüberstehende,  von 
einander  gesonderte  Kreise,  die  nirgends  so  deutlich  wird, 
wie  hier  und  deshalb  für  Leipzig  ein  wirkliches  Charakte- 
ristikum bildet.     Sie  wird  uns  auch  sonst  bezeugt. 

Hierüber  heifst  es  in  den  1787  erschienenen  ,, Vertrauten 
Briefen  über  den  politischen  und  moralischen  Zustand  von 
Leipzig"  von  Detlev  Prasch  (eigentlich  Degenhard  Pott),  die 
im  allgemeinen  ein  leidlich  zuverlässiges  Bild  von  dem  da- 
maligen kulturellen  Zustand  Leipzigs  geben,   auf  Seite  44 ff.: 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       32 1 

„Wer  an  die  lüntracht  gewöhnt  ist,  in  welcher  auf  andern 
Universitäten  die  Studenten  zusammen  leben,  einer  Eintracht,  die 
oft  so  weit  geht,  dafs  sie  den  schärfsten  Gesetzen  Trotz  beut,  der 
mufs  erstaunen,  hier  soviel  gegenseitige  Entfernung  und  Kaltsinn  zu 
erblicken.  Der  Adel,  vorzüglich  der  Lief-  und  Curländische,  die 
Patriziersöhne  aus  Danzig  und  Hamburg  und  nicht  selten  auch  viele 
Inländer,  die,  durch  Geburt  oder  Geld  begünstigt,  sich  mit  jenen  in 
Parallel  stellen  können,  diese  alle  dünken  sich  über  die  ärmeren 
Studenten  so  erhaben,  als  etwa  ein  römischer  Consul  über  den 
zeitigen  Bürgermeister  von  Isny  ist.  Erhält  nun  vollends  ein  solcher 
Geck,  dessen  ganzes  Verdienst  nicht  selten  blofs  in  Windmachen 
und  eitler  Arroganz  besteht,  das  Glück,  mit  auf  der  grofsen  Assemble 
figurieren  zu  dürfen  oder  zu  einer  Bekanntschaft  in  der  Colonie ') 
zu  gelangen,  dann  kennt  sein  Stolz  keine  Grenzen,  dann  entsagt  er 
durchaus  einem  Umgang  mit  andern  Studenten,  die  nicht  so  hoch 
wie  er  vom  Glück  begünstigt  worden  sind  .  .  .  Der  Fechtboden,  die 
Reitbahn,  das  Schauspielhaus  sind  ihre  Hörsäle;  auf  dem  Cafehause 
studieren  sie  den  Menschen,  und  bei  schlüpfrigen  Romanen,  oder  in 
dem  Umgange  mit  coquetten  oder  willigen  Mädchen  bilden  sie  ihr 
Herz  aus.  So  leben  sie  etliche  Jahre  im  Taumel  dahin  .  .  .  und  so 
kehren  sie  endlich,  nach  rühmlich  zurückgelegter  akademischer  Lauf- 
bahn, mit  leerem  Kopf,  verdorbenem  Herzen,  geschwächter  und  nicht 
selten  gänzlich  zerstörter  Gesundheit  des  Körpers  und  Geistes  in  den 
Schoofs  ihres  Vaterlandes  zurück  .  .  .  Die  von  der  Mittelclasse.  die 
weder  so  reich  sind,  dafs  sie  grofse  Familienbekanntschaften  unter- 
halten können,  noch  so  arm,  um  Niederträchtigkeiten  begehen  zu 
müssen,  haben  wieder  auf  einen  ganz  andern,  im  Grvinde  aber  nicht 
viel  besseren  Ton  gestimmt  .  .  .  Die  meisten  suchen  entweder  mit 
den  ganz  Reichen  zu  wetteifern,  oder  es  sind  steife  Pinsels,  die  im 
Pedantism  leben  und  weben,  ihr  Brodstudium  für  das  einzige  wissens- 
■würdige  Ding  halten  und  kein  Fünklein  Welt-  und  Menschenkenntnifs 
haben.  Die  ganz  Armen  endUch  sind  im  Grunde  auch  die  Lüder- 
lichsten ;  bey  ihnen  herrscht  noch  die  alte  burschikose  Fidelität,  und 
ihre  Armuth  macht  sie  so  bettelstolz  gegen  solche,  von  denen  sie 
nichts  erwarten  dürfen,  als  sie  polnisch  kriechend  gegen  ihre  hohen 
Mäcene  und  Ciönner  sind.  Alle  drey  Classen  sind  übrigens  gleich- 
sam durch  scharfe  Grenzlinien  von  einander  geschieden  und  der 
public  spirit,  der  noch  in  Halle,  auch  in  Göttingen  herrscht,  ist  hier 
völlig  verflogen.  Daher  selten  ein  Tumult,  und  wenn  einer  entsteht, 
mehr  Narrensposse  als  ernstliche  Unruhe;  daher  die  tiefe  Submission 
der  Armen  gegen  die  begüterten  Einwohner  der  Stadt;  daher  zum 
Teil  der  geringe  Grad  von  Würdigung,  der  hier  mit  dem  Begriff 
Student  (Geld  tilgt  diesen  Begriff)  verbunden  ist." 

Über  die  Feinheit  des  Tones  unter  den  Leipziger  Stu- 
denten urteilt  Prasch  übrigens  ziemlich  skeptisch.  Er  steht 
damit  in  der  Leipziger  Literatur  des  18.  Jahrhunderts  durch- 
aus nicht  allein,  und  seine  Äufserungen  darüber  scheinen  mir 
den  Stempel  innerer  Wahrscheinlichkeit  an  sich  zu  tragen, 
so  dafs  ich  sie  hier  ebenfalls  anführen  möchte.   Prasch  schreibt: 


')  Gemeint  ist  die  französische  Kolonie  in  Leipzig,  die  als  die 
vornehmste  Hüterin  des  feinen  Leipziger  Tones  allgemein  galt. 


222  W.  Bruchmüller: 

„Dafs  der  hiesige  Student  sich  durch  Artigkeit  vor  den  Zög- 
lingen andrer  Akademien  auszeichnet,  ist  beinahe  überall  als  er- 
wiesene Wahrheit  auf-  und  angenommen;  allein  wenn  Artigkeit 
mehr  ist,  als  seinen  Rücken  etliche  Zoll  tiefer  krümmen,  den  Hut 
mit  mehr  Eleganz  ziehen  und  einem  Frauenzimmer  die  Hand  mit 
Anstand  küssen;  wenn  Artigkeit  mehr  ist  als  dies:  so  kann  ich 
diesen  Satz  nur  mit  grofsen  Einschränkungen  gelten  lassen.  Ich 
habe  hier  einige  Vorlesungen  besucht,  und  ich  bin  begaft  und  be- 
lorgnirt  worden,  als  wenn  ich  ein  Orang-Utang  gewesen  wäre;  ich 
bin"  im  Schauspielhaufs  gewesen  und  hibe  mit  Erstaunen  gehört, 
dafs  die  artigen  Leipziger  Studenten  mit  Pfeifen,  Pochen  und  Ruhe- 
rufen einen  Lärm  maditen,  den  der  ungezrgenste  Jan  Hagel  nicht 
ärger  hätte  treiben  können;  ich  habe  gesehen,  d  fs  wohlgekleidete 
Leute  jedem  Frauenzimmer,  ddS  ihnen  begegnete,  mit  einer  boots- 
knechtmäfsigen  Insolenz  ins  Gesicht  gukten,  oder  an  die  Barriere 
der  Promenade  gelehnt,  ganz  laut  Bemerkungen  über  die  Vorüber- 
gehenden machten,  die  weder  Beweise  ihres  Witzes,  noch  ihrer 
Lebensart  waren;  ich  habe  gesehen,  dafs  sauber  gekleidete  Frauen- 
zimmer Abends  von  diesen  Mustern  der  Artigkeit  ohne  Umstände 
angeredet,  und  wenn  sie  sich  dieser  ungebetenen  Gesellschaft  zu 
entziehen  suchten,  mit  Hohngelächter  verfolgt  wurden;  und  wenn 
dies  Artigkeit  ist,  so  weis  ich  wahrlich  nicht  mehr,  was  man  eigent- 
hch  Unartigkeit  nennen  soll.  Das  aber  habe  ich  bemerkt,  dafs  der 
hiesige  Student  sich  äufserst  geschliffen  beträgt:  erstlich  gegen 
Mädchen  und  Weiber,  von  denen  er  eine  Eroberung  zu  machen 
glaubt,  und  dann  gegen  alle  diejenigen,  bey  denen  er  Credit  oder 
Information,  oder  des  etwas  zu  erlangen  hott." 

Die  zweite  der  von  Detlev  Prasch  hier  erwähnten 
Studentenklassen,  die  in  der  Erledigung  ihres  Brotstudiums 
aufgehenden  Musensöhne,  gibt  und  gab  es  stets  und  allerorts 
in  grofser  Menge  und  ihre  Wesensart  ist  überall  und  zu  allen 
Zeiten  die  gleiche,  sie  kommen  deshalb  für  die  Prägung  eines 
besonderen  Charakters  einer  Studentenschaft  nirgends  an  sich 
in  Betracht,  sondern  nur  indirekt,  indem  sie  durch  ihr 
stärkeres  oder  geringeres  Vorhandensein  an  einem  Orte 
dessen  Charakter  mitbestimmen  helfen.  In  Leipzig  haben  zu 
dieser  Schicht  vor  allem  gewifs  die  gröfste  Zahl  der  säch- 
sischen Inländer  gehört.  Sie  machten  im  17.  und  später 
wieder  im  19.  Jahrhundert  die  weitaus  breite  Masse  der 
Leipziger  Studenten  aus.  Im  18.  Jahrhundert  war  dank  dem 
Rufe  Leipzigs  als  Weltstadt  zu  ihnen  wieder  eine  stärkere 
Zahl  NichtSachsen  getreten,  die  zu  einem  grofsen  Teil  wohl 
in  die  Reihe  der  besser  situierten  Studenten  gezählt  werden 
müssen.  So  scheint  damals  Leipzig  nicht  gerade  den  scharf 
ausgeprägten  Charakter  einer  ,, Arbeitsuniversität"  besessen 
zu  haben  —  um  einmal  einen  modernen  terminus  technicus 
vorwegzunehmen.  In  dem  1799  erschienenen  ,, Leipzig  im 
Profil,  einem  Taschenwörterbuch  für  Einheimische  und  Fremde", 
heifst    es   dazu  S.  272:    ,,Im  Ganzen    findet    man    unter    den 


Der  T5'pus  des  Leipziger  Studenten  iin  1 8.  Jahrhundert.]     323 

hiesigen  Studenten  nicht  den  Fleifs,  den  man  zu  Halle,  Jena 
und  Göttingen  sieht,  doch  dürften  sie  leicht  fleifsiger  sein 
als  die  Wittenberger,  Das  Preufsische  Landeskind,  das  in 
Halle  Theologie  studiert,  geht  mit  zwei  Jahren  von  der 
Universität  und  nimmt  dann  ebensoviel  Wissenschaft,  wenig- 
stens theologische,  mit  nach  Hause  als  der,  welcher  bei  uns 
viertehalb  und  vier  Jahre  studiert  hat."  Ein  ganz  ähnliches 
Urteil  gibt  die  1798  erschienene  Schrift  ,,Über  Leipzig  vor- 
züglich als  Universität  betrachtet"  ab.  Dort  heifst  es  (S.  31): 
,,Wenn  unter  den  Studierenden  in  Leipzig  rühmlicher  Fleifs 
und  Eifer  im  Forschen  nach  Wahrheit  seltener  als  auf  andern 
Akademien  gefunden  werden,  so  ist  diefs  keineswegs  dem 
Mangel  gelehrter  Hülfsmittel,  sondern  blofs  einem  leidigen 
nun  einmal  herrschend  gewordenen  Geiste  der  Indolenz, 
welchen  die  vielen  in  Leipzig  geöffneten  Gelegenheiten  zu 
den  mannigfachsten  und  kostspieligsten  Vergnügungen  noch 
nähren,  zuzuschreiben." 

Deshalb  verlangt  der  Verfasser,  der  dem  Kaufmannsgeiste 
der  Stadt  einen  unheilvollen  Einflufs  auf  das  Leben  der 
Studenten  zuschreibt,  auch  energisch  eine  Verlegung  der 
Universität  von  Leipzig  etwa  nach  Weifsenfeis. 

Der  Einflufs  der  Leipziger  Atmosphäre  hat  gewifs,  wir 
berührten  das  schon  zum  Teil,  auf  die  Haltung  der  Leipziger 
Studentenschaft  und  die  Ausbildung  ihres  besonderen  Charakters 
sehr  stark,  freilich  in  wesentlich  anderer  Richtung,  als  es 
„Über  Leipzig  vorzüglich  als  Universität  betrachtet"  will, 
eingewirkt. 

Die  eben  besprochene,  vom  Leipziger  Wesen  bewirkte 
Spaltung  der  Leipziger  Studentenschaft  bedingte  ihrerseits 
wieder  stärker  als  in  kleineren  Universitäten  eine  Abkehr 
der  Studenten  von  dem  alten  studentischen  Treiben,  der 
„alten  burschikosen  Fidelität",  wie  Detlev  Prasch  es  nennt. 
Dafür  haben  wir  vielfache  Zeugnisse;  so  meint  Anseimus 
Rabiosus  der  Jüngere  (mit  seinem  richtigen  Namen  Andreas 
Georg  Friedrich  Rebmann)  in  seinen  Wanderungen  und 
Kreuzzügen  durch  einen  Teil  Deutschlands  in  dem  auf  den 
Leipziger  Studenten  bezüglichen  Teil  —  ihn  hat  Wustmann 
in  einem  Neudruck  1897  ^^^  herausgegeben  — :  ,,Da  unter 
den  Studierenden  in  Leipzig  keine  solche  Eintracht  herrscht 
als  auf  andern  Universitäten,  so  findet  man  auch  daselbst 
keine  Burschengelage,  sondern  jeder  hat  ein  oder  zwei  Freunde, 
mit  denen  er  umgeht  und  die  Vergnügungen  geniefst,  wozu 
Denkart  und  Beutel  ihn  bestimmen."  Derselbe  Autor  meint 
weiter,    dafs    in  Leipzig  sehen  Studentenaufzüge  stattfänden. 


324 


W.  Bruchmüller : 


Andere  Stimmen  erwähnen  übereinstimmend  das  seltene  Vor- 
kommen von  Studententumulten  und  das  Schwinden  der 
Duelle,  worüber  freilich  keine  Einigkeit  herrscht,  was  sich 
leicht  daraus  erklärt,  dafs  hierin  wohl  tatsächlich  mehrfach 
ein  Wechsel  sich  geltend  gremacht  hat. 

In  dem  17. Jahrhundert  war  auch  in  Leipzig  das  Studenten- 
leben ein  wildes  und  rohes  so  gut  wie  in  Jena  und  Witten- 
berg gewesen.  Der  Pennalismus  herrschte  hier  ebenso  un- 
einoreschränkt  wie  auf  den  übrigen  deutschen  Hochschulen. 
Es  liegt  nicht  in  unserer  heutigen  Aufgabe,  das  hier  näher 
zu  belegen  und  darzustellen.  Man  braucht  aber  nur  die 
Annalen  des  alten  Johann  Jakob  Vogel  durchzublättern,  um 
von  der  Wildheit  des  studentischen  Treibens  in  Leipzig 
während  jener  Zeit  eine  sehr  deutliche  Vorstellung  zu  ge- 
winnen. Durch  scharfes  Eingreifen  der  staatlichen  Behörden 
war  man  endlich  im  letzten  Viertel  des  17.  Jahrhunderts  des 
Pennalismus  in  der  Hauptsache  auf  den  evangelischen 
Universitäten  Herr  geworden.  Während  aber  trotzdem  auf 
andern  Universitäten  wüe  in  Jena  und  Wittenberg  das 
Studentenleben  viel  von  seiner  alten  Wildheit  und  Roheit 
beibehalten  und  sich  die  alten  burschikosen  Formen  und  ein 
enger  Zusammenhalt  der  Studentenschaft  untereinander  er- 
halten  hatten,  waren  in  Leipzig  mit  dem  Pennalismus  auch 
die  burschikosen  Formen  des  Studentenlebens  und  der  eigent- 
liche Zusammenhang  der  Studentenschaft,  wir  sahen  schon 
weshalb,  mehr  geschwunden.  Es  wurde  das  bedingt  eben 
durch  den  Umschwung  in  dem  Gesamtleben  der  Stadt,  der 
sich  seit  dem  Ausgang  des  17.  Jahrhunderts  bemerkbar 
machte  und  Leipzig  immer  mehr  zu  einem  Mittelpunkt  des 
Handels  und  der  feinen  Sitte  wie  der  Literatur  w^erden  liefs. 
An  solchen  Mittelpunkten  kann  sich  —  wir  sehen  das'  noch 
heute  —  das  Studententum  nicht  in  solcher  Abgeschlossen- 
heit und  Eigenart  erhalten  wie  in  kleinen  Orten,  in  denen 
die  Universität  der  einzige  Faktor  von  Bedeutung  ist.  Trotz- 
dem war  auch  in  Leipzig  nicht  jeder  Rest  alten  burschikosen 
Treibens  geschwunden.  Es  waren  auch  nicht  nur  Jenenser, 
die  hier  nach  Renommistenweise  lebten,  wie  Zachariä  in 
seinem  Heldengedicht  glauben  machen  will.  Die  alten  lands- 
mannschaftlichen Organisationen  hatten  den  Sturm  gegen 
den  Pennalismus  und  das  Nationenwesen  auch  in  Leipzig 
überdauert.  Wir  haben  für  ihr  Fortbestehen  schon  aus  den 
achtziger  Jahren  des  17.  Jahrhunderts  wieder  deutliche  Zeug- 
nisse. Man  duldete  sie  wieder,  weil  man  sie  doch  nicht  ganz 
entbehren    konnte.     Einen  beherrschenden  Einflufs  haben  sie 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  18.  Jahrhundert.       325 

freilich  in  Leipzig  während  des  18.  Jahrhunderts  ebensowenig 
zurückgewonnen,  wie  die  im  18.  Jahrhundert  entstehenden 
Studentenorden,  von  deren  Wirksamkeit  in  Leipzig  wir  wenig 
genug  wissen,  was  für  ihre  relative  Bedeutungslosigkeit  spricht. 
Fabricius  in  seiner  schon  genannten  Schrift  über  die  deutschen 
Korps  weifs  uns  von  Leipziger  Landsmannschaften  des  i  S.Jahr- 
hunderts nur  während  der  Zeit  des  später  noch  näher  zu  er- 
wähnenden „Mesenkrieges"  etwas  mitzuteilen.  Damals  ent- 
standen in  Leipzig  wieder  einige  solcher  Verbindungen,  die 
sich  durch  natürliche  oder  künstliche  Blumen  an  den  Hüten 
unterschieden.  Unter  diesen  werden  besonders  Mecklenburger 
mit  ihrem  Senior  von  Maltzahn^)  genannt.  Aber  im  Herbst 
wurden  die  Kokarden  und  Blumen  verboten,  und  es  scheint, 
als  ob  auch  die  Landsmannschatten  selbst  wieder  schlafen 
gegangen  wären.  Der  bekannte  Abenteurer  jener  Zeit  Fried- 
rich Christian  Laukhard  erzählt  in  seiner  Lebensbeschreibung, 
es  habe  in  der  Zeit  von  1780 — 1790,  in  der  er  selbst  in  Leipzig 
war,  dort  keine  Verbindungen  gegeben,  nicht  einmal  Paukereien, 
über  deren  Wiederaufleben  andererseits  ,,Über  Leipzig  vor- 
züglich als  Universität  betrachtet"  am  Ende  des  Jahrhunderts 
Klage  führt.  Fabricius  weist  aber  aus  den  Aufzeichnungen 
des  Esthländers  von  Rosen,  der  1780 — 1782  in  Leipzig 
studierte,  eine  Landsmannschaft  der  Livländer  nach,  zu  der 
auch  die  Esth-  und  Kurländer  gehörten  und  deren  Mitglied 
von  Rosen  war.  Die  Landsmannschaft  war  von  einem  Grafen 
Sievers  gegründet  und  trug  scharlachrote  Uniformen  mit 
grünem  Kragen  und  Stahlknöpfen.  Die  Stärke  belief  sich 
auf  etwa  30  Mann.  Die  Behörde  erzwang  bald  das  Ablegen 
dieser  Uniformen.  Dann  ist  bis  zum  Beginne  des  19.  Jahr- 
hunderts von  Landsmannschaften  in  Leipzig  nichts  mehr  zu 
hören.  Gelegentliche  Bildungen  scheinen  eben  stets  nur  Ein- 
tagserscheinungen gewesen  zu  sein,  die  keine  dauernden 
Lebensspuren  hinterlassen  konnten.  Auch  von  den  Orden, 
die  seit  dem  letzten  Drittel  des  18.  Jahrhunderts  der  bisher 
einzig  herrschenden  Form  studentischen  Korporationswesens, 
der  landsmannschaftlichen,  das  Leben  schwer  machten,  haben 
wir  in  Leipzig  nur  wenig  Spuren.  So  wurde  1768  hier  von 
einem  Mecklenburger  Brückner  (also  auch  in  der  Zeit  des 
Mesenkrieges)  ein  Orden  gegründet,  den  Fabricius  als  einen 
Vorgänger  des  Amicistenordens  bezeichnet.  Logen  hatte 
dieser  Orden  in  Leipzig,  Jena  und  Halle.  Die  Leipziger 
Loge,    der  —  charakteristisch   für  Leipziger  Verhältnisse  — 


')  Wir  sehen  auch  hier  wieder  die  führende  Rolle  des  Adels. 


5  20  W.  Bruchmüller: 

nicht  nur  Studenten,  sondern  auch  Offiziere,  Beamte,  Bürger 
und  Kauf  leute  angehörten,  hiefs  ,,Harmonia".  Ihr  Bestehen 
bezeugt  uns  noch  1787  ganz  kurz  Detlev  Prasch').  Dort 
heifst  es,  nachdem  eine  bürgerliche  Gesellschaft  Harmonie 
erwähnt  ist:  ,, Unter  den  Studenten  soll  eine  ähnliche  Gesell- 
schaft seyn,  deren  inn're  Einrichtung  mir  aber  unbekannt  ist: 
nur  das  weifs  ich,  dafs  sie  die  Strafgelder,  welche  von  denen, 
die  wider  die  Gesetze  gestrauchelt  haben,  einkommen,  zu 
Werken  der  Wohlthätigkeit  verwendet;  und  schon  dadurch 
ist  sie  ehrwürdiger,  als  die  elenden  litterarischen  Klubbs  auf 
Universitäten,  die,  wenns  hoch  kömmt,  die  Buchhändler  um 
einen  Ballen  Makulatur  reicher  machen."  Eine  Rolle  im 
studentischen  Leben  scheint  demnach  die  Harmonie  kaum 
gespielt  zu  haben. 

Aber  gerauft  und  gezecht  ist  auch  in  Leipzig  im  18.  Jahr- 
hundert von  den  Studenten  worden,  und  selbst  an  gröfseren 
gemeinsamen  Aktionen  wie  Tumulten  hat  es  bekanntlich  nicht 
ganz  gefehlt.  Zeugnisse  dafür  finden  wir  in  Johann  Salomon 
Riemers  Leipzigischem  Jahrbuche,  einer  Fortsetzung  des 
Vogelschen  Werkes  für  die  Jahre   1714 — 1771. 

Ich  kann  auf  das  dort  zu  unserer  Frage  beigebrachte 
Material  hier  nicht  ausführlicher  eingehen  und  erwähne  des- 
halb nur,  dafs  Riemer  für  diese  Zeit  über  mehrere  Duelle 
mit  tötlichem  Ausgang  berichtet  und  über  gröfsere  und 
kleinere  Tumulte,  aufser  aus  dem  an  Tumulten  reichen  kriti- 
schen Jahre  des  vielerwähnten  ,,Mesenkrieges"  1768  noch 
aus  1721,  1725,  1743,  1748  (zweimal)  und  1771  Mitteilungen 
macht.  Der  Auflauf  am  14.  August  1748  ist  deshalb  erwähnens- 
wert"), weil  hier  wieder  ein  Versuch  auftaucht,  besondere 
studentische  Abzeichen,  diesmal  nach  Fakultäten,  anzulegen. 
Die  Theologen  sollten  violette,  die  Juristen  karmoisinrote,  die 
Mediziner  grüne  Kokarden  tragen.  Der  Versuch  mifslang 
gründlich.  Es  fehlte  an  jeder  Organisation,  und  der  vor  dem 
Schwarzen  Brett  zusammengelaufene  studentische  Haufe  wurde 
von  den  Häschern  auseinandergetrieben  und  bekam  Schläge 
auf  die  Hüte  statt  der  erhofften  Kokarden.  Einen  wirklich 
gefährlichen  Charakter  für  die  öffentliche  Ordnung  und  Sicher- 
heit haben  diese  Tumulte,  eben  weil  der  Zusammenhalt  zu 
stark  fehlte  und  die  Bewegungen  nicht  von  der  gesamten 
Studentenschaft,  sondern  nur  von  einzelnen  Kreisen  getragen 


1)  A.  a.  O.  S.  178. 

-)  Er  wurde    wegen    des    Degentragens    der    Kaufdiener    und 
Perrückenmacher  inszeniert. 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       ^27 

wurden,  freilicli,    abgesehen   vielleicht  von  dem  Mesenkricge, 
den  ich  später  bespreche,  nicht  mehr  angenommen. 

Über  das  weniger  starke  Hervortreten  des  Studenten  in 
Leipzig  wie  über  sein  geselliges  und  Kneipenleben  besagt  der 
Verfasser  des  bereits  genannten  ,, Leipzig  im  Profil": 

„Die  Studenten  werden  in  Leipzig  weniger  bemerkt  als  in 
andern  minder  bevölkerten  und  minder  reichen  Umversitäts-Städten  . . , 
mit  Unrecht  aber  würde  man  hiervon  auf  eine  sittlichere  Auffühnuig 
der  Studenten  schliefsen:  Das  Einzige  ist,  dafs  da  mehr  burschikoser 
Geist  herrscht,  wo  die  Studenten  gewohnt  sind,  sich  nur  untereinander 
selbst  zu  sehen;  wir  geben  übrigens  zu,  dais  dieser  Geist  nicht  gar 
heilsamlich  ist.  Die  Leipziger  Studenten,  im  Ganzen  genommen, 
fallen  weder  durch  ihre  Tracht  noch  durch  ihr  äufserliches  Betragen 
so  auf  als  die  Hallenser  und  Jenenser,  es  bleibt  aber  darum  die  grofse 
Frage,  ob  es  mehr  gesittete  und  sittlich  gute  Menschen  unter  ihnen 
giebt?  Sie  mögen  höflicher  seyn,  das  liert  in  dem  Charakter  der 
Nation;  mancher  treibt  es  bis  zur  kriechenden  Unterwürfigkeit;  ein 
Zeichen  eines  niedrigen  Gemüths  bei  einer  armseligen  Lage.  Zu 
seiner  Zeit  wirft  auch  ein  solcher  mit  Knoten  und  Philistern  um  sich 
und  brüllt  sein  Gaudeamus  auf  der  Kirmefs  zu  Eutritzsch  trotz  seinem 
Herrn  Bruder  von  Wittenberg;  ja  man  wird  es  auf  andern  Univer- 
sitäten nicht  so  leicht  erleben,  dafs  sich  zehn  oder  fünfzehn  zech- 
und  schreilustige  Brüder  zum  Landesvater  niedersetzen  und  mehr 
als  200  andre  christliche  Leute  von  ihrem  Vergnügen  aufscheuchen, 
wie  wir  das  auf  der  Funkenburg  oft  genug  sehen  können.  Zu 
Tumulten  ist  der  Leipziger  Student  ebensowohl  aufgelegt  als  ein 
anderer,  nur  meint  er  es  damit  nicht  so  ernstlich.  Das  meiste  von 
der  Art  pflegt  alsdann  in  den  Hundstagen  vorzufallen.  Da  jammern 
die  armen  Stadtsoldaten  und  seufzen  ob  der  giftigen  Influenza  des 
Hundsterns,  denn  an  ihnen  will  man  das  Müthchen  kühlen,  um  des 
leidigen  Thorgelds  willen,  davon  doch  diesen  frommen  Leuten  so 
wenig  zu  Schulden  fallen  kann,  als  dem  Setzer  von  den  Sünden  des 
Autors." 

Der  Torgroschen  bildete  um  deswillen  so  oft  ein  Streit- 
objekt zwischen  den  Musensöhnen  und  den  Hütern  der  öffent- 
lichen Ruhe  und  Ordnung,  weil  die  Dörfer  um  Leipzig  herum 
auf  die  Studenten  eine  grofse  Anziehungskraft  ausübten,  da 
man  sich  in  ihnen  freier  und  ungebundener  gehen  lassen 
durfte.  Die  von  Wustmann  in  seinem  Leipziger  Bilderbuch 
geschilderte  und  abgebildete  Leipziger  Studentengeographie 
mit  ihren  scherzhaften  Kennzeichnungen  der  einzelnen  ,, Bier- 
dörfer" gibt  von  dieser  Vorliebe  der  Leipziger  Studenten  für 
das  ländliche  Bieridyll  deutliches  Zeugnis'). 


')  Die  Leipziger  Studenten- Geographie  ist  ein  von  einem  Theo- 
logen erfundener  Scherz,  den  er  in  den  70  er  Jahren  einem  Freunde 
ins  Stammbuch  zeichnete  und  der  von  damit  manchen  Abweichungen 
weiter  verbreitet  wurde.  Die  Geographie  wurde  endlich  von  dem 
Maler  und  Studenten  der  Mathematik  Capieux  für  den  Kupferstich 
gezeichnet  und  wurde  als  solcher  im  Sommerhalbjahr  1773  heraus- 


328 


\V.  BnichmüUer: 


Freilich  war  dieses  Dorfid}-!!  der  Leipziger  Studenten  nicht 
immer  ungetrübt,  die  Handwerksgesellen,  mit  denen  der  Leip- 
ziger Student  von  Alters  her  in  scharfer  Fehde  gelegen  hatte 
—  es  sei  nur  an  den  berühmten  Schusterkrieg  aus  dem  15.  Jahr- 
hundert erinnert  — ,  zogen  dem  Studenten  auf  das  Land  nach 
und  machten  ihm  hier  das  Feld  streitig,  oder  die  Bauern 
machten  von  ihrem  Hausrecht  Gebrauch  und  gerieten  sich 
mit  den  übermütigen  Studenten  in  die  Haare.  Riemer  in 
seinem  schon  genannten  Leipzigischen  Jahrbuche  verzeichnet 
mehrere  solcher  Zusammenstöfse,  wobei  die  Studenten  oft 
nichts  von  der  Feinheit  des  Leipziger  gesellschaftlichen  Tones 
erkennen  liefsen,  sondern  sich  zumeist  sehr  roh  und  wild  auf- 
führten. Die  bei  Riemer  aus  den  Jahren  1768  und  1769  ge- 
schilderten Vorgänge  sind  beide  Male  fast  die  gleichen.  Die 
Studenten  rücken  nach  dem  Vogelschiefsen  in  hellen  Haufen 
vor  eine  Kneipe,  drängen  die  Handwerksgesellen  in  die  Enge 
und  demolieren  bei  der  entstehenden  Prügelei  oder  wohl  auch 
ohne  eine  solche  in  tollem  Vandalismus  alles,  was  nicht  niet- 
und  nagelfest  ist.  Ein  ganz  entsprechender  Vorgang,  der 
schon  nach  Riemers  Zeit  liegt,  ist  satirisch  in  einem  1777 
anonym  und  ohne  Angabe  des  Erscheinungsortes  veröffent- 
lichtem Büchlein  geschildert,  das  ziemlich  unbekannt  geblieben 
zu  sein  scheint,  wenigstens  findet  sich  dieses  kleine  Epos  in 
vier  Gesängen  ,,Das  Lindenauische  Treffen  bey  Leipzig.  Ein 
Heldengedicht"  (56  Oktavseiten)  in  Goedekes  Grundrifs,  so 
viel  ich  gesehen  habe,  nicht  verzeichnet.  Die  Arbeit  ist  eine 
ziemlich  traurige  Leistung  ohne  Anschauungs-  und  Darstellungs- 


gegeben, aber  auch  sofort  konfisziert.  Das  Bild  zeigt  Leipzig  mit 
seiner  Umgebung,  darunter  die  Verse: 

„Die  Lage  einer  fremden  Gegend  kennen, 
Der  Städte  Pracht  und  ihre  Nahmen  nennen, 
Ist  nichts,  ist  blofse  Theorie, 
Allein  in  Städten  hübsche  Mädchen  küssen, 
Des  Dorfes  Bier  und  seine  Stärke  wissen, 
Ist  praktische  Geographie." 

Die  Rückseile  des  Blattes  bringt  zu  einer  Reihe  der  verzeichneten 
Orte  in  der  Umgegend,  die  für  den  Studenten  gewisse  Bedeutung 
besafsen,  launige  Anmerkungen.  ]\Iit  solchen  sind  versehen  Brand- 
vorwerg, Connewitz,  Eutritzsch,  Gautsch,Golitz.  Kohlgarten,  Lindenau, 
Möckern,  Plagwitz,  Raschwitz,  Rosenthal,  Reidnitz,  Schönefeld, 
Stötteritz,  Thonberg,  Grofs-  und  Klein- Zschocher.  —  L-nter  Kohl- 
garten heifst  es:  „eine  immerilüfsende  Quelle  und  Erquickung  grund- 
triebiger  Kuchenmusen.  Die  Carawanen  dahin  sind  bekannt."  — 
Unter  Rosenthal:  „Die  schönste  Promenade  um  Leipzig,  Freylich 
giebt  es  auch  viele  moralische  Eber  darinnen,  doch  dafür  kann 
das  gute  Rosenthal  nicht  —  —  — " 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       ^^29 

kraft,  in  sehr  holprigen  Versen.    Mit  grofser  Weitschweifigkeit 

schildert  sie  zunächst  den  Auszug  Leipzigs  zu  Fufs  und  Wagen 

nach   der  Vogelwiese    und    das   Treiben    auf   dieser,    wo    am 

letzten  Abend    des    Festes    ein   Feuerwerk   abgebrannt   wird. 

Inzwischen  hat  in  einem  Wirtshaus  in  Zschocher  ein  Schwärm 

Studenten  dem  Bachus  geopfert.     Dicke  Tabakswolken  lassen 

kaum  vermuten,  dafs  sich  in  dem  Räume  Menschen  aufhalten, 

„wofern  nicht  ein  Vater  des  Landes 

Unter  dem  Vorsitz  des  tapfersten  Trinkers  wäre  erschollen". 

,Jeder  wackere  Bursche  entfesselt  sich  hinter  dem  Tische, 

Reifst  den  durchlöcherten  Hut  von  der  stehenden  Spitze  des  Degens, 

Greift  mit  eiliger  Hand  nach  den  ruhentlen  Spanischen  Waffen, 

Gleich  steht  der  muthige  Führer  des  Heers  mit  blinkendem  Messer, 

An  der  Spitze  des  schon  drei  Mann  hoch  geordneten  Zuges. 

Alle  geweihete  Hüte  werden  mit  Büschen  gezieret, 

Und,  vivat  sequens  zum  Feuer^verk!  schallfs  durch  die  Glieder." 

Das  erwähnte  ,, blinkende  Messer"  in  der  Hand  des  Führers 
ist  der  Degen  eines  Stadtsoldaten,  aufserdem  wird  der 
,,Zschochersche  Raufer",  ein  alter  in  dem  Wirtshaus  zum 
Gebrauch  für  den  Landesvater  aufbewahrter  Degen,  mit- 
geführt. Überdies  mit  ihren  spanischen  Rohren  bewaffnet, 
rücken  nun  die  Studenten  zum  Feuerwerk  auf  die  Vogelwiese. 
Auf  dem  Marsche  werden  ,, Gaudeamus  igitur"  und  ,,Sagt  mir 
ihr  Musen  etc."  bald  als  Soli,  bald  ,, harmonisch  mit  vollen 
Hälsen"  gesungen.  Mit  dem  Ruf:  ,, Knoten  weg!  Bursche 
h'rein!  Platz!  Knoten  weg!  Bursche  hVein!  Platz!  Platz!" 
dringt  die  Schar  auf  den  Platz  des  Feuerwerks  und  erschreckt 
die  Schar  der  Philister.  Dies  und  ein  plötzHcher  Platzregen 
mit  Gewitter  treibt  die  Zuschauer  zu  eiliger  Flucht,  die 
Bursche  aber  wenden  sich  nach  Lindenau,  in  ihrer  Begleitung 
auch  ,, gefällige  Mädchen".  In  dem  Wirtshaus  zu  Lindenau 
ist  der  untere  geräumige  Saal  bereits  von  dem  ,, Erbfeind", 
den  Handwerksofesellen  besetzt.  Der  Wirt  weist  deshalb  den 
Studenten  ein  höher  gelegenes  kleineres  Zimmer  an.  Diese 
drino-en  aber  gewaltsam  in  den  unteren  Saal  ein.  Auch  hier 
schallt  der  Kriegsruf:  „Knoten  weg!  Bursche  hVein!"  Die 
,, Knoten"  werden  in  eine  Ecke  gedrängt,  die  Tische  zusammen- 
geschoben, und  es  beginnt  ein  Kneipgelage  mit  fröhlichen 
Liedern:  „Lustig  sind  wir,  lieben  Brüder  — "  und  ,,in  Sani- 
tätern omnium!  Sa!  Sa!"  Die  in  die  Ecke  gedrückten 
Handwerksgesellen  scharren  dazu  mit  den  Füfsen,  legen  sich 
schliefslich  aber  aufs  Bitten,  und  es  wird  ihnen  ein  kleiner 
Tanz  erlaubt,  die  Musik  dazu  aber  sofort  wieder  mit  Singen 
unterbrochen.  Das  Fufsstampfen  der  enttäuschten  Gesellen 
gibt  Anlafs  zum  Beginn  der  Prügelei,  in  der  schliefslich  trotz 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.  XXIX.      3.  4.  22 


530  W.  Bruchmüller: 

des  Deofens  des  Stadtsoldaten  die  Handwerker  die  Oberhand 
behalten.  Der  Lärm  des  Kampfes  hat  die  Bauern  mit  dem 
Richter  und  Schoppen  auf  das  Schlachtfeld  gerufen,  sie  be- 
setzen die  Ausgänge  und  dringen  in  den  Saal,  in  dem  mit 
Tischen,  Stühlen  und  Bierkrügen  gekämpft  wird.  Das  Er- 
scheinen der  Schoppen  ist  das  Signal  zur  Flucht  durch  die 
engen  Fenster: 

„Hüte  und  Spanische  Waffen  bedecken  das  wimmelnde  Schlachtfeld, 
Tobacks-Köpfe  und  Röhre  entfallen  im  dichten  Gedränge, 
Einer  stürzt  über  den  Andern  hin,  und  mit  Schlägen  versehen. 
Reifst  er,  entblöfst  und  entwaffnet,  mit  sich  die  Menge  herunter." 

So  gestaltet  sich  der  Heimweg  der  geschlagenen  Schar, 
von  denen  auch  einige  in  den  Händen  der  dörflichen  Häscher 
geblieben  sind,  bei  strömendem  Regen  zu  einem  traurigen 
Rückzug  nach  dem  geliebten  Zschocher.  Schlimm  ist  es 
auch  den  begleitenden  Mädchen  gegangen: 

„Zwar  sie  verwandelte  Circe  nicht,  gleich  wie  die  Gefährten 

Des  Ulysses,  in  Schweine;  aber  was  oben  dem  Reize 

Eines  bezaul^ernden  Mädchens  glich,  fiel  vmten  in  einen 

Häfslichen  Fisch  aus.    Schuh,  Coefturen,  Cornetten  und  Bänder, 

Schnupftücher,  Spitzen,  Manschetten,  Mantiljen,  Schleifen  und  Streife, 

Blumensträufser  und  Flittergold  deckten  die  schmuzigen  Pfade, 

Und  der  blinde  Fufs  der  kommenden  Menge  vermischte 

Alles  Gepränge  mit  fliefsenden  Wassern  und  dicken  Morästen. 

Selbst  Dämon  errettete  nur  die  verwandelte  Ph^llis, 

Nicht  den  zierlich  gesticketen  Schuh,  im  Sumpfe  vergraben, 

Nicht  die  köstliche  Haube  von  der  wiegenden  Pappel. 

Alles  wandelte  fort  mit  einem  Schuhe  und  Strumple, 

Mit  entblöfsetem  Haupt  und  —  bitterlich  thränendem  Auge." 


Der  Studententumult  von  1768,  von  dem  uns  Goethe  in 
Dichtung  und  Wahrheit  erzählt,  ist  auch  sonst  mehrfach  ge- 
schildert worden.  Recht  oberflächlich  z.  B.  in  ,, Leipzig  nach 
der  Moral  beschrieben"  im  Anfang  des  zweiten  Stückes, 
Ausführlicher  bei  Riemer.  Sehr  lebendig  schildert  uns  die 
Vorgänge  eine  kleine  Darstellung,  die  von  beteiligter  stu- 
dentischer Seite  stammt  und  deshalb  natürlich  parteiisch  ge- 
färbt ist,  sie  gibt  uns  dafür  aber  einen  hübschen  Einblick  in 
das  Empfinden  der  damaligen  Leipziger  Studenten.  Das 
Schriftchen  betitelt  sich:  ,,Der  Musen-Krieg  zu  Leipzig  vom 
Monat  Julio.  In  dem  Schreiben  an  einen  Freund."  Frank- 
furt und  Leipzig  1768.  Was  der  Schrift  an  Richtigkeit  der 
Darstellung  abgehen  mag,  ersetzt  sie  für  uns  durch  das 
Kolorit,    das    uns    bei    unserer   Aufgabe    das   Wichtigere    ist. 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  18.  Jahrhumlert.       3  ■51 

Als  Grund  der  Unruhen  wird  das  Streben  angegeben,  die 
alten  studentischen  Rechte,  die  man  gänzlich  habe  beseitigen 
wollen,  zu  erhalten.  Ein  Mandat  des  Rektors  habe  die  Ver- 
übung von  Tumulten,  d.  h.  die  alte  Gewohnheit  des  Vivat- 
rufens  auf  der  Strafse,  mit  Relegation  bedroht.  Als  Antwort 
auf  die  Veröffentlichung  des  Mandates  hatte  der  gröfste  Teil 
der  Studenten  am  nächsten  Abend  um  ^/„g  Uhr  dem  Stadt- 
kommandanten ein  Vivat  gebracht.  Bei  dem  dritten  Hoch 
tauchte  in  der  Strafse,  der  Katharinenstrafse,  die  Schar  der 
Häscher  auf  und  forderte  die  Studenten  zum  ruhigen  Nach- 
hausegehen  auf.  Ein  Pereat  und  ein  Regen  von  Steinen  war 
die  Antwort  von  studentischer  Seite.  Die  Häscher  zogen  sich, 
gefolgt  von  den  Studenten,  zurück,  die  vor  dem  Wachlokal 
ein  Pereat  nach  dem  andern  ausriefen  und  die  Gegner  zum 
Angriff  reizten.  Ein  Ausfall  der  Häscher  wurde  nochmals 
zurückgeschlagen.  Kurze  Zeit  nach  diesem  Tumult  kam  es 
wegen  des  berühmten  Torgroschens  zu  neuen  Reibereien. 
Diesmal  mit  den  Stadtsoldaten,  den  sogenannten  ,,Mesen", 
daher  den  Unruhen  der  Name  des  ,,Mesenkrieges"  beigelegt 
wurde.  Unsere  Schilderung  erzählt  folgendes  über  Entstehung 
und  Verlauf  des  Streites: 

„Eines  Abends  gehen  sieben  Stvidenten  durch  das  Thor,  von 
welchen  einer,  der  vom  Gelde  entblöfst  war,  ohne  Zahlung  durch- 
zukommen suchet  .  .  .  Sie  wurden  gleich  alle  auf  das  feindseligste 
angefallen;  die  ganze  Wache  umringte  sie.  Sie  entblöfsen  hierauf 
ihr^  Degen  und  wollen  durchdringen.  Viere  entspringen  auch  glück- 
lich, allein  dreye  wurde  (')  arretiret  und  den  folgenden  Tag  auf  den 
Universitäts-Karcer  gebracht." 

Zu  diesen  Gefangenen  gesellte  sich  noch  einer  der  Ent- 
sprungenen, der  einen  der  Torwächter  durch  die  Hand  ge- 
stochen hatte  und  verraten  worden  war,  sowie  zwei  weitere, 
die  ebenfalls  ohne  Erlegung  des  Torgroschens  durch  das  Tor 
gedrungen  sein  sollten.  Die  Verhaftungen  hatten  zur  Folge, 
dafs  an  den  folgenden  Abenden  die  Stadtsoldaten  bei  dem 
Zapfenstreich  von  den  Studenten  verhöhnt  wurden.  Ihr  Haupt- 
mann, der  ,, Geldwechsler",  also  Bankier  Frege  wurde  nun  be- 
schuldigt, die  Stadtsoldaten  zu  Gewalttätigkeiten  gereizt  zu 
haben.  In  gröfserer  Zahl  als  gewöhnlich  und  durch  die  Stadt- 
knechte verstärkt,  griffen  diese  am  vierten  Abend  einen  Trupp 
Studenten  mit  dem  Bajonett  an  und  verwundeten  mehrere 
Musensöhne  gefährlich.  Ein  Gegenangriff  der  verstärkten 
Studenten  wurde  abgeschlagen,  dabei  wurden  ebenfalls  mehrere 
Studenten  verwundet  und  gefangen.  Auch  später  wurden 
noch  durch  eine  Patrouille  mehrere  Ausschreitungen  verübt. 
Am   andern   Morgen   um    10  Uhr   rückten   die   Studenten  vor 

0 


^3 2  W.  Bruchmüller: 

das  Haus  des  Kommandanten,  um  Satisfaktion  zu  fordern. 
Die  studentischen  Abgesandten  verlangten  Arrest  für  den 
kommandierenden  Leutnant  und  weitere  Genugtuung.  Diese 
Forderungen  wurden  bewilligt.  Auch  vom  Rektor  wurde 
Genugtuung  und  Freilassung  der  Gefangenen  gefordert  und 
bis  2  Uhr  nachmittags  zugesagt.  Um  i  Uhr  hatten  sich  auf 
dem  Markt  mehr  als  looo  (?)  Studenten  versammelt,  und  diese 
zogen  um  ^j^z  Uhr  durch  die  Ha3^nstrafse ,  den  Brühl  und 
die  Ritterstrafse  vor  das  Versammlungslokal  des  Senats,  vor 
dem  die  Arrestanten  vernommen  und  nach  ungefähr  i  ^/^  Stunden 
alle  bis  auf  ,, einen  Juda,  welchen  niemand  verlangte",  frei- 
gelassen wurden.  In  feierlichem  Zuge  und  bester  Ordnung 
ging  es  dann  zu  vier  in  einer  Reihe  nach  dem  Kuchengarten. 
Hier  findet  grofse  Verbrüderung  der  meisten  durch  das  Hospi- 
tium  statt.  Nach  einem  Aufenthalt  von  etwa  zwei  Stunden 
geht  es  in  gleicher  Ordnving  und  mit  Musik  in  die  Stadt 
zurück.  Vor  dem  Hause  des  Rektors  wird  ein  ,,Vivat  ad 
interim"  gerufen,  dann  gehts  auf  den  Markt,  hier  wird  noch 
einmal  ein  grofser  Kreis  gebildet  und  ein  allgemeines  Vivat 
gerufen.  Die  Ruhe  schien  damit  hergestellt,  aber  da  die 
Satisfaktion  auf  sich  warten  liefs,  wandte  sich  der  Unwille 
wieder  gegen  Frege,  den  man  beschuldigte,  die  Stadtsoldaten 
durch  Branntweinspenden  zum  Angriff  auf  die  Studenten  ge- 
reizt zu  haben.  Man  dichtete  und  verbreitete  Spottgedichte 
auf  ihn,  was  natürlich  nicht  zur  Erhaltung  des  Friedens  bei- 
trug. Zum  Ausbruch  kam  der  Kampf  wieder  neun  Tage 
nach  dem  ersten  Angriff  der  Stadtsoldaten,  als  die  Studenten 
einem  Dozenten  zu  seinem  Geburtstag  abends  ein  solennes 
Vivat  zu  bringen  beschlossen  hatten.  Sie  versammelten  sich 
abends  um  8  Uhr  vor  dem  Schwarzen  Brette  und  zogen  von 
dort  unter  Trompeten-  and  Paukenschall  und  mit  brennenden 
Fackeln  nach  der  Petersstrafse  vor  das  Haus  des  Zuehrenden. 
Nach  dem  Vivat  ging  der  Zug  über  den  Markt,  durch  die 
Haynstrafse  und  den  Brühl  nach  der  Ritterstrafse  zurück,  wo 
vor  dem  Schwarzen  Brett  die  Fackeln  zusammengeworfen 
und  einige  Studentenlieder  gesungen  wurden. 

Damit  war  die  Sache  aber  nicht  zu  Ende,  sondern  nun 
zogen  gegen  ^j^io  Uhr  die  Studenten  vor  das  Haus  Freges 
in  der  Grimmaischen  Strafse  und  warfen  dort  unter  Pereat- 
rufen  die  Fenster  ein.  Drei  Tage  später  wurden  auf  Befehl 
aus  Dresden,  wohin  von  dem  Rate,  dem  Kommandanten  und 
der  Universität  berichtet  worden  war,  Feldsoldaten  nach 
Leipzig  gelegt  und  solche  im  Peterstor  und  auf  dem  Markt 
postiert.     An   dem   gleichen   Tage   hatten   die   Studenten   die 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  1 8.  Jahrhundert.       ^53 

Absicht,  dem  Bürgermeister,  der  als  Freund  der  Studenten 
galt,  ein  Vivat  zu  rufen.  Der  Rektor  erteilte  seine  Bewilligung, 
falls  der  Kommandant  einwillige.  Von  diesem  wurden  die 
Studenten  schroff  zurückgewiesen.  Um  die  Ordnung  zu 
wahren,  waren  für  das  Unternehmen  2  Anführer  und  16  Ad- 
jutanten gewählt.  Nun,  nach  dem  Verbote,  zogen  nur  etwa 
60 — 70  Studenten  aus  und  brachten  dem  Dr.  Hommel  ein  Vivat 
und  später  in  der  Nikolaistralse  ein  solches  noch  einem  ihrer 
Mitglieder,  einem  Baron  v.  M.^)  Jetzt  erfolgt  ein  Angriff  von 
betrunkenen  Defensionern  (Stadtsoldaten)  auf  diese  Studenten- 
schar. Die  Angegriffenen  ziehen  sich  in  die  drei  Universitäts- 
häuser auf  der  Reichsstrafse  zurück  und  verteidiofen  sich  hier 
mit  Steinw'ürfen.  Die  Defensioner  dringen  in  das  Schwarze 
Brett  ein,  werden  von  den  Studenten  aus  den  beiden  anderen 
Häusern  im  Rücken  angegriffen,  wenden  sich,  treiben  die 
Studenten  die  Reichsstrafse  hinab,  wo  diese  von  einer  ent- 
gegenkommenden Schar  von  Häschern  eingeschlossen  und 
einige  gefangen  genommen  und  stark  mifshandelt  werden. 
Ein  am  andern  Morgen  publiziertes  Mandat  des  Administrators 
Xaver  bedroht  mit  Relegation,  Leibes-  und  Lebensstrafen  die 
Tumultanten.  Nun  dachte  man  in  den  Kreisen  der  Studenten 
an  einen  Auszug,  aber  der  Geldmangel  am  Ende  des  Viertel- 
uiid  halben  Jahres  verhinderte  das  Vorhaben,  ebenso  neue 
Versicherungen  des  Rektors,  dafs  Genugtuung  gegeben  werden 
sollte.  Am  Abend  kam  es  jedoch  schon  zu  neuen  Zusammen- 
stöfsen  und  Verhaftungen.  Die  Darstellung  schliefst  mit  einem 
Ausdruck  der  Enttäuschung,  dafs  die  eingesetzte  Kommission 
zur  Untersuchung  der  Vorgänge  die  gewünschte  Satisfaktion 
nicht  gewährt  habe,  und  mit  einem  pessimistischen  Ausblick 
auf  die  Zukunft  der  Universität.  Riemer  erzählt  uns  über  den 
Ausgang,  dafs  die  kurfürstliche  Untersuchungskommission,  die 
am  30.  August  angekommen  war,  am  5.  Oktober  Leipzig 
wieder  verlassen  habe.  Die  Feldsoldaten  rückten  nun  auch 
wieder  aus  Leipzig.  Die  Arrestanten  waren  schon  vorher 
von  der  Festung  auf  das  Karzer  gebracht  und  einige  ent- 
lassen worden.  Der  ganze  Handel  war  also  keineswegs  zu 
Gunsten  der  Studenten  verlaufen.  Trotzdem  wurde  das 
Haupttreffen  mit  den  Häschern,  das  am  20.  Juli  stattfand, 
durch  ein  langes  Siegeslied  von  25  vierzeiligen  Strophen  ver- 


'j  ^lan  wird  unter  ihm  vielleicht  den  früher  genannten  Senior 
der  damals  gebildeten  Mecklenburger  Landsmannschait  zu  denken 
haben.  Die  60  —  70  Studenten  werden  dann  wahrscheinlich  die  Mit- 
glieder dieser  Landsmannschaft  gewesen  sein. 


334 


W.  Bruchmüller: 


herrlicht,  die  den  Mund  ungeheuer  voll  nehmen.     Die  ersten 
drei  Strophen  lauten: 

„Victoria!  der  stolze  Feind 
Trozt  und  stolziert  nicht  mehr! 
Es  floh  die  oranze  Macht  vereint 
Vor  unsern  kleinen  Heer. 

Wir  siegten  —  Nachwelt  höre  zu! 
Gönn  uns  die  Ewigkeit! 
Und  mein  Gesang  erthöne  du 
Stark,  feurig  wie  der  Streit! 

Nicht  wilde  Lust,  nicht  Ruhmbegier 
Erregte  diesen  Krieg. 
Für  unsre  Freyheit  stritten  wir, 
Und  dies  verlieh  uns  Sieg." 

Auch  von  den  bei  dieser  Gelegenheit  entstandenen  Spott- 
liedern  auf  Frege  und  die  „Mesen"  sei  eine  ,,Ode"  mitgeteilt: 

„Ohne  Geld  und  Branntewein 
Was  ist  unser  Leben? 
Alles,  was  uns  kann  erfreun, 
Mufs  uns  Frege  geben. 
Wenn  wir  Mesen  uns  erfreun. 
Was  ist  unsre  Freude? 
Fregens  Geld  und  Branntewein; 
Einzig  diese  beyde! 

Wollt  ihr,  spricht  er,  mich  erfreun, 

Geld  will  ich  dran  wenden; 

Ja,  ich  geb  euch  Branntewein, 

Jagd  nur  die  Studenten. 

Ach  es  setzt  zu  unsrer  Pein 

Zu  viel  harte  Schläge ! 

Doch  wir  kriegen  Branntewein, 

Vivat  Hauptmann  Frege!" 

Damit  sei  es  genug  für  den  Beweis,  dafs  auch  dem 
Leipziger  Studenten  des  i8.  Jahrhunderts  burschikoses  Leben 
nach  Art  der  kleineren  Universitäten  mit  Tumulten,  Raufereien, 
Aufzügen,  Vivats  und  Pereats,  Exkneipen  und  Zechgelagen 
nicht  ganz  fremd  war,  wenn  dieses  Treiben  auch  weniger 
breit  und  stark  flutete  als  in  den  benachbarten  Hochschulen 
von  Jena  und  Halle. 

Was  wir  danach  bisher  als  Leipziger  Eigenart  imStudenten- 
tum  hinstellen  können,  ist  weniger  das  freilich  nach  aufsen 
mehr  in  die  Augen  fallende  übertriebene  Stutzertum  einiger, 
verhältnismäfsig  an  Zahl  doch  kleiner,  exklusiver  adliger  und 
reicher  bürgerlicher  Kreise,  sondern  eine  w-eiter  als  anderswo 
gehende  Trennung  innerhalb  der  Studentenwelt  und  dadurch, 
wie   durch    die  ganzen  auf  den  Handel   zugeschnittenen  Ver- 


Der  Typus  des  Lcipzi2;er  Studenten  im  1 8. Jahrhundert.       5 ■sc 

hältnisse  der  Stadt,  bedingt,  ein  stärkeres  Verschwinden  des 
alten    echt    studentischen    Treibens    nach    dem    Muster    des 

17.  Jahrhunderts.  Für  dessen  Wegfall  sich  der  Leipziger 
Student  durch  eine  starke  Neigung-  zu  Liebeleien,  die  viel- 
fach und  fast  einstimmig  bezeugt  wird,  schadlos  hielt. 

Für    die    grofse    Mehrheit    der    Leipziger   Studenten   im 

18.  Jahrhundert  war  aber  nicht  der  Reichtum  und  der  Prunk, 
wie  man  wohl  nach  dem  Renommisten  annehmen  könnte,  das 
Charakteristische,  sondern  gerade  umgekehrt  die  Armut. 
Leipzig  war  geradezu  die  universitas  pauperum,  die  Hoch- 
schule der  Armen.  Und  nirgends  scheint  die  Armut  unter 
den  Studenten  so  verbreitet  und  so  drückend  grew^esen  zu  sein, 
wie  gerade  in  Leipzig.  Man  führt  diese  Erscheinung  auf  die 
speziell  in  Sachsen  verbreitete  Neigung,  sich  gerade  aus  den 
niedrigen  Schichten  massenhaft  zum  Studium  zu  drängen, 
zurück.  Hierzu  sagt  z.  B.  der  schon  genannte  Rebmann  in 
dem  von  Wustmann  herausgegebenen  Teil  seiner  Wanderungen 
und  Kreuzzüge:  „Jeder  Tagelöhner  läfst  seinen  Sohn  studieren, 
sobald  er  ihn  nur  auf  der  Schule  vor  dem  Verhungern  sichern 
kann;  wovon  er  einst  auf  der  Universität  leben  soll,  daran 
wird  nicht  gedacht."  Dafs  sich  dieser  Zudrang  der  armen 
sächsischen  Studenten  weniger  nach  Wittenberg  und  viel  mehr 
nach  Leipzig  wandte,  lag  darin  begründet,  dafs  sich  in  der 
Stadt  der  Bildung,  des  Handels  und  vor  allem  des  Buch- 
drucks und  Buchhandels  viel  zahlreichere  und  mannigfaltiger 
geartete  Möglichkeiten  des  Broterwerbes  darboten,  als  in  dem 
kleinen  unbedeutenden  Wittenberg. 

Wir  haben  damit  zwei  weitere  typische  Züge  des  Leip- 
ziger Studentenlebens  zu  betrachten:  die  Armut  des  Leipziger 
Studenten  und  die  starke  Erwerbstätigkeit  dieser  Kreise,  die 
vielfach  zur  Hauptsache  vor  dem  eigentlichen  Studium  wurde, 
ja  dieses  häufig  völlig  verdrängte.  Die  meisten  armen  Studenten 
stellte  die  Theologenfakultät.  Den  geringsten  Prozentsatz 
von  ihnen  hatten  die  Juristen.  Rebmann  hat  uns  in  seinen 
Wanderungen  ein  drastisches,  wenn  auch  gewifs  hier  und  da 
zu  stark  aufgetragenes  Bild  von  dem  Leben  und  Treiben 
dieser  armen  Leipziger  Studenten  gezeichnet.  Um  nicht  zu 
ausführlich  zu  werden,  gebe  ich  hier  nur  Rebmanns  allgemeine 
Charakterisierung  des  Leipziger  Studenten  und  dann  die,  die 
er  von  dem  Leben  und  Treiben  der  armen  Studenten  in  dem 
Paulinum  gibt,  wieder.  Über  den  Leipziger  Studenten  im 
allgemeinen  schreibt  unser  Autor: 

„Solch  ein  zweideutiges  Gemisch  von  Ton,  solch  ein  schielendes 
Ding  von  Volks-  und  Bürgercharakter  triift  man  im  deutschen  Reich 


336 


W.  Bruchmüller: 


ebenso  wenig  wieder  an,  als  das  wunderbare  Tier,  das  hier  Student 
geworden  ist.  Auf  jeder  andern  Universität  läfst  sich  der  Student 
unter  eine  der  zwei  bekannten  Klassen  ordnen;  in  Leipzig  ündet 
man  von  beiden  nichts  Ganzes,  aber  wohl  in  jedem  etwas  vonioeiden, 
und  es  würde  wahrlich  keine  verwerfliche  Preisaufgabe  sein,  dieses 
vage,  charakterlose  Völkchen  unter  bestimmte  Klassen  zu  bringen. 
Man  sage  von  Sittenlosigkeit  anderer  Universitäten,  was  man  will; 
man  streiche  die  feinen  Sitten  Leipzigs  heraus,  so  viel  man  will: 
mir  ist  der  ernste  Jenische  Bursch  tausendmal  lieljer  als  der 
freundliche  Leipziger  Student,  ich  will  lieber  jenem  einen  Ver- 
stofs  wider  feine  Lebensart,  als  diesem  seinen  Mangel  an  Gradheit 
verzeihen." 

In  dem  Paulinum  befanden  sich  50  Stuben  und  Kammern, 
die  an  arme  Studenten  vergeben  wurden  und  zumeist  von  je 
zwei  aber  auch  drei  Insassen  besetzt  waren.  Ihren  Zustand 
schildert  Rebmann  als  schauderhaft.  Die  Ausstattung  folgender- 
mafsen : 

„Ein  zerbrochener  alter  Lederstuhl,  den  man  schon  längst  des 
einigermafsen  Entbehrlichen  zu  verschiedenem  häuslichen  Gebrauch 
beraubt  hat;  ein  Tisch,  welchem  man  die  seit  zwanzig  Jahren  drauf 
gehaltenen  Mahlzeiten  vmd  geopferten  Dintenvorräte  von  weitem 
ansieht;  ein  Bücherbret,  dessen  öröfse  den  zahlreichen  Bibliotheken 
der  Herren  Besitzer  völlig  entspricht:  das  ist  gewöhnlich  alles,  was 
man  antriHt,  M'enn  man  einige  alte  Töpfe  für  nichts  rechnet,  mit 
welchen  der  antike  Ofen  verziert  ist.  Bis  in  die  Schlafkammern  zu 
dringen,  ist  keinem  profanen  Auge  verstattet;  wird  man  aber  durch 
Zufall  in  den  vStand  gesetzt,  einen  verstohlenen  Blick  hineinzusenden, 
so  hat  man  Ursache,  die  Resignation  dieser  Herren  auf  nächtliche 
Bequemlichkeit  zu  bewundern;  ihre  Lager  bestehen  nicht  selten  blofs 
aus  Stroh  und  alten  Lumpen." 

,, Nirgends  trifft  man  wohl",  nach  Rebmann,  ,, unter 
Studenten  so  tiefes  Elend  und  orleichwohl  so  frohe  Laune 
an,  als  hier,"  Diese  Studenten  halten  untereinander  eng 
zusammen. 

„Besonders  suchen  sie  mit  vereinten  Kräften  Hungersnot  von 
ihren  Zirkeln  entfernt  zu  halten,  die  sie  gleichwohl  nicht  selten  be- 
droht, so  einfach  auch  ihre  Lebensmittel  sind,  und  so  wenig  man 
glauben  sollte,  dafs  es  an  diesen  je  fehlen  könnte.  Brot  und  Kar- 
toffeln ist  das  Gewöhnlichste.  Diese  beiden  Artikel  werden  in 
gräfslicher  Quantität  dahin  geliefert.  Ist  man  bei  Gelde,  so  werden 
auch  wohl  Erbsen  und  Linsen  und  grünes  Gemüse,  auch  wohl  Fleisch 

gekocht Ist  hingegen  die  Barschaft  ausgegangen,  hat  man  schon 

allen  Kredit  bei  den  Lieferanten  und  bei  der  Aufwartung  erschöpft, 
sind  schon  alle  Habseligkeiten  vom  Dintenfafs  bis  zum  Kafleetopf 
herab,  den  täglichen  Anzug  oft  nicht  ausgenommen,  zum  Meister 
Wind  gewandert,  so  sucht  man  sich  durch  hunderterlei  kleine 
Prellereien  und  Anschläge  auf  die  Bäckerläden  so  gut  zu  helfen, 
als  es  geht.  So  lange  man  noch  so  viel  aufbringen  kann,  einen 
gemeinschaftlichen  Rufst,  so  nennen  die  Pauliner- Bursche  den  Kaflfee, 
zu  kochen,  wird  man  aus  keinem  iMunde  eine  Klage  hören,  und  selbst 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  i8.  Jahrhundert.       ß^y 

die  Art,  sie  einander  vorzutragen,    ist  so  einzig  in  ihrer  Art,   dals 
sie  jedem  Fremden  Lachen  abnötigen  mufs"^). 

Über  das  sonstige  Leben  und  Treiben  der  Pauliner,  wie 
es  sich  am  Abend  eines  Tages  darstellt,  bemerkt  Rebmann: 
,, Einer  kocht,  einer  spaltet  Holz,  einer  trägt  Wasser  oder 
andere  Sachen  herbei.  Bald  hört  man  Flöte,  bald  Klarinette, 
bald  Geige,  bald  Harfe,  bald  Bafs,  bald  Klavier,  bald  Fagott, 
bald  Jubel  und  Lärmen.  Hier  sieht  man  durch  eine  halb- 
geöffnete Thür  des  verräucherten  Stübchens  bei  qualmender  Öl- 
lampe, in  Tabakswolken  gehüllt,  eine  Solo -Gesellschaft,  dort 
ein  frugales  Mal." 

Die  Rebmannsche  durch  Wustmann  leicht  zugängliche 
Schrift'-)  ist  für  das  Leipziger  Studentenleben  überhaupt  sehr 
interessant,  und  ich  würde  hier  noch  manches  daraus  mitteilen, 
wenn  es  der  Raum  erlaubte.  Freilich  hat  Rebmann  wohl 
vielfach  übertrieben,  und  sodann  ist  er  völlig  ehiseitig:  er 
schildert  eigentlich  nur  die  niedrigste,  ärmste  Schicht  der 
Leipziger  Studenten. 

Auch  den  schon  erwähnten  Erwerbsmöglichkeiten  für 
diese  arme  Schicht  hat  Rebmann  seine  Aufmerksamkeit  ge- 
widmet, er  nennt  eine  ganze  Reihe  solcher  Erwerbszweige, 
darunter  eine  Anzahl  für  Leipzig  speziell  charakteristischer. 
Da  sind  i.  die  Famuli  der  Professoren,  2.  die  Cicisbeos,  das 
heifst  die  Liebhaber  älterer  oder  jüngerer  Damen,  bis  zu  den 
Köchinnen  hinab,  3.  die  Informatoren,  4.  die  Apostel,  das 
sind  Theologen,  die  Sonntags  den  Landgeistlichen  oder  den 
Dorfküstern  in  der  Umgregend  ihre  amtlichen  Funktionen  beim 
Gottesdienst  verrichten  helfen,  5.  die  Musiker,  die  entweder 
Stunden  geben  (zu  6  Groschen  bis  zu  6  Pfg.)  oder  im  grofsen 
Konzert  oder  im  Opernorchester  mitwirken,  wohl  gar  auch 
Sonntags  in  den  Dorfschenken  zum  Tanz  aufspielen,  6.  Schreiber, 
7.  Repetenten,  Gelegenheitsdichter,  Schriftsteller,  Übersetzer, 
Maler,  Zeichner,  Kupferstecher,  Korrektoren,  Werber,  d.  h. 
solche,  die  den  Professoren  gegen  Entgeld  Hörer  zuzutreiben 
versuchen,  endlich  Spieler  und  Bettler,  die  ihr  Geschäft 
hauptsächlich  durch  Überreichung  von  Gratulationen  oder 
Kondolationen  bei  allen  möglichen  Gelee^enheiten,  durch  Bitt- 
Schriften  und  Klagelieder  zu  erreichen  suchen. 


M  Der  ebengenannte  Meister  Wind  war  ein  Pfandleiher,  der 
„allgemeine  NotheU'er"  der  Pauliner.  Die  Pauliner  Kaft'eetöpte 
standen  als  Pfandobjekt  bei  ihm  in  hohem  Ansehen,  weil  er  wuiste, 
wie  unentbehrlich  dieses  Möbel  daselbst  sei. 

-)  In  den  Leipziger  Neudrucken  L  Band.  Der  Leipziger  Student 
vor  hundert  Jahren.     1897. 


238  W.  Bruchmüller: 

Gewifs  werden  auch  in  anderen  Universitätsstädten  arme 
Studenten  ihren  Broterwerb  auf  irgend  eine  Weise  gesucht 
haben,  wie  dies  ja  noch  heute  geschieht.  Aber  in  einer  so 
umfassenden  Weise,  wie  es  hier  geschehen  ist,  war  das  wohl 
nirgends  der  Fall.  Hier  liegt  eine  ganz  besondere  Eigenart 
des  Leipziger  Studententums  vor,  nicht  nur  in  der  Häufigkeit 
des  Brotervverbs,  sondern  auch  in  der  Art  und  Weise,  wie 
dieser  Erwerb  gesucht  wurde.  Schon  in  Rebmanns  Auf- 
zählung finden  wir  manche  Arten  des  Erwerbes,  die  an 
anderen  Orten  gar  nicht  möglich  waren,  sondern  ganz  allein 
durch  die  Zustände  und  Verhältnisse  Leipzigs  bedingt  wurden. 
Als  Informatoren,  d.  h.  Hauslehrer  und  Erzieher  in  besser 
situierten  bürgerlichen  Familien,  wie  sie  Rebmann  für  Leipzig 
durch  die  Theologen  gestellt  werden  läfst,  haben  gewifs  auch 
Studenten  in  anderen  Universitäten  gedient.  Dafs  in  Leipzig 
aber  die  Theologen  auch  das  Hauptkontingent  zu  dem  grofsen 
Heer  der  Winkelschulhalter  stellten,  wurde  erst  durch  die 
besonderen  nicht  eben  erfreulichen  Volksschulverhältnisse 
Leipzigs  bedingt.  Da  die  Stadt  sich  die  Unterhaltung  des 
niederen  Schulwesens  nicht  angelegen  sein  liefs,  trieb  die  Not 
die  armen  Theologiestudenten  in  das  Winkelschulwesen 
hinein.  Sie  ergriffen  mit  Gier  diese  Gelegenheit,  sich  die 
Existenzmittel  zu  schaffen,  und  mehr  wie  einer  ist  dann  in 
dem  Beruf  sein  Lebelang  stecken  geblieben  und  ist  nie  zur 
Vollendung  seiner  Studien  gekommen^). 

Das  gleiche  wie  von  dem  Winkelschulhalten  der  Leip- 
ziger Studenten,  aber  in  noch  verstärktem  Mafse,  gilt  von 
einer  Reihe  anderer  Erwerbszweige  der  Musensöhne,  nämlich 
dafs  sie  allein  in  den  Leipziger  Verhältnissen  bedingt  waren. 
Hier  kommt  vor  allem  Leipzigs  Eigenschaft  als  Sitz  des 
Buchhandels  und  des  Buchdrucks  in  Betracht,  die  sehr  weit 
ausschauende,  anderswo  nirgends  vorhandene  Erwerbsmöglich- 
keiten eröffnete.  Die  grofse  Schar  der  Leipziger  Autoren 
niederen  Ranges,  die  im  18.  Jahrhundert  in  Leipzig  vorhanden 
war,    wurde    zu    einem   starken    Bruchteil   aus   Studenten   ge- 


■)  Ich  verdanke  das  zuletzt  hier  ausgeführte,  was  ich  erwähnen 
rnöchte,  dem  vorzüglichen  Buche  des  Herrn  Oberlehrers  Mangner  über 
die  „Leipziger  Winkelschulen",  das  im  Herbst  1906  als  jüngster  Band 
der  Schriften  des  Vereins  für  die  Geschichte  Leipzigs  erschienen 
ist.  Ein  längeres  Verweilen  bei  der  gewifs  interessanten  Erscheinung 
dieser  studentischen  Schulhalter  ist  hier  nicht  ^angebracht.  Es  sei 
daher  auf  das  Mangnersche  Werk,  das  nicht  nur  für  die  Schulgeschichte 
im  engeren  Sinn,  sondern  ganz  allgemein  für  die  Kulturgeschichte 
Leipzigs  sehr  ergiebig  ist,  verwiesen. 


Der  Typus  des  Leipziger  Studenten  im  18.  Jahrhundert.       ^^g 

bildet.  Es  sei  hier  nur  an  die  Zahl  der  Leipziger  Pasquille 
erinnert,  deren  Verfasser  mehrfach  verbummelte  und  arme 
Studenten  gewesen  sind.  Weiter  gehören  hierher  die  für 
den  Bedarf  des  Buchhandels  zumeist  auf  direkten  Auftrag 
arbeitenden  Übersetzer,  dann  die  Korrektoren  in  den  Drucke- 
reien, die  auch  nicht  selten  Studenten  waren.  Leipzigs  Buch- 
handel bedingte  weiter,  dafs  in  Leipzig  ein  günstiger  Boden 
für  den  Kupferstich  war.  Die  Tatsache,  die  Rebmann  bereits 
erwähnt,  dafs  sich  deshalb  auch  Studenten  durch  Zeichnen 
und  Kupferstechen  in  verhältnismäfsig  nicht  geringer  Anzahl 
ernährten,  hat  neuerdings  Wustmann  in  dem  vorletzten  Bande 
seiner  Neujahrsblätter  bestätigt. 

Ein  weiterer  Erwerbszweig  der  Leipziger  Studenten  ver- 
dient, trotzdem  er  an  sich  keine  besondere  Eigentümlichkeit 
Leipzigs  darstellt,  besondere  Erwähnung,  weil  von  ihm  aus 
die  Studenten  stark  auf  die  Ausbildung  der  charakteristischen 
Richtung  des  Leipziger  Kunstlebens  eingewirkt  haben.  Die 
Liebe  zur  Musik  ist  Gemeingut  aller  deutschen  Studenten, 
und  sie  für  den  Erwerb  nutzbar  zu  machen,  ist  jeden'alls 
häutig  versucht  worden,  es  sei  nur  an  das  schöne  Eichen- 
dorffsche  Lied  von  den  Prager  Studenten  erinnert.  In  Leipzig 
aber  wurde  auch  dieser  Zweig  des  Broterwerbs  im  grolsen 
gepflegt,  und  unbedingt  haben  dann  die  Studenten  mit  ihrer 
intensiven  Musikpflege  dazu  stark  mitgewirkt,  Leipzig  zu  der 
Ijesonderen  Musikstadt  zu  machen,  die  sie  noch  heute  ist. 
Die  ältesten  Collegia  musica  in  Leipzig  sind  von  den  Stu- 
denten orebildet  worden  oder  hatten  doch  solche  als  Teil- 
nehmer.  Von  ihnen  sind  schon  zu  Bachs  Zeiten  und  unter 
Bachs  Leituns:  öffentliche  Konzerte  veranstaltet  worden.  Be- 
sonders  liefsen  sich  die  Studenten  auch  die  Pflege  des  deut- 
schen Liedes  angelegen  sein.  Die  von  dem  Leipziger  Stu- 
denten Scholze  (Sperontes)  1736  herausgegebene  grofse  Lieder- 
sammlung ,, Singende  Muse  an  der  Pleifse"  ist  Jahrzehnte 
hinduich  das  beliebteste  Sammelwerk  der  deutschen  Haus- 
musik geblieben.  Um  zu  zeigen,  dafs  die  Leipziger  Studenten 
tatsächlich  eine  tiefere  Wirkung  auf  die  Ausübung  der  Leip- 
ziger Musikkunst  gehabt  haben,  braucht  nur  an  Leipziger 
Studenten,  die  schon  als  Musensöhne  öffentlich  als  Künstler 
sich  hervortaten,  erinnert  zu  werden,  so  an  Kuhnau,  den 
Vorgänger  Bachs,  an  Neefe,  den  späteren  Lehrer  Beethovens, 
weiter  an  Bachs  Freund  Georg  Philipp  Telemann,  der  als 
Student  unter  seinen  Kommilitonen  das  collegium  musicum 
ins  Leben  rief,  und  dem  der  Leipziger  Rat  nach  Kuhnaus 
Tode  das  Thomaskantorat  anbot,  das  erst,  weil  Telemann  es 


340  W.  Bnichmüller: 

ausschlug,  Bach  erhielt.  Auch  Joh.  Adam  Hiller,  der  erste 
Direktor  der  Leipziger  Gewandhaus -Konzerte,  hat  als  Leip- 
ziger Student  sich  den  Lebensunterhalt  durch  Musikunterricht 
erworben. 

Von  dem  Konzertsaal  auf  die  Bühne  ist  nur  ein  kurzer 
Schritt.  Auch  er  ist  von  den  Leipziger  Studenten  nicht  selten 
getan  worden.  Dafs  Leipziger  Studenten  auch  in  die  Orchester 
des  sogenannten  ,,grofsen  Conzerts",  des  Vorgängers  der  Ge- 
wandhaus-Konzerte, und  der  Oper  Eingang  fanden,  sei  nur 
erwähnt.  Aber  auch  auf  der  Bühne  als  Opernsänger  begegnen 
sie  uns.  In  dem  Strungk-Döbrichtschen  Opernunternehmen, 
das  seit  1693  in  dem  Opernhaus  auf  dem  Brühl  seine  Opern 
spielte  und  dessen  musikalische  Oberleitung  von  1702  — 1704 
der  schon  genannte  damahge  Student  der  Rechte  Telemann 
innehatte,  wurden  die  Männerrollen  wahrscheinlich  zumeist 
von  Studenten  gesungen.  Dafs  solche  Kunstübungen  für  sehr 
viele  aus  gelegentlichem  zum  eigentlichen  Lebensberufe  wurden, 
zeigen  eben  Männer  wie  Telemann,  Kuhnau  und  die  übrigen 
Genannten.  Das  Theater  wirkte  natürlich  in  ähnlicher,  wenn 
nicht  noch  stärkerer  Weise.  Unter  den  Mitgliedern  der  Velten- 
schen  Truppe,  die  in  Leipzig  von  1679  — 1708  spielte,  sollen 
die  meisten  Studenten  gewesen  sein,  wie  Veiten  selbst  in 
Leipzig  studiert  hatte  Neuber,  der  Gatte  der  berühmten 
Neuberin,  war  ebenfalls  Student  gewesen.  Welche  Wirkung 
die  Leipziger  Studentenschaft  im  Theater  als  Zuschauer  und 
Kritiker  übte,  sei  nur  nebenbei  erwähnt.  Sie  war  im  all- 
gemeinen keine  günstige  und  wird  in  allen  zeitgenössischen 
Schriften,  die  den  Punkt  berühren,  beklagt.  Zuweilen,  so  in 
der  Gottschedschen  Periode,  gewann  diese  studentische  Be- 
teiligung aber  doch  eine  gewisse  höhere  Bedeutung:  Gott- 
scheds Niedergang  ist  ganz  gewifs  durch  die  Abwendung 
der  Leipziger  akademischen  Jugend  von  ihm  mit  bestimmt 
worden.  Auch  an  die  Beziehungen  des  jungen  Leipziger 
Studenten  Gotthold  Ephraim  Lessing  zum  Theater  braucht 
hier  nur  erinnert  zu  werden. 

Lessii:gs  Name  schliefslich  führt  uns  zu  einer  letzten  Seite 
des  Leipziger  studentischen  Wesens,  die  wir  ebenfalls  nur 
kurz  anzudeuten  brauchen,  zu  der  literarischen.  Die  Richtung 
der  akademischen  Jugend  in  Leipzig  auf  das  Literarische  hin 
war  während  des  ganzen  18.  Jahrhunderts  eine  sehr  energische, 
Rebmann  und  die  ganze  Schar  der  die  Leipziger  Zustände 
des  18.  Jahrhunderts  dort  kritisierenden  Schriften  spottete 
lebhaft  über  Geniesucht  eines  grofsen  Teils  der  Leipziger 
Studenten  weit,    die    ,,Schönwissenschäftler"  usw.     Die   Vor- 


Der  Tj-pus  des  Leipziger  Studenten  im  i8.  Jalirhundert.       ^ij.i 

bedingung  dafür  war  neben  der  Stellung  Leipzigs  in  der 
damaligen  Literaturbewegung  (Gottsched,  Geliert)  in  noch 
stärkerem  Mafse  der  Buchhandel  Leipzigs.  Der  zahlreichen 
studentischen  Autoren  und  Übersetzer  geringster  Güte  haben 
wir  schon  vorher  gedacht.  Darüber  darf  man  aber  nicht 
vergessen,  dafs  der  Leipziger  Studentenschaft  für  längere  oder 
kürzere  Zeit  fast  alle  bedeutenderen  Dichter  des  i8.  Jahr- 
hunderts angehört  und  hier  zum  Teil  wichtige  Anregungen 
empfangen  haben.  Lessing,  Klopstock,  Goethe,  Rabener, 
Mylius,  Ebert,  Zachariä,  der  Verfasser  unseres  Renommisten, 
der  seit  1743  in  Leipzig  studierte  und  dessen  Werk  Gottsched 
1744  in  seinen  ,, Belustigungen"  veröffentlichte,  seien  hier  nur 
auf  gut  Glück  als  wenige  Beispiele  genannt. 

Mit  diesem  kurzen  Hinweise  möchte  ich  schliefsen.  Ich 
weifs  sehr  wohl,  dafs  es  im  einzelnen  noch  sehr  viele  Punkte 
aus  dem  Leben  des  Leipziger  Studenten  des  18.  Jahrhunderts 
zu  berichten  gäbe,  wollte  man  Vollständigkeit  anstreben. 
Das  aber  würde  im  Rahmen  eines  Aufsatzes  unmöglich  sein. 
Ich  habe  deshalb  auch  keine  Geschichte  des  Leipziger  Stu- 
denten im  18.  Jahrhundert  hier  geben,  sondern  nur  den 
Charakter  des  Leipziger  Studenten  dieser  Zeit  veranschaulichen 
wollen. 


XI 

Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze. 

Eine  Studie  und  Entgegnung. 

Von 
Berthold  Schmidt. 


Den  mittelalterlichen  Grabsteinen  mit  dem  Symbol  des 
Kreuzes  ist  noch  wenig  Beachtung  zugewandt  worden,  und 
es  verlohnte  sich  auch  ohne  den  Streit,  den  ich  wegen  der 
benimbten,  d.  h.  mit  einem  Nimbus  versehenen  Kreuzsteine 
mit  Herrn  Oberlehrer  Pfau  in  Rochlitz  habe,  auf  ihre  Be- 
deutung einzugehen.  Im  25.  Bande  der  Zeitschrift  für 
Thürinoische  Geschichte  und  Altertumskunde  wird  von  mir 
eine  ausführliche  Entgegnung  auf  Pfaus  Angriffe,  die  er 
wegen  der  Cronschwitzer  Ausgrabung  gegen  mich  und  meine 
Mitarbeiter  gerichtet  hat,  erscheinen.  Im  übrigen  verzichte 
ich  darauf,  mit  ihm  w^eiter  zu  streiten.  Der  Sachverhalt  ist 
etwa  folo;ender:  Pfau  hatte  eine  Anzahl  'Grabsteine  mit 
Wappen  und  unbenimbtem  Kreuz,  aber  ohne  Inschrift,  die 
sich  namentlich  um  Rochlitz  in  Sachsen  finden,  den  Ritter- 
brüdern des  deutschen  Ordens  zuoreschrieben  und  eine  andere 
Art  von  Grabsteinen,  welche  nur  ein  benimbtes  Kreuz,  aber 
weder  Wappen  noch  Inschrift  zeigen,  den  Priesterbrüdern 
dieses  Ordens.  Ich  hatte  letztere  Zuweisung  auf  Grund  der 
1905  bei  der  Ausgrabung  im  Kloster  Cronschwitz  bei  Weida 
gefundenen  Grabsteine  bestritten  und  aus  besonderen  Grün- 
den angenommen,  dafs  auch  die  benimbten  Kreuzsteine  den 
Ritterbrüdern  angehören  müfsten.  Pfaus  Einwand,  dafs  in 
Cronschwitz  neben  den  als  Seelensoro;ern  und  Beichtigern 
tätigen  Dominikanermönchen  auch  Priesterbrüder  des  deutschen 


Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze. 


343 


Ordens  sich  aufgehalten  haben  könnten  (s.  diese  Zeitschrift 
XXVIII,  143)  habe  icli  in  der  eingangs  erwähnten  Entgeg- 
nung urkundlich  widerlegt.  Um  nun  über  die  Kreuzgrabsteine 
ein  richtiges  Bild  zu  erhalten,  habe  ich  eine  grofse  Anzahl 
der  bisher  erschienenen  Bau-  und  Kunstdenkmäler  deutscher 
Länder  abgesucht  und  dabei  nicht  allein  die  benimbten  Steine, 
sondern  auch  solche  ohne  Nimbus  berücksichtigt.  Auch  hat 
mich  bei  dieser  Arbeit  Herr  Postsekretär  E.  Kiefskalt  in 
Nürnberg,  welcher  ein  grofses  Material  über  mittelalterliche 
Grabsteine  gesammelt  hat,  freundlichst  unterstützt.  Er  wird 
auch  demnächst  eine  eingehende  Untersuchung  über  das  Kreuz 
auf  Grabsteinen  erscheinen  lassen. 

Da  die  ältesten  Steine  ohne  Inschrift  und  Zeitangabe 
sind,  mufste  meistens  die  Stilform  entscheiden.  Dabei  sind 
freilich,  weil  rohe  Arbeit  oder  Nachahmung  älterer  Formen 
vorkommen,  Irrtümer  bezüglich  der  Zeit  ihrer  Entstehung 
nicht  ausgeschlossen.  Ich  unterscheide  bei  den  etwa  70  Kreuz - 
grabsteinen,  die  wir  bisher  fanden,  drei  Gruppen  und  zwar 
solche  aus  der  romanischefi,  aus  der  Übergangs-  und  gotischen 
Zeit.  Alle  diese  Steine  hier  anzuführen,  ist  unnötig.  Ich 
beschränke  mich  daher  auf  die  wichtigeren,  aus  denen  die 
Bedeutung  des  Kreuzes  und  seine  stufenweise  Entwicklung 
deutlich  hervorgeht. 

A,    Romanische  Zeit. 

1.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Döbeln,  Leipnitz. 
Romanisches  Kreuz  ohne  Nimbus,  danmter  ein  hörn-  und  ein  stabähn- 
licher Gegenstand.  Bau-  u.  Kunstdenkm.  des  K.  Sachs.  XXV,  108, 
Fig.  116,  von  Gurlitt  dem  13.  Jahrh.  zugeschrieben. 

2.  Provinz  Sachsen,  Kreis  DeUtzsch,  Landsberg.  Romanisches 
Kreuz  ohne  Nimbus,  aber  in  einfachem  Kreise  auf  pfahlartigem  Fufse. 
Kunstdenkm.  der  Prov.  Sachs.  XVI,  145,  Fig.  103,  dem  13.  Jahrh. 
zugeschrieben. 

3.  Provinz  Sachsen,  Saalkreis,  Beesenlaublingen.  Romanisches 
Kreuz  mit  Knauf  am  untern  Stamm,  ohne  Nimbus  und  auf  Rund- 
bogen. Kunstdenkm.  d.  Prov.  Sachs.,  Neue  Folge  I,  453,  Fig.  231,  der 
Übergangszeit  zugeschrieben,  aber  wohl  älter. 

4.  Provinz  Sachsen,  Kreis  Calbe,  Gramsdorf.  Sehr  ähnlicher 
Grabstein  wie  3.  Ebenda  X,  59,  Fig.  51,  der  romanischen  Zeit  zu- 
geschrieben 

5.  Bayern,  Neunburg  v.  d.  W.  Romanisches  Kreuz  ohne  Nim- 
bus auf  Rundbogen.  Neben  dem  unteren  Stamm  ein  beilartiges  In- 
strument und  etwas,  was  einer  Schuhsohle  gleichen  könnte.  Kunst- 
denkm. Bayerns,  Oberpfalz,  II,  58,  Fig.  61,  wegen  der  Schnabelform 
der  angebk  Schuhsohle  dem  is.Iahrh.  zugeschrieben,  aber  sicher  älter. 

6.  Bayern,  Neunburg  v.  d.  W.  Romanisches  Kreuz  ohne  Nim- 
bus auf  romanischem  Fufsbogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  ein  un- 
bekannter Wappenschild.     Ebenda  39,  Fig.  40. 


^AA  Berthold  Schmidt: 

7.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Pirna,  Ottendorf. 
Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romaniscliem  Fulsbogen.  Bau- 
u.  Kunstdenkm.  Saclis.  I,  55,  Fig.  22.  Steche  weist  den  Stein  dem 
14.  Jahrh.  zu,  obwolil  er  den  fast  gleichen  Stein  in  Göhren  (s.  8)  dem 
13.  Jahrh.  zurechnet.  Vgl.  a.  Pfau  in  Unsere  Heimat  1905,  S.  91,  Fig  8. 
Der  Stein  kann  mit  ziemlicher  Sicherheit  in  die  Zeit  um  1250  ge- 
setzt werden,  ebenso  jener  in  Nr.  8. 

8.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Rochlitz,  Göhren. 
Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem  Fufsbogen.  Bau- 
u.  Kunstdenkm.  Sachs.  XIV,  12,  Fig.  5,  dem  13.  Jahrh.  zugeschrieben. 
Vgl.  Pfau  a.  a.  O.  S.  89,  Fig.  4. 

9.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Rochlitz,  Wechsel- 
burg. Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem  Fufsbogen. 
Pfau  a.  a.  O.  S.  59,  Fig.  3*. 

10.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Rochlitz,  Seelitz. 
Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem  Fufsbogen.  Auf 
dem  unteren  Stamm  nochmals  ein  Querarm  (ob  für  Knauf?)  Pfau') 
a.  a.  O.  S.  89,  Fig.  4. 

11.  Sachsen -Weimar,  Amtsgericht  Weida,  Cronschwitz. 
Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem  Fufsbogen. 
B.  Schmidt  in  Ztschr.  f.  Thüring.  Gesch.  u.  Altertumsk.  XXIV,  365, 
Fig.  15,  als  Grabstein  des  1249  verstorbenen  Landmeisters  Heinrichs 
von  Weida,  des  Mitstifters  des  Klosters.  Cronschwitz,  angesprochen. 
Dagegen  Pfau  in  dieser  Zeitschrift  XXV,  366!.  und  wieder  Schmidt 
in  Ztschr.  f.  Thüring.  Gesch.  XXVI. 

12.  Ebenda.  Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem 
Fufsbogen.  Ztschr.  f.  Thüring.  Gesch. u.  Altertumsk.  XXIV,  282,  Fig.  18. 

13.  Ebenda.  Bruchstück  von  romanischem  Kreuz  mit  Nimbus, 
in  letzterem  ein  Wappenschild.  B.  Schmidt  a.  a.  O.  368,  Fig.  16,  als 
Grabstein  der  Jutta  von  Gera,  geb.  von  Strafsberg,  Stifterin  des 
Klosters  Cronschwitz  (f  c.  1268),  angesprochen.  Dagegen  Pfau  in 
dieser  Zeitschrift  XXV,  376!  und  wieder  Schmidt  in  Ztschr.  f.  Thüring. 
Gesch.  XXVI. 

14.  Ba}^ern,  Oberpfalz,  Chammünster.  Romanisches  Kreuz  mit 
Nimbus.  Neben  dem  Stamm  in  Majuskeln:  REICHERVS  ■  DE  LEN- 
GAV.  Kunstdenkm.  Bayerns,  Öberpfalz,  VI,  75,  Fig.  60,  dem 
13.  Jahrh.  zugeschrieben.  Ein  Reicher  von  Lengau  ist  im  K.  Reichs- 
archiv München  nicht  nachzuweisen.  Dagegen  erscheint  1298  ein 
frater  Chunradus  de  Lengowe  s.  Mon.  Boica  XXVI,  43!'.   und   47! 

15.  Ebenda.  Romanisches  Kreuz  mit  Nimbus  auf  romanischem 
Fufsbogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  Wappenschild  der  Familie 
Preu.  Kunstdenkm.  Bayerns  a.  a.  O.  73,  Fig.  56,  mit  irrtümlichem 
Dolch  statt  Fisch  (INIitteilung  von  Kiefskalt). 

B.  Übergangszeit, 

16.  Bayern,  Oberpfalz,  Pfaffenhofen.  Gotisierendes  Kreuz  ohne 
Nimbus  auf  romanischem  Halbkreis.    Mitteilung  und  Zeichnung  von 

•  Kielskalt. 


')  Die  von  Pfau  S.  89  Fig.  5,  10*  und  11  angeführten  Bruch- 
stücke mit  benimbten  Kreuzen  in  Wechselburg,  Rochlitz  und  Breiten- 
born   lassen    wir    hier   unberücksichtigt,    da    sie    kein  sicheres  Bild 


ergeben. 


Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze. 


345 


17.  Provinz  Sachsen,  Saalkreis,  BeescnlaulMingen.  Gotisierendes 
Kreuz  nach  Art  einer  Schlüsseh-aute  ohne  Nimbus,  Fufst)Oo;en  un- 
kiMintlich.    Kunstdenkm.  d.  Prov.  Sachs.,  Neue  Folge  I,  453,  Fig.  232. 

18.  Provinz  Sachsen,  Saalkreis,  Unterspeisen.  Ganz  ähnliches 
Kreuz  wie  17  auf  romanischem  Ful'sbogcn.  Ebenda  Neue  Folge  I, 
592,  Fig.  560,  dem  13.  Jahrh.  zugeschrieben. 

19.  Provinz  Sachsen,  Kreis  Calbe,  Gramsdorf.  Ganz  ähnlich 
wie  18.    Ebenda  X,  59,  Fig.  50,  der  romanischen  Zeit  zugeschrieben. 

20.  Sachsen-Altenburg,  Roda.  Gotisierendes  Kreuz  ohne  Nim- 
bus auf  Halbkreis,  worin  wieder  ein  Kreis  um  gotisierendes  Kreuz. 
Die  Inschrift  in  Majuskeln:  EX  •  ARNSHOVC  CASTRO  lACET  • 
HIC  •  HAIRTMANVS  •  VT  •  ASTRO  •  HVNC  •  LÖGET  ■  OMNIPO  • 
TENS  ■  POSTVLAT  •  ID  ■  PIA -GENS  (leoninisches  Dystichon). 
Lehfeldt,  Kunstdenkm.  Thüring. ,  Sachs.- Altenb.  II,  45.  Dieser 
Hartmann  war  der  einzige  Sohn  des  1289  verstorbenen  Otto  von 
Lubdeburg-Arnshaugk,  welcher  c.  1284  das  deutsche  Haus  in  Schleiz 
stiftete,  und  starb  vor  2.  Mai  1290;  s.  Mitzschke,  Urkundenb.  des  Klosters 
Bürgel  Nr.  117,  daher  Alberti,  Deutsch.  Haus  in  Schleiz  S.  119  und 
Lehfeldt  a.  a.  O.  zu  berichtigen. 

21.  Sachsen -Weimar,  Amtsgericht  Weida,  Cronschwitz.  Ro- 
manisches Kreuz  in  gotischem  Kampfschild.  B.  Schmidt  in  Ztschr. 
f.  Thüring.  Gesch.  u.  Altertumsk.  XXIV,  382,  Fig.  19. 

22.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Rochlitz,  Seelitz. 
Bruchstück  von  romanischem  Kreuz  ohne  Nimbus  mit  Wappenschild 
(Löwe?).  Pfau  in  Unsere  Heimat  1905,  S.  89,  Fig.  12*,  um  1300 
angesetzt. 

23.  Sachsen-Altenburg,  Roda.  Gotisierendes  Kreuz  ohne  Nimbus 
auf  rundem  Fufsbogen  mit  gotischem  Mal'swerk  (Dreipafs).  Lehfeldt, 
Bau-  u.  Kunstdenkm.  Thüring.,  Sachs. -Altenbg.  II,  45  ohne  Abbild. 
Zeichnung  von  Kiefskalt  mitgeteilt. 

24.  Bayern,  Oberpfalz,  Chammünster.  Gotisierendes  Kreuz  mit 
Nimbus  avif  gotischem  Spitzbogen  mit  Mafswerk  (Dreipafs).  Kunst- 
denkm. Bayerns,  Oberpfalz, VI, 73,  Fig.55,  dem  14. Jahrh. zugeschrieben. 

25.  Bayern,  Oberpfalz,  Taschmg  bei  Chammünster').  Goti- 
sierendes Kreuz,  worin  sich  nochmals  ein  Kreuz  befindet,  mit 
Nimbus,  auf  gotischem  Kleeblattbogen.  Die  Inschrift  (teils  zerstört) 
in  gotischen  Majuskeln:  f  DO  f  LEIT  f  H^  ( =  her)  f  HINRICVS  f 

DER  t  PRELSING VNKERfSEIN  ....    Mtteilung  und 

Zeichnung  vun  Oberlehrer  Brunner,  Cham,  der  Freising  las.  Es  ist 
aber  nach  Angabe  des  K .  Reichsarchivs  München  wohl  besser  Preising 
zu  lesen.  Im  Gericht  Cham  gibt  es  ein  Preysinger  Holz  und  im 
Gericht  Wetterfeld  (10  km  von  Cham)  findet  sich  im  14.  Jahrhundert 
ein  Konrad  der  Preysinger. 

26.  Bayern,  Rothenburg  o.  d.  T.,  Hospitalkirche.  Gotisches 
Spitzenkreuz  mit  Nimbus,  im  unteren  Stamm  ein  durchlochter  Knauf, 
darunter  wieder  ein  Kreis,  der  einen  Wappenschild  umschliefst.  Im 
Nimbus  steht  in  gotischen  Majuskeln:  f  SCA  (^^sancta).  CRVX. 
SIT  «N RA  ( ^  nostra)  •  LVX.     Im    Kreise    um    das  Wappen   steht: 


^)  In  Chammünster  sollen  sich  noch  einige  Grabsteine  befinden, 
worauf  gotische  Kreuze  mit  Nimbus,  Inschriften  und  Wappen  zu 
sehen  sind.  Kunstdenkm.  Bayerns,  Oberpfalz,  VI,  75  und  76  und 
Mitteihmg  von  Oberlehrer  Biunner  in  Cham.  Näheres  war  nicht  zu 
erfahren. 

Neues  Archiv  f  S.  G.  u.  A.     .\.\1X.    3   4.  23 


2a6  Berthold  Schmidt: 

t  SINGNVM.WALLENHVSEN.  Die  übrige  Inschrift  lautete 
nach  A.  Merz,  Rothenburo-  o.  d.  T.  in  alter  und  neuerer  Zeit 
(Ansbach  1878)  S.  84:  ANNO  •  •  •  ■  CATHERINE  •  O  •  (  =  obiit) 
HENRICVS  •  DE  WALLEN HVSE.  Das  Hospital  zum  heiligen 
Geiste  wurde  1280  von  der  Stadt  Rothenburg  erbaut  und  seine  Kirche 
1308  geweiht.  Heinrich  von  Wallenhausen  war  nach  Merz  a.  a.  O. 
ebenso  wie  der  Pfarrer  Heinrich  von  Binolsbach,  der  auch  in  der 
Kirche  begraben  liegt,  einer  der  Benefaktoren  der  Kirche,  für  die 
jährlich  Seelenmessen  gelesen  werden  mufsten. 

C.    Gotische  Zeit. 

27.  Königreich  Sachsen,  Rochlitz,  Kleeblattkreuz  ohne  Nimbus 
auf  rundem  Fufsbogen  mit  gotischem  Mafswerk  (Dreipafs).  Auf  dem 
unteren  Stamm  Wappenschild  (der  von  Heldrungen).  Pfau  in  Unsere 
Heimat  S.  90,  Fig.  2,  dem  i3.Jahrh.  zugeschrieben,  aber  sicher  jünger 
(Mitte  des  14.  Jahrh.).  Vielleicht  Gedächtnisstein  für  den  Hochmeister 
Hartmann  von  Heldrungen,  unter  dem  Kloster  Zschillen  an  den 
Orden  kam.  Hartmann  starb  1283  in  Akkon  und  liegt  in  Mergent- 
heim begraben. 

28.  Bayern,  Chammünster.  Romanisches  Kreuz  ohne  Nimbus 
auf  gotischem  Kleeblatt  bogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  der  Wappen- 
schild der  Familie  Poifsl,  darüber  ein  Kelch,  daher  wohl  Grabstein 
für  einen  Geistlichen.  Kunstdenkm.  Bayerns,  Oberpfalz,  VI,  73, 
Fig.  58,  dem  15.  jahrh.  zugeschrieben,  doch  wohl  älter  (c.  1380). 

29.  Bayern,  Rothenburg  o.  d.T.,  Franziskanerkloster.  Gotisches 
Kleeblattkreuz  ohne  Nimbus.  Auf  dem  unteren  Stamm  Helm  und 
Wappenschild.  Nach  der  Inschrift  Grabstein  der  1303  verstorbenen 
Hildegard,  Gemahlin  Wilhelms  von  Stetten  und  Tochter  Lupolds 
von  Seideneck.  H.W.Bensen,  Hist.  Untersuchungen  über  die  ehemal. 
Reichsstadt  Rothenburg  usw.  (Nürnberg  1837)  S.45.  Das  Franziskaner- 
kloster wurde  1281  gegründet. 

30.  Bayern,  Reichenbach,  Benediktinerkloster.  Hochgotisches 
Kleeblattkreuz  ohne  Nimbus.  Auf  dem  unteren  Stamm  zwei  Wappen- 
schilde übereinander.  Stifterdenkmal  von  1304  auf  Markgraf  Diepoldll. 
von  Vohburg  (f  1226)  und  acht  Mitglieder  seiner  Familie.  Kunstdenkm. 
Bayerns,  Oberpfalz,  I,  120,  Fig.  105. 

31.  Württemberg,  Kloster  Lichtenstern.  Gotisches  Lilienkreuz 
ohne  Nimbus  mit  gestürztem  Wappenschilde.  Nach  der  Inschrift 
Grabstein  des  1301  verstorbenen  Ritters  Konrad  von  Weiler.  Bau- 
u.  Kunstdenkm.  des  K.  Württemberg-,  Neckarkr.  S.  523. 

32.  Bayern,  Amberg,  St.  Martinskirche.  Gotisches  Kleeblattkreuz 
ohne  Nimbus  auf  Kleeblattbngen.  Auf  dem  unteren  Stamm  Wappen- 
schild. Nach  der  lückenhaften  Inschrift  Grabstein  eines  1310  ver- 
storbenen Chvnradus  de  Wolt  .  .  .    (Mitteilung  von  Kiefskalt.) 

32.  Baden,  Kreis  Mosbach,  Amt  Buchen,  Bödigheim.  Gotisches 
Lilienkreuz  ohneNimbus.  Über  und  unter  demKreuz  je  einW^appen.schild. 
Inschrift  in  gotischen  Majaskeln:  f  ANNO  D  •  •  •  ■  PVPIFICAÖEM 
(sicherlich  für  purificacionem  verlesen)  BTE  •  MARIE  •  •  ■  IRMENG  A  RD 
■  DE  RVDEN.  Kunstdenkm.  des  Grofsh.  Baden  IV,  27,  Fig.  16.  Noch 
aus  dem  Anfange  des  14.  Jahrh. 

34.  Provinz  Sachsen,  Kreis  Weifsenf  eis,  Droyfsig.  Hochgotisches 
Doppelkreuz  ohne  Nimbus  auf  Rundbogen  mit  Mafswerk.  Bau-  u. 
Kunstdenkm.  der  Prov.  Sachs.  II,  10,  Fig.  2,  dem  14.  Jahrh.  zuge- 
schrieben.   Das  Doppelkreuz  soll  sich  auf  die  Johanniter-Kommende 


Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze. 


347 


beziehen,  welcher  die  Kollatur  der  Kirche  zustand.     Pfau  in  Unsere 
Heimat  1905,  S.  91   hält  es  nur  für  ein  maniricrtes  Ordenskreuz. 

35.  Kcinju-reich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  ivochlitz,  Breiten- 
born. Hochgotisches  Astkreuz  mit  Nimbus  auf  Rundbogen  mit 
gotischem  Mafswerk,  von  Pfau  a.  a.  O.  S.  90,  Fig.  13*  aus  dem  Ge- 
clilchtnis  nachgezeichnet,  da  jetzt  nicht  mehr  vorlianden.  Sehr  auf- 
fällig, da  sonst  der  Nimbus  in  hochgotischer  Zeit  nicht  mehr  vor- 
kommt. 

36.  Provinz  Sachsen,  Zeitz,  Franziskanerkirche.  Gotisches  Kreuz 
nach  Art  einer  Schlüsselraute  ohne  Nimbus  auf  rundem  Fufsbogen. 
Nach  der  Inschrift  soll  der  Stein  einer  1342  verstorbenen  domina 
Jutta  gehören.  Die  Jahreszahl  erscheint  mir  aber  zweifelhaft.  Die 
Form  des  Kreuzes  ist  offenbar  älter,  vgl.  die  Nr.  18  —  20.  Bau-  u. 
Kunstdenkm.  der  Prov.  Sachs.  I,  54,  Fig.  43  und  Pfau  a.  a.  O.  S.  91, 
der  es  für  das  Grab  der  Stifterin  hält. 

37.  Königreich  Sachsen,  Amtshauptmannschaft  Dresden-Altstadt, 
Dohlen.  Gotisches  Kreuz  oliiie  Nimbus.  Nach  der  Inschrift  Denk- 
mal der  1356  verstorbenen  Barbara  Küchenmeister  (Coquina).  Bau- 
u.  Kunstdenkm.  des  K.  Sachs.  XXIV,  27,  Fig.  20.  Die  Jahreszahl 
erscheint  mir  fraglich.  Die  Schrift  ist  älter  und  die  Buchstaben  sind 
gerade  bei  der  Jahreszahl  recht  undeutlich  (ob  verzeichnet?). 

38.  Böhmen,  Eger,  Kreuzherrenkirche.  Gotisierendes  Kreuz 
ohne  Nimbus  auf  einem  Stern.  Darüber  Reste  von  gotischen  Minuskeln. 
Mitte  des  14.  Jahrh.  Das  Kreuz  mit  dem  Stern  war  das  Symbol 
dieses  Ordens,  s.  Gradl,  Gesch.  des  Egerlandes  S.  loi.  Mitteilung 
und  Zeichnung  von  Kiefskalt. 

39.  Bayern,  Chammünster.  Hochgotisches  Kreuz  ohne  Nimbus 
auf  Halbkreis.  Auf  dem  unteren  Stamm  ein  Hahn,  links  darunter 
eine  Geifsel.  Wohl  redende  Beziehung  auf  den  Namen.  Kunstdenkm. 
Bayerns,  Oberpfalz,  VI,  84,  Fig.  65,  dem  15.  Jahrh.  zugeschrieben, 
aber  wohl  älter  (c.  1380). 

40.  Bayern,  Chammünster.  Hochgotisches  Kreuz  ohne  Nimbus 
auf  Kleeblattbogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  ein  Mühlrad. 
Kunstdenkm.  Bayerns,  Oberpfalz,  VI,  73,  Fig.  55,  dem  15.  Jahrh. 
zugeschrieben,  aber  wohl  älter.  Auch  wohl  nicht  auf  einen  Müller 
deutend,  sondern  Wappen  der  Familie  Püdensdorfer. 

41.  Bayern,  Chammünster.  Romanisches  Kreuz  ohne  Nimbus 
auf  gotischem  Kleeblattbogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  der  Wappen- 
schild der  Zenger.  Kunstdenkm.  Bayerns,  Oberpfalz,  VI,  73,  Fig.  57. 
Nach  dem  Grabsteinbuch  des  Freisin^^er  Bischofs  Franz  Ercker 
von  Kapting  (1695  — 1727)  soll  die  Inschrift  gelautet  haben:  jorig 
Zenger  von  Tanstein  ist  gestorben  14**.  Ein  Jörg  Zenker  von  Than- 
stein  ist  1403  und  1404  nachzuweisen,  s.  Mon.  Boica  XXVI,  275  und 
XXVII,  3 «6. 

42.  Württemberg,  Maulbronn,  Zisterzienserkloster.  Hochgotisches 
Lilienkreuz  ohne  Nimbus,  darunter  Wappenschild.  Nach  der  In- 
schrift Grabstein  des  Stifters  Walthcr  \on  Lommersheim,  jedenfalls 
im  15.  Jahrhundert  erneuert.  Kunst-  u.  Altertimusdenkm.  des  K. 
Württemberg,  Neckarkr.  S.  413. 

43.  Bayern,  Chammünster.  Kleeblattkreuz  ohne  Nimbus  aut 
gotischem  Spitzbogen.  Neben  dem  unteren  Stamm  zwei  gotische 
Kelche.  Von  der  Inschrift  zu  lesen:  Anno  domini  MCCCC  8  (die  8 
bereits  arabische  Ziffer).  Kunstdenkm.  Bayerns,  Oberpfalz,  M,  74, 
Fig-  59- 

23* 


3  iS  Berthold  Schmidt: 

44.  Ebenda.  Gotisches  Kreuz  ohne  Nimbus,  daneben  oben 
Kelch  und  Buch,  darunter  Wappen.  Nach  der  Inschrift  Grabstein 
des  1433  verstorbenen  Dekans  Heinrich  Amman  zu  Cham.  Kunstdenkiij. 
Bayerns,  Oberpfalz,  VI.  74.     Zeichnung;  von  Kiefskalt. 

4c;.  Bayern,  Oberfranken,  Himmelkron.  Spätgotisches  Kreuz 
ohne  Nimbus  auf  gotischem  Bogen.  Auf  dem  unteren  Stamm  AVappen- 
schild.  Nach  der  Inschrift  Grabstein  der  1460  verstorbenen  Äbtissin 
Adelheid  von  Plassenberg.    Mitteilung  und  Zeichnung  von  Kielskalt. 

46.  Bayern,  Chammünster.  Kreuz  ohne  Nimbus,  links  ein  Kelch, 
unten  Wappenschild.  Nach  der  Inschrift  Grabstein  des  149?  ver- 
storbenen Predigers  Hans  Kraft  zu  Cham.  Kunstdenkm.  Bayerns, 
Oberpfalz,  VI,  71. 

Ziehen  wir  aus  obiger  Zusammenstellung  die  Folgerungen. 
Das  Kreuz  mit  und  ohne  Nimbus  findet  sich  auf  mittelalter- 
li<hen  Grabsteinen  in  Süd-  und  Mitteldeutschland,  nicht  aber 
i.i  den  nördlichen  und  östlichen  Gegenden  des  Reiches.  Am 
häufigsten  kommt  es  in  der  bayrischen  Oberpfalz  vor  (Pfaffen- 
hofen  bei  Kastl,  Amberg,  Reichenbach  bei  Roding,  Neunburg 
a.  d.W.,  Chammünster),  woran  sich  in  Böhmen  Eger  schliefst. 
Weiter  erscheint  das  Kreuz  im  Königreich  Sachsen  (in  und 
um  Rochlitz,  bei  Döbeln,  in  Dohlen  bei  Dresden  und  Otten- 
dorf bei  Pirna),  in  der  Provinz  Sachsen  (im  Saale  gebiet  und 
bei  Zeitz),  in  Thüringen  (Roda  und  Cronschwitz),  in  Ober- 
franken (Himmelkron),  Mittelfranken  (Rothenburg  o.  T.)  und  im 
Neckarkreis  (Maulbronn,  Lichtenstern  und  bei  Mosbach).  Das 
Kreuz  kann  also  kein  zufälliges  Ornament  sein,  sondern  mufs 
eine  bestimmte  Bedeutung  gehabt  haben.  Im  frühen  Mittel- 
alter waren  die  Sepulturen  in  den  Kirchen  etwas  seltenes 
und  wurden  in  der  Regel  nur  höheren  weltlichen  und  geist- 
lichen Würdenträgern  zuteil.  Leute  geringern  Standes  wurden 
nur  dann  in  der  Kirche  begraben,  wenn  sie  sich  um  dieselbe 
besonders  verdient  gemacht  hatten,  wie  die  Stifter  von  Klöstern 
u  id  Gotteshäusern  und  die  Spender  gröfserer  wohltätiger 
S'iftungen  (Messen,  Speisung  von  Geistlichen  und  Armen, 
ewige  Lichter  usw.).  Diesen  scheint  man  in  den  oben- 
erwähnten Gegenden  das  Stifterkreuz  mit  und  ohne  Nimbus 
auf  den  Grabstein  gegeben  zu  haben.  Dafür  sprechen  von 
den  hier  aufgeführten  Grabsteinen  mehrere  (die  Nr.  11,  13, 
26,  27,  30,  36,  42  u.  a.).  In  der  altern  Zeit  hatten  die  Grab- 
steine nur  das  Kreuz,  keine  Inschrift  und  kein  Wappenschild. 
Die  Geistlichen  wufsten  aus  der  Überlieferung  und  ihren 
Totenbüchem,  wer  rmter  solchen  Steinen  ruhte  und  die  jähr- 
lichen Messen  für  die  Stifter  und  Wohltäter  liefsen  die  Er- 
innerung nicht  schwinden.  In  den  meisten  Fällen  kann  man. 
wo  sich  Kreuzgrabsteine  ohne  Namen  und  Wappen  finden, 
annehmen,   dafs    es    sich    um    Stifter   aus    dem    niedern   Adel 


Die  Grabsteiiu'  mit  dein   Kreuze. 


>49 


handelt,  die  noch  auf  keine  längere  Familiengeschichte  zurück- 
blicken konnten.  Es  waren  Ministcriale  und  Homines  novi 
ohne  feststehende  Familiennamen.    Erst  im  Laufe  des  12.  vmd 

13.  Jahrhunderts  bildeten  sich  solche  für  diesen  Stand  heraus. 
Betrachten  wir  einmal  im  östlichen  Thüringen  und  Vogtland 
diejenigen  Familien,  die  sich  hier  um  die  angegebene  Zeit 
zu  Landesherren  entwickelten.  Das  waren  im  obern  Saale- 
tal und  im  Elstergebiete  die  Herren  von  Lobdeburg,  ein 
fränkisches  Dynastengeschlecht  aus  der  Würzburger  Gegend. 
Ihr  ältestes  Siegel  erscheint  11 86  und  zeigt  einen  Hirsch  im 
Dreieckschilde.  1227  haben  sie  neben  dem  Hirsch  einen 
fliegenden  Fisch  und  einen  steigenden  Löwen  im  Siegel. 
1236  findet  sich  zum  ersten  Male  ihr  späteres  Wappen  mit 
dem  Schrägbalken,  doch  haben  sie  im  13.  Jahrhundert  noch 
häutig  den  fliegenden  Fisch  im  Schilde,  den  sie  später  nur 
als  Helmzier  gebrauchten^).  Auf  dem  ältesten  Grabsteine 
der  Familie,  dem  für  Hartmann  von  Lobdeburg  -  Arn.shaugk 
(-|-  1289),  flndet  sich  zwar  Inschrift,  aber  kein  W^appen  (siehe 
Nr.  20).  Von  den  Grafen  von  Schwarzburg  sind  Siegel  erst 
von  1233  ab  bekannt  und  zwar  ein  Helmsiegel.  Ihr  ältestes 
Wappensiegel  (der  Löwe)  findet  sich  erst  1247-).  Die  Schwarz- 
burger waren  ein  altes  freies  Geschlecht.  Zweifelhaft  ist  das 
noch  bei  den  Burggrafen  von  Altenburg,  die  schon  Reichs- 
ministeriale gewesen  sein  können.  Von  ihnen  finden  sich 
keine  Wappensiegel  vor  1253'^).  Sicher  Reichsministeriale 
waren  aber  die  Vögte  von  Weida  und  Strafsberg  im  Elster- 
gebiete. Die  Vögte  von  Weida  und  zwar  zunächst  der 
spätere  Landmeister  führten  lange  Zeit  eine  antike  Gemme 
im  Siegel  und  zwar  nachweisbar  zuerst  1224.  Erst  dessen 
Sohn  Heinrich  I,  von  Plauen  gebrauchte  um  1244  das  erste 
Wappensiegel  (den  Löwen),  während  die  Vögte  von  Gera 
Helmsiegel  erst  1279  und  Wappensiegel  1296  gebrauchten 
und    endHch    die  Vögte    von  Weida    letztere    sogar    erst    im 

14.  Jahrhundert  annahmen^).  Das  älteste  Wappensiegel  der 
Vögte  von  Strafsberg,  deren  Geschlecht  wahrscheinlich  die 
Jutta  von  Weida,  die  Stifterin  des  Klosters  Cronschwitz,  an- 
gehörte, findet  sich  zuerst  1249'').    ^--^-  obigem  ist  ersichtlich. 


')  Ch.  von  Reitzenstein,  Manuskript  über  die  Herren  von 
Lobdeburg  usw.  im  Fürstl.  Hausarchive  Scnleiz. 

'j  Posse,  Die  Siegel  des  Adels  der  Wettiner  Lande  bis  zum 
Jahre  1500  I,  i. 

")  Posse  a.  a.  O.  49. 

•*)  Posse  a.  a.  O.  29,  34  u.  43. 

^)  Mitteil.  d.  A  tertumsver.  v.  Plauen  1,  X\'I. 


qro  Berthold  Schmidt: 

dafs  Wappen  auf  Grabdenkmälern  vor  der  Mitte  des  13.  Jahr- 
hunderts nicht  zu  erwarten  sind.  Insbesondere  konnte  der 
Landmeister  Heinrich  von  Weida  kein  solches  erhalten,  da 
er  ein  solches  wahrscheinlich  nie  geführt  hat.  Doch  kehren 
wir  zu  den  Kreuzen  selbst  zurück.  Nach  den  Formen  derselben 
und  nach  dem  Fehlen  von  Inschriften  und  Wappen  müssen 
also  die  romanischen  Grabsteine  mit  dem  benimbten  Kreuze 
dem  13.  Jahrhundert  angehören.  Sie  kommen  nur  vereinzelt 
noch  in  frühgotischer  Zeit  vor,  so  in  Chammünster  und 
Rothenburg  o.  T.  Das  von  Pfau  aus  dem  Gedächtnis  ge- 
zeichnete hochgotische  Stück  (Nr.  35)  erscheint  mir  zweifel- 
haft, doch  könnte  hier  eine  spätere  Nachahmung  vorliegen. 
In  manchen  Gegenden  scheinen  die  Kreuzgrabsteine  besonders 
Mode  grewesen  zu  sein,  so  um  Rochlitz  und  in  Chammünster. 
Kreuzgrabsteine  kommen  für  Personen  beiderlei  Geschlechts 
vor  und  die  mit  benimbtem  Kreuze  ohne  und  mit  Inschrift, 
ohne  und  mit  Wappen.  Dadurch  erledigt  sich  von  selbst  die 
Plausche  Hvpothese  von  den  verschiedenen  Steinen  für  die 
Ritter-  und  Priesterbrüder  des  deutschen  Ordens.  Der  Nimbus 
ist  eben  nur  die  romanische  Ausschmückung  des  Kreuzes  und 
fiel  fort,  als  die  Kreuze  rein  gotische  Formen  annahmen.  Ist 
nun  aus  der  Form  des  Kreuzes  auf  einen  bestimmten  Orden 
zu  schliefsen?  Die  Stifter  und  Stifterinnen  waren  doch  ent- 
weder Anorehörige  der  von  ihnen  oreo-ründeten  oder  bedachten 
Klöster  oder  erlanoten  doch  die  Brüder-  bez.  Schwesterschaft 
des  betreffenden  Ordens.  Ich  wagre  das  nicht  zu  entscheiden. 
Eigentlich  dafür  spricht  nur  der  Egerer  Stein  (Nr.  38).  Ich 
bezweifle  endlich,  obwohl  ich  mich  dadurch  für  das  Grab- 
denkmal des  Landmeisters  eines  bisher  geltenden  Beweis- 
grundes beraube,  dafs  die  Rochlitzer  und  Cronschwitzer 
Kreuzg-rabsteine  —  und  nur  diese  kommen  hier  in  Betracht  — 
überhaupt  Deutschherrensteine  sind.  Die  Nonnen  in  Cronsch- 
witz  hatten,  seitdem  1247  ihr  Kloster  völlig  dem  Prediger- 
orden übergeben  war,  gar  keine  Veranlassung,  Reminiszenzen 
an  die  deutschen  Herren  wieder  aufzufrischen.  Auch  der 
Stein  mit  dem  Kreuze  auf  dem  gotischen  Kampfschilde  (Nr.  21) 
dürfte  keinem  Ritter  des  deutschen  Ordens  angehören;  denn 
das  Kreuz  des  Ordens  geht  sonst  immer  durch  den  ganzen 
Schild.  In  Ottendorf  bei  Pirna  ist  der  Orden  nicht  nach- 
zuweisen. Der  Ausweg  Pfaus,  dafs  hier  ein  früherer  Ordens- 
priester begraben  sein  könnte,  ist  doch  zu  künstlich.  In 
Rochlitz  und  Umgegend  tritt  der  Orden  erst  nach  1279  auf. 
Die  in  dieser  Gebend  grefundenen  Kreuzgrabsteine  sind  aber 
wohl   sämtlich   älter   -.ind   finden  sich  auch  nur  in  ganz  alten 


Die  Grabsteine  mit  dem  Kreuze. 


351 


Kirchen.  Die  Schlofskapelle  in  Wechselburg  war  ehemals 
die  Kirche  des  11 24  gestifteten  Augustinerklosters  Zschillen 
und  kam  erst  1280  an  den  deutschen  Orden.  Auch  in  Seelitz 
und  Göhren  waren  alte  Kirchen,  die  erbaut  wurden,  ehe  der 
Orden  Zschillen  erwarb').  Ein  Deutschordensstein  dagegen 
dürfte  wohl  der  KochlitzerStein  mit  dem  Heldrungschen  Wappen 
sein,  aber  vielleicht  ist  er  kein  Grabstein,  sondern  ein  Ge- 
denkstein auf  den  Hochmeister  Hartmann  von  Heldrungen, 
unter  welchem  Zschillen  an  den  Orden  kam.  In  Rothen- 
burg o.  T.  gab  es  zwar  eine  Komturei  des  deutschen  Ordens, 
aber  das  Hospital  war  1250  von  der  Stadt  Rothenburg  er- 
baut \vorden,  und  es  wäre  sonderbar,  wenn  der  von  Wallen- 
hausen, falls  er  wirklich  Deutschordensritter  war,  sich  gerade 
hier  und  nicht  in  der  Deutschherrenkirche  hätte  besrraben 
lassen.  Endlich  war  in  Chammünster,  welches  die  reichste 
Auswahl  von  benimbten  und  unbenimbten  Steinen  bietet,  der 
deutsche  Orden  nie  ansässig. 

So  kann  ich  die  benimbten  Kreuzo;rabsteine  dem  Orden 
nicht  mehr  zusprechen.  Es  waren  einfach  Stiftergrabsteine. 
Für  solche  sind  auch  der  Landmeisterstein  und  der  Juttastein 
zu  erklären.  Als  Stifterin  konnte  aber  Jutta  ein  benimbtes 
Kreuz  mit  Wappen  bekommen. 


*)  Sachsens  Kirchen -Galerie  II,  14,  154,  189.  Übrigens  scheint 
das  Augustinerkloster  in  Zschillen  in  einer  gewissen  Weise  fort- 
bestanden zu  haben.  Es  gab  hier  neben  dem  Deutschordenshause 
eine  Propstei,  deren  Inhaber  zugleich  Archidiakon  über  eine  grofse 
Anzahl   Pfarren  war,  darunter  auch  die  in  Seelitz. 


Literatur. 


Alexius  Chrosner,  Herzog  Georgs  von  Sachsen  evangelischer  Hof- 
prediger. Von  Lic.  Dr.  Otto  Giemen,  Gymnasiafoberlehrer  in 
Zwickau  i.  S.    Leipzig,   M.  Heinsius  Nachfolger.    1908.    70  SS.    8*^. 

Mit  Sorgfalt  und  Sachkenntnis  behandelt  der  auf  dem  Gebiete 
der  Reformationsgeschichte  hinlänglich  bekannte  Verfasser  die  Schick- 
sale eines  Mannes,  der  gewifs  nicht  zu  den  führenden  Geistern  seiner 
Zeit  gehörte,  aber  doch  zu  den  interessanteren  Persönlichkeiten  des 
dritten  Jahrzehntes  des  sechzehnten  Jahrhunderts  gerechnet  werden 
darf.  Schon  Seidemann  hatte  über  die  Persönlichkeit  Krosners 
manches  Licht  verbreitet,  zuletzt  in  dem  inhaltreichen  Artikel 
„Chrosner"  im  IV.  Bande  der  Allgemeinen  Deutschen  Biographie, 
der  Giemen  unbekannt  geblieben  zu  sein  scheint,  wenigstens  zitiert 
er  ihn  nie.  Auf  Grund  des  gedruckten  und  unter  Benutzung  neuen 
archivalischen  Materials  gibt  nun  Giemen  eine  neue  Biographie.  Leider 
hat  er  das  Hauptgewicht  darin  auf  die  Tätigkeit  Krosners  als  Hof- 
prediger Georgs  gelegt,  während  die  davor  und  die  dahinter  liegende 
Zeit  nur  kärglich  bedacht  ist.  Dafs  namentlich  für  die  frühere  Zeit 
noch  manches  Interessante  zu  ermitteln  sein  dürfte,  zeigen  die  For- 
schungen von  Mentz,  fohann  Friedrich  der  Grofsmütige  Bd.  I  S.  7ff. ; 
dafs  auch  für  die  spätere  Periode  seines  Lebens  noch  allerlei  Neues 
gefunden  werden  kann,  darauf  hat  schon  Seidemann  in  der  Allge- 
meinen Deutschen  Biographie  hingewiesen. 

Von  der  vorhandenen  Literatur  scheint  dem  Verfasser,  soweit 
Referent  sieht,  aulser  dem  schon  genannten  Artikel  Seidemanns 
noch  ein  Aufsatz  Lobes:  „Fortgesetzte  Mitteilungen  über  das  Georgen- 
stift in  Altenburg"  in  den  Mitteilungen  der  Geschichts-  und  Altertums- 
torschenden  Gesellschaft  des  Osterlandes  Bd.  I  Heft  4  S.  54  ff.  ent- 
gangen zu  sein,  in  dem  genauere  Angaben  über  das  Einkommen 
Krosners  aus,  seinem  Altenburger  Kanonikat  enthalten  sind.  Be- 
dauerlich ist  es,  dafs  einige  wichtige  Weimarische  Archivalien 
Giemen  entgangen  sind,  freilich  ohne  dafs  er  eine  Schuld  daran 
trägt;  denn  sie  sind  erst  ganz  kürzlich  aufgefunden  worden.  Weimar 
dürfte  wohl  überhaupt  noch  manches  interessante  Material  zu 
Krosners  Geschichte  enthalten. 

Krosners  Geburtsjahr  ist  bisher  ungekannt  geblieben.  Nach 
Seidemanns  Vorgange  hat  sich  Giemen  für  die  Schreibung  Chrosner 
entschieden,  obwohl  in  den  Briefen  wie  in  den  gedruckten  Schriften 
die  Namensform  stets  Crosner  lautet.  Mit  Recht  hat  schon  Mentz 
deshalb  in  seinem  Buche  über  Johann  Friedrich  den  Grofsmütigen 
stets    die    richtige    Schreibung    verwendet.     Nachdem     Krosner    in 


Literatur.  353 

Leipzig;  studiert  hatte,  berief  ihn  Herzog  Johann  von  Sachsen  zum 
Erzieher  seines  Sohnes  Johann  Friedrich.  Dals  seine  Tätigkeit  die 
Erwartungen  des  Herzogs  rechtfertigte,  beweist  eine  Verschrei bung 
von  52  Gulden  lebenslänghcher  Rente  für  Krosner  aus  dem  Jahre 
1514.  Zwei  Jahre  später  wurde  sie  durch  ein  Kanonikat  am  Alten- 
burger  Georgenstifte  abgeh'Jst.  Merkwürdigerweise  soll  Johann 
Friedrich  später  über  die  erzieherische  Tätigkeit  seines  Lehrers  ein 
absprechendes  Urteil  gefällt  haben.  Mentz  ist  der  Sache  nach- 
gegangen, Giemen  hat  es  leider  verabsäumt.  Und  doch  würde  eine 
genauere  Untersuchung  der  bei  Cordatus  überlieferten  Notiz  einen 
interessanten  Beitrag  zur  Quellenkritik  von  Luthers  Tischreden  ge- 
liefert haben.  Leider  ist  über  Ivrosners  Stellung  zu  Luther  in  den 
ersten  Jahren  des  ausbrechenden  grofsen  Kampfes  so  gut  wie  nichts 
bekannt.  Er  scheint  sich  vorsichtig  zurückgehalten  und  oft'en  Partei 
zu  ergreifen  vermieden  haben,  sonst  wäre  seine  Berufung  zu  HerZ'  g 
Georgs  Hofprediger  im  Jahre  1524  ganz  unerklärlich.  Über  die 
Stellung,  welche  die  ernestinischen  Wettiner  zu  dieser  Berufung 
ihres  Kanonikus  nahmen,  erfahren  wir  leider  nichts.  Sie,  die  Krosners 
wie  Georgs  Verhältnis  zur  Reformation  genau  kannten,  müssen  ihre 
Erlaubnis  doch  gegeben  haben,  und  vun  seinem  Standpunkt  aus 
hatte  Cochlaeus  so  sehr  nicht  unrecht,  wenn  er  später  in  der  An- 
nahme der  Berufung  einen  Versuch  der  Protestanten  sah,  Herzog 
Georg  für  sich  zvi  gewinnen.  Trifft  sie  doch  mit  anderen  Versuchen 
dieser  Art  zusammen.  Referent  erinnert  nur  an  die  Bemühungen 
Philipps  von  Hessen  aus  dem  Jahre  1525,  seinen  Schwiegervater  für 
die  Sache  der  Reformation  zu  gewinnen.  Welch  anderen  Zweck 
kann  Krosner  mit  der  Annahme  seiner  Stellung  auch  verbunden 
haben?  Über  drei  Jahre  ist  er  Georgs  Hofprediger  gewesen.  Nur 
dadurch,  dafs  er  sein  Verhältnis  zur  Reformation  klüglich  ver- 
schleierte und  seinen  Gönner  im  Glauben  liefs,  dafs  er  der  alten 
Kirche  noch  angehöre,  hat  er  sich  so  lange  in  Dresden  zu  halten 
vermocht.  Diese  Unehrlichkeit  der  Gesinnung  hat  er  später  schwer 
zu  büfsen  gehabt.  Weit  schneller  als  Georg  hatten  seine  theologischen 
Berater  Krosners  wahres  Wesen  erkannt.  Emser,  Eisenberg,  Bach- 
mann u.  a.  war  er  bald  verdächtig  geworden;  auch  der  Meifsner 
Bischof  zog  sich  schon  früh  von  ihm  zurück.  Was  Krosners  Entlassung 
aus  Georgs  Diensten  herbeiführte,  darüber  spricht  sich  Giemen  nicht 
deutlich  genug  aus.  Es  wäre  dankenswert  gewesen,  wenn  er  aus 
der  überaus  seltenen  „Verantwortung"  Krosners  den  ganzen,  die 
Entlassung  betreuenden  Teil  wörtlich  abgedruckt  hätte,  wie  denn 
überhaupt  für  diese  Verantwortung  wohl  ein  Platz  im  Anhange  ge- 
wesen wäre.  Der  Hauptgnuid  der  Entlassung  scheint  doch  gewesen 
zu  sein,  dafs  Herzog  Georg  Bedenken  über  die  Rechtgläubigkeit 
seines  Hofpredigers  kamen.  Immerhin  trennte  man  sich  in  leid- 
lichem Einvernehmen,  und  die  Beziehungen  zu  Georg  und  seinem 
Hofe  hörten  zunächst  nicht  ganz  auf.  Wiederholt  hatte  1528  Krosner 
Veranlassung,  sich  in  Leipzig  und  Dresden  wider  gegen  ihn  erhobene 
Beschuldigungen  zu  rechtfertigen.  Die  zweideutige  Stellung,  die  er 
am  Hofe  Georgs  eingenommen  hatte,  sollte  ihm  auch  bei  dem  eignen 
Landesfürsten  und  seinen  lutheranischen  Freunden  geschadet  haben. 
Krosner  hat  seit  seiner  Dresdner  Tätigkeit  kein  geistliches  Amt 
mehr  erlangen  können,  so  dafs  er  sich  schliefslich  —  abermals  ver- 
gebens —  um  eine  Anstellung  im  weltlichen  Dieriste  bewerben 
mufste.  Sich  wieder  zu  rehabilitieren,  veröffentlichte  er  1531  seine 
„Verantwortung"  und   zwei   Predigten,  die  er  1527  in  Dresden  ge- 


254  Literatur. 

halten  haben  wollte,  um  sich  dann  nachweisen  lassen  zu  müssen, 
dafs  er  ein  Fälscher  sei.  Verhöhnt  von  den  Geo;nern,  von  den  Pro- 
testanten beiseite  geschoben,  ist  Krosner  1535  in  dürftigen  Verhält- 
nissen in  Altenburg  gestorben,  ein  talentvoller  Mann,  kein  Charakter. 
Am  Schlüsse  seines  Buches  gibt  Giemen  den  Abdruck  der 
Predigt  Krosners  .,von  der  Kirche"  nach  der  Originalhandschrift 
in  der  Bibliothek  des  Waisenhauses  in  Halle,  auf  die  schon  Weiske 
in  seiner  Schrift:  Aus  der  Hauptbibliothek  der  Frankeschen  Stiftungen, 
Halle  1903,  aufmerksam  gemacht  hatte.  Von  den  mancherlei  neuen 
Ergebnissen  des  kleinen,  aber  inhaltreichen  Buches  wird  sich  nicht 
alles  behaupten  können.  So  scheint  dem  Referenten  der  Nachweis, 
dafs  Krosner  der  Verfasser  der  deutschen  Übersetzung  des  Annales 
Pegavienses  nicht  sein  könne,  milslungen.  Herzog  Friedrich  von 
Sachsen  darf  wohl  nicht  als  wahnsinnig,  sondern  nur  als  schwach- 
sinnig bezeichnet  werden.  Das  S.  16  ff.  teilweise  abgedruckte  Akten- 
stück')  des  Weimarer  Archivs  befindet  sich  in  Reg.  H.  fol.  30  Q, 
nicht  A.  u.  a.  Das  sind  indessen  nebensächliche  Ausstellungen,  die 
dem  Werte  der  Arbeit  Clemens  keinen  Abbruch  tun  sollen. 

Leipzig.  P.  Vetter. 

1.  Die  Registraturen  der  Kirchenvisitationen  im  ehemals  sächsischen 
Kurkreis.  Herausgegeben  von  der  Historischen  Kommission  für 
die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzogtum  Anhalt,  [gearbeitet  von 
Karl  Pallas,  Archidiakonus  zu  Herzberg  (Elster).  Erster  Teil.  Die 
Ephorien  Wittenberg,  Kemberg  und  Zahna.  (Geschichtsquellen  der 
Provinz  Sachsen  und  angrenzender  Gebiete.  41.  Band).  Halle, 
Hendel.    1906.    VII,  5898^.    8". 

2.  Die  Kirchen-  und  Schulvisitationen  im  sächsischen  Kurkreise  vom 
Jahre  1555.  i.  Heft:  Die  kirchlichen  und  sittlichen  Zustände. 
2.  Heft:  Die  wirtschaftlichen  Verhältnisse.  Von  Wilhelm  Schmidt. 
(Schriften  des  Vereins  für  Reformationsgeschichte  Nr.  90  und  92.) 
Halle,  im  Kommissionsverlag  von  Rudolf  Haupt.  1906.  IV,  74  und 
88  SS.    8". 

Nicht  von  einer  eingehenden  Besprechung,  sondern  nur  von 
einer  kurzen  Anzeige  des  erstgenannten  Werkes  kann  hier  die  Rede 
sein.  Denn  wenn  sein  Vorwort  sagt:  „Über  die  Anordnungen  dieses 
Quellenwerkes  ...  ist  in  dem  Vorworte  zu  dem  allgemeinen  Teile 
des  Werkes,  welcher  demnächst  erscheinen  wird,  ausführlich  ge- 
sprochen. Auf  diese  Ausführungen  sei  hier  verwiesen'  —  und  wenn 
gleichwohl  dieser  allgemeine  Teil  dem  Herausgeber  dieser  Zeitschrift, 
auch  auf  seine  ausdrückliche  Bitte  hin  nicht  zugeschickt  wird,  so 
ist  der  Referent  übel  daran.  Welcher  Art  jene  Anordnvmgen  sind 
und  ob  ihnen  hier  im  speziellen  Teil  genug  getan  wird,  bleibt  ihm 
dunkel;  ebenso  das  Verhältnis  der  Handschriften,  die  dem  Text  zu- 
grunde liegen.  So  begnügt  er  sich  denn,  festzustellen,  dafs  es  sich, 
was  übrigens  auf  dem  Titelblatte  hätte  bemerkt  werden  müssen,  um 
zahlreiche  Kirchenvisitationen  von  1528  an  bis  ins  erste  Drittel  des 
17.  Jahrhunderts  (in  der  Parochie  Sevda  gar  bis  1671;  handelt;    dafs 


^)  Das  Aktenstück  ist  nicht  ganz  korrekt  wiedergegeben.  S.  17 
Zeile  22  ist  zu  lesen:  „der  ich  sell3s  .  .  ."  statt  dan  ich,  S.  21  Zeile  6 
„des  verloren  evangelions"  statt  verboten  ev.,  Zeile  18  fehlt  hinter 
weltkinder  „vor  kinder"  usw. 


Literatur. 


355 


es  bei  der  Korrektur  oft  eilig  zugegangen  sein  inuls,  da  der  Be» 
arbeiter  der  evangelischen  Kirchenordnungen  Sehling  nie  anders 
als  Schling  genannt  wird  (S.  i.  45.  176.  177.  365.  373.  556);  dafs  der 
Bearbeiter  nicht,  wie  er  meint,  mit  dem  Abdruck  der  Wittenberger 
Beutelordnung  uns  etwas  neues  bietet,  dafs  ims  diese  vielmehr  bereits 
durch  das  Buch  von  Bärge  „Andreas  Bodenstadt  von  Karlstadt'' 
bekannt  und  dort  Band  II  S.  559  abgedruckt  ist.  — 

\'eröffentlichungen,  wie  die  oben  genannte,  bieten  eine  Fülle 
von  rohem  Stoff,  dessen  Durcharbeitung  zunächst  Sache  der  Lokal- 
historiker  sein  wird.  Aber  wie  oft  geschieht  es,  dafs  solche  der 
Mühe  erliegen,  vom  Wori laut  des  Gebotenen  sich  schwer  trennen, 
einen  Standort  zu  übersichtlicher  Betrachtung  nicht  zu  finden  wissen. 
Da  bietet  nun  ein  treffliches  \'orbild,  wie  eine  solche  Arbeit  anzu- 
greifen ist,  Professor  Wilhelm  Schmidt,  Oberlehrer  am  Leibniz- 
G\'mnasium  in  Berlin.  Das  Buch  von  Pallas  war  noch  nicht  er- 
schienen, als  er  sich  anschickte,  die  Visitation  vom  Jahre  1555  — 
nur  diese  eine,  die  aber  auch  die  weitaus  wichtigste  der  von  Pallas 
behandelten  ist  —  aus  dem  handschriftlichen  Material  (Magdeburger, 
Dresdner,  Berliner  Archiv)  genau  kennen  zu  lernen,  ihre  Ergebnisse 
übersichtlich  darzustellen,  ab  und  zu  packende  Ausdrücke  der  Akten 
geschickt  einzuflechten.  Seine  Schrift  darf  warm  empfohlen  werden. 
Leider  felilt  ihr  nur  ein  Ortsverzeichnis.  Und  warum  prefst  sich 
der  Verfasser  in  seinem  Dank  an  die  Archivdirektionen  das  Wort 
„Zurverfügungstellung  der  Akten"  ab? 

Dresden.  Felician  Gess. 

Flugschriften  aus  den  ersten  Jahren  der  Reformation.  Herausgegeben 
von  Otto  Giemen.  Bd.  I.  Heft  2:  Verhör  und  Akta  vor  dem  Bischof 
von  Meißen  gegen  den  Bischof  zur  Lochau  (1522)  und  Handlung  des 
Bischofs  von  Merseburg  mit  den  zwei  Pfarrern  von  Schönbach  und 
Buch,  geschehen  am  Dienstag  nach  Bartholomäi  (1523).  Heraus- 
gegeben von  Hermann  Bärge.  Heft  10:  Eine  Unterredung  vom 
Glauben  durch  Herr  Micheln  Kromer,  Pfarrher  zu  Kunitz,  und  einen 
jüdischen  Rabbiner  (1523).  Halle  bez.  Leipzig,  Rudolf  Haupt.  1906. 
1907.    54,   17  SS.    8". 

Otto  Giemen,  der  bewährte  Verfasser  wertvoller  Beiträge  zur 
Reformationsgeschichte,  ist  mit  grofsem  Mut  und  Eifer  an  diese  Fiug- 
schriftensammlung  herangetreten  und  hat  angesehene  Historiker  und 
Tlieologen  zu  Mitarbeitern  anzuwerben  gewufst.  Eine  ganze  Reihe 
Von  Heften  sind  bereits  erschienen.  Uns  liegen  nur  zwei  sorgfältig 
kommentierte  hier  vor,  die  aufser  ihrem  allgemeinen  auch  eni  be- 
sonderes Interesse  für  die  sächsische  Geschichte  haben.  Die  oben 
zuletzt  genannte  Flugschrift  freilich  nur  insofern ,  als  ihr  Verfasser 
Michael  Kramer,  der  damalige  Pfarrer  zu  Kunitz  bei  Jena,  durch 
bereits  erfolgte  oder  unmittelbar  darauf  erfolgende  Verehelichung 
sich  in  Herzog  Georgs  Gebiet,  und  zu  dem  gehörte  Kunitz,  unmög- 
lich, durch  spätere  Ehehändel  dem  W^ittenberger  Reformator  viel  zu 
schaffen  gemacht  hat.  Anders  steht  es  mit  den  sonstigen  Flug- 
schriften. '  Sie  bereichern  unsere  Kenntnis  von  den  Visitationen  des 
Meifsener  und  Mersebur^er  Bischofs  nicht  unwesentlich.  Sie  lassen 
auch  die  Gegenseite,  die  visitierten,  zu  Gehör  kommen,  die  sich  durch 
Wort  und  Tat  gegen  den  Brauch  der  Kirche  gesetzt  haben.  Ihre 
biblische  Überlegenheit  über  die  Visitatoren  und  deren  geistliche 
Beiräte  —   aus  Leipziir  war    der    damalige  Hauptglaubensheld    der 


?r6  Literatur. 

theologischen  Fakultät,  der  Professor  Ochsenfart,  herbeigerufen 
worden  —  tritt  gelegentlich  hell  zu  Tage.  Immerhin  wird  der  Dar- 
steller diese  Stücke  natürHch  nicht  als  völlig  unbefangene  und  reine 
Quellen  unbesehen  hinnehmen  dürfen. 

Dresden.  Felician  Gess. 

August  der  Starke  und  die  Pragmatische  Sanktion.  Von  Albrecht 
Philipp.  (Leipziger  historische  Abhandlungen,  herausgegeben  von 
E.  Brandenburg,  G.  Seeliger,  U.  Wilcken,  Heft  IV.)  Leipzig, 
Quelle  &  Meyer.     1908.     XV,  139  SS.     8". 

Dafs  die  auswärtige  Politik  Augusts  des  Starken  seit  seiner 
Kandidatur  um  die  Krone  Polens  auf  die  Gründung  eines  grofsen 
Reiches  und  bis  zu  seinem  Tode  gegen  die  Habsburger  gerichtet 
gewesen  ist,  habe  ich  schon  vor  Jahren  nach  Kenntnisnahme  der  in 
seine  höchsten  Ziele  am  besten  einführenden  eigenhändigen  Ent- 
würfe behauptet;  für  die  letzten  14  Jahre  seiner  Regierung  bringt 
dafür  die  vorliegende  aufserordentlich  sorgfältige  und  tief  ein- 
dringende Doktordissertation  auf  Grund  von  Dresdener,  Wiener  und 
Münchener  Akten  im  Einzelnen  den  vollgültigen  Beweis. 

Mit  Reclit  geht  Philipp  aus  von  dem  noch  vor  dem  Ausbruch 
des  Spanischen  Erbfolgekrieges  auftauchenden  Plane,  Böhmen  und 
Schlesien  zu  erwerben  gegen  Verzicht  auf  das  den  Wettinern  ver- 
meintlich zustehende  Neapel  und  Sizilien;  an  diesem  Wunsche  hat 
August  der  Starke  festgehalten  bis  an  sein  Lebensende.  Wenn  er 
seit  1705  die  Vermählung  seines  Sohnes  mit  der  älteren  Tochter 
Josephs  I.,  Maria  Josepha,  erstrebte  —  der  Papst  hatte  diese  Ver- 
bindung schon  1701  befürwortet  in  der  Hoffnung,  dadurch  nicht  nur 
den  Kurprinzen,  sondern  auch  ganz  Sachsen  in  den  Schofs  der 
römischen  Kirche  zurückzuführen  — ,  so  geschah  das  nicht  etwa  aus 
besonderen  Sympathien  für  den  Wiener  Hof;  vielmehr  sollte  der 
Thronfolger  dadurch  ein  stärkeres  Anrecht  auf  den  habsburgischen 
Hausbesitz  gewinnen  und  nach  dem  Tode  Karls  VI.  beim  Fehlen 
männlicher  Nachkommen  der  Erbe  der  deutschen  Kaiserkrone  und 
wenigstens  eines  Teils  der  österreichischen  Territorien  werden. 
Zwar  hatte  Maria  Josepha,.  als  sie  17 19  dem  sächsischen  Kurprinzen 
die  Hand  reichte,  auf  alle  Länder,  die  ihr  „kraft  des  im  Hause 
Österreich  früher  üblichen  Herkommens  oder  des  Faktums  vom 
12.  September  1703  oder  irgend  eines  anderen  Namens  oder  er- 
denkbaren Titels  zukamen",  zugunsten  der  Descendenz  ihres 
Oheims  verzichtet;  zwischen  dem  Faktum  von  1703  und  der 
pragmatischen  Sanktion  bestand  aber  scheinbar  ein  Widerspruch, 
da  letztere  Maria  Theresia  zur  Erbin  des  Kaisers  einsetzte,  nach 
ersterer  je  nach  der  Interpretation  es  auch  Maria  Josepha  sein 
konnte;  das  wollte  August  der  Starke  ausnutzen,  und  deshalb 
sträubte  er  sich  auch  gegen  die  formelle  Anerkennung  der  Pragma- 
tischen Sanktion.  Um  Nebenbuhler  ganz  auszuschalten,  warb  er 
seit  1723  auch  noch  um  die  Hand  Maria  Theresias,  und  zwar  für 
den  jüngeren  seiner  beiden  Enkel;  während  der  ältere,  Joseph,  Kur- 
fürst von  Sachsen  und  König  von  Polen  wurde,  sollte  Friedrich 
Christian  als  Schwiegersohn  Karls  VI.  mit  habsburgischem  Besitz 
eine  neue  albertinische  Nebenlinie  begründen;  trotz  der  schnell 
zunehmenden  Chancen  des  Erbprinzen  von  Lothringen  hielt  August 
der  Starke  an  diesem  zweiten  Heiratsprojekt  bis  Ende  der  20  er 
Jahre  fest.     Suchte  er  deshalb  auf  der  einen  Seite  mit  dem  Kaiser 


Literatur. 


357 


gut  Freund  zu  blcil)cn,  so  auf  der  andern  Bundesgenossen  in  einem 
eventuellen  Kample  gegen  Maria  Theresia  zu  gewinnen;  zunächst 
nach  der  Vermählung  des  bayerischen  Kurprinzen  mit  der  jüngeren 
Tochter  Josephs  I.  die  Witteisbacher,  dann  nach  dem  Tode  Max 
Emanuels  und  der  Annäherung  Karl  Alberls  an  den  Wiener  Hof 
den  preulsischen  König  Friedrich  Wilhelm  1.,  endlich  als  dieser 
unter  Zuziehung  Karls  vi.  einen  Dreibund  zu  stiften  wünschte,  die 
Alliierten  von  Sevilla;  das  gute  Einvernehmen  mit  dem  Kaiser,  an 
dem  August  der  starke  nebenher  immer  noch  festhielt,  wurde  un- 
m()glich  erst,  als  Karl  VI.  vom  Reiche  die  Garantie  der  Pragma- 
tischen Sanktion  verlangte,  und  der  Wettiner  dadurch  wider  seinen 
Willen  Bayern  und  Frankreich  in  die  Arme  getrieben. 

Philipp  verfolgt  dir;  verschlungenen,  sich  in  diesen  Jahren  be- 
ständig kreuzenden  Fäden  der  sächsischen  Politik  mit  unleugbarem 
Geschick  und  deckt  auch  den  internationalen  Einschlag  m.  E. 
überall  richtig  auf;  ob  er  aber  ein  Recht  hat,  Augusts  Mafsregeln 
als  halb,  zweideutig  und  daher  gefahrvoll  von  Anfang  bis  zu  Ende 
zu  tadeln,  ist  mir  zum  mindesten  zweifelhaft;  sagt  er  doch  selbst 
einmal:  „Da  ihm  die  Kräfte  fehlten,  um  auf  Grund  seiner  Macht 
wirklichen  Einfiufs  auf  die  Gestaltung  der  europäischen  Verhältnisse 
auszuüben,  so  wollte  er  die  fehlenden  Mittel  durch  diplomatische 
Bemühungen  ersetzen."  (S.  45.)  Er  mufste  es  m.  E.  sogar,  so  lange 
der  HohenzoUer  zum  Habsburger  hielt  und  so  lange  das  sächsische 
Heer  und  die  sächsischen  Finanzen  es  mit  den  preuisischen  noch 
nicht  aufnehmen  konnten;  um  die  Reformen  und  Rüstungen  auf 
diesen  beiden  Gebieten  erst  zu  Ende  führen  zu  können,  war  die 
Fortdauer  der  Neutralität  bis  zum  Tode  Karls  VI.  einfach  eine 
Notwendigkeit.  Tadelnswert  scheint  mir  diese  Politik  des  Lavierens 
zwischen  den  sich  immer  aufs  neue  umbildenden  Parteien  nur  wegen 
ihrer  beständigen  Rücksichtnahme  auf  die  Personalunion  zwischen 
Sachsen  und  Polen;  ihre  F'ortdauer  lag  doch  nach  dem  Flrstarken 
Preufsens  und  Rulslands  noch  weniger  im  wahren  Interesse  Sachsens 
und  der  Wettiner  als  am  Anfang  des  18.  Jahrhunderts,  und  sie  ist 
wohl  auch  zum  gröfsten  Teil  daran  schuld  gewesen,  dafs  die  von 
August  dem  Starken  am  Schlüsse  seiner  Regierung  so  eifrig  be- 
triebenen militärischen  und  finanziellen  Reformen  bald  wieder  ins 
Stocken  gerieten  und  die  von  ihm  so  zäh  erstrebte  Beute  dann  im 
Österreichischen  F-rbfolgekriege  nicht  August  111.  zuliel,  sondern 
Friedrich  dem  Grofsen. 

Berlin.  Paul  Haake. 

Handlingar  angäende  konung  August  den  starkes  utrikes  politik  i()r 
hans  afsiittning  ar  ijoiutgifna  al  kungl.  samlundet  ir)r  iiigifvande 
af  handskrifter  rörande  Skandinaviens  historia  genom  Carl  Hailen- 
dorff.  (Historiska  Handlingar  Del  19  Nr.  2.)  Stockhuhn.  i^;o8. 
X,  272  SS.     8". 

Von  sächsischen  Historikern  und  vom  sächsischen  Staate  ist 
wohl  nie  die  Herausgabe  einer  politischen  Korrespondenz  Augusts 
des  Starken  zu  erwarten;  denn  würde  sie  auch  vielleicht  nicht  ganz 
so  umfangreich  werden  wie  die  Friedrichs  des  Grofsen,  so  doch 
unzweifelhaft  den  urkundlichen  Beweis  liefern  für  ihren  von  letzterer 
grundverscliicdenen  Charakter:  blieb  Friedrich  bei  allen-  Rulimsucht 
zugleich  doch  immer  ein  bewulster  Diener  der  preulsischen  Staats- 
interessen,   so    hat    der   viel  höher  fliegende   Ehrgeiz  Augusts  des 


5^8  Literatur. 

Starken  sich  um  die  sächsischen  nicht  im  geringsten  bekümmert 
und  sie  nur  gefördert ,  wenn  sie  mit  seinen  persönhchen  und 
dynastischen  übereinstimmten,  und  erst  in  der  übernächsten  Gene- 
ration haben  sich  auch  die  Wettiner  innerlich  gewandelt  und  von 
dem  Beispiel  des  gröfsten  Hohenzollern  gelernt,  das  Glück  ihres 
Hauses  und  das  Wohl  der  Gesamtheit  ohne  gegenseitige  Konflikte 
und  Schädigungen  zu  erstreben. 

Mit  lebhaftem  Dank  hat  es  daher  die  Wissenschaft  und  das 
sächsische  Volk  zu  begrülsen,  dafs  Fremde,  Ausländer,  die  Ziele 
Augusts  des  Starken,  die  weitgehendsten,  die  wohl  je  ein  Wettiner 
gehabt  hat,  aus  den  Akten  heraus  festzustellen  suchen  und  diese 
selbst  uns,  wenn  auch  nur  zum  Teil,  im  Wortlaut  vorlegen;  beide 
haben  ein  Recht  darauf,  jede  geschichtliche  Periode,  sonderlich  der 
eigenen  Vergangenheit,  die  Ursachen  ihres  Aufschwuno;s  oder 
ihres  Niedergangs  kennen  zu  lernen  und  die  Ergebnisse  der  For- 
schung an  den  Urkunden  selbst  zu  kontrollieren.  Von  Schweden, 
die  durch  das  Interesse  für  Karl  XII.  naturgemäfs  ja  auch  seinem 
langjährigen  Gegner  zugeführt  werden,  hat  niemand  sich  gröfsere 
Verdienste  um  die  Erhellung  der  Politik  Augusts  des  Starken  er- 
worben, als  der  jetzt  in  Stockholm  lebende  Professor  Hallendorft; 
seine  Monographien  Bidrag  tili  det  stora  nordiska  krigets  förhistoria 
und  Konung  Augusts  politik  ären  1700— 170 1  sind  neben  Karl 
Schirrens  Aufsatz  in  den  Göttingischen  Gelehrten  Anzeigen  1883 
S.  1 — 40  grundlegend  geworden  für  die  Erkenntnis  von  Augusts 
Anteil  am  Ursprung  des  nordischen  Krieges  und  seiner  Politik  in 
dessen  ersten  Jahren;  sie  werden  m.  E.  nur  vervollständigt,  nicht 
berichtigt  werden  können,  besonders  auf  Giamd  der  Moskauer  und 
Pariser  Archive.  Das  Wichtigste  von  dem,  was  ihm  in  Dresden, 
Berlin,  Wien,  Stockholm  und  Kopenhagen  vorlag  und  nicht  schon 
in  jenen  Schriften  zum  Abdruck  gebracht  worden  ist,  hat  er  jetzt 
in  extenso  veröffentlicht  und  durch  weitere  bis  zum  Ende  des  Jahres 
1704  führende  Aktenstücke  vermehrt;  es  ist  eine  ohne  alle  Frage 
ungemein  dankenswerte  Publikation;  doch  kann  ich  mich  mit  ihr 
nach  Form  und  Inhalt  nicht  ganz  einverstanden  erklären  und  möchte 
wenigstens  für  den  ersten  bis  zum  März  1700  reichenden  Teil,  für 
den  ich  nach  Durchsicht  des  gleichen  und  auch  des  Pariser  Materials 
eher  kompetent  bin  als  für  den  zweiten,  folgende  Bedenken  ins 
Feld  führen. 

Wer  HallendortTs  Buch  zur  Hand  nimmt,  mufs  glauben,  hier 
einen  getreuen  Abdruck  der  Originale  vor  sich  zu  haben;  Ortho- 
graphie und  Interpunktion  widersprechen  durchaus  der  modernen, 
und  auch  in  sich  stimmen  beide,  wie  das  ja  noch  im  18.  Jahrhundert 
das  Übliche  war,  nicht  überein.  Stichproben,  die  ich  anstellte,  er- 
gaben aber,  dafs  die  Genauigkeit  zu  wünschen  übrig  läfst;  es  sind 
zahlreiche  Änderungen  vorgenommen  worden  und  zwar  nach  keinem 
bestimmten  strikt  durchgeführten  Prinzip;  das  von  Wackerbarth 
gern  angewendete  Fragezeichen  ist  z.  B.  auf  Seite  2  Zeile  16  v.  u. 
dem  Sinne  gemäfs  in  ein  Ausrufungszeichen  verwandelt,  auf  der 
nächsten  Seite  dagegen  Zeile  16  v.  o.,  wo  es  das  Verständnis  arg 
erschwert,  stehen  geblieben.  Wir  wollen  das  einem  Ausländer,  der 
unsere  Sprache  noch  nicht  vollkommen  beherrscht  und  der  bei  der 
Durchsicht  der  Korrekturbogen  die  Originale  nicht  wieder  zur  Hand 
hatte,  verzeihen,  wünschen  aber  durften  die  deutschen  und  m.  E. 
auch  die  schwedischen  Leser,  über  den  Schreiber  der  einzelnen 
Aktenstücke,    die    darin    vorkommenden    Namen    und    nicht    ohne 


Literatur. 


359 


weiteres  verständliche  Ereio;nisse,  auf  die  sie  Bezug  nehmen,  auf- 
geklärt zu  werden;  das  hat  Hallendorft"  nicht  getan,  sondern  zumeist 
nur  den  Fundort,  den  Absender  und  den  Adressaten  angegeben 
und  hinzugefügt,  ob  das  Aktenstück  eine  Ausfertigung,  ein  Konzept 
oder  eine  Abschrift  ist.  Er  hat  z.  B.  bei  Böses  ßeiinstruktion  vom 
6.  i6.  Februar  1698,  die  mit  eigenliändigen  Schriften  dieses  Geheimen 
Rates  zusammen  in  einem  seiner  Nachlafsbände  liegt,  nicht  bemerkt, 
dafs  sie  von  seiner  Hand  stammt,  was  doch  von  Wichtigkeit  ist, 
die  Herausgabe  also  m.  E.  etwas  überhastet  und  sich  zu  sehr  er- 
leichtert. Ich  weifs  nicht,  ob  er  gebunden  war  an  gewisse,  das  er- 
klärende Bestimmungen  der  Kgl.  Gesellschaft  für  Herausgabe  von 
Manuskripten  zur  schwedischen  Gescliichte,  in  deren  Publikationen 
sein  Buch  erschienen  ist,  und  ob  die  schwedischen  Historiker  nicht 
orientiert  sein  wollen  über  solche  ihre  Geschichte  nicht  unmittelbar 
berührende  Dinge;  die  deutschen  und  speziell  die  sächsischen  müssen 
sich  jedenfalls  über  sie  genau  unterrichten  und  von  allen  politischen 
und  sonstigen  Akten  Augusts  des  Starken  die  Mitwisser  und  ihren 
Eintlufs  darauf  im  einzelnen  festzustellen  suchen. 

Was  den  Inhalt  der  Edition  betrifft,  so  zerfällt  er  in  zwei 
Teile,  vor  und  nach  dem  Bruch  mit  Schweden,  von  denen  der  erste 
um  fast  50  Seiten  schwächer  ist  als  der  zweite;  schon  das  zeigt, 
dafs  Hallendorffs  Interesse  an  der  sächsischen  Politik  dieser  Jahre 
wächst  mit  ihrer  Verflechtung  in  die  Geschicke  seines  eigenen 
Vaterlandes,  und  dafs  dieser  Gesichtspunkt  mafsgebend  war  für 
seine  Auswahl  der  Dokumente.  Er  bringt  zunächst  drei  Briefe 
Wackerbarths  aus  Wien  und  Banila  (nicht  Banita,  wie  er  zweimal 
hat  drucken  lassen),  welche  uns  über  Augusts  Anstalten  zur  Er- 
oberung der  Donaufürstentümer  unterrichten;  daran  schliefsen  sich 
Instruktionen  und  Berichte  Böses  aus  Kopenhagen  und  dem  Haag 
und  Carlowitzens  aus  Wien,  Moskau,  Breslau,  Leipzig  und  Mitau, 
an  deren  Hand  wir  die  gegen  Karl  XII.  gerichtete  Tripleallianz 
Dänemark-Rufsland-Polen  langsam  entstehen  sehen;  Abdrucke  dieser 
Bündnisse  und  anderer  auf  den  bevorstehenden  Kampf  mit  Schweden 
bezüglicher  Aktenstücke  vervollständigen  den  ersten  Teil  der  Pu- 
blikation. Wer  diese  Gedankenrfchtung  der  Augusteischen  Politik 
verfolgen  will,  kann  sich  keinem  besseren  Führer  anvertrauen  als 
Professor  Hallendorff;  er  hat  die  dafür  wichtigsten  Belege  geschickt 
zusammengestellt  und  zwar  nicht  nur  aus  dem  Dresdner  Archive; 
das  macht  auch  für  uns  den  Wert  seiner  Studien  aus,  dafs  sie  das 
dem  deutschen  Forscher  nicht  so  schnell  zugängliche  Material  mit 
heranziehen.  Was  ich  aber  schon  bei  der  Besprechung  seines 
Buches  Konung  Augusts  politik  ären  1700  —  1701  in  der  Historischen 
Zeitschrift  (89.  Band,  S.  364)  getan  habe,  das  mufs  ich  jetzt  nach 
Durchsicht  des  Archivs  des  französischen  Ministere  des  atTaires 
6trangeres  erst  recht  tun:  warnen  davor,  in  Augusts  Krieg  mit 
Schweden  den  eigentlichen  Angelpunkt  seines  politischen  Systems 
zu  sehen;  letzterer  war  —  darüber  lassen  die  Pariser  Akten  auch 
nicht  den  geringsten  Zweifel  —  die  Zertrümmerung  der  habs- 
burgischen  Monarchie  vind  die  Erwerbung  der  Kaiserkrone;  die  Er- 
oberung Livlands  dachte  sich  August  beim  Ausbruch  des  nordischen 
Krieges  als  eine  kurze  Episode  in  seiner  auf  Begründung  eines 
grofsen  mitteleuropäischen  Reiches  hinzielenden  Politik.  Hallendorff 
bringt  in  seinem  zweiten  Teile  vor  den  Akten  über  das  August 
dem  Starken  1702  durch  die  Not  aufgedrungene  Bündnis  mit  dem 
Kaiser  und  weitere  Unterhandlungen  mit  dem  Wiener  Hofe,    über 


360 


Literatur. 


die  Kriegsereiu^nisse  der  ersten  Jahre  und  die  Friedensvermittlungs- 
versuche bis  Ende  1704  auch  Belege  über  die  Beziehungen  Augusts 
des  Starken  zu  Ludwig  XIV.  vom  Februar  1701  bis  zum  Dezember 
1702;  sie  verraten  aber  naturgemäis  nichts  über  die  phantastischen 
Hoffnungen  des  Wettiners,  der  nun  zunächst  alles  daran  setzen 
mufste,  den  gefährlichen  Gegner  erst  wieder  los  zu  werden,  den  er 
sich  auf  den  Hals  gezogen  hatte;  die  früheren  Instruktionen  und 
Berichte  Jordans,  seines  Vertreters  in  Paris,  die  darüber  Auskunft 
geben  und  die  Hallendorff  für  seine  darstellenden  Monographien 
auch  benutzt  hat,  sind  in  dieser  Aktenpublikation  leider  nicht  ab- 
gedruckt worden.  So  kann  der  Nichteingeweihte  durch  sie  leicht 
ein  schiefes  Bild  bekommen  von  der  Augusteischen  Politik  dieser 
Jahre;  wer  sich  dagegen  des  etwas  einseitigen  Gesichtspunktes 
bevvufst  bleibt,  unter  dem  sie  entstanden  ist,  vim  Aufnahme  in  jene 
Sammlung  schwedischer  Geschichtsquellen  zu  finden,  wird  für 
weitere  Studien  daraus  grofsen  Nutzen  ziehen  und  dem  Herausgeber 
Dank  wissen  für  die  För  lenuig  der  Erkenntnis  auch  der  sächsischen 
Geschichte. 

Berlin.  Paul  Haake. 

Sauzey,  Les  AUemands  sous  les  aigles  francai.ses.  Essay  sur  les 
troupes  de  la  Confed6ration  du  Rhin.  1806 — 1813.  111.  Les  Saxons 
dans  nos  rangs.    Paris,  R.  Chapelot  et  Co.    1907.   VI,  265  SS.    8". 

Ich  kann  dem  vorliegenden  Buche  keinen  grofsen  Wert  bei- 
messen, denn  es  ist  zum  gröfsten  Teil  nur  eine  gedrängte  Übersicht 
der  kriegerischen  'Tätigkeit  sächsischer  Heeresabteilungen  w^ährend 
ihrer  Zugehörigkeit  zur  Confederation  du  Rhin,  welche  bereits  be- 
kannten literarischen  Veroffeni Hebungen  —  deutschen  und  fran- 
zösischen —  entnommen  ist,  enthält  also  nichts  neues  Der  Ab- 
schnitt „i8i2''  ist  die  fast  wörtliche,  nur  verkürzte  Übertragung 
emer  1896  erschienenen  Schrift  über  den  russischen  Feldzug  ins 
Französische.  Der  Verfasser  macht  daraus  kein  Hehl,  er  sagt  es 
selbst  in  der  ersten  Fufsnote  des  111.  Kapitels.  Immerhin  verliert 
dadurch  sein  Buch  von  vornherein  an  Interesse. 

Mit  welchem  Mangel  an  Gründlichkeit  der  Kommandant  der 
„Sabreiache"  gearbeitet  hat,  zeigen  die  vielen  Verstümmelungen  in 
der  Schreibweise  von  Namen:  Wurtchen  statt  Wurschen,  Pleswitz 
statt  Poischwitz,  Zerschwitz  statt  Zezschwitz,  Leckmann  statt 
Lehmann,  Hapsgarsen  statt  Hopffgarten,  Koppen  statt  Koppenfels, 
de  Romes  statt  Römer  und  eine  grolse  Menge  anderer. 

Es  ist  mit  Freuden  zu  begrüfsen,  dafs  die  bewiesene  Bravour 
der  Sachsen  von  dem  französischen  Verfasser  rückhaltslos  anerkannt 
Avird,  ebenso  die  Disziplin  un  I  die  Ausdauer  beim  Ertragen  von 
Anstrengungen  auf  Märschen  und  bei  Verpflegungsnöten  im  yuartier. 
Aber  —  nicht  wie  ein  roter  Faden,  sondern  wie  ein  glühender 
Lavastrom  ziehen  sich  durch  das  Sauzej'sche  Buch  die  Ereignisse 
des  18  Oktober  181?  bei  Paunsdorf  und  „Heiterer  BHck"  hindurch. 
Vom  Standpunkte  eines  Franzosen  sind  diese  Vorgänge  selbstver- 
ständlich une  abominable  trahison  und  une  d(§shonorante  perfidie. 
Wir  jedoch  beurteilen  sie  heute  anders:  es  war  das  Auflodern  des 
lange  unterdrückten  aber  glimmenden  Funkens  von  Vaterlandsliebe 
zu  hell  flackernden  Flammen.  Ob  Napoleon  Sachsen  zum  König- 
reich gemacht,  ob  er  Sachsens  Länderbesitz  vergröfsert,  die 
..suzeramet^"  über  das  Herzogtum  Warschau  Sachsen  zugesprochen 


Literatur.  361 

hatte:  danach  fragte  der  Soldat  wenitj.  Er  folgte  seinen  deutschen 
Brüdern  in  der  begeisterten  Abschüttelung  des  fremden  Jochs.  Diese 
edlen  Motive  hat  der  Franzose  in  seinem  Versuch,  sächsische 
Heeresgeschichte  zu  schreiben,  übersehen. 

Die  dem  Buche  beigegebenen  recht  guten  Abbildungen  von 
sächsischen  Uniformen  sind  sehr  nett,  aber  sie  sind  nicht  imstande, 
den  wissenschaftlichen  Wert  des  Essay  zu  erhöhen. 

Dresden.  Hottenroth 

Gutsherrlich-bäuerlicheVerhältnisse  in  derOberlausitz.  Rekonstruktion  der 
DörferRennersdorf,  Berthelsdorf  und  Großhennersdorf  bei  Herrnhut  i.S. 

Em  Beitrag"  zur  Erforschung  der  Siedelungsverhältnisst^  im  Kolonial- 
gebiet.  Von  F.  Moeschier.  Görlitz,  im  Selbstverlag  der  Oberlausitzer 
Gesellschaft  der  Wissenschaften  und  in  Kommission  der  Buchhand- 
lung von  Herm.  Tzschaschel.    1906.    Mit  6  Karten.  VIII,  72  SS.   8". 

Um  das  Gesamturteil  über  diese  Arbeit,  eine  Leipziger  Inaugural- 
Dissertation ,  vorwegzunehmen:  Sie  ist  ein  ungemein  fleifsiger  und 
geschickter  Versuch  aus  relativ  jungen  Quellen  1  Flurbüchern,  Flur- 
karten und  Kaufbüchern,  die  in  ihrem  ältesten  Bestände  höchstens 
bis  ins  1 6.  Jahrhundert  hinaufreichen)  die  Verhältnisse  in  den  drei 
Dörfern  zur  Kolonisationszeit  zu  enthüllen.  Moeschier  weist  über- 
zeugend nach,  dafs  wir  es  in  Rennersdorf  mit  einem  slavischen, 
deutsch  umgestalteten  Dorf  zu  tun  haben,  während  Berthelsdorf  und 
Hennersdorf  Gründungen  aus  wilder  Wurzel  sind.  Bei  Rennersdorf 
hätte  der  Verfasser  sem  Ergebnis  mit  verschiedenen  slavischen  Flur- 
namen stützen  können.  Vor  allem  fügt  sich  der  Flurname  Quofs  in 
der  Nordhälfte  des  Dorfes  trefflich  zu  Moeschlers  Ansichten.  Er  geht 
jedenfalls  auf  altslavisch  husa  „Rotte",  neuslavisch  chasa  „Gefolge, 
Gesinde"  zurück,  charakterisiert  sich  also  schon  durch  seinen  Namen 
(chasov  ^  Gesindehof)  als  Zubehör  des  Herrschaftsgutes,  mit  dem  er 
jedenfalls  seit  ältester  Zeit  verbunden  war.  Dafs  er  von  einem  Be- 
sitzer namens  Quofs  herrühren  soll  (S.  12),  halte  ich  für  ausgeschlossen. 
Man  vergleiche  Quoos  bei  Bautzen,  1245  Kasowe,  wendisch  Khasow; 
Quoosdorf  bei  Kamenz,  ebenfalls  wendisch  Khasow  u.  a.  m.  Die  von 
Moeschier  beobachteten  Unterschiede  in  der  Lage  des  sogenannten 
Rittergutes,  das  im  ursprünglich  slavischen  Dorfe  in  der  Mitte  der 
Dorfflur  auf  einer  Seite  des  Dorf  baches  liegt,  während  die  deutschen 
Neusiedelungen  einen  oder  mehrere  solcher  Herrensitze  an  ver- 
schiedenen Stellen  des  Ortes  besitzen,  sind  gewils  sehr  beachtens- 
wert. Ich  möchte  nur  raten,  solche  Ergebnisse  nicht  (wie  das  S.  65  ge- 
schieht) zu  verallgemeinern,  bevor  nicht  durch  eine  grofse  Zahl 
Paralleluntersuchungen  zu  Moeschlers  darin  vorbildlicher  Arbeit, 
diese  Verhältnisse  wirklich  als  Regel  erwiesen  sind.  Neu,  aber  wohl- 
begründet ist  auch  das  Resultat,  dafs  das  Schulzengut  eines  der 
kleineren  Bauerngüter  war.  Die  Gründung  von  Berthelsdorf  (S.  61) 
auf  einen  Meifsner  Bischof  Berthold  (um  1219)  zurückzuführen,  halte 
ich  für  falsch.  Zwar  ist  der  ganze  Pliefsnitzgau  einst  bischöfUches 
Eigen  gewesen,  wie  im  Herbstheft  des  N.  Laus.  Mag.  1908  von  mir 
nachgewiesen  wird,  wobei  gerade  für  die  Gegend  um  Berthelsdorf 
Moeschlers  tüchtige  Arbeit  wertvolle  Dienste  getan  hat,  allein  der 
wendische  Name  des  Dorfes  Bartromecy  weist  auf  einen  Lokator 
namens  Bertram,  und  aufserdem  kennt  die  Geschichte  m.  W.  gar 
keinen  Bischof  Berthold  von  Meifsen. 

Dresden.  A.  Meiche 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     X.XIX.    ;   4.  24 


362 


Literatur. 


1.  Bildnisse  hervorragender  Dresdner  aus  fünf  Jahrhunderten.  Mit 
kurzen  Lebensbeschreibungen  von  Dr.  Georg  Beutel,  i.  Reihe. 
Veröl^'enthchung  des  Vereins  für  Geschichte  Dresdens.  Dresden, 
Lichtdruclv  von  Römmler  &  Jonas.  Buchdruck  von  C.  Heinrich. 
1908.    4". 

2.  Dresden.  Von  Cornelius  Gurlitt.  Mit  29  Vollbildern  in  Tonätzung. 
Berlin,  Marquardt  &  Co.     1907.     115  S»S.     8". 

3.  Alfred  Barth,  Zur  Baugeschichte  der  Dresdner  Kreuzkirche.  Studien 
über  den  protestantischen  Kirchenbau  und  Dresdens  Kunst- 
bestrebungen im  18.  Jahrhundert.  Mit  120  Abbildungen.  Dresden, 
C.  C.  Meinhold  &  Söhne.     1907.     148  SS.    8". 

4.  Richard  Wagner  in  den  Jahren  1842-1849  und  1873-^1875. 
Erinnennigen  von  Gustav  Adolph  Kietz,  aufgezeichnet  von  Marie 
Kietz.   2.  Ausgabe.  Dresden,  Carl  Reifsner.  1907.  3  Bll.,  225  SS.  8". 

5.  Neujahrsblätter  der  Bibliothek  und  des  Archivs  der  Stadt  Leipzig, 
in.  IV.  1907.  1908.  Leipzig,  C.L. Hirschfeld.  1907.  112  undi34SS.  8". 

6.  Zweihundertundfiinfzig  Jahre  einer  Leipziger  Buchdruckerei  und 
Buchhandlung.  Die  Geschichte  der  Dürrschen  Buchhandlung  in 
Leipzig  von  der  Begründung  ihres  Stammhauses  im  Jahre  1656 
bis  auf  die  Gegenwart  und  die  Geschichte  der  Familie  Dürr. 
Als  Handschrift  für  Freunde  herausgegeben  von  Johannes  Fried- 
rich Dürr,  bearbeitet  von  Ernst  Kroker.  Mit  einem  Bildnis  in 
Lichtdruck,  97  in  den  Text  gedruckten  Abbilduno;en  und  vier 
Beilagen.    Leipzig,  Dürrsche  Buchhandlung.   1906.    X,  251  SS.    4". 

7.  Die  St.  Annenkirche  zu  Annaberg.  Ein  Führer  durch  ihre  Ge- 
schichte und  ihre  Kunstdenkmäler.  Im  Auftrage  des  Kirchen- 
vorstandes verfafst  von  Dr.  Ernst  Oswald  Schmidt,  Kirchenrat, 
Oberpfarrer  und  Superintendent  zu  Annaberg.  Mit  24  Licht- 
drucktafeln und  43  Textabbildungen.  Leipzig,  B.  G.  Teubner. 
1908.     XIL  200  SS.     4^. 

8.  Führer  durch  die  Stadt  Annaberg  i.  Erzgeb.  und  ihre  Umgebung. 
Einheimischen    und  Fremden    gewidmet    vom  Erzgebirgszweig- 

■  vereine    Annaberg.     Annaberg,    Grasers  Verlag   (Rieh.  Liesche). 
1908.     IV,  157  u.'67  SS.     8".  ' 

9.  Chemnitz  und  Umgebung.  Geschichtliche  Bilder  aus  alter  und 
neuer  Zeit.  Von  E.  Weinhold.  Herausgegeben  vom  Verein  für 
Chemnitzer  Geschichte.  Chemnitz,  O.  Mays  Buchhandlung 
(Komm.).     (1907.)     VI,  170  SS.     8". 

10.  Geschichte  der  Heimat.  Für  Schule  und  Haus  in  Löbau  und 
Umgebung.  Im  Auftrage  des  Pädagogischen  Vereins  zu  Löbau 
herausgegeben  von  E.  A.  Seeliger,  Seminaroberlehrer.  Löbau, 
J.  G.  Walde  (Woldemar  Marx).     1908.     100  SS.     8". 

11.  Die  kirchlichen  Verhältnisse  zu  Dohna  bis  zur  Einführung  der 
Reformation.  Von  Dr.  Schlauch.  Lockwitz,  Paul  Welzel.  1906. 
62  SS.     8". 

12.  Die  Anfänge  der  Kunstblumenindustrie  in  Dresden,  Leipzig,  Berlin 
und  Sebnitz.  Von  Dr.  phil.  Alfred  iVleiche.  Dresden,  C.  C.  Mein- 
hold &  Söhne  (Komm.).     1908.     41  SS.     8". 

13.  Chronik  der  Gemeinde  Thalhelm  i.  Erzgeb.  Von  Pfarrer  M.  Schluttlg. 

Ihalheim,  Gustav  Hofmann.     (1906.)     58  SS.     8". 


Literatur.  563 

14.  Geschichte  der  Stadt  Sangerhausen.  Im  Auftrage  des  Magistrats 
bearbeitet  von  Friedrich  Schmidt.  In  zwei  Teilen.  Sangerhausen, 
Selbstverlag  des  Magistrats.  1906.  VII,  916  SS.,  5  Taff.;  613  SS.  8". 

15.  Beiträge  zur  Häuser- Chronik  der  Stadt  Langensalza.  Bearbeitet 
von  Hermann  Gutbier,  Arcliivar.  Heft  i.  Langensalza,  Hennann 
Schütz.    (1907.)    115  SS.    8". 

16.  Die  Zerbster  Ratschronik.   Neu  herausgegeben  von  Dr.  H.  Wäschke, 

herzogl.  Archivrat.     Dessau,    C.  Dünnhaupt.     1907.     121  SS.    8". 

Die    Zerbster   Ratschronik   übersetzt  von    H.  Wäschke.     Dessau, 

C.  Dünnhaupt.    1907.    96  SS.    8". 

Wieder  hat  uns  der  vniermüdliche  Verein  für  Geschichte 
Dresdens  mit  einem  vorzüglich  ausgeführten  Bilderwerke  be- 
schenkt (i).  Von  vornherein  hatte  sich  das  Stadtmuseum  eine  Samm- 
lung von  Porträts  bedeutender  Dresdner  zur  Aufgabe  gemacht; 
das  vorliegende  Werk,  dessen  Inhalt  mit  feinem  Spürsinn  aus  den 
mannigfachsten  Quellen  geschöpft  ist,  stellt  eine  namhafte  Vervoll- 
ständigung dieser  Sammlung  dar.  Es  enthält  40  Bildnisse  her\-or- 
ragender  Dresdner  aus  fünf  Jahrhunderten;  denn  das  älteste  der 
dargestellten  Porträts,  der  charaktervolle  Kopf  des  Dresdner  Bürgers 
Lorenz  Busmann,  ist  nach  einer  ehemals  in  der  Sophienkirche  be- 
■findlichen  Sandsteinbüste  aus  dem  Ende  des  14.  oder  dem  Anfang 
des  15.  Jahrhunderts  wiedergegeben,  und  das  jüngste  stellt  den  im 
vorigen  Jahre  verstorbenen  Professor  Adolf  Stern  nach  einer  meister- 
haften Kreidezeichnung  von  Leon  Pohle  dar.  In  bunter  Reihe 
ziehen  Staatsmänner  und  Verwaltungsbeamte,  Dichter,  Künstler  und 
Gelehrte  an  uns  vorüber;  sie  aufzuzählen,  würde  den  Ravim  zu  sehr 
in  Anspn.ich  nehmen.  Jedem  der  Dargestellten  hat  Georg  Beutel 
einen  bei  aller  Knappheit  doch  mit  peinlicher  Sorgfalt  bearbeiteten 
Lebensabrifs  gewidmet  und  durch  reichhaltige  Hinweise  auf  die 
Literatur  dem  Leser  ermöglicht,  sich  näher  über  den  Lebensgang 
der  einzelnen  Persönlichkeiten  zu  unterrichten.  Selbstverständlich 
sind,  wenn  auch  auf  den  Kunstwert  der  wiedergegebenen  Bildnisse 
Gewicht  gelegt  wird,  doch  in  erster  Linie  diejenigen  Vorlagen  ge- 
wählt worden,  die,  soweit  sich  dies  beurteilen  liels,  als  die  authen- 
tischsten anzusehen  sind,  mögen  die  Originale  nun  in  Kupferstich 
oder  Holzschnitt,  in  Öl  oder  Pastell,  als  Miniaturen  oder  plastisch  aus- 
geführt sein.  Die  bedeutendsten  Bildnismaler  namentlich  des  18. 
und  19.  Jahrhunderts,  Silvestre,  Raph.  Mengs,  Graff,  Vogel  von  Vogel- 
stein, Jul.  Hübner,  Leon  Pohle,  Bantzer  sind  in  mehr  oder  weniger 
Werken  vertreten.  So  hat  die  Sammlung,  zumal  bei  jedem  Darge- 
stellten auch  die  übrigen  von  ihm  vorhandenen  Bildnisse,  soweit  dies 
ohne  allzu  grofsen  Zeitaufwand  möglich  war,  angegeben  werden, 
neben  dem  biographischen  Interesse  auch  eine  hohe  Bedeutung  als 
Quellenwerk  zur  Geschichte  der  Porträtkunst  in  Sachsen  und  bildet 
eine  wertvolle  Ergänzung  zu  Sponsels  Fürstenbildnissen  aus  dem 
Hause  Wettin.  Aufser  der  vorliegenden  .>-ollen  noch  zwei  Reihen 
von  Bildnissen  erscheinen,  die  sich  ebenfalls  über  den  ganzen  Zeit- 
raum erstrecken  werden;  ein  Gesamtregister,  dem  hoffentlich  auch 
ein  Register  der  darstellenden  Künstler  beigefügt  sein  wird,  wird 
es  dem  Benutzer  möglich  machen,  die  ganze  Sammlung  zeitlich  zu 
ordnen. 

Das  elegant  ausgestattete  Büchlein  von  C.Gurlitt  überDresden 
<2),  ein  Teil  der  von  ihm  unter  dem  Titel  .,Die  Kultur"  herausgegebenen 


3^4 


Literatur. 


Sammlung,  bietet  zwar  dem,  der  die  Arbeiten  O.  Richters  über 
Dresdens  Geschichte  und  GurHtts  Werk  über  Dresdens  Bau-  und 
Kunstdenkmäler  kennt,  kaum  etwas  sachUch  Neues;  das  lag  auch 
nicht  in  der  Absicht  des  \'erfassers.  Was  er  geben  will,  ist  viel- 
mehr eine  Charakteristik  der  wirtschaftlichen,  gesellschaftlichen, 
geistigen  und  künstlerischen  Entwicklung  der  Stadt,  und  diese 
ist  ihm  gut  gelungen.  Auf  wenigen  Seiten  wird  7.un;ichst  in 
treffender  Weise  die  Entstehung  der  Stadt  und  ihre  wenig  Eigen- 
tümliches bietende  ältere  Geschichte  behandelt.  Vom  i6.  Jahr- 
hundert an  ist  die  Geschichte  der  Stadt  aufs  engste  mit  der  des 
Herrscherhauses  verbunden,  und  dies  gibt  den  Anlafs  zu  einer  Reihe 
anziehender  Fürstenbilder,  die  besonders  wegen  des  wohltuenden 
Bestrebens,  die  Persönlichkeiten  aus  ihrer  Zeit  heraus  zu  verstehen, 
Beachtung  verdienen;  so  möchten  wir  namentlich  auf  die  gerechte 
und  wohlwollende  Beurteilung  Augusts  des  Starken  hinweisen.  Wie 
hier,  so  tritt  ganz  besonders  m  dem,  was  über  die  Strömungen  des 
letzten  Jahrhunderts  gesagt  wird,  eine  sichere,  hier  und  da  etwas 
subjektiv  gefärbte  Selbständigkeit  des  Urteils  hervor,  die  auch  da, 
wo  gelegentlich  der  Ton  ein  kritischer  wird,  nichts  Verletzendes 
hat,  weil  der  Verfasser  seine  Aufgabe  mit  sichtlicher  Wärme  erfafst. 
Dafs  das  Büchlein  den  Leser  von  Anfang  bis  zu  Ende  zu  fesseln 
weifs,  versteht  sich  bei  der  bekannten  Plauderkunst  des  geistreichen 
Verfassers  von  selbst;  über  kleine  Irrtümer,  wie  den,  dafs  Luther 
für  seine  Bibelübersetzung  den  meifsnischen  Dialekt  gewählt  hat  — 
die  meifsnische  Kanzleisprache  ist  bekanntlich  etwas  anderes  — , 
sieht  man  dabei  gern  hinweg.  Vorzüglich  ausgeführt  sind  auch  die 
'Abbildungen,  die  eine  sorglich  ausgewählte  Reihe  von  Dresdner 
Bauten  und  Kunstwerken  wiedergeben. 

Das  i8.  Jahrhundert  ist  einer  der  glänzendsten  Zeitabschnitte 
in  der  Kunst-  und  Baugeschichte  Dresdens.  Von  den  drei  grofsen 
Kirchenbauten,  die  damals  entstanden,  hat  bis  jetzt  nur  die  Frauen- 
kirche durch  Sponsel  eine  erschöpfende  Darstellung  erfahren,  die 
namentlich  der  Bedeutung  gerecht  wird,  die  das  Meisterwerk  des 
genialen  Bahr  für  die  Geschichte  des  protestantischen  Kirchen- 
baues hat.  Dieser  Arbeit  schliefst  sich  die  uns  vorliegende  Schrift 
Alfred  Barths  über  den  Neubau  der  Kreuzkirche  nach  ihrer 
Zerstörung  im  Jahre  1760  (3)  würdig  an;  wir  können  ihrer  freilich 
hier  nur  in  Kürze  gedenken  und  müssen  ihre  volle  Würdigung  den 
Architekten  und  ihren  Fachzeitschriften  überlassen.  Wie  die  Ge- 
schichte des  Frauenkirchenbaues,  so  ist  auch  die  Baugeschichte  der 
Kreuzkirche  eine  Geschichte  erbitterten  Kampfes  zwischen  sich 
schroff  gegenüberstehenden  Richtungen;  nur  nahm  dieser  Kampf 
einen  weniger  befriedigenden  Ausgang.  Mit  der  Ausführung  des 
grofsen  Werkes  war  zunächst  vom  Rate  der  Ratsbaumeister  Johann 
Georg  Schmidt  beauftragt  worden,  ein  hochbegabter  und  selbständiger 
Schüler  Bährs,  in  dessen  Sinne  er  im  wesenthchen  die  Aufgabe  zu 
lösen  gedachte,  obgleich  er,  ausgehend  vom  Barock,  dem  herrschenden 
Klassizismus  manches  Zugeständnis  machte.  Der  Verfasser  gibt  uns, 
soweit  es  das  nicht  eben  reichhaltige  Material  gestattet,  ein  Lebens- 
bild Schmidts  und  eine  erschöpfende  Übersicht  über  seine  künst- 
lerische Tätigkeit;  er  geht  dann  näher  auf  die  Pläne  zum  Kreuz- 
kirchenbau ein  und  würdigt  seines  Lehrers  und  seine  Bedeutung 
für  die  bauliche  Ausgestaltung  der  protestantischen  Kirche  und  den 
Einflufs,  den  Bährs  Schule  in  Sachsen  und  (durch  Joh.  Leonhard 
Previ  in  Hamburg  ausgeübt  hat.    Den  Hauptinhalt  der  Schrift  bildet 


Literatur.  365 

eine  auf  Grund  des  überaus  reichen  Aktenmaterials  gef>;ebene  Dar- 
stellung des  Widerstandes,  der  sich,  hauptsächlich  aus  stilistischen 
Gründen,  den  Planungen  Schmidts  bei  den  staatlichen  Baubehörden 
entgegenstellte.  Es  traten  ihm  dabei  in  erster  Linie  der  Oberland- 
baumeister Chr.  Friedr.  Exner  und  der  Hofbaumeistcr  Friedr.  Aug. 
Kn.ibsacius  entgegen,  deren  Stellung  in  der  sächsischen  Kunst- 
geschichte der  Verfasser  treffend  charakterisiert;  der  Klassizismus, 
den  besonders  die  1763  begründete  Akademie  vertrat,  blieb  siegreich, 
im  Jahre  1769  wurde  Schmidt  die  Leitung  des  1764  begonnenen 
Baues  entzogen,  und  nur  wenige  Jahre  überlebte  er  diese  Nieder- 
lage. Die  Fortsetzung  des  Baues  wurde  dem  unbedeutenden  Rats- 
baumeister Chr.  Heinr.  Eigenwillig  und  dem  ungleich  fähigeren  und 
selbständigeren  Chr.  Aug.  Hölzer  übertragen;  des  letzteren  Verdienst 
war  es,  wenn  die  endgültige  Plangestalt vmg  nicht  völlig  verfehlt 
ausfiel.  Eingehend  behandelt  der  Verfasser  unter  Beifügung  zahl- 
reicher Abbildungen  die  Umgestaltung,  welche  die  Schmidtschen 
Pläne  im  Laufe  der  Zeit  erfuhren;  dabei  wird  auch  des  Einflusses 
gedacht,  den  Chiaveris  katholiche  Hofkirche  und  die  1762  von 
Samuel  Locke  eingereichten  Pläne  ausgeübt  haben.  1792  war  die 
Kirche  vollendet.  Bekanntlich  wurde,  wenige  Jahre  nach  einer  um- 
fassenden Renovation,  ihr  Inneres  1897  vollständig  durch  Brand  zer- 
stört; mit  einigen  Bemerkungen  über  die  Gutachten  von  Lipsius  und 
Wallot,  die  der  Renovierung  vorhergingen,  und  über  den  wohl- 
gelungenen Ausbau  durch  Schilling  und  Gräbner  schliefst  die  ver- 
dienstliche, wenn  auch  vielleicht,  wie  es  so  oft  bei  Erstlingsarbeiten 
der  Fall  ist,  etwas  breite  Arbeit. 

Ebenfalls  lediglich  als  einen  höchst  ansprechenden  Beitrag  zur 
Dresdner  Ortsgeschich4e  erwähne  ich  ein  Büchlein,  dessen  Bedeutung 
freilich  weit  über  sein  lokales  Interesse  hinausgeht:  die  Erinnerungen 
des  Bildhauers  Dr.  G.A.Kietz  an  Richard  Wagner  (4),  die  von  seiner 
Frau  zuerst  1905  und  dann  nicht  lange  vor  dem  Tode  ihres  hochbetagten 
Gemahls  in  2.  Ausgabe  veröffentlicht  worden  sind.  Als  jvigendlicher 
Schüler  Rietschels  war  Kietz  durch  eine  Empfehlung  seines  ältestenBru- 
ders  Ernst  Benedikt  Kietz,  eines  der  nächsten  FreundeWagners  während 
seiner  trüben  Pariser  Zeit,  im  Jahre  1842  in  Wagners  Haus  gekommen; 
musikalisch  hochbegabt,  war  er  einer  der  frühesten  und  iDegeistertsten 
Verehrer  von  Wagners  Genie,  trat  ihm  persönlich  sehr  nahe  und 
blieb  bis  an  sein  Ende  mit  ihm  in  treuer  Freundschaft  verbunden. 
Besonders  lebhaft  war  ihr  Verkehr  in  den  Jahren  1842 — 1849,  die 
Wagner  bekanntlich  in  Dresden  zubrachte.  Was  Kietz  über  die 
musikalischen  Zustände  in  Dresden  und  über  Wagners  tiefgehende 
Reformbestrebungen  und  die  Kämpfe,  die  er  deswegen  zu  bestehen 
hatte,  über  seine  politische  Stellungnahme,  die  unlöslich  mit  jenen 
musikalischen  Bestrebungen  zusammenhing,  über  seine  vielbe- 
sprochene Anteilnahme  an  den  Bewegungen  der  Jahre  1848  und 
1849  erzählt,  ist*  zwar  zum  grolsen  Teil  sachlich  nicht  neu,  fesselt 
aber  durch  die  liebenswürdige  Unmittelbarkeit  der  schlichten 
Dar.stellung,  wenn  auch  sichtlich  überall  die  persönliche  Verehrung 
für  den  seltenen  Mann,  der  uns  hier  mehr  als  Mensch  wie  als 
Künstler  näher  tritt,  die  Feder  geführt  hat.  Nach  Wagners  jähem 
Abschied  aus  Dresden  vergingen  Jahrzehnte,  bevor  Kietz  ihn 
wiedersah;  seiner  Frau  Minna,  die  ihre  letzten  Jahre  in  Dresden 
verlebte,  war  er  ein  treuer  Freund,  und  was  er  über  ihr  Verhältnis 
zu  Wagner  erzählt,  berichtigt  manche  falsche  Auffassung.  Auch 
aus  den  Jahren   1873  — 1876,    während    welcher  Kietz   wiederholt    in 


5  66  Literatur. 

Bayreuth  mit  Wagner  zusammen  war,  erfahren  wir  viel  Interessantes; 
damals  modellierte  er  die  trefflichen  Büsten  Wagners  und  seiner 
Frau  Cosima. 

G.  Wustmann,  dem  Leipzigs  Kunstgeschichte  schon  manchen 
hübschen  Beitrag  verdankt,  handelt  im  3.  Neujahrsblatt  der  Bibliothek 
und  des  Archivs  der  Stadt  Leipzig  vom  Leipziger  Kupferstich  im 
16.,  17.  und  18.  Jahrhundert  (5).  Die  Bedeutung  des  Leipziger  Buch- 
handels brachte  es  mit  sich,  dafs  auch  Kupferstecher  und  Radierer, 
seitdem  ihre  Kunst  den  alten  Holzschnitt  zu  verdrängen  begonnen, 
sich  in  grofser  Zahl  in  Leipzig  niederliefsen  und  vielfach  lohnende 
Beschäftigung  fanden.  Eine  erschöpfende  Übersicht  über  ihre 
Leistungen  zu  geben,  ist  freilich  kaum  möglich;  sie  würde  nicht 
blofs  eine  Durchsicht  des  gesamten  Leipziger  Verlages  voraussetzen, 
sondern  auch  die  Werke  aufsersächsischer  Verleger  berücksichtigen 
müssen,  da  sich  auch  in  diesen  viele  Stiche  von  Leipziger  Künstlern 
finden.  Wustmann  hat  sich  daher  Beschränkungen  auferlegen 
müssen;  auf  die  Durchsicht  auswärtiger  Bibliotheken  und  Samm- 
lungen hat  er  ganz  verzichtet.  Das  ihm  zur  Verfügung  stehende 
gedruckte  und  handschriftliche  Material  hat  er  mit  dem  gewohnten 
Fleifse  und  Sammelgeschick  benutzt.  Wenn  er  die  lediglich  orts- 
geschichtliche Bedeutung  seiner  Arbeit  betont  und  davor  warnt, 
einen  wichtigen  Beitrag  zur  Kunstgeschichte  von  ihm  zu  erwarten, 
so  ist  das  doch  wohl  zu  bescheiden:  eine  gewaltige  Fülle  von  bisher 
unbekannten  Einzelheiten  biographischer  Art  hat  er  zusammenge- 
bracht, und  die  Bearbeiter  des  neuen  Künstlerlexikons  werden  vielfach 
Anlafs  haben,  die  Angaben  ihrer  Vorgänger  danach  zu  berichtigen 
und  zu  ergänzen.  Zwei  unvollendete  Kupferplatten  mit  den  Jahres- 
zahlen 1575  und  1580  sind  die  frühesten  Proben  der  neuen  Kunst, 
die  uns  aus  Leipzig  vorliegen;  die  erste  rührt  wahrscheinlich  von 
dem  Dresdner  Maler  Andreas  Bretschneider  her,  die  letztere  ist  be- 
zeichnet als  ein  Werk  des  Goldschmieds  Manasse  Steinber.  Bret- 
schneiders  gleichnamiger  Enkel  ist  dann  der  erste  Leipziger  Meister 
des  Grabstichels,  über  den  näheres  zu  ermitteln  war.  Ihm  folgt 
eine  lange  Reihe  anderer,  deren  Namen  aufzuzählen  hier  sicher  nicht 
am  Platze  wäre;  sie  sind  alphabetisch  auf  der  ersten  Seite  zusammen- 
gestellt. Viele  von  ihnen  sind  mehr  Handwerker  als  Künstler;  doch 
finden  sich  namentlich  unter  den  Porträtstechern  auch  Männer, 
denen  in  der  Kunstgeschichte  ein  Platz  gebührt,  wie  Martin 
Bernigeroth  und  seine  Söhne,  die  hier  zum  ersten  Male  eingehender 
behandelt  werden,  der  talentvolle  Christian  Heckel,  Joh.  Chri-stoph 
Sysang  und  seineTochter  Johanna  Dorothee,  der  originelle  Rosbach,  der 
Landkartenstecher  Joh.  Georg  Schreiber,  Paul  Christian  Zink,  der  sich 
namentlich  als  Zeichenlehrer  einen  Namen  machte,  der  wackere  Christian 
Friedrich  Boetius,  dessen  Aufzeichnungen  eine  ergiebige  Quelle  für 
Wustmann  bilden.  Die  Gründung  der  Leipziger  Kunstakademie  1764 
führte  zu  einer  neuen,  wenn  auch  nur  kurzen  Blüte  des  Kupferstichs; 
ihr  Leiter  Oeser  hat  selbst  gelegentlich  radiert,  neben  ihm  wirkten- 
Joh.  Mich.  Stock,  Bause,  Karl  Lebrecht  Crusius  und  seine  Brüder, 
Geyser  und  ihre  Schüler  Mechau,  Capieux,  Rosmäsler,  Karl 
Benjamin  Schwarz,  dem  wir  namentlich  die  hübschen  Ansichten  der 
Stadt  Leipzig  verdanken,  die  Wustmann  in  seinem  Atlas  „Leipzig 
durch  drei  Jahrhunderte"  wiedergegeben  hat.  Diesen  Atlas  wie 
Wustmanns  Bilderbuch  aus  der  Geschichte  Leipzigs  sollte  der  Leser 
der  Arbeit  überhaupt  stets  zur  Hand  haben;  er  ersetzt  teilweise  die 
leider  fehlenden  Illustrationen.  Von  den  Genannten  und  vielen  andern 


Literatur.  267 

weist  der  Verfasser  zahlreiche  Werke  nach  und  gibt  eine  Fülle  von 
biographischen  Nachrichten.  In  einem  Anhang  hnden  wir  einige 
Notizen  zur  Lebensgeschichte  des  Leipziger  Porträtmalers  Elias 
Gottlob  Hausmann. 

Im  4.  Neujahrsblatte  veröffentlicht  Ernst  Kroker  ., Beiträge 
zur  Geschichte  der  Stadt  Leipzig  im  Keformationszeitalter".  So 
viel  auch  bereits  an  Einzelarbeit  zur  Reformationsgeschichte 
geleistet  worden  ist  und  noch  fortwährend  geleistet  wird,  so  lehrt 
doch  jeder  Blick  in  den  gewaltigen  Briefwechsel  jener  Zeit  und  in 
Luthers  Tischreden,  dals  der  Spezialforschung  noch  zahlreiche 
Aufgaben  vorbehalten  sind.  Kroker  hat  sich  schon  in  seiner 
trefflichen  Ausgabe  der  Mathesischen  Sammlung  von  Luthers  Tisch- 
reden als  gründlicher  Kenner  insbesondere  der  Leipziger  Quellen 
jener  Zeit  bewiesen.  Hier  bietet  er  in  sieben  Aufsätzen,  die  nur 
„durch  das  gemeinsame  Band  zusammengehalten  werden,  das  sie 
mit  Luther  verknüpft",  eine  Fülle  von  urkundlich  beglaubigten 
oder  auf  geschickter  Kombination  Ijeruhenden  Lebensnachrichten 
über  Persönlichkeiten,  die  dauernd  oder  zeitweise  in  Leipzig  gelebt 
haben  und  mehr  oder  weniger  in  den  Kämpfen  um  die  neue  Lehre 
hervorgetreten  sind.  Der  erste  Aufsatz  gibt  eine  Übersicht  über  die  von 
1502  bis  1546  auf  der  Universität  Wittenberg  inskribierten  Leipziger 
und  verbindet  damit  Nachrichten  über  zahlreiche  andere  Einwohner 
der  Stadt,  die  der  neuen  Lehre  geneigt  waren.  Wir  sehen,  dafs  die 
meisten  von  ihnen  den  angesehensten  Bürgerfamilien  angehörten, 
dafs  also  die  vielverbreitete  Annahme,  die  Reformation  habe 
vorzugsweise  in  den  niederen  Kreisen  ihre  ersten  Anhänger  gefunden, 
unbegründet  ist.  Weitere  Arbeiten  betreffen  Dr.  Georg  Curio,  der 
lange  Luthers  Leibarzt  gewesen,  einen  jener  unstäten  Renaissance- 
menschen, deren  grofse  Begabung  und  innere  Haltlosigkeit  in  so 
merkwürdigem  Gegensatze  stehen,  den  wegen  seiner  vielen  Stiftungen 
um  die  Stadt  hochverdienten  Heinz  Probst,  den  Luther  trotz  seiner 
evangelischen  Gesinnung  als  argen  Wucherer  gebrandmarkt  hat, 
während  Kroker  milder  ülDer  ihn  virteilt,  den  unwissenden  Theologen 
Dr.  Kaspar  Deichsel.  Von  grofsem  Interesse  für  die  Geschichte  des 
Leipziger  Groishandels  ist  der  Aufsatz  über  die  sächsischen 
Bergwerke  und  Leipzig,  da  die  Beteiligung  der  Leipziger  Ka- 
pitalisten an  dem  auf  der  Grenzscheide  des  15.  und  16.  Jahr- 
hunderts so  gewaltig  aufblühenden  erzgebirgischen  Bergbau  bisher 
ziemlich  unbeachtet  geblieben  ist:  unter  den  Handelsherren,  die 
hier  zu  nennen  sind,  haben  namentlich  Martin  Leubel  und  Heinrich 
Scherl  auch  in  der  Reformationsgeschichte  eine  Rolle  gespielt.  Zu 
denen,  die  im  Jahre  1533  wegen  protestantischer  Gesinnung  Leipzig 
verlassen  mufsten,  gehörten  auch  die  Handelsherren  Georg  von  Weiler 
und  Hans  Breu,  über  die  der  Verfasser  ebenfalls  eine  Anzahl 
biographischer  Nachrichten  gesammelt  hat.  Den  Beschlufs  liildet 
ein  gründlicher  Aufsatz  über  einen  der  entschiedensten  und  über- 
zeugungstreuesten  Anhänger  der  alten  Lehre  in  Leipzig,  den  an- 
gesehenen Grofskaufmann  und  Ratsherrn  Hieronymus  W^alther, 
über  den  bisher  nur  wenig  bekannt  war;  auch  dieser  Aufsatz  ist 
nicht  blofs  für  die  Refurmationsgeschichte,  sondern  auch  für  die 
Handelsgeschichte  Leipzigs  ein  wichtiger  Beitrag.  So  ist  die  Schrift 
eine  wahre  Fundgrube  für  Leipzigs  Geschichte  im  16.  Jahrhundert, 
und  das  würde  noch  mehr  hervortreten,  wenn  ihr  ein  Namenregister 
beigefügt  wäre;  denn  mit  emsigem  Fieifse  und  erstaunlicher 
Belesenheit  verfolgt  der  Verfasser  äie  Geschicke  nicht  blofs  der  ge- 


368 


Literatur. 


nannten  Personen,  sondern  auch  ihrer  Angehörigen  und  so  manches 
Mannes,  der  mit  ihnen  in  näherer  oder  jfernerer  Beziehung  stand. 
Die  Stadtgeschichte  würde  dem  Herausgeber  der  Neujahrsblätter 
sehr  dankbar  sein,  -wenn  er  veranlafste,  dafs  ab  und  zu,  etwa 
zunächst  im  5.  Hefte,  chirch  Register  die  Fülle  von  Stoff,  die  hier 
aufgespeichert  hegt,  dem  Forscher  noch  bequemer  zugänglich 
gemacht  würde,  als  dies  bisher  der  Fall  ist. 

Etwas  verspätet  gedenken  wir  noch  eines  andern  Werkes  von 
Ernst  Kroker,  das  zwar  als  Handschrift  für  Freunde  gedruckt  ist, 
aber  weit  über  diesen  engen  Kreis  hinaus  Beachtung  verdient  (6). 
Die  anläfslich  des  250jährigen  Jubiläums  der  Dürrschen  Buchhandlung 
veröffentlichte  stattliche  Festschrift  darf  als  ein  sehr  bedeutsamer 
Beitrag  zur  Geschichte  des  Leipziger  Buchhandels  bezeichnet  werden. 
Den  kritischen  Bemühungen  des  Verfassers,  der  dabei  von  dem 
jetzigen  Inhaber  der  Finna  und  dessen  Vetter  Dr.  Alphons  Dürr 
wesentlich  unterstützt  wurde,  ist  es  gelungen,  die  Geschichte  der 
Buchhandlung  bis  zum  Jahre  1656  zurück  zu  verfolgen;  in  diesem 
Jahre  wurde  das  Stammhaus  durch  Abzweigung  aus  Lanckischs 
'Druckerei  von  Christoph  Cellarius  begründet.  Rasch  wechselten 
dann  seine  Besitzer;  lange  Zeit  ist  vergangen,  bevor  es  aus  sehr 
unscheinbaren  Anfängen  heraus  die  jetzige  Bedeutung  erlangt  hat, 
aber  gerade  das,  was  wir  liier  über  die  Verhältnisse  kleiner 
Dioickereien  und  Verlagsgeschäfte  älterer  Zeit  erfahren,  ergänzt  in 
willkommenster  Weise  das  Bild,  das  bisher  die  so  lieifsig  bearbeitete 
Geschichte  des  Leipziger  Buchhandels  bietet.  Seit  1771  ist  der 
Name  Dürr  mit  der  Buchdruckerei  und  Buchhandlung  verbunden; 
merkwürdiger  Weise  scheinen  aber  die  Dürrs,  die  das  Geschäft  bis 
1841  besafsen,  in  keinem  venvandtschaftlichen  Zusammenhange  mit 
den  jetzigen  Inhabern  zu  stehen.  Die  Familiengeschichte  dieser 
letzteren  "bildet  den  Inhalt  des  zweiten  Teils  unseres  Werkes;  die 
Familie  liefs  sich  bis  ins  17.  Jahrhundert  zurück  verfolgen,  stammt 
aus  dem.  Reufsischen  Vogtlande  und  hat  eine  Reihe  tüchtiger  Männer 
hervorgebracht,  von  deren  Schicksalen  wir  uns  gern  eingehend  be- 
richten lassen,  wenn  auch  ihre  Bedeutimg  nicht  über  emen  engen 
Kreis  hinausging.  Mit  Friedrich  Dürr  (1796 — 1875)  siedelte  die  Familie 
nach  Leipzig  über,  und  dessen  Sohn  Alphons  Dürr  war  der  erste 
Buchhändler,  der  ihr  angehörte.  Er  wurde  der  Begründer  der  nach 
ihm  genannten  Firma,  über  die  wir  bereits  eine  gute  Monographie 
besitzen,  während  sein  jüngerer  Bruder  Otto  Friedrich  Dürr  sich 
1858  mit  dem  Universitätsbuchdrucker  Alexander  Edelmann  verband 
und  seit  1878  selbständig  das  Geschäft  leitete,  dessen  Jubelfeier  den 
Anlals  zu  dem  vorliegenden  Werke  gab.  Die  ausgedehnte  Tätigkeit, 
durch  die  Otto  Friedrich  der  von  ihm  betriebenen  Buchdruckerei 
einen  Weltruf  verschaffte,  bis  er  sie  1895  verkaufte,  die  Wirksamkeit, 
die  sein  Sohn  Johann  Friedrich  auf  dem  Gebiete  des  pädagogischen, 
theologischen  und  philosophischen  Verlags  entwickelte,  die  den 
Gegen"stand  des  3.  Tt-ils  bilden,  können  wir  nicht  im  Einzelnen  ver- 
folgen. Ein  Blick  in  das  ausgezeichnete  Register  lehrt,  wie  Krokers 
Werk  nicht  allein  für  die  Geschichte  des  Buchhandels,  sondern  auch 
für  die  Gelehrtengeschichte  eine  Fülle  von  Material  enthält.  Dafs 
es  daneben  sich  durch  eine  glänzende  Ausstattung  auszeichnet, 
bedarf  kaum  der  Erwähnung. 

Ebenfalls  reich  und  geschmackvoll  ausgestattet  ist  das  statt- 
liche Werk  von  Oswald  Schmidt  über  die  St.  Annenkirche 
zu  Annaberg    (7).     Es  ist    auf  Veranlassung  und   auf  Kosten  des 


Literatur.  369 

Kirchen\(.ri>tandes  herausgegeben  worden  und  in  erster  Linie  für 
die  Kirchengemeinde  bestimmt,  nicht  für  den  Kunsthistoriker 
von  Fach,  wie  der  \'erfasser  ausdrückhch  hervorhebt.  Die  Kunst- 
gesclüchte  hat  sich  mit  dem  prächtigen  Werke  unserer  sächsischen 
Spätgotik  bekanntlich  in  den  letzten  Jahrzehnten  sehr  eingehend  be- 
schättigt;  nachdem  K.  Andreae  (1875J  darauf  aufmerksam  gemacht 
hatte,  war  R.  Steche  der  erste,  der  im  4.  Hefte  der  „Beschreibenden 
Darstellung  der  älteren  Bau-  und  Kunstdenkmäler  des  Kc'migreichs 
Sachsen"  eine  ausführliche  Beschreibung  der  Kirche  gab,  die  neben 
mancher  Flüchtigkeit  doch  ihre  unbestreiiDaren  Verdienste  hat.  Später 
haben  dann  Corn.  Gurlitt,  Erich  Haenel,  Flechsig  u.  a.  sich  mit  dem 
interessanten  Bauwerke  und  seinen  Kunstschätzen  beschäitigt.  Der 
Verfasser  hat  alle  diese  Vorarbeiten  fleifsig  und  nicht  kritiklos  benutzt; 
eigene  baugeschichtliche  Forschungen  lagen  ihm  ireilich  fern,  und  man 
wird  deshalb  in  dem  kurzen  Abrils  der  Baugeschichte  ebenso. wenig 
wie  in  dem  ihr  vorangehenden  Abschnitt  über  die  kirchlichen  Zu- 
stände am  Vorabende  der  Reformation,  insbesondere  die  Entstehung 
des  Annenkultes,  wesenthch  Neues  suchen  dürfen.  BekanntHch 
A\airde  das  Lmere  der  Kirche,  das  durch  frühere  Restaurierungen 
arg  entstellt  worden  war,  in  den  Jahren  1883  84  einer  umfassenden 
Erneuerung  unterworfen,  die,  obwohl  Autoritäten  wie  Essenwein 
und  Mothes  als  Berater  dabei  mitgewirkt  hatten,  doch  damals  viel 
Widerspnich  fand;  namentlich  urteilt  Steche  a.  a.  O.  sehr  scharf 
darüber  und  wirft  insbesondere  der  Farbengebung  grofse  Willkür- 
lichkeit vor.  Es  ist  sehr  begreiflich,  dal's  sich  der  Verfasser,  der  als 
der  geistige  Vater  der  Neugestaltung  seiner  Kirche  zu  gelten  hat, 
gegen  dieihm  gemachten  Vorwürfe  lebhaft  verteidigt,  indem  er  die 
Gesichtspunkte,  die  ihn  bei  der  Planung  leiteten,  entwickelt;  ob 
überall  mit  Glück,  das  zu  entscheiden  müssen  wir  Beruieneren  über- 
lassen. Den  Hauptinhalt  der  Schrift  bildet  eine  sehr  eingehende, 
durch  gute  Bilder  erläuterte  Beschreibung  der  Kirche,  ihres  Aufsern 
und  Innern,  ihres  reichen  plastischen  vmd  bildlichen  Schmuckes,  die 
besonders  deswegen  den  Gemeindemitgliedern  und  anderen  als  will- 
kommener Führer  gelten  wird,  weil  die  so  getreu  wie  möglich 
erhaltenen  Darstellungen  aus  der  biblischen  Geschichte  und  der 
Legende  eingehend  erklärt  werden. 

Die  zahlreichen  „Führer",  die  jahraus  jahrein  in  unserem  dem 
Wanderlustigen  so  viel  bietenden  Lande  erscheinen,  werden  in  der 
Regel  an  dieser  Stelle  nicht  berücksichtigt;  die  geschichtlichen  An- 
gaben, die  sie  ja  nebenher  auch  bieten,  sind  zumeist  so  oberflächlich, 
oft  auch  so  irreführend,  dafs  sie  der  geschichtlichen  Ortsliteratur 
nicht  beigezählt  werden  können.  Eine  rühmliche  Ausnahmestellung 
nimmt  der  uns  vorliegende  Führer  durch  Annaberg  (8)  ein,  in  der 
Hauptsache  ein  Werk  des  Bürgerschuldirektoss  Dr.  Max  Wünsch- 
mann, dessen  Namen  wir  auf  dem  Titelblatt  ungern  vermissen;  unter- 
stützt wurde  er  hauptsächlich  durch  Oberlehrer  Dr.  Birke.  Bekannt- 
lich besteht  in  Annaberg  seit  20  Jahren  ein  rühriger  ortsgescliicht- 
licher  Verein,  in  dessen 'Mitteilungen  die  ^^chätze  des  reichhaltigen 
und  lange  vollkommen  unbeachtet  gebliebenen  Ratsarchivs  der  Stadt 
Annaberg  verständnisvolle  Ver^vertung  gefunden  haben.  Die  hier 
veröffenttichten  Aufsätze  und  die  fleifsig''benutzte  sonstige  Literatur 
der  Stadtgeschichte,  über  die  in  der  Einleitung  ein  keineswegs  voll- 
ständiger Überblick  gegeben  wird,  haben  dem  Verfasser  die  Möglich- 
keit gewährt,  in  knappen  Umrissen  und  in  ansprechender  Darstellung 
eine  treftliche  Übersicht  über  die  Geschichte  der  Besiedelung   des 


•jyo  Literatur. 

Obererzgebirges,  die  Vergangenheit  der  Stadt,  die  Entwicklung 
ihres  kommunalen,  geistigen  und  wirtschaftlichen  Lebens  zu  geben, 
der,  obwohl  er  keine  selbständigen  Forschungen  enthält,  doch  auch 
dem  Historiker  einen  willkommenen  Ersatz  für  eine  noch  fehlende 
neuere  Bearbeitung  der  Stadtgeschichte  im  Zusammenhang  bietet. 
Auch  in  die  beschreibenden  Abschnitte  des  Buches  sind  manche 
geschichtlichen  Nachrichten  eingeflochten.  Ein  guter  Stadtplan  und 
zur  Erläuterung  des  zweiten  Teils,  der  Ausflüge  in  die  nähere  imd 
fernere  Umgebung  der  Stadt  enthält,  ein  Abdruck  von;Grasers  Spezial- 
karte  des  Erzgebirges  sind  dankenswerte  Beigaben. 

Auch  E.  Weinholds  Chemnitz  und  Umgebung  (q)  wendet 
sich  nicht  an  den  Fachmann,  sondern  an  ein  weiteres  Publikum;  der 
Verfasser  hat  sein  Büchlein  zunächst  zur  Verwendung  beim  Unterricht 
bestimmt,  hotft  aber,  dafs  es  auch  als  Familienlesebuch  sich  einführen 
wird.  Wir  würden  uns  freuen,  wenn  seine  Hoftnung  in  Erfüllung 
ginge.  Auch  Weinhold  konnte  zahlreiche  tüchtige  Arbeiten  zur  Stadt- 
Geschichte  benutzen,  die  zum  grofsen  Teil  im  Organ  des  rührigen 
Vereins  für  Chemnitzer  Geschichte,  des  Herausgebers  der  vorliegen- 
den Arbeit,  erschienen  sind;  wir  bedauern,  dafs  Raumrücksichten 
ihn  genötigt  haben,  von  Quellenangaben  oder  wenigstens  der  Beigabe 
einer  Übersicht  über  die  Literatur  abzusehen,  aber  wer  Weinholds 
eigenen  Anteil  an  der  heimatsgeschichtlichen  Forschung  kennt,  wird 
annehmen,  dafs  er  nichts  Wesentliches  übersehen  hat  und  in  der 
Auswahl  seiner  Gewährsleute  vorsichtig  gewesen  ist.  \'iel  neues  zu 
finden  wird  man  auch  hier  nicht  erwarten  dürfen;  aber  der  Verfasser 
weifs  in  einer  gewandten  und  dem  Leserkreise,  den  er  im  Au^e 
hat,  verständlichen  Sprache  zu  plaudern,  und  wenn  er  hier  und  da 
auch  das  Bild,  das  er  entwirft,  ein  wenig  ausputzt,  so  haben  wir 
doch  im  ganzen  den  Eindruck  gewonnen,  dals  er  der  geschicht- 
lichen Wahrheit  nicht  Gewalt  antut;  seine  Schrift  gehört  zu  den- 
jenigen p  jpulären  Geschichtswerken,  die  auch  auf  den  Fachmann 
einen  sympathischen  Eindruck  m-ichen. 

Die  gleichen  Ziele  wie  Weinholds  Buch  verfolgt  die  von  E.  A. 
Seeliger  verfafste  Schrift  über  Löbau  (lo);  auch  sie  beruht  «uf 
verständnisvoller  Benutzung  der  bisherigen  Literatur  und  wird  vor 
allem  in  der  Hand  des  Lehrers  von  Nutzen  sein.  Die  Darstellung 
ist  trockener  als  die  Weinholds;  als  historisches  Familienlesebuch 
wird  dis  Schriftchen  wohl  weniger  Glück  haben. 

Eine  sorgfältige  Einzeluntersuchung  hat  Dr.  Schlauch  den 
kirchlichen  Verhältnissen  der  Stadt  Dohna  von  der  Begründung  der 
Kirche  bis  gegen  Ende  des  1 6.  Jahrhunderts  gewidmet  (ii).  Er  hat 
sowohl  alle  gedruckten  Nachrichten  —  nicht  Immer  freilich  mit  der 
erforderlichen  Sichtung  —  als  die  im  Pfarrarchiv  wie  im  Dresdner 
Hduptstaats  irchiv  vorhandenen  Urkunden  und  Akten,  besonders  die 
Visitationsberichte  und  die  Protokolle  über  die  Regelung  der  Kirchen- 
verhältnisse von  1559  und  1561,  benutzt  und  teilweise  vollinhaltlich 
mitgeteilt.  Die  Angaben  Baltzers  in  der  Neuen  Sächsischen  Kirchen- 
galerie erfahren  durch  das  Schrif.chen  vielfache  Ergänzungen. 

Die  Geschichte  der  sächsischen  Industrie  wird  dadurch  besonders 
anziehend  gemacht,  dafs  sie  eine  Reihe  von  Sonderindustrien  aufweist, 
die  meist  aus  kleinen  Anfängen  herauswachsend  sich  einen  Weltmarkt 
erobert  haben  und  der  Intelligenz  und  dem  unermüdlichen  Fleifse 
der  Bevölkerung  und   zwar  gerade  ihrer  niedrigeren  Schichten  ein 

flänzendes  Zeugnis  ausstellen.    Zu  diesen  Industrieen  gehört  auch  die 
abrikation    künstlicher    Blumen,    die    den    Namen    des    Städtchens 


Literatur. 


371 


Sebnitz  weit  über  Sachsens  Grenzen  hinaus  bek  mnt  gemacht  hat. 
Die  Anfänge  dieser  Industrie  behandelt  erschöpfend  ein  kleines 
Schriftchen  von  A.  Meiche  (12),  zugleich  ein  Denkmal,  das  der  Ver- 
fasser pietätvoll  seinem  um  die  Kunstblumenf^brikation  in  Sebnitz 
hochverdienten  Vater  Theodor  Louis  Meiche  (gestorben  31.  Okt.  1907) 
sjesetzt  hat.  Die  Anfänge  der  Industrie  sind  nicht  in  Sebnitz  zu 
suchen,  sondern  —  wenn  wir  von  Berhn  absehen  —  in  Dresden,  wohin 
sie  eine  Französin  Jeanne  Elisabeth  Mouton  um  1780  aus  ihrem  Heimat- 
lande übertragen;  doch  blühte  ihre  Fabrik,  die  anfangs  glänzende 
Erfolge  erhielte  und  von  der  Regierung  gefördert  wurde,  nur  wenige 
Jahre.  Mehr  als  30  Jahre  später  führte  dann  Christ.  Friedr.  Reichardt 
die  Fabrikation  künstlicher  Blumen  in  Leipzig  ein,  wo  sie  noch  heute 
betrieben  wird.  Anders  war  der  Entwickelungsgang  in  Sebnitz. 
Den  Ausgangspunkt  bildete  hier  die  in  der  benachbarten  böhmischen 
Herrsch  dt  Hainsp  ich  betriebene  Herstellung  von  künstlichen  Blumen, 
die  in. Sebnitz  Wurzel  fafste,  als  derZolltirif  von  18^  den  Vertrieb 
dieser  Waren  sehr  erschwerte;  es  vergingen  aber  Jahr/:ehnte,  bis 
nach  heftigen  Kämpfen  der  Einwohnerschaft  gerai  die  böhmischen 
Eindringlinge  die  Industrie  in  Sebnitz  bodenständig  wurde  und  zum 
Segen  der  Stadt  die  Handweberei  mehr  und  mehr  verdrängte.  Diese 
Kämpfe  zu  verfolgen  ist  von  grofsem  Interesse.  Der  Verfasser,  der 
mit  dem  jähre  1859  seine  fesselnden  Ausführungen  schliefst,  stellt 
uns  eine  Fortsetzung  in  Aussicht,  welche  die  gewaltige  Entwickelung 
der  Sebnitzer  Kunstblumenindustrie  im  letzten  halben  Jahrhundert 
schildern  wird. 

Von  Dorfgeschichten  liegt  uns  diesmal  nur  Schluttig's  Chronik 
von  Thalheim  vor  (13).  Der  Verfasser  hat  lieifsig  die  Archivalien 
seines  Pfarrarchivs,  besonders  die  bis  1571  zurückreichenden  Kirchen- 
bücher, aber  auch  das  Dresdner  Hiuptstaatsarchiv  und  andere  Quellen 
benutzt  und  auf  Grund  dieser  Forschungen  in  anspruchsloser  Dar- 
stellung die  Geschichte  der  politischen  Gemeinde,  die  er  nicht  über 
das  16.  Jahrhundert  zurück  zu  verfolgen  vermag,  die  Geschichte  der 
Kirche,  der  Pfarre  und  der  Schule  des  Ortes  geschildert.  Vermut- 
lich haben  die  Vorarbeiien  zur  Neuen  Sächsischen  Kirchengalerie 
ihn  zu  seiner  Arbeit  veranlafst,  die  den  Gemeindemitgliedern  gewifs 
sehr  willkommen  sein  wird,  sich  aber  nicht  gerade  über  den  Durch- 
schnitt der  besseren  Ortschroniken  erhebt. 

Wir  schliefsen  mit  dem  Hinweis  auf  einige  Veröffentlichungen, 
die  sich  zwar  auf  nicht  im  Bereiche  des  heutigen  Sachsen  liegenden 
Städte  beziehen,  aber  für  die  Geschichte  Sachsens  doch  von  Interesse 
sind.  An  Sanger  hausen,  das  mit  geringen  Unterbrechungen  fast 
600  Jahre  lang  dem  Hause  Wettin  gehört  und  in  dieser  Zeit  eine 
bedeutsame  Entwicklung  durchgemacht  hat,  darf  niemand  vorüber- 
gehen, der  sich  irgendwie  mit  der  Geschichte  des  sächsischen  Städte- 
wesens beschältigt.  Von  dem  regen  Interesse,  das  die  Sangerhäuser 
selbst  stets  für  inre  Vergangenheit  gehabt  haben,  zeugt  neben  dem 
trotz  mancher  Verluste  noch  immer  reichhaltigen  Stadtarchive  eine 
umfängliche  lokalgeschichtliche  Literatur;  und  wenn  der  Magistrat 
selbst  die  Abfassung  einer  Stadtgeschichte  angeregt  und  die  K  >sten 
dafür  aufgebracht  hat,  so  beweist  er,  dafs  dieses  Interesse  auch 
heute  besteht,  und  gibt  andern  Stadtobrigkeiten  ein  erfreuliches 
Beispiel.  Für  die  Bearbeitung  hat  er  in  Friedrich  Schmidt  einen 
schon  durch  manche  kleinere  Untersuchung  bewährten  Forscher  ge- 
funden. Das  stattliche  Werk  ( 1 4)  ist  denn  auch  als  eine  unserer  besseren 
Stadtgeschichten   zu  bezeichnen.     Schon   der  einleitende  „Schriften- 


372 


Literatur. 


naclnveis  für  die  Geschichte  von  San^erhausen"  läist  erkennen,  dafs 
der  Verfasser  bestrebt  gewesen  ist,  in  erster  Linie  aus  ötchivaHschen 
Quellen  zu  schöpfen;  nicht  blofs  im  Stadtarchiv,  sondern  auch  in 
Dresden,  Weimar,  Magdeburg,  Rudolstadt.  Sondershausen  i.sw.  hat 
er  eifrig  gesammelt ;  weiteres  boten  ihm  die  Nachlässe  seiner  Vor- 
gänger Clem.  Menzel  und  Jul.  Sclimidt,  sowie  handschriftliche  und 
gedruckte  alte  Chroniken,  und  die  Aufzählung  der  bisherigen 
Literatur  dürfte  nicht  viel  Lücken  zeigen.  Dafs  im  Text  jede  Nach- 
richt gewissenhaft  belegt  ist,  dafür  wird  der  wissenschaftliche  Be- 
nutzer sehr  dankbar  sein  Der  Verfasser  hat  nach  dem  Beispiel 
älterer  und  neuerer  Chronisten  der  chronologischen  Anordnung  eine 
Gruppierung  nach  sachlichen  Gesichtspvuikten  vorgezogen  und  be- 
handelt seinen  Stoff  in  14  Abschnitten,  deren  jeder  ein  selbständiges 
Ganzes  bildet;  ein  Verfahren,  das  ohne  Frage  seine  Vorzüge  hat, 
andrerseits  aber  auch  den  Anlafs  zu  vielen  Wiederholungen  gibt  und 
nicht  immer  das  Zerreifsen  zusammengehöriger  Vorgänge  vermeiden 
läfst.  LInter  diesen  Umständen  wäre  ein  alphabetisches  Sachregister 
sehr  erwünscht  gewesen;  einigen  Ersatz  bietet  das  eingehende  Inhalts- 
verzeichnis. Gleich  der  erste  Abschnitt  „Allgemeines  von  Sanger- 
hausen", der  seineni  Titel  entsprechend  etwas  bunten  Charakter 
trägt  und  unter  anderem  die  Kriegsschicksale  der  Stadt  schildert, 
berührt  sich  nahe  mit  dem  zweiten  „Von  der  Landesobrigkeit". 
Von  letzterem  habe  ich,  um  eine  Stichprobe  zu  machen,  einige 
Seiten  (429—437)  eingehend  nachgeprüft  und  dabei  gefunden,  dafs 
der  Benutzer  sich  auf  die  gegebenen  Daten  nicht  zu  vertrauensvoll 
verlassen  soll;  ich  fand  hier  eine  ganze  Reihe  von  kleinen  Versehen, 
die  der  Verfasser  leicht  vermieden  hätte,  wenn  er  den  1.  und  2.  Band 
der  Abteilung  I  B  des  Cod.  dipl.  Sax.  benutzt  hätte.  Von  einer  Auf- 
zählung dieser  Versehen  sehe  ich  mit  Rücksicht  auf  den  Raum  ab. 
Auch  was  über  die  Entstehung  der  Stadt  (S.  47 ff.)  gesagt  wird,  ist 
wohl  nicht  über  jeden  Zweifel  erhaben;  der  als  Tafel  IV  mitgeteilte 
dankenswerte  Stadtplan  von  1780  deutet  auf  eine  regelrechte  Stadt- 
anlage westlich  neben  der  dorfartigen  Ansiedelung  um  die  Ulrichs- 
kirche. Die  übrigen  Abschnitte  des  Werkes  sind  inhaltlich  schärfer 
umrissen;  es  werden  nacheinander  behandelt  das  Militärwesen,  die 
Kirchen,  die  Klöster,  das  geistliche  Leben  in  der  Stadt,  das  Schul- 
wesen, die  Stiftungen  und  im  Zusammenhang  damit  hervorragende 
Männer  und  Familien  der  Stadt,  ilire  wichtigeren  Gebäude,  das  Ver- 
waltungswesen, das  Erwerbs-  und  Geschäftsleben,  das  Gesundheits- 
wesen, Flur-  und  Forstwesen  (mit  einer  beachtenswerten  Sammlung 
von  Flurnamen).  So  hat  der  Verfasser  ein  reiches  Quellenmaterial 
mit  Fleils  und  Umsicht  gesammelt,  gesichtet  vuid  verarbeitet  vmd 
ein  Werk  geschaffen,  das  nicht  blofs  seinen  Mitbürgern,  sondern 
jedem  Freunde  der  Städtegeschichte  willkommen  sein  wird. 

Langensalza  spielt  in  der  Geschichte  des  Hauses  Wettin 
ebenfalls  eine  nicht  unwichtige  Rolle.  Die  „Beiträge  zur  Häuser- 
chronik" (15),  deren  erstes  Heft  uns  vorliegt,  sind  freilich  so  rein 
lokaler  Natur,  dafs  wir  uns  mit  einem  kurzen  Hinweise  auf  die 
fleifsige  und  geschickte  Arbeit  des  städtischen  Archivars  Hermann 
Gutbier,  die  wohl  geeignet  ist,  ähnlichen  Publikationen  als  Vorbild 
zu  dienen,  begnügen  müssen. 

Auch  das  an  letzter  Stelle  genannte  Werk  können  wir  mit 
Rücksicht  auf  den  Raum  und  die  Aufgaben  unserer  Zeitschrift  nicht 
so  eingehend  behandeln,  als  es  wohl  verdiente.  Im  Jahre  J451  be- 
schlofs    der    Rat    der    Stadt  Z  erb  st    die  Abfassung    eines  Werkes, 


Literatur. 


373 


dessen  Zweck  die  Festhaltimg  derjenigen  geschiclitlichen  Tatsachen 
war,  die  für  die  Stadt  von  Nutzen  sein  lionnten,  eingedenk  der 
langen  Kämpfe,  die  Zerbst  mit  den  Erbherren  wie  mit  benachbarten 
Fürsten  um  seine  Rechte  und  seinen  Besitz  zu  führen  gehabt  hat. 
Das  Werk  ist  also  kein  völlig  objektives  Gescliichtswerk,  beruht 
aber  auf  urkundlichen  Grundlagen  und  ist  daher  bei  der  Dürftigkeit 
der  chronikalischen  Überlieferungen  des  späten  Mittelalters  eine  be- 
achtenswerte Quelle  und  zwar  nicht  blofs  für  die  Geschichte  der 
Stadt  selbst  und  des  Herzogtums  Anhalt,  sondern  auch  für  die  der 
benachbarten  Staaten.  Für  die  ältere  Geschichte  linden  sich  nur 
spärliche  Notizen;  von  etwa  1370  an  wird  die  Darstellung  reicher, 
und  für  das  15.  Jahrhundert  gibt  sie  manches,  was  sonst  nicht  über- 
liefert ist.  Leider  finden  wir  gerade  für  die  Geschichte  Sachsens 
seit  dem  Erwerbe  der  Kur  durch  die  Wettiner  nur  sehr  wenig; 
eigentlich  nur  ein  paar  Nachrichten  über  das  Eingreifen  Friedrichs 
des  Sanftmütigen  in  den  Streit  des  Erzbischofs  Günther  von  Magde- 
burg mit  seinen  Städten  1435.  Kindscher,  der  die  Chronik  im  Jahre 
1858  herausgegeben  hat,  bezeichnete  sie  damals  als  Peter  Beckers 
Zerbster  Chronik;  Wäschke  weist  nach,  dafs  diese  Bezeichnung  sich 
nicht  rechtfertigen  läfst,  und  hält  den  damaligen  Stadtschreiber, 
dessen  Name  leider  nicht  feststeht,  für  den  Verfasser.  Die  Neuaus- 
gabe, zu  der  das  900jährige  Jubiläum  der  Stadt  Zerbst  den  Anlafs 
gegeben  hat,  ist  sehr  sorgfältig;  zu  bedauern  ist  freilich,  dafs  der 
Herausgeber  es  unterlassen  hat,  ein  Namensregister  beizufügen.  Da- 
gegen hat  er  zu  Nutz  und  Frommen  der  Bürgerschaft  gleichzeitig 
eine  Übertragung  in  modernes  Deutsch  veröffentlicht. 

Dresden.  Ermisch. 

Landeskunde  des  Herzogtums  Anhalt.  Von  Dr.  phil.  Emil  Weyhe.  Buch- 
schmuck von  Karl  Ströse.  2  Bde.  Dessau,  C.  Dünnhaupt.  1907. 
XVI,  272;  IV,  716  SS.    8". 

Obgleich,  namentlich  nach  dem  Erwerb  der  Kur  im  Jahre  1423, 
mancherlei  Beziehungen  zwischen  Sachsen  und  Anhalt  bestanden, 
so  würde  doch  die  Anhaltische  Landeskunde  von  Weyhe  nicht  in 
dieser  der  sächsischen  Geschichte  gewidmeten  Zeitschrift  zu  be- 
sprechen sein,  wenn  sie  nicht  eine  allgemeinere  Bedeutung  besäfse 
und  für  uns  geradezu  vorbildlich  wirken  hönnte.  Sachsen  besitzt 
zwar  in  der  von  R.  Wuttke  herausgegebenen  „Sächsischen  Volks- 
kunde" eine  Sammlung  trefflicher  Autsätze,  die  als  Bausteine  zu 
einer  allgemeinen  Landeskunde  gelten  können,  es  fehlt  ihm  aber 
noch  eine  eigentliche,  alle  hier  in  Frage  kommenden  Dinge  zusammen- 
fassende Landeskunde,  wie  das  zur  Anzeige  vorliegende  Werk, 
das  in  dem  ersten,  dünneren  Bande  unter  dem  Stichworte  „das 
Land"  über  die  Lage,  die  Grenzen,  die  Gröfse,  den  Namen,  die 
Herrscher,  den  Bodenbau  und  die  Gewässer,  den  geologischen 
Aufbau  und  die  Entwicklung  der  Erdkruste,  das  Klima  und  die 
Pflanzen-  und  Tierwelt  berichtet,  in  dem  zweiten,  einige  700  Seiten 
starken  Band  aber  „das  Volk"  nach  Entwicklung,  Sprache,  Zahl, 
Bewegung,  Bekenntnis,  Beschäftigung  (Ackerbau,  Landwirtschaft, 
Viehzucht,  Obst-,  Tabakbau,  Forstwesen,  Gewerbetätigkeit,  Handel 
und  Verkehr),  Siedelungsgang  und  Volksdichte  behandelt.  Ein 
besonders  grofser  Raum  ist  den  Siedelungen  zugestanden,  da  sich 
„in  ihnen  der  wesentHchste  Teil  des  Volkslebens  abspielt  und  sie 
Abbilder  der  Wohlfahrt  ihrer  Bewohner,    Kennzeichen  des   Geistes 


ßy^  Literatur. 

sind,  der  sie  beseelt.'-  Der  zweite  Band  enthält  auf  S.  187—530  ein 
vollständiges  historisches  Ortsverzeichnis,  dem  sich  S.  531  bis 
621  (oder,  wenn  man  will,  653)  ein  historisches  Wüstungs- 
verzeichnis anschliefst.  Die  beiden  anscheinend  sehr  sorgfältig 
gearbeiteten  Verzeichnisse,  die  im  allgemeinen  den  vom  Gesamt- 
verein der  deutschen  Geschichls-  und  Altertumsvereine  i.  J.  1900 
veröffentlichten  „Vorschlägen  für  die  Ausarbeitung  historischer 
Ortschaftsverzeichnisse"  entsprechen,  können  als  Muster  für  Sachsen 
dienen,  wo  man  erst  seit  wenigen  Jahren  mit  der  Sammlung  des 
Stoffes  für  ein  historisches  Ortsverzeichnis  beschäftigt  ist,  während 
man  leider  von  der  nach  unserer  Ansicht  höchst  wünschenswerten 
Herausgabe  eines  besonderen  Wüstungsverzeichnisses  abgesehen 
hai.  Nächst  dem  von  A.  Krieger  stammenden  ,, Topographischen 
W^örterbuch  des  Grofsherzogtums  Baden"  (2.  Aufl.  1903 — 1905)  ist  diese 
„Kurz  gefafste  Ortsbeschreibung  der  besetzten  Siedelungen"  und 
„der  Wüstungen",  in  der  die  Erklärungen  der  deutschen  Namen  von 
dem  Sohne  äes  Herausgebers,  Dr.  Hans  Weyhe,  herrühren,  die  der 
slavischen  meist  auf  Professor  Gustav  Hey  in  Döbeln')  zurückgehen, 
das  zweite,  nach  neuzeitlichen  Grundsätzen  bearbeitete  historische 
Ortsverzeichnis.  In  ihm  beruht  zum  guten  Teil  mit  der  Wert  dieser 
trefflichen  und  durch  die  Opferwilligkeit  des  Verlages  mit  Bildern, 
Zeichnungen,  Karten  und  Tabellen  glänzend  ausgestatteten  Anhalti- 
schen Landeskunde,  die  den  verwandten  W^erken  von  Partsch  über 
Schlesien  und  Regel  über  Thüringen  wohl  ebenbürtig  an  die 
Seite  tritt. 

Dresden.  Beschorner. 

Mittelalterliche  Volksspiele  in  den  thüringisch -sächsischen  Landen. 
Von  K.  Heldmann.  (Neujahrsblätter  Herausgegeben  von  der 
Historischen  Kommission  lür  die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzog- 
tum Anhalt.     Nr.  32.)     Halle  a.  S.,   O.  Hendel.    .1908.     57  SS.     8". 

Die  vorliegende  Arbeit  geht  weit  über  das  hinaus,  was  der 
Titel  ankündigt:  sie  ist  eine  kurze  Geschichte  der  deutschen  Spiele 
im  allgemeinen,  zu  der  allerdings  die  Beispiele  zum  gröfsten  Teil 
aus  dem'  thüringisch  -  sächsischen  Gebiet  genommen  sind.  H.  be- 
handelt zunächst  die  altgermanischen  Glücks-,  Kampf-  und  Jahres- 
zeitenspiele, dann  die  unter  römischem  Einflufs  aufgekommenen  Brett- 
spiele, die  Kampfspiele  der  ritterlichen  Zeit,  die  in  die  Artus-, 
Rolands-  und  Schützenspiele  auslaufen,  und  endlich  die  späteren 
Glücks-,  Brett-,  Kegel-  und  Kartenspiele.  Freilich  sind  nicht  alle 
Arten  mit  gleicher  Liebe  und  Sorgfalt  behandelt.  So  werden  z.  B. 
die  Jahreszeiten-  und  Naturspiele  nicht  durch  das  Mittelalter  verfolgt, 
obgleich  gerade  für  sie  die  thüringisch-sächsischen  Lande  ein  recht 
ergiebiger  Boden  sind.  Gern  hätte  man  auch  erfahren,  ob  sich  über 
den  Betrieb  der  mittelalterlichen  Kegel-  oder  Kartenspiele  etwas 
aus  den  Quellen  nachweisen  läfst.  Mit  um  so  gröfserer  Liebe  sind 
die  Kampfspiele  behandelt,  deren  Geschichte  den  eigentlichen 
Schwerpunkt  der  Arbeit  ausmacht.  Was  H.  schon  in  seinen  Roland- 
forschungen erwiesen,    dafs   die   epische  Dichtung    des    Mittelalters 


^)  Vgl.  dessen  1905  mit  Pastor  emer.  Dr.  Karl  Schulze  in  Ballen- 
stedt  herausgegebenes  Buch:  „Die  Siedelungen  in  Anhalt.  Ort- 
schaften uncl  Wüstungen  mit  Erklärung  ihrer  Namen"  (Halle, 
Waisenhaus). 


Literatur. 


375 


■der  Volksphantasif  Veranlassung  zu  Volksspielen  gegeben  hat,  wird 
hier  erweitert  und  durch  neue  Zeugnisse  belegt.  Dafs  die  Rolands- 
säulen der  nord-  und  mitteldeutschen  Städte  auf  die  mittelalterliche 
SpielfigTir  zurückgehen,  dürfte  jetzt  nach  den  Arbeiten  H.'s  und  Jostes 
kaum  noch  zu  bezweifeln  sein.  Von  besonderer  Bedeutung  und 
neu  ist  der  m.  E.  geglückte  Nachweis  (er  mufs  freilich  nochmals 
genau  geprüft  werden),  dafs  die  Auffindung  von  Tacitus'  Germania 
im  15.  Jahrhundert  ein  dem  altgermanischen  Schwerttanz  nach- 
gebildetes Waftenspiel  bei  den  Zünften  der  Städter  hervorgerufen 
hat:  den  Zunftschwerttanz  in  der  Fastenzeit,  den  man  bisher  all- 
gemein für  ein  Überlebsel  des  altgermanischen  Schwerttanzes  an- 
gesehen hat.  Nicht  frei  von  Irrtümern  ist  das  i.  Kapitel.  Was  über 
Wodan  (S.  6  9)  gesagt  wird,  steht  mit  den  Quellen  nicht  im  Ein- 
klang: ü' er  den  barditus  des  Tacitus  hat  jetzt  Biruckner  Besseres 
gelehrt  (Festschrift  zur  49.  Versammlung  deutscher  Philologen  und 
Schulmänner  S  65  ff.);  auch  dafs  Gesang  und  Musik  den  Schwert- 
tanz begleitet  haben,  möchte  ich  bezweifeln.  Zum  Schlüsse  noch 
eine  Frage  bez  Anregung:  Finden  sich  denn  in  älteren  Quellen 
Mitteldeutschlands  keine  Zevignisse  über  Ball-  oder  Kugelspiele,  die 
in  Norddeutschland  und  Skandinavien  schon  in  alter  Zeit  eine  so 
wichtige  Rolle  gespielt  haben?  Auch  in  einigen  Gegenden  Ober- 
deutschlands scheinen  sie  ziemlich  alt  zu  sein. 

Leip7ig.  E.  Mogk. 

Meißner  Porzellan.  Seine  Geschichte  und  künstlerische  Entwicklung, 
dargestellt  von  Willy  Doenges.  Mit  4  farbigen  Vollbildern,  16  Doppel- 
ton-Drucktafeln,  2  Blautafeln,  i  Brauntafel,  249  Abbildungen  im 
Text,  I  Faksimile  und  1  Markenal^ljiklung.  i.  Teil  (Vieux  Saxe). 
Berlin,  Marquardt  &  Co.   (1908.)   XII,  315  SS.    8". 

Bekanntlich  hat  sich  Lessing  eine  Zeitlang  mit  dem  Gedanken 
getragen,  eine  Zeitschrift  herauszugeben,  in  der  er  „das  Beste  aus 
schlechten  Büchern"  zusammens' eilen  und  so  der  wissenschaftlichen 
Forschung  bequem  zugänglich  machen  wollte.  Ein  solcher  Versuch 
würde,  auf  das  oben  angezeigte  Werk  von  Doenges  angewendet, 
selbst  bei  redlichem  Bemühen  so  gut  wie  aussichtslos  sein.  Kommen 
doch  die  vereinzelten  neuen  Angaben,  die  man  etwa  aus  ihm  aus- 
findig machen  kami,  im  Verhältnis  zu  den  Unklarheiten  und  schiefen 
Bemerkungen,  die  diese  schlecht  disponierte  und  skrupellos  aus  allen 
möglichen,  bequem  zugänglichen  Vorarbeiten  zusammengetragene 
Kompilation  enthält,  überhaupt  für  die  Wissenschaft  nicht  in  Betracht. 
Der  Verfasser,  der  offenbar  eine  gewisse  Liebhaberei  für  das  Porzellan- 
sammeln besitzt,  wollte  mit  seiner  Schrift  „ein  wohlfeiles  und  handliches 
Buch"  für  alle  diejenigen  liefern,  welche  das  umfassende  Werk  von 
Karl  Berling  wegen  seines  unbequemen  Formates  und  hohen  Preises 
nicht  erwerben  wollen  oder  können.  Dieser  Gedanke  war  an  und 
für  sich  nicht  übel  und  ist  von  anderer  Seite  bereits  angeregt  worden. 
Zu  seiner  Ausführung  hätte  sich  Doenges  vor  allem  dazu  entscliüefsen 
müssen,  allen  überflüssigen  gelehrten  Ballast  bei  Seite  zu  werfen, 
um  dafür  die  wichtigsten,  entwicklungsgeschichtlichen  Tatsachen  in 
den  \'ordergrund  zu  stellen.  Als  arger  Dilettant  konnte  er  sich  je- 
doch zu  einem  so  einfachen  Verfahren,  das  freilich  eine  wirkliche 
Beherrschung  des  Stoffes  voraussetzt,  nicht  entschliefs^n.  Obwohl  er 
selbständige  Qviellenstudien  nicht  gemacht  hat,  sondern  höchstens 
den  Fufsstapfen  seiner  Vorgänger  nachgegangen  ist,  wollte  er  sich 


376 


Literatur. 


den  Schein  eigener  Gelehrsamkeit  geben.  Deshalb  fügte  er  den  für 
sein  Unternehmen  völlig  überflüssigen  'Apparat  von  Anmerkungen 
vnid  nicht  zum  Thema  gehörigen  Exkursen  bei  und  zerstörte  dadurch 
den  Flufs  der  Darstellung.  Ebenso  glaubte  er  es  seiner  Forscherehre 
schuldig  zu  sein,  urkununche  Belege  aufzunehmen,  die  seine  Gründ- 
lichkeit beweisen  sollen.  Schade  nur,  dafs  er  keine  einzige  neue 
Urkunde  entdeckt  hat  und  nur  längst  Bekanntes  wieder  auftischt, 
ijme  die  Quellen  in  jedem  Fall  deutlich  genug  anzugeben.  Auch 
die  beiden  Schriftstücke  Böttgers,  die  er  zum  erstenmal  „im  vollen 
Wortlaut"  abdruckt,  sind  seinen  Vorgängern  nicht  entgangen.  Da 
sie  aber  neben  einigemWichtigen  höchst  Unwichtiges  enthalten,  was  nur 
halb  zur  Sache  gehört,  hat  man  bisher  nur  die  entscheidenden  Stellen 
aus  ihnen  hervorgehoben,  ein  Verfahren,  das  für  Doenges  populäre 
Darstellung  erst« recht  genügt  hätte,  weim  er  sich  über  seine  Auf- 
gabe klar  gewesen  wäre.  Mit  besonderer  Genugtuung  weist  er  auf 
den  den  „Marken  Meifsens"  gewidmeten  7.  Abschnitt  seines  Buches 
hin.  Aber  was  er  auf  diesem  nur  den  Sammler  näher  interessieren- 
den, für  diesen  allerdings  wesentlichen  Gebiete  zusammengestellt 
hat,  kommt  ebenfalls  über  eine  fleifsigf^  Kompilation  aus  den  An- 
gaben bei  Berling,  Jaennicke  und  Graesse  nicht  erheblich  hinaus; 
es  müfste  denn  sein,  dafs  man  in  der  Notiz  über  die  auf  S.  224  unter 
Nr.  196  abgebildete  Marke,  die  sich  auf  einem  Teekännchen  im  Besitz 
des  Verfassers  befindet,  und  in  dem  ^'ergleicll  mit  einer  Anzahl  von 
Marken  anderer  Fabriken,  die  den  Meifsnern  ähneln,  wichtige  Finger- 
zeige erblicken  wollte. 

Mufs  man  nach  dem  Gresagten  den  wissenschaftlichen  Wert 
des  Buches  als  sehr  gering  bezeichnen,  so  darf  zur  Vollständig- 
keit seiner  Charakteristik  nicht  verschwiegen  werden,  dafs  auch 
seine  sprachliche  Form  einen  höchst  bedenklichen  Mangel  an 
Korrektheit  und  Gewandtheit  aufweist.  Doenges,  der  von  sich  selbst 
am  liebsten  als  von  dem  „Verfasser  dieses  Buches"  spricht,  schreibt 
ein  so  gekünsteltes  Deutsch  und  läfst  sich  so  viele  Sprachdumm- 
heiten zu  Schulden  kommen,  dafs  man  ihm  die  ernstliche  Beschäf- 
tigung mit  Wustmanns  bekanntem  Buche  dringend  anraten  möchte, 
zumal  wenn  man  bedenkt,  dafs  sein  Beruf  an  und  für  sich  eine 
gröfsere  Beherrschung  der  Form  erfordert  oder,  wie  er  sich  selbst 
ausdrücken  würde,  eigentlich  „naturnotwendigerweise"  (S.  108)  vor- 
aussetzt. Dann  würde  er  nicht  mehr  von  „trotz|  allem  und  allem" 
iei)endas.),  von  „Darstellungsstoffen",  „Blütenzweiglein"  (S.  109)  und 
von  „blühendster  Zeit"  (S.  102)  sprechen  und  von  einem  Künstler 
kaum  noch  behaupten,  dafs  er  dem  Barock  „iinfmchtbar  gegenüber 
ge.standen"  habe  (S.  106)  oder  Böttger  nach  Österreich  flüchten  und 
„von  ihm  aus"  nach  Dresden  zurückbringen  lassen. 

Der  Verlag  hat  dem  Werk  eine  recht  geschmackvolle  Ausstattung 
zu  teil  werden  lassen  und  esTmit  einer  hübschen  jAuswalil  von  meist 
gelungenen  Abbildungen  versehen.  Allerdings  ist  die  Mehrza'd  da- 
von bereits  an  anderen  Orten  veröffentlicht  worden  und  bringt 
daher  nichts  neues;  doch  enthält  das  Buch  auch  einzelne  früher 
noch  nicht  publizierte  Stücke,  die  zum  Teil  nach  den  Exemplaren 
der  Königlichen  Porzellansammlung  zu  Dresden  hergestellt  zu  sein 
scheinen.  Eine  besondere  interessante  Seltenheit  ist  der  Trinkbecher 
in  Form  eines  Schlüssels  (Abb.  10);  schade  nur,  dafs  der  Verfasser 
hier  wie  in  anderen  Fällen  vergessen  hat,  anzugeben,  aus  wessen 
Besitz  er  stammt. 

Radebeul  H.  A.  Lier. 


Literatur. 


377 


Übersicht 

über  neuerdings  erschienene  Schriften  und  Aufsätze 

zur  sächsischen  Geschichte  und  Altertumskunde^). 


Von  Viktor  Hantzsch. 


Albert,  Otto.  Das  Kirchenpatronatrecht  in  der  evangelisch-lutherischen 
Landeskirche  des  Königreichs  Sachsen.  Leipzig,  Veit  &  Comp, 
1908.  VIIL  79  SS.    8». 

Ajielt,  Otto.  Erinnerungen  an  Ernst  Friedrich  Apelt:  Abhandlungen 
der  Fries'schen  Schule.    N.  F.    II  (1908),  3,  361 — 411. 

Arnold,  Ernst.  August  der  Starke,  sein  Leben  und  Lieben  nach 
Eduard  Vehse.  Unter  gleichzeitiger  Berücksichtigung  älterer  und 
neuerer  Literatur  kurz  zusammengefafst.  (Bibliothek  des  XVII. 
und  XVIII.  Jahrhunderts.)  i.  und  2.  Auflage.  Stuttgart,  Franckh. 
(1908.)    149  SS.    8». 

Arnold,  E.  M.  Die  dörflichen  Siedelungen  Sachsens:  Sachsenpost  II 
(1908).    Nr.  96.  S.  if.    Nr.  97.  S.  1  f .    Nr.  98.  S.  i. 

B.,  T.  Das  Altertvims-Museum  in  Herrnhut:  Wissenschaftliche  Beilage 
der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  16. 

Becher.  Einige  Bemerkungen  zum  Entwurf  eines  Gesetzes  über  die 
Fürsorge-Erziehung  im  Königreiche  Sachsen  nach  den  im  März 
1908  gehaltenen  Vorträgen  im  Richterverein  und  in  der  forensisch- 
psychiatrischen Vereinigung  in  Dresden.  Dresden,  Lehmann.  1908. 
20  SS.    8«. 

Beil,  Arthur.  Aus  vergangenen  Tagen.  Ein  Beitrag  zur  Wirtschafts- 
geschichte der  Herrschaft  Pemg  in  der  Zeit  von  1400  — 1800. 
Taura,  Druck  von  Georg  Delling.    1908.    34  SS.    8". 

Beriiff',  Georg.  Spalatiniana.  I.  Vita  Georgii  Spalatini  ex  ipsius 
auTOY^c'cpw  descripta  MDXXXIV.  —  II.  Index  brevissimus  rerum 
illustrissimi  principis  dn.  Johannis  ducis  Saxoniae  electoris,  in 
electoratu  inceptus  colligi  MDXXVI.  —  III.  Georgii  Spalatini 
Ephemerides  inchoatae  anno  MCCCCLXXX.  —  Anhang:  Einige 
Lutherana  und  Aktenstücke  aus  dem  Nürnberger  Veit-Dietrich- 
Kodex  u.  a.  (Quellen  und  Darstellungen  aus  der  Geschichte  des 
Reformationsjahrhunderts.  Herausgegeben  von  Georg  Berbig. 
Hefts.)    Leipzig,  Heinsius  Nachfolger.    1908.   VIL  123  SS.    8". 

Berthold,  0.  Volksrezepte:  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs. 
Volkskvmde  IV  (1908),  334—339. 

Beschorner,   Hans.      Ein  fürstliches   Menü    von    1730    [im   Lustlager 
von  Zeithain]:  Archiv  für  Kulturgeschichte  VI  (1908),  202 — 224. 
„  VIIL — IX.  Flurnamenbericht:   Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs. 
Volkskunde  IV  (1908),  280—282.  329—334. 


^)  Vgl.  die  Übersicht  über  neuerdings  erscliienene  Literatur  zur 
thüringischen  Geschichte  und  Altertumskunde  von  O.  Dobenecker 
in  der  Zeitschrift  d.  V.  f.  Thür.  Gesch.  u.  Altertvnuskunde  XXVI  = 
N.  F.  XVIII  (1908),  423-^45- 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u   A      XXIX.     3.  4.  25 


2*7  8  Literatur. 

Beutel,  Georg.  Bildnisse  hervorragender  Dresdner  aus  fünf  Jahr- 
hunderten. Mit  kurzen  Lebensbeschreibungen.  Erste  Reihe.  Ver- 
öffenthcliung  des  \"ereins  für  Geschichte  Dresdens.  Dresden, 
Lichtdruck  von  Römmler  &  Jonas,  Buchdruclv  von  C  Heinrich. 
1908.    40  Taft:',  mit  40  Ell  Text.    4". 

Üickerich,  W.  Lissa  und  Herrnhut.  Mit  21  Beilagen:  Zeitschrift  für 
Brüdergeschichte  II  (1908),  1—74. 

Biermann,  G.  Auerbachs  Keller  in  Leipzig:  Daheim  XLIV  (1908). 
Nr.  35-  , 

Blanclmeister,  Frattz.  Altsachsenland.  I.  Erzählungen  und  Schwanke. 
Leipzig,  Arwed  Strauch.  (1908.)  125  SS.  Mit  "Text-Illustrationen 
von  Hugo  L.  Braune  und  6  Einschaltbildern  von  Woldemar 
Müller.    8". 

Bonhoff.     Die  Burgen  des  sächsischen  Erzgebirges:  Glückauf  XXVIII 
(1908),  33—37.  49  —  53.  65—70.  81  —  86.    Mit  Abb. 
„  Die  Echtheit  der   ältesten  kirchlichen  Urkunde  von  Reichenbach 
im  Vogtlande:  Sächsisches  Kirchen- und  Schulblatt.    1908.    Sp.  449 
bis  457. 

Börckel,  Alfred.  Hessens  Fürstenfrauen  von  der  heiligen  Elisabeth 
bis  zur  Gegenwart  in  ihrem  Leben  und  Wirken  dargestellt. 
2.,  bis  1908  ergänzte  Auflage.  Mit  16  Porträts.  Giefsen,  Emil 
Roth.  (1908.)  IX,  154  SS.  's».  (Darin  S.  18  —  29:  Christine  von 
Sachsen,  Gemahlin  Philipps  des  Grofsmütigen ;  S.  46 — 56:  Sophie 
Eleonore   von  Sachsen,   Gemahlin  Georgs  IL;   beide  mit  Bildnis.) 

Börner,  Otto.  Zur  Geschichte  der  Anstalt;  Jahresbericht  des  Real- 
gvmnasiums  (i.  E.)  zu  Blasewitz  Ijei  Dresden  über  das  Schul- 
jahr 1907 -1908.  Dresden,  Druck  von  B.  G.  Teubner.  1908.  S.  3 
bis   12 

Bossert,  G.  Ein  Hilferuf  böhmischer  Exulanten  in  Pirna:  Jahres- 
bericht der  Gesellschaft  für  die  Geschichte  des  Protestantismus 
in  Österreich  XXVIII  (1907),  215! 

Böttcher,  0.  Altvogtländische  Weihnachtsbräuche:  Mitteilungen  des 
Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1908),  347 — 349. 

Bötticher,  Georg.  Eine  Erinnerung  an  Schnorr  von  Carolsfeld: 
Dresdner  Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  27 

Brahant.  Ein  Anschlag  auf  Pirna.  5  und  6.  Juni  1758:  Über  Berg 
und  Thal  XXXI  (1908),  283-285. 

BreuU,  Bernhard.  Verlassene  Dörfer  [Zietsch]:  Dresdner  Anzeiger. 
1908.    Nr.  134.    S.  2 

Bruntsch.  Johanngeorgenstadt:  Glückauf  XXVIII  (1908),  97  — 105. 
Mit  Abb. 

Bfuchenau],  H.  Nachrichten  über  Coburger  Münze  und  Hellermünze 
unter  Markgraf  Friedrich  III.  von  Meifsen;  Blätter  für  Münz- 
freunde XLIII  (1908',  396of. 

Bücher,  H.  Zum  2cojährigen  Jubiläum  der  Regimenter  der  4.  In- 
fanterie-Brigade Nr.  48:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg. 
1908.    Nr.  22. 

Buhle,  M.  Die  Stadt  Dresden  in  der  Technik:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  26. 

Cahnua,  Georgy.  Die  ersten  deutschen  Singspiele  von  Standfufs  und 
Hiller  (Publikationen  der  Internationalen  Musikgesellschaft.  Bei- 
hefte. IL  Folge.  Hefte.)  Leipzig,  Breitkopf  &  Härtel.  1908.  VIII, 
100  SS.    8". 

deinen,  Otto.  Über  die  Verbrennung  der  Bannbulle  durch  Luther: 
Theologische  Studien  und  Kritiken  LXXX.I  (1908),  460 — 469. 


Literatur. 


379 


— d. —  Dresdner  Theater -Erinnerungen.    Zum   loo.  Geburtstage  von 
Karoline  Bauer  am  28.  Mai  1898:   Dresdner  Anzeiger.     Sonntags- 
Beilage.    1908.    Nr.  21. 
„  Richard    Freiherr    v.  Friesen.     9.  August  1808—25.  Februar  1884: 
Dresdner  Anzeiger.    1908.    Nr.  279.    S.  sf. 

£>.,  Ä.  Schneeberg  und  Umgebung:  Sachsenpost  II  (1908).  Nr.  96. 
S.  6—10.    Nr.  97.    S.  6—10.    Nr.  98.    S.  5—7.    Mit  17  Abb. 

JJaehne,  Paul.  Wettin  nitim.  Leipzig,  R.  Sattler.  (1908. 1  IV,  144  SS.  8". 

Deiningtr,  AchiJf.  Heimatbilder  des  Leipziger  Kalenders.  Serie  L 
Nr.  I — 16.    Leipzig,  Georg  Merseburger.    (1908.)    16  BU.    8". 

Diener  -  Schönbcrfj,  Alfons.  Der  Bestand  der  chursächsischen  Zeug- 
häuser zu  Ende  des  1 6.  Jahrhunderts:  Zeitschrift  für  historische 
Waffenkunde  IV  (1908),  306—311. 

Dietrich.    Führer  durch  Leipzig  und  Umgebung.    Mit   2  Plänen  von 
Leipzig.     Leipzig,  Otto   Dietrich.    (1908.)    144  SS.    8".     (S.  9—20 
Zur  Geschichte  Leipzigs.) 

Dittrich,  Max.     Der  grofse  Sturmritt  bei  Wachau  am  16.  Okt.  181 3 
Der  Patriot  XIV  (1908).    Nr.  8.    S.  i  f . 

Doenges,   Willy.    Kunst  und  Kultur  unter  den  sächsischen  Kurfürsten 
Westermanns  Monatshefte  CIV  (1908),  837—856.    Mit  Abb. 

Dreacher,   G.     Das  alte  Ranstädter  Tor  [in  Leipzig]   und  seine  Um- 
gebung: Der  Leipziger  III  (1908),  348.  379.    Mit  Abb. 
„  Ält-Leipziger  Mühlen:  ebenda  408 f.    Mit  Abb 
„  Die  alte  Leipziger  Ratswage:  ebenda  410.    Mit  Abb. 

Dulichiua, Philippuli.  Prima  pars  centuriae  octonum  et  septenumvocum, 
Stetini  1607.  Herausgegeben  von  Rudolf  Schwartz.  (Denkmäler 
deutscher  Tonkunst.  1.  Folge.  Band  XXXI.)  Leipzig,  Breitkopf  & 
Härtel.    1907.    XX,  157  SS.    2".  (S.  Vff:  Biographische  Einleitung.) 

Ecliardt,  iMax).  Die  alte  Kirche  zu  Mohorn:  Über  Berg  und  Thal 
XXXI  (1908),  324  —  326. 

V.  1^  gl  off' stein.  Hermann  Freihtir.  Carl  August  auf  dem  Fürstentage 
in  Dresden  1812:  Deutsche  Rundschau  XXXIII  (1906  07),  I,  52-73. 

Ehses,  Stephan.  Zu  den  kirchlichen  Reformarbeiten  unter  Paul  IIL 
Der  deutsche  Kardinal  Nikolaus  von  Schönberg:  Historisches 
Jahrbuch  XXIX  (1908),  597—603. 

Engel,  Friedrich.    Nachrichten  über  die  Familien  Neithart,  Schmidt, 
Meifsner,  Rüger,  Engel,  Meinecke,  Ibbeken.    Greifswald,  Druck 
^  von  Julius  Abel.    1908.    (II),  64  SS.    8". 

Etzold,  Franz.  Die  Geologische  Landesaufnahme  und  die  Geolo- 
gische Übersichtskarte  des  Königreichs  Sachsen:  W'issenschalt- 
Eche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  15. 

Exiier  und  BaJdamus.  Die  "Schlachten  und  Gefechte  bei  Leipzig 
14.— 19.  Oktober  1813.  i  :  16500.  (Sammlung  historischer  Schul- 
wandkarten, herausgegeben  von  A.  Baldamus,  gezeichnet  von 
Ed.  Gaebler.  VI.  Abteilung.  Nr.  5.)  Leipzig,  G.  Lang.  (1908.) 
4  Blatt  je  72,5x86,5  cm. 

Findeisen,  Otto.  Eibenstock  und  seine  Umgebung.  Schilderungen 
in  Wort  und  Bild  aus  dem  westlichen  Erzgebirge.  Eine  Heimat- 
kunde für  jung  und  alt.  Ratgeber  und  Führer  für  Sommerfrischler 
und  Wanderer.  Mit  iio  Abbildungen  und  einer  W^anderkarte. 
Herausgegeben  vom  Erzgebirgszweigverein Eibenstock.  5.  Auflage. 
{Umschlagtitel:)  Eibenstock  und  seine  Umgebung.  Eine  Perle 
des  Erzgebirges.  Jllustrierter  Ratgeber  und  Führer  für  Sommer- 
frischler und  Wanderer.  Kleine  Chronik  von  Eibenstock.  Eiben- 
stock,   Benno  Kandier  in  Komm.    (1908.)    VIII,   144,  XVI  SS.    8". 

25* 


38o 


Literatur. 


Förstemann.  Zum  Gedächtnis  Ernst  Wilhelm  Förstemanns,  geboren 
den  i8.  September  1822,  gestorben  den  4.  November  1906.  Dem 
sechsten  Familientage  der  Familie  Förstemann  Berlin  190S  über- 
reicht von  Paul  J.  Förstemann  und  Ernst  F.  Förstemann.  Zossen- 
Berlin,  Deutsche  Buch-  und  Kunstdruckerei.    (1908.)    18  SS.    8". 

Fränkel,  Ludioicf.  Adolf  Ebert,  der  Literarhistoriker  Zugleich  ein 
Beitrag  zur  Geschichte  der  neueren  Philologie.  II.  Teil.  (Jahres- 
bericht der  Kgl.  Ludwigs-Kreisrealschule  zu  München.)  München, 
Druck  von  Gerber.    1908.    36  SS.    8". 

Freytag,  Ern&t  Eichard.  Über  die  Entstehungsgeschichte  unserer 
Stadt  und  ihr  Zustand  vor  70  Jahren:  Nachricliten  für  Auerbach. 
1908.  Nr.  61  f.  66  f. 
„  Die  Stadt  Auerbach  i.  V.  in  der  Literatur  der  Beschreibungen 
des  Sachsenlandes:  Auerbacher  Zeitung.  1908.  Nr.  27.  i.  Beilage. 
Nr.  51.    I.  Beilage. 

Friedet.  Geschichte  des  7.  Infanterie -Regiments  „König  Georg" 
Nr.  106.  Zum  200  jährigen  Jubiläum  im  Auftrag  des  Regiments 
verfafst.  Leipzig,  Carl  Jacobsen  {1908.)  105  SS.  Mit  Abb., 
3  farbigen  Taff.  und  i  Karte.    8 ". 

Frfiedensburg,  Walter J.  Ein  Aktenstück  zur  Frage  der  Bestrafung 
des  gefangenen  Kurfürsten  Johann  Friedrich  von  Sachsen  (1547): 
Archiv  für  Refonnationsgeschichte  V  (1908),  213-215 

Friedrich,  Friedrich.  Abfangen  von  Mefsfremden  fin  Leipzig]  vor 
50  Jahren:  Der  Leipziger  III  (1908),    1066 — 1068. 

Fritzsche,  Ch.  H.  Beiträge  zur  Ortsgeschichte  von  Wermsdorf. 
Oschatz.    (Wermsdorf,  R.  Seibod.)    1908.    87  SS.    ?»Iit  Abb.    8«. 

G.  Das  Lohengrinhaus  in  Grolsgraupa:  Dresdner  Anzeiger.  1908. 
Nr.  200.    S.  5- 

Gf.  Zweihundert  Jahre  Waffendienst.  Zum  200jährigen  Jubiläum  der 
Leipziger  Regmienter  Nr.  106  u.  107:  Der  Leipziger  III  (1908),  578. 
Mit  Abb. 

Geisberg,  Max.  Die  [Dresdner]  Prachtharnische  des  Goldschmiedes 
Heinrich  Cnoep  aus  Münster  i.  W.  Eine  Studie.  (Studien  zur 
deutschen  Kunstgeschichte.  85.  Heft.)  Strafsburg,  Heitz.  1907. 
II,  59  SS.    Mit  14  Taff.  und  i  Hochätzung.    8". 

Genthe,  Franz.  Das  sächsisch -polnische  Bosniakenregiment,  die 
Stamratruppe  der  preufsischen  Ulanen,  und  die  holländischen 
Bosniakenlanzenreiter:  Wissenschaftliche  Mitteilungen  aus  Bosnien 
und  der  Herzegowina  X  (1907),  345 — 367.    Mit  3  Abb. 

GoerUtz,  Waldemar.  Herzog  Georg  von  Sachsen  und  seine  Stände: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  14. 

Götz,  ü.  B.  B.  Das  Fortbildungsschulwesen  der  Stadt  Annaberg 
(Erzgeb.).   Wittenberg,  R.  Herros6.    1907.    16  SS.    8". 

Große,  Otto.  Prinz  Xaver  von  Sachsen  und  das  sächsische  Korps 
bei  der  französischen  Armee  1758  —  1763.  (Leipziger  Diss.) 
Leipzig  1907.    91  SS.    8". 

Größler,  H.  Die  Begründung  der  christlichen  Kirche  in  dem  Lande 
zwischen  Saale  und  Elbe;  Zeitschrift  des  \^ereins  für  Kirchen- 
geschichte in  der  Provinz  Sachsen  IV  (1907),  94—145. 

Gruber,  Karl.  Hofrat  Dr.  Mirus-Leisnig  f:  Jahresbericht  des  Vereins 
für  Sachs.  Volkskunde  X  (1907),  19  —  21 

Günther,  Wilhelm.  Entstehung  und  Bildung  erzgebirgischer  Spitz- 
namen: Kalender  für  das  Erzgebirge  und  das  übrige  Sachsen  V 
(1909),  39—41- 


Literatur.  381 

Gurlitt,  Cornelius.  Beschreibende  Darstellung;  der  älteren  Bau-  und 
Kunstdenkmäler  des  Königreichs  Sachsen.  Unter  Mitwirkung  des 
Kgl.  Sachs.  Altertumsvereins  herausgegeben  von  dem  Kgl.  Sachs. 
Ministerium  des  Innern.  31.  Heft:  Amtshauptmannschaft  Bautzen. 
I.Teil.  Dresden,  C.  C.  Meinhold  &  Söhne  in  Komm.  1908.  II.  192  SS. 
Mit  Abb.  und  3  Taff.    8°. 

H.,J.E.  Die  fliegende  Brücke  zuPillnitz:  Dresdner  Anzeiger.   1908. 

■    Nr.  245.    S.  51 

V.  Haase,  Harald.  Die  Regentschaft  in  Sachsen  nach  dem  heute 
geltenden  Staatsrecht.  (Leipziger  Diss.)  Borna-Leipzig,  Druck 
von  Robert  Noske.    1908.  M,  {1  SS.    8". 

HäJsicj.  Beiträge  zur  Volkskunde  (Aus  der  Waldheim- Döbelner 
Gegend):  Mitteilungen  des  Vereins  für  Sachs.  Volkskunde  IV 
(1908),  339. 

HartiDuj,  Ihmds  und  Pank.  Zur  Erinnerung  an  D.  Gustav  Adolf 
Fricke,  Professor  der  Theologie  an  der  Universität  Leipzig,  K.  S. 
Geheimen  Rat,  Domherrn  des  Hochstifts  Meifsen,  Ehrenbürger 
der  Stadt  Leipzig.  Reden,  bei  der  Trauerfeier  am  2.  April  1908 
gehalten.    Leipzig,  J.  C.  Hinrichs.    1908.    18  SS.    8". 

HäußJcr,  0.  Welches  preufsische  rote  Reiter -Regiment  hat  am 
3.  Juli  1866  den  Angrifi  gegen  die  sächsische  Batterie  Hering- 
Göppingen  unternommen?:  Der  Kamerad  XLVI  (1908).  Nr.  38. 
S.  i7f.  ' 

Heyn,  Hiujo.  Johann  Praetorius  [in  Leipzig]  und  seine  Werke.  Ein 
Beitrag  zur  Kuriositätenliteratur:  Zeitschrift  lür  Bücherfreunde XII 
(i9o8'9),  78-87. 

Heldmann,  Karl.  Mittelalterliche  Volksspiele  in  den  thüringisch- 
sächsischen Landen.  (Neujahrsblätter.  Herausgegeben  von  der 
Historischen  Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzog- 
tum Anhalt.    32.)    Halle  a.  S.,  Otto  Hendel.    1908.    58  SS.    8". 

Hennüj ,  Gustav.  Zehn  Jahre  Bibliothekarbeit.  Geschichte  einer 
Arbeiterbibliothek  [Leipzig-  Plagwitz -Lindenau-Schleufsig].  Ein 
Wegweiser  für  Bibliotheksverwaltungen.  Leipzig,  Buchdrvickerei 
A.-Ct.    1908.    (II),  39  SS.    Mit  2  Taff.    8". 

Hiß,  Adol2}h,  Nachfolger.  Sammlung  Erbstein.  Nachlafs  des  -j-  Herrn 
Geh.  Hofraths  Dr.  Richard  Julius  Erbstein,  Director  des  Königl. 
Münzcabinets,  des  Grünen  Gewölbes  und  der  Porzellan-Sammlung 
zu  Dresden  ...  I.  Abteilung:  Italienische  und  deutsche  Renaissance- 
Medaillen  . .  .  Frankfurt  am  Main,  Druckerei  von  August  Osterrieth. 
1908.    (VI)    116,3  SS.    Mit  20  Taff.    4».    (Darin  S.  44- 63 :  Sachsen.) 

Hiller.  Zur  Erinnervmg  an  die  Wassersnot  in  Penig  vor  50  Jahren, 
31.  Juli  bis  2.  August  1858:  Beilage  zum  Penig- Bornaischen  und 
Frohburger  Tageblatt     1908.    Nr.  178. 

Hoffmann,  Walter.  Aus  der  Geschichte  des  Königl.  Gymnasiums  zu 
Würzen  bis  Ostern  1908.  Beilage  zum  Programm  des  Königl. 
Gymnasiums  zu  Würzen,  Ostern  1908.  Würzen,  Druck  von  Gustav 
Jacob.    1908.    XV  SS.    4". 

Jacob,  Karl.  Der  Malberg  bei  Grofs-Pötzschau,  ein  Zeuge  aus 
slavischer  Zeit:  Der  Leipziger  III  (1908).  449 f.  Mit  5  Abb. 

Jädiclce,  Adolf.  Elisensruhe.  Historische  Erinnerungen  eines  alten 
Dresdners:    Dresdner  Anzeiger.    1908.    Nr.  190.    S.  2! 

Jcclit,  Richard.  Franz  Gareis,  ein  Oberlausitzer  Maler:  Nieder- 
schlesische  Zeitung.    1908.    Nr.  40. 

John,  Alois.  Egerer  Studenten  an  der  Leipziger  Universität  (141 3  — 
1556).    Eger,  Selbstverlag.    1907.    14  SS.    8". 


^8  2  Literatur. 

Jordan.  Neuere  Literatur  über  Pfeifer  und  Münzer:  Zeitschrift  des 
Vereins  für  Kirchengeschichte  in  der  Provinz  Sachsen  IV  (1907), 
146 — 156. 
Kalkoff' ,  Paul.  Aleander  gegen  Luther.  Studien  zu  ungedruckten 
Aktenstücken  aus  Aleanders  Nachlafs.  Leipzig  und  New  York, 
Rudolf  Haupt.  1908.  VI,  162  SS.  8°. 
Keller,  J.  Das  Armenrecht  im  Königreich  Sachsen  enthaltend  das 
Gesetz  über  den  Unterstützungswohnsitz  vom  6.  Juni  1870  in  der 
Fassung  vom  30.  Mai  1908  mit  Erläuterungen  nebst  den  damit  in 
Verbindung  stehenden  Reichsgesetzen  über  die  Freizügigkeit  und 
den  Erwerb  und  Verlust  der  Staatsangehörigkeit  sowie  der  ein- 
schlagenden Sächsischen  Gesetzgebung.  Handausgabe.  (Juristische 
Handbibliothek.  Herausgeber:  Max  Hallbauer,  W.  Scheicher. 
Band  281.)  Leipzig,  Rofsberg.  1908.  XII,  332  SS.  8". 
Kern ,  Otto  und  Else.  Carl  Otfried  Müller.  Lebensbild  in  Briefen 
an  seine  Eltern  mit  dem  Tagebuch  seiner  italienisch-griechischen 
Reise.  Mit  3  Bildnissen  und  i  Faksimile.  Berlin,  Weidmann.  1908. 
XVL  401  SS.  8".  (S.  40— 51:  Aufenthalt  in  Dresden.) 
Klein,  Eberhard.  Carola,  Königin-Witwe  von  Sachsen.  Ein  kurzes 
Lebensbild.  Freiburg  i.  B.,  Charitas -Verlag.  1908.  36  SS.  Mit 
Abb.    8".  '^  ^  . 

Kloß,  B.  Sächsisches  Landesprivatrecht.  (Das  bürgerliche  Recht 
des  Deutschen  Reichs  und  Preufsens.  Von  Heinrich  Dernburg. 
Ergänzungsband  III.)  2.,  neu  bearbeitete  und  erweiterte  Auflage. 
Halle  a.  d.  S.,  Buchhandlung  des  Waisenhauses.  1908.  XIV, 
477  SS.  8". 
König,  Albin.  Der  Brauch  des  Maibaumes  in  Leipzig.  Historisch- 
nationalökonomisch  betrachtet:  Wissenschaftliche  Beilage  der 
Lpz.  Ztg.  1908.  Nr.  23. 
Kör)ier,    Otto.     Die  Maschinengewehr -Kompanien  der  K.  S.  Armee: 

Der  Kamerad  XLVI  (1908).    Nr.  37.    S.  lof. 
Köttig.    Fünf  Jahre  Daktyloskopie  in  Sachsen:   Archiv  für  Kriminal- 
Anthropologie  und  Kriminalistik  XXX  (1908),   155 — 162. 
Krebs,    Kurt.     Sächsische    Kriegsnot   in    den  Jahren   1806  bis   1815. 
Gesammelte  Aufsätze  und  Urkunden  aus  dem  Archiv  der  Leipziger 
Kreisstände.  (Neue  [Titel-] Ausgabe  von:  Vor  100  Jahren.)  Leipzig, 
Teutonia-Verlag    (1908.)   XU,  243  SS.    Mit  3  Vollbildern.    8». 
„  Landgemeinde-Siegel  in  der  Leipziger  Pflege  vor  hundert  Jahren: 

Leipziger  Tageblatt.    1908.    Nr.  24. 
„  Der    ehemalige    Ratsherr    Dr.   Stephan    Karl    Richter    über    die 
Wirksamkeit  der  Leipziger  Kreisdeputation  in  den  Kriegsjahren 
1806  bis  1810:  ebenda  Nr.  25.  32. 
„  Dewitz    bei    Taucha    zur     Zeit    des     Dreifsigjährigen    Krieges: 
Leipziger  Stadt-  und  Dorfanzeiger.    1908.    Nr.  96. 
Kroker,  Ernst.   Leipzig    Buchschmuck  und  (7)  Original-Lithographien 
von  Bruno  He^roux.    (Stätten  der  Kulttir.    Eine  Sammlung  künst- 
lerisch ausgestatteter  Städte- Monographien.     Herausgegeben  von 
Georg  Biermann.  Band  5.)  Leipzig,  Klinkhardt  &Bierraann.  (1908.) 
IV,  144  SS.    8". 
Krüger,    Faul.     Das    Institutum  Delitzschianum    in  Leipzig:    Neues 

Sächsisches  Kirchenblatt  XV  (1908),  213  —  216. 
Landmann,  0.    Bach-Porträts:  Die  Musik  XXVII  (1907/08),  216  —  228. 
Lange,   0.     Eine    Wanderung   auf  den  Auersberg,  Fichtelberg  und 
den     böhmischen    Keilberg    vor     54  Jahren:    Glückauf    XXVIII 
(1908),  38f. 


Literatur.  383 

Langer,  Erich.  Thalheim  im  Erzgebirge:  Sachsenpost  II  (1908). 
Nr.  86.    S.  7f.    Mit  2  Abb. 

Laue,  M.  Sachsen  und  Thüringen:  Jahresberichte  der  Geschichts- 
wissenschaft XXIX,  1906  (1908),  II,  163  —  206. 

Landsberger,  Franz.  Wilhelm  Tischbein.  Ein  Künstlerleben  des 
18.  Jahrhunderts.  (Bücher  der  Kunst.  Hand  III.)  Leipzig, 
Klinkhardt  &  Biermann.    1908.    VI,  221  SS.    Mit  18  Taff.    8«. 

Lehmann,  A.  Das  Dismembrationswesen  in  Sachsen  unter  besonderer 
Berücksichtigung derMitwirkungdesGrundbuchrichters.  (Juristische 
Handbibliothek.  Band  269.)  Leipzig,  Rofsberg.  1908.  VI,  161  SS. 
Mit  I  Taf.    8". 

Liehe,  G.  Ein  kursächsischer  Bericht  über  die  Magdeburger  Herren- 
messe 1687:  Geschichtsblätter  für  Stadt  und  Land  Magdeburg 
XLII  (1907),  230 — 239. 

Liebscher,  Arthur.  Die  sächsischen  Kantorei gesellschaften.  Ein  Bild 
aus  der  Blütezeit  evangelischer  Kirchenmusik:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntag.s-Beilage.  1908.  Nr.  35.  —  Der  Kirchenchor  XIX  {1908), 
85—90. 

Lindner.  R.  Ein  ausgestorbener  Osterbrauch  aus  Dresdens  Nähe: 
Mitteilungen  des  Vereins  für  Sachs.  Volkskunde  IV  (1908),   353f. 

Lingke,  A.  Zur  Zweihundertjahrfeier  des  7.  (K.  S.)  Infanterie-Regi- 
ments König  Georg  Nr.  106  und  des  8.  (K.  S.)  Infanterie-Regiments 
Prinz  Johann  Georg  Nr.  107  (2,  Juni  1908):  Dresdner  Anzeiger. 
1908.    Nr.  150.    S  471". 

Löber,  Georg.  D.  Dr.  Richard  Löber,  Oberkonsistorialrat  und  evan- 
gelischer Hofprediger  in  Dresden.  Ein  Lebens-  und  Charakter- 
bild. Durchgesehener  Sonderabdruck  aus  dem  Sächsischen  Kirchen- 
und  Schulblatt  [1908.  Sp.  289 — 296.  305 — 311.  321  —  329.  357 — 342. 
353  —  360].  Mit  Porträt  und  Faksimile  Richard  Löbers.  Leipzig, 
Dörffling  &  Franke.    1908.    58  SS.    8". 

M.,G.    Schlofs  Lichtenwalde:  Dresdner  Anzeiger.  1908.  Nr.  114.  S.  sf. 

Markgraf.     Der  Lobetanz  in  Sachsen:  Mitteilungen  des  Vereins  für 
Sachs.  Volkskunde  IV  (1908),  309  -311. 
„  Zur  Geschichte  der  Dorfordnungen:  ebenda  3 16 f. 
„  Zur  Frage  des  Backofenzwanges  in  Sachsen:  ebenda  349—353. 

Markgraf,  liichard.  Wie  man  früher  Alumnus  der  Thomasschule  in 
Leipzig  wurde:  Der  Leipziger  III  (1908),  973! 

März,  Christian.  Berg  und  Tal  der  Heimat.  Geologisch-geographische 
Wanderungen  in  der  Amtshauptmannschaft  Löbau.  Im  Auf- 
trage des  Pädagogischen  Vereines  zu  Löbau.  2.  veränderte 
Autlage.    Löbau,  J.'G.  Walde  (Woklemar  Marx».    1908.    79  SS.    8". 

Maude,  F.  N.  The  Leipzig  Campaign,  181 3.  London,  Sonnenschein. 
1908.  312  SS.    8". 

Meiche,  A.  Ahornbusch  und  Silbergrund.  Historische  Streiflichter 
über  unsern  Festort  [Mohorn] .  Über  Berg  und  Tal  XXXI  (1908), 
322-324.    Mit  Abb. 

Menne.  Ernst  Edler  von  der  Planitz:  Die  Bücherwelt  V  (1908).  Nr.  9 — 12. 

Mentz,  Georg.  Johann  Friedrich  der  Grofsmütige  1503 — 1554.  2.  Teil: 
Vom  Regierungsantritt  bis  zum  Beginn  des  Schmalkrddischen 
Krieges.  3.  Teil;  Vom  Beginn  des  Schmalkaldischen  Krieges  bis 
zum  Tode  des  Kurfürsten.  Der  Landesherr.  Aktenstücke.  Namens 
des  Vereins  für  Thüringische  Geschichte  und  Altertimiskunde 
herausgegeben  von  der  thüi'ingischen  historischen  Kommission. 
(Beiträge  zur  neueren  Geschichte  Thüringens.  Bandl.)  Jena,  Gustav 
Fi.scher.    1908.    XXVI,  562;  X,  602  SS.' 8». 


284  Literatur. 

Mtusel,  H.  Dr.  Johann  von  Staupitz  in  seinen  Beziehungen  zu  Luther: 
Sächsisches  Kirchen- und  Schulblatt.    1908.   Sp.  417 — 422.   433 — 437. 

Mirbt,  C.  Die  Landeskirche  des  Königreichs  Sachsen  und  die  Aus- 
lands-Diaspora: Deutsch-Evangelisch  im  Auslande  VII  (1908).  Heft  8. 

31irus,  Karl  Adolf.  ]\Iein  Lebenslavif.  Mit  einem  Nachwort  heraus- 
gegeben von  Karl  Vollmöller.  Leisnig,  Haus  Minis.  (Dresden, 
H.  ßurdach.)  1908.  22  SS.  8".  Auch  in:  Wapler'sches  Familien- 
blatt.   Nr.  36  (1908),  582-600. 

Alituchke,  M  Ein  sächsisches  Sanssouci  im  Kgi.  Sächsischen  Mark- 
graftum  Oberlausitz  [Schlots  Neschwitz]:  Dresdner  Neueste  Nach- 
richten.   1908.    Nr.  100.    S.  2  f. 

MörtzKch,  Otto.  Michael  Bapst  von  Rochlitz,  Pfarrer  zu  Mohorn: 
Über  Berg  und  Tal  XXXI  (1908),  326 — 329. 

MoscIiliaH,  A.  Alte  Gerichts-  und  Richtersvmbole.  (Gerichtsstab, 
Richterstab,  Gerichtshand  und  Gebotskeule.)  Unter  besonderer 
Berücksichtigimg  des  Bezirkes  Reichenberg,  Nordböhmens  und 
der  angrenzenden  sächsischen  Landesteile.  O.  O.  u.  J.  (1908.) 
19  SS.  "8". 

Müller,  Gurt    Leipziger  Karzer-Erinnerungen:  Der  Leipziger  III  (1908), 
524 — 526.    Mit  5  Abb. 
„  Schneider  und  Schuster  im  sächsischen  Kinderliede:  Wissenschaft- 
liche Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  26. 

Müller,  Georg.  Neue  Literatur  zur  Gescliichte  der  Wettiner  Fürsten: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  21. 

Müller,  J.  Th.  Über  eine  Inquisition  gegen  die  Waldenser  in  der 
Gegend  von  Altenburg  und  Zwickau:  Zeitschrift  für  Brüder- 
gescliichte  II  (1908),  75—88. 

Miic}ich,  Hugo.  Machine-made  Lace  Industry  in  Europe:  Plauen, 
Germanv:  House  Documents.  59  th  Congress,  i  st  Session.  Vol.  55. 
(Washington  1905.)  DocumentNr.  164.  S.  19—27.  Mit  9  Taif.  u.  Abb. 

Käcke,  P.  Beiträge  zur  Kundensprache  im  Königreich  Sachsen:  Archiv 
für  Kriminal- Anthropologie  und  Kriminalistik  XXIX  (1908),   98 f. 

Nuiimaun,  Hermann.  Bericht  des  Zweig  Vereins  Bautzen  über  die 
\'ereinsjahre  1902  bis  1904  (mit  Verzeichnis  der  Ausgrabungen): 
Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  L^rgeschichte 
der  Oberlausitz  II  (1905  06),  64 — 77.  156 — 159. 

Ndle,  Wilhelm.  Sebastian  Bach  und  Paul  Gerhardt:  Bach -Jahr- 
buch IV  (1907),  II — 31. 

meclcs,Fr.  The  Sons  ofT- S.Bach:  W.  Friedemann  Bach.  II:  Monthly 
Musical  Record  XXXVIII  (1908).    Nr.  447- 

Xitzsche,  G.  Die  königlich  sächsische  Landes-Erziehungs-Anstalt  für 
schwachsinnige  Kinder.  Mit  10  Bildern  und  5  Plänen.  Chemnitz, 
C.  Winter.    1907.    112  SS.    8". 

Pallas,   Karl.     Briefe   und   Akten  zur  Visitationsreise    des  Bischofs 

Johannes  VII.  von  Meilsen  im  Kurfürstentum  Sachsen  1522:  Archiv 

für  Reformationsgeschichte  V^  (19081,  217 — 312. 

,,   Die  Superintendenturen  des  Kurkreises:    Zeitschrift  des  Vereins 

für  Kirchengeschichte  in  der  Provinz  Sachsen  III  (1906),  88—129. 

Pankow,  Hana.  Adam  Ries,  der  sächsische  Rechenmeister:  Sachsen- 
post II  (1908).    Nr.  79.    S.  3 — 5. 

Pasig,  Paul.  Richard  Wagner  als  Leipziger:  Leipziger  Neueste 
Nachrichten.    1908.    10.  Februar. 

Petzsch.  Die  Denkmäler  in  dem  Plauenschen  Grunde  und  seiner 
UniLieliung.  Potschappel,  Druck  ^on  Clemens  Landgraf  Nachf. 
1908.    49  SS.    80. 


Literatur.  385 

Pfau,  W.  Khwcnt^.  Beiträge  zur  Familienchronik  von  Johannes 
Mathesius :  Jahrbuch  der  Gesellschaft  für  die  Geschichte  des 
Protestantismus  in  Österreich  XXIX  (1908),  163 — 171. 

l'fi'it:e-  Grottttcitz ,  Arno.  Die  Entwicklung  der  Industriebetriebe  im 
KöniiiTeich  Sachsen:  Jahrbücher  für  Nationalökonomie  und 
Statistik.    3.  Folge.    XX'XVI  (1908),  232—238. 

I^ilk,  Georg.  Die  Hermhuter  Diasporagemeinde  zu  Neukirch:  Sachsen- 
post II  (1908^  ^r.  79.  S.  1-3.  K'r.8o.  S.  i— 3.  Nr.  81.  S.  1-4. 
Nr.  82.    S.  2—4.    Nr.  83.    S.  1—3. 

Pökle,  J'aul.  Landeskunde  vom  Königreiche  Sachsen.  Eine  praktische 
Einführung  in  die  Methodik  des  erdkundlichen  Unterrichtes.  Mit 
vielen  Bildern,  Skizzen  und  Karten.  Leipzig,  J.  Klinkhardt.  1908. 
184  SS.    8«. 

Posse,  Otto.  Die  Siegel  des  Adels  der  Wettiner  Lande  bis  zum 
Jahre  1500.  Im  Auftrage  der  Königlich  Sächsischen  Staatsregierung 
herausgegeben.  III  Sand.  Buchstaben  D  bis  Hen.  Mit  i  Karte. 
Dresden,  Wilhelm  Baensch.    1908.    IX,  141  SS.    Mit  53  Tafif.    4°. 

Prasse.  Zur  Geschichte  des  Bergbaues  im  Sächsischen  Erz2:ebiTge: 
Glückauf  XXVIII  (,1908^  53—55. 

{Prnmcrs,  Adolf.  Berühmte  Thomaskantoren  und  ihre  Schüler 
(Musikalisches Magazin.  Herausgegeben  von  Ernst  Rabich.  Heft2o.) 
Langensalza,  H.  Beyer  &  Söhne.    1908.    23  SS.    S''. 

Radyserb,  Ja».  Der  Teufel  im  Sprichworte  der  Oberlausitzer Wenden. 
(In  deutscher  Übersetzung  und  alphabetischer  Anordnung):  Mit- 
teilungen des  Vereins  für  Sachs.  Volkskunde  FV"  (1908),  311 
bis  314. 

Hekhel.  Eugtn.  Gottsched,  i.  Band  Mit  dem  Bildnis  Gottscheds  aus 
seinen  ersten  Mannesjahren,  den  Abbildungen  seines  Juditter 
Geburts-  und  Leipziger  Wohnhauses  und  dem  Bildnis  der  jungen 
Gottschedin.     Berlin,    Gottsched -Verlag.    1908.    XIIL  760  SS.  "8". 

Etinhardt.  Augttst.  Aus  verklungenen  Tagen  [Erinnerungsstätten  an 
der  Elbe  oberhalb  Dresden]:  Dresdner  Anzeiger.  Sonntags- 
Beilage.    1908.    Nr.  20. 

Richter,  Biuihard  Friedrich.  Stadtpfeifer  und  Alumnen  der  Thomas- 
schule in  Leipzio"  zu  Bachs  Zeit:  Bach-Jahrbuch  IV  (1907),  32 
bis  78. 

Richter.  Otto.  Dresdens  Bedeutung  in  der  Geschichte:  Bericht  über 
die  10.  Versammlung  deutscher  Historiker  zu  Dresden  3.  bis 
7.  September  1907.   Leipzig,  Duncker  &  Humblot.    1908.    S.  10 — 13. 

Rcfh,  F.  Der  oftizielle  Bericht  der  von  den  EvangeHschen  nach 
Regensl  urg  \'erordneten  1 546  :  Arcl  iv  für  Reformationsgeschichte 
V  ("1908),  1  —  30.  375—397- 

JSoar,  Gert.  Ein  neuaufgefundener  Rest  altgermanischer  Spruch- 
poesie [aus  Sachsen]:  Dresdner  Anzeiger.  Sonntags -Beilage. 
1908.    Nr.  27. 

Seh.  Die  alte  Brücke  in  Dresden:  Wissenschaftliche  Beilage  der 
Lpz.  Ztg.    1908.    Nr.  19. 

Scheffel.  Zur  Erbauung  der  Westtürme  am  MeifsnerDom:  ebenda 
Nr.  36.  ^ 

Schcuwauit.  A.  Richard.     Das  erste  Deutsche  Sänger- Bundesfest  in 
Dresden  1865:    Festzeitung   zum  Vil.  Deutschen  Sänger- Bundes- 
fest Breslau  1907.    S.  42!'.  70 — 72.    Mit  i  Abb. 
„  Die  sächsischen  Männer^esang-feste  zu  Dresden   1842   und    1843: 
Die  Sängerhalle  XLVIirCigoSl.    Nr.  11. 


386  Literatur. 

[SchirUtz.]  Das  neue  Realgymnasium  auf  dem  alten  Ratsweinljerge 
zvi  Meifsen.  Beilage  zum  Jahresberichte  des  Realgymnasiums  mit 
Realschule.  Meifsen,  Druck  von  C.  E.  Klinkicht  &  Sohn.  1908. 
20  SS.    Mit  3  Taff.    4". 

Schmidt,  Erntit  Oswald.  Die  St.  Annenkirche  zu  Annaberg.  Ein 
Führer  durch  ihre  Geschichte  und  ihre  Kunstdenkmäler.  Im  Auf- 
trage des  Kirchenvorstandes  vertatst.  Mit  24  Lichtdruck-Taft,  und 
43  Text-Abb.    Leipzig,  ß.  G.  Teubner.    1908.    XII,  200  SS     4°. 

Schmidt,  Fritz.  Ein  vergraljener  Brief  Goethes  [in  Schönhöhe  bei 
Dittersbach] :  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.  1908. 
Nr.  21. 

Schmidt,  Hermann.  Prähistorisches  aus  der  Oberlausitz:  Sächsischer 
Postillon.    1907.    Beilage  zu  Nr.  286. 

V.Schmidt,  James.  Die  Dresdener  Corregiomagdalena  —  eine  Kopie 
von  Albani?:  Repertorium  für  Kunstwissenschaft  XXXI  (1908),. 
241 — 243. 

Schmidt,  Otto  Eduard.  Der  alte  Burckhardt.  Eine  Skizze  aus  dem 
Erzgebirge:  Die  Grenzboten  XL VII  (1908).    Nr.  24. 

Schmidt,  Walther  L.  Die  Brüdergemenie  und  ihre  Werke.  Herrnhut, 
Missionsbuchhandlung.    1908.    24  SS.    Mit  Abb.    8". 

Schneider,  Max.  Zwei  ungedruckte  Lieder  des  Kurfürsten  Johann 
Friedrich  des  Grofsmütigen  und  des  Kurfürsten  Moritz  von  Sachsen. 
Aus  einer  Gothaer  Handschrift  herausgegeben:  Mitteilungen  der 
Vereinigung  für  Gothaische  Geschichte  und  Altertumsforschung. 
Jahrgang  1906/07.  S.  78  — 82 

Schorlcr,  B.  Die  Teiche  des  Erzgebirges:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  25. 

Schotteiildher,    Karl.     Die    Druckschriften    der    Pack'schen    Händel: 
Zentralblatt  für  Bibliothekswesen  XXV  (1908),  206  —  220.  255—259. 
„  Bamberg  und   die  Pack'schen  Händel:    65.  Bericht  und  Jahrbuch 
1907  des  historischen  Vereins  zu  Bamberg.    S.  125 — 158. 

Schubert,  Alfred.  Der  Pillnitzer  Jagdweg:  Über  Berg  und  Thal  X.KXI 
(1908),  303—305.    Mit  4  Abb.^ 

Schumann,  Faul.  Grüna  i.  Sa.  und  Umgebung:  Sachsenpost  II 
(1908).    Nr.  79.    S.  7—9.    Nr.  80.    S.  yf.    Mit  Abb. 

Schurig,  E.     Ein  Jubiläum  der  sächsischen  Eisenbahnuniform:    Der 
Kamerad  XLVI  (1908).    Nr.  29.    S.  11  f.    Nr.  30.    S.  17  f 
,,  Der  Parademarsch  des  Königl. Sachs,  i.  (Leib-)Grenadier-Regiments 
Nr.  100  (1828—1908):  ebenda  Nr.  34.    S.  i  f.  • 

Schwabe,  E.  Studien  zur  Entstehungsgeschichte  der  kursächsischen 
Kirchen-  und  Schulordnung  von  1580.  Mit  2  Abb.  (Schlufs):  Neue 
Jahrbücher  für  das  klassische  Altertum.  Geschichte  und  deutsche 
Literatur  und  für  Pädagogik  XXII  (1908),  272 — 292.  313 — 342. 

Sebaldt,  Otto.  Dresdner  Galerie-Führer.  1.  Heft.  Dresden,  Kaden  &  Co 
(1908.)    79  SS.    Mit  17  Taff.    8«. 

V.  Seidlitz,  Woldemar.  Dresdner  Kunst  1800 — 1850:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1908.    Nr.  32. 

Senf,  Max.  Die  Geschlechtsfolge  der  Familie  Cranach:  Viertel- 
jahrsschrift für  Wappen-,  Siegel-  und  Familienkunde  XXXVI 
(1908),  214—223. 

Seydel ,  Paul.  Geschichte  des  Rittergutes  und  Dorfes  Liml^acli  in 
Sachsen.  Nach  Urkunden  bearbeitet.  Mit  in  den  Text  gedruckten 
Adelswappen  und  Siegeln,  sowie  Plänen  und  Abbildungen  als 
besonderen  Beilagen.  Dresden,  von  Zahn  &  Jaensch.  1908. 
XVIII,  491  SS.    8'^ 


Literatur.  387 

Seyffert,  0.  Frohbur^er  und  Kohrener  Töpfereien:  ^Mitteilungen  des 
Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1908),  354 — 356. 

Siedel,  Ernst.  Wie  einer  jung  war  und  jung  blieb.  Lebenserinnerungen 
eines  alten  Seelsorgers  Aus  seinem  Nachlafs  herausgegeben 
und  ergänzt  von  A.  Volck.  Mit  mehreren  Abb.  Dresden,  C.Ludwig 
Ungelenk  (Justus  Naumann).    1908  (IV).    165  SS. 

Sim.  Hege-  oder  Jagdsäulen:  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs. 
Volkskunde  IV  (1908),  318  —  321. 

Skol'c,  H.  Geschichtliches  über  das  Quellgebiet  der  Neunzehnhainer 
Talsperre:  Wissenschaftliche  Beilage  der  (Chemnitzer)  Allgemeinen 
Zeitung     1907.    Nr.  27!    42  f.    1908.    Nr.  26  f. 

Smolian.  Arthur.   Die  Enthülkuig  des  Bachdenkmals  und  das  Bachfest 
(15.  bis  18.  Mai)  in  Leipzig:   Die  Musik  XXVII  (1907/8),    349  —  352. 
„Johann  Sebastian  Bach:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg. 
1908.    Nr.  20. 

SommerfeMt,  Gustav.  Ein  Brief  der  Kurfürstin  Anna  von  Sachsen 
über  ihre  Reise  nach  Berlin,  Ende  Februar  1581:  Forschungen 
zur  Brandenburgischen  und  Preulsischen  Geschichte  XXI  11908), 
217 — 219. 

Stange,  B.  Die  Parthe:  Der  Leipziger  III  (1908),  263 — 265.  291 — 294. 
320 — 322.    Mit  Abb. 

Straube,  Otto.  Die  höchsten  Siedelungen  des  sächsisch -böhmischen 
Erzgebirges.  (Leipziger  Diss.)  Bischofswerda,  Druck  von  Paul 
Klepsch.    (1906.)    (III),  109  SS.    8". 

V.  d.  Trenck,  H.  Das  Frauenheim  Tobiasmühle  bei  Radeberg.  Mit 
4  Bildern.  (Stätten  und  Werke  der  inneren  Mission  im  Königreich 
Sachsen.  In  Einzelschilderungen  herausgegeben  vom  Landes- 
verein für  innere  Mission  der  evangelisch-lutherischen  Kirche  im 
Königreich  Sachsen.  Heft  i.)  Dresden,  Niederlage  des  \'ereins 
zur  Verbreitung  christlicher  Schriften.    1908.    16  SS.    8". 

Tzschirner,  F.  M.  Heinrich  Gottlieb  Tzschirner  (Leipziger  Theolog'): 
Realen cyklopädie  für  protestantische  Theologie  vmd  Kirche  XX* 
(1908),  178  —  182. 

TJhluj.    Vom  Frohnauer  Hammer:  Dresdner  Anzeiger.    Sonntags-Bei- 
lage.   1908.    Nr.  17. 
Volck,  A.      Ein  treuer  Veteran   unserer   Kirche  (Kirchenrat  Siedel): 

Der  alte  Glaube  IX  (1908).    Nr.  24. 
W.    Die  Kurfahne  auf  dem   Sächsischen   Hause   des  Ausstellungs- 
parkes 1908:  Dresdner  Anzeiger.    1908.    Nr.  135.    S.  2. 
Wagner ,   Faul.     Die   geologische   Übersichtskarte    des  Königreichs 
Sachsen:  Mitteilungen  des  Vereins  für  Erdkunde  zu  Dresden  VII 
(1908),  130—145. 
Wagner,  Theodor.    Geschichte  des  königlich  sächsischen  8.  Infanterie- 
I^egiments  „Prinz  Johann  Georg"  Nr.  107  1867 — 1908.    Nebst  einer 
tabellarischen     Zusammenstellung     der     wichtigsten     Ereignisse 
1708  — 1908.     Unter  Zugiamdelegimg  amtlicher   Quellen  im  Auf- 
trage    des    Regiments     zusammengestellt.      Jubiläums -Ausgabe. 
3.  verbesseite  und  vermehrte  Auflage.     Mit    2  Lichtdruck -Taff., 
3    Skizzen   und    i    Übersichtskarte.     Leipzig,    Dürr.     1908.     XII, 
340  SS.    8". 
Walde,  H.    fubiläums-Ran^liste  für  das  8.  Königl.  Sächs.  Infant. -Regt. 
„Prinz  Johann  Georg"  Nr.  107.    Festgabe  zum  200jährigen  Regi- 
mentsjubiläum   2.    |uni    1908.     Leipzig,    Gebr.  Gerhardt.     (i':o8.) 
77  SS.    8».  ^ 


5  88  Literatur. 

Wdpphr,  Paul.  Tliomas  Münzer  in  Zwickau  und  die  „Zwickauer 
Propheten".  Wissen.schaftliche  Beilage  zu  dem  Jahresberichte 
des  Realgymnasiums  mit  Realschule  zu  Zwickau.  Ostern  1908. 
Zwickau,  Druck  von  R.  Zückler.    1908.    43  SS.    4°. 

Weidemülhr,  Otto  Landeskunde  des  Königreiches  Sachsen.  Leipzig, 
Julius  KUnkhardt.    (1908.)   48  SS.    8°. 

Weißhach,  Friedrich.  Wirtschaftsgeographische  Verhältnisse,  An- 
siedlungen  und  Bevölkerungsverteilung  im  mittleren  Teile  des 
sächsischen  Erzgebirges.  Mit  2  Karten.  (Forschungen  zur  deutschen 
Landes-  und  Volkskunde,  im  Auftrage  der  Zentralkommission  für 
wissenschaftliche  Landeskunde  von  Deutschland  herausgegeben 
von  Fr.  G.  Hahn.  17.  Band.  Heft  3.)  Stuttgart,  J.  Engelhoni. 
1908.    142  SS.    8". 

V.  Wcicli  und  Fink.  Zur  Erhaltung  des  Frohnauer  Hammers:  Mittei- 
lungen des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1908),  322 — 324. 

Werner,  Arno.    Die  sächsischen  Kantoreien  (Ein  Wort  zur  Abwehr): 
Sammelbände  der   Internationalen   Musikgesellschaft  IX   (1907/8), 
628-633. 
„  Nachrichten  über  Johann  Samuel  Schein:  ebenda  634. 

Werner,  Jacob.  Ein  Brief  Friedrichs  des  Freidiojen  an  König  Enzio 
vom  Jahre  1270:  Neues  Archiv  der  Gesellschaft  für  ältere  deutsche 
Geschichtskunde  XXXIII  (1908),  535-538. 

WctzeJ,  Paul.  Die  Genesis  des  am  4.  April  181 3  eingesetzten  Zentral- 
Verwaltungsrates  und  seine  Wirksamkeit  bis  zum  Herbst  dieses 
Jahres.  Mit  Benutzung  archivalischer  Quellen  dargestellt.  (Diss.) 
Greifswald,  Druck  von  Hans  Adler.    1907.    110  SS.    «^ 

Wilhelm,  B.  Aberglaube  in  der  Oberlausitz:  Mitteilungen  des  Vereins 
für  sächs.  Volkskunde  IV  (1908),  314—316. 

Witkotcski.  Verzeichnis  der  im  Verlage  der  verwitweten  Solbrigin 
zu  Leipzig  herausgekommenen  Volkslieder,  welche  anbefohlener- 
massen  zur  Censur  gelangt  sind.  Anno  1802:  Mitteilungen  des 
Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1908),  299—309. 

Wvnschmann,  Max.  Über  das  Aufkommen  der  völlig  unzutreffenden 
Bezeichnung  ,, Sächsisches  Sibirien"  für  unser  Erzgebirge  und  des 
Namens  „Das  Erzgebirge":  Annaberger  Wochenblatt.  1908. 
Nr.  157.     Beilage. 

Wudmann,  Gustav.  Kleine  Chronik  von  Leipzig.  Leipzig,  Georg 
Merseburger.    1908.    20  SS.    8". 

Z.,  A.  Aus  der  Geschichte  der  Dresdener  Bäcker:  Sachsenpost  II 
(1908).    Nr.  85.    S.  9f. 

Zech,  O.skar.  Heimische  Bauweise  in  Sachsen  und  Nordböhmen. 
507"  Abbildungen  nach  photographischen  Original-Aufnahmen  des 
Verlegers  Konrad  Klemm,  Firma  Max  Fischer,  Photograph  in 
Dresden.    Dresden,  G.  Kühtmann.    1908.    VII,  168  SS.    4". 

Zemmrich,  J.  Die  älteste  Bevölkerung  des  Vogtlandes:  Kalender 
für  das  Erzgebirge  und  das  übrige  Sachsen  V  (1919),  27 — 29. 

Zimmer,  Max  Johann  Ludewig,  der  gelehrte  Bauer  von  Cossebaude 
17M  — 1760.  Dresden,  C.  Lvidwig  Ungelenk  (justus  Naumann). 
1908.    104  SS.     Mit  Abb.    8". 

Zimmermann,  Ernst.  Die  Erfindung  und  Frühzeit  des  Meifsner 
Porzellans.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  deutschen  Keramik. 
Mit  I  Farbentafel  und  iii  Abbildungen  im  Text.  Berlin,  Georg 
Reimer.     1908.    XXV,  328  SS. 


Literatur. 


389 


Zipfel,  Aiujust.  „Die  Mägdgenschule  he}-  der  Badstube"  zu  Dresden — 
jetzt  II.  Bezirksschule  —  1708  bis  1908.  Jubelfestschrift  zum  16.  April 
1908.  Ein  Beitrat^  zur  Geschichte  des  Dresdner  Volksschulwesens. 
Dresden,  Buchdruckerei  der  Dr.  Güntzschen  Stiftuno;.  (1908.) 
SS  SS.    8". 

Bach-Fest  anläfsHch  der  Enthülluno-  des  Bach -Denkmals  in  Leipzig 
16.  bis    18.  Mai  1908.     Fest-  und  Programmbuch.    Leipzig,  Breit- 
kopf &  Härtel.    (1908.)    174  SS.    Mit  f  Taf.    8". 
Ein  Dienstbotenkontrakt  aus  dem  Jahre  1842    [aus  Lützschena 
bei  Leipzig]:  Landwirtschaftlich- Historische  Blätter  VII  (1908),  25^ 

Döbeln:  Sachsenpost  II  (1908).    Nr.  92.    S.  7 — 11.    Mit  Abb. 

Ebersbach  in  der  sächsischen  Oberlausitz:  ebendaNr.  82.  S.  7—10. 
Nr.  83.    S.  7 f.    Mit  Abb. 

Burg  Frauenstein.  Frauenstein,  Verlag  der  Orts^uppe  Frauen- 
stein der  Vereinigung  zur  Erhaltung  deutscher  Burgen.  (1908) 
XXXIX  SS.    Mit  Abb.  und  i  Taf.    4". 

Kurfürst  Johann  Friedrich  von  Sachsen  vor  Duderstadt  auf 
seinem  Zuge  gegen  Herzog  Heinrich  von  Braunschweig  1542: 
Unser  Eichsfeld  II  (1907),  189. 

Katalog  der  Ausstellung  Dresdner  Maler  und  Zeichner  1800— 1850. 
Veranstaltet  vom  Sächsischen  Kunstverein  zu  Dresden  Mitte  April 
bis  Ende  Mai  1908  Brühische  Terrasse.  Dresden,  Druck  von 
C.Heinrich.    (1908.)    56  SS.    8". 

Neue  sächsische  Kirche  ngalerie.  Unter  Mitwirkung  der  sächsischen 
Geistlichen  herausgegeben.  Die  Diözese  Löbau,  bearbeitet  von 
den  Geistlichen  der  Diözese.  III  SS.,  762  Spp.  Mit  Abb.  und  i  Taf. 
Die  Ephorie  Glauchau.  Lieferung  i  bis  6.  Sp.  i — 144.  Die  Ephorie 
Werdau.  Lieferung  1—20.  Sp.  1  bis  498.  Leipzig,  Arwed  Strauch. 
(1.908).    4". 

Grofse  Kunstausstellung  Dresden  1908.  Sonderausstellung.  Kunst 
und  Kultur  unter  den  Sächsischen  Kurfürsten.  Offizieller  Führer. 
Mit  Abbildungen.  Dresden,  Wilhelm  Baensch.  (1908.)  80  SS.  Mit 
I  Plan  und  8  Taff.    8 ". 

Das  Konvikt  an  der  Universität  Leipzig:  Dresdner  Anzeiger.  1908. 
Nr.  203.    S.  5. 

Zum  7sjährigen  Bestehen  der  Pianofortefabrik  von  Alexander 
Bretschneider  in  Leipzig:  Zeitschrift  fürlnstrumentenbauXXVIII 
(1908),  732—734.    Mit  Abb. 

Schlofs  Moritzburg:  Dresdner  Anzeiger.    1908.    Nr.  224.    S.  5. 

Führer  durch  Nossen  und  seine  Umgebung.  Herausgegeben  vom 
Verschönerungs-  und  Verkehrs -Verein.  Nossen,  Druck  von  E. 
Hensel.    (.1908.)    16  SS.    Mit  Abb.    8".    (S.  2 ff.  Geschichtliches.) 

Mundartliche  Formen  sächsischer  Ortsnamen  (Forts,  und  Schlufs): 
Dresdner  Anzeiger.  Sonntags -Beilage.  1908.  Nr.  18.  20  f.  27.  30. 
Sachsenpost  II  (1908).  Nr.  94.  S.  if.  Nr.  95.  S.  i  f .  Nr.  96.  S.  2! 
Nr.  97.    S.  2  f.    Nr.  98.    S.  2. 

Die  Stadt  Riesa:  Sachsenpost  II  (1908).  Nr.  88.  S.  7— 10.  Nr.  89. 
S.  6—10.    Nr.  90.    S.  7 — 10.    Nr.  91.    S.  6—10.    Mit  Abb. 

Sächsische  Schützenaltertümer:  ebenda  Nr.  83.    S.  sf.    Mit  2  Abb. 

Kirchenrat  Dr.  Ernst  Siedel:  Sächsisches  Kirchen-  und  Schulblatt. 
1908.    Sp.  385—391.  401—405. 

Kirchenrat  Dr. Siedel  f :  Allgemeine  evangelisch-lutherische  Kirchen- 
zeitung XLI  (1908),  322—324.  342 — 345. 


OQO  Literatur. 

Treuen  i.V.:  Sachsenpost  II  (1908).  Nr. 99.  S.  6 — 9.  Nr.  100.  S.  6  — 10 
Mit  22  Abb. 

Wapler'sches  Familienblatt.  Vereinsorgan  des  Waplerbundes. 
Leisnig,  Druck  von  Herrm.  Ullrich  (Wölbling  &  Feiste).  1908.  Nr.  36. 
S.  565  —  600. 

Die  Wurzener  Kreuz-  und  Marterwoche  im  Jahre  1637:  Sachsen- 
post II  (1908).  Nr.  87.  S.  if.  Nr.  88.  S.  2f.  Nr.  89.  S.  1—3.  Nr.  90. 
S.  2f.    Nr.  91.    S.  if. 


Blätter  für  die  Geschichte  der  iiächsiachcn  Armee.  1908.  Nr.  4 — 9. 
Inhalt:  E.  Schurig,  Generalleutnant  Ferdinand  von  Funck. 
1761  — 1828.  —  Die  drei  ältesten  Waffenmeister  der  Königl.  Sachs. 
Armee.  — Rochlitz  als  Infanterie-Garnison  (Forts.}.  —  E.  S[churig], 
Generalmajor  Siegmann.  1801 — 1885.  —  Derselbe,  Sächsische 
Offiziere  in  fremden  Kriegsdiensten.  —  Derselbe,  Generalf eld- 
marschaU  Jacob  Heinrich  Graf  von  Flemming,  der  erste  Chef  der 
beiden  Jubel-Regimenter  Nr.  106  und  107. 

Dresdner    (ieschichtahUitter.      Herausgegeben    vom   Verein    für    Ge- 
schichte Dresdens.    X VII.  Jahrgang.    1908.    Nr.  1  —  3. 

Inhalt:  Friedrich  Aster,  Aus  dem  Tagebuche  eines  sächsischen 
Offiziers  1814 — 1815.  —  Paul  Rachel,  Fürstenbesuche  in  Dres- 
den. —  F,  Schnorr  v.  Carolsfeld,  Ernst  Rietschel  und  Julius 
Schnorr. 

Mitteilungen  des  Altertumsverdns  für  Zwickau  und  Umgegend.  Heft  IX. 
Leipzig,  M.  Heinsius  Nachfolger.    1908.    XVI,  219  SS.    8". 

Inhalt:  Paul  Wappler,  Inquisition  und  Ketzerprozesse  in 
Zwickau  zur  Refonnationszeit.  Dargestellt  im  Zusammenhang  mit 
der  Entwicklung  der  Ansichten  Luthers  und  Melanchthons  über 
Glaubens-  und  Gewissensfreiheit. 

Mitttilnnqeii  der  Gesellschaft  fiir  Zittauer  Geschichte.  Nr.  5.  Zittau, 
Buchdruckerei  Richard  Menzel  Nachf.    1908.    48  SS.    8». 

Inhalt:  O.  Sauppe,  Das  „Urbarium"  des  Hospitals  zu  St  Jakob 
in  Zittau.  —  Th.  Gärtner,  Christian  Keimann.  —  Ein  Brief  Hein- 
rich Marschners  an  seinen  Sohn  {1839).  —  G[ärtner],  Die  in 
Wittenberg  von  1539  bis  1572  ordinierten  Zittauer.  —  Aus  dem 
Museum. 

Mitteilunqen  des  Vereins  für  Chemnitzer  Geschichte.  XIV.  Jahrbuch 
für  1906—1908.  Chemnitz,  O.  May.  1908.  VIII,  191  SS.  Mit 
I  Karte.    8°. 

Inhalt:  P.  Uhle,  Die  Besitzergreifung  von  Chemnitz  durch  die 
Wettiner  im  Jahre  1308.  —  Bönhoff,  Die  mittelalterlichen  Land- 
kirchenkreise von  Chemnitz  und  Stollberg  in  ihrer  Bedeutung 
für  die  politische  Geographie.  —  P.  Uhle,  Die  Pest  in  Chemnitz 
(und  Sachsen)  1680.  —  P.  O.  Happach,  Rektor  Friedrich  Liebegott 
Becher.  —  P.  Uhle,  Feier  des  goldenen  Reo;ierungsjubiläums 
Friedrich  Augusts  I.  in  Chemnitz.  —  A.  Lauckner,  „Vertraute 
Gesellschaft",  gegründet  am  10.  Dezember  1758. 


Nachrichten. 


Der  Kgl.  Sächsische    Altertumsverein    machte   am   23.  Mai   eine 

Studienfahrt  nach  Strehla  und  Oschatz.  In  Strehla  wurden  unter 
Führung  des  Oberpfarrers  Dr.  Klemm  die  Kirche  mit  ihrer  interessanten 
tönernen  Kanzel  und  das  leider  im  Innern  nicht  zugängliche  Schlots 
besichtigt.  In  Oschatz  übernahmen  Mitglieder  des  dortigen  Altertums- 
vereins die  Führung  durch  die  Sehenswürdigkeiten  der  Stadt.  Nach 
dem  gemeinschaftlichen  Mittagessen,  das  im  „Goldenen  Löwen"  ein- 
genommen wurde,  unternahm  man  eine  Wagenfahrt  nach  dem 
„Weifsen  Schlosse";  Rechtsanwalt  Schmorl  hielt  einen  Vortrag  über 
die  bisherigen  Ergebnisse  der  Ausgrabungen.  —  Von  den  gröfseren 
Publikationen,  die  der  Verein  in  den  letzten  Jahren  herausgegeben 
hat,  wird  das  von  Wanckel  und  Flechsig  bearbeitete  Werk  „Die 
Sammhmg  des  Kgl.  Sachs.  Altertumsvereins  in  Dresden  in  ihren 
Hauptwerken",  soweit  der  Vorrat  reicht,  zum  ermäfsigten  Preise  von 
8  Mark  abgegeben.  Die  ,, Fürstenbildnisse  aus  dem  Hause  Wettin", 
bearbeitet  von  Jean  Louis  Sponsel,  können  neu  eintretende  Mit- 
glieder des  Vereins  in  je  einem  Exemplare  zum  Preise  von  9  Mark 
beziehen.  In  beiden  Fällen  wolle  man  sich  an  den  Schriftführer  des 
Vereins,  Regierungsrat  Dr.  Lippert,  wenden.  —  Von  dem  im  Auftrage 
des  Vereins  für  Sächsische  Volkskunde  von  Oskar  Seyffert  heraus- 
gegebenen Werke  „Von  der  Wiege  bis  zum  Grabe"  hat  E.  Piersons 
Bu'chhandlung  (Holze  &  Pahl)  eine  Anzahl  Exemplare  aus  zweiter 
Hand  erworben,  die  sie  an  Mitglieder  des  Kgl.  Sachs.  Altertum.s- 
vereins  zum  Ausnahmepreise  von  10  Mark  abzugeben  bereit  ist.  — 
Endlich  machen  wir  die  Mitglieder  des  genannten  Vereins  nochmals 
aufmerksam  auf  das  von  Dr.  Alfred  Meiche  im  Auftrage  des  Gebirgs- 
vereins  für  die  Sächsische  Schweiz  herausgegebene  Werk  „Die 
Burgen  und  vorgeschichtlichenWohnstätten  der  Sächsischen  Schweiz" 
(Dresden,  Wilhelm  Baensch  1907),  das  sie  für  den  Vorzugspreis  von 
Mk.  3.50  für  das  gebundene  Exemplar  (statt  Mk.  6. — )  beziehen 
können. 

Der  Verein  für  Geschichte  Dresdens  ist  auf  loco  Mitglieder  an- 
gewachsen, eine  Zahl,  wie  .sie  bi.sher  kein  anderer  Lokalgeschichts- 
verein  und  nur  wenige  Provinzialvereine  in  Deutschland  erreicht 
haben.  Seine  Einnahmen  aus  Mitgliederbeiträgen  belaufen  sich  auf 
6000  Mark  jährlich  und  ermöglichen  es  ihm,  an  die  Mitglieder  neben 
den  regelmäfsig  erscheinenden  „Dresdner  Geschichtsblättern"  und 
den  „Mitteilungen"  mindestens  aller  zwei  Jahre  ein  ortsgeschichtliches 


392 


Nachrichten. 


Prachtwerk  auszugeben.  Das  neunte  dieser  Werke,  eine  Sammlung 
„Bildnisse  hervorragender  Dresdner  aus  fünf  Jahrhunderten"  mit 
Biographien  von  Archivar  Dr.  Georg  Beutel,  ist  vor  kurzem  verteilt 
worden.  —  Im  verflossenen  Winterhalbjahr  wurden  im  Vereine 
sechs  Vorträge  gehalten:  es  sprachen  am  i6.  Oktober  Prof.  Dr. 
Aster  über  Schicksale  und  Haltung  der  Sächsischen  Armee  1814 
bis  1815,  am  13.  November  Dr.  phil.  Hecker  über  Dresden  im  Schmal- 
kaldischen  Kriege,  am  11.  Dezember  Oberstudienrat  Prof.  Dr.  Meltzer 
ül:)er  Peter  von  Dresden,  am  12.  Februar  Direktor  Prof.  Dr.  Rachel 
über  Kaiser  Maximilians  II.  Besuche  in  Dresden,  am  11.  März  Pfarrer 
Blanckmeister  über  Oberhofprediger  Franz  Volkmar  Reinhard  und 
am  S.April  Oberbibliothekar  Hofrat  Richter  über  Oberlandbaumeister 
Wilhelm  Dilich.  Den  üblichen  Frühjahrsausflug  unternahm  der 
Verein  am  31.  Mai  nach  Frauenstein,  wo  unter  Führung  des  Archi- 
tekten Göpfert  die  stattliche  Burgruine  besichtigt  wujrde;  auf  der 
Rückfahrt  vereinigten  sich  die  Teilnehmer  zu  einem  fröhlichen  Mahle 
im  Badhotel  zu  Tharandt. 

Im  Buchholzer  Geschichtsverein  hielten  im  Jahre  1907  08  Vor- 
träge Schuldirektor  Barthel  „Rektorproben  und  Wahlen  in  den 
Jahren  1722 — ^1826",  Vizedirektor  Dr.  Mauke  „Baumeister  Lotter  und 
die  Erbauung  der  Augustusburg",  Oberförster  Bothe  „Der  Taler  und 
seine  'Geschichte".  Vorsitzender  des  Vereins  ist  zurzeit  Stadtrat 
Preufs,  Vizevorsitzender  und  Kustos  Oberlehrer  Keller,  Schriftführer 
Bürgerschullehrer  Gerlach,  Kassierer  Rentier  Eduard  Schmidt. 

Der  Altertumsverein  zu  Kirchberg,  der  zurzeit  73  Mitglieder 
zählt,  hat  an  die  Stelle  des  verstorbenen  O.  Poppe  zum  zweiten  Vor- 
sitzenden Stadtrat  Rob.  Gerldch  gewählt.  Erster  Vorsitzender  ist 
Pfarrer  Scheibe,  Schriftführer  Organist  Reichardt,  erster  und  zweiter 
Kassierer  Vorschufsvereinsdirektor  H.  Gerlach  und  Camillo  Bräuer, 
Beisitzer  Stadtrat  Theod.  Wolf  und  Wollhändler  Ed.  Hertel  sen. 
Bürgermeister  Dr.  jur.  Reichardt,  der  als  Stadtrat  nach  Chemnitz 
übersiedelte,  wurde  zum  Ehrenmitgliede  ernannt.  Für  die  Bibliothek 
wurden  gröfsere  Räume  gemietet;  auch  die  Sammlungen  vermehren 
sich  fortdauernd.  Die  städtische  Subvention  wurde  auf  50  Mark 
erhöht. 

Der  Verein  für  die  Geschichte  Leipzigs  (370  Mitglieder)  feierte 
am  27.  November  1907  sein  40 jähriges  Stiftungsfest.  Vorträgehielten 
am  30.  Oktober  Stadtbibliothekar  Dr.  Ernst  Kroker:  „Hieronymus 
Walter,  ein  Leipziger  Kaufherr  des  16.  Jahrhunderts";  am  13.  No- 
vember Pfarrer  Dr.  Georg  Buchwald:  „Kulturbilder  aus  Leipzigs 
Umgebung  nach  den  Visitationsprotokollen  des  Jahres  1598";  am 
II.  Dezember  Universitätsprofessor  Dr.  Rudolf  Kötzschke:  „Wie 
wurde  Leipzigs  Umgebvmg  deutsch?";  am  8.  Januar  1908  Siegfried 
Moltke,  Bibliothekar  der  Handelskammer:  „Leipzigs  Ladendiener 
und  die  Handlungsreisenden  des  18.  Jahrhunderts.  Ernstes  und 
Heiteres";  am  22.  Januar  Redakteur  Dr.  Wilh.  Bruchmüller:  „Der 
Leipziger  Student  im  15.  Jahrhundert";  am  5.  Februar  Bezirks- 
schulinspektor Schulrat  Dr.  Müller:  „Zur  Geschichte  des  Gottes- 
dienstes in  Leipzig";  am  26.  Februar  Oberlehrer  a.  D.  Eduard 
Mangner:  „Die  letzte  Leipziger  Winkelschule";  am  1 1 .  März  Studien- 
rat Konrektor  a.  D.  Prof.  Dr.  E.Wörner:  „Leipzig  in  den  Jahren  1848 
und  1849";  am  25.  März  Direktor  Dr.  Albrecht  Kurzwelly:  „Die  Kunst- 
denkmäler der  Pauliner-Kirche"  (mit  am  Sonntag  nachmittags  darauf- 


Nachrichten. 


393 


folgender  Füliruntr).  Der  Verein  unternahm  ferner  Stadienausflüge 
nach  Delitzsch  (29.  September  1907)  und  nach  Rochlitz  und  Rochs- 
burg  (28.  Mai  1908). 

Im  Verein  für  Sächsische  VoIItskunde  hielt  am  13.  Februar 
Hauptmann  a.  D.  Meinhold  einen  Vortrag:  „Volkskundliche  Bilder  aus 
den  deutschen  Kolonien  in  Südbrasilien".  Im  Vorstand  ist  insofern 
eine  Änderung  eingetreten,  als  Oberstleutnant  z.  D.  Nafziger  inte- 
rimistisch das  Amt  des  Schriftführers  übernommen  hat.  Die  dies- 
jährige Hauptversammlung  wird  am  25.  Oktober  in  Zwickau  statt- 
finden. 

Der  achte  deutsche  Archivtag  fand  am  20.  September  in  Lübeck 
statt.  \'on  sächsischen  Archivaren  beteiligten  sich  daran  der  Vor- 
stand des  Kgl.  Sachs.  Kriegsarchivs  Oberstleutnant  z  D.  Hottenroth 
und  Stadtarchivar  Dr.  Beutel;  auch  der  Herausgeber  dieser  Zeit- 
schrift nahm  an  den  Verhandknigen  teil.  Von  Interesse  war 
namentlich  die  Diskussion  über  die  Versendung  von  Archivalien; 
mehrere  von  Reichsarchivassessor  Dr.  Striedinger- München  aufge- 
stellten Thesen  wurden  nach  längerer  Debatte  mit  geringen  Ände- 
rungen angenommen. 

Auf  der  vom  20.  bis  23.  September  zu  Lübeck  stattfindenden  Haupt- 
versammlung des  Gesamtvereins  der  deutschen  Geschichts-  und  Alter- 
tumsvereine waren  die  historischen  Vereine  Sachsens  leider  nur  durch 
den  Königl.  Sachs.  Altertumsverein,  den  Verein  für  die  Geschichte 
Dresdens,  den  Verein  fih:  sächsische  Volkskunde  und  den  numis- 
matischen Verein  zu  Dresden  vertreten.  Den  Vorsitz  führte  in  Ver- 
tretung des  erkrankten  Geh.  Archivrats  Dr.  Bailleu  der  Direktor  des 
Bezirksarchivs  zu  Metz  Geh.  A  rchivrat  Dr.  Wolfram ,  der  an  Stelle 
des  verstorbenen  Generalmajor  Dr.  von  Piister  zum  zweiten  Vor- 
sitzenden des  Gesamtvereins  gewählt  wurde.  Unter  den  Vorträgen 
heben  wir  die  des  Senators  Dr.  Fehling  „Merk.steine  lübischer  Ge- 
schichte", des  Geh.  Rats  Professor  Dr.  l3ietrich  Schäfer -Berlin  „Die 
Aufgaben  der  deutschen  Seegeschichte",  des  Direktors  Dr.  Reuter- 
Lübeck  „Die  Deutschen  und  die  Ostsee  von  Karl  dem  Grolsen  bis 
zum  Interregnum"  hervor;  aus  den  stark  besuchten  Abteilungsv erhand- 
Ivmgen  waren  die  auch  für  unsere  Stadtgeschichte  sehr  interessanten 
Referate  des  Museumsdirektors  Professor  Dr.  Meier-Braunschweig  über 
den  Grundrifs  der  deutschen  Stadt  des  Mittelalters  in  seiner  Be- 
deutung als  geschichtliche  Urkunde  und  des  Archivrats  Professor 
Dr.  Warschauer- Posen  über  den  Lageplan  der  osteuropäischen  Ko- 
lonialstädte besonders  bemerkenswert;  durch  eine  Reihe  von  Reso- 
lutionen suchte  die  Versammlung  ein  einheitliches  Vorgehen  bei  den 
jetzt  so  eifrig  betriebenen  Stadfplanforschungen  zu  erreichen.  Dafs 
die  Tagung  auch  sonst  reiche  Anregrmg  gewährte,  bedarf  bei  der 
Fülle  geschichtlicher  Erinnerungen,  die  Lübeck  dem  Geschichts-  und 
Kunstfreunde  bietet,  kaum  der  Erwähnvmg.  Ein  Ausflug  nach  der 
Stätte  von  Alt-Lübeck,  über  die  in  den  letzten  Jahren  hochinteressante 
Ausgrabungen  Aufklänmg  geschaften  haben,  und  nach  Travemünde 
beschlofs  die  Versammlung.  Zahlreiche  Teilnehmer  folgten  dann  am 
24.  September  einer  Einladung  des  Vereins  für  Mecklenburgische 
Gescliichts-  und  Altertumskunde  nach  Schwerin. 

Im    Anschlüsse    an    diese   Tagung  hielt   am   23.  September   der 
Bund   Heimatschutz  seine  Hauptversammlung  ab,  zu   der  zahlreiche 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.    3.  4.  26 


5Q4  Nachrichten. 

deutsche  Regierungen  Vertreter  entsandt  hatten;  für  Sachsen  war 
Geheimer  Rat  Scheicher  erschienen.  Die  Tätigkeit  des  sächsischen 
Vereins  für  Heimatschutz,  über  die  Baurat  Grothe- Dresden  l^erichtete, 
konnte  von  dem  Vorsitzenden ,  Baurat  Rehorst  -  Köln ,  als  muster- 
gültig bezeichnet  werden.  Die  Verdienste  der  immer  zahl- 
reicher werdenden  heimatkundlichen  Museen  wurde  durch  Direktor 
Brand -Kiel  gebührend  gewürdigt;  den  Gefahren,  die  sie  mit  sich 
bringen,  wird  am  besten  dadurch  vorgebeugt  werden  können,  dafs 
sie  der  Leitung  der  gröfseren  Museen  mit  unterstellt  werden.  In  den 
Vorstand  des  Verbandes  wurden  u.  a.  Oberbaurat  Schmidt-Dresden 
gewählt. 

In  engem  Zusammenhange  mit  diesen  Verhandlungen  standen 
die  des  9.  Tags  für  Denkmalspflege,  die  unter  Vorsitz  des  Geh.  Hofrats 
Professor  Dr.  Oechelhäuser-Karlsruhe  am  24.  und  25.  September  eben- 
falls zu  Lübeck  stattfanden.  Aus  der  reichen  Tagesordnung  heben 
wir  nur  die  für  uns  besonders  interessanten  Vorträge  des  Geh.  Hof- 
rats Professor  Dr.  Corn.  Gurlitt  über  „Freilegung  und  Umbauung  alter 
Kirchen"  und  des  Baurats  Gräbner  „Beispiele  moderner  Denkmals- 
pflege sächsischer  Künstler"  hervor;  letzterer  ging  u.  a.  auf  den 
Neubau  der  Kreuzkirche  in  Dresden  und  auf  den  Vorbau  vor  der 
Goldenen  Pforte  in  Freiberg  ein.  Beide  Vorträge  gaben  zu  lebhaften 
Debatten  Anlafs.  An  die  Tagung  schlofs  sich  ein  Ausflug  nach 
Wismar  an. 

Die  historische  Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  das 
Herzogtum  Anhalt,  die  am  16.  und  17.  Mai  d.  J.  in  Mühlhausen  i.  Th. 
unter  Vorsitz  des  Geh.  Regienmgsrats  Professor  Dr.  Lindner  ihre 
24.  Sitzung  abhielt,  hat  im  Jahre  1907  einen  zweiten  Band  der  von 
Pallas  bearbeiteten  Kirchenvisitationsprotokolle  heravisgegeben,  dem 
ein  dritter  demnächst  folgen  wird.  Die  weiteren  in  Angriff  genom- 
menen Publikationen  sind  fortgeschritten,  ebenso  die  Vorarbeiten  für 
die  von  Professor  Dr.  Heldmann  angeregte  Herausgabe  von  Quellen 
zur  städtischen  Verfassungs-,  Verwaltungs-  und  Wirtschaftsgeschich  e. 
Von  der  Beschreibenden  Darstellung  der  Bau-  und  Kunstdenkmäler 
sind  neue  Hefte  nicht  erschienen,  jedoch  mehrere  dem  Abschluls  nahe. 
Eingehend  berichtete  Professor  Dr.  Reischel  über  die  Bestrebungen 
der  Kommission,  einen  geschichtlichen  Atlas  ihres  Arbeitsgebiets 
herzustellen.  Von  den  Grundkarten  soll  noch  in  diesem  Jahre  das 
Doppelblatt  Finsterwalde-Grofsenhain  erscheinen,  das  wir  besonders 
sehnlich  erwarten,  weil  es  das  letzte  ist,  das  Gebiete  des  Königreichs 
Sachsen  enthält,  mit  seiner  Vollendung  also  die  Grvmdkarten  für  unser 
Land  abgeschlossen  vorliegen  werden.  DieVerzeichiumg  der  nicht- 
staatlichen Archive  der  Provinz  und  ihres  Inhalts  hat  nur  insofern 
Förderung  erfahren,  als  Archivdirektor  Dr.  Winter-Magdeburg  als 
Kommissar  des  Erfurter  Regierungspräsidenten  sämtliche  Stadtarchive 
des  Regierungsbezirks  Erfurtbereist  hat.  Die  wissenschafthchen  Ergeb- 
nisse dieser  Reise  werden  in  einer  Abhandlung  niedergelegt,  die 
einen  Teil  der  von  der  preulsischen  Archivverwaltung  vorbereiteten 
umfassenden  Publikation  über  die  in  städtischen  Archiven  gemachten 
Erfahrungen  bilden  wird. 

Am  22.  Juni  fand  zu  Rudolstadt  der  12.  Thüringer  Archivtag  unter 
Vorsitz  des  Professors  Dr  Bangert,  Vorstand  des  Fürstlich  Geheimen 
Archivs  daselbst,  statt.  DasArcliiv,  dessen  Neuordnung  allgemeine 
Anerkennung  fand,  wurde  eingehend  besichtigt;  über  seine  Geschichte 


Nachrichten. 


395 


hielt  Professor  Bangert  einen  Vortrag.  Aus  den  weiteren  Verhand- 
lungen heben  wir  die  über  genealogische  Forschungen  hervor;  es 
wurde  eine  Resolution  angenommen,  nach  welcher  in  den  thüringischen 
Archiven  familiengeschichtliche  Arbeiten  von  den  Beamten  nur  aufser- 
halb  der  Dienststunden  gegen  ein  Honorar  von  3  Mark  für  die  Arbeits- 
stunde zu  erledigen  sind.  Für  das  nächste  Jahr  wurde  als  Versamm- 
lungsort Meiningen  in  Aussicht  genommen.  Der  bisherige  Obmann 
Professor  Bangert  wurde  wiedergewählt. 

Die  Thüringische  Historische  Kommission  beabsichtigt  die  Heraus- 

fabe    eines  Wörterbuchs    der  thüringischen  Mundart.     Vorsitzender 
er  dafür  gebildeten  Kommission  ist  Prof.  Dr.  Michels,  Jena. 

Wer  über  die  Flurnamenforschung,  von  der  in  dieser  Zeitschrift 
bereits  zweimal,  Bd.  XXVI  (1905)  S.  206 f.  und  Bd.  XXVIl  (1906) 
S.  204,  die  Rede  war,  nähere  Auskunft  haben  will,  sei  auf  die  zehn 
„Flurnamenberichte"  hingewiesen,  die  der  Verein  für  Sächsische 
Volkskunde  zugleich  im  Namen  der  Königl.  Sachs.  Kommission  für 
Geschichte  in  seinen  „Mitteilungen"  seit  dem  Jahre  1904  veröffentlicht 
hat;  der  letzte,  der  den  Zeitraum  vom  16.  März  bis  31.  August  1908 
ümfafst,  steht  in  Bd.  IV  (1908)  S.  361  bis  364.  Hier  sei  nur  in  aller 
Kürze  hervorgehoben,  dafs  sich  seit  dem  Frühjahr  1906,  wo  wir  zu- 
letzt auf  die  Flurnamenforschung  zurückgekommen  sind,  105  neue 
Flurnamensammler  gemeldet  und  zusammen  mit  mehreren  von  den 
früheren  Sammlern  437  weitere  Fluren  zu  bearbeiten  übernommen 
haben.  Die  überraschend  grofse  Zahl  neu  hinzugetretener  Sammler 
erklärt  sich  zum  Teil  mit  daraus,  dafs  die  Sammeltätigkeit  im  Schul- 
auf sich  tsbezirke  Grofsenhain  (der  ungefähr  der  Amtshauptmannschaft 
entspricht)  einheitlich  organisiert  worden  ist.  Nachdem  Herr  Schul- 
direktor Dr.  Hüttig  (Radeburg)  einen  sehr  beifällig  a.ufgenommenen 
Vortrag  über  „Die  Orts-  und  Flurnamen  der  Amtshauptmannschaft 
Grofsenhain  als  Quelle  für  den  heimatlichen  Geschichtsunterricht"  ij 
gehalten  und  am  Schlüsse  betont  hatte,  dafs  „jeder,  der  sich  an  der 
Avifstellung  des  Flurnamenverzeichnisses  seines  Ortes  beteiligt,  nicht 
nur  der  heimatlichen  Schule  einen  unschätzbaren  Dienst  erweise, 
sondern  auch  des  Dankes  der  historischen  Wissenschaft  sicher  sein 
dürfe,  da  er  sie  an  seinem  Teile  durch  wertvolles  Material  bereichern 
helfe",  erklärten  sich  die  meisten  der  Anwesenden  freudig  zur  Teil- 
nahme an  der  Sammlung  bereit.  Infolgedessen  erhielten  alle  Lehrer 
(bei  Orten,  wo  mehrere  Lehrer  angestellt  sind,  nur  der  älteste)  die 
nötigen  Unterlagen  mit  einem  gedruckten  Anschreiben  zugeschickt, 
in  dem  die  hauptsächlich  in  Frage  kommenden  Quellen,  die  Ein- 
richtung der  Flurnamenverzeichnisse  und  die  Benutzung  der  mit 
durchsichtigen  Deckblättern  versehenen,  farbigen  Krokis  besprochen 
waren.  Mit  rühmlichem  Eifer  und  unbestreitbarem  Geschick  hat  sich 
die  Grofsenhainer  Lehrerschaft  der  übernommenen  Aufgabe  entledi2;t. 
Von  fast  allen  Fluren  des  Grofsenhainer  Schulbezirks  hegen  jetzt  (Jie 
sauber  ausgeführten  Flurnamenverzeichnisse  vor,    die  mit  wenigen 


^)  Gedruckt  bei  H.  Starke  (C.  Plasnick)  in  Grofsenhain  1906. 
Ein  ähnlicher  Vortrag  desselben  Verfassers  über  die  Leipziger  Gegend, 
gehalten  im  Bezirkslehrervereine  Leipzig-Land,  erschien  1908  bei 
E.  Stock  in  Leipzig  unter  dem  Titel  „Orts-  und  Flurnamen  der 
Amtshauptmannschaft  Leipzig  und  ihre  geschichtliche  Bedeutung". 


26' 


396 


Nachrichten. 


Ausnahmen  allen  billigen  Anforderungen  entsprechen  und  zum  Teil 
sogar  sehr  gut  gelungen  sind. 

Zu  diesen  155  Grofsenhainer  Verzeichnissen  sind  seit  dem  Früh" 
jähr  1906  aus  anderen  Amtshauptmannschaften  noch  ungefähr  200 
Flurnamenverzeichnisse  eingegangen,  so  dafs  jetzt  im  ganzen  für  fast 
genau  500  Fluren  die  Flurnamen  zusammengestellt  sind,  soweit  sie 
zunächst  aus  leicht  zugänglichen   Quellen  zu  erlangen  waren. 

Aufserdem  sind  von  Waldgebieten  Naunhof  bei  Grimma, 
Hinterhermsdorf  bei  Sebnitz  und  die  Fürstlich  Schönburg- Walden- 
burgischen  Forstreviere  Lichtenstein,  Ober-  und  Niederwaldenburg, 
Ölsnitz  im  Erzgebirge,  Pfannenstiel,  Remse  und  Stein  fertig,  wäh- 
rend u.  a.  an  den  Revieren  Pomssen-Belgershain,  Streitwald,  Born- 
und  Heinzenwald  (die  letzteren  beiden  zwischen  Marienberg, 
Zschopau  und  Lengefeld)  noch  gearbeitet  wird.  Bei  den  Waldungen 
vertreten  metallographische  Kopien  der  Forstkarten,  die  von  der 
Kgl.  Forsteinrichtungsanstalt  auf  Kosten  der  Kgl.  Geschichtskom- 
mission geliefert  werden,  die  Stelle  der  Flurkrokis.  In  sie  werden 
die  gesammelten  und  in  ,, Forstnamenverzeichnissen"  übersichtlich 
zusammengestellten  Namen  lür  einzelne  Wälder,  Waldparzellen> 
Schläge,  Waldwiesen,  Waldwege,  Teiche  und  sonstige  Forstorte  ein- 
getragen. 

Von  gröfster  Bedeutung  ist  es  für  die  Flurnamenforschung,  dafs 
sich  das  Kgl.  Zentralbureau  für  Steuervermessung  in  Erkenntnis  des 
grofsen  praktischen  Wertes  der  Flurnamen  ihrer  anzunehmen  und  das 
Sammeln  nach  Kräften  zu  unterstützen  beschlossen  hat.  Bei  Auf- 
stellung der  neuen  Flurbücher,  die  diese  Behörde  vorzubereiten  hat, 
wird  sie  durch  ihre  Beamten  alle  noch  erreichbaren  Flurnamen 
sammeln  lassen  und  in  Form  von  Flurnamenverzeichnissen  dem  Volks- 
kundeverein und  der  Gechichtskommission,  die  ja  gemeinsam  das 
Flurnamensammeln  betreiben  zur  Verfügung  stellen.  Wo  dagegen 
schon  fertige  Flurnamenverzeichnisse  vorliegen,  hat  sie  sich  erboten, 
diese  nachzuprüfen  und  zu  ergänzen.  Auch  sollen  die  Flurnamen 
künftighin  amtlich  in  die  neu  zu  zeichnenden  Krokis  (und  Mensel- 
blätter) eingetragen  werden.  Welchen  Wert  diese  amtliche  Unter- 
stützung besitzt,  die  hauptsächlich  dem  stellvertretenden  Direktor 
des  Zentralbureaus,  Herrn  Obervermessungsinspektor  Scharnhorst, 
zu  danken  ist,  leuchtet  ohne  weiteres  ein.  Durch  sie  und  durch  die 
Mitarbeit  der  Lehrerschaft,  wie  sie  sich  bisher  im  Grofsenhainer 
Bezirk  bewährt  hat  und  wie  sie  auch  weiterhin  für  andere  Amts- 
hauptmannschaften, hoffentlich  mit  demselben  schönen  Erfolge,  er- 
beten werden  soll,  ist  die  Flurnamenforschung  in  ein  neues  Stadium 
ihrer  Entwicklung  getreten.  "  Beschorner. 

Das  Museum  des  Königl.  Sachs.  Altertunisvereins  im  Palais  des 
Grofsen  Gartens  zu  Dresden  erfreut  sich  nach  wie  vor  der  gröfsten 
Beachtung.  Die  Besucherzahl  des  Jahres  1907  ist  wiederum  be- 
deutend und  zwar  um  1129  Personen  gegen  das  Vorjahr  gestiegen 
und  hat  damit  in  diesem  Sommerhalbjahre  (im  Winter  ist  das  Museum 
geschlossen)  die  stattliche  Höhe  von  15760  erreicht. 

Mit  der  in  dieser  Zeitschrift  (1907  S.  181)  eingehend  beschriebenen 
Art,  die  einzelnen  Gegenstände  vor  Schädlingen  und  weiterem  Ver- 
fall zu  schützen,  d.  h.  .sie  „museumsgerecht"  zu  machen,  hat  man 
auch  im  Jahre  1907  fortgefahren.  Es' sind  10  Altäre,  17  Altarflügel, 
14  grölsere  Holztiguren,  19  eiserne  Ofenplatten,  ein  mächtiges  eisernes 


Nachrichten. 


397 


Griiftgitter  sowie  sämtliche  neuen  Er\\erl)ung;en  derartig   behandelt 
worden. 

Das  im  nördlichen  Mittelsaal  des  Obergeschosses  angebrachte 
Deckengemälde  gab  durch  seine  grolse  Schadhaftigkeit  dem  Museum.s- 
vorstande  in  Verbindung  mit  dem  König].  Lanctbauamte  II  Veran- 
lassung, es  selbst  und  sein  Gegenstück  im  südlichen  Mittelsaale  zu 
untersuchen.  Es  soll  längere  Zeit  lang  wohl  seiner  etwas  lockeren 
Darstellung  wegen  (Venus  im  von  Tauben  gezogenen  Wagen  und 
Satyr?)  mit  einer  Leinwand  überdeckt  gewesen  sem.  Als  man  dann, 
vielleicht  war  dies,  als  im  Jahre  1890  das  Rietschelmuseum  aus  diesen 
Räumen  verlegt  wurde,  die  Leinwand  wieder  entfernte,  fand  man, 
dafs  das  Bild  durch  den  teilweisen  Luftabschlufs  aufserord entlich 
stark  gelitten  hatte.  Es  hängt  in  der  Mitte  weit  herunter,  zeigt  ver- 
schiedene Löcher  im  Grunde  und  ist  durch  Abblättern  der  Farbe 
kaum  noch  in  den  Grundzügen  erkennbar.  Ja  der  Zustand  dieses 
in  Ol  auf  Leinwand  gemalten  Bildes  ist  ein  derartig  schlechter,  dafs 
auf  eine  Wiederherstellung,  die  fast  einer  Neumalung  gleich  ge- 
kommen wäre,  verzichtet  w^erden  mufste.  Es  wird  somit  sicherlich 
in  einigen  Jahrzehnten  zu  Grunde  gehen,  halten  läfst  sich  das  Bild 
nicht.  Nichtsdestoweniger  hat  man  es  jetzt  an  seinem  Platze  ge- 
lassen, da  dieser  farbige  Fleck  immer  noch  besser  wirkt,  als  die  ge- 
weifste  Fläche  im  südlichen  IVIittelsaale.  Hier  ergab  die  Untersuchung, 
dafs  das  dort  ehemals  befestigte  Bild,  das  unter  der  weifsen  Lein- 
wandfläche vermutet  wurde,  herausgeschnitten  war.  Wann  dies  ge- 
schehen und  wohin  das  Bild  gekommen  sein  mag,  liefs  sich  nicht 
mehr  feststellen.  Jedenfalls  liegt  der  Zeitpunkt  weit  vor  1890,  dem 
Jahre,    in    dem  dem  Altertumsverein  auch  die    oberen  Räume    des 

Gebäudes  überlassen  wurden.  ^      1  • 

Berlmg. 

Aus  Anlafs  der  diesjährigen  grofsen  Kunstausstellung  zu  Dresden 
wurde  in  dem  gelegentlich  der  Ausstellung  von  1906  nach  Plänen 
von  Wilhelm  Kreis  erbauten  Sächsischen  Hause  eine  Sonderaus- 
stellung „Kunst  und  Kultur  unter  den  sächsischen  Kurfürsten"  ver- 
anstaltet. In  sechs  Haupträumen  brachte  sie  die  wichtigsten  Zeit- 
abschnitte unserer  Kulturgeschichte,  die  Zeiten  der  Kurfürsten  Moritz 
und  August,  der  beiden  Christiane,  der  Johann  George,  Friedrich 
Augusts  I.,  Friedrich  Augusts  II.  und  Friedrich  Augiists  III.  zur  Dar- 
stellung, während  eine  Reihe  von  Nebenräumen  ohne  historische 
Gruppierung  in  einfachem  zeitgemäfsen  Museumsstil  gehalten  waren; 
besonders  beachtenswert  waren  die  beiden  Räume,  die  dem  Meifsner 
Porzellan  und  der  ßildniskunst  Anton  Graffs  gewidmet  waren.  Seine 
Majestät  der  König  und  die  Mitglieder  des  Königlichen  Hauses,  die 
Museen  Dresdens,  die  Königl.  BilDÜothek,  zahlreiche  Vereine,  Samm- 
lungen, Stadt-  und  Kirchengemeinden  und  viele  Private  hatten  durch 
Darleihung  einer  Fülle  von  Kunstwerken  aller  Art  die  Ausstellung 
zu  einer  überaus  reichhaltigen  und  eigenartigen  gestaltet;  sie  bot  in 
der  Tat  ein  Bild  —  und  zwar  ein  erfreuliches  Bild  —  des  künstlerischen 
und  Kulturleben  Sachsens  dvirch  fünf  Jahrhunderte.  Das  Verdienst 
der  vortrefflichen  Ausführung  des  Gedankens  gebührt  der  Aus- 
stellungskommission, an  deren  Spitze  Oberst  von  Kretschmar,  Ober- 
regierungsrat Dr.  Deraiani,  Prof.  Dr.  von  Schubert-Soldern  und  Prof. 
Dr.  Haenel  standen.  Ihnen  ist  auch  der  sorgfältig  gearbeitete 
„Führer''  zu  verdanken,  der  die  Erinnerung  an  die  Ausstellung  fest- 
zuhalten wohl  geeignet  ist. 


398 


Nachrichten 


Das  Realgymnasium  zu  Chemnitz,  das  im  Jahre  1857  als  Real- 
schule begründet  worden  ist,  leierte  am  10.  und  11.  Oktober  v.J.  sein 
fünfzigjähriges  Jubiläum.  Der  von  Rektor  Prof.  Dr.  Schaarschmidt 
bei  dieser  Gelegenheit  herausgegebenen  Einladungsschrift,  die  in 
kurzen  Zügen  die  Gründung  unä  Entwickelung  der  Schule  behandelt, 
ist  ein  von  P.  O.  Happach  bearbeiteter  Überblick  über  die  Geschichte 
des  alten  Chemnitzer  Lyceums,  der  Mutteranstalt  der  Realschule, 
beigegeben,  der,  frühere  Arbeiten  C.  Kirchners  über  die  Rektoren 
und  Lehrer  Adam  Sieber,  Adam  Andreae  und  Theophilus  Lessing 
ergänzend,  sich  namentlich  mit  dem  Konrektor  Christian  Felix  Weifse 
(1715— 1725)  und  den  Rektoren  Joh.  Gottfr.  Rothe  (1777 — 1805),  Friedr. 
Liebegott  Becher  (1808 — 1830)  und  Friedr.  W.  Heinichen  (1830 — 1S35) 
vmd  dem  Ende  der  altberühmten  Stadtschule  im  Jahre  1835  beschäftigt. 

Das  Städtische  Kunstgewerbemuseum  zu  Leipzig  hat  dank  der 
Opferwilligkeit  eines  Leipziger  Kunstfreundes  einen  umfangreichen 
Altarschrein  erworben,  der  zu  den  besten  Werken  spätgotischer 
sächsischer  Schnitzkunst  gehört.  Er  enthält  fünf  reichvergoldete 
Statuen,  die  Figuren  der  Maria  mit  dem  Christuskinde,  die  heilige 
Barbara  und  Katharina  und  die  Gestalten  des  Nikolaus  und  Petrus. 
Den  Altar  stiftete  im  Jahre  1475  ein  Zwickaiier  Ratsherr  vmd  Tuch- 
händler Hans  Federangel  der  eingegangenen  Nikolaikirche  zu  Zwickau. 
Von  da  kam  der  Altarschrein  nach  Bockwa  und  im  Jahre  1856  nach 
Schweinsburg,  um  dann  nach  Leipzig  zu  wandern.  Er  ist  in  der 
Abteilung  für  kirchliche  Plastik  des  Museums  neben  anderen  Arbeiten 
von  besonderem  Kunstwert,  einem  Altarfragment  aus  Hinterglauchau 
und  einem  Altarschrein  aus  dem  Schlosse  Rochsburg,  aufgestellt 
worden. 

Auf  Veranlassung  des  Vertrauensmannes  der  Königl.  Kommission 
zur  Erhaltung  der  Kunstdenkmäler,  des  Kektors  Dr.  O.  E.  Schmidt  in 
Würzen,  hat  der  Kirchenvorstand  zu  Pausitz  bei  Würzen  den  Altarplatz 
der  1330  durch  Heinrich  von  Trebsen  erbauten  Kirche  nochmals  auf- 
graben lassen,  da  sich  bei  den  im  Jahre  1906  vorgenommenen  Erneue- 
rungsarbeiten ein  grofser  Stein  unter  diesem  Platze  gezeigt  hatte.  Dieser 
Stein  wurde  im  Juni  1908  freigelegt  und  von  dem  genannten  Herrn 
untersucht.  Es  ist  eine  205  cm  lange,  100  cm  breite,  23  cm  dicke 
Platte  aus  Roclilitzer  Stein,  auf  3  Seiten  mit  einem  schön  vor- 
gekragten  Rande  und  auf  der  Oberseite  mit  drei  Kreuzen  versehen. 
Ohne  Zweifel  ist  diese  wohlerhaltene  Platte  der  alte  Altar  der  Kirche 
aus  der  Zeit  ihrer  Erbauung ,  der  in  seiner  schlichten  Form  im 
16.  Jahrhundert  dem  Zeitgeschmack  nicht  mehr  genügte  und  deshalb 
durch  einen  unterdes  auch  wieder  beseitigten  Renaissancealtar  er- 
setzt wurde.  Hoffentlich  führt  der  an  die  Königl.  Kommission  ab- 
gegangene Bericht  des  Vertrauensmannes  dazu,  dafs  der  ehrwürdige 
Altar  der  Pausitzer  Kirche  in  seiner  ursprünglichen  Gestalt  wieder 
hergestellt  werde. 

Preisausschreiben.  Die  Oberlausitzer  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaft zu  Görlitz  hat  die  1905  gestellte  Preisaufgabe,  die  eine  Lösung 
nicht  gefunden  hat,  noch  einmal  in  folgender  Form  ausgeschrieben: 
Geschichte  des  Siebenjährigen  Kriegesin  der  Oberlausitz. 
Bei  allzu  grofser  Fülle  des  Stoffs  will  sich  die  Gesellschaft  mit  einer 
zeitlichen  oder  räumlichen  Begrenzung  des  Themas  z.  B.  auf  einige 
Jahre  oder  auf  eine  Sechsstadt  genügen  lassen.  Bearbeitungen  des 
Themas  sind  bis  i.  Januar  1911  m  der  üblichen  Form  (Kennwort  und 


Nachrichten. 


399 


Name  in  verschlossenem  Umschlag)  Ijei  Professor  Dr.Jecht,  Sekretär 
der  Gesellschaft,  einzureichen.  Der  Preis  beträgt  500  Mk.,  dazu  ein 
Honorar  von  2  Mk.  für  die  Druckseite. 

Die  diesjährige  Hauptversammlung  des  Vogtländischen  Alter- 
tumsforschenden Vereins,  die  am  5.  Juli  zu  Hohenleuben  stattfand,  ge- 
staltete sich  zu  einer  Jubiläumsfeier  für  Archivrat  Dr.  Berthold  Schmidt 
in  Schleiz,  der  in  diesem  Jahre  auf  eine  25  jährige  frvichtbare  Tätigkeit 
auf  dem  Gebiete  der  reufsischen  Geschichtsforschung  zurückblicken 
kann.  Die  Altertvimsvereine  zu  Schleiz,  Greiz,  Plauen  i.  V.,  Jena 
und  Weida  hatten  Vertreter  gesandt  und  überreichten  dem  Jubilar 
eine  Festschrift  unter  dem  T'iiel  ,,Reufsische  Forschungen",  auf  die 
wir  an  dieser  Stelle  noch  zurückkommen  werden.  Die  Vereine  zu 
Schleiz  und  Plauen  ernannten  ihn  zu  ihrem  Ehrenmitgliede. 

Von  dem  langjährigen  treuen  Mitgliede  des  Vereins,  Hofrat 
Dr.  Minus  in  Leisnig,  über  dessen  Ableben  wir  im  vorigen  Hefte 
dieser  Zeitschrift  berichteten,  ist  eine  kurze  Selbstbiographie  unter 
dem  Titel  „Mein  Lebenslauf",  mit  einem  Nachwort  herausgegeben 
von  Karl  Vollmöller  (Leisnig  1908,  Hans  Minis)  erschienen,  die  das 
Wesen  des  liebenswürdigen  Mannes  trefflich  wiederspiegelt  und  seinen 
Freunden  ein  willkommenes  Erinnerungsblatt  bleiben  wird. 


Register. 


Von  Arthur  Richter. 


V.  Abensberg,  Graf  Rabodo   219. 
„  Gräfin  Mathilde,  s.  Gem.  219. 
Adolf,  deutscher  König  66. 
Agnes,  Gem.  Kaiser  Henirichs  III. 

„  Priorin  v.  Cronschwitz  252. 
Akkon  346. 

V.  Alamsdurf,  Hugold  235. 
Alberoda  (Par.  Löfsnitz)  12. 
Albernau  (Par.  Neustädtel)  12. 
Albert,  Propst  v.  Zeitz  54. 
Albertiner,  die  82.  267.  27off. 
Albertsthal  b.  Glauchau  14. 
Albinus,  Petrus  279. 
Albodistudinza,     fons    (Albodis 

studniza)  2 20  f. 
Albrecht  L,  König  32. 

„  II.  287.  29of.  306. 

„  Achilles,  Kurf. V.Brandenburg 
155.  159.  296.  307!  310. 

„  Mkgr.  V.  Meifsen  28. 

„  der  Beherzte,  Hzg.  v.  Sachsen 

„  genannt  Ziboto  67. 
Alexander  IV.,  Papst  226. 

„  III.,  Kaiser  v.  Rufsland  3. 

„  Provisor  218. 
Alnpecke,  Freiberger  Familie  86. 
Altenberg  125. 

Altenburg  15.  21.  250".  29.  31.  34. 
37-  39 f-  44.  48.  SS-  57.  62 ff.  67  f. 

73.  75ff.  79-  115.  231.  235-  2SSff. 
267!  308. 
„  Ephorie  2690. 
V.  Altenburg,  Burggrafen  349. 
V.  Altenburg,  Burggr.  Albrecht IV. 
24.  267. 
„  Spinica,  s.  Gemahlin  24. 
Altendiirf  b.  Cosma  71. 
Altenliain   244. 


Altenkirchen  (Aldinkirkin,  sorb. 
Ztarekoztol)  b.  Altenburg  41. 
44f.  47.  52.  62.  64.  67 f.  7"i.  73. 
77.  218.  249.  259.  269. 

Altertumsverein,  Kgl.  Sachs,  i.  6. 
208.  391. 
„  Museum  396. 

Altmörbitz  (Eph.  Borna)    28.  271. 

Altpenig  24!'. 

Altschönfels,  Rittergut,  b.  Neu- 
mark 55. 

Altstadt,  sorb.Siedelung  h.  Kirch- 
berg 223. 
„  Waidenburg  22  f.  61.  234!'.  237. 

239. 
Altwaldenburg   23.  233!", 

Amalie,  Herzogin  v. Niederbayern 

156. 
Amberg  155!'.   i58f.  160.  162.  346. 

348.' 
Amman,  Heinr.,  Dekan  349. 
Andreas,  Abt  v.  Bosau  224  f.  227. 

229. 
Angelus,  Titularl)ischof  v.Peneste 

255  ff- 
Anhalt  106. 

V.  Anhalt,  Sigmund  157. 
Anna,  Herzogin  v.Sachsen  306.320. 
Annaberg  13.  104.  115.  137. 

,,  Ephorie  271. 

„  Amtshauptmannschaft  244. 

„  Verein  für  Geschichte  209. 
Ansbach  95. 

Appel,  Thomas,  Dechant  262. 
Archivtag,  8.  deutscher  393. 
Arn  s.  Würz  bürg. 
Arnpeck,  Veit    161. 
Arnsdorf  241. 
Arnshaugk  s.  Lobdeburg. 
Arnulf,  d.  König  276!". 


Register. 


401 


Arras,  Balthasar,  Kammermeister 

303- 
Askanier,  die  282.  284. 
Aue  (Awe?)  12.  222.  227.  234. 
Auerbach  14.   35.    5 2 ff.  61   (Stadt 

und  Dort).  226.  229.  266. 
August,  Kurf.  V.  Sachsen  4.  6. 
Aulick  b.  Groitzsch  40.  259. 
Auschwitz(Oswieczym),  Herzogin 

Witwe,  Salome  266. 
Azzo,  Abt  V.  Bosau  75. 

Bach  (Sebastian)  3 39 f. 
Baden,  Burg  219. 
„  Grofsherzogtum  346. 
Bär,  A.,  Vizedirektor  216. 
Bärenwalde  b.  Kirchberg    15.  58. 

6off.  220.  229t.  259.  268. 
Bärnsbach  [Pernsbach],    (Par. 

Pef^erfeld)  12. 
Bärwalde  b.  Moritzburg  282. 
ßaldenhayn  b.  Grofsenstein  39. 
Balthasar,  Landgraf  v.  Thüringen 

57.  66. 
Bamberg,  Archiv  3. 
Barby,  Grafschaft  148. 
Bartelmei,  Dr.,  Leibarzt  Böttgers 

163. 
Barth,    Gottfr. ,    Leipziger  Jurist 

153t. 
Barut  b.  Weilsenberg  282. 
Basitz.  Erasmus  78. 
Batzdorf  b.  Meifsen  286. 
Baumgarten,  der,  b.  Reichenbach 

239. 
Bautzen  (Budissin)  2.  78.  104 ff.  286. 
Bayern    159.    161.    274.    276.    307. 

343  ff. 
„  s.  a.  Heinrich. 

Bayern -München  s.  Christoph. 

V.  Bebenburg,    Jorge,    Obermar- 
schall Ritter  297! 

Beerwalde  (Beyerswalde)  b.  Gera 
5.  f. 

Beesdau  286 f.  289.  294.  296. 

Beesenlaublingen  (Saalkreis)  343. 

345 
Beeskow,  Herrschaft  282.  292. 
Beethoven  339. 
Beiern  b.  Flemmingen  30. 
Beiersdorf  b.  Werdau  52.  56!  61. 
Pel  s.  Pöhla. 
Beltitz  308. 
ßenndorf  (Pennendorp)  b.Wyhra 

24.  29 ff.  3 3  f.  60. 


V.  Berg,  Johann,  Dechant  361. 

Beringerus,  Pfarrer  in  Jerisau  21. 
29.  260. 

Berlin    3.    104.    115.   148.  300.   309. 

Bermsgrün  (villa  Grün)  b.  Schwar- 
zenberg  12. 

Bernersgrune  s.  Wernesgrün. 

Bernsdorf  b.  Werdau  to.  238. 

Berthelsdorf  (Par.Thurn)  12.  226. 

Berthold,  Pleban  in  Hain  (Ehren- 
hain) 72. 
„  Pfarrer  in  Hartenstein  227. 
„  Propst  in  Naumburg  249. 
„  Prepositus  de  Zvicove  230. 

Bethenhausen  b.  Hirschfeld    37  ff. 

Bethlehem  s.  Wetlen. 

Betzdorf  (Beczelingesdorf,  Petz- 
elinstorf) b.Langenberg,  Wüst- 
ung 38. 

Beutha  b.  Annaberg  12.  223.  271. 

ßeutitz  250. 

V.  Bieberstein,  Herren  295.  299. 

^'„  Friedrich  292. 

Biensdorf  b.  Frankenberg  24. 

V.  Binolsbach,  Heinr.  346. 

Birke  von  der  Duba  zu  Mühlberg, 
Hans  157. 

Birke  zu  Leipa,  Hynko  285. 

Bischofswerda  137. 

Bischweiler  107. 

Bismarck  (Fürst  Otto)  149. 

Blankenhain  b.  Werdau  51  L  61  f. 
268. 

Blumroda  b.  Regis  33!'. 

Bocka  b.  Frohburg  27.  62.  68.  262. 
269.  271. 

Bockau  (Par.  Aue)  12. 

Bockwa  (Bucwen)  16.  18.  20.  61  f. 
69.  220.  226.  230.  265.  268. 

Bödigheim  (Amt  Buchen)  346. 

Böhlitz  (Beliz)  243. 

Böhmen  (Land)  68.   120.  243.  246. 
265 ft".  272.  277  ff.  282.  286ff.  3o6f. 
3iof.  347. 
„  (Volk)  27s ff.  306t.  309t. 
„  s.  a.  Elisabeth,   Ottokar,  Wla- 
dislaw  Posthumus. 

Bönhoff,  Lic.  Dr.  273!".  277f.  281. 

Böttger,  Joh.  Friedr.,  Erfinder  d. 
Porzellans  162  ff. 

Bohra  1).  Schmölln  71. 

Bonifaz  VIIL,  Pap.st  27. 

Borberg  b.  Kirchberg  (fr.  Hohen- 
forst,  collis  Recina)  13.  15  f 
220.  222  f. 


402 


Register. 


Borcstadel  b.  Saara  77. 

Boritz  b.  Riesa  70. 

V.  Born,  Nicklas  27. 

Borna  21.  269  ft.  310. 

Bornshain  (Bornsaw)  b.  Göfsnitz 
2.  63.  7of.  262.  270. 

Bosau,  Bened.  -  Kloster  (Buza- 
viense  coenobium,Puzaugiensis 
ecclesia)   16.   37.  41  ff.   59.   64! 

73.     75.     220f.     223ff.      227.     229f. 

265.  268.   s.  a.  Andreas,  Azzo. 
Bosengröba  b.  Ruppersdorf  32. 
Boswitz  b.  Grolsenstein  39. 
Brandenburg  (Bist.)  240 f. 
„  (Mark)    114.   284.   288ff.    29611'. 

304  ff. 
„  s.  a.  Albrecht  Achilles,  Fried- 
rich, Johannes. 
„  (Stadt)  115.  309. 

Brand vorwerg  b.  Leipzig  328. 

Bräunsdorf  238! 

Braunichswalde  (Bn.inswalde)  b. 
Rückersdorf  40.  52. 

Braunis,  Wüstung  b.  Rositz  42. 

Braunschweig  114.  306.  316. 

Braunschweiger  Bier :  Mumme  316. 

Braunshain  (Altenburg)  46f.  62. 269. 

V.  Bredow,  Hans  301. 

Breesen  b.  Tegkwitz  43. 

Brehna,  Grafschaft  283. 

Breitenborn  (Amtsh.  Rochlitz)  344. 

347- 

Breitenbrunn  (Par.  Schwarzen- 
berg)  12. 

Breitenhain  b.  Lucka  31  f. 

Breitingen  b.Regis  33!  60.  62.  270. 

Bremen  306. 

Breslau  157. 

Breslau  er  Bier:  Schöps  316. 

Breugel,  Peter,  in  Reudnitz  151. 

Breunsdorf  (Brunigisdorf')  b.  Borna 
3  2  f. 

Bröckau  [  Brockowe]  (Kr.Zeitz)  3  6  f. 

Brück,  Kanzler  Kurf. Johann  Fried- 
richs 8 7 ff.  93. 

Brückner,  Mecklenburg.  Student 
in  Leipzig  325. 

Brühl,  Graf,  Premierminister  119. 

133-   135-  .139-   144. 
Brunn  b.  Reichenbach  53. 
Brunner,  Oberlehrer  in  Cham  345. 
Bruno  IL,  Bischof  v.  Meifsen  225. 
Bruno,  Graf  70. 
Buch,  Kloster  225.  236. 
Buchen,  Amt  (Kr.  Mosbach)  346. 


Buchholzer  Geschichtsverein  392. 
Buchwald,  Georg  96. 
Budissin  s.  Bautzen. 
V.  Bünau  31. 

„  Günther  32.  36. 

„  Heinrich  27.  303. 
Bünauroda  b.  Pröfsdorf  31. 
Bürgel,  Kloster  65.  232.  258. 
Bvigenhagen  95  f. 
Burgk,  Andr.Jak  ,  in  Grimma  106. 
Burg.städt  273.  278. 
Burkersdorf  (Par.  Kirchberg)   15. 
230. 

„  b.  SchmöUn  71. 

„  b.  Saara  77. 
Burkhardsgrün   (Par.  Neustädtel) 
12. 

Caasen  (Girsau,  Gasau,  Kazin)  in 

Reufs  37!'. 
Cainsdorf  b.  Planitz  58.  230. 
Calbe,  Kreis  343.  345. 
Callenberg  234!  237.  239. 
V.  Callenberg,  Albert  235. 
Capellenberg  b.  Meinsdorf  2^6. 
Capieux,   Maler  und  Student  der 

Mathematik  327. 
Chalcedon,  Konzil  zu  35. 
Cham  (Oberpfalz)  345.  348. 
Chammünster    (Oberpfalz)    344 ff'. 

35of. 
Chemnitz  (Fluls)  242ff.  273,  277!'. 
„  (Stadt)  23.  25.  29.  115.  137.  236f. 

244.  248.   253.   273.    277ff.  310. 
„  (Amt)  130. 

„  (Ephorie)  270  ff. 

„  Realgymnasium  398. 

„  Verein  f.  Chemn.  Gesch.  209. 
Christoph,     Herzog    v.    Bayern- 
München  155.  162. 
Chvmradus  de  Wolt  .  .  .  346. 
Chursdort'  (Cursdorf)  b.  Penig  24. 

„  b.  Culmitzsch  49.  236. 
Chutizi,  sorb.  Gau   31.    33.   241  ff. 

245.  264.  275.  277ff. 
V.  Clary,  Graf  121. 
Clausa  b.  Ehrenhain  72. 
Clemens  IIL,  Papst  241. 
Coarwitz  b.  Osterweih  225!'. 
Colin  a.  d.  Spree  115. 
Colditz  137.  242.  247.  278.  281. 

„  (Schlofs)  219. 
V.  Colditz,  Herren  267. 
„  Gumpert  233.  235. 
„  Heinrich  233.  252. 


Register. 


403 


V.  Colditz,  Otto,  s.  Sohn  252 f.  257. 
„  Otto  30.  233. 
„  Thimo  235. 
„  Ulrich,    der  Vater    Gumperts 

233.  235.  252. 
„  Beatrix,     s.   GemahHn,     Erb- 
tochter v.  Wolkenburg  233.  252. 
„  Volrad  30.  233.  235.  252. 
•Connewitz  328. 
Conradisdorf  b.  Freiberg  238. 
Conradus  de  Eybenstock,  Stadt- 
pfarrer in  Eibenstock  13. 
Constappel  281. 
Coquina  s.  Küchenmeister. 
Corbufsen  [Korbeysen, Korweisen] 

(b.  Gera)  39. 
Cosma  (Cozmin)  b.  Altenburg  62. 

65.  71.  262.  270. 
Cosmas  v.  Prag  281. 
Cossa  s.  Obercossa. 
V.    Cossitz     (Kossiez),     Heinrich, 

Pleifsner  Archidiakon  256! 
Cotteritz  b.  Altenburg  67. 
Craschwitz  b.  Windischleuba  78  f. 
Crazdorf  b.  Windischleuba  79. 
Crimmitschau    (Crematzowe)    51. 

57.  62.  72.  231.  251  f.  2S7f.  263. 

266.  268.  311. 
„  Martinskloster  64. 
„  s.  a.  Schönburg. 
„  (Crimazhowe,   Crimpschow) 

Wüstung  b.  Reichstädt  45.  47. 
Crinitz  (Nieder-)  b. Kirchberg  228. 
Cronschwitz,   Kloster  bei  Weida 

40.  46ff.  5of.  55.  66.  70.  252ff. 

259!   342.  344 f.  348 ff. 
Crossen  (Crozne)  b.  Zwickau   16. 

18.  20.  61  f.  68f.  220.  226.  230. 

265.  268.  284. 
Crottendorf  (Eph.  Annaberg)  271. 
Culitzsch  b. Kirchberg  15.  58.  61  f. 

220.  228.  230.  268. 
Culm  (Kulmen  Kolme)  b.Langen- 

berg  3  7  f. 
Culmbach  95. 
Culmitzsch  (Colmaz,  Kolmitzsch) 

b.  Werdau  49!  52.  57.  61. 
Culten  b.  Crimmitschau  231. 

Dänkritz  b.  Crimmitschau  222.231. 

Dahme  2ii2.  304. 

Dalaminzi,  Gau  70.  242  ff.  248.  277. 

279. 
Danzig  321. 
Dann,  Feldmarschall  121.  123.  125. 


DeHtz  (Delcz)  s.  Thilo. 
Denkmalsptlege,  9.  Tag  f.,  394. 
Dennheritz  b.Meerane  11.  233.263. 
Delitzsch,  Kreis  343. 
•J„  (Döhtzsch?)  115. 
Dessau  106.  115. 
Deutschendorf   (Tutzschendorf, 

Duitschendorf  usw.)  in  Reud- 

nitz  150! 
Deutscher  Orden  27!".   54.   64.  76. 

235.  258.  266.  294.   342  f.  35of. 
Deutschland  107.  117.  134.  284.  312. 

s.  a.  Agnes,  Adolf,  Albrecht, 

Arnulf,   Ferdinand,  Friedrich, 

Heinrich,  Karl,  Konrad,  Lud- 
wig, Maximilian,  Otto,  Philipp, 

Sigismund,  Wilhelm. 
Deutzen  b.  Regis  33.  60. 
Dietrich,  Hofmaler,  Direktor  142. 
Dietrich,NaumburgischerDechant 

249. 
„  Mkgr.  V.  Meifsen  28. 
„  d.  Bedrängte,  Mkgr.  v.  Meifsen 

16.  59.  65!  224.  229! 
Dippelsdorf  b.  Ehrenhain  72.  75. 

77  f. 
Dippoldiswalde  124. 
Dittersdorf  (Par.  Löfsnitz)  12. 
„  b.  Blankenhain?  51.  243! 
Dobena,  Gau  265. 
Dobitschen  b.  Altenkirchen   44 f. 

62.  270. 
V.  Dobitschen,  Heinrich  44. 
Doblitz  115. 

Dobra  b.  Hartroda  46.  71. 
Dobraschitz  b.  Mehna  42.  45. 
Dobrilug,  Abt  V.    287.  293. 
Döbeln  (Doblin)    245.    2790.    310. 

343-  348. 
Döben  b.  Grimma  247. 
Dohlen  b.  Dresden  49.  347!'. 
Döllnitz  (Flufs)  243. 
Dölzig  b.  Monstab  42! 
Dolsenhain  (Dolsenaw)  b.  Gnand- 

stein  29. 
V.  Donyn,  Herr  295. 
„  Margarete,    vereh.  v.  Polenz, 

wieder  vereh.  v.  Kittlitz  295. 
Dorna  (Turnuwan,Tornewan)  37ff. 
Drachenfels    (Drakinvelz) ,    Burg 

b.  Penig  233. 
„  Henricus  de  18.  233. 
Drebkau  294.  303. 
Dreihof,  Gut  b.  Oelsnitz  2. 
Dreiwerden  b.  Mittweida  245. 


404 


Register. 


Drenowe,  Theodoricus  de  29. 
„  Kunigunde,  s.  Frau  29. 
Drescha  b.  Altenburg  67. 
Dresden  ifif.  85 f.  90.  94.  104.  106. 

115.   iigfif.    123.    137.  143.  146. 

148.  245.  280.  291.  307.  332.  347f. 
Kunstausstelkmg :  Kunst  u.  Kultur 

unter  d.  sächs.  Kurfürsten  397. 
Verein   f.  Gesch.  Dresdens    391. 

s.  a.  Altertvims verein. 
Drews,  P.  96  ff. 
Droganer  Mark  b.  Wyhra  33. 
Drogen  (Drogane)  68. 
Drosen  b.  Altenkirchen  45.  51  f. 
Drofsdorf  (Par.  Kieritzsch)  31  f. 
Droyfsig  (Kr.  Weifsenfeis)  34.6. 
Dürrengerbisdorf(Gernesdorff)24. 

233. 

Eberhard,  Leonhard,  Prediger  in 

Culmbach  95. 
Ebersbach  b.  Oberwinkel  23.  232. 

239. 
„  der  239.  248. 
Ebersbrunn  (Ebelsbrunn)   55.   61. 

221  f. 
V.  Ebersdorf,    Ritter    Reinprecht 

297.  299 ft".  304. 
Ebert  (Joh.  Arnold)  341. 
Eckersbach  b.  St.  M(3ritz    16.   20. 
Eckersberg  b.  Syhra  28. 
Eger  3.  347  f-  350- 
Egerer,    Conrad,    Patrizier    in 

Zwickau  257. 
Ehrenberg  b.  Saara  77. 
Ehrenhain   [fr.  Fuchshain,    Hain, 

Indago]    (Eph.  Altenburg)   30. 

62.  72.  77!  262.  269ff. 
Eibenstock  13.  53.  61. 
Eichehdorft"  339. 
Eichlaide  b.  Waidenburg  23. 
Eifel  277. 
Eilenburg  91.  115. 
Eilward,  Bischof  v.  Meifsen    247. 
V.  Einsiedel  27. 

„  Heinrich  157. 
Eisenberg  16.61.65.74.  79.  257.264. 
Eisleben  115. 

Elbe  242f.  246f.  277 f.  281. 
Elisabeth,  Gem.  K.  Albrechts  291  f. 

297. 
„  Zarin  119.  126. 
„  Gem. Hz. Friedrichs  V.Sachsen 

271. 
,,  Priorin  in  Cronschwitz  50. 


Elsafs  105.  107. 

Elsenlinde,  Landhaus  b.  Leulanitz 

i.  Vogtland.  7. 
Elster  (Flufs)  56.  245.  279.  349. 
Elsterberg  27.  56.  58. 
Elsterwerda  283.  302!'. 
Eiterlein  (Eph.  Annaberg)  12.  271. 
Elzing,  Filiale  v.  Mühlau  236. 
V.  Ende,  die  51.  267. 

„  Götz  (Götzen)  51.  157.  161. 

„  Hans  157. 

„  Heinrich,  Dekan  261. 

„  Konrad  (Cunradt)  52. 
Engelhardt  (C.  A.)  162.  164. 
Engelkreis,  Heinr.  261. 
England  142.  342. 
Ephraimiten  (Münzen)  136. 
Erbach,  Schenk  Phil.,  Herr  zu  1 59. 
Erbstein,  Julius  Rieh.,  Geh.  Hof- 
rat, Dr.  jur.  215. 
Ercker  v.  Kapting,  Franz,  Bischof 

V.  Freising  347. 
Erdmann,  Bürgermeister  in  Lüb- 

ben  142. 
V.  Erdmannsdorf,  Herren  245. 

„  Diether  157.  161. 

„  Heid  157.  161. 

„  Nikolaus,  Archidiak.  256!  259. 

261.  264. 
Erfurt  312. 
Erlau  280. 

Erlbach  b.  Schlunzig  222. 
Ernestiner,  die  5.  49.  82.  267 f.  272. 
Ernst,  Kurf.  V.  Sachsen  1550. 
Ernstthal  237. 
Eschefeld  b.  Frohburg  28 f.  60.  62. 

269.  271. 
Eselsberg  b.  Monstab  42. 
Eugen  III.,  Papst  223. 
Eutritzsch   i5off.  154.  327!". 
V.  Eyb,  Ludwig  159. 

Fabricius  315.  325. 

Falken  b.  Waidenburg  238  f. 

Falkenau  b.  Grofsstechau  51. 

Federangel,  Hans,  258.  398, 

Ferdinand  IL,  Kaiser  105. 
„  III.,  Kaiser  i04f.  108  f. 

Fichte  (Joh.  Gottlieb)  129. 

Fichtenhainichen  b.  Rositz  42.  73. 

Finsterwalde  283.  286.  302. 

Flemmingen  b.  Penig  29!  60.  62. 
150.  235.  27of. 

V.  Fletscher,    Freih.,    sächs.  Be- 
vollmächtigter 120. 


Register. 


405 


V.  Florstedt  (Flucrstedt),  die   240. 

„  Gotfridui  240. 
Flurnamenforschunsi"  u.  -berichte 

395- 
Franken  (Land)  288.  3051'.  310. 
„  b.  Woliienburg  5.  23.  2'jofi. 
Frankenau    b.  Altenkirchen    46  f. 

61  f.  268  if. 
Frankenberg  245.  273.  2790. 
Frankenhausen    b.  Crimmitschau 
(Kloster)    62.    65.    68.    76.   258. 
260  ff.  267!. 
Frankenreut  56. 
Frankfurt  a.  O.  314. 
Frankreich  142.  312. 
V.  Frauenberg,  Wolfg.  161. 
Fraureuth  (Reufs)  56. 
Frege,  Bankier  in  Leipzig  3311.334. 
„  Weltzienstiftung  214. 
Freiberg    82 ff.    94.    96.    loi.    115. 
13-.  280.  295. 
„  Altertumsverein  209. 
Freiburg  250. 
Freising  347. 
Frenfsdorff,  Mart.,  Stadtpfeifer  in 

Dessau  106.  115. 
Freydiger,  Sekretär  Herzog  Hein- 
richs 89. 
Friedland  in  Mecklenburg  105.  112. 
Friedrich  L,   Kaiser  64.  219.  223. 
241.  258. 
„  n.,  Kaiser  42.  44.  58.  64!  265. 
„  IV.,  Kaiser  295  f. 
„  IL,  Kurf.  V.  Brandenburg,  der 
Eisenzahn    288!".    293  f.    3 00 ff. 
303.  308. 
,,  der  Jüngere  286.  308. 
„  I.  (d.  Freidige),  Mkgr.  v.  Meifsen 

13.  15-  47-  55-  244^ 
„  II.  (d.  Ernste),  Mkgr.  v.  Meifsen 

15.  16. 
„  III.(d.  Strenge),  Mkgr. v.  Meifsen 

57.  66.  267. 
„  IV.  (d.  Friedfertige),  Markgr.  v. 

Meifsen  63. 
„   Friedrich  I.,  d. Siegreiche,  Kurf. 

V.  d.  Pfalz,  155.  157.  166. 
„  Friedrich  d.  Gr.,  Kg.  v.Preufsen 

I  i8f.  143.  148. 
„  Herzog  v.  Sachsen  290 f.  293! 

297 ff.  302.  308  ff. 
„  II.   (d.   Sanftmütige),   Kurf.   v. 

Sachsen  59.  288. 
„  III.  (d. Weise',  Kurf.  v.  Sachsen 

S-  69.  267. 


Friedrich  AugustI.,Kurf.v.Sachsen 
118.  126. 
„  III.  (I.),  Kurf. (König) V.Sachsen 

118.   130.  136.   145  t. 
„  III.,  König  V.  Sachsen  3. 

Friedrich  Christian,  Kurf.  v.  Sach- 
sen 146! 

Friedrich  de  Gluchowe  parrochia- 
nus  venerabilis  19. 

V.  Fritsch,  Freih.,  Minister  126. 

Frohburg   27.    29.   31.  34.  60.  62t. 
68.  269.  271. 

Frohna  s.  Frone. 

Frohnauer  Hammer  213. 

Frohnbach,  der  23 f.  2360.  248. 

Frohnsdorf  b.  Flemmingen  30. 

Frone,  Heinricus  de  240. 

Froner  (Vronerus),  Cunradus  240. 
„  Hans,  Vogt  v.  Mühltroff  240. 

Fuchshain  s.  Ehrenhain. 

Fürstenberg  s.  Geyersberg. 

Fues,Wolfg.,  Pfarrer  inLeisnig  83. 

Fulda  276. 

Gablenz  62.  75.  231.  268. 
„  Dietrich  von  der  260. 
,,  Georg  von  der  64. 
Gähsnitz  b.  Niederwiera  76. 
Gana  (im  Dalemincegau)  279. 
Garbisdorf  b. Flemmingen  30.  270. 
Garbus  b.  Ehrenhain  72.  78. 
Gardschütz  b.  Saara  77. 
Garnsdorf  a.  d.  Chemnitz  243.  277. 
V.  Gattersleben,  Dietrich,  Pleifsner 

Archidiak.  254!  257.  260. 
Gautsch  328. 
v.  Gebhard,  Justus  117. 
Gebirgsverein  f.  d.  Sächs.Schweiz, 

Hist.  Sektion  211. 
Gecksdorf  am  Pfaffenberg  237. 
Gehürne,  das,  Wald  b.  Greiz  57. 
Geliert  125.  341. 
Georg,  Herzog  v.  Sachsen  86.  88. 

91.  93.  267.  271. 
Gera  4.  15.  38.  40.  48.  55.  59.  61. 

115.  226.  259.  308.  310. 
v.  Gera,  Jutta,   geb.  v.  Strafsberg 

344-  349-  351- 
„  die  Vögte  349. 
Geragau  224. 
Geraha,  sorb.  Gau  35.  37.  46.  226. 

264. 
Gerbert,  Mönch  in  Hersfeld  275. 
Geres  s.  Jerisau. 
Gerhard,  Archidiakonus  19. 


4o6 


Register. 


Gerhard,  Propst  44. 

Geringswalde  18.  33. 

Gernesdorff  s.  Dürrengerbisdorf. 

Gero  arcliiantistes  247. 

Gersdorf  (Gerharsdorff),  Parochie 
Lauenhain  23.  74.  222.  231.  238!. 
„  Parochie  Remse  236. 

Gerstenberg  b.  Treben  78. 

Gervvicus,  Dekan  58. 

Gesamtverein  d.deutschenGesch.- 
u.  Altertumsvereine  393. 

Gesau  (Jesaw,  Gisa)  b.  Glauchau 
14.  22.  6if.  231.  263.  271. 

Geyersberg(Fürstenberg)b. Kirch- 
berg 13. 

Gieba  ( Altenburg")  270! 

Giegengrün  b.  Kirchberg  58. 

Gielsen  96. 

Gimmel  b.  Altenkirchen  68. 

V.  Gladis,  Falko  261. 

Glaser,  Clemens  83,  92. 

Glauchau  (Gluchowe)  14.  i6ff.  22. 

61.  64.   69.    115.    158.  224.  230. 

233 f-  237 f-  244-  259- 

V.  Glauchau,  Herren  267,  s.  auch 
Schönburg. 

Gleina  b.  Saara  77. 

Gleisberg,  Burg  219. 

Glösa  b.  Chemnitz  244. 

Glogau  284. 

V.  Glogau,  Hans  286. 

Glomazi  242. 

Glomuzzi,  Gau  277. 

Gnadschütz  b. Altenkirchen  45.  68. 

Gnandstein  b.  Frohburg  21.  28 f. 
60.   62.   27of. 

Gnannendorf  (Grannendorf),  Wü- 
stung b.  Üorna  37!  226. 

Gödern  (Guderin)  b.  Altenburg 
43f.  62.  67.  73.  235.  269! 

V.  Gödern,  Peter  231.  234! 

Gödissa  (Godescowe)  b.  Altenburg 

62.  64.  67.  269. 

Göhren  b.  Gödern  43.  73.  344.  351. 
Göldschen  (Gotelcian)  b.  Gödern 

4?.  67-  73;. 
Göllnitz  (Golniz)  b.  Altenkirchen 

62.  67.  270. 
Göpfersdorf  b.Flemmingen  30. 270. 
Görnitz  (?)  b.  Borna  21. 
„  b.  Bröckau  33.  37.  60. 
Görschen  s.  Zorbau. 
Gösdorf  b.  Gieba  73. 
Göfsnitz  (Goznicz)  b.  Meerane  21. 

30.  62  f.  74.  76 f.  270. 


V.  Goethe  ( Joh.  Wolfg.)  316!'.  319t. 

230.  341. 
Göttingen  321    323. 
Gohlberg  b.  Constappel  281. 
Gohlis  b.  Leipzig  150.  152.  154. 
„  s.  Golitz. 
Golitz  328. 
Goldscha  b.  Saara  (=  Goldschau  ?) 

73.  77- 
GoUis,  Theys,  in  Reudnitz  151. 
Golfsen,  Burg  286.  295. 
V.  Gorenz,  die  286. 
Gorma  b.  Rositz  42.  73. 
Gospersgrün  56.  221. 
Gossengrün  56. 
Gottesgrün  (Reufs)  56. 
Gottsched  3 40 f. 
Gozne  s.  Hwoznie. 
Grabowe  b.  Glauchau   16.  17.  20. 

226    230.  234. 
Graicha(Grichawa)b.Altenkirchen 

45.  68.^ 
Graiz  s.  Greiz. 

Gramsdorf  (Kr.  Calbe)  343.  345. 
V.  Grechtler,  Baron  121.  124. 
Gregor  IX.,  Papst  20.  41.  49.  207. 
Greifenhain  b.  Frohburg  28.  60. 
Greipzio;  b.  Saara  77. 
Greiz  (Graiz,  Greucz)  40.  52.  56f. 

61.  259.  265!. 
Griesbach  (Grasbach),  (Par.  Neu- 

städtel)  12 ff.  61.  229. 
Grimma  106.  137. 
Grobosdorf  b.  Altenkirchen  68. 
Gröba  b.  Kriebitsch  42.  70. 
Groitschen  (Greuschz,  Groycz)  b. 

Langenberg  37  f. 
Groitzsch  3 1  ft. 

V.  Groitzsch,  Wiprecht  64.  219. 
Groluwic  b.  Altenkirchen  68. 
Grofs-Aga  b.  Langenberg  39. 
Grofsbraunshain  45  f.,  s.  a.  Brauns- 
hain. 
Grofsenhain  (Hain)  214.  220.  295. 

303. 
Grolsenstein     (Stegen,      Seegin), 

(Altenburg)  39  f.  51.  61. 
Grofshennsdorf  33.  60. 
Grofsmecka  b.  Gieba  62.  72!".  269!. 
Grofsröda  (Rodiwe,  Rodowe)  41. 

43.  62.  65.  270.,  s.  a.  Röda. 
Grofsschlaisdorf  241. 
Grofsstechau  45.  51  f.  61  f.  268.  270. 
Grofszschocher  328. 
Growithau  37. 


Register. 


407 


Grün,  Villa  s.  Bermsgrün. 
Grünau    (Villa  Grün)  b.  Wilden- 
fels 12. 
Grünberg  62.  65.  268. 
„  -Frankenhausen  258. 
„  Schlois  158. 
Grüner,  Hans  161. 
Grünhain,  Par.  12. 
„  Cisterc.-Kloster  46.  65.  68.  73. 

78.  230.  248.  265!".  268. 
Gilhistädtel  b.  Schwarzenberg  12. 
Grumbach  b.  Oberwinkel  23.  232. 

239. 
„  der  (Lufsnitz)  234.  237. 
Guben  294.  299.  311. 
Guderin  s.  Gödern. 
Güldenpörten ,  Wüstung   b.  Wil- 

denpörten  71. 
Günther,    Pfarrer  in  Gnandstein 

21.  29. 
„  Viceplebanus  73. 
Güterbogk  s.  Jüterbock. 
Gurlitt,  Geh.  Hofrat  343. 
Gutschmid,  Vizekanzler  120.  122. 

126. 
Gvozdec  (Gwozdez),  Burg  a.  d. 

Elbe  281. 

V.  Haagen,  Geh.  Kriegsrat  120. 
Haara  (Villa  zu  dem  Harde),  (Par. 

Schönau)  12.  14  f. 
Härtensdorf,  Par.  12.  226.  229. 
V.  Hagedorn,  Herr  121. 
Hagel  s.  Havel. 
Hagenest  b.  Lucka  31. 
V.  Hagenest,  Dietrich,  Pleban  79. 
Hain  s.  Ehrenhain,  Grofsenhain. 
Hainholz  b.  Hohenstein  237. 
Halle   50.    115.  255.  257.  259.  315. 

317.  321.  323.  325.  327.  334. 
Hamburg  96.  321. 
Happe  s.  Hoff. 
Hartenstein   12.    13.    55.   227.  248. 

266.  271. 
„  Forst  223.  227.  229.  259. 
Hartha  46, 

Harthau  b.  Niederwiera  76.  222. 
Harthwaldung  222.  231. 
Hartmann,  Propst  251. 
Hartmannsdorf   b.  Kirchberg   15. 

33-  58.  61.  229ff.  237. 
Hartroda  b.  Altenkirchen  39.  45  £f. 

62.  71.  270. 
Hasel  b.  Vielau  12.  226. 
Haselbach  33!'.  51  f.  61. 


Hasse,  Professor  129. 
Hassenstein  s.  Schönburg. 
V.  Hauer,  Edler  124!". 
Hauersdorf  72.  77. 
V.  Häugwitz,  Jan  157. 

„  (Lurgwitz),  Johann  157. 
Hauptmannsgrün    (Hertmasgrun) 

b.  Reichenbach  54. 
Havel  115. 

Haye,  Inspection  137. 
Heidelberg  312. 

Heiersdort  b.  Ehrenhain  72.  76.  78. 
Heiligenleichnam  b.  Saara  77. 
Haimatschutz,   Binid.  Hauptvers. 

.393- 
Heinrich  L,  König  279. 
„  II.,  Kaiser  241.  245.  247. 
„  IV.,  Kaiser  39.  70.  218. 
„  VI.,  Kaiser  64.  224! 
„  Herzog  v.  Bayern  219. 
„  d.Erlauchte,Mkgr.v.Meifsen28. 
„  d.  Fromme,  Herzog  v.  Sachsen 

82.  84ff.  88f.  91.  94.  loi.   103., 

s.  a.  Reufs. 
„  Pleifsner  Archidiak.  218  f.  2491. 

„  (de  Czernczin),  Archidiak.  252. 

„  V.  Dobitschen  44. 

„  Pfarrer  v.  Grofsenstein  40. 

„  V.  Halle,   Pleifsner  Archidiak. 
so.  255.  257.  259. 

„  Dechant  zu  Hartenstein  227. 

,,  Abt  V.  Hersfeld  244.  280. 

„  dictus  de  Kirchtorf  47. 

„  Pleban  in  Mülsen  226. 

„  Pleban  in  Ponitz  76. 

„  Erzpriester  in Rasephas 76.  260. 

„  Pfarrer  zu  Swencz  68. 
Heio  275! 

Heibig,  Kommerzienrat  142. 
V.  Heldrungen,  die  346. 

„  Gerlach  251.  257. 

„  HochmeisterHartmann  346.351, 
Helmsdorf   b.    Niederschindmaas 

22.  265. 
Helmstädt  315. 
Hemmendorf  b.  Lucka  31. 
V.  Henneberg,  Graf  Wilh.  157.  161. 
Herbardus  plebanus  de  Thekwicz 

73- 
Hergen  s.  Stegen. 
Herimannus,abbas  deBurglere2  3  2. 
Heringen,  Direktor  126. 
Herlagrün  b.  Auerbach  53.  60. 
Hermannsgrün  (Reuß)  56. 


4o8 


Register. 


Hermannus,  plebanus  de  Hirsleld 

59- 
Hermersdort  (Par.  Weilsbach)  12. 

244. 
Hermsdort  242 

Herrnsdorf  b. Wolkenburg  23.2385. 
Hersfeld  244!".  275.  280! 
Herzberg  219.  304. 
Heseler,  Herrn,  v.,  Pleifsner  Archi- 

diak.  253.  277. 
Hessen  280. 

Heuersdorf  b.  Breunsdorf  33. 
Heukendorf  b.  Kriebtisch  42. 
Heukewalde  40.  48. 
Hey,  Professor  281. 
Hevnemann,  Gregor,  in  Freiberg 

83.  92 
Hiller,  Joh.  Adam  340. 
Himmelkron  (Oberpfalz)  348. 
Hinteruhlmannsdorf'  b.  Ziegelheim 

.  3°- 
Hinteruhlsdorf  b.  Flemmingen  235. 

270. 

Hirschberg  268. 

Hirschensprung  220.  222. 

Hinschfeld  b.  Gera  37 ff.  58f.  61  f. 
220.  229!  259. 

Höckendorf  b.  Gesau  14.  22. 

Höhkübel  b.  Hartha  46. 

Hölzel  (Par.  Wermsdorf )  14.  17. 

Hoff    (oder    Happe),     Dionysius, 
Dechant  261. 

Hohendorf  a.  d.  Schnauder  31  ff. 

Hohenforst  s.  Borberg. 

Hohengrün  53. 

Hohenkirchen  46  f.  62.  236. 

Hohenleuben  4.  265. 
„  Vogtländischer    Altertumsfor- 
schender Verein  4.  6. 

Hohenpenig  (Wissepnig)  242. 

Hohenstaufen  219. 

Hohenstein  234.  2 36  f. 

Hohenzollern,  die  284.  295. 

Holland  243. 

Hommel,  Dr.,  in  Leipzig  333. 

Hoyersdorf  b.  Niederwiera  30. 270. 

Hoyerswerda  285 f.  295.  297. 

Hubertusburg  118.  243. 
„  Friede  zu,  133.  138.  145.  147. 

Huelin  s.  Jauern. 

Hüttenbach,  Hüttengrund  b.  Ho- 
henstein 237  f. 

Hüttner,  Christiane  Friederike  s. 
unter  Raab. 

Hugo,  plebanus  de  Cygilheim  30. 


Hugo,  sacerdos  de  Gerese(Jerisau) 

20  f. 
Humanismus  313! 
Humboldt  (Alex,  v.)  119. 
Hundshübel  (Par.  Eibenstock)  13. 

53- 
Hussiten  12.  24.  69.  237.  287.  309, 

Hwoznie  (Gozne,  Howznie)  244  t. 

273.  279f. 

V.  Ileburg,  Herr  295. 

Illsitz    (Hilsice)    b.    Altenkirchen 

45-  67. 

Indago  s.  Ehrenhain. 

Ingramsdorf  b.  Grofsstechau  51! 

Innocenz  IL,  Papst  46. 
„  IV.,  Papst  241. 

Irlersgrün  (Ernphornzgrun)  b.  Rei- 
chenbach 54 f.  61. 

Isny  321. 

Italien   312. 

Jahnshain  (Eph.  Chemnitz)  271. 
Jakob  V.  Grünhain,  Pfarrer  46. 
Jauern    (Huelin)    b.  Altenkirchen 

67.  77. 
Jena  93.  118.  314!  317.  319.  323ff- 

327.  334.  336. 
Jenzig,  Berg"  219. 
Jeremiasberg   b.  Lauter   (Lauter- 
berg, Luderni,  Mons  Luderin) 
220.  222. 
Jerisau    (Gersa,    Geres    usw.)    b. 
Glauchau    18 ff.    61  f.    231.   234. 
238!  260.  263.  271. 
Johann  XIII.,  Papst  240. 
„  XXIII. ,  Papst  246 f.  256. 
„  Mkgr.  V.  Brandenburg  308. 
„  d.  Beständige,  Kurf.  v.  Sachsen 

5.  69. 

„  Friedrich,  d.  Grofsmütige,  Kurf. 

V.Sachsen  85.  87 ff.  93.  267.  269. 

Johannes,     Regularkanoniker    in 

Altenburg  254. 

,,  Mag.,  V.  Chemnitz,  Pfarrer  in 

Zwickau  253. 
„  Dominikanerprior    v.   Lieben- 

werda  252! 
„  plebanus  in  Luben  79. 
„  Pfarrer  v.  Meerane  254.  260. 
,,  V.  Mildenfurth,  Propst  49. 
,,  plebanus  in  Stangengrün  60. 
Johannis     Kilian     v.   Lichtenfels, 

Dechant  261. 
Jonas,  Justus  91. 
Jonaswalde  b.  Nöbdenitz  48.  51. 


Register. 


409 


Jückelberg  b.  Flemmingen  30. 
Jüdenhain  (Par.  Thurm)  14.  226. 
Jüterbock  115.  298.  304 f.  307. 
Jutta  s.  Gera,  Jutta  v, 
„  doinina  347. 

Kämnitz  s.  Chemnitz. 

Kandier  237. 

Kahnsdorf  242. 

Kaimnitz  b.  Saara  77. 

Kakau  (Coacowe)  b.  Altenkirchen 
4Sff.  71. 

Kalau  286.  295.  299.  304. 

Kalba  105.  115. 

Kamenz  106.  286. 

Kammerforst  b.  Treben  40. 

Kastner,  Lor.,  in  Freiberg  83!  92. 

Karl  IV.,  Kaiser  22.  266. 

Karl,  Prinz  v.  Sachsen  120. 

Karlstadt  85. 

Kastl  (Oberpfalz)  348. 

Katharina,   Markgrälin -Witwe  v. 
Meifsen  255.  285. 
„  Herzogin  v.  Sachsen,  Gemahlin 
Herzog  Heinrichs  82.  8 8  ff.  93! 

Kavierndorf  b.  Rasephas  76. 

Kaufungen  b.  Penig  23.  61.  238! 

V.  Kaufungen,  die  235.  267. 
„  Albrecht  27. 
„  Tunzold  235. 
„  Volkwin  (Volzc)  235. 

Kauritz  (Par.  Göfsnitz)  21.  74. 

Kayna  (Choyne)  a.  d.  Schnauder 
36f.  43.  62. 

Kertschitz  (Kissiz)  b.  Altenkirchen 
68. 

Kertzsch  (Kirtzs)  b.  Remse  23.  76. 
231. 

Kiefemberg  237. 

Kieritzsch  b.  Groitzsch  31. 

Kiefskalt,   Postsekretär  in  Nürn- 
berg 343  ff. 

Kirchberg,  i3flf.  58.  61  f.  220.  223, 
228ff.  259.  263.  265.  268. 
„  Altertumsverein  392. 

Kirchberger  Bach  231. 

V.  Kittlitz,  Herr  295. 
„  Margarete  s.  Donyn. 
,,  Otto  295. 

Kleinbernsdorf  (Beringersdorf)  21. 
51.  72.  234. 

Kleinbraunshain  46.,  s.  a.  Brauns- 
hain. 

Kleineschefeld  b.  Frohburg  34. 

Kleinmecka  b.  Gieba  73. 


Kleinröda  41,  s.  a.  Röda. 

Kleinrückersdorf  b.  Haselbach  52. 

Kleinschlaisdorf  241. 

Kleinstechau  b.  Grofsstechau  51  f. 

Klein-Tauschwitz  b.  Saara  77. 

Kleinwulm  (Vulmin)  16.   18. 

Klein-Zschocher  328. 

Klösterlein,  Par.  12.  227.  229. 

Klopstock  341. 

Knabe,  Gregorius,  in  Zittau  106. 

Knappendorf  286.  291.  299. 

V.  Knau,  Familie  78. 

V.  Knepelheim,  Diethrich  157. 

Knöse-Bach  (Nidperg)  244. 

Knothe,  Hermann  i. 

V.  Koberts  (Robert),  Jörg  157. 

Koblenz  285. 

Koburg  285 

V.  Köckeritz,  Gebrtider  294. 
„  Elena  294. 

„  Hans,  zu  Drebkau  303. 
„  „  zu  Elsterwerda  302!.  305. 

Köln  312. 

Königgrätz  2. 

Königsbrück  286. 

Königs walde  (Kunegeswalde)  231. 
263. 

Könnern  (Conre)  b.Magdeburg  230. 

Köstritz  39. 

Köthenitz  b.  Altenldrchen  45.  68. 

Kohlgarten  b.  Leipzig  328. 

Kohren  (Eph. Chemnitz)  28.  60.  271. 

Kolde,  Theodor  95  f. 

Kommission,  Kgl.  Sachs.,  für  Ge- 
schichte 207  ff. 

Kommission,  Hist.,  f.  d.  Prov.  Sach- 
sen u.  d.  Herzogt.  Anhalt  394. 

Konrad  III.,  König  2i8f.  232.  234. 
„  Mkgr.  V.  Meifsen  236.  282. 

V.  Kospoth,  Linda  7. 

Kostitz  b.  Röda  43. 

Kottbus  282.  292.  303.  305.  309.  311. 

V.  Kottbus,  Reinhard  292. 

Kraasa  b.  Monstab  42. 

Kraft,  Hans,  Prediger  348. 

Kratschitz  (Craz)  b.  Altenkirchen 
68. 

Kratzdorf  (Par.  Krotendorf),  sp. 
Neudorf)  12. 

Krause,  Joh.,  in  Kamenz  106. 

Krebitschen  1).  Monstab  42. 

Kretschwitz  (Gresewiz,  Crescu- 
wice,  Krezkewicz  usw.)  b. 
Langenberg  37! 

Kreutzen  b.  Tegkwitz  43. 


Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXIX.     3.  4. 


27 


4IO 


Register 


Kreysig  (Greusig),  Balthasar  157. 
Kriebitsch  b.  Monstab  41!".  62.  65. 

254.  259.  270. 
Ki'ienec,  Herrschaft    in  Böhmen 

286. 
Kröbern  b.  Monstab  42. 
Krotendorf,  Par.  12. 
Krywitz,  Kirchspiel,   b.  Monstab 

(=  Kriel^itsch  ?)  73. 
Küchenmeister  (Coquina),  Barbara 

347. 
Kühnheyde  (Par.  Zwönitz)  12. 
Kühren  (b.  Leipzig?)  150. 
Kürbitz  b.  Cosma  56.  71. 
Kürtzscher,  Franz  80. 
Kuhnau,  Kantor  in  Leipzig  3 39 f. 
Kuhschnappel(Kosnapole)  237. 239. 
Kummer  b.  Schmölln  71. 
Kunegeswalde  b.Langenh  essen  84. 
Kunstat  s.  Podiebrad. 
Kurpfalz  155.,  s.  a.  Friedrich  L, 

Phihpp. 
Kuttenberg  285. 
Kypperling,  Georg,  Dechant  261. 

Landsberg  (Kr.  Delitzsch)  343. 
„  Mkgr.  Dietrich  v.  35.  66.  70. 
„  Friedrich  Tuta,  s.  Sohn  66.  70. 
„  die  Schenken  v.  286. 
„  Schenk  Friedrich  v.  292. 

Landshut  155. 

Langenbach  (Par,  Wildbach)  12. 

Langenberg  b.  Gera  37 ff. 

Langjsnberger  Höhe  237  ff.  244. 

Langenbernsdorf  b.  Werdau  49! 
61  f   66.  253.  259    268. 

Langenchursdorf  238! 

Langendorf  b.  Weif senf eis  31. 

Langenhain  (Par.  Michehvitz)  31. 

Langenhessen  b.  Werdau  62.  64. 
263.  268. 

Langenleuba-Niederhain  (=  Mit- 
telleuben, Luben)  b.  Penig  24 ff. 
60.  64. 

Lano;enleuba-Oberhain  (Luben  = 
Oberleuben)  b.  Penig  25.  28f. 
60.  79.  271. 

Langenlungkwitz  237. 

Langenreinsdorf  (Rein[hJersdorf) 
b.  Werdau  50.  62.  66.  253.  2<;5. 
268. 

Lass}-,  Graf,  Generalfeldzeug- 
meister 125. 

Lastau  (Lostatawa)  b.  Colditz  242. 
278. 


Lauenhain  (Lewenhagin)  b.  Lan- 
genberg 38.  62.  74.  222.  231. 
263,  268. 

Laukhard,  Friedr.  Christian  325. 

Lausigk,  Markt  219. 

Lausitz  27.  79.  124.  141.  147.  148. 
282 ff'.  305. 

Lauter  b.  Aue  12.  223. 

Lauterbach,  Ant.,  Diakonus  83. 
„  231.  244.  262.  263.  268. 

Lauterberg  (Luderni,  Mons  Lu- 
derin) =|eremiasberg  b. Lauter 

220.    222f. 

Leesen  b.  j\Ionstab  42. 
Lehndorf  b.  Saara  77. 
Lehnitsch  b.  Saara  77. 
Leichtenstein  (Lichtenstein?)  115. 
Leina,  Flufs  26.  29. 
Leipa  285. 

Leipnitz  (Amtsh.  Döbeln)  343. 
Leipzig  2.  104.  106.  115    123.  127. 

129.   132.   i34f.   137.   i4if.  i47f. 

150.    153!    156.    256.    261.    269. 

308     3I2ff. 

„  Bier:  Breuhahn,  Rastrum  316. 

„  französische  Kolonie  321. 

„  Kunstgewerbemuseum,  Stadt. 
398. 

„  Rcsenthal  317.  328. 

„  Vereinf.d. Gesch.  Leipzigs  392. 
Leisnig  83.  92.  219.  225.  267. 

„  Burggrafen  v    75.  240. 

„  Burggraf  Albrecht  XL  238. 

„  „  Hugo  267. 

„  „  Otto  L  26   64.  267. 

,,  Elisabeth,  s.  Gemahlin  26. 

„  Ehsabeth  v.  238. 

„  Sophie  V.  238. 

„  Gesch.-  u.  Altertumsver.  240. 
V.  Lengau  (Lengowe),  Chunradus 

344- 
„  Reicher  344. 

Lenkersdorf  iPar.  Löfsnitz)  12. 

Lentich,  Wüstimg  b.  Kriebitsch 
41. 

Lessing,  Gotthold  Ephraim  340! 

Leubabach  240". 

Leubnitz  i.  Vogtland  7. 

Leuterding,  Nicolaus,  Bautzner 
Stadtmusikant  105! 

Leutersbach  b.  Kirchberg  58. 

Lichtenau  (Par.  Kirchberg)  15.  58. 

Lichtenstein  18.  230.  259    266. 

Lichtenstern,  Kloster  in  Württem- 
berg 346.  348. 


Register. 


411 


Lichtentanne  b.  Zwickau  55!".  61. 

222. 
Lichtentanner  Bach  222. 
Lichtenwalde  245. 
Liebenwerda  282. 
Liechtenfels  261. 

Liefskirchen,  Farn,  in  Freiberg  86. 
Limbach  2^7!.  240.  248. 
Linda  (Lindowe)  40. 
Lindemann,  Kammerrat  126.  133. 
Lindenau  b.  Leipzig  328!". 

„  (Par.  Neustädtelj  12. 
Lindenborn  b.  Ebersbrunn  222. 
V.  Linz,  Jan,   161. 
Lipprandis  b.  Jerisau  21.  234. 
Lissen  250 
List,  Dietr.  29. 
Liutprand  234. 
Lobas  (Lubitz)  (Zeitz)  36. 
V.  Lobdaburg,  Herren  56.  349. 
V.  Lobdeburg-Amshaugk,  Hart- 
mann 345.  349. 

„  Otto  345. 
Lobeda  259. 
Lobsdorf  h.  Glauchau  14.   22.  61. 

238. 
Lobstädt  b.  Kieritzsch  31. 
Lodewicvis  plebanus  in  Plewenitz 

Löbichau  b.  Grolsstechau  51.  266. 
Löhmichen    (Löhmigen)  b.  Saara 

74.  77- 
Löpitz  b.  Saara  77. 
Löser,  Heinrich  157. 
Löfsnitz,  Par.  12.    227.    229.    234. 

2S9.  271. 
„  Gotteswald  223. 
Lohma  a.  d.  Leina  26.  29.  60.  64. 

71.  270 f. 
„  b.  Schmölln  51!.  63. 
V.  Lohma,  Adelheid  s.  Mutschau. 
Lommatzsch  310. 
V.  Lommersheim,  Walther  347. 
Lose,  Familie,  in  Freiberg  86. 
Lossen  b.  Gödern  43!  73.  295. 
Lostatawa  s.  Lastau. 
Lotther,  JNIatthes,  Kartenmaler  in 

Freiberg  8 3  ff.  90.  9 2  ff. 
Luben,     Lubin    s.   Langenleuba- 

Niederhain    u.   -Oberhain,    in 

parvo  Luben  s.  Windischleuba. 
v.Lubschwitz,  die  55.,  s.a.Lübsch- 

witz,  Lüschwitz 
Lucinsdorf  b.  Graicha  68. 
Lucka  31  f.  34f.  62. 


Luckau  214.  302.  304. 
Ludwig  d.  Bayer,  Kaiser  16.  233. 
„  d.  Reiche,   Herzog  v.  Nieder- 

bayern  155.   159. 
„  XlV.  V.  Frankreich  134. 
„  Pleban  in  Bocka  68 
„  „  in  Ortmannsdorf  226. 
Lübben  27.  142.   286    293ff.  298ff. 

302    304. 
V  Lübschwitz,  Gerhard,  Pleban  79. 
V.  Lüschwitz  (Lubeswicz),  die  43. 
V.  Lüttichau,  Kreiskommissar  125. 
Lumpzig  (Lonizka)  b.  Altenburg 

45  f.  62!.  269. 
Lungwitz,    die   14.   237.  239.  242. 

244.  248. 
Lungwitztal  229. 
Lunzenau  241. 
Lusizi,  Gau  241.  282. 
Lufsnitz  s.  Grumbach. 
Luther,  Martin  8  2  ff. 
Luthwinshain     (Lutoldishayn)    b. 

Hartroda  46. 
Lutschitz  43  (Lutschütz)  73. 
Luxemburg  288. 
V.  Ljdelow,  die  44. 

Mähren  276. 

Magdeburg  78.  230.  240.  284.  306. 

„  Erzbischof  Friedrich  223.  307. 

„  „  Gero  241. 

„  ,,  Wichmann  223. 
Mahlen  b.  Kayna  37. 
Mahlis  (Milus),  Wüstung  243. 
Mainz  39.  105    31 1. 
Mair,  Mart.  11.9. 

Maltis  b.  Altenburg  63.  74!'.  269t. 
V.  Maltis,  Gebrüder  75. 

„  Hieronymus  74. 
V.  Maltitz,  die  295. 

„  Christof  161. 

„  Heinr.  302. 
V.  Maltzahn  325. 
Mannichswalde    b.    Blankenhain 

5if.  63.  ;68. 
V.  Mansfeld,  Grafen  250. 
Margarete,    Herzogin  v.  Nieder- 
bayern 155. 

„  Herzogin  v.  Sachsen  308. 

„  Kurfürstin -Witwe  v.  Sachsen 
258. 
Maria     Antonia,     Kurfürstin     v. 

Sachsen  146!. 
Marienberg  115. 

„     Amtsh.  244. 


412 


Register. 


Marienthal  (Mero;iiithal)b.Zwickau 

58!.    61.    63.  220.   225.  228flf.  268. 

Markersbach  12. 

Markersdorf(  Marcword  estorp)  24  f. 

Marschalk,  Gg  161. 

Martin  V.,  Papst  249.  255! 

Mathias  Korvinus,  Kg.  v.  Ungarn 

158. 
Maulbronn,  Kloster  347  f. 
Maximilian  L,  Kaiser  155. 
Maydburgk,  Liborius,  Lic.  theoL, 

Pfarrer  80. 
Mechelgrün  i.  Vogtl.  i. 
Mechthllde,  Erzherzogin  v.  Öster- 
reich 160. 
Mechtild,   Priorin  v.  Cronschwitz 

252. 
V.  Meckau,  die  72 ff. 
,,  Margarete  238. 
„  Sefridus  de  (Mecko)  240. 
Mecklenburg  105.  285.  306. 
Mecklenburger  325.  333. 
Meerane  (Marc)    21  f    30.    63.    74. 

222.    231.    254.    260     263.    266. 

271 1. 
Mehna  (Menowe)  b.  Altenkirchen 

41  f.  44.  63f.  259.  262.  270. 
Meinerus,     Capellan     in    monte 

Smoln  50. 
V.  Meineweh,  Dudo  227. 
Meinsdorf  236 ff. 
Meinher  (I),    Burggraf  v.  Meifsen 

80.    250. 
Meifsen  2.  13.  23.  27.  56!  70.  78. 

114.    119.    125.'  137.    143.    154. 

157.     2361.     24of.     260.     28of. 

286.  291.  293  ff.  303ff. 
,,  (Bist.)  II.    14.  21  f.  23.  61.  219. 

237ff.  242    244ff.  278. 
„  (Mark)  281. 

„  Markgrafen  15.  32.  58.  72.  280. 
,,  Markgrafen     s      a.     Albrecht, 

Balthasar,  Dietrich,  Friedrich, 

Heinrich,  Katharina,  Konrad, 

Otto,  Wilhelm. 
„  Burggraf  s.  a.  Meinher. 
„  Bischöfe  s.  a.  Bruno,  Eilward. 
Meifsner  Porzellan  162 ff.  318. 
Melanchthon  (Phil.)  91.  95. 
Memleben,  Kloster  279!". 
Mennsdorf  b.  Nöbdenitz  48.  52. 
Mergentheim  346. 
Merseburg  (Bistum)    11.   21.   23 ff. 

32f.  36    60.  78.  236.  24oft".  247 f. 

256.  264    274.  278. 


Merseburg  (Stadt)  115. 
„  Bischöfe:  Heinrichlll.  25.28. 31. 
„  „  „  IV.  26. 

„  „  Thietmar  245.  247.  273ff.  281. 
„  „  Thilo  V.  Trotha  156.  249. 
„  „  Vincenz  v.  Schleinitz   2 56 f. 
Merwede,  Flufs  243. 
Metsch,  Kasp.  157. 
Meucha  (Michowe)  b.  Dobitschen 

45.  68. 
Meuselwitz     (Mutzelbuce)     a,    d. 

Schnauder  36.  62. 
V.  Meuselwitz  (Muzelbuze),  Hart- 
wig 36. 
Meyhner,     Sigismund,     Dechant 

261. 
Michel witz  b.  Lucka  31. 
Miepe  (Bach)  230. 
V.  Milat,  Georg,  alias  Scharffenstein 

261. 
V.  Milatz,  Georg  (Miltitz?  Maltitz?) 

157- 
Mildenfurth,  Präm  -kloster  49. 

Mildenstein  280. 

Milin,  Landschaft  b.  Auerbach  54. 

265. 
V.  Miltitz  (Maltitz?),  Sigm.  157. 
Miriquido(Mirkwiduusw.),Urwald 

243  ft\  248.  277. 
Mirus,  Karl  Adolf,  Hofrat,  Dr.  2 16. 

.  399- 

Misselwitz  b.  Mehna  45. 

Mittelfranken  348. 

Mittelfrohna  24.  23 6 ff. 

Mittelleuben    s.  Langenleuben- 
Niederhain. 

Mittenwalde  289. 

Mittweida  12.   115.  310. 
„  die  Grofse  242.  248. 

Mockern  b.  Saara  77. 

Mockzig  b.  Ehrenhain  72.  78. 

Model  witz  b.  Saara  77. 

, Moder',  die  sog.  b.  Nischwitz  51. 

Möckern  328. 

Mölkau  b.  Leipzig  150.  153! 

Mönch,     Heinrich,     Landrent- 
meister 5. 

Mohlis  (Malus)  b.  Altenkirchen  68. 

Molda  s.  Remse. 

Mens  Crostawitze  237.  239. 

Monstab  (Masceltop ,  Mazeltof , 
Mazeshof)  b.  Altenburg  41  ff. 
62!.  73.  259.  269f 

V.  Montb^,  Oberstleutn.  2. 

Moritz,  der  heilige  16. 


Register. 


413 


Morunijen,  Schlol's  219 

„  Gräfin    Bertha,    Tochter    Wi- 

prechts  v.  Groitzsch  64.  zigf. 

Mosbach,  Kreis  (Baden)  346.  348. 

Mosel  21.  63.  78.   220.    222.   228if. 

265.  268.  271. 

„  die  von  der  228. 

„  Conrad  von  der  55. 

„  Kunz  von  der  78. 
V.  Mosen,  Ulr.  56. 
Mückenberg  283.  286. 
Muckern  b.  Grofsenstein  39.  71. 
Mühlau  236. 

Mühlbach,  der(Par.  Penig)  24.  236. 
Mühlen,  Merkelin  von  der  240. 
Mühlgrün  (Molgnnie)  b.  Auerbach 

53- 
Mühlhausen  105.  214. 
V.  Mühlheim,  Fabian  157. 
Mühlholz  b.  Kuhschnapp el  237. 
Mühltroff  240. 
Müllner,  Mich.,  Pfarrer  26. 
Mülsen  226. 
„  St.  Michael  266. 
„  St.  Niklas  12.  226.  271. 
Mülsenbach  220.  222.  226.  248. 
Mülsengrund  229. 
Mülsenquelle  223. 
München  155.  162. 
Münchenbernsdorf  50. 
Münsa  b.  Altenburg  67. 
Münzer,  Thomas  276. 
Mulde   (Molda)    10.    12.    14.    i6ff. 

23ff.    53.   55.  61.  220.  222.  224. 

226.  23off.  236.  238ff.  263.  265. 

278ff.   310.   318. 
Muldenaue  20. 
Muldensprengel      (Archidiakonat 

der  Naumburger    Diöz.)    10  ff. 

14.  16.  19.  22.  62.  241.  249.  251, 

265. 
Mumsdorf  b.  Zipsendorf  36. 
Musel  s.  Mosel. 
V.  Mutschau,   Herm.,   auf  Lohma 

26.  64. 
„  Adelheid,  s.  Gemahlin  64. 
Mutzschen  (Musitcin)  243. 
Mylau  54  f. 
Mylius  (Christlob)  341. 

V.  Nabditz  die  75. 
„  Gerhard  75. 
Napoleon  (I.)  118. 
Nassehvitz,Wüstungb.Dobitschen 
44  f-  235- 


V.  Natterwitz,  Hans  157. 
Nauendorf   (Nuendorf   usw.)    b. 

Grofsenstein  37 ff. 
Naumann,  Kanzler  Herzog  Hein- 
richs 85.  88.  90.  94. 
Naumburg  10 f.  13.  19 f.  2 3 ff.  3 6 f. 

41.  43.   46.   62.  69.    115.   230.   232f. 

235 ff.    244.    248!.    25off.    262 f. 

266  f.  311. 
„  Bischof  Berthold  I.  34.  70. 
»  »  »  n.  251. 

„  „  Bruno  26.  40.  50.  70.  253. 
„  ,,  Christian  255. 
,,  „  Dietrich  I.  37.  217^.  220.  226. 

»  55  5)  II-  54- 

„  „  Engelhard  56.  224.  228. 

„  „  Eppo  39. 

„  „  Günther  45.  218. 

„  „  Heinrich  I.  80.  264. 

„  ,.  Meinher  54.  65.  250! 

„  „  Richwin  218. 

„  „  Rudolf  31.  66.  254. 

„  „  Udol.  37.  41.  45-  54-  70-  2i7f- 

223.  226. 

„  „  „  II.  2of.  75.  231  f.  234f.  241. 

249. 

„  „  Ulrich  I.  30.  50.  75.  80.  252  f. 
„  „  Walram  218. 
„  „  Wichmann  223. 
„  „  Witego  I.  41.  47.  63.  254. 
„  W^eihbischof  Inrelerius  40. 
Naundorf,  Wüstimg  b.  Callenberg 
239. 
„  b.  Glauchau    14.    i6ft.    45.   69. 

224.  226. 

„  b.  Osterweih  230. 
Neckarkreis  348. 
Neefe  (Chr.  Gottlob)  339. 
Negis  (Nigauneusw.)  b.Dorna  37f. 
Nehmitz  b.  Lucka  31.  34. 
Nenawitz  b.  Altenkirchen  68. 
Nerchau  247. 
Neuber.  Schausp.  340. 
Neuberin  (Carol.  Fried.)  340. 
Neubraunshain  b.  Rositz  42. 
Neudörfel(Par.Ortmannsdorf)  222. 
226. 

„  (Par.  Weifsbach)  12. 
Neudorf  [fr.  Kratzdorf]  (Par.  Kro- 

tendorf)  12. 
V.  Neuenburg,  Burggr. Herrn.  250. 

„  Gertrud,  s.  Gemahlin  250. 

„  Hermann  d.  Ältere,  ihr  Sohn, 
Graf  V.  Mansfeld  u.  Osterfeld 
250. 


414 


Register. 


V.  Neuenburg,  Meinher,  dgl.,  Bf. 
s.  Naumburg. 
„  Günther,  dgl.,  Propst  v.  Naum- 
burg 250. 
„  Hermann  d.  Jüngere,  Domherr 
V.  Naumburg,  Pleil'sner  Archi- 
diak.  26.  250!.  253.  257. 

Neuendorf  b.  Windischleuba    79. 

Neuenmörbitz  b.  Mittelleuba    27. 
60. 

NeueSorge  a.  d.Mülsenquelle  223. 

Neuhof  b.  Rüdigsdorf  28. 

Neukirchen  b.  Crimmitschau  63! 
72.  76.  268ff. 

Neumark  b. Reichenbach  52.  5sff. 
61.  221.  265.  284.  294. 

Neunburg  a.  d.  W.  343.  348. 

Neuschönfels,  Ritterg.  b.  Neumark 

55- 

Neustädtel  i2tf.  61. 

Neustädter  Kreis  129. 

Neuwelt  b.  Schwarzenberg  223. 

Niclaus,  Pfarrer  zcu  dem  Slunz 
68. 

Nicolaus,  Pfarrer  zu  Altmörbitz  28. 
„  ,,  „  Langenreinsdorf  50. 
„  Pleban  in  Gödern  73. 

Niederaffalter  (Par.  Löfsnitz)  12. 

Niederarnsdorf  b.  Ziegelheim  30. 

Niederauerbach  (Urbach)  b.  Auer- 
bach 53. 

Niederbayern     155!.     159.      s.    a. 
Amalie,  Ludwig,  Margarete. 

Niedercrinitz  b.  Wilkau  15.  58. 

Niedereisdorf  241. 

Niederfrohna  24.  23 6 ff. 

Niedergräfenhain  (Eph.  Chemnitz) 
28.  271. 

Niederhain  s.  Langenleuba-N. 

Niederhafslau  b.  Vielau  12. 

Niederhohndorf  b. Zwickau  22.  78. 
265.  268. 

Niederlausitz  27.  78.  147.  283. 

Niederlauterstein  244. 

Niederleupten  b.  Nobitz  75.  77. 

Niederlöfsnitz  (Par.  Löfsnitz)    12. 

Niederlungwitz  b.  Lobsdorf  14.  22. 

Niedermosel  265. 

Niedermülsen  (Par.  Thurm)  14. 

Niederpolenz,  Ritterg.  b.  Meifsen 

.  '54- 
Niedersächs.  Kreis  104.  108  f.  115! 
Niederschindmaas      b.     Meerane 

i7ff.  21  f.  62.  228.  263.  265.  268. 

271. 


Niederschlema  (Par.  Klösterlein) 

12.  227. 
Niedersteinbach  b.  Penig    25.  61. 
Niederwiera  (Eph.  Alten  bürg)  30. 

63.  65.  76.  27of. 
Niederwinkel  b.  Waidenburg  22  f. 

61.  238f. 
Nirkendorf  b.  Ehrenhain    30.    72. 

270. 
Nisan,  Gau  246. 
Nischwitz  b.  Nöbdenitz    48.    5  1  f . 

61.  63.  268. 
Nifsma  (Nizmen)  b.  Kriebitsch  36. 

62. 
Nitzschka  b.  Schmölln  71. 
V.  Nitzschwitz,  Vizeobersteuerdir. 

126.  138. 
Nizizi,  Gau  241. 
Nobitz  (Nibodiz)  b.  Altenburg  63f. 

67.  72.  75.  77f.  224.  270. 
Nöbden  (Nebedim)  b.  Altenkirchen 

45.  66.  68. 
Nöbdenitz    (Nubdicz)    b.  Ronne- 

burg  47!  51  f.  61.  63.  254.  266. 

268.  270. 
Nödenitsch(Nitentsch)b. Schmölln 

71.  266. 

Nörditz  b.  Schmölln  71. 

Nörten  iNortin)  b.  Hartroda  45.  47. 

Nürnberg  13.  95.  157.  159.  285.  343. 

Oberaffalter  (Par.  Löfsnitz)  12. 
Oberalbertsdorf     (Albrechtsdorf) 
b.  Crimmitschau  51  f.  61.  63.66. 

72.  268. 

Oberarnsdorf  b.  Ehrenhain  63.  72. 

269  ff. 
Obercossa  (Cossa)  b.  Altenkirchen 

Obercrinitz  b. Kirchberg  53.  59 ff. 

63.  220.  230.  268. 
Oberfranken  348. 
Oberfrohna  24.  2360". 
Obergräfenhain  271. 
Oberhafslau  b.  Vielau   12. 
Oberhermersdorf  245. 
Oberhohndorf  (Hoendorf) 

b.  Bockwa  16.  18.  69.  226.  265. 
Oberlausitz  i.  104.  io6t.  147.  283. 

306. 
„  Gesellsch.  d.  Wiss.  208.  398. 
Oberleupten  b.  Ehrenhain  72.  77. 

233- 
Oberlödla  (Lidelo)  b.Monstab  42  f. 
63.  73.  260.  262.  270. 


Register. 


415 


Oberlungwitz  2371".  242.  248. 
ObermolDitz  b.  Zschernitzsch  79. 
Obermosel  265.  268.  271. 
Oberneuraark  221. 
Oberpfalz  155.  344f.  348. 
Oberrothenbach  22.  265.  268.  271. 
Obersächsischer  Kreis  104.  108  f. 

iiSf.    . 
Oberscheibe  (Scheibe)  12. 
Oberschindmaas  b.  Meerane  21. 
Oberschlema    (Par.   Klösterlein) 

227. 
Obersteinbach  25. 
Obertitz  (Par.  Groitzsch)  31. 
Oberwiera  (Eph.  Glauchau)  63.  76. 

271. 
Oberwinkel  b.  Remse  23.  61.  232. 

235-  237-  239- 
Oellschütz  (Par.  Hohendorf)   31! 
Oelsnitz  2.  12.  56. 
Örtelshain  b.  Remse  23.  232.  235. 

..    237.  239. 

Österreich  123.  132.  135.  138.  148. 

s.  a.  Ferdinand,  Mechtilde. 
Ortmannsdorf    (Par.  Hartmanns- 

dort)  12.  222.  226. 
Ortwinsdorff  226. 
Oschatz  70.   115.  137. 

„  Verein  f.  Orts-  u.  Volksk.  210. 
Ossa  (Amt  Rochhtz)  28.  48.  271. 
V.  Osterfeld,  Grafen  250. 
Osterweih  b.  Zwickau  16.  igf.  61. 
63.  65  ff.  220.  224tf.  234.  268. 
Ottendorf  b.  Pirna  344.  348.  350. 
Otter,  Hans,  Stadtpfeifer  106. 
Otto  I.,  Kaiser  240.  246  f. 

„  IL,  Kaiser  41.  2j<)i. 

„  III.,  Kaiser  247. 

„  IV.,  Kaiser  18. 
Otto,  Mkgr.  V.  Meifsen  232.  234. 

„  Propst  V.  Zeitz  252. 
Ottokar  IL,  König  v.  Böhmen  265. 
Paditz  b.  Altenburg  67. 
Pahna  b.  Treben  34.  78. 
Paitzdorf  (Batanstorph)  b.  Ronne- 
burg  40.  48.  61.  66. 

Paris  3 12  f. 

Pausa  5. 

Pausitz  b.  Würzen  398. 

Pechgraben  237. 

Pechtelsgrün    (Bertolsgrun)    b. 

Lengenfeld  54. 
Pegau  308.  310. 
Peitz  282.   286.  290 f.  295.  301. 


Penig   18.   24!.   60.    142.  236.  238. 

240.  242.  248.  269. 
V.  Penzig,  die  286. 
Petrus  Pleban  in  Waidenburg  23. 
Petsa  b.  Monstab  u2. 
Peyerfeld,  Par.  12. 
Pfaffenhofen  b.  Kastl  344.  348. 
Pfaffenberg  237. 
Pfarrsdorf  b.  Tettau  73. 
Pfau,  Oberlehrer  Dr.,  in  Rochlitz 

342.  344f-  347-  SSO- 
Pflichtendorf  b.  Kriebitsch  42. 
Pflug  b.  Rüdigsdorf  28. 
V.  Pflug,  Hans  157. 

„  Heinr.    157. 

„  Ott  157. 
Pforta,  Kloster  zu  70.   311. 
Pfuel,  Heyne,  brandenb.  Rat  302. 
Philipp,  Pfalzgr.  156 f.  158.  161. 
d.  König  34.  44.  64. 


Piegel  b.  Groitzsch 


31- 


Pillenreut  307. 

Pillingsdorf  (Grofs-,  Klein-P.)  b. 

Blankenhain  51. 
V.  Pirkisch  (Birgigk),  Ott  157. 
Pirna  137.  280.  283!  288.  350. 

„  Amtsh.  344. 
Plagwitz  328. 

Planitz   b.  Cainsdorf  (Plewenitz) 
5of.  61.  63.  220.  228ff.  265.  268. 

„  Herren  von  der  14 f.  59 f.  228. 

„  Dietrich  von  der  15. 
„  Ludwig  von  der  228. 
V.  Plassenberg,  Äbtissin  Adelheid 

348. 
Plateka  b.  Zedtlitz  33. 
Platschütz    (Platicizci)    b.  Alten- 
kirchen 45.  68. 
Plauen  i.  V.    4.   13 ff.  26!  40.  43. 

S5f.  58.  64.  74.  2i7f.  228.  265. 
„  Altertumsverein  4.  6.  210. 

s.  a.  Reufs. 
Pleifse  31  f.  77.  22off.  237.  265.  272. 
Pleifsengau  (Plisni  Gau)    31.    33. 

41.   45^-    70-   75-    224.  243.  245. 

260.   265  1. 
Pleifsensprengel  loft.  2170". 
Pleifsenwald  240. 
Plohn  (Plona)  b.  Reichenbach  54  f., 

61. 
Pockau  280. 

Podelwitz  b.  Satira  73.  77. 
Poderschau    (Alt-  u.  Neu-P.)    b. 

Monstab  42. 


4i6 


Register. 


Podiebrad,  Georg  v.  Kunstat  zu 

288.  307.  310. 
Pödelwitz  b.  Groitzsch  31  f. 
Pohl  b.  Plauen  i.  V.  27. 
Pöhla  [Bei]  (Par.  Schwarzenberg) 

12.  43. 
Pöhlau  (villa  Bolen)  b.  Reinsdorf 

12.  226!. 
Pöhlde,  Reichsgut  219. 
Pölbitz  (Belwitz)  a.  d.  Mulde  16. 

18.  20.  226. 
Pölhvitz  264. 

Pölzig  b.  Bröckau  37.  223. 
Pöppeln  b.  Corbufsen  39. 
Pösa  b.  Röda  43. 
V.  Poigk,  Rat  126.  131.  133. 
Poifsl,  Familie  in  Ba5^ern  346. 
Polen  119.  134. 
Polenz  b  Meifsen  286. 
V.    Polenz,     Sachs.    Adelsgeschl. 
285.  289.  291.  299ff.  304. 
„  Hermann,  Stammvater  286. 
„  Hans  s.  Sohn  286. 
„  Hennann  s.  Enkel  28'''. 
„  Hans  s.  Enkel  286. 
„  Hermann  s.  Urenkel  286 f. 
„  Wenzel,  dgl.  286. 
„  Hans,  der  eiserne  Polenz,  dgl. 

285  ff.  290 f.  294. 
„  Hans    s.  Ururenkel  286f.   289. 

296. 
„  R.  Nickel,  dgl.  286  ff. 
„  Hermann,  dgl.  286 f. 
„  Wenzel,  dgl.  286.  291.  299. 302  f. 
„  Jakob  sen.,   dgl.  286.  293.  295. 

297!  301  f. 
„  Jakob  jun.,  dgl.  286!  295.  298. 

301  f. 
„  Kristoff,  Nickels  Sohn  289. 
„  Margarete,     geb.     v.     Donyn, 
wiecter  verehel.  v.  Kittlitz  295. 
Pommern  114.  288.  306. 
Ponitz  b.  Meerane  63 f.   74ff.  260. 

267.  270. 
V.  Ponitz,  Fam.  76. 
„  Friedr.  64.  76. 
„  Lutold  76. 
Pontewitz  b.  Mehna  45. 
Poppo,  Hg.  V.  Thüringen  275.  277. 
Posterstein    (Stein)    b.  Nöbdenitz 

48.  58.  66.  74.  76. 
Pott,  Degenhard  3 20 ff.  326. 
Prag  13.  2if.  38.  43.  76.  281.  312. 

339- 
Prasch,  Detl.  s.  Pott. 


Pratau  b.  Magdeburg  230. 
Prehna  b.  Dobitschen  45.  68. 
Preising,  Heinrich  der  345. 
„  Konrad  der  345. 
Prefsburg  290. 
Prefsnitz  248. 

Preu,  Fam.  in  Chammünster  344. 
Preufsen  35.    122.    132.    138!    142. 
270.  323.  s.  a.  Friedrich  d.  Gr. 
Priebus  282. 

Priefel  b.  Nobitz  7  c.  77. 
Prisselberg  b.  Ehrenhain  72.  78. 
Pröfsdorf  b.  Lucka  31. 
Profen  40.  259. 
Promnitz  222. 
Prüm  (Prumiaz)  275 ff. 
Pruzze,  Conrad  u.  Dietrich  78. 
Püdensdorfer,  Fam.  i.  Bayern  347. 
V.  Pürstein,  Herren  267. 
Puonzowa,  Gau  35.  46.  264. 
Puster,Fam.,  im  Schlofs  zu  Stein  48. 

Quast,     Hennig,      brandenburg. 

Ritter  300. 
Quedlinburg  104    115. 
Querfrohna  238. 
Querfurt,  Fürstent.  148. 

V.  Raab,  Kurt  i  ff. 
„  Elisabeth,    geb.  Freiin 

V.  Tauchnitz  s.  Gemahlin  7. 
„  Heinrich    Friedrich,  Oberstl., 

s.  Vater  2 
„  Christiane    Friederike,     geb. 

Hüttner  s.  Mutter  2. 
„  Arno  s.  Bruder  2. 
„  Bruno,  dgl.,  Oberst  2. 
„  Heinrich,  dgl..  Major  2. 
„  s.  Tochter  Frau  v.Schlieben  7. 
Rabe,  Johannes,  aufMechelgrün  i. 
Rabener  125.  341. 
Rabensteiner  Forst  234.  236. 
„  Gebirgszug  244. 
Rabiosus  der  Jüngere  (Anseimus) 
s.  Rebmann,  Andr.  Gg.  Friedr. 
Radmeritz  286. 
V.  Ragwitz,    Balthasar,    Dechant 

84.  88.  90.  94. 
Raitzhain  (Ratzen)  b.  Ronnel^urg 

48. 
Ramsdorf  b.  Luka  31.  3  3  ff.  62. 
Ramung,  Mathias  s.  Speier. 
Ranke,  Leop.  8q. 
Raschau  (Par.  Mittweida)  12. 
Raschwitz  b.  Leipzig  328. 


Register. 


417 


Rasephas    (Rozewacz)    b.   Alten- 
burg 63.  76.  260.  262.  270. 
Rathendorf  (Amt  Rochlitz)  271, 
Raupenhain  b.  Zedtlitz  33. 
Rebesgrün    (Redewischgrune)   b. 

Auerbach  53. 
Rebmann,  Andr.  Gg.  Friedr.  323. 

335 ff.   340. 
Recina,    collis  220.    222 f.  s.  a. 

Borberg. 
Regensburg  106.  117. 
Regino,  Abt  v.  Prüm  275  flF. 
Regis  (Riguz)  31.  39!'.  60.  63.  219. 

267.  270. 
Reichenbach,  Bened.-kl.b.  Roding 

346.  348. 
„  i.V.  52.  S4ff.  59.  61.  217.  234f. 

237.  2?9.  249.  265 f. 
Reichstädt    b.   Altenkirchen  45! 

52.  61.  63.  268.  270. 
Reidnitz  328. 
Reinhold,  Castellan  56. 
Reinholdshain  b.  Jerisau  i8f.  21  f. 

234.  239.  263. 
V.  Reinsberg,  Jörg  157. 
Reinsdorf  b.  Zwickau  12.    14.  61. 

226.  229. 
V.  Reinsdorf,  Albert  240. 
Reitzenhain- Chemnitzer  Str.  277. 
Rempesgrün    (Rempelsgrune)    b. 

Auerbach  53. 
Remse  b.  Waidenburg  20 f.  23.  44. 

61.  63.  65.  76.  23if.  233ff.  2381 

258.  260.  262f.  267ff.  272. 
Reudnitz  150!  153!  s.  a.  Reidnitz. 
Reufs  37.  39.  56. 

Reufs  V.  Plauen,   die  14 f.    265 ff. 
„  Heinrich  II.  Vogt  v.  Gera  59. 
„  „  IV.  d.  Alt.  V.  Gera  47.  55. 
„  „  III.  V.  Greiz  265  f. 
„  „  I.  V.  Plauen  54.  240.  252.  349. 

Mechtild,  Agnes  s.  Töchter  252. 
„  „  II.  V.  Plauen  13.  16.  37  f.  40. 

48.  57.  64.  228.  266. 
„  „  III.  d.  Alt.  57. 
„  „  III.  d.  Lange,  Vogtz.  Plauen 

IS- 

„  „  IV.  d.  IVIittl.  57. 

„  „  V.  d.  Jung.  57. 

„  „  III.  d.  Mittl.,  Herr  zu  Ronne- 

burg  38. 
„  „  IV.  d.  Jung.,  Herr  zu  Ronne- 

burg  38.  265. 
„  .,  Herr  zu  Ronneburg  265! 
„  „  HerrzuPlauen(i475)  157.161. 


Reufs-Gera  35. 
Reufs-Greiz  35. 
Richer,  sacerdos  218. 
Riedesel,  Generalmajor  119. 
Riemer,  Joh.  Salomon  326.    328. 

330.  333- 
Rietschel,  G.  94 ff. 
Ritter,   Florian,  Stadtpfeifer  106, 
Rochlitz  48.    236.   243.    247 f.   269. 

271  ff.   279.   295.   308.  342.    347. 

3Sof- 
„  Amtsh.  344  0. 
„  Verein  f.  Rochl.  Gesch.  211. 

Rochsburg  241. 

V,  Rochsburg    (Rochkesberc), 
Günther  236. 

Roda  b.  Altenburg  345.  348. 
„  b.  Chemnitz  271. 
„  b.  Hohenkirchen  46  f. 
„  Wüstung  b.  Pölzig  223. 
„  b.  Syhra  28.  60. 

Rodameuschel  b.  Mehna  45. 

V.  Rodau,  Heinr.  240. 

Rodewisch  b.  Auerbach  53. 

Roding  (Oberpf.)  348. 

Röda  (Grofs-,  Klein-R.)  b.  Alten- 
burg 43.  63.  269. 

Rödigen  b.  Oberlödla  43.  73. 

Röhrsdorf  b.  Niederwiera  76. 

Rörer  (Gg.)  96.  99  f. 

Röthenbach    (Rotenbach)     b. 
Reichenbach  5  3  ff.  61. 

Röthenitz  (Rosenezdorf)  b.  Alten- 
kirchen 45,  68. 

Röthigen  b.  Deutzen  33. 

Rolika  b.  Mehna  45. 

Rom  310. 

Romschütz  (Romschitz)  b.  Alten- 
burg 43!".  63.  67 f.  73  f.  269! 

Ronneburg  b.  Gera  35.  38 ff.  47! 
5of.  57.  61.  66.  265 ff.  270.  272. 

Roschütz  (Rodessicz)  (S.-A.)  38. 

V.  Rosen  325. 

Rositz  b.  Monstab  41  f.  63.  73.  270. 

Rosla  296. 

Rossendorf,  Wüstung  74. 

Roismarkt,    Friedr.,  Pfarrer  253, 

Rofswein  245. 

Rothe ,     Oberproviantkommissar 
125. 

Röthenbach    (Par.  Glauchau)   fr. 
Rothenberg  14. 

Rothenburg    o.  d.  T.    345  f.    348. 
350  f. 

Rothenkirchen  b.  Auerbach  53. 


4i8 


Register. 


Rottmannsdorf  220.  230. 
V.  Rüden,  Irmengard  346. 
Rückersdorf  b.  Haselbach  52.  61. 
Rüdigsdorf  (Amt  Rochlitz)  28.  60. 

271. 
Rützengrün      (Ruczengrune)      b. 

Auerbach  53. 
Runsdorf  b.  Gieba  73. 
Ruppersdorf  b.  Lucka  31.  35.  62. 
Rufsdorf  (Rulestorff)  b.  Blanken - 

haingif.   57.  63.  236ff.  268. 
Rufsland  s.  Alexander,  Elisabeth. 

Saale  243.  245.  279.  310.  317.  348f. 

Saalkreis  343.  345. 

Saara  b.  Altenburg  63.  65.  67.  73! 

77!  270. 
Sachsen  5.  62!  82.  105.  107.  115. 
118  f.  122  f.  127!  130.  i34tf. 
141  ff.  148.  150.  153.  156.  i6if. 
265.  27off.  284  f.  287!  290  f. 
293!'.  299f.  300.  302ff.  322.  335. 
342 ff.,  s.  a.  Altertumsverein. 
„  Vorgeschichtl. Funde  1906. 1907. 

213. 
„  Ordensniederlas-sungen.  257  t. 
„  s.  a.  Albrecht,  Anna,  August, 
Elisabeth,     Ernst,     Friedrich, 
Friedrich    August,    Friedrich 
Christian,     Georg,     Heinrich, 
Johann,  Johann  Friedrich,  Karl, 
Katharina,    Margarete,    Maria 
Antonia,  Xaver,  Wilhelm. 
,,  Altenburg  10.  271.  345. 
„  Weimar  35.  344  f. 
„  Weifsenfeis  148. 
„  (Prov.)  343.  345  ff- 
„  Kommission,   Hist.,  f.  d.  Prov. 
S.  u.  d.  Hrzgt.  Anhalt  394. 
Sachsenfeld  (Par.  Peyerfeldj  12. 
Sachsenburg  a.  d.  Zschopau  244  f. 

279.  281. 
Sachsenrodab.Hohenkirchen  46  f. 
Sack,  Ulr.  240. 
Sagan  284.  311. 
Salbach  106. 

„  Samuel,  Stadtpfeifer  105. 
St.  Niclafs  26. 

St.  Peter  zur  Lungwitz  14.  22. 
S.  Wigbertus  275. 
Sandberg  b.  Wiederau  273. 
Sarmund,  Schlofs  i.  d.  Mark  300. 
Sassenberg  281. 
Saupersdorf  b.  Kircliberg  15. 
Savoven  122. 


Saxe,  Chevalier  de,  Generalfeld- 
marschall 138  f. 
Seegin  s.  Stein. 
Scharffenstein  261. 
Scharzfeld,  Reichsgut  219. 
Schedewitz  (Schetwicz)  b.  Oster- 

weih  16.  18.  69.  226.  230.  265. 
Scheibenber^  116.  271. 
Sche(i)bicht,  Wüstung  b.  Schlunzig 

22. 
Scheidebach,  der  21. 
„  Dorf,  jetzt  Wüstung  Scheibicht 

22.  231. 
Scheidenbach  222. 
Schelditz  b.  Rositz  42.  73. 
Schellenberg  281.  291  f. 
Schenck,  Jakob   82.  88.  90!'.  93!. 

96  f. 
Schenk  s.  Schenck. 
Schenk  v.  Nebra,  Heinrich,  Archi- 

diak.  253.  255.  257.  263. 
Schenkendorf  292. 
Schimmelmann,  Graf  142. 
Schindmaas  22.  222.  s.  a.  Ober-  u. 

Nieder-Sch. 
„  (Schimnitz)  231. 
Schirna   Blisna  (der  Örtelshainer 

Bach.  237. 
Schkölen,  Hof  219.  259. 
Schlagwitz  b.  Wolkenburg  23.  61. 

63.  231.  269.  271  f. 
Schlauditz  b.  Monstab  42. 
Schleenhain  b.  Hohendorf  32. 
v.  Schleinitz,  Dietr.  157. 
„  Friedr.  157. 
„  Hugolt  157. 
„  Jan  303.  305. 
„  Vincenz  s.  Merseburg. 
Schleiz  3.  40.  (Schlawitz)  259.  345. 

Vogtländischer  Verein  6. 
Schiettau  (Slatyna)    b.  Annaberg 

13.  248. 
Schlick,  Herr  zu  Ellbogen,  Niklas 

157- 
Schüeben  282. 
V.  Schlieben,  Kultusminister  7. 

,,  Liborius  Johannitermeister 309. 
Schlöpitz  b.  Saara  77. 
Schlossig  b.  Schmölln  71. 
Schlotta    (Schletta     b.    Meifsen?) 

119. 
Schlunzig  (Slunz)  b.  Glaucliau  1 6  ff. 

61.  63.  68.  220.  222.  226.  23of. 

271. 
Schmetz  (Smezt)  b.  Gieba  73. 


Register. 


419 


Schmidt,  Berthold,  Archivr.,  Dr. 

399- 
SchmöHn    (Smohie,     eccl.    Zmul- 

nensis)  ji  f.  57.  63.  66.  yof.  77. 

253.  259.  266.  268f.  270.  272, 
Schnabel,  Johannes,   Prediger  in 

Culmbach  95. 
Schnauder  (Flufs)   31  ff.  40.  46. 
Schnauderhainichen     b.    Zipsen- 

dorf  36. 
Schneeberg  (Stadt)  12 f.  115. 

„  (Berg)  266. 
Schneppendorf  (Par.  Thurm)    14. 

69.  226.  260. 
Schömbach  b.  Mittelleuba  27.  221. 
Schönau  b.  Wiesenburg   12  ff.  61. 

227.  229.  271. 
Schönberg  b.  Tettau   63.  73.  271. 
V.  Schönberg,  Präsident  (Bernh  K. 

Frz.)  6. 
,  kursächs.  Rat  107. 
,  Bernhard  157!'.  161. 
,  Ernst  157 f. 
,  Hans  157.  161. 
,  Heinrich  157. 
,  Kaspar  157!  161. 
Schönbörnchen  b. Glauchau  14.  22. 
Schönburg  22.  65.  67.  69.  78.  222. 

237.  267.  271 
V.  Schönburg,  Herren  265  f.  269.271. 
„  Ernst  IL    21.    23.    69.   73.    238. 

367.  271. 

Friedrich  I.  18. 

„  III.,  der  Jüngere  33. 

„  V.  64. 

Fritzko  VI.  64. 

Hermann  253. 

„  IL  18. 

„  IIL  18. 

„V.  64. 

Sigisinund  22. 

Wilhelm  297 

Crimmitschauer  Linie  22: 

Friedrich  IV.,   Herr  zu   Crim- 
mitschau 64! 

Günther,  desgl.  235. 

Heinrich,  desgl.  18.  64.  257. 

Hermann  VI.,  desgl.  21. 

Glauchau:  Friedrich  VII.  21. 

Hinterglauchau:      Graf    Otto 

Ernst  14. 

„  Graf  Albert  Christian  Ernst 

14- 

Edler  Fritzko,  Herr  zu  Hassen- 
stein 13. 


V.  Schönburg,  Ilse,  s.  Gemahlin  13. 

Schönefeld  b.  Leipzig  328. 

V.  Schönfeld,  Friedr.   157. 

Schönfels  (Alt-,  Neu-Sch.)  b.  Neu- 
mark 55  f.  221.  265  f. 

Schönheide  b.  Eibenstock  53. 

Schönitzsche  Sache  83. 

Schöttgen  279. 

Schollis,  Johann,  Dechant  261. 

Scholze  (Sperontes)  339. 

Schröder,  Wilh.  117. 

Schütz,  Heinr.,  in  Dresden  107. 

Schulpforta,  Landschule  137. 

Schurzauf,  Gregor,  Kaplan  261. 

Schwaben  (Eph.  Glauchau)  23. 
271  f.  305. 

Schwanditz  (Zvenz)  67  f.  73. 

Schwarzbach  (Par  Mittweida)  12. 

V.  Schwarzburg,  Giraten  349 

Schwarze  Pockau  244. 

Schwarzenberg  12 f.  115.  266. 

Schwarzwasser  (Scurnice)  b.  Aue 
220.  222f.  227.  229.  248. 

Schweinitz  282. 

Schweinsburg,  Schlofskapelle  zu, 
b.  Neukirchen  72.  398. 

Sclavonia  279. 

Sebitz  b.  Windischleuba  79. 

Seelingstädt  (Selgstadt,  Seligen- 
stad)  b.  Trünzig  49.  61. 

Seelitz     (Amtsh.   Rochlitzi    344  f. 

351- 

Sehma,  die  248. 

Seideneck,  Lupoid  346. 

Seligenstädt  (Selgenstad)  b.  Lan- 
genberg  38. 

Selka  b.Lohma(Schmölln)  71.  266. 

Selleris  b.  Saara  77. 

Seiwitz,  Wüstung  b.  Monstab  41. 

Senftenberg  283 f.  286.  290.  293 ff. 
298.  301  ff.  311. 

Serbitz  b.  Treben  34. 

Sievers,  Graf  235. 

Sigismund,  Kaiser  285 ff". 

Silbenstrafse  (Arme  Ruh)  b.  Kirch- 
berg 14! 

Sixtvis  IV.,  Papst  80. 

Slaven  273.  275!  283 

SöUmnitz  (Selmiz,  Selmice  usw.) 
b.  Dorna  37!'. 

Sommerfeld  282.  286.  299. 

Sommeritz  b.  Schmölln  71. 

Sonnenwalde  283. 

Sorau  282. 

Sorben  279. 


420 


Register. 


Sosa  (Zoze)  b.  Eibenstock  13. 

Spalatin  (Gg.)  96. 

Spandau  309. 

Speier,  Bischof  Mathias  Ramung 

155.  i57f.   i6of. 
Sperontes  s.  Scholze. 
Spiegel,  Diethrich  157. 
Spielsdorf,  Wüstung  i.  d.  Herrsch. 

Waidenburg  239. 
Spora  (Zeitz)  36. 
Spree  115. 
Spremberg  295. 
Sprotte,    Flufs,    b.  Schmölln   52. 

71- 
Städtel  (Grünstädtel)  (Par.Schwar- 

zenberg)  12. 

V.  Stammer,  Kanzler  120. 

Stangendorf  b.  Thurm  226.  266. 

Stangengrün    b.  Hirschfeld    5  8  ff. 
63.  220.  230.  268. 

V.  Starkenberg,  Burggrafen  32.  43. 
267. 
„  Burggraf  Erkenbert  II.  65.  73. 
258.'  ^ 

Starschädel,  Hemr.  161. 

Stein  (Stegen,  Seegin)  s.  Grofsen- 
stein. 
„  Beidorf  b.  Nöbdenitz    48.   61. 

222. 
„  a.  d.  Chemnitz  243. 
„  a.  d.  Mulde  55. 
„  (Poster-St.),  Schlots  b.  Nöbde- 
nitz 48.  58.  266. 

Steinbach  b.Flemmingen  (Nieder-, 
Ober-St.)  24!  29! 

Steinbach,  der  24! 

Steinbrück,  Inspektor  d.  Meifsner 
Manufaktur  162.  164. 

,Steinfüchse'  b.  Mosel  222. 

Steinpleis  b.  Werdau   58.  61.  221. 
263    268. 

Steinsdorf  b.  Schmölln  71. 

Steinwitz    (ütennwicz)    b.    Alten- 
burg 235. 

Stenn  b.  Neumark  55. 

V.  Sternberg  (jaruslav)  157.  161. 

V.  Stetten,  Wilh.  346. 
„  Hildegard,  s.  Gemahlin  346. 

Stöbnitz     (Grofs-,     Klein -St.)    b. 
Schmölln  71. 

Stöcken  b.  Trünzig  49. 

Stötteritz  328. 

Stollberg  116.  151.  248. 

Stolle,  Konr.  309. 

Stolzenberg  1).  Ronneburg  48. 


Storkow,  Herrschaft  282.  292. 

Strakonitzer  Bund  307. 

V.  Strafsberg,  Vögte  349. 
„  Jutta  s.  Gera. 

Strafsburg  105. 

Strehla  70. 

V.  Streitberg,  Paulus  156. 

Striegis  280. 

Strungk  -  Döbrichtsches    Oper- 
unternehmen in  Leipzig  340. 

V.  Studen,  Adelsgeschlecht  77. 

Stübel,  Bnmo,  Hofr..  Dr.,  Ober- 
bibl.  a.  d.  Kgl.  öff.  Bibliothek  zu 
Dresden  215. 

Stünzhain  (Stüntzh.)  b.  Altenburg 
63.  67.  77.  270. 

Stützengrün  b.  Auerbach  53. 

V.  Stuternheim,  die  295. 

Susali,  Gau  241.  243. 

Swencz  s.  Zwönitz. 

Swevi  41  f. 

Syhra  b.  Geithain  28.  48.  60.  271. 


Tabor  290. 

Taltitz  b.  Plauen  56.  240. 
Tanbeck  b.  Weimar  308. 
Tanna  b.  Braunshain  46  f. 
Tasching  b.  Chammünster  345. 
V.  Tauchnitz,     Freiin    Elisabeth, 

Gemahlin  Kurt  v.  Raabs  7. 
Taupadel  b.  Schmölln  71. 
Taurastein  b.  Burgstädt,  der  273. 

278. 
Tauscha  b.  Penig  24.  236. 
„  (Tossowe,     Kleintauscha)     b. 

Altenkirchen  45. 
Tauschwitz  (Grofs-T.,  Tussuwiz) 

b.  Altenkirchen  68. 
Tautenberg,  Schenk  Jörg  Herr  zu 

157.  161. 
Tautenhain  b.  Gieba  73. 
Techwitz  (Techebodiz)  223. 
Tegkwitz  (Teckewicz,  Techewitz) 

b.  Altenburg    43.    55.    63.    73. 

270. 
,,  Erkenbert  44.  231.  234f. 
Telemann,  Gg.  Phil.  339! 
Tettau  b.  Meerane  63.  65.  73.  269. 

272. 
Teufelstein  a. Schwarzwasser  223. 
Teupitz,  Herrschaft  282.  292. 
Teuritz  b.  Lucka  31. 
Tham,  Casp.,  Dechant  261. 
Thanhof  b.  Lichtentanne  55  f. 


Register. 


421 


TheodoricLis ,     praepositus    Misn. 

eccl.  225. 
Theusdorf  b.  Syhra  28. 
Thierbach  b.  Penig  24  f. 
Thierfeld   b.  Hartenstein   12.  227. 

271. 
Thietmar  s.  Merseburg. 
Thonberg  b.  Leipzig  328. 
Thonhausen  b.  Crimmitschau  51. 

63.  270. 
Thräna  (Par.  Treben)  33  t. 
V.  Thümen,  die  289. 
Thüringen  5.  287.  308.  348!. 
Thüringer,  die  309  f. 

„  Archivtag,  12.  Thüringer  394. 

„  Thüring.   Histor.   Kommission 

395- 
„  s.a.Balthasar,  Friedrich,  Poppo. 
Thurm    b.  Glauchau    14.    61.    69. 

226.  266. 
Tilsit  118. 

Tirschheim  b. Oberwinkel  23.  239. 
Torgau  116.  120. 
V.  Torgau,  die  295. 
,,  Foltsch  291.  301. 
„  Hans  286. 
Treben  b.  Frohburg   33!.  40.   44. 

60 ff.  78.  251.  270. 
Trebula    (Ztribeglowe)    b.  Alten- 
kirchen 68. 
Treppenhauer,  der,  Hügel  b.  Sach- 
senburg 279.  281 
Treuenbriezen  308. 
Trier  277.  312. 
Triptis  i6.  65.  79.  229. 
V.  Trotha  (Tratt),    Hans  (Trapp, 

Hans)  156. 
„  Klaus  157.  161. 
„  Thilo  156. 
Truchsess,  Hans   161. 

,,  Heinr.   157.   161. 
Trünzig  49.  61. 
Trützschler  Holz  237. 
Tschechen  283.  310. 
V.  Tschirnhausen  (Ehrenir.Walth.) 

Tuchurini,  Gau  245. 
Tübingen  315. 
Tümmel,  der,  b.  Pleifsa  237. 
Tzschopa  s.  Zschopau. 


Uhlmannsdorf  b.  Ziegelheim  30. 
Ulrich,  Archidiak.  28. 
Ungewifs  (Ungewitzi)  231. 


393- 


12.  61. 


310. 


52- 
b. 


Unterleuba  b.  Lohma  a.  d.  L.  64. 
Unterlödla  b.  Monstab  42. 
Untermolbitz  b.  Zschernitzscli  79. 
Unterscheibe  (Scheibe),  Par.  Mitt- 

weida  12. 
Unterspeisen  (Saalkr.)  345. 
Unterzetzscha  b.  Treben  78. 
Untschen  b.  Schmölln  71. 
Ursinus  276.  281. 

Vedu,  Gau  245. 

Veitsberg  49. 

Veiten  (Schauspieldir.)  340. 

Verein  für  Brüdergeschichte  212. 

,,  für  Sachs.  Volkskunde  211. 
Versailles  119. 
Vielau  (Vila)   b.  Zwickau 

226f.  229.  271. 
Vilseck,  Oberpfälz.  Amt  156. 
Vitztum,  Ritter  Apel  85.  91. 
Vitztume,  die  295.  308. 
Vlämen  150  ff. 
Vogel,  Joh.  Jak.  324.  326. 
Vogelgesang  b.  Rückersdorf 
Vogelsgrün    (Voistelsgrune) 

Auerbach  53. 
Vogtland  i.  3  ff.  240.  349.,  s.  a. 

Hohenleuben. 
V.  Vohburg,  Mkgr.  Diepold  II.  346. 
Voigtlaide  b.  Glauchau  14. 
Voigtsberg,  Amt  5. 
Voigtsgrün  b.  Ebersbrunn  55. 
Volkersdorf  b.  Dresden  291. 
Vollmershain  b.Nöbdenitz  48.  266. 

Waaswitz  (Wazenewicz)  (Reufs) 

37  ff. 
Wahlen  231. 
Walddorf  b.  Trünzig  49. 
Waidenburg  23.   60.   63.  76.   231. 

235 ff.  241  ff.  248.  266.  271! 
V.  Waidenburg,  Herren 

,,  Heinr.  30. 

„  Hugo  233. 

„  Unarch  30. 
V.  Waldenfels,  Jörg,  Kammermei- 
ster 157.  302. 
Waldheim  137. 
Waldkirchen  54.  61. 
Waldsachsen  b.  Ponitz  75  t. 
Walman,  Günther  157. 
V.  Wallenhausen,  Heinr.  346.  351. 
Walpurgis  (die  Heil.)  30. 
Waltersdorf  b.  Kriebitsch  42. 


422 


Register. 


Walther,  Kastellan  56. 
Wernenis  praepositvis  de  Molda 

232- 

Warschau  120.  126. 

V.  Wartha,  Hugo  70.  233.  235. 

[Wasser]  -  Uhlsdorf  b.  Nieder- 
winkel 23.  2  3  8  f. 

Wechmaier  i^Wechmar?),  Erhart 
161. 

Wechselburg     (Amtsh.   Rochlitz) 

344-   351- 
Wegehaupt,  Heinr.  263. 
Welilen,  Schlofs  u.  Herrsch.  303. 
Weickhart,  Heinr.  157. 
Weida  4.  35.  40.  49.  66.  228.  2^<)i. 

268.  270.  272.  310.  342.  344! 
V.  Weida,  die  Vögte  56.  349. 
„  Landmeister  Heinrich  344.  350. 
„  Vogt  Heinrich  IL  der  Reiche 

228. 
„  „  Heinrich  VlIL  64. 
Weidensdorf   b.  Jerisau  (Weide- 

mannesdorff)   20 f.   23.  44.  231. 

2  34  f. 
Weidmannsstand  (Weydemannis- 

sciets,  coUis)  220. 
V.  Weiler,  Ritter  Konrad  346. 
Weimar  3.  35.  214.  308.  310. 
Weise,  Christian  315. 
Weil'sbach  b.  Nöbdenitz    12  f.  48. 

61.  63.  227.  270. 
V.  Weilsenbach,  die  71. 

„  Hans  63. 
Weilsenborn  b.  Mosel  22.  46!".  78. 

220.  227!  230.  265.  268. 
Weifsenbrunn  63. 
Weifsenfeis  31.  116.  323.  346. 
Weifseritzdämme  121. 
Weller,  Fam.  in  Freiberg  86. 
,,  Sup    221. 
Wendisch -Rottmannsdorf  (Rucz- 

merstorff    usw.)    b.  Cainsdorf 

58!  61.  63.  228.  268. 
V.  Werben,  Meinher  227. 
Werdau  15.  57!  61.  G^i.  220.  254. 

2631.  266.  268.  272. 
Werdauer  Wald  57.  61. 
Wernsdorf  (Wemherestorp)  b. 

Braunshain  14.  18 f.  24.  25.  38! 

461  61. 
Wernesgrün  (Bernersgrune)  b. 

Auerbach  53. 
Wernher,  Kaplan  z.  Bosau  73. 
Wernherus    Plebanus    in    Lidelo 

73- 


Wesensteni  303. 

Wetlen  (Bethlehem),  Wüstung  b. 

Ronneburg  39. 
Wetteiswalde  b.  Nöbdenitz  48. 
Wetterfeld  b.  Cham  345. 
Wettin,  Wettiner    37.  57.  59.   70. 

n6.  155.   158.  26sff.  271.  282 ff. 

295. 
Wickersdorf  b.  Oberwiera  76. 
Wiechel,  Oberbaurat  233.  278. 
Wiedendorf  (Wetentorp)   1). 

Langenleuba-Oberhain  24! 
Wiederau  273.  279. 
Wien  105.  119.  i23f.  135.  287.  293. 

312- 

Wiesen  b.  Kirchberg  12.  i4f. 

Wiesen hurg  b.  Kirchberg  12.  15. 
58.  60.  228.  231. 
,,  Herrschaft  265! 
„  Amt  268. 

V.  Wiesenburg,  Herr  295. 
„  Hans  292. 

Wiesenmühle  b.  Monstab  42. 

Wiesenthal  (Eph.  Annaberg)  271. 

Wilchwitz  b.  Nobitz  75.  77. 

Wildbach  (Wilbach)  b.  Harten- 
stein 12.  227.  271. 

Wildenau  (Par.  Peyerfeld)  12.  53. 
60. 

Wildenbörten  b.  Hartroda  46.  63. 
7of. 

Wildenfels  b.  Härtensdorf  12  t. 
226 f.  266. 

V.  Wildenfels,  Edler  Anarch  267. 

Wildenhain  b.  Ramsdorf  31  f.  35. 

Wilhelm  L,  Kaiser  3. 
„  Herzog  v.  Sachsen  59.  306  ff. 
„  IL,  Landgraf  V.Sachsen- Alten- 
burg 261. 
„  L,  Mkgr.  V.  Meifsen  56 f. 
„  IL,  „  „  „63.  258.  266. 

Wilkau  b.  Kirchberg  15  f.  58.  228. 

Wilsdnilf  310. 

Wilsnack  299. 

Wilzsch,  die  53. 

Wind,  Pfandleiher  in  Leipzig 
336f. 

Windischleuba  (in  parvo  Luben 
usw.)  b.  Altenburg  63.  78 f. 
270. 

Wintersdorf  b.  Kriebitsch  42.  62. 

Wissepnig  (  =  Hochpenig  od.  Alt- 
penig)  242.  278. 

Witrad,    Archidiak.    218  f.    249  f. 

257- 


Register. 


423 


Witteisbacher,  die  161.  282. 
Wittenberg  85.  89.  91.  93ff.  loof. 
116.    269.    290.    302.    304.    308. 

3i4f.  317-   323f.   327-  335- 
Wittgensdorf  278. 
Wladislaw  Posthumus  v.  Böhmen 

287.  294. 
Wöditz  b.  Magdeburg  230. 
Wolcoldus    Misn.    eccl.   antistes 

242. 
Wolfersgrün  b.  Hirschfeld  59. 
Wolframsdorf  b.  Trünzig  49. 
V.  Wolframsdorf,  Luppold  49. 
V.  Wolfsbach,  Götz  157. 
V.  Wolfstein,  Wilh.  161. 
Wolfstieg  (Wolfticz),  Wüstung 

b.  Kretschewitz  38. 
Wolftitz  b.  Greifenhain  2 8  f. 
Wolkenburg    23.    25.    30.    61.   63. 

231.    233.    235.   238f.  252.  266f. 

269  ff. 
Wolkenstein  89.  116.  248. 
Wolperndorf  b.  Penig  30.  61.  63. 

270. 
Woz  (Wosize,  Gvozdec  usw.)  b. 

Constappel  281. 
Würschnitz  242. 
Württemberg  346  t. 
„  Urach,  Graf  Eberhard  i.  Bart 

^55- 
Würzburg  2740.  312.  349. 

„  Bischof  Arn  v.  243.  273  ff. 

Wüstenbrand  2 36 ff.  248. 

Wüstenhain  b.  Gnandstein  28 f. 

Wulm  iVulmin)  b.  Vaterweih  16. 
18.  69.  226. 

V.  Wurmb,    Friedr.  Ludw.,    Ge- 
heimrat 120  ff.  125  ft.  142. 

Würzen  116.   247 f. 

Wusterhausen  282. 

Wustmann  323.  327.  335!  339. 

V  Wvda  55. 

Wyhra    (Flufs)  24.    26.    28ff.    33. 
60.  242. 
„  (Pfarrei)  33. 


Xaver,    Prinz    v.  Sachsen    1191 
148.  33?. 


Zachariä  (Just  Friedr.  Wilh.)  3i6f. 

324.  341. 
Zagkwitz  b.  Schmölln  71. 
Zahn,  Kammerkommissar  124. 


Zahna  308. 

Zara,  Gau  282. 

V.  Zarowe,  Geschlecht  77. 

Zcocklitz,  Wüstung  (Zeitz)  36. 

Zechau  b.  Monstab  42. 

„  Sigm.  157. 
Zedtlitz  b.  Borna  33.  60. 
Zehma  b.  Saara  77. 
Zeitz   II.    13.    19!    29     3if.   34fif. 

43f.  47ft.   57.  61.  63.  116.  2i7f. 

223.  232.  24off.  244f.  249.  251. 

257-    259.    262.    264ff.  270.   272. 

308.   347f. 
Zelle  227. 

Zenger,  Jörg,  v.  Thanstein  347. 
V.  Zentzsch,   Geh.  Kriegsrat  120. 

122.  125. 
Zerbst  116.  304. 
Zetkau  (Par.  Kriebitsch)  41. 
Zettweil  (Zcetebell  b.  Kayna  37t. 

.  43- 
Ziboto  s.  Albrecht. 
Ziegelheim  b.  Waidenburg  30.  63. 

65.  72.  76.  267.  27off. 
Zinnberg,    Par.    Penig    23 f.    236. 

240. 
Zimmermann,    Niklas,    Dechant 

261. 
V.  Zipsendorf,  Herbo  36. 
Zipsendorf  (Cj'bezlaundorf)  a.  d. 

Schnauder  36.  62. 
Zittau  105  f.  120. 
„  Gesellsch.   f.  Zittauer   Gesch. 

2 1  o  f . 
Zlomecia,  Gau  245.  279. 
Zöblitz  244.  280. 
Zorbau  259. 

Zossen  b.  Altenkirchen  45.  282. 
V.  Zschadrafs  27.  74. 

„  Dietz  27. 
Zschaiga  b.  Ehrenhain  72.  78. 
Zschackau,     Fam.    in    Zwickau 

253. 

„  Johannes,  Pfarrer  78. 

,,  Wernher,  Ratsherr  80. 

„  Kunegundis  s.  Witwe  80. 
Zschaschelwitz  b.  Altenburg  21. 
Zschechwitz,  Par.  Rositz  41.  67. 

77- 
Zschernitzsch   (Grofs-,   Klein -Z.) 

b.  Altenburg    63.    65.   71.    79. 

270. 
Zschillen  279.  347.  351. 
Zschippach  (Reufs)  37. 
Zschocher  329  f. 


424 


Register. 


Zschocken  (Schocke)   b.  Harten- 
stein 12.  226  f.  229. 
„  Zollhaus  223. 
Zschöpperitz  (Zioporice)  b.  Alten- 
kirchen 68. 
Zschopau  116.  244.  279ff. 

„  (Flufs)  244!  248. 
Zschorlau(Schorel)Par.Neustädtel 

12. 
Ztarekoztol  s.  Altenkirchen. 
Zürchau  (Circhowe)  b.  Altenburg 

63  f.  74!  2691 
Zumroda  b.  Gieba  73. 


Zweitschen  b.  Mehna  45, 
Zwentibold  v.  Mähren  276  f. 
Zwickau  11.    i6ff.    22.    35.  49.  53. 
SSf.  61.  63.  64iT.   68f.    74.  78f. 

81.    116.    22oft.    250.    259f.    2631 
268.   270.    272.    398. 

„  Amt  265!  268. 
„  Gau  24of.  244.  265. 
Zwirkel  v.  Ziegelheim,  Johannes, 

Pfarrer  253. 
Zwitich,  Wüstung  b.  Oschatz  70. 
Zwönitz    (Swencz)    68.    223.   242. 
246.  248. 


Buchdruckerei  der  Verlagshandlung. 


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